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"Kaum eine Frage hören Eltern so oft wie diese: "Was machen wir heute?" Darauf immer eine gute, spannende Antwort parat zu haben, fällt vielen nicht leicht – vor allem, wenn alle Gesellschaftsspiele ausgespielt, die StreamingDienste leer geschaut und gerade keine KitaFreund*innen greifbar sind. Für sein neues Buch hat sich der Autor Birk Grüling, der diese Frage als Papa selbst schon Dutzende Male gehört hat, auf die Suche nach großartigen, überraschenden Antworten gemacht – und Familienprojekte gesammelt, die das beste Rezept gegen Langeweile sind. Draußen wie drinnen, bei Sonnenschein und an Regentagen, im Sommer wie im Winter. Für jede Jahreszeit gibt es 25 Tipps, die gespickt mit Anekdoten bekannter Väter und Mütter und randvoll mit Inspirationen sind. So erzählt das Buch von kleinen Abenteuern, gescheiterten Ideen und gemeinsamer Zeit mit unseren Kindern, abseits des oft viel zu trubeligen Alltags. Dabei hat jede einzelne der vorgeschlagenen WochenendAktivitäten das Potenzial, ein unvergessliches Erlebnis zu werden: Sowohl die Minis als auch die Großen werden noch jahrelang daran zurückdenken, mit gutem Gefühl und tollen Geschichten. Versprochen!"
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Seitenzahl: 184
Veröffentlichungsjahr: 2022
IMPRESSUM
© 2022
JUNIOR MEDIEN GMBH & CO. KGWilly-Brandt-Straße 51, 20457 HamburgTel. 040/357 29 19-0 , Fax 040/357 29 19-29
IDEE, KONZEPT & TEXT: Birk GrülingPROJEKTKOORDINATION UND LEKTORAT: Nina Schnackenbeck
ART-DIREKTION: Anja Jung
BILDNACHWEISE: Getty images: A-Digit, Aleksei MorozovAmina Design, sv_sunnyAlexander Timoshin, Arkadivna, Anastasia Raikh, Andrea_Hill, Aluna1, Arkadivna, angelinast, Anastasija Gashcovaaqua_marinka, beastfromeast, Bubushonok, Cheremuha, cat_arch_angel, cako74, Christian Horz, ChrisGorgio, concept art, dartlab, Easy_Company, ElenaLux, Elysart, eyewave, Epine_art, fleaz, Frank Ramspott, Funnybank, fumiko Inoue, Goose_Frol, godfather744431, Handini_Atmodiwiryo, Hugo_Laclasse, Irina Gavrashenkoinsemar, isati, Ihor Potysiev, Insh1na, Irina Samoylova, Igor Zakowski, Irina Gavrashenko, Isaxa, JungleOutThere, Juli_julia, Kilroy79, kameshkova, kasiman kasiman, kittystitch, kid-a, LokFung, Maljuk, Marina Parfenova, Magnilion, Mateusz Atroszko, MaxNadya, MashaStarus, Natalia Makarova, Marie Sato, Aleksandra Matafonova MaxNadya, Nastasic, Natalya Blashchinskaya, n_chetkova, Olleon, Olga Rakovets, Oksana_Telesheva, ourlifelooklikeballoon, Polina Tomtosova, pijama61, Popmarleo, Randmaart, Ratsanai, Roman1979, rakushka13sell, saemilee, sabelskaya, seamartini, Svetlana Striukova, rudall30, SpicyTruffelm, sv_sunny, shorenated, Stefan_Alfonso, setory, stockakia, Svetlana Shamshurina, Taras Dubov, taichi_k, Tatiana54, kanate, Terriana, Tatiana Kuklina, Tatiana Garnushka, Tribalium, Teploleta 2, the8monkey, TheToonPlanet, Ustyuzhantseva, uliia Konovaliuk, Val_Iva, Vladyslava Stryhul, Viktoria_Yams, Volodymyr Kryshtal, vector illustration, VectOrOvich, Zweid, Igor Zakowski
ePub-Konvertierung: Datagrafix GmbH Berlin
Alle Rechte vorbehalten. All rights reserved. Das Werk darf – auch teilweise – nur mit Genehmigung des Verlages wiedergegeben werden.
e-ISBN: 978-3-9822992-7-3
leben-und-erziehen.de
Das Buch widme ich Jori und Kathrin, die sehr viele Beschäftigungsideen mit mir testen mussten.
