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Bayern im Winter: Die frisch verliebte Studentin Carina fällt aus allen Wolken, als drei Ermittler des bayerischen Landeskriminalamtes auf ihrer Berghütte auftauchen und behaupten, ihr Freund Ben sei ein Spion. Er habe Daten über ein Spionagesystem zur Auslandsaufklärung entwendet und sei damit untergetaucht. Carina soll den Lockvogel für Ben spielen - doch sie glaubt nicht an seine Schuld. Als unerwartet auch noch ihre beste Freundin Isabella auf der Hütte auftaucht, schmieden die beiden jungen Frauen Fluchtpläne. Ob sie Chancen haben, gegen die Polizisten vom LKA anzukommen und Ben zu entlasten? "Lockvogel wider Willen" ist ein fesselnder, abenteuerlicher und actionreicher LKA-Spionagethriller mit aktuellem Hintergrund, in dem auch Romantik und Humor nicht zu kurz kommen. Leseempfehlung für Cosy Crime - LiebhaberInnen!
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Seitenzahl: 248
Veröffentlichungsjahr: 2016
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Mona Busch
Lockvogel wider Willen
Ein Spionageabenteuer
Dieses ebook wurde erstellt bei
Inhaltsverzeichnis
Titel
Impressum
PROLOG
1. Kapitel: Die Hütte
2. Kapitel: Unerwarteter Besuch
3. Kapitel: Gefangen
4. Kapitel: Haiti-Bar, München
5. Kapitel: Fluchtversuch
6. Kapitel: Isabella
7. Kapitel: Ein Fluchtplan wird geschmiedet
8. Kapitel: Der Plan wird ausgeführt
9. Kapitel: Auf der Flucht
10. Kapitel: Böses Erwachen
11. Kapitel: Auf Carinas Spur
12. Kapitel: Intermezzo
13. Kapitel: Das Treffen
14. Kapitel: Erwischt!
15. Kapitel: Im LKA
16. Kapitel: In der Höhle des Löwen
17. Kapitel: Eine unerwartete Wendung
18. Kapitel: Der Maulwurf
19. Kapitel: Die Geiselnahme
20. Kapitel: Carina beweist Mut
21. Kapitel: Leben oder Tod?
22. Kapitel: Die Suche
23. Kapitel: Gerettet!
24. Kapitel: Panikattacke
25. Kapitel: Showdown
26. Kapitel: Nachspiel
27. Kapitel: Life goes on
28. Kapitel: Das Wiedersehen
EPILOG
Danksagung, Bitte und Kontakt
Impressum neobooks
Text: © Copyright by Monika Borody, 2016.
ErstauflageUmschlaggestaltung: © Copyright by Monika BorodyLektorat, Korrektorat: Monika Borody, Scripta Literaturagentur
Selbstverlag: Monika Borody Lilienthalstraße 16 b 85579 Neubiberg [email protected] oder [email protected]
über www.neobooks.com, Neopubli GmbH, Erika-Mann-Straße 23, 80636 München
ISBN: 978-3-7380-9605-7
Die Personen und die Handlung in diesem Buch sind fiktiv.
Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.
Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek:Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.
Carina stand fröstelnd mitten im Wald. Alleine.
Klirrende Kälte durchdrang ihre Kleidung und verursachte ihr eine Gänsehaut. Schnee bedeckte den Boden und die Äste der Nadelbäume. Schaudernd sah sie sich um: Wie war sie hierhergekommen?!
Düster und bedrohlich wirkte der stille Wald auf sie. Irgendwo hinter ihr knackste ein Zweig.
Sie fuhr herum – nichts.
Nur ihr Atem stieg wie ein weißes Wattebäuschchen von ihrem Mund empor.
Angst überfiel sie. Sie spürte, wie ihr Herz schneller schlug.
„Hallo? Ist da jemand?!“
Stille.
Carina atmete schwer und kämpfte gegen die Panik an, die sie zu überwältigen drohte.
Weg! Sie wollte weg hier, raus aus diesem unheimlichen Winterwald! Sie wandte sich um, wollte loslaufen – und prallte zurück.
ER stand vor ihr.
Carina schrie entsetzt auf. Sie hatte IHN nicht kommen hören.
ER grinste kalt: „Carina… Freust du dich gar nicht, mich wiederzusehen?“
Sie wich totenblass zurück: „Lass mich in Ruhe!“
Mit einem Satz folgte ER ihr und packte sie vorne an der Jacke. Eine Messerklinge blitzte vor ihr auf!
Panische Angst durchfuhr Carina und lähmte sie.
ER zischte: „Sag mir, was ich wissen will!“
Gleich darauf spürte sie die Spitze der Klinge an ihrer Kehle. Tränen der Angst schossen Carina in die Augen: „Ich… kann nicht!“
ER kniff die Augen zusammen und sagte mit gefährlich leiser Stimme: „Oh doch, du kannst. Ich gebe dir 5 Sekunden. 5 - 4 – 3…“
Carina versuchte, sich loszureißen, IHM zu entkommen – doch ER ließ nicht los.
