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William Shakespeares "Macbeth" ist ein meisterhaftes Drama, das die Abgründe menschlicher Ambition und den verheerenden Einfluss von Machtgier thematisiert. Die düstere Handlung folgt dem schottischen General Macbeth, der, angestachelt durch eine Prophezeiung und den Einfluss seiner ehrgeizigen Frau, ein blutiges Streben nach dem Thron beginnt. Shakespeares Sprache ist sowohl poetisch als auch eindringlich und schafft ein Spannungsfeld zwischen Mysterium und Moral, während er tief in die Psychologie seiner Charaktere eintaucht. Das Werk ist nicht nur ein Kernstück der elisabethanischen Theaterliteratur, sondern spiegelt auch die politischen und sozialen Unsicherheiten der Zeit wider, in der Macht und Loyalität oft in Frage gestellt wurden. William Shakespeare, einer der bedeutendsten Dramatiker der englischen Literatur, lebte im 16. und 17. Jahrhundert und hinterließ ein umfangreiches Werk, das tiefgreifende Einblicke in die menschliche Natur bietet. Aufgewachsen im England der Renaissance, reflektierten seine Erfahrungen und die Gesellschaft seiner Zeit in seiner Arbeit die komplexen Beziehungen zwischen Menschen, Macht und Moral. "Macbeth" ist zudem ein Beispiel für die düsteren Tragödien, die Shakespeare während seiner Laufbahn schrieb, und zeigt die Konsequenzen ungebremster Ambitionen und inneren Kampfes. Dieser Band, die zweisprachige Ausgabe von "Macbeth", ist eine unverzichtbare Lektüre für alle Literaturinteressierten und bietet einen tiefen Einblick in das Tragische und Psychologische der menschlichen Erfahrung. Ob als Schüler, Student oder passionierter Leser, die Kombination aus Deutsch und Englisch ermöglicht es, die sprachliche Raffinesse und den kulturellen Reichtum Shakespeares zu entdecken. Tauchen Sie ein in diese zeitlose Tragödie und erfahren Sie, wie sie Fragen von Macht und Moral auf wirksame Weise behandelt. In dieser bereicherten Ausgabe haben wir mit großer Sorgfalt zusätzlichen Mehrwert für Ihr Leseerlebnis geschaffen: - Eine prägnante Einführung verortet die zeitlose Anziehungskraft und Themen des Werkes. - Die Synopsis skizziert die Haupthandlung und hebt wichtige Entwicklungen hervor, ohne entscheidende Wendungen zu verraten. - Ein ausführlicher historischer Kontext versetzt Sie in die Ereignisse und Einflüsse der Epoche, die das Schreiben geprägt haben. - Eine Autorenbiografie beleuchtet wichtige Stationen im Leben des Autors und vermittelt die persönlichen Einsichten hinter dem Text. - Eine gründliche Analyse seziert Symbole, Motive und Charakterentwicklungen, um tiefere Bedeutungen offenzulegen. - Reflexionsfragen laden Sie dazu ein, sich persönlich mit den Botschaften des Werkes auseinanderzusetzen und sie mit dem modernen Leben in Verbindung zu bringen. - Sorgfältig ausgewählte unvergessliche Zitate heben Momente literarischer Brillanz hervor. - Interaktive Fußnoten erklären ungewöhnliche Referenzen, historische Anspielungen und veraltete Ausdrücke für eine mühelose, besser informierte Lektüre.
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Veröffentlichungsjahr: 2023
Wenn Begehren auf Gelegenheit trifft, wird das Gewissen zur gefährlichsten Bühne. Macbeth zeigt, wie eine innere Unruhe sich in Handlungen verwandelt, die weit über den Einzelnen hinausreichen. Das Stück verhandelt die Spannung zwischen persönlichem Ehrgeiz und dem Bedürfnis nach Ordnung, zwischen Verheißung und Verantwortung. In einer Welt, die von Zeichen, Omen und politischen Verwerfungen durchzogen ist, stellt Shakespeare die Frage, was einen Menschen formt: sein Wille, sein Schicksal oder die verlockende Stimme von außen. Die Bühne wird zum Labor der Entscheidung, und jede Geste, jedes Wort trägt das Gewicht möglicher Konsequenzen.
Macbeth gilt als Klassiker, weil es die Tragödie auf einen kristallinen Kern verdichtet: die psychologische Dynamik der Macht. Die Sprache ist prägnant, rhythmisch und reich an Bildern, die Nacht, Blut und Unruhe zu Leitmotiven formen. Zugleich entfaltet das Stück eine universelle Endlosschleife aus Versuchung, Zweifel und Gewissensprüfung. Seine Wirkung reicht weit über die elisabethanische Bühne hinaus; es prägt Theaterästhetik, Schauspielkunst und das Nachdenken über politische Ethik. Wer Macbeth liest oder sieht, begegnet einer Form von Dichte und Dringlichkeit, die kaum altert, weil sie auf elementare Erfahrungen des Menschen zielt.
Verfasst wurde Macbeth von William Shakespeare, Dichter und Dramatiker der englischen Renaissance. Entstanden ist das Stück wahrscheinlich um 1606, also im frühen 17. Jahrhundert, und erstmals gedruckt wurde es 1623 im sogenannten First Folio. Die Handlung ist in Schottland angesiedelt, und das Werk zählt zu Shakespeares Tragödien. Zeitnah zur Entstehung fand Macbeth auf den Londoner Bühnen Verbreitung und entwickelte sich zu einem zentralen Bestandteil des klassischen Repertoires. Diese Eckdaten verorten das Werk historisch und literarisch, ohne seine zeitüberschreitende Wirkung zu schmälern, die sich aus Sprache, Struktur und thematischer Genauigkeit ergibt.
In knapper Form lässt sich die Ausgangssituation so umreißen: Ein erfolgreicher schottischer Feldherr gerät nach einem Sieg in den Bann mehrdeutiger Prophezeiungen. Sie wecken in ihm eine Vorstellung von möglicher Größe, die zugleich verheißungsvoll und beunruhigend ist. An seiner Seite steht eine Partnerin, die die Lage scharf erkennt und die Antriebe ihres Mannes liest. Hof, Heer und Heimat bilden die Bühne für Spannungen, auf der Nachrichten, Gerüchte und Zeichen rasch an Gewicht gewinnen. Aus diesen Impulsen entsteht ein innerer Konflikt, der Handlungsräume eröffnet, aber keine einfache Auflösung verspricht.