Einleitung
Interview mit Susanne
FRÜHLING
01Schatzsuche mit Metalldetektor
02Fußball gucken
03Bis zur Endstation
04Bestimmertag
05Rumschleimen
06GASTBEITRAG von Andreas Seltmann:Die Maus geht aus dem Haus
07Mit Kindern rappen
08Gemeinsam Musik erleben
09Saatbomben werfen
10Bach erkunden
11Rindenboot zu Wasser lassen
12Memo-Spiel in der Natur
13GASTBEITRAG von Kai Bösel:Geocaching
14Schnitzen mit Kindern
15Zitronen-bäumchen auf der Fensterbank
16Blumen pressen
17Insekten-freundlicher Garten oder Balkon
18Eine Matschküche selbst bauen
19Fahrrad fahren lernen
20Escape-Room-Rätsel für Kinder
21Brieffreund-schaft mit Seniorinnen
22GASTBEITRAG von Claudia Weingärtner:Die Spielzeug-Tausch-Seilbahn
23Wilde Kräuter und andere Leckereien essen
24Fotoalbum des Jahres erstellen
25GASTBEITRAG von Benjamin Wockenfuß:Microadventures
SOMMER
26Gratiskonzerte auf der Straße
27Mundharmonika basteln
28Stockbrot machen
29Mit Apps im Wald
30Bogen bauen wie Robin Hood
31GASTBEITRAG von Jana und Patrick Heck:Draußen schlafen
32Lagerfeuer-Romantik
33Tretboot fahren
34Zitronenlimo selbst machen
35Eis selbst machen
36Dino-Eier herstellen
37GASTBEITRAG von Heiner Fischer:Steine bemalen
38Schnitzeljagd
39Wasser-Witze
40Kreidebilder malen
41Kinder tätowieren
42Graffitis entdecken
43Dosentelefon
44Sandvulkan
45GASTBEITRAG von Andrea Leim:Fingerfarben-Massaker
46Im Tierheim helfen
47Auf die Räder, fertig, los!
48Zeitkapsel vergraben
49Riesige Seifenblasen
50GASTBEITRAG von Marco Krahl:Das größte Lego-Modell bauen oder Nach den Sternen greifen
HERBST
51In die Sterne schauen
52Genauer in die Sterne schauen
53Freundschaftsbuch für die Kuscheltiere
54Fossilien suchen
55GASTBEITRAG von Inke Hummel:Geschichten erfinden und Mönkeln gehen
56Mit Kindern kochen
57Auf den Markt gehen
58Mit Essen spielt man: mit und ohne Hände (Teil 1)
59Mit Essen spielt man: Dinner in the Dark (Teil 2)
60Mit Essen spielt man: Essen wie die Ritter (Teil 3)
61Kulinarisch um die Welt reisen
62Picknick zu Hause
63Mundraub
64Fremde Sprachen entdecken
65Müll sammeln
66Themenwoche im Kinderzimmer
67GASTBEITRAG von Marius Wagener:Wald bei Tag und Nacht
68Tierspuren aus Gips
69Drachen steigen lassen
70Parcours zu Hause
71Ein eigenes Ende ausdenken
72Ein eigenes Kinderbuch kreieren
73Roboter sein
74GASTBEITRAG von Tanja Mairhofer:Yoga mit Kindern
75Mit Zaubertinte schreiben
WINTER
76Ab ins Museum!