Drohend hob er das Messer: „2 – 1…“
Dann stach ER zu.
Ein scharfer, stechender Schmerz durchfuhr Carinas linke Schulter. Sie krümmte sich und schrie gellend auf vor Schmerzen: „Aahhh!“
Ein paar Blutstropfen fielen in den weiß leuchtenden Schnee und färbten ihn rot.
ER zog das Messer mit einem Ruck aus ihrer Schulter und hob es drohend gleich wieder.
Carina ignorierte den bohrenden Schmerz, schubste IHN mit der Kraft der Verzweiflung weg, nach hinten, drehte sich auf der Ferse um und rannte los, so schnell sie konnte. Tränen liefen über ihre Wangen, sie keuchte panisch. Sie hörte IHN hinter sich.
ER durfte sie nicht einholen!!!
Konnte sie IHM entkommen?!
Schweißgebadet und schwer atmend fuhrCarina aus ihrem Traum empor.
Es war stockdunkel im Schlafzimmer.
Sie saß kerzengerade im Bett, das Herz wild pochend, und lauschte.
Stille. Wie im Wald.
Mit vor Angst zitternder Hand schaltete sie rasch das Licht neben ihrem Bett an. Der Wecker auf dem Nachtkästchen zeigte 1.38 Uhr.
Sie spürte immer noch den stechenden Schmerz in der linken Schulter. Fahrig strich sie mit der rechten Hand über ihren Schlafanzug – nichts. Kein Blut.
Ein Schluchzer schüttelte ihren Körper. Sie hatte nur geträumt. Wieder einer von diesen verdammten Albträumen!
Sie wischte sich ärgerlich und erleichtert zugleich ein paar Tränen von den Wangen. Auch in Carinas linkem Oberschenkel pulsierte klopfender Schmerz.
Die junge Frau ignorierte es, schwang nervös die Beine aus dem Bett und stand auf. Wieder lauschte sie.
Nichts – alles schien ruhig zu sein.
„Natürlich ist da nichts – du hast nur geträumt, Carina!“, schalt sie sich selbst… aber sie schaffte es nicht gänzlich, die Angst zu vertreiben, die sich ihrer bemächtigt hatte.
Es half nichts. Sie musste sich vergewissern, dass sich niemand außer ihr in der Wohnung aufhielt. Erst dann würde sie sich wieder sicher fühlen.
Sie nahm die Wasserflasche, die sie auf dem Nachtkästchen stehen hatte, als Waffe in die Hand. Leise und angespannt tappte sie barfuß durch ihr Schlafzimmer und den Flur. Ihr Herz schlug vor Aufregung wild in ihrer Brust. Ängstlich betrat sie dann das Bad. Das Fenster war geschlossen und unversehrt – hier konnte niemand hereingekommen sein. Unter höchster Anspannung kontrollierte sie auch das Wohnzimmer – und fand nichts.
Natürlich nicht.
Alle Fenster waren geschlossen, die Balkontür auch.
„Benimm dich nicht wie ein kleines Kind!“, befahl Carina sich selbst.
Dennoch suchte sie gründlich jede Ecke ab, sah in alle Schränke und unter die Betten. Nichts. Alles ruhig und friedlich.
Carinas Wohnung lag im Hochparterre. Durch die Balkontür sah sie hinaus in die Dunkelheit. Auch draußen regte sich nichts.
Ein Teil der Anspannung fiel von Carina ab. Sie zwang sich, tief durchzuatmen.
Dann ging sie in die Küche und kochte sich eine Tasse Entspannungstee, um wieder zur Ruhe zu kommen. Während der Tee zog, ging sie ins Bad.
Sie wusch sich die Hände und betrachtete sich gedankenverloren im Spiegel: Ein Paar große, ausdrucksvolle, grau-grüne Augen blickte sie an. Carina strich ihre leicht gekräuselten, dunkelbraunen, etwas mehr als schulterlangen Haare zurück, die sie tagsüber meist geflochten trug. Helle Haut, volle Lippen, eine schmale Nase, braune Augenbrauen, schlank… Carina war zufrieden mit ihrem Aussehen.
Als sie sich kurz darauf mit der dampfenden Teetasse ins Bett setzte, kuschelte sie sich fest in ihre Decke. Sie nippte an dem heißen Getränk und bemerkte, dass ihre Hände noch leicht zitterten.
Wenn doch bloß ihr Freund Ben hier wäre!
Eine Träne lief ihr übers Gesicht.
Es war vielleicht dumm, aber sie hatte vorher solche Angst gehabt…
Carina musste wieder an IHN denken, an diesen schlimmen Traum… Sie konnte nichts dagegen tun. Wäre Ben jetzt bei ihr, dann würde er sie tröstend in seine Arme nehmen.
Aber er war nicht hier.
Carina hatte ausgetrunken, legte sich hin und schaltete das Licht aus. In ihrem linken Oberschenkel pulsierte immer noch der bohrende Schmerz. So stark hatte sie ihn schon seit Wochen nicht mehr gespürt.
