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Dieses Buch enthält die ersten zwei Abenteuer der Zwillinge LIsa und Tim. Zunächts erleben sie ein spannendes Abenteuer mit Autodieben - zwei merkwürdigen Gestalten, denen sie beinahe in die Hände fallen. Dann begegnen sie dem Geistseher Jan Spökenkieker beim Zelten am Sahlenburger Strand und er erzählt ihnen vom Schicksal der Moorliesl.
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Seitenzahl: 77
Veröffentlichungsjahr: 2019
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Gisela Prouza, 1944 in Schlesien geboren, ist als Flüchtlingskind in Cuxhaven / Sahlenburg aufgewachsen. Bereits als Kind hatte sie den Traum später einmal Bücher zu schreiben.
In den Jahren 2004 – 2006 absolvierte sie den Lehrgang „Belletristik“ an der HAF Hamburger Akademie für Fernstudien, Schule des Schreibens.
Heute lebt die Autorin Gisela Prouza mit ihren Ungarischen Straßenhunden Merlin und Flynn, sowie der zugelaufenen Katze Minka in der Nähe von Hamburg.
Gefangen im Turm
Der erste Ferientag in Sahlenburg
Der geheimnisvolle Turm
Die Entdeckung
Gefangen im Turm
Die rettende Idee
Aufregung im Polizeirevier
Gerettet
Begegnung mit Jan Spökenkieker
Osterferien in Sahlenburg
Zelten am Sahlenburger Strand
Das Finkenmoor
Jan Spökenkieker
Jan in Gefahr
Die Moorliesel
Suche nach Jan
Besuch beim Spökenkieker
Die Hundebabys
Jan sieht ein Unglück voraus
Feuer im Pferdestall
Lisa und Tim in Gefahr
Der Bann wird gebrochen
„So ihr beiden, gleich kommt der Zug. Kann ich euch auch wirklich alleine zu Tante Edelgard und Onkel Reinhard fahren lassen?“
Frau Brünner fragte das zum x-ten Mal ihre Zwillinge, Lisa und Tim. Sie stand mit den beiden auf dem Hamburger Hauptbahnhof, wo in fünf Minuten der Zug eintreffen sollte. Die Sommerferien hatten begonnen und auf dem Bahnsteig war ein furchtbares Gedränge und Geschiebe. Die Luft war schon am frühen Morgen stickig und schwül, deshalb wollten viele Menschen raus aus der Stadt. Laufend fuhren Züge mit quietschenden Bremsen in den Bahnhof rein, und andere gaben beim Rausfahren einen Pfeifton von sich.
Frau Brünner sah etwas besorgt auf ihre Kinder. So ganz wohl war ihr bei dem Gedanken, die beiden alleine mit dem Zug nach Cuxhaven fahren zu lassen, doch nicht.
„Ihr versprecht mir, – bei eurem Indianer-Ehrenwort -, dass ihr in dem Abteil sitzen bleibt, bis ihr in Cuxhaven angekommen seit?“
Tim und Lisa nickten ausgiebig.
„Cuxhaven ist ein Sackbahnhof, weiter kann der Zug nicht fahren. Dort wartet Tante Edelgard auf dem Bahnsteig!“
Lisa verdrehte die Augen nach oben und stöhnte: „Ja, Mama, das hast du uns schon tausend mal erzählt!“ Tim nickte nur und sagte ganz cool: „Alles klar Mama, wir sind doch keine Babys mehr. Wir sind schon neeeuuun Jahre alt. Das ist doch kinderleicht!“
Aus dem Lautsprecher ertönte die Durchsage:
„Auf Gleis 3 fährt der Zug ein! Bitte treten Sie von der Bahnsteigkante zurück! Weiterfahrt nach Cuxhaven in zehn Minuten!“
Frau Brünner kontrollierte noch schnell die Rucksäcke, ob sie auch richtig zugezogen waren, und da kam auch schon der Zug laut kreischend in den Bahnhof hinein gefahren. Zusammen suchten sie ein leeres Abteil, damit Lisa und Tim am Fenster sitzen konnten. Danach stellte sich ihre Mutter draußen vor das Fenster und gab ihnen mit der Hand ein Zeichen. Sie sollten mit ihr gleich nach der Ankunft telefonieren. Die beiden nickten fleißig und winkten ihr bei der Abfahrt zu. Ihre Mutter hatte sich extra ein weißes Tuch mitgenommen und winkte damit, bis der Zug den Bahnhof verlassen hatte.
