Liebe ist ganz nah - Mila Summers - E-Book
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Liebe ist ganz nah E-Book

Mila Summers

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Beschreibung

Ihr eigenes kleines Café ist Lounas ganze Leidenschaft. Doch Leidenschaft allein zahlt keine Kreditraten. Als der Regisseur einer namhaften Soap sich in ihr Café verirrt und Louna aus heiterem Himmel die Hauptrolle von Love next door anbietet, findet sie den Vorschlag zunächst absurd. Hinzu kommt, dass Steven der personifizierte Bad Boy ist – zumindest in Lounas Augen. Doch ihre finanzielle Situation zwingt sie letztlich, ihm zuzusagen. Das Knistern zwischen den beiden und der Stress am Set erhitzen die Gemüter. Louna steht nicht nur einmal kurz davor, alles hinzuschmeißen. Aber da gibt es noch eine andere, verschlossenere Seite an Steven, die sie davon abhält. Was verbirgt er vor ihr?

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Mila Summers

 

Liebe ist ganz nah

 

 

 

 

Über das Buch:

Louna fällt immer wieder auf denselben Typ Mann herein. Diesmal schwört sie sich, standhaft zu bleiben.

Ihr eigenes kleines Café ist Lounas ganze Leidenschaft. Doch Leidenschaft allein zahlt keine Kreditraten.

Als der Regisseur einer namhaften Soap sich in ihr Café verirrt und Louna aus heiterem Himmel die Hauptrolle von Love next door anbietet, findet sie den Vorschlag zunächst absurd. Hinzu kommt, dass Steven der personifizierte Bad Boy ist – zumindest in Lounas Augen. Doch ihre finanzielle Situation zwingt sie letztlich, ihm zuzusagen. Das Knistern zwischen den beiden und der Stress am Set erhitzen die Gemüter. Louna steht nicht nur einmal kurz davor, alles hinzuschmeißen.

Aber da gibt es noch eine andere, verschlossenere Seite an Steven, die sie davon abhält. Was verbirgt er vor ihr?

 

Über die Autorin:

Mila Summers, geboren 1984, lebt mit ihrem Mann und den beiden Kindern in Würzburg. Sie studierte Europäische Ethnologie, Geschichte und Öffentliches Recht. Nach einer plötzlichen Eingebung in der Schwangerschaft schreibt sie nun dramatische und humorvolle Liebesromane mit Happy End und erfreut sich am regen Austausch mit ihren LeserInnen.

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Bisher von der Autorin erschienen:

»Manhattan-Love-Stories«

Irresponsible desire (Band 1)

Irrepressible desire (Band 2)

Irresistible desire (Band 3)

 

»Tales of Chicago«-Reihe

Küss mich wach (Band 1)

Vom Glück geküsst (Band 2)

Ein Frosch zum Küssen (Band 3)

Küsse in luftiger Höhe (Band 4)

Zum Küssen verführt (Band 5)

 

»Social-Web-Trilogie«

Instafame oder Gummistiefel in Acryl

Facebook Romance oder nach all den Jahren

Twinder oder die Irrungen und Wirrungen der Liebe

 

Alle Teile sind in sich abgeschlossen und können unabhängig voneinander gelesen werden. Allerdings gibt es ein Wiedersehen mit den Protagonisten der vorhergehenden Bücher.

 

Weitere Bücher der Autorin:

Vielleicht klappt es ja morgen. Liebe in (wahlweise Hamburg, Leipzig, Wien oder Würzburg)

Rettung für die Liebe

Liebe lieber einzigartig

Küsse unter dem Mistelzweig

Auf einmal Liebe

Sommer, Sonne, Strand und Liebe – Nele & Josh

Liebe und andere Weihnachtswunder

Liebe ist nur mit Dir

Liebe ist ein Glücksfall

Der erste Sommer mit dir

Schneegestöber (Charity-Buchprojekt für die Stiftung Bärenherz in Wiesbaden)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

MILA

SUMMERS

 

 

Liebe ist ganz nah

 

Roman

 

 

 

 

Deutsche Erstauflage Juli 2019

Copyright © Mila Summers

Lektorat: Dorothea Kenneweg

Korrektorat: Jil Aimée Bayer

Covergestaltung: Nadine Kapp

Covermotiv: Shutterstock © Galina Tcivina / Oksana Shufrych

 

Impressum:

D. Hartung

Frankfurter Str. 22

97082 Würzburg

 

 

Alle Rechte, einschließlich dem des vollständigen oder teilweisen Nachdrucks in jeglicher Form, sind vorbehalten.

Personen und Handlungen sind frei erfunden. Etwaige Ähnlichkeiten mit real existierenden Menschen sind rein zufällig und nicht beabsichtigt.

 

[email protected]

 

 

 

 

 

 

Die Liebe ist langmütig,

die Liebe ist gütig.

Sie ereifert sich nicht,

sie prahlt nicht,

sie bläht sich nicht auf.

Sie handelt nicht ungehörig,

sucht nicht ihren Vorteil,

lässt sich nicht zum Zorn reizen,

trägt das Böse nicht nach.

Sie freut sich nicht über das Unrecht,

sondern freut sich an der Wahrheit.

Sie erträgt alles,

glaubt alles,

hofft alles,

hält allem stand.

Die Liebe hört niemals auf.

(1. Kor 13,4-8)

Inhaltsverzeichnis

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Kapitel 14

Kapitel 15

Kapitel 16

Kapitel 17

Kapitel 18

Kapitel 19

Kapitel 20

Kapitel 21

Kapitel 22

Kapitel 23

Kapitel 24

Kapitel 25

Kapitel 26

Kapitel 27

Kapitel 28

Kapitel 29

Kapitel 30

Kapitel 31

Kapitel 32

Kapitel 33

Epilog

Danksagung

Weitere Bücher der Autorin

Liebe ist – Reihe

Weihnachtsromane

Sommerromane

Kapitel 1

 

Louna

 

»Dann würde ich gerne noch zwei Mandel-Himbeer-Macarons, zwei mit Minze und weißer Schokolade sowie zwei mit Lavendel und Honig und … Gibt es diesen Monat wieder eine neue Geschmacksrichtung? Ich fand ja Erdbeer-Basilikum ganz toll.«

Ich lächelte die ältere Dame mit den krausen weißen Locken freundlich an, die mich beinahe jede Woche in meinem kleinen Café am Hyde Street Pier besuchte. Trotz der guten Lage direkt am Wasser war ich auf meine Stammkunden dringend angewiesen.

»Ich habe mich heute Morgen an Macarons mit Ananasgeschmack versucht. Möchten Sie vielleicht eines kosten?« Ich hielt Mrs. Whitehall eines der Minigebäckstücke, die ich in Probiergröße gebacken hatte, auf einem kleinen Silbertablett über den Tresen.

