Erhalten Sie Zugang zu diesem und mehr als 300000 Büchern ab EUR 5,99 monatlich.
Es verspricht, ein super Sommer zu werden. Herrliches Wetter, eisgekühlte Cola und sechs Wochen keine Schule! Wäre da nicht diese unglaublich ärgerliche Sache, die Lunas Eltern ihrer einzigen Tochter einbrocken mussten. Eine ganze Woche der kostbaren Sommerferien ohne Freunde in einem Camp an der Nordseeküste verbringen. Mit lauter widerlichen Krabbelviechern und Zicken! Für Luna hat die gute Stimmung Sendepause, was sich aber bald aus mehreren Gründen ändern soll … An der Nordseeküste treibt gerade eine gefährliche Verbrecherbande ihr Unwesen. Luna geht dem mysteriösen Fall auf die Spur, wobei sie auch noch die erste Liebe ihres Lebens kennenlernt …
Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:
Seitenzahl: 131
Veröffentlichungsjahr: 2016
Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:
Für meine Mama
Endlich Sommer
Eine ungewöhnliche Zugfahrt
Das Sommercamp und eine Überraschung
Lagerfeuer und gegrillte Würstchen
Eine verheißungsvolle Nachtwanderung
Smalltalk im Eiscafé
Strandfeeling und ein mysteriöser Schrei
Rettung im letzten Augenblick
Ein neues Gefühl und eine Strafe
Zuckersüße Robbenbabys und ein verdächtiges Gespräch
In Heinos Büro
Eine Besprechung und jede Menge Streichhölzer
Ein romantischer Abend
Carlos Neffe
»Überraschung!«
Ricardo macht zu
Eisverkäufer in Gefahr
Turbulenzen auf See
Rendezvous am Strand
Es versprach ein perfekter Sommer zu werden. Besonders das Wetter schien den Ferienbeginn ordentlich feiern zu wollen. Die Sonne strahlte lachend vom Himmel herab, um jeden, den sie erreichen konnte, mit ihrer flammenden Hitze faul und schläfrig zu machen. Die meisten Bewohner der Stadt waren bereits in gewaltiger Ferienstimmung mit ihrer Familie in den Urlaub gedüst. Doch zwei Freundinnen hatten sich auf einer gewaltigen Picknickdecke mit einem eisgekühlten Glas Cola auf ihrem Lieblingsplatz im Garten ausgestreckt. Die Sonne versuchte ihre Strahlen durch das dichte Blattwerk eines Kirschbaumes zu zwängen, der den Mädchen angenehmen Schatten bot. »Ich kann’s immer noch nicht glauben …«, seufzte Melanie und schlürfte verträumt an ihrem Glas Cola. Die Umrisse des Baumes spiegelten sich leicht in den Gläsern ihrer pinkfarbenen Nerdbrille. »Sechs Wochen Sommerferien ohne einen einzigen nervenden Lehrer! Mann, ist das nicht klasse?« Sie stützte sich auf den Ellenbogen und wandte sich erwartungsvoll an ihre Freundin. »Total«, brummte Luna wenig begeistert und starrte weiter grimmig durch das Geäst des Baumes in den wolkenlosen Himmel. Ihr Tonfall zeigte, dass sie nicht besonders gut auf dieses Thema zu sprechen war. Melanie schien es nicht zu merken und fuhr munter fort: »Stell dir mal vor, jeden Tag frei! Sonne, entspannen, eisgekühlte Cola –« Bei diesen Worten klimperte sie demonstrativ mit den Eiswürfeln in ihrem Glas und nahm noch einen gewaltigen Schluck. »Aber am meisten freu ich mich auf den Urlaub! Hab ich schon erzählt, dass wir nach Mallorca fahren? In ein Fünfsternehotel mit Pool und allem Drum und Dran! Das wird bestimmt der HAMMER!« Sie wippte so fröhlich vor und zurück, dass die Cola im Glas fast überschwappte. Luna presste die Lippen zusammen. Offenbar hatten diese Worte ihre Stimmung noch weiter sinken lassen. »Wo fährst du eigentlich hin?«, fragte Melanie interessiert und hatte damit genau das Falsche gesagt. Luna schwieg bitter, als ihre Freundin ihr Cola in das fast unangerührte Glas nachschenkte. Melanie betrachtete sie einen Moment misstrauisch, dann fragte sie besorgt: »Sag mal, WAS ist eigentlich los mit dir? Du bist schon den ganzen Tag so mies drauf!« Keine Antwort. »Du machst ein Gesicht wie auf einer Beerdigung!«, setzte sie noch hinzu, um ihren Worten mehr Nachdruck zu verleihen. Eine unangenehme Minute des Schweigens verging, dann platzte es aus Luna heraus. »Ich muss in ein Sommercamp!« Melanie sah irritiert drein. »Wie bitte?«
Die Sache war die: Lunas Eltern mussten für eine Woche geschäftlich verreisen. Sie waren Chemiker in einer bekannten Firma. Als ihr Vater ihr die Umstände zu erklären versuchte, hatte sie sich lieber schnell zurückgezogen. Danach hatte Luna die Sache abgehakt und es als selbstverständlich erklärt, dass sie, während ihre Eltern weg waren, so lange alleine zu Hause bleiben durfte. Bis gestern Morgen.
