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Die einen reisen und die anderen pendeln durchs Leben! Lebensflucht entführt in eine längst schon vergessen geglaubte Welt, in der zwei spätpubertierende Jugendliche an die Kreuzung ihres Lebens geraten. Eine einzige Entscheidung kann Lebensträume zerstören und den Weg zur lang ersehnten Liebe auslöschen, oder …
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Seitenzahl: 139
Veröffentlichungsjahr: 2016
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ulric stepheat
Lebensflucht
Die Flucht vor dem Leben
Dieses ebook wurde erstellt bei
Inhaltsverzeichnis
Titel
Intro
Prolog
Party
Crash
Verhängnis
Flucht
Freiheit
Beach
Rückkehr
Rückzug
Virtuelle Welt
Buchidee
Neue Welt
Franzi
Kindersitting
Buchgeheimnis
Unveröffentlichte Befürchtungen
Heimat
Alte Lieben
Angekommen
Impressum neobooks
Lebensflucht
Die Flucht vor dem Leben
© by ulrich stepheat 2016
Frido hatte alles, verlor vieles und gewann sich selber – auf der Suche nach der Liebe. Darum reise, solange du noch pendeln kannst, und lerne zu verlieren aber auch zu gewinnen!
„Aussteigen!“, befahl der Polizist.
Frido hasste Polizeikontrollen. „He, was soll das?!“, rief Steve, während er aus dem Van gezogen wurde. „Legen sie die Hände aufs Dach und spreizen sie die Beine.“ „Das könnt ihr nicht mit uns machen!“ „Befolgen sie die Anweisungen! Wir müssen sie durchsuchen.“ „Nein! Ich habe nichts getan! Ich bin unschuldig.“ „Na gut, sie haben es so gewollt“, fuhr der Beamte fort. „Aua!“, schrie Steve, als ihm ein Arm auf den Rücken und er selbst gegen die Türe des Vans gedrückt wurde. „Ich will sofort ihre Dienstnummer“, murmelte er durch gequetschte Lippen. Der Polizist hingegen tastete ihn ab und meldete wenig später: „Der ist sauber.“ „Was passiert jetzt mit uns?“, schlotterte Steve. „Überlegen wir mal. Ämh.“ „Das war alles seine Idee!“, unterbrach Steve den Polizisten. „Man Steve! Halt einfach die Fresse!“ Im Gegensatz zu Steve verhielt sich Frido wesentlich ruhiger, doch nun langte es auch ihm. „He! Wieso Diebstahl?“ „Bitte beruhigen sie sich“, meinte der zweite Beamte und lies die Handschellen auf Fridos Rücken klicken. „Au! Mein Arm!“ Die beiden wurden ruppig in das Polizeiauto hinein gedrängt. „Mann, ein paar Meter und wir wären wieder Zuhause gewesen“, quengelte Steve. Frido sagte nichts und blickte zurück an den Straßenrand, wo das Auto seines Vaters stand.
„Man eh, du Spaßbremse!“, sprach Steve. „Du Pissbirne! Ich suche heute keinen Spaß! Und wenn, dann sucht der Spaß mich! Und überhaupt, du hast leicht reden, du hast gestern wenigstens ein paar Stunden Schlaf eingecheckt!“Frido pochte die letzte Partynacht noch immer durch die Adern. „Aber schau doch, die Schneckis“, flüsterte Steve. „Nein, ich werde mich im Auto aufs Ohr hauen.“ Vom nahegelegen Seeufer zogen Nebelschwaden hoch. Von dort wo Frido und Steve in so manchen Sommernächten mit ihrer Clique splittern gingen. „Ach komm, ich hab da so ein Gefühl bei Petsi und ich brauch wen, der sich um ihre Freundin kümmert“, meinte Steve. „Du und deine Gefühle! Nein, ohne mich! Und bist du dir sicher, dass Petsi auf solche Anmachen steht?“, entgegnete Frido, der insgeheim auf eine andere Freundin von Petra – kurzum auf seine Großcousine Julia – stand. Auf Julia, auf die sich nahezu die ganze Clique steht. „Mannu Manfrido! Ich bin nicht betrunken! Und im Gegensatz zu dir, verbrauche ich meine Gefühle, bevor sie ablaufen. Aber wie du willst“, meinte Steve und ging zurück an den Kofferraum, wo das Nummernschild mit dem Partybass vibrierte. „Frido wird nicht mitkommen!“, gab Steve an die Frauen weiter. Petra und ihre Freundin blickten traurig, schnappten sich den frisch am Auto gemixten Cocktail, und verschwanden zurück zum fetten Partybeat. Blong! Klirr!! „Every Brath you take, every Moooove you fake, I will be teaouching you“, lallte es durch die Autotür. „Ich Idiot, hätte ich nur abgeschlossen!“, dachte sich Frido und maulte: „Du schon wieder!“ „Ja Män, wir schöoon wiieda!“
Petra stand mit an der Autotür. Petra und nicht Julia – für die er alles tun würde. Jedes Mal, wenn Frido sie sah, fühlte er sich wie auf Drogen. In ihrer Nähe war er frei von allen Sorgen – trotz dessen, dass sie seit ein paar Monaten mit Steves Nachbarn Fredy ging. Es tat richtig weh, besonders wenn er sie zusammen sah. Und noch mehr, wenn die beiden sich küssten. Frido erinnerte sich nur allzu gut daran, wie er den Pfarrer vor Jahren fragte, ob es denn überhaupt möglich wäre, seine Cousine zu heiraten. Doch noch besser, behielt er das Fluchen desselben Pfarrers lebendig im Gedächtnis. Jenes Fluchen, wo er vor knapp einem Jahrzehnt, als damaliger Messdiener vergaß, die Hostie in den Kelchdeckel zu legen. „Nehmet das Brot … Herrgott nochmal, Gott verdamm mich Fridiot!! Hol sofort den Leib Christi her!“, hallte es durch die Kirche.