Die bleibenden Themen des Stücks sind weit gespannt: Ehrgeiz kollidiert mit Gewissen, Loyalität mit Selbstbehauptung, und Zufall mit dem Drang, das Geschehen zu steuern. Dabei kreisen die Figuren um die Frage, ob Prophezeiungen Notwendigkeit bedeuten oder Prüfungen des Charakters darstellen. Politische Ordnung wird zum Prüfstein moralischer Integrität. Gewalt zeigt sich weniger als bloße Tat als vielmehr als Zustand der Seele, der Wahrnehmung, Sprache und Beziehungen durchdringt. Gerade dieser Fokus auf innere Zustände macht das Werk anschlussfähig an moderne psychologische Lesarten und hält es fern von rein äußerlicher Sensationslust.
Shakespeares Formkunst trägt maßgeblich zur Wirkung bei. Der Blankvers schafft eine elastische Sprachbewegung, in der Argumente, Visionen und Einwände rhythmisch miteinander ringen. Verdichtete Bilder und klangliche Muster verstärken die Atmosphäre des Dunklen und Ungewissen, während gereimte Passagen und rhythmische Kontraste einzelne Momente scharf konturieren. Soliloquien öffnen Innenräume, in denen Denken sich vor dem Publikum entfaltet, ohne zur Erklärung zu verflachen. Die bildhafte Sprache verknüpft Natur und Politik, Körper und Kosmos, und erlaubt es, inneren Spannungen eine äußere Gestalt zu geben, die auf der Bühne sofort verständlich wird.
Eine zweisprachige Ausgabe lädt dazu ein, die Spannung zwischen Original und Übersetzung produktiv zu machen. Im Englischen entfaltet der Blankvers seinen eigenen Takt; im Deutschen müssen Rhythmus, Wortfelder und Mehrdeutigkeiten neu justiert werden. Das direkte Nebeneinander zeigt, wie Metaphern wandern, wie Klangfarben verschoben und Bedeutungsfelder abgewogen werden. So wird Lesen zur Werkstatt der Interpretation: Man sieht, welche Entscheidungen eine Übersetzung erzwingt, wie Anspielungen getragen oder ersetzt werden, und wie bestimmte semantische Nuancen sich in zwei Sprachräumen unterschiedlich entfalten.
Der Einfluss von Macbeth reicht durch Jahrhunderte. Das Stück hat unzählige Inszenierungen, Bearbeitungen und filmische Interpretationen inspiriert, die jeweils am Nerv ihrer Zeit rühren. Regiehandschriften betonen mal das Politische, mal das Psychologische, mal das Unheimliche. Auch in Musik, Bildender Kunst und Literatur hallen Motive, Bilder und Situationen wider. Dabei bleibt bemerkenswert, dass das Werk seine Kernthemen nicht verbraucht, sondern immer neu konstelliert. Jede Generation entdeckt andere Schwerpunkte, weil die Fragen nach Macht, Verantwortung und Selbsttäuschung in wechselnden Kontexten neue Kontur gewinnen.
Der historische Kontext der Entstehung ist von Debatten über Herrschaft, Legitimität und soziale Ordnung geprägt. In dieser Atmosphäre untersucht Macbeth nicht etwa konkrete Tagespolitik, sondern die Struktur von Macht: Wie entsteht Autorität, worauf gründet Gehorsam, was stört das Gleichgewicht einer Gemeinschaft? Die Bühne wird zum Ort, an dem politische und persönliche Motive ineinander greifen. Gerade die Abstraktion dieser Fragen macht das Stück anschlussfähig, weil es weniger Antwort gibt als einen Prüfraum für Positionen, in dem Handlung, Sprache und Symbolik einander spiegeln.
Zentral sind die Figurenzeichnungen. Macbeth erscheint als Mensch zwischen Antrieb und Zweifel, empfänglich für Deutung und Verlockung. Lady Macbeth ist Partnerin und Gegenüber, deren Klarheit, Energie und Sprache das Nachdenken ihres Mannes zuspitzen. Weitere Gestalten – Verbündete, Gegner, Beobachtende – bilden ein Resonanzfeld, in dem Entscheidungen geprüft und gespiegelt werden. Die rätselhaften Erscheinungen, die Prophezeiungen geben, fungieren nicht als bloßer Mechanismus, sondern als Katalysator für Selbstinterpretation: Sie stellen Angebote des Sinns bereit, deren Annahme Verantwortung erzeugt.
Für die Lektüre empfiehlt sich Aufmerksamkeit für wiederkehrende Motive: Dunkelheit und Licht, Schlaf und Unruhe, Natur und Unordnung, Schein und Erkenntnis. Sprachliche Details tragen Handlung: ein Bild kippt ein anderes, ein Klang verweist auf Stimmung, eine Nuance schiebt einen Gedanken an. In der zweisprachigen Anlage wird sichtbar, wie eng Bedeutung an Rhythmus gebunden ist und wie Übersetzung Interpretationsarbeit leistet. Wer die Bühne mitdenkt, versteht, dass Pausen, Betonungen und Blickrichtungen semantische Kräfte sind, die das Stück nicht nur erzählen, sondern ereignen.
Macbeth bleibt aktuell, weil es die Frage stellt, wie Menschen mit Möglichkeiten umgehen, die größer sind als ihre Gewissheiten. In Zeiten beschleunigter Entscheidungen, medialer Spiegelungen und politischer Volatilität zeigt das Stück, wie Sprache Realität formt und wie Gewissen unter Druck gerät. Seine Zeitlosigkeit liegt in der Verbindung aus dichter Sprache, klarer Dramaturgie und unerschrockener Psychologie. Die zweisprachige Ausgabe eröffnet dabei einen doppelten Zugang: Sie bewahrt das Original und lädt zu neuer Verständigung ein. So wirkt Macbeth fort – als Warnung, als Spiegel und als Prüfung unserer eigenen Maßstäbe.
Macbeth ist eine Tragödie von William Shakespeare, die in einem von Kriegen erschütterten Schottland spielt. Nach einem siegreichen Feldzug begegnen der Heerführer Macbeth und sein Gefährte Banquo drei unheimlichen Weissagerinnen. Sie sagen voraus, Macbeth werde erst Thane of Cawdor und dann König, während Banquos Nachkommen Könige sein würden. Kurz darauf erreicht Macbeth tatsächlich die Nachricht von seiner neuen Würde, was der Prophezeiung Gewicht verleiht. Diese Bestätigung setzt in ihm eine innere Bewegung in Gang: Zwischen Dankbarkeit für den bisherigen Aufstieg und einem aufkeimenden Begehren ringt er um Auslegung, Zweck und Grenzen des Schicksals. Das Drama etabliert so früh Motive von Ambition und Deutung.