77Digitaler Museumsbesuch
78GASTBEITRAG von Andrea Zschocher:101 Geschichten in der Bücherei entdecken
79Citizen Science
80Gesellschaftsspiele
81Miteinander PUzzeln
82Spielzeugtausch
83GASTBEITRAG von Silke Schröckert:Stop-Motion-Clips drehen
84Podcast aufnehmen
85Kleberei und Geschnipsel
86Klorollen-Kugelbahn
87Malt die Welt an
88Karton-Kreationen
89Mit Salzteig backen
90Magischen Sand zaubern
91Knete selbst gemacht
92Meisenknödel selbst machen
93Wichtel umwerben
94Adventskalender für Wildtiere
95Gegenteiltag
96Maßlosigkeitstag
97Filmnachmittag wie im Kino
98Briefe an den Weihnachtsmann
99Weihnachtsmarkt zu Hause
100Einen Schneemann bauen
DANKE
Dieses Buch soll ein erbauliches sein, Spaß machen, lustig sein. Doch ich möchte es mit nachdenklichen Zeilen beginnen. In ihrem Buch „Fünf Dinge, die Sterbende am meisten bereuen“ beschreibt die Krankenschwester Bronnie Ware Gespräche mit Menschen kurz vor ihrem Tod. Fast alle Väter bereuen, dass sie zu viel gearbeitet haben und zu wenig Zeit mit der Familie hatten. Das Tragische: All das Bereuen ist umsonst, egal ob auf dem Totenbett oder wenn der Nachwuchs gerade ausgezogen ist. Die Zeit mit Kindern lässt sich nicht zurückdrehen oder irgendwie zurückgewinnen. Verpasst ist verpasst, vergangen ist vergangen. Umso wichtiger ist es, dass wir die gemeinsame Zeit genießen und erleben.
Für mich persönlich gab es da einen Augenöffner-Moment, rund vier Monate vor der Geburt meines Sohnes. Es war ein schwüler Abend im Juli, am nächsten Morgen sollte mein Vater am Herzen operiert werden – ein schwerer Eingriff mit neun Bypässen. Wir saßen auf einer Parkbank vor dem Krankenhaus, einem ziemlich tristen Betonklotz. Mein Vater wirkte gebrechlicher und älter als sonst. Seine Schultern hingen müde herab, der weiße Bart war struppig. Wir sprachen über das Vaterwerden, seine Vorfreude auf den Enkel und den Tod. Zum Abschied fragte ich ihn, ob er Angst vor der schweren Operation und dem Tod hätte. Seine Antwort: „Warum sollte ich? Ich hatte ein tolles Leben. Ich habe viel erlebt und dich aufwachsen sehen. Vatersein war die wichtigste Erfahrung in meinem Leben.“ Ich hatte sofort einen Kloß im Hals. Zum Abschied erinnerte ich ihn noch an seine Verantwortung als werdender Opa. Zwei Tage später weckte mich das Handy. Fünf Uhr am Morgen, es war bereits der dritte Anruf meiner Mutter. Ich wusste sofort, was passiert war.
Seinen Enkel lernte mein Vater nie kennen. An seine letzten Worte erinnere ich mich bis heute gerne, immerhin waren sie eine wichtige Inspiration für meine eigene Vaterschaft. Denn spätestens ab diesem Zeitpunkt war mir klar, dass ich nie bereuen will, zu wenig Zeit mit meinem Sohn verbracht zu haben, für mein eigenes Gewissen und für meinen eigenen Sohn.
Versteht mich nicht falsch. Ich möchte nicht nur Spaß-Dad sein. Gemeinsame Zeit besteht aus mehr als nur aus Abenteuern. Tatsächlich bedeutet der Alltag mit Kindern in erster Linie Windelwechseln, Essen kochen, beim Anziehen helfen, ins Bett bringen, später bei den Hausaufgaben helfen, warten und viel Geduld. Elterliche Pflichten eben. Und dann gibt es die Kür, das Sahnehäubchen der Elternschaft: besondere Erlebnisse, Projekte oder Quality Time, wie ihr es auch nennen mögt. Momente, die nicht nur im Augenblick schön sind, sondern an die wir uns noch lange erinnern werden. Genau zu denen möchte ich euch in diesem Buch inspirieren – mit Ideen für drinnen und draußen, für Schietwetter und Sonnenschein, umsetzbar ohne Unkosten oder lange Vorbereitungen, ohne Anspruch auf Perfektion oder Instagramtauglichkeit, dafür aber mit viel Herz und gemeinsamer Zeit.
Diese Frage habe ich Susanne Mierau gestellt. Sie ist Kleinkindpädagogin, Elternberaterin und Bestsellerautorin.