Sie musste daran denken, was vor Kurzem passiert war. Erinnerungen schossen durch ihren Kopf, und es dauerte noch eine ganze Weile, bis Carinas Anspannung weiter nachließ und sie endlich wieder in den Schlaf hinüberglitt.
Einen Monat zuvor…
Carina pfiff fröhlich das Lied aus dem Autoradio mit. „True Love“, eigentlich viel zu antiquiert, aber irgendwie passend, dachte sie, während ihr roter Fiat Panda gleichmäßig die Autobahn entlangschnurrte. Links von ihr glänzte der Chiemsee in der Mittagssonne, und rechts lagen die näher rückenden Berge – bald war sie da!
Der Winter war früh hereingebrochen in diesem Jahr. Die Landschaft präsentierte sich weiß überzuckert vom Neuschnee der letzten Nacht. Aber jetzt strahlte der Himmel in wolkenlosem Blau und versprach ein fantastisches Wochenende.
Zu ihrer guten Laune trug auch das Telefongespräch bei, das sie gestern mit Frau Neubauer von der Katholischen Jugendfürsorge geführt hatte. Carina hatte sich für die Hausaufgabenbetreuung beworben und prompt die Stelle bekommen. Nun hatte sie einen zweiten Job, mit dem sie sich ihr Studium finanzieren konnte.
Jetzt aber lagen erst einmal ein paar freie Tage auf der Blockhütte ihrer Eltern vor ihr. Und sie freute sich darauf wie ein kleines Mädchen, denn es sollte der erste gemeinsame Urlaub mit Ben, ihrem neuen Freund sein! Ein glückliches Lächeln überzog Carinas Gesicht, und zugleich spürte sie ein Kribbeln im Magen.
Seit drei Monaten waren Ben und sie jetzt zusammen, und sie war hoffnungslos verliebt in ihn…
Sie hatten sich bei einem Klettersteigkurs in Berchtesgaden kennengelernt – drei Tage in den Bergen, zwei Übernachtungen in bewirtschafteten Berghütten, eine kleine Gruppe von sechs Leuten und einem Bergführer. Der Kurs war ein Geschenk ihrer Eltern zum 19. Geburtstag gewesen.
Als sie Ben das erste Mal sah, fühlte sie sich sofort zu ihm hingezogen. Und dann war sie am ersten Abend in der Hütte auch noch über einen Rucksack gestolpert – und prompt gegen Ben gefallen. Der hatte sie gekonnt aufgefangen und etwas länger in den Armen gehalten als unbedingt nötig.
„Ich wusste nicht, dass einem hier nicht nur Steine auf den Kopf, sondern auch hübsche Mädchen in die Arme fallen“, hatte er ihr Missgeschick charmant lächelnd kommentiert, während er sie sanft auf die Füße stellte. Carina war knallrot geworden und wollte weitergehen, doch Ben hatte ihr galant den Platz am Tisch neben sich angeboten.
Es hatte auf Anhieb gefunkt zwischen ihnen. Den Rest des Abends und des Kurses hatten sie immer wieder die Nähe des anderen gesucht, sich angeregt unterhalten, miteinander gefrotzelt, sich gegenseitig aufgezogen - und viel miteinander gelacht.
Und so hatten sie sich am letzten Kurstag gleich für ein erstes Date nach dem Kurs verabredet. Seitdem waren sie ein Paar.
Glücklich lächelnd setzte Carina den Blinker und fuhr von der Autobahn ab.
Ja, seit drei Monaten musste sie ständig an ihn denken. Ben war 24 Jahre alt und sah sagenhaft aus mit seinen kurzen, braunen und meist ein wenig verstrubbelten Haaren. Manchmal trug er einen Dreitagebart. An ihm mochte Carina das. Es ließ ihn erwachsener, männlicher aussehen. Den Kletterkurs machte er als Ausgleich zu seiner Arbeit als Systemadministrator. Es war seine erste Stelle nach Abschluss seines Studiums. Der Job gefiel ihm und er verdiente gut. Leider musste er viel arbeiten, manchmal auch spät abends, oder er war für ein paar Tage auf Dienstreise. Somit waren die Tage, an denen sie sich treffen konnten, besonders kostbar.
Und jetzt sollte es ein ganzer, wenn auch nur kurzer Urlaub werden. Nur sie zwei, ganz allein in der einsamen Bergwelt und der heimeligen Hütte.
Carina freute sich so sehr auf ihn!
Ben wusste noch nicht genau, ob er es bis morgen schaffen würde, weil er mitten in einem großen Projekt steckte und wahrscheinlich auch nicht erreichbar sein würde. Aber spätestens am Sonntag wäre er auf der Hütte, auf der sie dann bis Dienstag oder Mittwoch bleiben wollten.