Macbeth schreibt seiner Frau von den rätselhaften Sprüchen. Lady Macbeth liest darin eine Einladung zum Handeln und prüft entschlossen die Möglichkeiten des Augenblicks. Als König Duncan einen Besuch in Macbeths Burg ankündigt, verdichtet sich die Versuchung. Macbeth schwankt zwischen Loyalität, religiös-moralischen Skrupeln und dem Reiz, die Verheißung zu beschleunigen. Seine Frau spitzt den Konflikt zu, stellt seine Selbstbilder in Frage und formt einen Plan, der den Gastfreundschaftscode pervertiert. In dieser Konstellation entwickeln sich Leitfragen des Stücks: Wie weit reicht menschliche Entscheidungsfreiheit unter dem Druck vermeintlichen Schicksals, und welchen Preis hat politischer Ehrgeiz für Gewissen, Beziehung und Ordnung?
In der Nacht von Duncans Aufenthalt verdichtet Shakespeare die Atmosphäre aus Omen, Finsternis und innerem Widerstreit. Macbeth sieht Zeichen, tastet Argumente ab und überschreitet schließlich eine Grenze, die nicht rückgängig zu machen ist. Mithilfe seiner Frau wird die Tat verschleiert, doch die Welt gerät aus den Fugen: Am Morgen herrschen Entsetzen und Verwirrung. Verdachtsmomente verteilen sich ungleich, Duncans Söhne fliehen in verschiedene Länder, und die Ordnung sucht Halt in schnellen Erklärungen. In der Folge wird Macbeth zum König erhoben, scheinbar auf Bahn der Weissagung. Der Aufstieg bringt jedoch nicht die erwartete Ruhe, sondern neue Angst, dass die Zukunft anders kippen könnte.
Die Krönung verschärft Macbeths innere Zerrissenheit. Banquo, dessen Name in der Prophezeiung eine Linie künftiger Herrscher trägt, wird für den neuen König zum Problem. Macbeth beginnt, Macht durch Prävention zu sichern, und beauftragt einen Anschlag auf Banquo und dessen Sohn. Was als rationaler Schutz erscheinen soll, entlarvt sich als wachsender Terror. Bei einem Festmahl wird Macbeth von einer Erscheinung erschüttert, die nur er wahrnimmt; sein öffentliches Bild gerät ins Wanken, während Lady Macbeth versucht, Normalität zu behaupten. Misstrauen kriecht durch die Reihen der Adligen, und das Regiment zeigt erste Risse zwischen politischer Oberfläche und psychischem Zerfall.
Auf der Suche nach Gewissheit konsultiert Macbeth die Weissagerinnen erneut. Sie liefern mehrdeutige Zusicherungen und Warnungen, die er in der Hoffnung auf Unverwundbarkeit wörtlich nimmt. Der Effekt ist paradox: Aus scheinbarer Sicherheit wächst die Bereitschaft, jeden potenziellen Gegner rücksichtslos zu treffen. Einschüchterung, Überwachung und Gewalt nähren ein Klima der Angst, das die Legitimität weiter erodiert. Die Frage nach der Deutung des Gesagten tritt scharf hervor: Sind die Worte bindende Fügung, oder spiegeln sie nur Macbeths Vorstellungen, die er nun mit brutaler Energie durchzusetzen sucht? Die Prophezeiungen funktionieren als Spiegel seiner Wünsche und als Falle seiner Wahrnehmung.
Parallel formiert sich Widerstand. Vertriebene und skeptische Adlige suchen im Exil Unterstützung, um die zerstörte Ordnung zu heilen. In dieser Gegenbewegung rücken Begriffe wie Rechtmäßigkeit, Maß und Dienst am Gemeinwesen ins Zentrum, kontrastiert mit Macbeths wachsendem Misstrauen. Schottland erscheint als leidender Körper, dessen Krankheit vom Herrscher ausgeht. Macbeth reagiert mit weiteren Härten und befestigt strategische Positionen, überzeugt, dass die doppeldeutigen Zusagen ihn tragen werden. Die politische Lage wird zugleich außen- wie innenpolitisch fragil. Die Frage, ob Mut in dieser Welt Tatkraft oder moralische Standfestigkeit bedeutet, wird in Gesprächen und Prüfungen der handelnden Figuren konkret verhandelt.
Während die Opposition erstarkt, zeigt Lady Macbeth Anzeichen eines tiefgreifenden seelischen Zusammenbruchs. Schlafstörungen, zwanghafte Handlungen und fragmentarische Erinnerungen deuten den Druck von Schuld und Verdrängung an. Das Privatsphärische wird zur Bühne des Gewissens, das keine Ruhe mehr lässt. Um sie herum verdichten sich Gerüchte, Ärzte und Diener sind ratlos, und die Kluft zwischen öffentlicher Rolle und innerer Realität klafft auf. Macbeth, zunehmend vereinsamt, klammert sich an die Verheißungen, kalkuliert wie ein Feldherr und versucht, Angst mit Entschluss zu übertönen. Die Tragödie lässt so die seelischen Kosten der Macht sichtbar werden, noch bevor die politische Rechnung präsentiert ist.
Die Ereignisse steuern auf eine militärische Entscheidung zu. Verbündete nähern sich, Kräfte werden gebündelt, und die Deutungen der Weissagungen beginnen, sich in unerwarteten Formen zu zeigen. Macbeth hält an seiner Lesart fest und vertraut darauf, dass die zuvor gehörten Worte ihn durch die Krise tragen. Gleichzeitig wächst die Erkenntnis, dass Sprache trügt und Zeichen wanken können. In der belagerten Atmosphäre prallen Mutmaßungen, Strategie und psychische Endurance aufeinander. Der Konflikt verschiebt sich vom inneren Ringen um Tat und Gewissen in die offene Konfrontation, ohne dass die Tragödie bereits ihre letzte Wendung zeigt oder das Schicksal aller Figuren offenliegt.
Macbeth verhandelt Grundfragen von Macht, Ehrgeiz und Verantwortung: Wie korrumpiert das Streben nach Größe das Selbst, und wie verstricken Mehrdeutigkeiten der Sprache Menschen in Taten, die sie zu beherrschen glauben? Die Tragödie entfaltet ein Spannungsfeld zwischen Schicksal und Entscheidung, in dem Schuld, Angst und Wahrnehmung politisch wirksam werden. In einer zweisprachigen Ausgabe eröffnet der Vergleich von Original und deutscher Übersetzung zusätzlich Einblicke in Klang, Bildsprache und Rhetorik, die das Stück tragen. Nachhaltig bleibt die Warnung vor der Selbsttäuschung des Ehrgeizes und die Frage, wie Gemeinschaften Legitimität wahren, wenn charismatische Energie ohne moralische Grenze regiert.