Bevor wir über den Spaß sprechen, bleiben wir erst mal im Alltag. Wie wichtig sind wir Eltern als konstante Ansprechpartner/innen für unsere Kinder, als verlässliche Personen, die Windeln wechseln, beim Anziehen oder bei den Hausaufgaben helfen und trösten?
Susanne: Für Kinder sind verlässliche Bezugspersonen immens wichtig. Bei ihnen können sie sich sicher sein, dass ihre Bedürfnisse gesehen werden, egal ob es nun um Zuneigung, Hunger oder Müdigkeit geht. Neben dem „reinen“ Erfüllen von Bedürfnissen, geht es dabei auch um ein Gefühl von Gesehen- und Akzeptiert-Werden. Werden meine Bedürfnisse wahr- und ernstgenommen, bedeutet das auch, dass ich als Mensch wertvoll und geliebt bin. Und das ist eine ganz wichtige Grundlage für die kindliche Entwicklung.
Und welche Rolle spielen Abenteuer und besondere Erlebnisse als Familie?
Susanne: Etwas gemeinsam zu erleben ist wichtig für unsere Bindung. Es führt zu einer Ausschüttung von Glückshormonen und einem Gefühl der Verbundenheit. Ich würde allerdings Alltag und Abenteuer gar nicht so stark voneinander trennen. Das Erleben von Gemeinschaft passiert auch bei vermeintlich kleinen Dingen, wie Kochen, Tischdecken oder Spielen am Nachmittag. Dazu kommt das positive Gefühl der Selbstwirksamkeit im Team, wenn man etwas gemeinsam schafft.
Was braucht es aus deiner Sicht für einen schönes, verbindendes Erlebnis?
Susanne: Ein schönes Erlebnis muss nicht teuer sein oder in weiter Ferne liegen. Die schönsten Abenteuer finden wir oft direkt vor der Haustür oder sogar im Kinderzimmer statt. Die beste Inspiration dabei ist der Blick auf unsere Kinder. Was macht ihnen viel Spaß und was passt zu ihnen? Für das eine Kind ist ein wilder Tag im Wald und das Balancieren auf Baumstämme das tollste Abenteuer. Ein anderes wünscht sich einfach einen gemeinsamen Vormittag im Bett mit Non-Stop-Vorlesen oder besonders vielen Hörbüchern.
Wir Eltern machen uns ohnehin viel zu viel Gedanken um Planung und Gestaltung. Wie viel Freiheit sollten wir unseren Kindern dabei lassen?
Susanne: Wir können uns ruhig von unseren Kindern leiten lassen. Das beste Beispiel dafür ist der Wald, dort brauchen die Kinder eigentlich kein Programm. Sie finden selbst schnell ihre Spiele, egal ob sie über Baumstämme toben, sich verstecken oder kleine Schätze vom Waldboden aufsammeln. Nur eins nehme ich immer mit, und zwar Essen und Trinken. Auch beim Basteln und Co. dürfen wir Eltern unseren Kindern gern möglichst viele Freiheiten lassen und uns selbst mal mitreißen lassen.
Am schönsten sind Erlebnisse, wenn alle ihren Spaß haben. Wie egoistisch dürfen wir bei der Auswahl der Familienaktivitäten sein?
Susanne: Wir dürfen auf jeden Fall egoistisch sein. Wenn jemand zu etwas gezwungen wird, was er eigentlich gar nicht mag, führt das am Ende nur zu Frust. Ich bastele zum Beispiel deutlich lieber als mein Mann. Er ist dafür begeisterter Brettspieler. Das wissen auch meine Kinder. Wenn sie spielen wollen, warten sie eben auf die Papa-Zeit. So hat niemand das Gefühl, sich überwinden zu müssen und entsprechend unmotiviert bei der Sache zu sein. Wenn ich dagegen viel Freude an der gemeinsamen Aktivität haben, dann ist das auch gut für mich und mein Wohlbefinden.
Mama hat immer mit mir gebastelt, Papa war eine große Hilfe bei den Hausaufgaben. Solche Erinnerungen sind eine Art Grundrauschen. Doch dann gibt es Erlebnisse, an die man sich noch Jahre später erinnert und sofort ein wohliges Gefühl in der Brust bekommt. Woran liegt das?