Ihr Blick glitt für einen Moment zu ihrer linken Hand: Am Ringfinger glitzerte ein Diamant an einem goldenen Ring – den hatte Ben ihr letzte Woche geschenkt, zusammen mit drei roten Rosen…
„Die letzten drei Monate waren die schönsten meines Lebens! Ich liebe dich!“, hatte er ihr zugeflüstert und sie sanft geküsst.
Sie war für einen Moment sprachlos gewesen – der Ring musste Ben ein kleines Vermögen gekosten haben! Dann hatte sie seinen Kuss leidenschaftlich erwidert: „Ich liebe dich auch, Ben! Der Ring ist wunderschön. Danke!“
„So wie du es bist!“, hatte er mit verliebtem Blick geantwortet.
Inzwischen war Carina den wohlbekannten Straßen in Richtung Marquartstein gefolgt, fuhr durch den Ort und bog auf eine kleine Straße ab, die ein Stück weit den Berg hinaufführte. Schließlich parkte sie ihr Auto auf einem kleinen Wanderparkplatz. Jetzt, im Winter, war er leer. Nur ein einzelnes Auto fuhr langsam am Wanderparkplatz vorbei, weiter die Straße entlang.
Carina lud sich den schweren Wanderrucksack auf die Schultern, der Proviant und Kleidung für die nächsten Tage enthielt. Dann verschloss sie ihr zuverlässiges, kleines Auto und wanderte gut gelaunt den mit Neuschnee bedeckten Fußweg hinauf zu ihrer Hütte. Der Nachmittag war schon fortgeschritten, es würde bald dämmern. Es war kalt, und der Marsch durch den knöchelhohen Schnee mühsam. Zum Glück hatte sie nicht noch mehr Gepäck - das meiste, was man so brauchte, befand sich schon oben in der Hütte, die ihre Eltern regelmäßig nutzten.
Endlich kam die Hütte in Sicht. Sie lag auf einer flachen Almwiese. In einem warmen Braun zeichnete sich die aus Holz erbaute Hütte deutlich vor der schneebedeckten Bergkulisse dahinter ab.
Carina blieb einen Moment stehen, atmete tief durch und genoss die Stille. Absolute Ruhe herrschte hier, und das Gefühl großen Friedens durchfloss sie. Hier war niemand außer ihr. Hier würden Ben und sie ungestört sein, allein zu zweit. Wieder schlich sich ein freudiges Lächeln auf ihre Lippen.
Carina ging weiter, das letzte Stück bis zur Hütte.
Oft hatte sie früher hier die Wochenenden mit ihren Eltern verbracht. Hier hatten die beiden immer viel Zeit für sie gehabt. Sie hatten miteinander gespielt, geredet, gelacht, waren gewandert und im Winter Ski und Schlitten gefahren. Es war Zeit zum Lesen und zum Träumen gewesen, deshalb liebte Carina diese Hütte. Ihre Eltern waren momentan auf Ibiza in der Ferienwohnung, die ihnen auch gehörte. Sollten sie ruhig ihr Leben dort genießen. Carina genoss ihres hier!
Die junge Frau sperrte die Hüttentür auf, betrat das angenehme Halbdunkel der Wohnstube und stellte erleichtert den schweren Rucksack ab. Dann packte sie die Lebensmittel in die offene Küchenzeile der Wohnstube und ging weiter in das angrenzende kleine Schlafzimmer mit den zwei Betten. Dort verstaute sie ihre Kleidung im Schrank.
Das zweite Zimmer nebenan war so klein, dass es von ihren Eltern nur als Abstellkammer benutzt wurde. Dort stellte sie den leeren Rucksack ab.
Daneben lag das Bad, das immerhin über eine Toilette, ein Waschbecken und eine Dusche mit fließend Warmwasser verfügte.
Ein Obergeschoss gab es nicht.
Die Hütte war an den elektrischen Strom angeschlossen. Sie heizten sie aber vorwiegend mit dem Holzofen. Carina liebte es, am Kachelofen zu sitzen und die Wärme am Rücken zu spüren. So heizte sie gleich den Ofen an. Hier, auf der breiten Ofenbank wollte sie heute Nacht auch schlafen.
Alles war ruhig und friedlich, wie immer.
Am nächsten Morgen stapfte Carina gerade dick angezogen draußen durch den Schnee, um Brennholz kleinzuhacken, als ein Hubschrauber sich knatternd näherte.
Überrascht blickte sie auf und schirmte ihre Augen mit der Hand gegen die im Schnee gleißende Sonne ab. Seltsamerweise landete der Hubschrauber nur etwa 400 Meter von ihrer Hütte entfernt.
Verwundert sah Carina zu, wie mehrere Gestalten schwer beladen heraussprangen. Es kam ihr so vor, als ob sie kurz zu ihr herüberschauten. Achselzuckend wendete sie sich wieder ihrer Arbeit zu. Vielleicht waren das so verrückte Skifahrer, die ihr Geld dafür verpulverten, sich mit dem Hubschrauber in unberührte Schneegebiete fliegen zu lassen... allerdings kannte sie da bessere als dieses hier...
Carina hörte am leiser werdenden Knattern, dass der Hubschrauber sich wieder entfernte.