Macbeth ist in einem frühmittelalterlichen Schottland verortet, doch entstand das Drama im frühen 17. Jahrhundert in London. Diese Doppelperspektive prägt seinen historischen Kontext: Auf der Ebene der Handlung dominieren Königsherrschaft, Feudalstrukturen und kriegerische Adelsloyalitäten; auf der Entstehungsebene bestimmen die Stuart-Monarchie, ein zentralisierter Hof und eine staatlich beaufsichtigte Theaterkultur die Rahmenbedingungen. Monarchie, Kirche und Krone als oberste Instanzen, dazu ein wachsendes London mit professionellen Bühnen trugen dazu bei, dass Fragen nach legitimer Herrschaft, politischer Stabilität und moralischer Ordnung dramatisch verhandelt wurden. Shakespeare verdichtet so zwei Zeiten: die raue Welt der schottischen Thanes und die politisch aufgeladene Jacobean-Ära Englands.
Nach 1603 veränderte die Union der Kronen die politische Landschaft erheblich: Jakob VI. von Schottland bestieg als Jakob I. den englischen Thron. Diese Personalunion lenkte das englische Interesse auf schottische Geschichte, Genealogie und Herrschaftslegitimation. Macbeths Stoffwahl erschien daher unmittelbar zeitgemäß. In Chroniken kursierten Erzählungen, die die Stuart-Dynastie über Banquo und dessen Nachkommen legitimierten. Während Holinshed Banquo als Mitverschwörer zeigt, zeichnet das Drama ihn wesentlich ehrenhafter. Diese Akzentverschiebung lässt sich als höfische Sensibilität im Angesicht eines schottischen Königs in London lesen: ein dramatischer Kommentar zur neuen politischen Konstellation.
Die Pulververschwörung von 1605 prägte das Klima, in dem Macbeth entstand. Der vereitelte Anschlag katholischer Verschwörer auf König und Parlament schärfte Ängste vor Hochverrat, religiöser Subversion und Staatszerfall. Öffentliche Exekutionen der Beteiligten 1606, Loyalitätseide und verschärfte Überwachung prägten die Zeit. Macbeth reflektiert diese Atmosphäre: Erkundungen von Verrat, Gewissensnot, Staatsräson und den Folgen gewaltsamer Machtaneignung treffen die Nervenzentren einer Gesellschaft, die soeben einen Regizidversuch abgewendet hatte. Das Stück verhandelt, wie persönliche Ambitionen und politischer Umsturz individuelle wie kollektive Ordnungen zerstören können.
Eine weitere zeitgenössische Linse ist die Hexenverfolgung. 1604 verschärfte das englische Hexereigesetz die Strafverfolgung, während Jakob I. bereits 1597 mit seiner Schrift Daemonologie sein Interesse an Dämonologie und Hexereiprozessen bekräftigt hatte. In vielen Regionen Europas standen Prozesse, Denunziation und Furcht vor übernatürlicher Einwirkung im öffentlichen Bewusstsein. Die unheimlichen Schwestern bei Shakespeare spiegeln diese Vorstellungswelt. Ihre Prophezeiungen, Rituale und das Spiel mit Wissen und Verlockung berühren Fragen nach Providenz, Versuchung und politischem Rat. So wird die vermeintlich ferne Magie zur zeitgenössischen Debatte über Glaube, Aberglaube und staatliche Ordnung.
Mit der Pulververschwörung verknüpft ist die Kontroverse um Equivocation, die Lehre doppeldeutiger Aussagen unter Druck. Der Jesuit Henry Garnet wurde 1606 hingerichtet; die Diskussion um mehrdeutige, beschwichtigende oder taktisch verschleiernde Sprache beherrschte Prozesse und Pamphlete. Macbeth nimmt diese Debatte auf: Der Begriff selbst fällt im Stück, und die Vielschichtigkeit von Orakeln, Aussagen und Selbstrechtfertigungen zeigt die politische Brisanz sprachlicher Uneindeutigkeit. In einer Epoche, die auf Eide, Geständnisse und Wahrheitsregime setzte, thematisiert das Drama, wie Worte Wahrheiten entstellen oder verschleiern und wie Sprache zur Waffe politischer Akteure wird.
Shakespeares wichtigste Quelle war die 1587er Ausgabe von Holinsheds Chronicles. Sie bot Erzählungen über die schottischen Könige, darunter Macbeth, Duncan und Malcolm, sowie Anekdoten, die Shakespeare verdichtete und umformte. In Holinshed finden sich Motive von Intrige, Prophezeiung und Gewalt, aber auch unterschiedliche Traditionen, etwa aus älteren schottischen Historien. Shakespeare strafft Zeitläufe, akzentuiert übernatürliche Elemente und modifiziert Charakterzüge, insbesondere Banquos. So verwandelt er chronikalische Rohmasse in eine tragische Untersuchung von Herrschaftsethos, Versuchung und Selbstzerstörung. Seine Eingriffe zielen weniger auf historische Genauigkeit als auf politische und moralische Schärfung.
Der historische Mac Bethad mac Findlaích regierte von 1040 bis 1057 als König von Alba. Er errang den Thron nach einer Schlacht, nicht durch nächtlichen Meuchelmord, und behauptete seine Herrschaft über Jahre. Überliefert ist eine Pilgerreise nach Rom um 1050, die seine Stellung festigte und außenpolitische Kontakte zeigte. 1057 fiel er schließlich in Kämpfen gegen Malcolm, der Unterstützung aus England erhielt. Shakespeares Drama weicht bewusst von diesen Fakten ab: Es komprimiert Prozesse zu entscheidenden inneren und äußeren Konflikten, um Fragen legitimer Sukzession, Machtethik und der Kosten politischer Gewalt dramatisch zuzuspitzen.
Die dargestellte Gesellschaftsordnung beruht auf einem Geflecht aus Thanes, Gefolgschaften und wechselseitigen Verpflichtungen. Ehre, Gastrecht und Gabenökonomie regulieren Beziehungen zwischen Herrscher und Adligen. Gleichzeitig prägen Grenzkonflikte, Fehden und kurzfristige Koalitionen das militärische Leben. Diese Strukturen erklären, weshalb Loyalitätsbrüche als moralischer wie politischer Frevel wahrgenommen werden. Das Drama nutzt dieses feudal geprägte Wertegerüst, um zu untersuchen, wie leicht Ehrgeiz und Angst traditionelle Bande zerreißen. Aus dem Zusammenbruch von Vertrauen erwachsen nicht nur private Tragödien, sondern auch öffentlicher Unfrieden und staatliche Schwäche.