Susanne: Eine wichtige Rolle spielt dabei die Hormonausschüttungen in solchen Momenten. Wenn ich etwas als besonders schön wahrnehme, werden eben besonders viele Glückshormone ausgeschüttet, und dieses Erlebnis „brennt“ sich in die Erinnerung ein. Wenn wir an diese Momente denken, empfinden wir deshalb sofort wieder Glücksgefühle. Was aber als glücklicher Tag wahrgenommen wird, ist sehr unterschiedlich. Der Grund kann ein Besuch bei der Oma sein, aber auch ein Geschenk oder ein Urlaub.
Wir haben jetzt viel über Glückshormone gesprochen. Machen Familienunternehmungen auch uns Eltern glücklich?
Susanne: Absolut, positive Interaktion ist sehr wichtig für eine Familie und damit auch für uns Eltern. Körperkontakt beim Kuscheln, miteinander reden, ein liebevoller Umgang miteinander, positiven Erlebnisse – all das schüttet Oxytocin in uns aus und stärkt unsere Bindung als Familie. Dieses Gefühl von Akzeptanz und Geborgenheit zahlt auch auf unsere Beziehung innerhalb der Familie ein. Wir spüren, dass wir uns aufeinander verlassen können, dass wir gut mit den Kindern umgehen und Spaß zusammen haben können.
Verrätst du uns noch deine Lieblingsaktivität mit der Familie?
Susanne: Wir gehen am liebsten in den Wald und machen dort ein Picknick. Das funktioniert an Tagen, wenn das Wetter toll ist und alle glücklich sind, und das funktioniert an Tagen, an denen alle genervt voneinander sind. Die Kinder können dort rumrennen und dürfen toben und laut sein. Auch uns Eltern tun der Wald und die Natur einfach gut. Außerdem erlebt man hier tolle Abenteuer. Unlängst haben wir sogar einen Wolf gesehen.
SUSANNE MIERAUist Kleinkindpädagogin und Familienbegleiterin. Sie arbeitete an der FU Berlin in Forschung und Lehre, bevor sie sich 2011 im Bereich der bedürfnisorientierten Elternberatung selbstständig machte. Susanne Mierau bloggt auf geborgen-wachsen.de, gibt Workshops für Eltern und Fachpersonal und spricht auf Konferenzen und Tagungen über Elternberatung und kindliche Entwicklung. Sie ist Mutter von drei Kindern und zog 2020 mit ihrer Familie von Berlin in ein kleines Dorf in Brandenburg.
ALTER: ab 4 Jahre WO: auf dem Spielplatz oder am Strand
KOSTEN: ca. 20 Euro für einen einfachen Metalldetektor
Unsere Kinder werden echt schnell groß, und ein bisschen Wehmut schwingt beim Gedanken an Babytage immer mit. Doch das Älterwerden hat auch große Vorteile, zum Beispiel kann man mit größeren Kindern mehr Abenteuer erleben – in der Fantasie und ein bisschen auch im echten Leben. Mit meinem Sohn lese und höre ich am liebsten Geschichten über versunkene Piratenschätze und mutige Entdeckerinnen, ermittle mit den „Drei ???“ und verbringe regnerische Nachmittage mit den „Fünf Freunden“. Natürlich versuchen wir auch selbst, Abenteuer zu erleben. Leider gibt es in unserer Reihenhaussiedlung deutlich weniger Kriminalfälle zu lösen als in Rocky Beach, auch Dinoskelette oder einen Topf voll Gold sucht man vergeblich. Also müssen wir kreativ werden.