Nach einigen Minuten sah sie noch einmal auf - und bemerkte erstaunt, dass die Ausgestiegenen sich ihrer Hütte näherten! Da sie keine fünfzig Meter mehr entfernt waren, unterbrach Carina ihre Arbeit und beobachtete sie.
Es waren drei junge Männer mit großen Rucksäcken, und sie kamen direkt auf ihre Hütte zu.
Als sie bis auf zehn Meter herangekommen waren, kniff Carina erstaunt die Augen zusammen:
Den Vordersten kannte sie doch!
Nur... woher?
Der junge Mann strich sich über das blonde Haar.
Ein Grinsen erschien auf seinem markanten Gesicht, als er bemerkte, wie sie ihn anstarrte: "Hallo, Carina!"
Sie lächelte etwas hilflos: "Hallo... Ich kenne dich doch..."
Da kam ihr plötzlich der Geistesblitz: Vor drei Tagen hatte sie sich in einer Bar gut und lange mit ihm unterhalten. Es war ein schöner, lustiger Abend gewesen.
"Jetzt weiß ich`s wieder: Du bist doch der Tobias aus der Haiti-Bar!", rief Carina erfreut.
Er nickte lächelnd: „Stimmt.“
Auf einmal kam Carina das seltsam vor: "Schön, dich zu sehen, Tobi... aber woher weißt du denn, dass ich hier bin? Oder ist das Zufall?"
Doch er wirkte - im Gegensatz zu ihr - nicht im Geringsten überrascht, sie getroffen zu haben.
Auf ihre Frage hin verschwand das Lächeln aus seinem Gesicht, und er wechselte einen Blick mit einem der anderen beiden jungen Männer: "Nein, es ist kein Zufall. Wir haben ein Anliegen, das dich betrifft... Aber wenn du nichts dagegen hast: Vielleicht könnten wir das in der Hütte besprechen?"
Carina betrachtete neugierig seine beiden Begleiter, die ihr höflich zunickten. Tobi hatte sie bisher noch nicht vorgestellt.
Der Eine sah jünger aus als Tobi und war etwas kleiner. Er hatte feinere Gesichtszüge und hellblonde, kurze Haare.
Der Andere hatte dunkelbraune, kurze Haare und braune Augen. Er war etwa gleich groß wie Tobi. Altersmäßig lag er vermutlich zwischen den beiden anderen. Sein Gesicht wirkte sehr kantig und ziemlich ernst.
Carinas Blick kehrte zu Tobi zurück, der sie ruhig abwartend ansah: "Ja... natürlich. Kommt mit!"
Immer noch verblüfft führte Carina die Drei in die Hütte.
Woher wusste Tobias bloß, dass ihre Familie hier eine Hütte besaß – und dass sie sich gerade hier aufhielt?
Das hatte sie ihm doch nicht erzählt, oder?
In der Hütte stellten die Männer ihr schweres Gepäck neben der Tür ab und zogen die dicken Jacken aus.
Carina fragte: "Möchtet ihr Tee? Oder etwas anderes zu trinken?"
Tobias nickte: "Danke, Tee ist gut."
Sie kochte schwarzen Tee, holte Geschirr, setzte sich zu den Männern an den Holztisch und schenkte ein.
Erwartungsvoll musterte Carina die Neuankömmlinge: "Dann erzählt mal!"
Tobias begann: "Okay. Als erstes möchte ich dir meine beiden Begleiter vorstellen... und mich."
Überrascht unterbrach Carina ihn: "Dich? Aber ich kenne dich doch schon!"
Er sah ihr in die Augen: "Du glaubst, mich zu kennen.
Aber ich bin nicht ganz der, den du in der Haiti-Bar kennengelernt hast."
Was sollte das denn heißen?! Ein Schreck durchzuckte Carina, aber sie ließ sich nichts anmerken.
Tobias griff in eine der zahlreichen Taschen seiner schwarzen Weste, zog eine Ausweiskarte hervor und hielt sie ihr unter die Nase:
"Ich bin Kriminaloberkommissar Tobias Hesche vom Landeskriminalamt Bayern, Abteilung Staatsschutz. Meine beiden Begleiter sind Kriminalkommissar David Wolf“, er deutete auf den kleineren Blonden, „und Kriminalkommissar Rick Kammer, beide ebenfalls vom Landeskriminalamt.“
Perplex starrte Carina erst Tobi an und musterte dann die beiden anderen jungen Männer, die sie aufmerksam beobachteten.
Schließlich griff sie nach seiner Ausweiskarte.
Mit unsicherer Stimme fragte sie: "Landeskriminalamt... Das ist doch das LKA?"
Der Kriminaloberkommissar nickte.
Carina sah sich seinen Dienstausweis und auch die der beiden anderen genau an: „Bundesrepublik Deutschland - Landeskriminalamt – POLIZEI – Dienstausweis“ stand darauf, sowie der Name und das Geburtsdatum.
Es sah echt aus.