Lisa sah am Fenster die flache Landschaft vorüberhuschen. Ein wenig aufgeregt war sie schon. Es war das erste Mal, dass sie mit ihrem Bruder alleine verreisen durfte. Sie freute sich schon riesig auf die Ferien bei Tante Edelgard und Onkel Reinhard. Da konnte man so richtig toll spielen und auf den Islandpferden durften sie auch reiten. Ob „Skekja und Vakür" sie wohl wiedererkennen werden?
Tim hatte inzwischen den Proviant aus dem Rucksack genommen und fing an zu futtern. Mit vollem Mund quasselte er los: „Du, Lisa, Onkel Reinhard hat mir versprochen, dass er mich zu seiner Polizeiwache mal mitnimmt. Ich darf dann auch im Polizeiauto mitfahren!“ Lisa sah ihn belehrend an, schließlich war sie zehn Minuten älter als ihr Bruder. „Du sollst doch nicht mit vollem Mund sprechen, das weißt du doch!“
Tim mochte es gar nicht, wenn Lisa die ältere Schwester spielte. Sonst war sie für ein Mädchen aber ganz in Ordnung. Bevor er jedoch etwas Gemeines zu ihr sagen konnte, wurde die Abteiltür mit einem Ruck aufgerissen. Zwei Männer kamen herein. Ein langer Dünner, mit viel Pomade im Haar, setzte sich neben Tim und der andere, ein großer Dicker mit kurz geschorenen, blonden Haaren, dicht neben Lisa. Er musste draußen wohl etwas länger in der prallen Sonne gestanden haben. Sein Gesicht war puterrot und er schwitzte fürchterlich. Im Abteil verbreitete sich sofort ein übler Geruch. Der Dicke holte ein schmuddeliges Tuch aus der Hosentasche und wischte damit über das Gesicht. Lisa sah Tim mit einem nach Hilfe suchenden Blick an, traute sich aber nicht, ein Wort zu sagen. Tim war der Appetit vergangen, und das kam nicht oft vor. Dann bemerkte er, dass Lisa ihm ein Zeichen gab. Er sollte ihr helfen, das Fenster zu öffnen. Sie stellten sich beide auf die Sitzbänke und zogen gemeinsam das Fenster halb herunter.
Die Männer beachteten die beiden gar nicht. Sie unterhielten sich in einer Sprache, die Lisa und Tim nicht verstanden, bis auf ein paar bekannte Wörter. Die Worte ‚BMW‘ und ‚Mercedes‘ hatte Tim ganz genau verstanden. Der Dünne redete pausenlos in einem Kauderwelsch auf den Dicken ein, sah ihn mit wütendem Blick an und stieß die Worte: „... jetzt bloß kein Scheiß bau’n, capiiiche!“, hervor. Tim sah den Mann neugierig an. Der drehte sich zu ihm um. „Hää, was gucks du? Gucks du raus! Capiiiiiche?“
Er zog das Wort unheimlich in die Länge. Es kam wie das Zischen einer Schlange aus seinem Mund und dabei spuckte er auch noch. Erschrocken rutschte Tim ein Stück zur Seite und drehte sich zum Fenster um. Lisa wurde es so richtig mulmig zu mute. Sie rückte eng an die Wand. In dem Moment hörten sie das Öffnen einer Abteiltür und die Stimme des Schaffners: „Hier noch jemand zugestiegen?“
Die Männer sahen sich an und sprangen auf. „So’n Schiet“, schimpfte der Dicke, gleich kommt ein Bahnhof, da springen wir raus!“ Hastig verließen sie das Abteil. An der Tür drehte der Dünne sich noch mal um. Er machte ein böses Gesicht und fuhr mit dem Finger über seinen Hals, was bedeutete, sie sollten ja den Mund halten. Beide nickten eifrig. Als die Männer weg waren, atmeten sie erst einmal tief durch.