»Oh, das hört sich sehr verlockend an.« Mrs. Whitehall kicherte übermütig wie ein Kind, das in ein großes Bonbonglas greifen darf und die freie Auswahl hat.

Als das Mandelgebäck in ihrem Mund verschwunden war, schloss sie für einen Moment die Augen und ließ sich den Geschmack auf der Zunge zergehen. Wenn ich mir die ältere Lady mit dem schicken Trenchcoat, den weißen Locken und dem obligatorischen Regenschirm unterm Arm so ansah, dann war ich mir sicher, dass sie die einzige meiner Kundinnen war, die meine Backkunst ausreichend zu würdigen wusste.

Die meisten meiner Kunden tranken eine Tasse Kaffee und aßen ein Stück Kuchen oder etwas Gebäck dazu. Viele von ihnen waren Touristen, die ich meist kein zweites Mal sah, weil sie schon am nächsten Tag auf dem Weg nach San Diego oder Los Angeles waren. Bei einem Roadtrip entlang der Westküste blieb wenig Zeit für solch banale Vergnügungen wie Petits Fours, Macarons oder Muffins. Und Kaffee gab es mittlerweile an jeder Ecke to go. Damit lockte ich schon lange keine Maus mehr hinter dem Ofen hervor.

Meine Lage war angespannt. Die letzte Abschlagszahlung für den Kredit hatte ich nur mit Müh und Not zusammengekratzt bekommen. Im nächsten Monat würde ich an meine eisernen Ersparnisse gehen müssen, die nicht sonderlich üppig ausfielen. Meine Eltern konnte ich nicht schon wieder um Geld anpumpen. Jedenfalls nicht, nachdem sie mir erst vor wenigen Wochen gesagt hatten, dass ihr Dach neu gedeckt werden musste und Moms Wagen in die Jahre gekommen war.

Mrs. Whitehall war so etwas wie die Beständigkeit in meinem Geschäftsleben. Sie kam regelmäßig, ob Winter oder Sommer, mit ihrem Regenschirm unterm Arm in meinem kleinen Café vorbei und nahm sich eine Auswahl an Macarons mit nach Hause.

»Die sind wirklich ganz vorzüglich. Würden Sie mir bitte auch davon noch vier Stück in die Schachtel packen?«

Mrs. Whitehalls Urteil war mir stets sehr wichtig, auch wenn ich bisher noch nicht erlebt hatte, dass sie eine meiner Kreationen nicht guthieß. Dennoch war sie so etwas wie eine wichtige Instanz für mich, deren Einschätzung mich bei der Einführung eines neuen Gebäcks oder einer weiteren Geschmacksrichtung bekräftigte.

Meine Eltern lebten in Iowa. Das war viel zu weit weg, um ihnen mal eben ein paar Macarons zum Testen vorbeizubringen. Freunde hatte ich in San Francisco nicht wirklich gefunden. Zu den meisten meiner Bekannten hegte ich eine sehr oberflächliche Beziehung. Man traf sich, hielt Small Talk und verriet dem anderen doch nicht, was einem auf dem Herzen lag, während man ihn freundlich anlächelte.

Nur zu Mary hatte ich ein gutes Verhältnis aufgebaut. Sie kam einmal die Woche, um meine Bestellungen aufzunehmen. Mary hatte ein kleines Unternehmen gegründet, das sich auf individuelle Dekoartikel wie Fähnchen für die Muffins oder Wimpel für Kuchen spezialisiert hatte. Die meisten ihrer Schöpfungen waren Handarbeit. Sie beschrieb unter anderem die Wimpel und Fähnchen selbst in den allerschönsten Lettern, die ich je gesehen hatte. Sie war wirklich eine Künstlerin.

Erst vor einiger Zeit hatte sie mir für eine Hochzeitstorte einen Scherenschnitt gebastelt, der das Kennenlernen des Brautpaars, den Heiratsantrag und die Trauung zeigte. Ich liebte ihre Arbeit und schätzte sie zutiefst. Und Mary ihrerseits mochte meine Süßwaren, besonders die Cupcakes.

Als Mary mit rot unterlaufenen Augen nach der Trennung von ihrem Ex-Freund in meinen Laden gekommen war, hatte ich nicht gezögert, das Geöffnet-Schild umzudrehen und die Tür abzuschließen. Ich wollte für sie da sein. Seither trafen wir uns regelmäßig zum Essen, gingen Cocktails trinken oder auf Partys, um den Mann fürs Leben zu finden.

Die große Liebe gehörte nicht unbedingt zu den Dingen, an die ich noch glaubte. Dafür waren die Enttäuschungen in meinem Leben einfach zu groß gewesen. Aber Mary zuliebe ging ich mit, und meist verbrachten wir beide einen sehr lustigen Abend miteinander.

Ein weiterer Kunde verirrte sich in meinen Laden und stellte sich hinter Mrs. Whitehall, die in aller Ruhe ihren Geldbeutel aus der Tasche kramte, während ich die restlichen vier Macarons ihrer Bestellung zu den übrigen in die Schachtel packte.

Mein Blick huschte zu dem Neuankömmling. Der Mann trug schwarze Jeans und ein weißes Shirt. Er war definitiv keiner von den Bankern, die sich nur in der Mittagspause aus ihrem klimatisierten Büro herauswagten, um sich bei mir etwas Süßes für den Nachtisch zu holen. Nein, der Kerl mit seinem Dreitagebart war anders.

Doch eins hatte er mit ihnen gemein: Genauso ungeduldig wie die Banker in diesem Viertel tippelte er unruhig auf der Stelle herum, starrte genervt und lustlos auf sein Handy und hatte ein Headset am Ohr kleben. Superwichtig, der Kerl. Zumindest in seiner Weltanschauung.

In der Vergangenheit hatte ich gelernt, meine Kunden in Kategorien einzuteilen. Dieses Exemplar hinter Mrs. Whitehall gehörte auf jeden Fall zu den Wichtigtuern, denen eine ältere Lady, die in aller Seelenruhe in ihrem Portemonnaie Kleingeld zusammensuchte, ein Dorn im Auge war. Schließlich kostete sie ihn Zeit. Und Zeit war ja bekanntlich Geld.

Ein überaus penetranter Klingelton übertönte die leichte Hintergrundmusik in meinem Café. Es klang wie der Song einer Metalband. Einer ziemlich schlechten Metalband. Mrs. Whitehall zuckte leicht zusammen, während das Touristenehepaar aus Wisconsin, das vor wenigen Minuten an einem der hinteren Tische am Fenster Platz genommen hatte, sich irritiert in unsere Richtung umdrehte.

