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Studienarbeit aus dem Jahr 2008 im Fachbereich Pädagogik - Sonstiges, Note: 1,0, Universität Osnabrück, Veranstaltung: Leben am Rand? – Sozialpädagogisches Handeln in Lebenswelten jenseits der "guten Gesellschaft", Sprache: Deutsch, Abstract: [...] Im Folgenden wird also vor allem die rechtliche Situation von Prostituierten in Deutschland in Verbindung mit ihrer sozialen Stellung im Fokus meiner Ausführungen stehen, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf jener Entwicklung hin zum neuen Prostitutionsgesetz und darüber hinaus auf dessen Auswirkungen liegen wird, sodass dem zeitlichen Rahmen eine Spanne vom 19. Jahrhundert bis heute beigemessen wird. Ziel dieser Arbeit soll es also sein, Prostitution als „eine sexuelle Dienstleistung außerhalb der Ehe gegen Entgelt“ im historischen Kontext so darzustellen, dass ein möglicher Wandel im rechtlichen und sozialen Umgang mit diesen Frauen ersichtlich werden kann. Dabei wird auch das gesellschaftliche Frauenbild eine bedeutsame Rolle spielen. Hat ein Wandel im gesellschaftlichen Bild von Prostituierten stattgefunden? Und wenn dem so ist, wie sieht dieser Wandel aus? Inwiefern haben die Gesetzesänderungen in die eine oder andere Richtung dazu beigetragen? Wie also hat sich z.B. das neue Prostitutionsgesetz auf den Umgang der Gesellschaft mit Prostituierten in der Realität ausgewirkt? Kann man Prostitution zu Recht und auch heute noch als eine Lebenswelt am Rand bezeichnen? Dementsprechend wird es im Folgenden also weniger um die von Prostituierten selbst angeführten Ursachen und Gründe gehen, sich zu prostituieren – einzig die Hauptmotivation der Existenzsicherung wird behandelt werden. Auch können weder die verschiedenen Erscheinungsformen der Prostitution noch die regionalen oder länderbezogenen Unterschiede in der Umgangsweise mit diesen Frauen berücksichtigt werden, wenngleich alle diese Aspekte von Bedeutung sind. In dieser Arbeit werde ich mich vorwiegend auf die mehr oder minder freiwillige Prostitution in Deutschland beziehen, sodass weitergehend auch nicht auf die Bereiche Frauen- und Menschenhandel sowie Zwangs- und Kinderprostitution eingegangen werden kann. Überdies werde ich, wenn ich von Prostitution spreche, von der weiblich-heterosexuellen Form ausgehen, obgleich auch andere Formen wie z.B. die männliche Prostitution vorhanden sein werden. [...]
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Veröffentlichungsjahr: 2009
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SS 2008 Abgabedatum: 24.07.2008 Universität Osnabrück Fachbereich 03 - Erzieh./ Kulturw. Seminar: Leben am Rand? - Sozialpädagogisches Handeln in Lebenswelten jenseits der "guten Gesellschaft"
Große Hausarbeit zum Thema Prostitution (3 Lp - insgesamt 5 Lp)
Leben am Rand der Gesellschaft.
Rechtlicher und sozialer Wandel der Situation sich prostituie-
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„Ich liebe das Leben, den Regen, den Wind. Ich liebe die Musik von Bach, Vivaldi […]. Ich liebe Kinder, meine Kinder. Durch jede ihrer Gesten entdecke ich das Leben. Ich liebe meine Wohnung, ich koche gern für meine Freunde […]. Ich liebe die Wärme meiner Freunde […]. Ich liebe es, hübsch zu sein, so aus Spaß […]. Ich bin also eine Frau wie ihr? Entschuldigen Sie: Ich bin nur eine Prostituierte. Barbara.“1
Die Prostitution. Wer kann schon von sich sagen, dass er noch nie von diesem Gewerbe gehört haben will, dass er nicht weiß, was eine Prostituierte ist? Wohl keiner. Doch wie viele Menschen begegnen dem Thema ohne Vorurteile oder negativen Beigeschmack? Auch wohl kaum jemand, obwohl die Ansichten heute bei weitem andere sein werden als noch vor ein- oder zweihundert Jahren. „Prostitution war und ist in unserer Gesellschaft ein tabuisierter, mit Vorurteilen, aber stets auch voyeuristischem Interesse bedachter Bereich.“2Diese Aussage machte der Soziologe W. Bernsdorf noch 1971 im Hinblick auf das Sexualverhalten des Menschen. Aber ist das wirklich auch heute noch so? Was können wir Barbaras Worten über die Situation einer Prostituierten entnehmen? Entsprechen diese auch heute noch, fast 30 Jahre später und sieben Jahre nach Verabschiedung des neuen Prostitutionsgesetzes, der realen Lebenssituation von Prostituierten in Deutschland?
Um diese Fragen im Verlauf dieser Arbeit klären zu können, muss vorab darauf hingewiesen werden, dass das Thema der Prostitution ein zwar seit langen breit diskutiertes aber dennoch spannungsreiches Gebiet ist, in dem verschiedene, sich teilweise widersprechende Ansätze und Meinungen aufeinander treffen und infolgedessen ein eindeutiger, in eine Richtung weisender Ansatz zu diesem Thema kaum zu finden sein wird.3Aus diesem Grund wird es im Rahmen dieser Hausarbeit auch kaum möglich sein können, die Prostitution in ihrer Ganzheit bzw. Komplexität darzustellen. Dies gilt sowohl für den geschichtlichen Abriss als auch für die Betrachtung des Zitates im Hinblick auf dessen Realitätsnähe. Ziel dieser Arbeit ist es demnach nicht, eine vollständige Zusammenstellung der Sichtweisen und Definitionen von Prostitution zu erarbeiten und ge-geneinander abzuwägen. Vielmehr bedarf es vorweg diverser Eingrenzungen und Schwerpunktsetzungen, um so zum einen dem Rahmen der Arbeit gerecht zu werden, gleichzeitig aber auch im Hinterkopf zu behalten, dass mit dieser Arbeit nur ein Aspekt eines weiten Spektrums beleuchtet werden kann.
1Biermann (1980): S.9.
2Leopold (1997): S.12.
3Zum Diskurs siehe bspw. Biermann (1980): S.10ff. sowie Leopold (1997): S.7ff.