Im selben Moment durchfuhren Frido Blitze, welche an den darauffolgenden Tagen noch ein regelrechtes, religiöses Donnerwetter hinterließen. Julia war heute leider nicht mit von der Partie, umso mehr fehlte sie Frido. „Kann mich wer von euch, nach Hause fahren, bitte?“, fragte Petra mit Dackelblick. „Na klar, kann ich das machen“, entgegnete Frido.Die Party war noch voll im Gange. Rund um das Auto von Fridos Mutter torkelten etliche Partygäste vorbei. „Wie spät ist es eigentlich?“, gähnte Steve. „Keine Ahnung. Willst du auch mitfahren?“ „Ich kann dich doch nicht alleine lassen!“, meinte er und blickte auf Petras knackigen Hintern. „Bei meiner Fahrpraxis“, grinste Frido. „Ja genau. Bei den ganzen Schwarzfahrten von dir! Darum hast du wohl auch letzten Monat auf Anhieb die Fahrprüfung geschafft“, schmunzelte Steve, „ich würde mir da mehr Sorgen um deine Promille machen. „Was? Du hast zu viel getankt? Dann frag ich lieber wen anderen“, sorgte sich Petra. „Nein, nein. Das geht schon klar. Steigt ein“, endkräftigte Frido. „Was ist mit deiner Freundin?“, wollte Steve wissen. „Die geht zu Fuß“, antwortete Petra. Frido gab Steve die leere Wodkaflasche, die unter dem Gaspedal lag und fuhr los. „Pass auf!“, schrie Steve. „Ja, ja Meistee! Bin ja nicht blind“, entgegnete Frido und riss die Augen weit auf, und das Auto weg vom Straßenrand. Das Trio fuhr über schmale Bauernwege, durch Wälder und an Wiesen vorbei. „Zwei Kurven und ein Hügel noch“, meinte Petra. „Was?“, fragte Frido. „Da, da hinter dem Hügel, wohne ich“, sagte sie und fragte dann keck: „Wollt ihr noch mit rein kommen? Mein Vater hat eine große Bar.“ „Ja cool, wieso nicht“, freute sich Steve. „Nein, es ist schon spät“, behauptete Frido, woraufhin Steve sich mit den Knien ruckartig gegen den Fahrersitz stemmte und fragte: „Wieso spät?“ „Da vorne.“ „Was, das Bauernhaus?“ „Ja.“ „Alles finster. Ist da keiner zuhause?“, freute sich Steve. „Meine Eltern schlafen wohl schon. Aber wenn ihr wollt könnt ihr auch hier schlafen“, schlug Petra vor und blickte dabei tief in Fridos Augen. Der Schotter unter den Reifen knirschte und es stank nach Gülle. „Du kannst eh hier bleiben“, drehte er sich zu Steve um.„Und wie, komme ich dann nach Hause, bitte?“, fragte dieser. „Der muss doch irgendwie auf mich anspringen“, dachte sich Petra und rückte ihr Dekoltee zurecht.