»Ja? Was?«, schrie der Kerl so laut in das Telefon, dass ich ihm das Teil am liebsten aus der Hand gerissen und in einer Limonade ertränkt hätte. Das hier war schließlich ein Café. Ein Ort, an dem sich meine Gäste wohlfühlen und den Stress des Alltags vor der Tür abstellen sollten. Aber das solch einem Trampel begreiflich zu machen, war wohl unmöglich.

»Was? Jamie, sieh zu, dass du sie wieder vor die Kamera kriegst. Ich bin ganze fünfzehn Minuten vom Set weg, und schon bricht bei euch das Chaos aus. Bin ich denn nur von Idioten umgeben?«

Die Stimme des Mannes hallte wie ein Donnergrollen durch meine kleine Wohlfühloase, in der jeder willkommen war, der etwas Zerstreuung vom Alltag suchte oder sich einfach gerne ein gutes Stück Kuchen einverleiben wollte. Unwillkommen waren mir dagegen Typen wie dieser Angeber, der mein kleines Paradies mit seinen bad vibrations verpestete.

Während ich Mrs. Whitehall abkassierte, ihr die Schachtel reichte und währenddessen mit meiner inneren Anspannung kämpfte, telefonierte der Kerl noch immer. Natürlich dachte er nicht im Traum daran, seine Stimme zu senken oder gar das Café zu verlassen, um mit seinem Gespräch die übrigen Gäste nicht zu belästigen.

Typen wie er waren der Grund dafür, warum ich lieber ein Single blieb. Denn durch irgendeinen dummen Fehler in der Matrix geriet ich sehr oft an Männer dieser Sorte, die ins Handy schrien und von sich glaubten, der Nabel der Welt zu sein, die für die Bedürfnisse ihrer Mitmenschen herzlich wenig übrighatten.

»Dann bis nächste Woche, mein Kind. Ich muss jetzt nach Hause. Um drei kommen ein paar Freundinnen von mir auf eine Runde Bridge vorbei. Wünschen Sie mir Glück!«

Mrs. Whitehall ließ sich von dem Mann in ihrem Rücken nicht aus der Fassung bringen. Sie hatte offenbar gelernt, damit umzugehen. Auch das Paar am Fenster hatte aufgehört, in unsere Richtung zu schauen. Nur mir wollte es einfach nicht gelingen, den Kerl mit Nichtbeachtung zu strafen.

»Jamie, das ist nicht dein Ernst! Wenn doch, muss ich mich wohl nach einem neuen Regieassistenten umsehen. Was zur Hölle habt ihr euch bloß dabei gedacht, ausgerechnet den Star der Serie zu vergraulen?«

Oh, Mr. Ich-bin-so-verdammt-Wichtig hatte wohl Probleme. Ich konnte nicht behaupten, dass mich diese Tatsache in irgendeiner Hinsicht bekümmerte. Ganz im Gegenteil. Nur wäre es mir lieber gewesen, wenn er sich diesen Problemen vor meiner Ladentür gestellt und mich und meine Gäste damit verschont hätte.

»Dann wünsche ich Ihnen ganz viel Spaß, Mrs. Whitehall.« Ich bemühte mich, freundlich zu bleiben und die Wut in meinem Inneren vor meiner Außenwelt zu verbergen. Schließlich konnte meine Stammkundin am allerwenigsten dafür, dass Mr. Wichtig Einzug in meinem Café gehalten hatte.

Ich sollte ein Schild mit der Aufschrift Idioten müssen draußen bleiben! aufhängen. Gleich neben dem für Hunde. Wobei ich die armen Tiere auf diese Weise mit dieser Spezies Mann gleichsetzen würde. Was ich nie und nimmer gutheißen könnte. Also doch kein Schild. Schade.

Mrs. Whitehall schenkte mir ihr unbekümmertes Lächeln, verstaute die rechteckige Schachtel in ihrer Handtasche und ging gleichmütig zur Tür. Mr. Wichtig würdigte sie dabei keines Blickes. Die Gelassenheit des Alters war etwas Schönes. Hoffentlich würde sie auch mir irgendwann zuteil. Wobei ich mit meinen Anfang dreißig mit Sicherheit noch etwas darauf würde warten müssen.

Im Gegensatz zu Mrs. Whitehall verspürte ich den stetig anwachsenden Drang, dem Kerl das Smartphone aus der Hand zu reißen, es auf den Boden zu werfen und mit dem Absatz meines Stiefels elektronischen Schrott daraus zu fabrizieren.

Vermutlich war Valentino daran schuld. Mein Ex. Ähnliches Kaliber, ähnliche Statur, ähnlich egoistisches Gehabe. Nur der Anzug fehlte heute. Valentinos Klamotten waren immer maßgeschneidert von irgendeinem namhaften Designer, dessen Namen ich mir nie hatte merken können.

»Wenn Brittney bis zu meiner Rückkehr nicht wieder aufgetaucht ist, dann könnt ihr was erleben!«, blaffte der Mann noch immer aufgebracht in den Hörer, während ich mit jeder weiteren Silbe selbst immer ungehaltener wurde. Schließlich war das hier mein Café, in dem er sich so aufspielte. Der Typ kam herein, scherte sich einen Dreck um die übrigen Gäste und machte einen seiner Angestellten oder Kollegen – so genau konnte ich das nicht ausmachen – vor uns zur Schnecke. Ich mochte mir gar nicht ausmalen, welche arme Seele mit diesem Choleriker zusammenarbeiten musste.

Ich bekam Mitleid. Nicht mit dem Idioten, der sich in mein beschauliches Café verirrt hatte, sondern mit dem Menschen am anderen Ende der Leitung. Es verging nicht ein Tag, an dem ich mir über meine Existenz keine Sorgen machen musste. Vor vier Jahren war ich mehr oder minder ohne einen Penny nach San Francisco gekommen und hatte mir aus dem Nichts meinen Laden aufgebaut.

Es hatte bisher viele gute Zeiten, aber auch einige schlechte für mich gegeben, in denen ich meinen Strom nicht hatte zahlen können oder mich wochenlang von Toast und Erdnussbutter ernährt hatte.

Doch wenn ich mir so ansah, wie dieser Flegel hier mit seinen Leuten umging, dann würde ich sogar in Kauf nehmen, mich monatelang nur von Brot und Wasser zu ernähren. Ich hatte schließlich auch meinen Stolz. Keinen Tag würde ich es mit ihm an meiner Seite aushalten. Jedenfalls nicht, ohne einen gewaltigen Schaden davonzutragen oder wegen versuchten Mordes eingebuchtet zu werden. Beides keine besonders wünschenswerten Szenarien. Da schlief ich lieber unter der Brücke.