Beeindruckt gab Carina die Karten schließlich zurück.
Tobias fuhr fort: "Wir zeigen diese Ausweise nicht oft her, aber es ist wichtig, dass du uns glaubst."
Verunsichert fragte Carina: "Und... warum? Ich nehme an, ihr seid dann wohl... dienstlich hier?"
Rasch überlegte sie, ob sie etwas ausgefressen hatte.
Der LKA-Ermittler bestätigte: "Das stimmt. Ich werde es dir jetzt erklären. Bitte hör mir einfach erst einmal zu und unterbrich mich nicht. Es geht um deinen Freund."
Carina zuckte zusammen: "Um Ben?"
Tobias nickte und sah ihr wachsam in die Augen: "Ja. Weißt du, wo Ben sich momentan aufhält, Carina?“
Sie schüttelte verunsichert den Kopf: „Nein – nicht so genau… Er ist für seine Arbeit unterwegs… Wieso?“
Der Polizist ging nicht auf ihre Frage ein, sondern hakte nach: „Wie gut kennst du Ben eigentlich? Wann habt ihr euch kennengelernt?“
Ausweichend erwiderte die junge Studentin: „Ich kenne ihn gut genug, um zu wissen, dass er ein guter und liebenswerter Mensch ist. Wieso fragst du mich das?!“
Tobi sagte ernst: „Auch dein Freund ist nicht der, für den du ihn hältst. Wie du ja weißt, hat er bis vor kurzem bei der Airbus-Tochterfirma Cassidian gearbeitet. Vor fünf Tagen sind dort wichtige Dokumente und Daten über das Aufklärungssystem ISIS entwendet worden. Du hast sicher davon gehört: ISIS sollte in Eurohawk-Drohnen eingebaut werden, die der Auslandsaufklärung dienen. Diese Drohnen hören in den Funk- und Radarverkehr am Boden hinein, sammeln die Daten und schicken sie über eine Satellitenverbindung nach Manching, wo sie entschlüsselt und ausgewertet werden. Leider haben die Eurohawk-Drohnen keine Zulassung für den Luftraum bekommen, deshalb müssen jetzt Ersatzdrohnen vom Typ Triton aus den USA angekauft werden, in die das ISIS dann eingebaut werden soll… Die Entwicklung der ganzen Technologie hat schon unglaublich viel Geld verschlungen. Alleine die Weiterentwicklung von ISIS kostet vermutlich eine halbe Milliarde Euro. Das Verteidigungsministerium befürchtet nun zu Recht, dass wichtige Daten über dieses Projekt ans Ausland weitergegeben werden könnten. Das bedeutet für den deutschen Staat einen großen Verlust! Zudem steigt die Gefahr, dass die deutschen Drohnen sabotiert oder abgeschossen werden könnten… Dein Freund ist mit diesen Daten und Dokumenten verschwunden. Er hat sich in die firmeninternen Datenbanken eingeloggt und Daten heruntergeladen. Allerdings hat er dabei Spuren hinterlassen, so dass der Verdacht sofort auf ihn fiel. Wir konnten ihn leider nicht dazu befragen, denn er ist seitdem verschwunden… Gegen ihn besteht der dringende Tatverdacht der Spionage. Und da in diesem Fall auch die Sicherheit des deutschen Staates bedroht ist, geht es eventuell um Landesverrat… Deshalb wurde das LKA eingeschaltet. Aufgrund unserer bisherigen Ermittlungen sind wir uns sicher, dass dein Freund Ben die Unterlagen entwendet hat. Er wurde beobachtet, und wir können es ihm beweisen... aber er ist uns entwischt und untergetaucht. Gegen ihn wurde Haftbefehl erlassen."
Während Tobias redete, hatte Carina sich versteift.
Ihre Augen waren immer größer geworden, ihr Mund stand offen.
Doch nun widersprach sie heftig: "Was?! Ben soll ein Spion sein?! So ein Quatsch!! Das glaube ich nicht!"
Tobias musterte sie kurz bedauernd und meinte dann: "Es ist aber so - tut mir leid."
Aufgebracht forderte Carina: „Wenn ihr irgendeinen Beweis für diese blödsinnige Behauptung habt, dann zeigt ihn mir!"
Tobias wechselte einen Blick mit David: "Natürlich haben wir Beweise - aber wie du vielleicht verstehen wirst, unterliegen sie der Geheimhaltung. Ich kann dir so viel sagen: Es gibt Bilder einer Überwachungskamera, die deinen Freund genau zum fraglichen Zeitpunkt beim Ausdrucken von Papieren sowie beim Hantieren mit einem USB-Stick zeigen. Man sieht auch, dass er die Sachen in einen Aktenkoffer packt und anschließend den Raum verlässt."
Carina schüttelte ärgerlich den Kopf: "Was soll das denn beweisen?! Ben ist schließlich Systemadministrator – natürlich hantiert er an den Computern herum und druckt auch mal etwas aus!“
Tobi gab zu: „Das stimmt. Es liegen aber weitere Beweise gegen ihn vor.“
Carina schluckte und beharrte: „Ihr kennt Ben nicht! Sonst wüsstet ihr, dass er kein Spion sein kann! ...Und was habe ich jetzt überhaupt damit zu tun?"
