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Reinhard, Nicos bester Freund, hat sich erst jetzt, im Alter von über vierzig Jahren, endlich eine Frau „zugelegt“, die vollbusige Anja, und ist mit ihr allem Anschein nach restlos glücklich. Ihr zu Ehren veranstaltet er eine sogenannte Housewarming Party. Und diese Party entpuppt sich für Nico als Hochschaubahn der Gefühle. Sie hält unglaubliche Überraschungen bereit. Nico besucht die Party natürlich gemeinsam mit seiner Freundin Sheila, einer jungen Irin, die als Englischassistentin an Nicos Schule wirkt. Sie sind beide ganz schrecklich verliebt, und besonders Sheilas Liebe zu Nico ist himmelstürmend. Ja, aber während der Party verknallt sie sich sofort in den rassigen Spanier Carlos. Und damit ist ihre Liebe zu Nico „passé, vorbei, Geschichte.“ Doch dafür verlieben sich, ebenfalls schon während der Party, zwei andere Frauen in Nico: Nelly und Ilse. Und Letztere wird ihm später die Ursache, dass er noch eine dritte Geliebte gewinnt: Kathi, die eigentlich die Freundin ihres Ehemannes Hugo ist.
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Veröffentlichungsjahr: 2026
Lob und Preis dem Liebesgott! Eine „alte“ Freundin hat er mir genommen, zwei neue Freundinnen hat er mir gegeben. Und das an ein und demselben Abend. Gelobt sei der Name des Liebesgottes.
Reinhard heißt mein bester Freund. Bis vor kurzem war er, wie man so schön sagt, „unbeweibt“. Erst jetzt, im Alter von über vierzig Jahren, hat er sich endlich eine Frau „zugelegt“, die schwarzhaarige und vollbusige Anja, und ist mit ihr allem Anschein nach restlos glücklich. Ihr zu Ehren veranstaltete er kürzlich eine sogenannte Housewarming Party. Und diese Party entpuppte sich für mich, den Nico, als einzige Hochschaubahn der Gefühle. Sie hielt unglaubliche Überraschungen bereit. Und löste höchst unerwartete Ereignisse aus.
Festgesetzt war sie für den 31. Oktober des Jahres 2017, einen Dienstag. Ich war ganz selbstverständlich eingeladen, ebenso meine süße, junge Freundin Sheila, eine typische Irin mit roten Haaren und lustigen Sommersprossen und einer unglaublich feinen, zarten, weißen „Porzellanhaut“, wie sie angeblich für englische und irische Frauen typisch ist, offenbar als Folge des feuchten Klimas. Sie wirkt als Englischassistentin an einem Wiener Gymnasium, demselben, an dem auch Reinhard und ich unterrichten – ich Englisch und Latein, Reinhard Mathematik und Physik. Na ja, und wenn ich Sheila einfach meine junge Freundin nannte, so sollte ich wohl noch ein wenig deutlicher werden. Wir waren nämlich beide ganz schrecklich verliebt, und besonders Sheilas Liebe zu mir – wie soll ich’s nennen – ihre Liebe war wirklich himmelstürmend. Oder: überstieg alles, was ich bisher in dieser Hinsicht erlebt hatte.
Vierzehn Teilnehmer zählte ich insgesamt auf dieser Party (mich eingeschlossen): acht Weiblein, sechs Männlein, darunter Reinhards jüngerer Bruder Hugo und ein Spanier namens Carlos, ein ausgesprochener Feschak, neu in Österreich, um Germanistik zu studieren, wie er mir erzählte.
Tanzmusik setzte ein. Natürlich gedachte ich als Erste meine Sheila aufzufordern. Aber siehe da, ich kam zu spät. Carlos hatte sie sich bereits geschnappt und wirbelte sie auf geradezu unanständige Weise durch die Gegend. Na schön. Die Auswahl an Weiblichkeit war eh groß genug. Wie gesagt, es stand sechs zu acht. Sechs Männlein, acht Weiblein.