Wenn ich nicht dringend zusah, wie ich schnell an viel Geld kam, würde das schneller Realität werden, als mir lieb war. Aber Mary hatte neulich eine Idee. Sie kannte eine Visagistin, die beim Film arbeitete und die ihr erzählt hatte, dass viele ihrer Kundinnen auf der Suche nach einem Caterer waren, der sich explizit auf Süßwaren spezialisiert hatte und eine Candybar mit der entsprechenden Deko liefern konnte.

Mary und ich überlegten schon seit einiger Zeit, uns in dieser Hinsicht zusammenzutun, und hatten auch schon an einem Konzept gearbeitet. Nur an der Umsetzung haperte es leider noch. Vor allem, da wir für die Annahme solcher Aufträge erst mal investieren mussten. Geld, das wir beide momentan nicht hatten.

Es war zum Mäusemelken. Die Lösung all meiner Probleme war zum Greifen nah, und doch würde ich daran scheitern, da mir das nötige Kleingeld fehlte, um die entsprechenden Anschaffungen zu tätigen.

»Kaffee. Schwarz.« Ohne mich auch nur eines Blickes zu würdigen, knallte der Kerl eine Fünfdollarnote auf die Theke. Dann begann er abermals damit, wüste Beschimpfungen in sein Smartphone zu schreien.

Ich konnte nicht behaupten, dass es mich sonderlich traf, von meinem Kunden nicht beachtet zu werden. Ganz im Gegenteil. Je weniger Berührungspunkte es zwischen uns gab, desto besser. Auch wenn ich auf jeden Cent angewiesen war, würde ich auf solch einen Gast wie ihn gut und gerne verzichten können. Und wenn ich dafür putzen gehen musste. Die schlechten Schwingungen, die von dem Kerl ausgingen, würden mir jeden Tag aufs Neue die Stimmung verhageln.

Ohne den Worten des Mannes weiter Gehör zu schenken, drehte ich mich zu der Kaffeemaschine in meinem Rücken um. Unter Ächzen und Dampfen gab sie nur widerwillig frei, was der Kunde geordert hatte. Molly hatte eine Seele. Und offenbar auch eine gute Menschenkenntnis.

»Was dauert denn da so lange?«, fuhr mich der Kerl auch schon an, und ich bemühte mich, die Fassung zu wahren und ein Lächeln aufzusetzen, als ich ihm den Becher reichte.

Als er schon im Begriff war, sich diesen zu schnappen und aus meinem Café zu stürmen, wandte ich ein: »Das macht sechs Dollar und fünfzig Cent.«

Nun sah der Typ mit zu schmalen Schlitzen verengten Augen in meine Richtung, beendete das Gespräch und schob sein Handy zurück in die Hosentasche.

»Wie bitte? Das ist Wucher! Sie können doch keine sechs Dollar für einen Kaffee verlangen.«

»Sechs Dollar und fünfzig Cent, um genau zu sein«, berichtigte ich ihn. »Meine To-go-Becher sind aus nachhaltigem Bambus und damit entsprechend teurer in der Anschaffung. Dafür können Sie ihn wiederverwenden. Der ökologische Fußabdruck, den Sie damit hinterlassen, ist für das gute Gewissen entsprechend kleiner.«

Ob der Typ überhaupt ein Gewissen hatte, wagte ich zu bezweifeln. Für ihn ging es nur um Geld, schnelle Autos und unverbindlichen Sex. Ich kannte diese Sorte Mann, die nichts anbrennen ließ und sich einen Dreck um den Morgen danach scherte. So etwas wie einen ökologischen Fußabdruck kümmerte den hochgewachsenen, breitschultrigen und sonnenverwöhnten Mann sicher überhaupt nicht. Für ihn zählte nur sein eigenes Wohl. Was interessierten ihn schon die Generationen, die nach ihm kamen? Er lebte jetzt und hier und hatte sicher nicht die Absicht, sich in absehbarer Zeit fortzupflanzen. Wenn überhaupt.

»Ökologischer Fußabdruck? Ich wollte einen Kaffee und keine Moralpredigt. Schütten Sie mir das Zeug in einen gewöhnlichen Pappbecher, und …« Als sein Blick das erste Mal den meinen traf, stockte er plötzlich. Aus seinem Gesicht war Verwunderung abzulesen. Verschwunden war der feindselige Ausdruck darin. Nun lächelte er mich sogar an.

Ich presste mich gegen die Kaffeemaschine in meinem Rücken. Die Hundertachtzig-Grad-Wendung des Mannes verunsicherte mich. Was war hier bloß los? Was hatte seine Stimmung so verändert? Ich wusste nur eins: Es gefiel mir nicht, wie er mich ansah. Ich kannte den Blick. Und er verhieß nichts Gutes.

Kapitel 2

 

Steven

 

»Wissen sie was? Nehmen Sie besser eine Tasse. Dann kann ich ihn gleich hier bei Ihnen trinken.« Ich ließ den Blick durch den kleinen Laden schweifen. »Hier in Ihrem wunderschönen Café, und wir können uns dabei ein bisschen unterhalten.«

Brittney war Geschichte. Nur ein Idiot würde sich das nicht eingestehen. Schließlich hatte es in der Vergangenheit immer wieder derartige Vorfälle gegeben. Brittney war der ganze Ruhm zu Kopf gestiegen, und sie war mit Sack und Pack auf und davon. Auch wenn sie der Star der Serie war, gab ihr das noch lange nicht das Recht, meine Crew und die übrigen Schauspieler derart vorzuführen. Jeder musste seinen Beitrag leisten, um den Erfolg von Love next door aufrechtzuerhalten.

Es war unmöglich, Brittneys Allüren weiterhin zu tolerieren. Nicht, wenn ich nicht das Gesicht vor meiner Mannschaft verlieren wollte. Dennoch war ich mir überdeutlich dessen bewusst, dass sie die wichtigste Person am Set war. Die Zuschauer liebten Brittney, was man nicht nur an den unzähligen Followern auf Instagram sehen konnte. Wo auch immer Brittney aufschlug – ob am roten Teppich oder beim Einkaufen in der Shoppingmall –, sie hatte das gewisse Etwas, um in wenigen Minuten Menschenmassen um sich zu scharen. Aber war das allein schon Grund genug, an ihr festzuhalten trotz all ihrer Eskapaden?

»Wie bitte?« Die junge Frau mit den leicht gewellten dunkelblonden Haaren und den großen blauen Augen sah mich an, als hätte ich sie darum gebeten, mir ein menschliches Herz zum Kaffee zu servieren. Ich konnte nicht anders: Ich musste bei ihrem Anblick lachen.

»Kaffee. Tasse. Ich. Hier«, zog ich sie auf und weidete mich einen Moment länger an ihrem unsicheren, ja naiven Gesichtsausdruck.