Rick – der hagere Braunhaarige - schaltete sich mit besänftigender Stimme ein: "Wir brauchen deine Hilfe. Wir wissen, dass dein Freund dieses Wochenende hierher zu dir auf die Hütte kommen will - und da er dich sehr mag, wird er das vermutlich trotz seiner verzwickten Lage riskieren."
Carina verengte die Augen und fragte ganz langsam: "Woher wisst ihr, dass er hierherkommen will? Das habe ich Tobi nicht erzählt! Und woher wisst ihr überhaupt, wo diese Hütte liegt?!"
David, der seine kurzen blonden Haare nach oben gegelt trug, musterte sie aus durchdringenden blauen Augen und erklärte ruhig: "Eure Telefone werden abgehört, und..."
Carina unterbrach ihn empört: "Was?! Das darf doch wohl nicht wahr sein! Seit wann?"
Er antwortete fest: "Seit fünf Tagen."
Sie schloss die Augen, atmete tief durch und schüttelte den Kopf: "Und die Hütte?"
Ebenso ruhig sagte Rick: "Du hast Ben am Telefon den Weg ja genau beschrieben. Da war es nicht mehr schwierig, die Hütte auf der Landkarte zu identifizieren. Und gestern, als du hierhergefahren bist, ist dir ein Auto mit unseren Kollegen bis zum Wanderparkplatz gefolgt."
Carina lehnte sich geschockt zurück.
In ihrem Kopf rasten die Gedanken: Sie war gestern beschattet worden – und hatte es nicht gemerkt!
Nun fiel ihr wieder der silberne Wagen ein, der kurz nach ihrer Ankunft langsam am Wanderparkplatz vorbeigefahren war.
Sie hatte ihm keine Beachtung geschenkt – aber jetzt wusste sie, dass Rick die Wahrheit sagte.
„Wie seid ihr überhaupt auf mich gekommen?“, wollte sie wissen.
David erklärte: „Wir sind bei der Durchsuchung der Wohnung von Herrn Krämer auf Briefe und Mails mit deinem Namen gestoßen. Als klar war, dass ihr ein Paar seid, haben wir uns eine richterliche Genehmigung geholt, auch dein Telefon abzuhören und dich zu überwachen für den Fall, dass Krämer dich kontaktiert.“
Carina war leicht errötet bei dem Gedanken, dass die Ermittler ihre Liebesbriefe und Mails gelesen hatten.
"Dann hast du", sie sah Tobi verletzt an, "mich in der Bar nur aushorchen wollen?"
Tobi erwiderte Carinas Blick fest und zuckte entschuldigend mit den Achseln: "Tut mir leid, aber wir wollten erst sicher sein, dass du nicht wissentlich mit deinem Freund zusammenarbeitest und womöglich seine Komplizin bist. Daher haben wir zuerst verdeckt ermittelt."
Kopfschüttelnd fragte Carina: "Und zu welchem Schluss seid ihr gekommen?"
Tobi meinte trocken: "Dass du anscheinend keine Ahnung von seinem Doppelleben hast und vor Liebe blind bist."
"Danke", erwiderte sie ironisch.
David schaltete sich nun wieder ein: "Wir möchten, dass du uns hilfst, deinen Freund festzunehmen - im Interesse Deutschlands. Er wird hierher kommen, zu dir. Du brauchst nichts weiter zu tun, als hier mit uns auf ihn zu warten. Und keine Angst: Er wird gut behandelt werden und einen fairen Prozess bekommen. Du kannst uns unsere Arbeit erleichtern - oder auch nicht… Entscheide dich!"
Nun wurde Carina wütend: "Ich soll euch helfen, Ben festzunehmen? Ihn hierher in die Falle locken?! Also hört mal! Selbst wenn es stimmen sollte, was ihr über ihn sagt: Ich liebe ihn!! Ich kann euch nicht helfen, und ich will es auch nicht!"
David runzelte die Stirn und fragte ruhig: "Bist du ganz sicher?"
Carina entgegnete zornig: "Ja! Ich werde nicht mit dem LKA zusammenarbeiten! Ich liebe Ben, und ich würde ihn nie verraten! Wenn ihr ihn unbedingt schnappen wollt, dann probiert es ohne mich! Ich helfe euch ganz bestimmt nicht dabei... Ihr seid umsonst hergekommen! Und jetzt: raus hier! Bestellt euren Hubschrauber zurück und haut ab!“
Carina war energisch aufgestanden und wollte die Tür öffnen, als Tobis Stimme sie einhalten ließ: "Einen Moment, Carina!"
Plötzlich klang seine Stimme kühl und streng, nicht mehr freundlich wie vorher.
Unwillig drehte Carina sich um.
Tobi forderte sie im gleichen Tonfall auf: "Bitte setz dich wieder!"