»Guten Morgen!«, begrüßte sie ihr Vater gespielt fröhlich, als Luna verschlafen in die Küche schlurfte. Sie hatte ihre Eltern gerade noch auf der Treppe wegen der neuen Kaffeemaschine streiten hören, die ihr Vater angeblich schon ruiniert hatte. Sie suchten immer einen neuen Grund zum Streiten, nur um die Schuld dann hinterher auf das Wetter zu schieben. »Heute ist der letzte Schultag!«, flötete ihre Mutter, während sie ihrer Tochter eilig ein Toast mit Marmelade bestrich und es schwungvoll auf einen Teller gleiten ließ. Als ob Luna das schon vergessen hätte! Seit ihr Wecker sie unsanft aus dem Schlaf gerissen hatte, ging ihr nichts anderes mehr durch den Kopf. »Wir müssen da übrigens noch etwas besprechen …«, erklärte ihre Mutter zögernd und lehnte sich an die Spüle. »Echt?«, mampfte Luna und runzelte die Stirn. »Was denn?« »Über deinen Aufenthaltsort, wenn wir weg sind.« »Aber ich dachte, das hätten wir längst geklärt! Ihr lasst mich doch hier alleine, oder nicht?« »Hier alleine lassen?«, wiederholte ihre Mutter schrill. »Simon, was hast du ihr da erzählt?«, wandte sie sich schnaubend an ihren Mann, der angestrengt die Anleitung für die Kaffeemaschine studiert hatte und nun zusammenzuckte. »Ich hab ihr gar nichts erzählt, Katrin!«, stammelte ihr Vater und ließ verwirrt die Anleitung sinken. »Warum eigentlich nicht?«, schaltete sich Luna ein, die inzwischen von ihrem Stuhl aufgesprungen war, und blickte trotzig zu ihrer Mutter auf, wobei sie sich auf die Zehenspitzen stellte, um ein bisschen größer zu wirken. »Weil ich dir das verbiete. Alleine zuhause bleiben, in deinem Alter! Nur über meine Leiche!«, erklärte die Mutter mit verschränkten Armen. »Aber Mama!«, protestierte Luna. »Ich bin doch kein Baby mehr! Ich bin fast vierzehn!« »Nein, meine Liebe, du bist erst letzten Monat dreizehn geworden. Ohne eine erwachsene Aufsichtsperson bleibst du mir nicht alleine zuhause, basta!« Damit hielt sie die Diskussion für beendet. Luna sah hilfesuchend zu ihrem Vater hinüber, der es endlich geschafft hatte, die Maschine in Gang zu bringen. »Deine Mutter hat Recht«, meinte er nur über die Schulter. »Schön«, knurrte Luna nun durch zusammengebissene Zähne. »Ich kann nicht mitkommen, ich darf nicht hierbleiben. Also, wo soll ich sonst hin?« »Ach ja!«, auf einmal umspielte ein süßliches Lächeln die Mundwinkel ihrer Mutter. »Da haben wir uns etwas ganz Besonderes für dich ausgedacht, nicht war Schatz?« Sie wandte sich an ihren Mann, der eifrig nickte und fortfuhr: »Jaja! Wir haben dir …« Er machte eine dramatische Pause, um dem Ganzen eine spannendere Note zu verleihen. Lunas Blick huschte neugierig von ihrem Vater zu ihrer Mutter und zurück. Was konnte das bloß für eine Überraschung sein? Innerlich begann sie sich schon das Tollste auszumalen, bis ihr Vater mit glänzenden Augen rief: »… einen supertollen Platz in einem Sommercamp organisiert!« Lunas Vorfreude verpuffte augenblicklich. Dann wurde es still. Sehr still. Nur das Rumpeln und Rauschen der Spülmaschine hinter ihnen war zu hören. »Na und, was sagst du?«, fragte die Mutter erwartungsvoll und strahlte über das ganze Gesicht. Luna warf ihren Eltern einen vernichtenden Blick zu, dann drehte sie sich abrupt um, schulterte ihren Rucksack und stampfte wütend aus der Küche. Ein paar Sekunden später hörte man die Haustür krachend ins Schloss fallen. Das halb angebissene Toast lag noch traurig auf dem Teller. »Was hat sie denn?«, fragte ihr Vater verwundert und reichte seiner Frau stolz den ersten Becher Kaffee.