Sie hatte diese gewisse Ausstrahlung, die man auch mit viel Fleiß nicht erlernen konnte. Wahrscheinlich war sie sich dessen nicht einmal bewusst. Aber ich würde ihr schon klarmachen, dass sie zu sehr viel Höherem berufen war, als Kaffee aufzubrühen und Kuchen zu kredenzen.

Mein Handy vibrierte erneut in meiner Hose. Ich zog es so weit heraus, dass ich das Display erkennen konnte. Jamie. Schon wieder. Die Kacke war am Dampfen. Umso wichtiger war es, dass ich schnell handelte. Die Aufnahmen mussten am besten noch heute fortgesetzt werden. Wenn mein Plan aufging, dann waren all unsere Probleme vergessen. Einschließlich Brittney. Ich drückte Jamie beherzt weg und schenkte der Frau mir gegenüber mein einnehmendstes Lächeln.

Für gewöhnlich erwiderten die Frauen es, lächelten mich im Gegenzug ebenfalls offen an. Ich hatte bisher noch jede Frau bekommen, die ich wollte. Beruflich oder privat. Aber die Bedienung hinter der Theke war wohl eine härtere Nuss. Eine von der Bio-Öko-Mafia, deren Kleider aus Hanf geschneidert waren und die bei jedem Papierfetzen auf dem Boden einen Herzinfarkt erlitt.

Auch wenn ich dieser Lebensweise herzlich wenig abgewinnen konnte, war mir eine bodenständige Ökotussi doch um einiges lieber als eine von Launen dominierte Schauspielerin, auf die ich mich nicht verlassen konnte.

»Wissen Sie was?«, hob die Frau mit den vollen Lippen und den hohen Wangenknochen zu sprechen an. »Ich schenke Ihnen den einen Dollar und die fünfzig Cent, wenn Sie auf der Stelle meinen Laden verlassen und nicht noch einmal kommen.« Verschwunden war der naive Gesichtsausdruck. Aus ihren Augen schossen funkelnde Blitze in meine Richtung, die keinen Zweifel daran ließen, dass sie es ernst meinte.

Ich winkte ab. »Ich habe es mir, wie gesagt, anders überlegt. Ich würde gerne hier auf dem Barhocker sitzen und meinen Kaffee trinken. Oder spricht etwas dagegen?«

Die Tür in meinem Rücken öffnete sich erneut. Das helle Glöckchen darüber kündete einen neuen Kunden an. Schlagartig veränderte sich die Miene der jungen Frau mir gegenüber, die die Lösung für all meine Probleme sein könnte.

Ohne mich auch nur noch eines weiteren Blickes zu würdigen, goss sie den Inhalt des zertifizierten Ökobechers in eine Porzellantasse und schob sie mir zu.

»Guten Tag! Was darf es denn sein?«, fragte sie freundlich in Richtung der neuen Kunden. Ich folgte ihrem Blick. Es war ein Paar mittleren Alters, das sich mit Bermudahosen und Reiseführer in der Hand als Touristen outete. Jeden Sommer fielen sie in Massen wie eine Heuschreckenplage über die Stadt herein. Ein Grund mehr, die Innenstadt zu meiden und meinen Kaffee zukünftig wieder bei Dan zu holen.

Aber heute ging es leider nicht anders. Julia lag ein paar Straßen weiter im Krankenhaus, und ich hatte ihr versprochen, sie in meiner Mittagspause zu besuchen. Ich konnte und wollte mein Versprechen nicht brechen. Schließlich war Julia alles, was mir von meiner Familie noch geblieben war.

»Wir hätten gerne zwei Cappuccino, ein Stück Chocolate Fudge und einen Cupcake.« Dabei deutete die Frau auf eine Vitrine, in der Cupcakes mit blauem Frosting und bunten Einhörnern aus Zucker darauf zu sehen waren.

»Sehr gerne«, erwiderte die blonde Schönheit mit einem strahlenden Lächeln, als hätten die beiden gerade die halbe Theke leer gekauft.

Mir brauchte sie nichts vorzumachen. Um in dieser guten Lage am Pier dauerhaft bestehen zu können, musste man viel Geld verdienen. Sehr viel Geld. Die Mieten waren in den letzten Jahren stetig angestiegen. Nicht aber die Preise für Kaffee und Kuchen. Die mussten im Rahmen der immer größer werdenden Konkurrenz der großen Ketten zeitweise sogar nach unten korrigiert werden. Darüber täuschte auch dieser sündhaft teure Becher aus Kokos oder Bambus nicht hinweg.

An jeder Straßenecke San Franciscos versuchte ein ambitionierter Cafébesitzer, sich eine Existenz aufzubauen. Nicht selten scheiterte er an der Vielzahl der Mitbewerber oder der erdrückenden Mietlast. San Francisco war teuer. Sehr teuer. Wer hier überleben wollte, brauchte Geld. Geld, das man mit etwas Kaffee und Kuchen nur schwerlich verdienen konnte. Da mussten originellere Konzepte her.

Eine Zwanzigdollarnote wechselte den Besitzer, dafür wanderten der Chocolate Fudge, der Cupcake und zwei Tassen Kaffee über den Tresen.

»Hätten Sie noch eine Serviette für mich?«, fragte die stämmige Touristin mit ausladendem Strohhut auf dem Kopf und der Fotokamera um den Hals.

Ich konnte es mir nicht verkneifen, mit den Augen zu rollen. Prompt in diesem Moment sah die kühle Blonde in meine Richtung. War ja klar. Das Glück war heute nicht unbedingt auf meiner Seite, aber daran würde ich schon noch etwas drehen.

Als sich die beiden Südstaatler vom Land an einen Tisch am Fenster gesetzt hatten, sah ich meine Chance gekommen. »Hat Ihnen eigentlich schon einmal jemand gesagt, wie schön Sie sind?«, fragte ich mit rauchiger Stimme und legte meine Hand dabei auf ihre.

Angewidert zog sie ihre Hand zurück, während sie mich ansah, als hätte ich ihr ein unmoralisches Angebot gemacht.

»Ich weiß nicht, wie Frauen für gewöhnlich auf solch eine Anmache von Ihnen reagieren, und ich möchte es auch gar nicht wissen. In meinem speziellen Fall muss ich Ihnen leider sagen, dass ich mir lieber die Hand abhacken würde, als mit Ihnen auszugehen.«

Mit einem lauten Knall fiel die Schublade der alten Registrierkasse, die nahezu antik wirkte, ins Fach und übertönte dabei zumindest für den Augenblick mein lautes Gelächter. Ich konnte einfach nicht anders. Ihre schroffe Abfuhr erheiterte mich. Gerade im Hinblick auf die Sache mit Brittney und den bevorstehenden Besuch bei meiner Schwester konnte ich etwas Zerstreuung ganz gut gebrauchen.