Alle vorhandenen Kurven, wie auch ein kräftiger Abschiedskuss brachten nichts. Steve tauschte den Platz mit Petra und sagte: „Ein Wahnsinnskuss, für diese Fahrt!“ Und während die Reifen den Schotter aus dem Weg räumten, dachte Frido wieder einmal nur an Julia. „Was willst du denn, du hast ja auch nen Kuss bekommen!“, grinste Frido. „Klasse, auf die Wange.“ „Pass auf! Was machst du!?“, schrie Steve in der nächsten Kurve. „He! Frido! Brems!“, rief Steve weiter. „Mach ich ja! Ich steh voll drauf!“ Es half nichts. Das Auto schlitterte auf der nassen Wiese direkt auf ein Bauernhaus zu! In Zeitlupe zog eine riesige Eiche an der Fahrertür vorbei. Das Auto kam einfach nicht zum Stehen! „Aaachtuuung!!“, rief Frido. Bam!! Kein Motorgeräusch, kein Radio – Totenstille. „Alles okay?“, fragte Frido und blickte zu Steve, der sich vom Handschuhfach wegstemmte. „Was soll ich machen? Wie erkläre ich das meinen Eltern? Scheiße, wieviel habe ich getrunken …“, schoss es ihm durch den Kopf. Frido versuchte den Wagen wieder zu starten. Nach ein paar Hustern sprang der Motor an. „Scheiße Alter! Ich blute!“, stammelte Steve und rieb sich mit beidem Händen übers Gesicht. „Zeig her.“ Steve drehte sich zur Fahrerseite. „Nein, ich sehe nichts. Oder warte mal! Alter, du hast dir deinen ganzen Rotz im Gesicht verteilt“, lachte Frido. „Ach komm.“ „Echt, schau selbst“, grinste Frido. „Wäh. Pfa, Alter!“, schimpfte Steve. „Sonst ist alles okay?“„Ja, denke schon“, entgegnete Steve und zeigte zur Motorhaube: „Du hast eine Mischmaschine gerammt.“ Tatsächlich, welch ein Glück! „Schwein gehabt“, schmunzelte der Fahrer.Keiner dachte ans Aussteigen. Frido wollte nur weg von hier. Weg von dem Schotterhaufen, der sie vor dem Bauernhaus abgebremst hatte. „Was machen wir nun?“, fragte Steve als sie wieder zur Bundesstraße kamen, „Fahren wir wieder zurück zur Party?“ „Ja klar!“, meinte Frido trocken. „Cool.“ „Geht's noch? Haben sie dir ins Hirn geschissen?“, entgegnete Frido und stieg kurz auf die Bremse. „He! Wieso?“ „Man Steve!“, schrie Frido „du nervst!“ „Was machen wir dann?“ „Was heißt hier wir? Ich muss auf schnellstem Weg die Karre loswerden“, sprach Frido. „Das heißt, wir fahren nach Hause?“ „Ja, ich schon!“, meinte der Fahrer.„Okay, dann bring mich auch nach Hause.“„Dachte du wolltest noch feiern?“, schmunzelte Frido.„Alter, mein Genick schmerzt!“, bemängelte Steve und griff sich an den Hals.„Soll ich dich in ein Krankenhaus fahren?“, fragte Frido.„Nein, nein!“ Wenige Minuten vergingen, bis sie in Steves Siedlung ankamen.
„Man!“, schrie Frido und schlug die Hände über dem Kopf zusammen: „Der Kotflügel ist im Eimer! Und auch der Scheinwerfer.“ „Ich schätze eine neue Stoßstange wird auch fällig“, bemerkte Steve, der mit Frido vor dem Auto stand.