Also schaute ich mich eben nach einer anderen Tanzpartnerin um und machte mich über eine gertenschlanke Schönheit namens Nelly her. Ich kannte sie schon seit einiger Zeit (und fand sie, ehrlich gesagt, ganz schön sexy). Wie ein Mauerblümchen stand sie mit ihrem Glas am Buffet und schaute gelangweilt den Tanzenden zu. Meine Aufforderung erwiderte sie mit süßem Lächeln, stellte ihr Glas ab, schlang mir ihre Arme um den Hals, schmiegte sich an mich und legte ihre Wange an die meine. Das verblüffte mich zunächst und erregte mich sogar ein wenig, sodass ich ein Weilchen brauchte, bis ich den Mund aufbrachte.
„Ich habe schon gehört“, sagte ich, „dass du jetzt Single bist.“
Sie nickte und schniefte ein wenig. „Ja, ja. Der David, dieser Schuft.“
„Das heißt, er hat dich verstoßen?“
„Ja, ja. Ich bin ihm zu alt, zu dünn und zu wenig attraktiv.“
„Was? Der spinnt ja. Gerade vorhin, wie ich mich an dich angeschlichen habe, habe ich mir gedacht: He, ganz schön sexy, die Nelly.“
Nelly strahlte mich an. „Wirklich?“
„Aber sicher. Und zu alt? Ein saublödes Argument. Ich könnte ja dein Vater sein.“
„Mein Vater? Du scherzt.“
„Ja, wie alt bist du denn? Falls das nicht zu indiskret ist.“
„Aber überhaupt nicht. Siebenundzwanzig.“
„Aha. Na, und ich bin zweiundvierzig.“
„Und noch nicht verheiratet?“
„Geschieden.“
Nelly blieb stumm und schmiegte sich noch enger an mich. Dann küsste sie mich zu meiner Überraschung auf die Wange und sagte: „Natürlich hatte der David noch anderes an mir auszusetzen.“
„Soso. Zum Beispiel?“
„Zum Beispiel, dass ich auch mit anderen Männern geflirtet habe. Aber Flirten ist doch lustig. Und verleiht dem Leben eine gewisse Würze. Glaub ich halt.“
„Aber sicher tut es das. Und was noch?“
„Was ihm sonst noch nicht gepasst hat an mir? Na ja, dass ich eine richtige Klette bin. Weil ich halt gern kuscheln und schmusen und streicheln tue.“
„Wie? Das wollte er nicht?“
„Ach, Nico! Das Einzige, was er wollte, war, dass ich die Beine breitmache, und fertig.“
„Jetzt hör auf. Also, was ein richtiger Mann ist, genießt es, wenn seine Partnerin gern kuschelt und schmust und streichelt. Gestreichelt werden will sie ja schließlich selber, oder nicht?“
„Ja, eben. Und genau das war dem David zu blöd, zu langweilig. Ebenso fand er es blöd, ja sogar pervers, dass ich mich selber streichelte, um leichter zum Orgasmus zu gelangen, während er in mir steckte.“
Oho! Ganz schön offenherzig, die Kleine, dachte ich. Und nach einer kurzen Schrecksekunde sagte ich: „Ja, dann musst du ja direkt froh sein, dass du den Kerl los bist.“
„Stimmt natürlich. Nur bin ich halt jetzt allein.“
„Das könnte man ja ändern.“
Sofort griff ich mir auf den Mund, um meine letzte Bemerkung unhörbar zu machen – natürlich ein sinnloses Unterfangen.
Im selben Moment tanzten, eng umschlungen, Sheila und Carlos an uns vorbei. Und das gab mir die erlösende Idee ein.
„Der Carlos zum Beispiel. Der ist jetzt frisch aus Spanien importiert und wäre sicher froh und glücklich, so eine sexy Freundin wie dich zu kriegen, die noch dazu das Kuscheln liebt. Glaubst du nicht?“
Nelly wiegte zweifelnd den Kopf. „Der? Der hat doch schon eine.“
Verdammt, sie hat recht. Das heißt, genau diesen Eindruck erweckten die zwei. Und jetzt blieb zur Abwechslung ich stumm.
Auch die Musik verstummte. Jetzt war also für die Tanzwütigen wieder Zeit, es den Nichttänzern gleichzutun und entweder Anjas Brötchen zu ehren oder für den entsprechenden Alkoholspiegel zu sorgen. Oder die Toilette aufzusuchen. Oder auf den Balkon hinauszutreten und frische Luft zu schnappen. Zwei Frischluftliebhaber konnte ich erkennen: Sheila und Carlos. Und mir schwante Entsetzliches. Soll ich auch hinausgehen und die Sheila an den Haaren von ihm wegschleifen?