»Wie charmant. Dabei lande ich mit meinen Sprüchen meist auf Anhieb bei den Frauen. Was stimmt mit Ihnen nicht?« Meine Worte waren eine Spur zu spitz und mit Sicherheit waren sie nicht unbedingt förderlich für das, was mir vorschwebte. Und dennoch. Ich konnte nicht anders.

»Was mit mir nicht stimmt, wollen Sie wissen?« Sie schnaubte verächtlich, während ihre Lider bedenklich zu flattern begannen. Nur unter Aufbietung all ihrer Kräfte konnte sie sich beherrschen, nicht laut loszuschreien. Das konnte ich ihr überdeutlich ansehen. Dazu brauchte es keiner Worte.

»Für gewöhnlich liegen mir die Frauen zu Füßen, müssen Sie wissen. Erst vor einigen Tagen haben sich Zwillinge wegen mir in die Haare bekommen. Das war mir richtiggehend unangenehm.« Ganz die Ruhe selbst stützte ich meinen Kopf auf meiner Hand ab und lächelte die Frau nach wie vor freundlich an. Ich würde schon noch ans Ziel kommen. Auf die ein oder andere Weise. Daran würde auch eine störrische Cafébesitzerin mit einem Hang zur Übertreibung nichts ändern.

Anstatt endlich meinem Charme zu erliegen, stemmte Brittneys Ebenbild – rein äußerlich betrachtet – ihre Hände in die Seiten und sah mich aus zu schmalen Schlitzen verengten Augen finster an. Die Furche auf ihrer Stirn machte dabei dem San-Andreas-Graben ordentlich Konkurrenz.

»Ich denke, es wäre besser, wenn Sie mein Café jetzt verlassen würden.« Ihre Stimme klang kontrolliert, und dennoch war zwischen den einzelnen Worten ein kaum hörbarer aufgebrachter Unterton zu vernehmen.

An dieser Frau war wirklich eine Schauspielerin verloren gegangen. Wie sie ihre Wut zu unterdrückte, war filmreif. Sie würde einen ganz wundervollen Ersatz für die übellaunige Brittney abgeben, die meinem Charme in der Vergangenheit leider nur allzu oft erlegen war. Zu leichte Beute für einen Jäger wie mich.

»Dabei hatte ich gerade diesen Karottenkuchen ins Auge gefasst. Ich habe plötzlich unglaublichen Appetit darauf bekommen.« Dabei sah ich der Besitzerin des Cafés fest in die Augen und gab ihr das Gefühl, ich würde über sie und nicht über die Köstlichkeit in der Vitrine sprechen. »Ich würde gerne ein Stück hier essen und eins mitnehmen.« Ich zog alle Register. So leicht würde ich mich nicht geschlagen geben. Vor allem würde ich das Feld nicht vorzeitig räumen. Nicht, wenn noch Hoffnung bestand, meine Probleme auf unkonventionelle Art und Weise aus dem Weg zu räumen.

Nun begannen ihre Lippen zu beben. Das Mädchen war wirklich ein Naturtalent. Wenn sie jetzt noch auf Knopfdruck weinen konnte, würde ich sie für die doppelte Gage unter Vertrag nehmen.

Blieb nur zu hoffen, dass sie nicht ebensolche Marotten entwickelte wie ihre Vorgängerin. Aber darüber würde ich mir Gedanken machen, wenn es so weit war. Zunächst galt es, diesen kleinen Machtkampf für mich zu entscheiden. Mit dem Danach wollte ich mich auseinandersetzen, wenn es unausweichlich war.

Ruhig und gelassen saß ich auf meinem Barhocker und bedachte die Frau, von der ich nicht einmal den Namen wusste, mit einem schiefen Lächeln. Es fehlte nicht mehr viel, und sie würde an die Decke gehen. Das rechte zuckende Lid gab überdeutlich Auskunft darüber. Wenn ich eines in meinem Beruf als Regisseur gelernt hatte, dann war es, die verschiedenen Gemütsregungen des Menschen zu analysieren.

Geschirr klapperte neben mir. Ein weiteres Pärchen mittleren Alters brachte die benutzten Teller und Tassen zurück und stellte sie neben die Theke auf einen Servierwagen. Diese Landeier waren wirklich zu drollig. Gleich würden sie noch fragen, ob sie das Geschirr abwaschen durften.

Hinter dem Servierwagen ging eine Tür in einen Nebenraum. Dort verwahrte Goldlöckchen sicher ihre Köstlichkeiten. Vielleicht befand sich dort sogar eine Backstube, in der sie ihre Kuchen und ihr Gebäck selbst herstellte. Anzunehmen wäre es. Schließlich sah sie die Waren in ihrer Auslage mit so viel Hingabe an wie ein Künstler sein Meisterstück.

Der Raum, aus dem die beiden Hinterwäldler eben gekommen waren, war wie ein Achteck geschnitten. An jeder der acht Seiten befanden sich übergroße Fenster, die das Zimmer hell erleuchteten. Die Tische sowie die Stühle waren alle sehr unterschiedlich gehalten. Ganz so, als hätte sie die Eigentümerin auf einem Flohmarkt zusammengekauft. Auch die Stuhlkissen hatten ganz verschiedene Farben und Bezüge. Dort lag ein roséfarbenes Kissen aus Seide, hier eins in Ocker aus Filz.

Auf jedem Tisch standen Blumen. Neben Rosen, Callas und Tulpen konnte ich noch Gänseblümchen ausmachen. Den Rest kannte ich nicht. Aber er war bunt. Sehr bunt. Wie auch der übrige Laden.

Die eierschalenfarbenen Wände waren dabei noch recht harmlos. Die bunten Bilder, die Kronleuchter mit lang herabhängenden Perlenketten in Rot, Blau und Grün, in denen sich das Licht der Sonne brach, dagegen eine Zumutung. Von der verschnörkelten Theke und ihren vielen Glasvitrinen und Kuchenhauben gar nicht erst zu sprechen. Dann noch die Cupcakes mit blauem Frosting und die Macarons in Kirschrot, Apfelgrün und Blaubeerviolett, und die Farbexplosion war perfekt.

Als das Glöckchen am Eingang der Tür ertönte und die Gäste hinausgegangen waren, verschwand das eilig aufgesetzte Lächeln von … »Wie heißen Sie eigentlich?«, fragte ich – noch immer die Ruhe selbst –, während Goldlöckchen kurz davor stand, die Fassung zu verlieren.