»Ich will nicht alleine in dieses Camp«, klagte Luna und starrte traurig in ihr Glas. Melanie warf ihr einen mitfühlenden Blick zu. »Jede Nacht auf harten Isomatten schlafen, zusammen mit lauter Krabbelviechern, die mir in den Schlafsack kriechen! Ich muss früh aufstehen und mir dann den ganzen Tag das blöde Gequatsche der Zicken anhören! Was mach ich denn jetzt nur?«, fügte sie hinzu und sah ihre Freundin verzweifelt an. »Sieh mal«, versuchte Melanie sie aufzumuntern, »du warst doch noch nie in einem Sommercamp. Dann kannst du ja gar nicht wissen, ob das wirklich so blöd ist. Vielleicht wirst du dort sogar richtig Spaß haben! Außerdem bist du bestimmt nicht allein.« Doch Luna seufzte nur hoffnungslos. Melanie war voller Mitleid, Luna traurig. Alles in allem könnte die Stimmung wirklich besser sein. Doch die Sonne knallte weiter unbarmherzig vom blauen Sommerhimmel.
Draußen flog die Landschaft vorbei. Luna saß allein in einem Abteil, die Stirn an die kühle Glasscheibe gepresst. Der Zug ratterte dahin – genau in Richtung Nordseeküste. Was hätte sie alles dafür gegeben, wenn Melanie jetzt dabei gewesen wäre … Das war mal wieder typisch! Melanie war immer für sie da, aber in den schwierigsten Situationen konnten sie nicht zusammen sein! Die Wut kochte wieder in Luna hoch, als sie an ihre Eltern dachte. Kurz vor der Abfahrt hatten sie ihr Kind in eine fröhliche Umarmung gezogen und ihr »eine wundervolle Zeit und ganz viel Spaß« gewünscht. Eine wundervolle Zeit und ganz viel Spaß, haha …, dachte Luna genervt. Sie machte ihren schlechten Gefühlen Luft, indem sie mit voller Kraft gegen die gegenüberliegende Sitzbank trat. In diesem Moment wurde die Abteiltür aufgeschoben und ein dicker Schaffner trat ein. »Fahrkarten, bitte!«, brummte er mit einer tiefen, gelangweilten Stimme. Luna setzte sich schnell aufrecht hin, schob die Hand in die Jackentasche und wollte die Karte herausziehen, doch da war nichts. Auch die andere Jackentasche war leer bis auf ein paar Kekskrümel und ein Bonbonpapier, das sich wohl irgendwann mal dorthin verirrt haben musste … Hektisch durchwühlte sie ihren Rucksack, musste dann aber feststellen, dass die Fahrkarte eindeutig weg war. Der Schaffner trommelte ungeduldig mit den Fingern gegen die Wand. »Wird’s bald?« Luna wurde rot. »Ich … ähm … also …« Sie fuhr sich nervös mit der Zunge über die Lippen. Sie konnte ja schlecht zugeben, dass sie ihre Fahrkarte heute Morgen auf dem Küchentisch liegengelassen hatte … In der Tat war dies nicht sehr glaubwürdig. Der Schaffner würde sie garantiert an der nächsten Haltestelle absetzen müssen. Wie sollte sie das ihren Eltern erklären? Doch dann kam ihr eine flüchtige Idee … »Wissen Sie, äh … Herr Schaffner, ich habe meine Karte nicht mehr …« Während sie sprach, wickelte sie eine ihrer dunklen, glatten Haarsträhnen um den Finger. »Weil, ähm …« Der Schaffner hob eine buschige Augenbraue. »Weil mir mein Portemonnaie gestohlen wurde!«, gab Luna entschlossen von sich. Sie fühlte sich nicht wohl bei dieser Lüge, doch jetzt gab es kein Zurück mehr. »Gestohlen?!« Der Schaffner sprang auf. Er wirkte auf einmal hellwach. »Ähm … ja genau. Von, von einem Jungen!«, stammelte Luna. Der Schaffner zückte einen Notizblock. »In meiner Jugend wollte ich schon immer mal Polizist werden!