„Schitt! Das Kennzeichen fehlt!“ „Echt! Heiliges Blechle!“, schmunzelte Steve. „Das finde ich nicht witzig. … Du, wir rufen uns am Nachmittag zusammen. Ciao“, sprach Frido eilig. „Wieso? Was willst du tun?“ „Ich fahre zurück und suche das Kennzeichen“, antwortete Frido.„Ich komm mit. Oder warte, ich fahre selber.“ „Wie selber?“, fragte Frido verdutzt. „Ja, mit dem Auto meines Vaters“, sprach Steve gelassen. „Genialer Einfall! Nein, du gehst nach Hause! Ich denke wir haben heute schon genug Scheiße gebaut.“ „Wieso? Warte hier. Ich hol schnell die Schlüssel“, meinte Steve. „Ohne Lappen?! Nein, das machst du nicht! Wenn überhaupt, dann fährst du mit mir“, bekräftigte Frido.„Ja cool, dann fahre ich hinter dir her.“ Frido schüttelte den Kopf. Blöderweise konnte er Steve den Fahrdrang nicht mehr austreiben. Schlussendlich, einigten sie sich darauf, dass Frido vor fuhr und Steve hinterher. Doch die Nachfahrfreude hielt nicht lange. „Steve! Wo lenkst du hin?!“, schrie Frido drei Kreuzungen später, als er in den Rückspiegel blickte. Der reinste Funkenflug! Der nagelneue Citroen schrammte an einer Hausmauer entlang. Zum Glück ohne Gegenverkehr. „Scheiße! Nein!“ Frido schossen ein weiteres Mal unzählige Gedanken durch den Kopf. „Nicht stehen bleiben, wir müssen weiter!“, sprach Frido leise. Dann, endlich, war die Mauer zu Ende. „Fahr weiter“, dachte sich Frido und hielt neben dem Straßengraben. Steve fuhr langsam auf gleiche Höhe und ließ das Fenster runter. „Alter Schwede, volle Breitseite!“ „Ich, ich, ich will wieder nach Hause“, wimmerte Steve. „Nach Hause? Das ist glaube ich keine gute Idee.“ „Ist, ist es schlimm?“, wollte Steve wissen. „Naja, zumindest ist er jetzt nicht mehr neu“, entgegnete Frido mit einem leichten Grinsen. „Man Frido! Scheiße! Was sollen wir jetzt nur tun?“ „Fahr mir einfach weiter nach, bis zu dem Wald da vorne“, schlug Frido vor. „Ok-ay, gut“, stotterte Steve. Gottseidank war der Citroen genauso wie der Renault noch fahrtüchtig. Bleicher als die Mauer, mit der er soeben das Vergnügen hatte, ging Steve auf Frido zu und drängte: „Was sollen wir denn nur machen?“ „Beruhige dich.“ „Ja, a-aber sieh dir doch das Auto an. Mit dem brauche ich nicht nach Hause kommen. Und alles nur wegen dem blöden Kennzeichen.“ „He, mach mal halblang! Wer wollte den unbedingt selber fahren?“, ärgerte sich Frido und lehnte sich an einen der noch intakten Kotflügel. „Ja, aber.“ „Nichts aber! Halt jetzt die Klappe, ich muss nachdenken.“ Frido blickte hoch zu den Sternen. …„Abhauen“, schoss es ihm. „Was abhauen?“, fragte Steve. „Wir werden einfach abhauen.“ „Wie abhauen?“, hackte Steve nach. „Du kannst blöd fragen. Von wo wohl? Von Zuhause?“ „Meinst du? Wirklich? Und wann?“, wollte Steve wissen.„Na, jetzt gleich“, schlug Frido vor. Diese Idee war nicht neu. Steve und Frido sprachen oft vom Abhauen. Doch niemals so richtig durchdacht. „Wir fahren zuerst wieder zu euch nach Hause und bringen euer Auto zurück“, erklärte Frido.„Und dann.“ „Dann fahren wir zu mir und tauschen das Auto meiner Mutter“, fuhr Frido fort. „Okay, gute Idee“, erwiderte Steve und fragte: „Welche Karre nehmen wir? Die deines Vaters?“ „Denke schon, die ist am meisten wert.“ „Cool“, erwiderte Steve.
„Darf ich fragen was du da machst?“, wollte Frido wissen. „Ich brauche meine Musik!“, erwiderte Steve, als er seine Schallplatten einzeln über das Wintergartendach in die Wiese rutschen ließ. „Schnapp dir lieber deinen Pass und nimm genügend Socken mit.“ „Ja, ja, Mutter“, sprach Steve. „Was? Nein, nicht die Musikanlage“, meinte Frido. „Doch, ohne der fahre ich nicht.“ „Man Steve, wir können nicht alles mitnehmen! Und für Möbel ist kein Platz.“ „Das sind keine Möbel!“, entgegnete Steve. „Weißt du wo die Geldbörsen deiner Eltern sind?“, fragte Frido vor dem Ausgang. „Sicher“, sprach Steve. „Dann los.“ Gesagt getan. So besserte Steve die Reisekassa auf und Frido verstaute zwei Schlafsäcke. „Das Kleingeld brauchen wir nicht“, meinte Frido. „Doch!“ „Pah! Aber nicht die Zigaretten deines Vaters!