»Das geht Sie überhaupt nichts an.« Dann hob sie die Haube vom Karottenkuchen an und schnitt zwei üppige Stücke davon ab. »Ich schenke Ihnen den Kuchen, wenn Sie augenblicklich mein Café verlassen. Ich habe kein Interesse an Ihrer Bekanntschaft und würde Sie bitten, nie wieder hier aufzukreuzen.« Energisch schob sie die Schachtel, in die sie den Kuchen gepackt hatte, über die aus altem Eichenholz gefasste unebene Theke und bedachte mich dabei mit einem so einschüchternden Blick, dass ich für den Moment geneigt war, ihrer Aufforderung Folge zu leisten.

Doch ich fasste mich schnell wieder. »Aber, aber, wer wird denn gleich so aus der Haut fahren? Hatten Sie schon länger keinen Sex mehr, oder warum haben Sie so schrecklich schlechte Laune?« Ihre Augen weiteten sich schlagartig, während sich ihr Mund öffnete. Doch noch ehe sie etwas sagen konnte, kam ich ihr dazwischen. »Sex wirkt sehr entspannend. Besser als jede Thaimassage. Glauben Sie mir. Ich kenne mich da aus. Habe beides schon hinreichend getestet. Wenn Sie wollen, dann wäre ich Ihnen gerne dabei behilflich, etwas runterzukommen. Auf Dauer kann so eine zerfurchte Stirn nicht gut sein.« Ich hob abwehrend die Hände in die Höhe, als sie mit dem Kuchenmesser in ihrer Hand in meine Richtung deutete. »Aus reiner Nächstenliebe, versteht sich.«

Als mir das Messer bedrohlich nahe kam, rettete mich das wiederholte Klingeln der Türglocke.

»Hey, Louna«, ertönte eine helle Stimme in meinem Rücken, und abermals wechselte der gerade noch grimmige Gesichtsausdruck meiner Kontrahentin in ein strahlendes Lächeln, das sogar in Sekundenschnelle ihre Augen erreichte. So schnell konnte ich gar nicht schauen. Ganz so, als hätte man eben erst den Lichtschalter betätigt. Das Mädchen war wirklich ein Naturtalent. Etwas impulsiv. Aber auch das würde sie noch lernen, unter Kontrolle zu bringen.

»Hey, Mary«, begrüßte sie ihre Bekannte oder Freundin und legte das Kuchenmesser wie beiläufig beiseite. »Was machst du denn hier? Ich dachte, du kommst erst am späten Nachmittag vorbei.«

Die junge Frau mit den langen roten Haaren und dem ausgefallen farbenfrohen Kleidungsstil sah zwischen mir und Louna hin und her. »Wenn ich ungelegen komme, dann kann ich auch später noch mal vorbeischauen.«

»Nein!«, entfuhr es Louna so laut, dass ich erschrocken zusammenzuckte. »Bleib bitte!« Dabei sah sie kaum merklich in meine Richtung, um ihrer Freundin zu signalisieren, dass Gefahr von mir ausging. Von mir!?

Ich zog mein Portemonnaie aus der Gesäßtasche, zahlte für den Kuchen und legte auf den Geldschein meine Visitenkarte. »Louna, Sie haben mir eine astreine Show geliefert. So jemanden wie Sie brauchen wir am Set. Ich würde mich sehr freuen, wenn Sie mich in nächster Zeit anrufen könnten.« Als ich aus ihren Augen nichts als Verachtung ablesen konnte, setzte ich noch hinzu: »Die Bezahlung ist übrigens außerordentlich gut. Überlegen Sie es sich!« Dabei schwang ich mich von meinem Hocker und nahm die Schachtel mit dem Karottenkuchen mit.

Doch noch ehe ich den Laden verlassen hatte, hörte ich sie in meinem Rücken sagen: »Eher gefriert die Hölle.«

Ich ging nicht darauf ein, setzte meinen Weg fort. Sie würde sich melden. Da war ich mir ganz sicher. Jede Wette, dass ich schon morgen etwas von ihr hören würde.

Kapitel 3

 

Louna

 

»Wer war das denn eben?« Mary schnalzte mit der Zunge und sah Mr. Wichtig begeistert hinterher.

»Niemand!«, erklärte ich ihr kurz angebunden. Schließlich war ich froh, dass der Kerl endlich auf mich gehört und das Weite gesucht hatte. Mit seiner selbstgefälligen Art war er kaum zu ertragen gewesen. Es hatte nicht viel gefehlt, und ich hätte ihn hochkant aus dem Café geworfen.

Doch Mary hörte gar nicht auf mich. »Der sah verdammt heiß aus. Hast du den Knackarsch gesehen? Und dieses wilde Verlangen in seinen Augen.«

»Glaub mir, Mary, der ist nichts für dich«, versuchte ich weiterhin, Mary von ihrer Fährte abzubringen.

Kerle wie Mr. Wichtig hatten es nicht auf eine feste Beziehung abgesehen. Die suchten nichts Längerfristiges. Eher etwas Einmaliges für eine Nacht. Dafür war mir Mary viel zu schade. Sie hatte einen anständigen Kerl verdient, der sie auf Händen trug und ihr die Welt zu Füßen legte. Und keinen, der sie nach der ersten gemeinsamen Liebesnacht von der Bettkante schubste und auf Nimmerwiedersehen verschwand.

»Warum hast du uns einander nicht vorgestellt?«, jammerte Mary, während sie sich zu mir an die Theke setzte. Sie wollte noch immer nicht wahrhaben, dass der Kerl nichts für sie war.

Ich nahm den Geldschein samt der Visitenkarte und legte beides in meine Kasse. Warum ich die Karte nicht gleich wegwarf, wusste ich nicht. Vielleicht hatte ich Sorge, Mary könnte sie in einem unbeobachteten Moment aus dem Mülleimer fischen und sich doch noch bei Mr. Wichtig melden. Zuzutrauen wär es ihr. Schließlich hatte Mary eine verdammt lange Durststrecke hinter sich. Mittlerweile war sie so liebebedürftig, dass sie offenbar die Augen vor der Realität verschloss. Aber ich würde nicht dabeistehen und abwarten, wie sie sich sehenden Auges in ihr Verderben stürzte. Dafür war mir meine Freundin viel zu wichtig.

»Wollen wir heute Abend mal wieder ausgehen?«, wechselte ich unvermittelt das Thema. Ich war es leid, weiter über Mr. Wichtig zu sprechen, der doch allen Ernstes davon ausging, ich würde mich bei ihm melden.

Ha! Dass ich nicht lachte. Darauf würde er lange warten müssen. Ich war nicht käuflich. Und eine Schauspielerin war ich schon gleich gar nicht. Was bildete sich der Typ eigentlich ein? Platzte unvermittelt in mein Leben und bot mir einen Job beim Film an. Ich hatte ein Leben. Ein Leben, das ich sehr mochte.