Nach kurzer Google-Recherche stieß ich vor Kurzem auf moderne Schatzsucher, die per Metalldetektor wahlweise nach Münzen, Schwertern oder Metallschrott suchen, im Boden oder im Wasser. Kurzentschlossen bestellte ich im Internet eine handliche und kostengünstige Ausgabe für die Jackentasche. Es gibt auch größere und bessere Varianten, manche sogar speziell für Kinder. Die Funktionsweise ist immer gleich, man führt den Detektor über den Boden, stößt er auf Metall, beginnt er laut zu piepen. Dann heißt es Schaufel raus und graben. Ein toller Anlaufpunkt dafür sind Spielplätze, außerhalb der Stoßzeiten. Im Sandkasten findet man oft wahre Schätze. Wir haben zum Beispiel ein paar alte Spielzeugautos entdeckt, nach nur einer Dreiviertelstunde auf den Knien und drei Schaukelpausen. Am Hamburger Elbstrand haben wir auch schon gesucht. Im Internet gab es dazu tolle Berichte über Münzen im Sand oder Schrott von Schiffen. So erfolgreich waren wir nicht. Unsere Ausbeute: zwei rostige Nägel, ein Stück Anker, ein müdes Kind und ein ziemlich dreckiger Hund. Die Enttäuschung über fehlende Piratenschätze hält sich bei meinem Sohn dennoch in Grenzen. Das gemeinsame Buddeln von Vater und Sohn (und Hund) im Sand ist offenbar wichtiger als jeder Grabungserfolg. Der Metalldetektor ist deshalb fester Bestandteil unserer Outdoorausrüstung. Mit der Suche lassen sich wunderbar Touren an den Strand oder in die Feldmark aufpeppen und zusätzliche kleine Highlights schaffen.
ACHTUNG
Das sogenannte Sondeln, also die Suche mit dem Metalldetektor, ist nicht überall erlaubt. Zum Beispiel darf man nicht in Wäldern suchen und graben, Gleiches gilt auch für Privatgrundstücke. In manchen Bundesländern wie zum Beispiel Schleswig-Holstein ist das Sondeln auch am Strand verboten. Und bei der Absicht, echte archäologische Funde zu machen, bedarf es einer offiziellen Erlaubnis samt Kurs. Bitte informiert euch vorher unbedingt beim Amt für Denkmalpflege über die Bestimmungen in eurem Bundesland.
ALTER: ab 4 Jahre WO: beim örtlichen Fußballverein
KOSTEN: ein paar Euro für die Vereinskasse und eine Bratwurst
Als Kind war ich ein riesiger Fußballfan, zweimal pro Woche verschlang ich den „Kicker“, versuchte jedes Spiel im Fernsehen zu sehen. Kamen Bundesligisten in der Saisonvorbereitung ins niedersächsische Niemandsland, standen mein Vater und ich am Spielfeldrand und schauten zu. Auch ins Stadion fuhren wir ab und zu. Das letzte Mal im Stadion war ich noch kinderlos beim FC St. Pauli, dennoch: Familientribüne, mit Sitzplätzen. Dort waren viele Väter mit ihren Kindern. Die entspannte Atmosphäre gefiel mir so gut, dass ich beschloss, irgendwann mit meinem eigenen Nachwuchs herzukommen. Inzwischen ist mein Sohn selbst Bambini-Kicker beim örtlichen Sportverein, und wir fiebern dem gemeinsamen Stadionbesuch entgegen.
Einen kleinen Testlauf gab es schon, und zwar ein Spiel des örtlichen Fußballvereins, 2. Herren, irgendwo in den Niederungen der Kreisliga. Eintritt kostet das Erlebnis nicht, ein paar Euro für die Vereinskasse sind gern gesehen. Der ehrenamtliche Platzwart steht im Jogginganzug am Grill, im Vereinsheim kann man Bier und Limo kaufen. Viel ist an diesem Samstagnachmittag nicht los. Ein paar ältere Herren wurden von ihren Frauen zum Luftschnappen vor die Tür geschickt und stehen nun fachsimpelnd am Spielfeldrand. Auch C-Jugend-Spieler tummeln sich schon auf dem Vereinsgelände, sie spielen gleich danach. Die Atmosphäre hier ist natürlich nicht mit der bei einem Stadionbesuch zu vergleichen, es gibt keine Fangesänge, kein Kribbeln in der Luft vor dem Anpfiff. Aber es ist ein Anfang. Niveau-Unterschiede zwischen Profi- und Amateurfußball in Sachen Ballbehandlung und Schnelligkeit fallen einem Fünfjährigen noch nicht auf. Außerdem müssen wir nicht anderthalb Stunden vor Anpfiff vor Ort sein. Statt mit dem Auto reisen wir bequem und klimafreundlich mit dem Fahrrad an. Und verliert der Nachwuchs doch schneller als erwartet das Interesse, macht man sich ohne schlechtes Gewissen angesichts hoher Eintrittspreise auf den Heimweg.