„Mensch, Lisa, die sahen ja aus wie Dick und Doof!“ Tim machte schon wieder einen auf cool. „Ich glaub‘, das waren richtige Verbrecher. Das muss ich nachher Onkel Reinhard erzählen!“
Der Zug kündigte mit einem Pfeifton seine Einfahrt in den Bahnhof an. Im Vorbeifahren sah Lisa das Ortsschild, konnte aber nur noch die Buchstaben ‚STA‘ lesen. Sie kramte in ihrer Hosentasche herum und holte einen Zettel heraus. Darauf hatte ihre Mutter alle Haltestationen bis nach Cuxhaven aufgeschrieben. Da stand es ja. Sie waren jetzt in Stade. Quietschend hielt der Zug an. Laut klappten die Türen, und einige Leute stiegen ein und aus. Die beiden lehnten sich weit aus dem Fenster. Sie wollten sehen, ob die Männer auch wirklich ausgestiegen waren. „Da sind sie!“ Tim stupste Lisa an und zeigte auf den Bahnhofseingang. Lisa sah gerade noch, wie die Männer hinter der Glastür verschwanden.
„Mann, was für’n Glück. Die waren echt unheimlich, finde ich. Du auch Tim?“ Der nickte nur. Lisa sah wieder auf den Zettel. „Noch zweimal halten, dann sind wir da!“ Ruckelnd fuhr der Zug wieder an. Erleichtert setzten sie sich hin und sahen bald, wie die Häuser schnell am Fenster vorbeizogen. Langsam wurde die Abteiltür geöffnet. Angespannt blickten beide zur Tür, doch es war nur ein Ehepaar, das sich zu ihnen in das Abteil setzte. Sie waren richtig nett und unterhielten sich mit Lisa und Tim.
Die Fahrt bis Cuxhaven verging so wie im Flug.
Als sie bei ihrer Ankunft ausstiegen, sahen sie schon von weitem Tante Edelgard winken. Den Collie-Mischling ‚Cisco‘ hatte sie auch mitgebracht. Er hüpfte, total aufgeregt, bellend um sie herum.
„Hallo, ihr beiden, da seid ihr ja.“, rief ihnen Tante Edelgard entgegen. „Hattet ihr eine schöne Zugfahrt?“
Tim wollte sofort von ihrem Erlebnis mit den beiden Männern erzählen, doch die Tante unterbrach ihn in seinem Redefluss: „Das kannst du alles später erzählen. Onkel Reinhard wartet im Auto auf uns!“
Tim machte ein beleidigtes Gesicht. „Na toll, typisch Erwachsene,“, dachte er, „erst fragen sie etwas, und dann haben sie keine Zeit zum Zuhören. Das fängt ja gut an!“
Während der Autofahrt konnte er dann aber doch alles haarklein erzählen und Onkel Reinhard hörte sogar zu. Als Polizeibeamter interessierte er sich immer für ungewöhnliche Dinge.
Sofort nach ihrer Ankunft in Sahlenburg, dort wohnten die Tante und der Onkel, zogen beide ihre Badesachen an. Sie wussten ja noch vom letzten Jahr, dass hinter dem Haus ein Schwimmbecken stand. Im Vorbeiflitzen rief Lisa der Tante zu: „Rufst du bitte bei Mama an das alles okay ist? Wir hatten es versprochen!“
Mit einem Satz sprang sie ins Wasser das es nur so spritzte.
Die Sommerferien hatten begonnen!
Um das Haus herum war ein großes Grundstück mit einer Pferdekoppel die direkt vor dem Wernerwald endete.