Ideengeschichtlich resoniert Macbeth mit der Lehre von der göttlichen Ordnung und dem Konzept des göttlichen Königtums. Jakob I. vertrat in Schriften wie Basilikon Doron (1599) eine sakral begründete Königsherrschaft, die Verantwortung und Strenge verbindet. In dieser Denkfigur verletzt ein unrechtmäßiger Machtzugriff das kosmische Gefüge; Naturzeichen und soziale Verwerfungen gelten als Symptome. Das Stück dramatisiert solche Zusammenhänge, ohne in Dogmatik zu erstarren: Es stellt die Bedingungen legitimer Herrschaft, die Grenzen des Gehorsams und die Verantwortung des Gewissens ins Zentrum und reflektiert damit Grundfragen der Jacobean-Politiklehre.
Institutionell stand Macbeth unter dem Schutz und Einfluss der King’s Men, jenes Schauspielerensembles, das 1603 zum Theatertrupp des Königs erhoben wurde. Gespielt wurde im offenen Globe am Südufer der Themse und, ab 1608/09, auch im überdachten Blackfriars-Theater. Hofaufführungen ergänzten den Spielplan. Wiederkehrende Pestwellen zwischen 1603 und den späten 1600er Jahren führten zu zeitweiligen Theaterschließungen, was Repertoire und wirtschaftliche Zwänge prägte. In diesem Umfeld galt ein Stück mit pointierter Länge, starkem Rollenprofil und spektakulären Effekten als besonders spielbar – Bedingungen, denen Macbeth gut entsprach.
Die Theatersprache der Zeit setzte auf körperliche Präsenz, Musik und Bühnentechnik. Donnerschläge und Blitzillusionen wurden mit Trommeln, Bleikugeln und pyrotechnischen Mitteln erzeugt; Falltüren ermöglichten ein abruptes Auftauchen unheimlicher Figuren; ein bemalter Baldachin, die Heavens, verband Zeichen und Geräusch. Kostüme waren zeitgenössisch, nicht archäologisch, wodurch historische Distanz mit gegenwärtiger Unmittelbarkeit verschmolz. Frauenrollen spielten Knaben. Die Hexenszenen boten ein dankbares Feld für Spektakel, Gesang und choreografierte Unordnung – ein theatraler Widerhall der gesellschaftlichen Debatten über Aberglauben, Verführung und die Grenzen menschlicher Erkenntnis.
Gleichzeitig wirkte Zensur. Der Master of the Revels lizenzierte Stücke und konnte Schnitte anordnen, insbesondere bei Stoffen, die Thronfolge, Hochverrat oder Religionspolitik berührten. Nach der Kontroverse um die Deposition in Shakespeares Richard II. (im Umfeld der Essex-Rebellion 1601) war der Umgang mit Regizid besonders heikel. Macbeth umgeht direkte Anspielungen auf zeitgenössische Personen durch die Verlagerung in ein fernes, schottisches Mittelalter und durch die Einbettung in eine Welt der Prophezeiungen. So entsteht politische Brisanz ohne offene Aktualpolitik, ein Balanceakt zwischen Kritik und Loyalitätsbekräftigung.
Wirtschaftlich und sozial profitierte Macbeth von Londons Wachstum um 1600. Verschiedene Publikumsgruppen – vom Handwerker bis zum Höfling – füllten die Ränge. Eintrittspreise lagen gestaffelt; Stehplätze waren günstig, Logen teuer, besonders im Blackfriars. Theater konkurrierten mit Bärenkämpfen und anderen Vergnügungen und mussten durch Tempo, starke Bilder und klangliche Mittel überzeugen. Macbeths konzentrierte Struktur, die raschen Ortswechsel und das dichte Netz aus Symbolen und Motiven kamen dem entgegen. In Innenräumen verstärkten Kerzenlicht und Musik die düstere Atmosphäre, wodurch moralische Finsternis sinnlich erfahrbar wurde.
Textgeschichtlich ist bemerkenswert, dass Macbeth zu Lebzeiten Shakespeares nicht als Einzeldruck überliefert ist. Die erste erhaltene Druckfassung steht im First Folio von 1623, herausgegeben von Heminges und Condell. Die Textgestalt weist Eigenheiten auf, die teils auf Bühnentraditionen zurückgeführt werden. Gelehrte diskutieren spätere Eingriffe oder Zusätze, etwa in Hekate-Passagen, die Parallelen zu Thomas Middletons Musik und Szenen aufweisen. Solche Fragen betreffen Aufführungspraxis, Musiknummern und Kürzungen und zeigen, wie das Stück sich zwischen Schreibtisch, Probe und Bühne formte und fortschrieb.
Die höfische Kultur der Jacobean-Zeit liebte Prunk, Symbolprogramme und Masques, in denen allegorische Figuren und dynastische Bildersprache dominierten. Macbeth spiegelt dies, wenn es Visionen, Schaufolgen und genealogische Andeutungen nutzt, um dynastische Stabilität oder Gefahr in Bilder zu fassen. Solche theatralen Tableaus korrespondierten mit Hofunterhaltungen, in denen Legitimität, Tugend und Ordnung durch Spektakel dargestellt wurden. Das Drama bindet diese Ästhetik jedoch an ethische Prüfungen: Visionen sind nicht bloß Dekor, sondern diskursive Instrumente, die Herrscherideal und Tyrannenfurcht in konkrete Handlungsentscheidungen übersetzen.
Ein wichtiger zeitgenössischer Aufführungszeuge ist der Arzt Simon Forman. In seinem Tagebuch notierte er 1611 den Besuch einer Macbeth-Aufführung im Globe und beschrieb Szenenfolge, Hexenauftritt und moralische Pointen. Dieser Bericht belegt die Bühnenpräsenz des Stücks wenige Jahre nach seiner Entstehung und erlaubt Einblicke in seine Wirkung auf ein gemischtes Londoner Publikum. Unabhängig von der exakten Erstaufführung zeigt die früh dokumentierte Rezeption, dass Macbeth rasch als packendes, konzentriertes Trauerspiel wahrgenommen wurde, dessen politische und metaphysische Spannung auf der Bühne unmittelbar erfahrbar war.