Sie zögerte, aber da die Männer keine Anstalten machten aufzustehen und zu gehen, setzte sie sich schließlich wieder.
Ernst fuhr Tobi fort: "Ich verstehe, dass du den Mann, den du liebst, nicht verraten willst. Aber wir haben im Moment einen Auftrag, den wir ausführen müssen - so oder so. Wir müssen Benedikt Krämer so schnell wie möglich festnehmen. Da du nicht freiwillig zur Mitarbeit bereit bist und wir befürchten müssen, dass du Krämer warnst, müssen wir dich leider wegen Verdunkelungsgefahr in Gewahrsam nehmen."
Carina stockte der Atem.
Sie starrte Tobi geschockt an, zweifelnd, ob er es ernst meinte: "Was?! Das ist doch jetzt wohl ein Scherz!"
David schaltete sich ein und antwortete streng: "Nein. Du bist von jetzt an bis zur Festnahme von Benedikt Krämer unsere Gefangene! Die Hütte müssen wir zur Durchführung dieser operativen Maßnahme beschlagnahmen.“
Fassungslos widersprach Carina: „Moment mal – dürft ihr das überhaupt?!“
Wortlos legte David ihr einen richterlichen Beschluss vor.
Sie starrte darauf und spürte, wie Verzweiflung in ihr hochkroch und sie zu ersticken drohte. Sie fühlte sich wie erschlagen…
Alles schien perfekt vom LKA geplant und vorbereitet worden zu sein.
David fuhr fort: „Nun liegt das Weitere bei dir: Entweder du gibst uns dein Ehrenwort, unseren Anordnungen ohne weitere Fragen Folge zu leisten - dann könnten wir hier gemeinsam eine halbwegs angenehme Wartezeit verbringen - oder du leistest Widerstand. Daraus müssten wir natürlich Konsequenzen ziehen."
Grimmig fragte Carina mit einem möglichst verächtlichen Lächeln: "Und was wären das für Konsequenzen?"
Wortlos zog David Handschellen aus einer Tasche, legte sie leise klirrend auf den Tisch und ließ Carina dabei nicht aus den Augen.
Rick fügte hinzu: "Wenn nötig auch Verbringung an einen sichereren Ort."
Carina starrte verzweifelt die Handschellen an.
Erst jetzt wurde ihr bewusst, wie aussichtslos ihre Lage war:
Drei gegen Eine, und sonst kein Mensch weit und breit.
Die Polizisten wirkten sportlich durchtrainiert und traten selbstbewusst auf. Vermutlich waren die Drei auch bewaffnet...
Was blieb ihr für eine Wahl?!
Plötzlich kam ihr eine Idee, und sie sagte energisch: „Das wird nicht funktionieren! Meine Eltern kommen morgen auch noch hierher – sie wollen Ben kennenlernen. Wollt ihr die dann etwa auch gefangen halten?!“
David sah sie tadelnd an: „Na, na… keine Geschichten, bitte! Deine Eltern machen gerade Urlaub auf Ibiza… Glaubst du etwa, wir haben unsere Hausaufgaben nicht gründlich gemacht?“
Niedergeschlagen sah Carina ihn an und errötete leicht. Doch, die Ermittler hatten ihre Hausaufgaben leider sehr gründlich gemacht…
Carina fiel zu ihrer Erleichterung ein, dass ihr Handy an ihrem Gürtel steckte - also war sie doch nicht ganz von der Außenwelt abgeschnitten!
Am besten tat sie erst mal, was die von ihr wollten - später konnte sie dann hoffentlich Ben anrufen und ihn warnen. Sie musste nur einen passenden Augenblick abwarten, um mit ihm telefonieren zu können.
Von hier weg wollte sie keinesfalls - sonst konnte sie Ben ja gar nicht mehr helfen, wenn er hier auftauchte.
Rick durchbrach das Schweigen: "Na, was ist?"
Sie seufzte: "Ich weiche der Gewalt."
Rick forderte: "Dein Ehrenwort!"
Unwillig schnitt Carina eine Grimasse, riss sich dann aber zusammen: "Okay. Ich verspreche euch, dass ich mache, was ihr wollt und dass ich nicht versuche, abzuhauen."
Tobi meinte: "Gut… Da du nicht mit uns kooperieren willst, müssen wir dich allerdings auffordern, dein Handy abzugeben!"
Perplex starrte Carina ihn an: Konnten die Gedanken lesen?!
Rasch entgegnete sie: „Mein Handy habe ich gar nicht dabei – hier oben auf der Hütte habe ich nämlich keinen Empfang!“
Tobi räusperte sich: „Carina!“
Sie beharrte: „Das stimmt!“
Wortlos zog David ein Smartphone aus seiner Weste, gab etwas ein… und plötzlich klingelte Carinas Handyunter ihrem langen Pullover!
Sie wurde rot – jetzt hatten die sie schon zum zweiten Mal beim Flunkern erwischt! Peinlich…
Woher zum Teufel wussten die schon wieder ihre Nummer?!