«, erklärte er auf Lunas überraschten Blick. So ein Glück, der scheint ja nicht der Hellste zu sein, dachte Luna erleichtert. Der Schaffner räusperte sich und fragte fachmännisch: »Wie sah der Dieb denn genau aus? Beschreib mir mal seine Kleidung.« Luna ließ den Blick angestrengt durch den Raum schweifen. Plötzlich schoss ihr ein Bild durch den Kopf. Vorhin auf dem Bahnsteig war ihr Blick kurz an einer Clique Jungs hängen geblieben. Als ihre Mutter ihrem Blick gefolgt war, hatte sie zu kichern begonnen und Luna dauernd bedeutungsvolle Blicke zugeworfen, was Luna furchtbar geärgert hatte. Die Gruppe hatte sich gerade blendend über einen Witz amüsiert, den ein Junge mit auffallend roten Turnschuhen grinsend erzählt hatte. »Rote Turnschuhe hatte er«, berichtete Luna und versuchte sich weiter zu erinnern. »Und ein grünes T-Shirt mit einer schwarzen 11 auf dem Rücken. Dazu Jeans.« Der Schaffner notierte. Dann nickte er knapp und schob die Abteiltür auf. »Ich werde den Täter überführen, verlass dich drauf!«, sagte er feierlich. Kaum war die Tür wieder geschlossen, ließ sich Luna gegen die Sitzlehne fallen und atmete erleichtert aus. Sie konnte ja nicht wissen, dass genau die unschuldige Person, die sie soeben beschrieben hatte, sich nur ein paar Abteile weiter befand …
Der Zug glitt mit quietschenden Reifen die letzten Meter bis zur Haltestelle, bis er dann mit einem gewaltigen Ruck zum Stillstand kam. Die Zugtüren öffneten sich mit einem leisen Zischen, und Luna sprang heraus, dicht gefolgt von einer kleinen Gruppe Jungs und einem älteren Ehepaar, das sich lautstark darüber ausließ, wie unbequem die Sitze im Zug wären. In einem von ihnen erkannte Luna mit Schrecken den Jungen, dessen Aussehen sie dem Schaffner beschrieben hatte. Die Jungs waren offenbar in ein Gespräch vertieft, denn einer beteuerte gerade: »Doch, echt! Dieser Schaffner hat mich festgehalten!« »Und was hat er gesagt?«, wollte ein dicker Junge wissen und knabberte gespannt an seinem Donut. »‚Hey, du!‘«, rief der erste Junge, indem er die tiefe, strenge Stimme des Schaffners treffend nachahmte. »‚Bleib sofort stehen, du Taschendieb! Du hast einem jungen Mädchen das Portemonnaie gestohlen!‘ – ‚Was?!‘, hab ich gesagt. ‚Nein, hab ich nicht! Ich war doch die ganze Zeit in meinem Abteil!‘ Und da ist der unsicher geworden und hat auf seinen Notizblock getippt und gesagt: ‚Aber du passt doch genau zu dieser Beschreibung!‘« »Und dann?«, drängte ihn ein anderer Junge mit Sonnenbrille. »Dann hab ich gesagt: ‚Das muss ein Irrtum sein‘, hab mich losgerissen und bin schnell abgehauen. Der Typ hat sie doch nicht mehr alle!«, fügte er noch hinzu und tippte sich an die Stirn. Zustimmendes Gemurmel war bei den anderen Jungs zu hören, während sie in den Dünenweg einbogen und aus Lunas Blickfeld verschwanden. Luna hatte die ganze Zeit den Atem angehalten und schnappte jetzt nach Luft. Sie wusste ja sehr wohl, wer dieses junge Mädchen war, dem »angeblich« sein Portemonnaie gestohlen worden war … Oh Mann, wie peinlich! Einem unschuldigen Jungen einfach seine eigene Vergesslichkeit in die Schuhe zu schieben! Mit einigem Abstand und immer noch mit glühenden Wangen folgte sie den Jungs in den Dünenweg.