Kulturell verknüpft Macbeth den Diskurs über Gewissen und Schuld mit zeitgenössischer Seelsorge, Bußpraxis und Strafjustiz. Öffentliche Geständnisse und Exekutionen, Predigten gegen Verrat und die Debatte um falsche Rede schufen einen Resonanzraum für die Darstellung innerer Zerrüttung. Wirtschaftlich spiegeln Reichtum aus Patronage, Kriegsbeute und Landbesitz die Machtmittel adeliger Politik. Technologisch erlaubten Druck und Pamphletwesen schnelle Meinungsbildung; Theater übersetzten diese Diskurse in verkörperte, sinnliche Argumente. So verschränken sich private Motive und Staatsräson zu einer politischen Anthropologie, die sich in Handlung, Sprache und Symbolen niederschlägt.」「Die schottische Topografie und Geschichte werden nicht museal rekonstruiert, sondern dramaturgisch funktionalisiert. Ortsnamen wie Inverness, Forres, Dunsinane oder Birnam verankern die Handlung territorial, während die Chroniken als Reservoir für Motive dienen: Prophezeiung, Hinterhalt, Schlachtenglück. Indem Shakespeare die Ferne der Zeit nutzt, reflektiert er nahe Erfahrung: dynastische Unsicherheit nach Thronwechsel, die Angst vor Verschwörung und die Fragilität von Loyalität in einer Hofkultur, die Geschenke, Ämter und Nähe zur Krone verteilt. Diese Distanz schafft Freiraum, um Machtethik ohne direktsatirische Gefährdung zu erörtern.」「Religiös-politisch bewegt sich das Stück in einem England, das nach konfessionellen Bürgerkriegen nach Stabilität verlangt. Die anglikanische Staatskirche, strikte Gesetze gegen Rekusanten und die Erinnerung an frühere Umstürze bilden den Hintergrund, vor dem schuldhafte Tat, Reue und Gnade verhandelt werden. Macbeth fragt nach der Möglichkeit moralischer Selbsterkenntnis unter politischem Druck und nach der Grenze, an der Staatsräson zur Selbstvernichtung wird. Diese Problemstellung reflektiert die Aporien einer Gesellschaft, die sich als christlich legitimiert, zugleich aber Gewalt zur Ordnungssicherung einsetzt und dadurch ihr Selbstbild belastet.」「Schließlich kommentiert Macbeth seine Zeit, indem es die Rhetorik der Legitimität prüft. Das Stück zeigt, wie Sprache, Orakel, Eide und Titel Macht herstellen oder zerstören, und wie institutionelle Stabilität von persönlicher Tugend abhängig bleibt. Es kritisiert blindes Ehrgeizstreben, warnt vor politischer Paranoia und zeigt, wie Terror Recht und Ordnung untergräbt. Dabei nutzt es Chronik, Spektakel und psychologische Verdichtung, um ein Panorama frühneuzeitlicher Herrschaftskrisen zu entwerfen. Gerade diese Verbindung aus historischer Distanz und unmittelbarer politischer Relevanz erklärt, warum Macbeth als Kommentar zur Jacobean-Ära gelesen werden kann – und darüber hinaus wirkt.
William Shakespeare, 1564 in Stratford-upon-Avon getauft und 1616 dort verstorben, gilt als prägendster Dramatiker der englischen Sprache. Er war Autor, Schauspieler und Anteilseigner einer führenden Londoner Theatertruppe. Seine Werke verbinden poetische Erfindung mit lebendiger Bühnenpraxis und beeinflussen bis heute Literatur, Theater und Populärkultur weltweit. Zu den häufig aufgeführten Stücken zählen Hamlet, Othello, König Lear und Macbeth ebenso wie Romeo und Julia, Ein Sommernachtstraum, Der Kaufmann von Venedig, Viel Lärm um Nichts, Wie es euch gefällt, Was ihr wollt, Der Sturm, Das Wintermärchen, Julius Cäsar, Antonius und Kleopatra, Coriolanus sowie Richard II und Richard III.
Shakespeare wirkte in der dynamischen Theaterkultur des elisabethanisch-jakobäischen London. Dort entstanden öffentliche Freilichtbühnen und private Innenbühnen, die unterschiedliche Publika erreichten. Als Mitglied der Lord Chamberlain’s Men, später King’s Men, schrieb er für eine eingespielte Kompanie, deren Repertoire seine Vielseitigkeit sichtbar macht: romantische Komödien, düstere Tragödien, politische Historien und späte Romanzen. Seine Stücke wurden rasch populär, wanderten in Drucke und wurden nach seinem Tod gesammelt. Der Name Shakespeare steht seither für eine Kunst der Sprache und dramatischen Form, die Generationen von Zuschauern und Lesern immer wieder neu deutet und aneignet.
Über Shakespeares frühe Bildung sind keine unmittelbaren Zeugnisse erhalten. Er wurde am 26. April 1564 getauft; seine Eltern, der Handschuhmacher und Stadtrat John Shakespeare und Mary Arden, entstammten lokalen Verhältnissen. Es gilt als wahrscheinlich, dass er die Grammar School in Stratford besuchte, die Latein, Rhetorik und klassische Autoren vermittelte. Solche Schulen trainierten präzises Sprachdenken, Übersetzen und Streitrede – Grundlagen, die in seinen Dramen erkennbar sind. 1582 heiratete er Anne Hathaway; 1583 wurde die Tochter Susanna geboren, 1585 die Zwillinge Hamnet und Judith. Gegen Ende der 1580er Jahre verliert sich sein Weg für einige Jahre in den Quellen.
Als Autor schöpfte Shakespeare nachweislich aus vielfältigen Lektüren und Stofftraditionen. Ovids Metamorphosen prägten seine Bildsprache; Senecas Tragödien lieferten rhetorische und dramaturgische Muster. Für die römischen Stücke diente Thomas Norths Übersetzung von Plutarchs Parallelbiographien als Hauptquelle, die englischen Historien stützen sich auf Holinsheds Chronicles. Italienische Novellensammlungen, vermittelt über englische Bearbeitungen, inspirierten Komödien plots; Arthur Brookes Gedicht The Tragical History of Romeus and Juliet war eine unmittelbare Vorlage. Diese Quellenvielfalt verband Shakespeare mit Bühnenerfahrung, Rollenkenntnis und feinem Gespür für Publikumserwartungen zu eigenständigen, wirkungsmächtigen Neubildungen.
In London ist Shakespeare ab 1592 als Dramatiker greifbar, als ein Kollegenschriftsteller ihn polemisch erwähnte. 1594 trat er den Lord Chamberlain’s Men bei, wurde Anteilseigner und wirkte zugleich als Schauspieler. Mit festeingespieltem Ensemble, tragfähigen Rollenfächern und einem wachsenden Stadttheater erlebte er einen raschen Aufstieg. 1599 entstand an der Themse das Globe Theatre, später kam die Indoor-Bühne Blackfriars hinzu. Frühe Stücke wie Die Irrungen, Die zwei Veroneser, Verlorene Liebesmüh sowie die Historien Richard II, Richard III und König Johann zeigen sein Gespür für versschwingende Sprache, strukturierten Witz und die Dramatisierung politischer Konflikte.