Ich liebte mein Café, meine Gäste und das immerwährende Experimentieren, was neue Süßspeisen und Kuchen aller Art anbelangte. In Zukunft wollte ich mich auch im Eismachen versuchen. Zumindest wenn das Geld reichte und ich mir eine Eismaschine leisten konnte.

»Die Bezahlung ist übrigens außerordentlich gut!«, hallten die Worte des Fremden durch meinen Kopf, und ich biss mir nervös auf die Unterlippe. War das vielleicht die Antwort auf meine Geldsorgen? Hatte ich womöglich doch eine Spur zu leichtfertig Nein gesagt? Ich schüttelte den Kopf, um mich meiner wirren Fragen zu entledigen.

»Gerne.« Marys Lippen verzogen sich zu einem freudigen Lächeln. Schon seit Tagen lag sie mir mit der Idee in den Ohren, mal wieder mit mir die Clubs unsicher zu machen. Aber die viele Arbeit im Café und die Sorge um das liebe Geld schlugen mir in letzter Zeit immer öfter aufs Gemüt. Und ich wollte meiner Freundin nicht die Stimmung vermiesen, indem ich neben ihr in einer Bar saß und Trübsal blies.

»Lass uns doch mal wieder ins Cityscape im Hilton gehen. Der Ausblick von der Bar im sechsundvierzigsten Stockwerk auf die Stadt ist einfach atemberaubend schön.« Dann senkte sie verschwörerisch die Stimme und sprach kaum hörbar weiter: »Außerdem kann man da ’ne Menge Männer kennenlernen, die in San Francisco auf Geschäftsreise sind.« Mary zwinkerte mir konspirativ zu, als hätte sie soeben den Heiligen Gral gefunden und dabei Erleuchtung erlangt.

»Ich weiß nicht.«

Das Cityscape war eine ziemlich teure Adresse. Die Cocktails dort waren zwar ausgezeichnet, kosteten aber dafür ein Vermögen. Hin- und hergerissen zwischen dem Wunsch, meiner Freundin eine Freude zu machen, und dem Damoklesschwert, das über mir hing und jeden Moment auf mich hinabsausen würde, wog ich das Für und Wider ab.

»Ach, komm schon! Wir machen einen auf Sex and the City, ziehen uns schick an, lernen ganz unverbindlich ein paar Männer kennen und genießen den Abend in vollen Zügen.« Mary war Feuer und Flamme, und ich wollte sie nicht mit meinen Geldproblemen langweilen. Es war schon schlimm genug, dass sie mir ständig im Kopf herumschwirrten und mir keine Ruhe ließen.

»Also gut«, gab ich nach. »Aber nicht länger als bis Mitternacht. Ich muss morgen früh raus. Eine Kundin will mit mir die Kuchenauswahl für ihre Hochzeit durchgehen.« Einer von den Aufträgen, nach denen ich mir die Finger leckte. Bei einer Feierlichkeit wie einer Hochzeit sollte alles perfekt sein. Da spielte es keine Rolle, was es kostete. Für die meisten zumindest. Und das war meine Chance, einerseits meine leere Kasse zu füllen und mir gleichzeitig einen Namen zu erarbeiten.

Denn die Gäste der Feier würden fragen, wer denn die guten Kuchen gebacken hatte, sich die Adresse nennen lassen und bei mir vorbeischauen, weil ein runder Geburtstag oder ein Trauerfall anstand und Kuchen immer eine gute Idee war.

»Violet Eliot?«, fragte Mary.

Ich nickte und ahnte bei Marys Gesichtsausdruck nichts Gutes.

»Ihr Verlobter hat sie aus heiterem Himmel verlassen. Er steht jetzt auf Männer, hat sie mir gesagt. Ich sollte ja die Deko übernehmen, wie du sicher weißt. Sie hat wohl vergessen, dir Bescheid zu geben.«

Ich schluckte schwer gegen den Kloß an, der sich urplötzlich in meinem Hals gebildet hatte. Auch das noch. Mit dem Geld für diesen großen Auftrag hatte ich fest gerechnet. Was sollte ich denn bloß machen?

»Das ist natürlich … sehr ärgerlich. Für Violet.«

Die Vorstellung, mein Verlobter könnte kurz vor der Hochzeit einen Rückzieher machen und mir gestehen, dass er lieber mit einem Mann zusammen sein wollte, stellte ich mir furchtbar vor. Die arme Frau! Sie war wirklich zu bemitleiden. In ihrer Haut mochte ich gerade echt nicht stecken.

Aber meine eigene Lage gefiel mir von Tag zu Tag auch immer weniger. Wenn ich nur daran dachte, was das fehlende Geld von Violet in meiner Bilanz anrichtete, sah ich schwarz für mein Geschäft. Dabei hatte ich so viel Zeit, Energie und Ehrgeiz in das Unternehmen gesteckt und meine Kuchen mit so viel Liebe und Leidenschaft zubereitet, dass Valentino, mein Ex, sogar das ein oder andere Mal eifersüchtig auf mein Café gewesen war.

Irgendwann im Streit hatte er mir mal vorgeworfen, ich wäre gar nicht an einer Beziehung mit ihm interessiert. Diese würde ich ja bereits mit meinem Laden führen. Aber das stimmte nicht. Ich wollte auch von einem Mann im Arm gehalten werden und wissen, dass es jemanden gab, der sich um mich sorgte, der mich bedingungslos liebte und alles für mich tun würde. Aber diesen Mann hatte ich bisher noch nicht gefunden. Leider. Also musste ich zusehen, dass ich mein Business endlich voranbrachte, und fokussierte mich ausschließlich darauf. Zeitweise vielleicht etwas zu verbissen. Das gab ich ja gerne zu. Aber hatte ich denn eine andere Wahl?

»Die Arme wollte zurück zu ihrer Familie nach Massachusetts. Sie versteht die Welt nicht mehr. Wer kann es ihr schon verübeln?«

Damit schmolz auch meine letzte Hoffnung wie tauender Schnee in den ersten zarten Sonnenstrahlen des sich ankündigenden Frühlings dahin. Ein Liebescomeback würde es für die beiden wohl nicht so schnell geben.

»Wann wollen wir heute Abend los?«, fragte ich, um mich selbst etwas von meinen Geldnöten abzulenken. Es brachte nichts, ständig daran zu denken. Das änderte schließlich auch nichts an meiner Situation.

Wieder musste ich an die Worte von Mr. Wichtig denken. »Die Bezahlung ist übrigens außerordentlich gut.« Und das erste Mal klangen sie in meinen Ohren gar nicht mehr so verabscheuungswürdig wie in dem Moment, als der Kerl sie ausgesprochen hatte.

»Vielleicht gegen einundzwanzig Uhr?

---ENDE DER LESEPROBE---