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Die 10-jährige Lena lebt auf einer Nordseeinsel. Ihr Vater ist auf dem Meer verschollen. Am Strand macht Lena einen geheimnisvollen Fund. Kurz danach bekommt sie Besuch von einer sprechenden Möwe. Zusammen mit der magischen Möwe und dem fröhlichen Seehund Sam macht sich Lena auf, ihren Vater zu retten. Ein Abenteuer für Kinder ab 8 Jahren!
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Seitenzahl: 49
Veröffentlichungsjahr: 2020
Birgit Nipkau
Lena und die magische Möwe
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Inhaltsverzeichnis
Titel
Ein geheimnisvoller Fund
Ein unerwarteter Besucher
Der Aufbruch
Auf hoher See
Das versunkene Labyrinth
Die schwarze Eis Insel
Die Heimkehr
Impressum neobooks
Möwen kreischten und ließen sich im Wind treiben. Lena duckte sich geschickt, als eine der Möwen nur knapp an ihrem Kopf vorbeisauste. Ihr langes braunes Haar flatterte im Wind. Die braunen Augen in Lenas Gesicht schauten traurig. Immer wieder sah das Mädchen auf die Nordsee, auf die grauweißen Wellen, die Eis und Schnee auf den Strand schleuderten. Es war Mitte Januar und bitterkalt. Irgendwann würde es kommen, das Zeichen. Lena wusste es. Mit einem wundersamen Rieseln zog sich das Wasser über den eisigen Sand wieder zurück. Raureif umhüllte die Muscheln, die auf dem Strand lagen. Es knirschte unter ihren Füßen, als Lena am Strand umherstreifte.
Plötzlich brach die Wintersonne hinter den Wolken hervor und brachte die roten Bojen, die im Wasser schwammen, zum Leuchten. Das Meer wurde wieder blau und Lena musste die Augen zusammenkneifen, so sehr blendete sie das auftauchende Sonnenlicht. Der Schnee glitzerte, der Himmel wechselte in ein helles Blau und bauschige Wolken zogen rasch vorbei. Als Lena die Augen wieder öffnete, sah sie ein fernes Aufblitzen im Sand. Sie blieb verwundert stehen. Wieder blitzte es auf. Lena lief los, nun schneller, soweit das mit ihren schweren Gummistiefeln möglich war, am Strand entlang. Sie entdeckte bald Treibgut. Verwitterte Holzbalken, die mit Löchern gespickt waren, verknotete Fischernetze, die in Regenbogenfarben vor ihren Augen verschwammen und einige leere Plastikflaschen. Schon wieder funkelte es. Ist das vielleicht eine Flaschenpost? Endlich eine Nachricht von ihrem Vater? Lenas Herz klopfte. Würde sie heute Glück haben? Über fünf Monate schon war der Vater verschollen. Sein Segelschiff war nicht zurückgekommen in den kleinen Hafen der Insel.
Die Sonne schien Lena mit aller Macht helfen zu wollen. Wieder glitzerte es im Sand auf. Lena lief dem Glitzern hinterher, immer näher kam sie ihm, dann kniete sie sich hin und ihre Hände brachen den gefrorenen Sand auf und durchwühlten ihn. Muscheln flogen beiseite, Seetang umschlang ihre Hände, sie grub tiefer und tiefer. Bis ihre Finger, die vor Kälte ganz rot geworden waren, etwas berührten. Es war kalt und fest, ganz in den feinen Sand eingehüllt. Behutsam nahm sie das eiskalte Ding auf. Als sie ein Taschentuch in ihrer Anorak Tasche fand, putzte sie vorsichtig und legte nach und nach zwei Gläser mit einem dünnen Metallgestell frei. „Eine Brille!“, sagte Lena verwundert. „Ist das alles?“ Enttäuscht drehte sie die Brille im Sonnenlicht hin und her. Die Brillengläser umgab ein geheimnisvolles Strahlen. Seltsam, dachte Lena, die Brille wurde vom Meer angeschwemmt, aber die Gläser sind nicht zerbrochen. Welche Reise hatte die Brille wohl hinter sich? Wem gehörte sie? Was würde ihre Mutter wohl zu dem Fund sagen? Täglich schleppte Lena Gegenstände vom Strand in das rot geklinkerte und mit Reet bedeckte Haus ihrer Eltern. Lenas winziges Zimmer, das unter dem Dach lag, quoll über vor Treibgut. Sie betrachtete gedankenvoll die Brille, deren Glas so leuchtete. Es kam ihr so vor, als hielte sie einen lebendigen Gegenstand. Hin und her bewegte sich die Brille in ihren Händen. Ob sie die Brille einmal aufsetzen sollte? Ihre Augen waren gut, aber sie war gespannt, ob sie durch die Gläser etwas erkennen konnte. Zaghaft nahm sie das zerbrechliche Fundstück und setzte es langsam und feierlich auf ihre Nase. Die Brille kitzelte beim Aufsetzen und Lena rümpfte die Nase. Das Gestell der Brille an ihren Ohren fühlte sich ungewohnt an, es drückte erst ein wenig und Lena zupfte daran herum. Aber nach wenigen Minuten stellte Lena erstaunt fest - die Brille schien wie für sie gemacht. Sie passte einfach perfekt.
Kaum aber hatte Lena die Brille aufgesetzt, da geschah etwas mit ihr. Sie fühlte sich plötzlich nicht mehr traurig, eine neue Empfindung wie frische Tautropfen, die auf Dünengras fallen, bahnte sich in ihrem Körper den Weg. Sie spürte ein Kribbeln im Bauch, wie letztes Jahr, als sie auf dem gescheckten Pony saß und am Strand dahin galoppierte. Ihr Herz klopfte auf einmal leicht und beschwingt wie schon lange nicht mehr. Lena stand auf und blickte sich um. Die Möwen segelten im Wind, sie kreischten nicht mehr und die Sonne verschwand hinter den Wolken. Dann, oben auf der Düne sah Lena, das sich plötzlich etwas bewegte. Sie traute ihren Augen nicht. Ein durchscheinendes Männlein mit einem goldenen Mantel und einem langen weißen Bart stand mitten in den Dünen. Es war doch verboten, die Dünen zu betreten, denn sie schützten die Insel wie ein Damm vor dem tobenden Meer. Das Männlein winkte ihr zu. Meint es mich? dachte Lena verwundert. Das Männlein machte nun eine große Bewegung mit beiden Armen. Was sollte das bedeuten? Will es mich fortjagen? Das Männlein aber blieb stehen und zeigte erst auf Lena und danach auf das Meer hinaus. Lena trat ein paar Schritte zurück und blickte auf die Nordsee. In der Ferne konnte sie ein Schiff mit schwarzen Segeln und einer schwarzen Flagge erkennen. Lena erschrak. Sie setzte die Brille ab und schaute wieder zu den Dünen doch - das Männlein war verschwunden. Nur das vom Wind zerzauste Dünengras war zu sehen auf den sanften Sandhügeln über ihr. Lena war ein wenig schwindelig, vom hastigen Absetzen der Brille. Sie sah auf das Meer, doch auch das geheimnisvolle Schiff war verschwunden. Lena nahm die Brille und steckte sie in die Innentasche ihres Anoraks. Das war wahrhaftig kein gewöhnlicher Fund, den sie heute machte. Sie lief am Strand entlang und wollte so schnell wie möglich von den Dünen fort, zurück in das vom Kachelofen gewärmte Haus ihrer Eltern.