Die Komödien der 1590er Jahre festigten seinen Ruf. Ein Sommernachtstraum verbindet höfische Maskerade, mythischen Wald und Handwerkerspiel in einem vielstimmigen Reigen; Der Kaufmann von Venedig, Viel Lärm um Nichts, Wie es euch gefällt und Was ihr wollt erkunden Identität, Liebe, Freundschaft und soziale Ordnungen mit heiterer Leichtigkeit, die ernste Untertöne nicht ausschließt. Shakespeare nutzt den Wechsel von Vers und Prosa, Lied und Dialog, um unterschiedliche Register zu öffnen. Dabei setzt er auf Ensembleszenen, kluge Dienerfiguren, gewitzte Heldinnen und Erzählstrukturen, die Verirrungen zulassen und doch überraschende, oft versöhnliche Lösungen vorbereiten.
Um 1600 wendete er sich verstärkt der Tragödie zu. Hamlet erneuert die Bühne des Denkens und der Selbstbefragung; Othello zeigt zerstörerische Eifersucht und Manipulation; König Lear entfaltet eine radikal existenzielle Familien- und Staatskatastrophe; Macbeth verbindet innere Schuld mit politischem Umsturz. Diese Stücke demonstrieren meisterhaftes Blankversspiel, kraftvolle Bilder und psychologische Tiefenschärfe. Sie fanden früh Anklang und prägten die Tragödienkonzeption in Europa dauerhaft. Julius Cäsar bildet eine Brücke zu den römischen Stoffen, indem es politische Rhetorik, Volksstimmung und Loyalität in ein spannungsvolles Handlungsgefüge bringt.
Neben den Tragödien erweiterte Shakespeare sein Spektrum um sogenannte Problemstücke und römische Dramen. Maß für Maß und Ende gut, alles gut loten Gnade, Recht und »gerechte« Mittel aus, ohne einfache Antworten zu geben. Troilus und Cressida verknüpft Liebes- und Heldenepik mit scharfem Skeptizismus. Antonius und Kleopatra sowie Coriolanus zeichnen römische Geschichte als Bühne persönlicher Ehre, Staatsräson und öffentlicher Darstellung. Quellenkundliche Präzision verbindet sich mit dramaturgischer Freiheit; zentrale Fragen nach Macht, Loyalität und Wahrhaftigkeit erscheinen in Figuren, deren Motive zugleich nachvollziehbar und widersprüchlich bleiben.
Als Dichter erreichte Shakespeare früh Ruhm mit Erzählgedichten, die während der pestbedingten Theaterschließungen 1593/94 erschienen. Venus and Adonis (1593) und The Rape of Lucrece (1594) zeigen stilistische Virtuosität und gelehrte Anspielungen; sie tragen Widmungen an Henry Wriothesley, Earl of Southampton. 1609 erschienen die Sonette, die in kunstvoller Abfolge Themen wie Zeit, Vergänglichkeit, Begehren und Dichtung reflektieren. Ihre kunstvollen Metaphern und formale Strenge beeinflussten die englische Lyrik nachhaltig. Zugleich blieb Shakespeare ein Mann der Bühne: seine Gedichte stehen nicht neben, sondern nebenwirkend in seinem dramatischen Schaffen.
Über persönliche Glaubensüberzeugungen oder politische Stellungnahmen Shakespeares sind keine unmittelbaren Zeugnisse überliefert. Dennoch verhandeln seine Stücke zentrale Fragen des Gemeinwesens – Recht und Gnade, Autorität und Gewissen, Eigentum und Gemeinschaft. Der Kaufmann von Venedig und Maß für Maß prüfen die Grenzen des Gesetzes und die Kraft der Barmherzigkeit; König Lear zeigt den Preis harter Herrschaft und die Not der Stimmlosen; Julius Cäsar beobachtet, wie Rhetorik Entscheidungen lenkt. Diese Dramen argumentieren nicht programmatisch, sondern öffnen komplexe, mehrstimmige Räume. Dass sie für öffentliche Bühnen wie das Globe und höfische Aufführungen entstanden, schärfte ihre Sensibilität für Zensur, Publikumserwartungen und politische Resonanz.
In den späten Jahren wandte sich Shakespeare Stoffen der Versöhnung und des Staunens zu. Das Wintermärchen und Der Sturm betonen Verlust, Prüfung und wundersame Wiedergewinnung in poetisch verdichteten Bühnenwelten; Cymbeline verbindet britische Frühgeschichte mit Märchenmotiven. Mit der Nutzung der Innenbühne Blackfriars verfeinerte sich die Musik- und Beleuchtungspraxis, die Intimität von Szenen gewann. Zugleich blieb er geschäftlich umsichtig: 1597 erwarb er das Haus New Place in Stratford und investierte in lokale Einkünfte. Um 1613 scheint er sich schrittweise aus London zurückgezogen zu haben. Im selben Jahr brannte das Globe bei einer Aufführung; es wurde kurz darauf wieder aufgebaut.
Shakespeare starb 1616 in Stratford; Kirchenbücher belegen seine Beisetzung in Holy Trinity Church am 25. April. Sein Testament ordnete Besitz und Unterhalt der Familie. 1623 veröffentlichten seine Kollegen John Heminge und Henry Condell die First Folio, die 36 Dramen überlieferte und viele Stücke vor dem Verlust bewahrte. Von dort beginnt eine Rezeptionsgeschichte weltweiten Ausmaßes: Übersetzungen, darunter die prägenden Übertragungen von Schlegel und Tieck im deutschsprachigen Raum, machten seine Sprache international verfügbar. Textkritik und Theaterpraxis arbeiten seither an Varianten zwischen Quartos und Folio. Auf Bühnen, in Schulen und Medien bleibt sein Werk lebendig und produktiv umstritten.