„Du siehst ja“, hörte ich Nelly sagen, „der Spanier ist schon vergeben. Willst du mit mir anstoßen?“
„Ja, ja“, stammelte ich und ließ mich von ihr an der Hand zum Buffet lotsen, schenkte ihr aber denkbar wenig Beachtung, denn in meinem Kopf brodelte es wie in einem Kochtopf. Oder genauer, wie die Lava in einem Vulkan, der nahe daran ist, auszubrechen.
Als Reinhard eine neue CD einlegte, wurde Nelly von seinem Bruder Hugo zum Tanzen aufgefordert. Und wer forderte, ohne lang zu überlegen, Ilse, dessen blonde Eheliebste, auf? Antwort: Ich.
Ilse tanzte zwar bei weitem nicht so sexy wie Nelly. Sie versuchte sogar einen kleinen Abstand zwischen uns zu halten. Das gelang ihr aber nicht recht, denn auch sie hatte (im auffallenden Gegensatz zu Nelly) ziemlich viel „Holz vor der Hütte“, sprich, einen fast ebenso opulenten Busen wie Anja.
Während ich noch krampfhaft überlegte, was ich nur sagen sollte – ich kannte sie ja praktisch gar nicht –, tanzte schon wieder Sheila mit Carlos an uns vorbei. Da entkam mir der Seufzer, dass meine Freundin gerade dabei sei, sich dem Spanier an den Hals zu werfen und mir untreu zu werden. Und ich ahnte nicht, was mir jetzt bevorstand.
„Ach, die mit dem Spanier ist deine Freundin?“, kommentierte Ilse und blickte mich mitleidig an.
„Ja, ja“, brummte ich und machte ein leidendes Gesicht.
„Darf ich dich zum Trost küssen?“, erwiderte Ilse und wartete zum Glück nicht auf eine Antwort, sondern küsste mich lange und heftig und tief. Zugleich spürte ich nicht nur ihren weichen, üppigen Busen an meiner Brust, sondern ihren ganzen, ebenfalls üppigen Körper. Und gleichzeitig musste sie zu meiner Bestürzung meine plötzliche Erektion spüren. Na gut, dachte ich, das ist ja auch der Grund, warum den Sittenwächtern Tanzen immer schon suspekt gewesen ist. Weil es eben „die Sinnlichkeit weckt“. Und die Menschen zur Sünde verführt. Lieb Vaterland, magst ruhig sein: Auch wenn das Blut noch so sehr in Wallung gerät, uns zwei, die Ilse und mich, wird es sicher nicht verführen. Da sei der heilige Hugo davor.
Nach diesem göttergleichen Kuss herrschte ein kleines Weilchen Funkstille. Dann raffte ich mich zu einem schwachen Kompliment auf.
„Das war aber ein wundervoller Trost.“
„Na ja, ein kleiner Trostpreis halt“, erwiderte Ilse lächelnd, schmiegte sich erneut an meine Brust und legte, wie vorhin Nelly, ihre Wange an die meine. Und so tanzten wir schweigend und der sündhaften Sinnlichkeit hingegeben, bis die Musik wieder einmal Pause machte.
„Du, Nico, ich muss mich ein Weilchen hinsetzen“, sagte Ilse und stöhnte theatralisch. Und ich geleitete sie zur nächsten Couch.
Gleich darauf setzte die Musik wieder ein. Ich sah Nelly am Buffet stehen. Sie tröstete sich, offenbar aus Frust, mit Anjas scharfen Sachen. Ich ging auf sie zu, nahm ihr schmunzelnd das Glas aus der Hand, stellte es ab und nahm sie in die Arme und drückte sie ohne Scheu an mich und begann mit ihr zu tanzen, und sie küsste mich ohne Scheu sofort wieder, nicht mehr auf die Wange, sondern auf den Mund, war freilich nicht mehr ganz so standfest wie zuvor.
Plötzlich flüsterte sie mir ins Ohr, sie müsse dringend aufs Klo, spüre aber leider schon den vielen Whisky und traue sich alleine nicht, und ob ich sie begleiten würde?
Na, selbstverständlich begleitete ich sie und hielt sie fest, und sie klammerte sich an mich. An der WC-Tür angelangt, musste ich sie aber loslassen.