“, spuckte Frido auf den Boden. „Doch, die auch. Wenn schon denn schon.“ „Von mir aus. Aber ich rauche dieses miese Kraut sicher nicht“, meinte Frido. Mit zwei Fotoapparaten um den Hals behangen, während Steve leise die Haustüre schloss. „Was ist mit meiner Musik?“ fragte Steve.„Die holen wir später“, antwortete Frido. „Sicher? Versprich es mir“, verlangte Steve hoffnungsvoll. „Ja, versprochen.“ Für seine Musiksammlung hätte Steve, wie Frido für seine Julia, getötet. Wären Fridos Eltern nicht aus ihrem Heimatdorf in die Kleinstadt gezogen, wären die beiden Ausreißer längst schon über alle Berge gewesen. „Wie viel denn noch? Willst du deine ganzen Klamotten mitnehmen?“, fragte Steve. Frido stopfte zügig seine Sachen in Koffer und Taschen. „Man eh, leise! Oder willst du, dass uns meine Eltern beim Packen mithelfen?“ „Wieso nicht?“, grinste Steve. „Kannst du dich nicht mehr erinnern, wie mein Vater reagierte, als wir ein wenig Whisky kippten, während wir unsere Vespas auffrisieren wollten?“ „Au man, ja“, flüsterte Steve. Früher wollten die beiden ihre Vespas in der Werkstatt von Fridos Vater schneller machen. Dazu tranken sie Whisky. Die Nacht brach herein und eine ganze Flasche Whiskey war leer. Dazu stand der Vater mit hochrotem Kopf in der Tür. Schlussendlich durfte Frido am nächsten Morgen mit seiner, noch nicht zerlegten Vespa, Steves halb zerlegte Vespa zu ihm nach Hause schleppen. Alles wurde eilig geplündert. Sämtliche Geldbörsen – außer, die der Geschwister. Sogar die Firmenkasse. Frido wusste genau wo alles zu holen war und auch wo die Schlüssel für so manches Verschlossene zu finden waren. „Man eh! Nur 10 Kilo! Normalerweise sind da oft an die 100 drin“, bemängelte Frido, als er hurtig das Geld aus der Firmenkassa nachzählte. „Suchst du was?“, fragte Frido. Steve tastete sich immer wieder von oben bis unten ab und antwortete zaghaft: „Ja, ich finde meinen Pass nicht mehr.“ „Na toll!“, regte sich Frido auf. „Ich glaube den habe ich bei mir zu Hause im Garten verloren“, entgegnete Steve. „Super!“, sprach Frido laut und fuhr fort: „Das heißt, wir müssen nochmal zu dir.“ „Ja sicher, du hast es ja sogar versprochen“ meinte Steve. „Das hat er absichtlich gemacht“, dachte sich Frido und stieg in den voll bepackten Van. „Moment, ich muss nochmal zurück“, hielt Frido inne. „Warum?“, fragte Steve. „Ich brauch noch den Typenschein“, antwortete Frido. „Von was?“ „Na vom Van.“ Steve blickte fragend. „Okay, ich denke wir haben alles“, meinte Frido als er wieder zurückkam. Und wenig später regte er sich lautstark auf: „Steve! Was machst du da?“ Erschrocken legte Steve den Mobiltelefonhörer zurück. Eines der seltenen Autotelefone. „Äh, ich hab ein wenig telefoniert“, stockte Steve. „Mit wem?!“, wollte Frido genauer wissen. „Ich habe nur bei mir zuhause angerufen“, antwortete Steve gelassen. „Geht’s noch! Haben sie dir nun völlig ins Hirn geschissen! Was soll das?“, regte sich Frido auf. Frido sträubten sich die Nackenhaare vor lauter Ärger. „Reg dich ab. Ich habe ja nur ein paar Mal läuten lassen und abgehoben hat auch keiner.“ „Was? Wie lange? Bist du nicht mehr ganz dicht?“, ärgerte sich Frido laut. „Nur kurz“, behauptete Steve mit nachdenklichem Blick. „Ich checks nicht!“, fuhr Frido fort. „Komm mal wieder runter, man.“ Frido schüttelte den Kopf und lies die Reifen durchgehen. „Hast du das Licht brennen lassen?“, wunderte sich Frido. „Nein, denke nicht“, meinte Steve kurz vor seinem Elternhaus. „Oh, oh“, meinte Frido, während die Türe zu Steves Elternhaus aufging. „Stefan, was ist denn los? Und wieso steht dein ganzes Zeugs in der Wiese?“, fragte Steves Mutter. „Ähm. Was?“, entgegnete Steve kurz und duckte sich unter dem Arm seiner Mutter ins Haus. „Sag Fridolin, wieso stehen die Musikanlage und der Videorecorder im Garten?“, fragte sie weiter. Frido ging einen Schritt zurück und antwortete zögerlich: „Äh, wir fahren auf eine Videoparty.“ Seine Lügen waren schon mal besser. Jedoch wusste Steves Mutter nun nicht, ob sie ihrem Sohn nachlaufen oder zuerst nach Frido greifen sollte.