(german)
Inhalt
PERSONEN
ERSTER KT
ERSTE SZENE
ZWEITE SZENE
DRITTE SZENE
VIERTE SZENE
FÜNFTE SZENE
SECHSTE SZENE
SIEBENTE SZENE
ZWEITER AKT
ERSTE SZENE
ZWEITE SZENE
DRITTE SZENE
VIERTE SZENE
DRITTER AKT
ERSTE SZENE
ZWEITE SZENE
DRITTE SZENE
VIERTE SZENE
FÜNFTE SZENE
SECHSTE SZENE
VIERTER AKT
ERSTE SZENE
ZWEITE SZENE
DRITTE SZENE
FÜNFTER AKT
ERSTE SZENE
ZWEITE SZENE
DRITTE SZENE
VIERTE SZENE
FÜNFTE SZENE
SECHSTE SZENE
SIEBENTE SZENE
ACHTE SZENE
DUNCAN, König von Schottland
MALCOLM seine Söhne
DONALBAIN seine Söhne
MACBETHAnführer des königlichen Heeres
BANQUO Anführer des königlichen Heeres
MACDUFF schottische Edelleute
LENOX schottische Edelleute
ROSSE schottische Edelleute
MENTETH schottische Edelleute
ANGUS schottische Edelleute
CATHNESS schottische Edelleute
FLEANCE, Banquos Sohn
SIWARD, Graf von Northumberland, Führer der englischen Truppen
Der JUNGE SIWARD, sein Sohn
SEYTON, ein Offizier in Macbeths Gefolge
Macduffs kleiner SOHN
Ein englischer ARZT
Ein schottischer ARZT
Ein KRIEGER
Ein PFÖRTNER
Ein ALTER MANN
[Ein LORD
Drei MÖRDER
Verschiedene DIENER und BOTEN ]
LADY MACBETH
LADY MACDUFF
KAMMERFRAU der Lady Macbeth
HEKATE und drei HEXEN
Lords [und Ladies ], Edelleute, Anführer und Soldaten, Mörder, Gefolge und Boten.
BANQUOS GEIST und andere ERSCHEINUNGEN
Szene: Schottland , hauptsächlich in Macbeths Schloß. Zu Ende des vierten Aktes: England
Ein freier Platz, Donner und Blitz
Drei Hexen treten auf.
ERSTE HEXEWann treffen wir drei uns das nächstemalBei Regen, Donner, Wetterstrahl?
ZWEITE HEXEWenn der Wirrwarr ist zerronnen,Schlacht verloren und gewonnen.
DRITTE HEXENoch vor Untergang der Sonnen.
ERSTE HEXEWo der Ort
ZWEITE HEXEDie Heide dort!
DRITTE HEXEDa zu treffen Macbeth. Fort!
ERSTE HEXEIch komme, Graupelz.
ALLEKröte ruft; – sogleich!Schön ist wüst, und wüst ist schön.Wirbelt durch Nebel und Wolkenhöhn!Sie verschwinden.
[Freies Feld ] Ein Lager bei Fores
Kriegsgeschrei hinter der Bühne. Es treten auf der König Duncan, Malcolm, Donalbain, Lenox, Gefolge; ein blutender Krieger kommt ihnen entgegen.
DUNCAN Wer ist der blutige Mann? Er kann berichten, Nach seinem Ansehn scheints, den neusten Stand Des Aufruhrs.
MALCOLM Dies ist ja der Kämpfer, Der mich als kecker, mutiger Soldat Aus meinen Feinden hieb. – Heil, tapfrer Freund! Dem König gib Bericht vom Handgemenge, Wie du's verließest.
KRIEGER Es stand zweifelhaft; So wie zwei Schwimmer ringend sich umklammern, Erdrückend ihre Kunst. Der grause Macdonwald – Wert ein Rebell zu sein; ihn so zu stempeln, Umschwärmen, stets sich mehrend, der Natur Bosheiten ihn – ward aus den Westeilanden Von Kernen unterstützt und Galloglassen; Fortuna, scheußlichem Gemetzel lächelnd, Schien des Rebellen Hure; doch umsonst, Denn Held Macbeth – wohl ziemt ihm dieser Name –, Das Glück verachtend mit geschwungnem Stahl, Der heiß von seiner blutigen Arbeit dampfte, Er, wie des Krieges Liebling, haut sich Bahn, Bis er dem Schurken gegenüber steht, Und nicht eh schied noch sagt' er Lebewohl, Bis er vom Nabel auf zum Kinn ihn schlitzte Und seinen Kopf gepflanzt auf unsre Zinnen.
DUNCAN O tapfrer Vetter! Würdger Edelmann!
KRIEGER Wie dorther, wo der Sonne Lauf beginnt, Wohl schiffzertrümmernd Sturm und Wetter losbricht, So schwillt aus jenem Quell, der Trost verhieß, Trostlosigkeit. Merk, Schottlands König, merk: Kaum schlug Gerechtigkeit, mit Mut gestählt, In schmähliche Flucht die leichtgefüßten Kernen, Als Norwegs Fürst, den Vorteil auserspähend, Mit noch unblutiger Wehr und frischen Truppen Von neuem uns bestürmt.
DUNCAN Entmutigte Das unsre Feldherrn nicht, Macbeth und Banquo?
KRIEGER Jawohl: wie Spatzen Adler, Hasen Löwen. Gradaus gesagt, muß ich von ihnen melden, Sie waren wie Kanonen, überladen Mit doppeltem Gekrach; so stürzten sie, Die Doppelstreiche doppelnd, auf den Feind. Ob sie in heißem Blute baden wollten, Ob auferbaun ein zweites Golgatha, Ich weiß es nicht. Doch ich bin matt, die Wunden schrein nach Hülfe.
DUNCAN Wie deine Worte zieren dich die Wunden; Und Ehre strömt aus beiden. – Schafft ihm Ärzte!Der Krieger wird fortgeführt. [Rosse tritt auf. ] Wer nahet hier?
MALCOLM Der würdge Than von Rosse.
LENOX Welch Eilen deutet uns sein Blick! So müßte Der blicken, der von Wundern melden will.Rosse tritt auf.
ROSSE Gott schütz den König!
DUNCAN Von wannen, edler Than?
ROSSE Von Fife, mein König, Wo Norwegs Banner schlägt die Luft und fächelt Kalt unser Volk. Norwegen selbst, mit fürchterlichen Scharen, Verstärkt durch den abtrünnigen Verräter, Den Than von Cawdor, begann den grausen Kampf, Bis ihm Bellonas Bräutigam, kampfgefeit, Entgegenstürmt mit gleicher Überkraft, Schwert gegen Schwert, Arm gegen drohnden Arm, Und beugt den wilden Trotz: mit einem Wort, Der Sieg blieb unser –
DUNCAN Großes Glück!
ROSSE – so daß Nun Sweno, Norwegs König, Frieden fleht; Doch wir gestatteten ihm nicht Begräbnis Der Seinen, bis er auf Sankt Columban Zehntausend Taler in den Schatz gezahlt.
DUNCAN Nicht frevle länger dieser Than von Cawdor An unsrer Krone Heil. – Port, künde Tod ihm an; Mit seiner Würde grüße Macbeth dann.
ROSSE Ich eile, Herr, von hinnen.