Luna fiel die Kinnlade herunter. Wenn die rote Haut an ihrer Schulter, wo der Rucksackgurt während der langen und heißen Wanderung durch die Dünen unangenehm gescheuert hatte, nicht immer noch schmerzhaft brennen würde, hätte sie es wahrscheinlich für einen Traum gehalten. Sie war sogar versucht, sich ungläubig die Augen zu reiben. Hinter dem Holzschild mit der Aufschrift
SOMMERCAMP KLIPPENSTEIN
das nur noch an einem Nagel hing und bei jedem Windstoß bedrohlich hin und her schwang, stand Melanie. Die blonden, lockigen Haare hatte sie zu einem Zopf zusammengebunden, aus dem sich allerdings einige Strähnen herausgestohlen hatten und ihr ins Gesicht fielen. Sie trug ein tief ausgeschnittenes hellblaues Top und pinkfarbene Converse, die sich super mit ihrer Brille vertrugen. An ihrem Arm glitzerten mehrere silberne Armbänder, passend zu ihren funkelnden Ohrringen, die sehr teuer wirkten. Wie immer sah sie perfekt aus. »Was machst du denn hier?!«, stammelte Luna und betrachtete ihre Freundin fassungslos. Melanie sah sie an, als wäre das die dämlichste Frage, die sie je gehört hatte. »Na, denkst du etwa, ich lass dich hier alleine Ferien machen? Jemand muss doch auf dich aufpassen!«
Und als Luna ihr überglücklich um den Hals fiel, fügte sie grinsend hinzu: »Hast du dir so gedacht! So schnell wirst du mich nicht los!« Luna löste sich lachend von ihrer Freundin und fragte: »Aber was wird denn jetzt aus deinem Urlaub auf Mallorca? Und wie kommst du überhaupt hierher?« Sie trat einen Schritt zurück und musterte ihre Freundin eindringlich. »Ich hab gestern Nachmittag mit deinen Eltern telefoniert und erzählt, wie unglücklich du über ihre Entscheidung warst. Ich wollte unbedingt mitfahren und hab meinen Papi überredet, spontan noch einen Platz für mich zu buchen. Er hat mich mit dem Auto gebracht, es sollte eine Überraschung sein. Du warst mir echt wichtig«, erklärte sie und lächelte verlegen. Dann strich sie sich eine blonde Haarsträhne aus dem Gesicht und gewann ihre übliche Fassung wieder. »Mallorca muss wohl dieses Jahr ohne mich auskommen …« Luna hätte sich gern beschwert, weil sie niemand darüber aufgeklärt hatte, dass ihre beste Freundin mitkam. Sie ärgerte sich auch über den langen, unangenehmen Fußmarsch, den sie gemütlich mit Melanie in einem klimatisierten Auto hätte zurücklegen können. Doch sie war ihrer Freundin so dankbar für ihre Gesellschaft, dass ihr die Worte im Hals stecken blieben. In diesem Moment kam eine junge Frau mit knallrot gefärbten Stachelhaaren und zwei Piercings pro Augenbraue auf sie zugeeilt. Ihre langen Ohrringe schwangen vor und zurück, als sie vor den beiden Mädchen stehen blieb und sie aus dunkel geschminkten Augen freundlich anlächelte. »Hallo! Ihr müsst Luna Stoll und Melanie Sommerthal sein, richtig?« Luna nickte. »Jap!« »Super! Herzlich willkommen im Sommercamp Klippenstein!