EIN PAAR TIPPS FÜR DEN STADIONBESUCH
Ab in den Familienblock: Inzwischen haben alle Stadien der 1. und 2. Bundesliga Familienblocks. Mit Sitzplätzen, rauchfrei und weit genug weg von den „Hardcorefans“. So hat man genug Ruhe, um mit den Kindern das Geschehen auf dem Rasen zu verfolgen.
Entspannte An- und Abreise: Die Busse, Bahnen und Straßen rund um das Stadion sind vor und nach dem Anpfiff ziemlich voll, das sollte man unbedingt berücksichtigen.
Micky Mäuse: Im Stadion kann es ziemlich laut werden. Deshalb sollten Kindern ruhig Gehörschutz – sogenannte Micky Mäuse – tragen. Die Geräusche werden damit nur gedämpft, die Atmosphäre mit Jubel und Fangesängen bleibt also erhalten.
Während des Spiels: Ich schreibe es vorsichtshalber noch mal dazu: Das Interesse des Kindes steht im Vordergrund. Egal wie spannend es ist, muss das Kind aufs Klo, steht man auf und begleitet es zur Toilette. Egal wie spannend es ist, der Weg zum Brezelverkäufer hat bei Hunger Vorrang. Und wenn das Kind sich langweilt, ist es auch völlig in Ordnung, früher den Heimweg anzutreten. So bleibt das Erlebnis „Stadion“ bei den Kleinen in guter Erinnerung und hat das Potenzial für eine richtig schöne Eltern-Kind-Zeit, die gern wiederholt oder gar zur Tradition wird.
ALTER: ab 3 Jahre WO: in Bus und Bahn KOSTEN: Fahrkarte(n)
Ich wuchs in einem kleinen Dorf auf. Hier kannte man jede Kuh und ihren Besitzer mit Namen. Bushaltestellen gab es nur zwei Stück. Als ich zum Studium nach Hannover zog, genoss ich die urbane Weite. Auf dem Weg zu meinen Nachhilfeschülerinnen und -schülern fuhr ich kreuz und quer durch die Stadt, mit Bus und S-Bahn, nicht selten bis zur Endhaltestelle. Nach getaner Arbeit genoss ich es, die unbekannten Ecken zu erkunden, Vororte mit gestutzten Hecken, bunte Viertel mit grauen Hochhäusern, Gewerbegebiete mit obskuren Autohändlern, deren Ware von furchteinflößenden Hunden bewacht wurde. Kurz, Orte, die in keinem Reiseführer stehen und auch vielen Bewohnern anderer Viertel unbekannt bleiben – selbst im überschaubaren Hannover.
Solche Ausflüge in die unbekannten Ecken eurer Stadt sind auch mit Kindern ein kostengünstiges Abenteuer. Ob ihr dabei einfach zur Bushaltestelle geht, in die nächste Linie steigt und euch überraschen lasst, oder bewusst ein unbekanntes Ziel auswählt, ist ganz euch überlassen.
Was ich euch noch mit auf den Weg geben kann: Für eure Entdeckungsreisen sollte ihr am besten einen Vormittag oder Nachmittag wählen, nicht zu heiß und nicht zu regnerisch. So bekommt ihr noch genug Leben mit, geratet aber nicht in den vollen Berufsverkehr. Vergesst bitte nicht den Proviant für die Fahrt, gerade in großen Städten dauert die Tour bis zur Endhaltestelle oft ziemlich lang. Und ja, es gibt in jeder Stadt Orte, die man mit Kindern meiden sollte, ein bisschen Vorrecherche schadet deshalb nicht. Mal abgesehen von zwielichtigen oder gar gefährlichen Ecken hat jedes Viertel seinen Reiz und hält viel Spannendes bereit – egal ob hier nun Luxusschlitten vor Jugendstilvillen stehen oder es besonders bunte Straßenzüge mit vielen Geschäften und hohen Häusern sind.
Besonders spannend sind die Linien, die sich quer durch die Stadt ziehen und auf deren Touren es an jeder Ecke etwas Neues zu sehen gibt. Das ist, als würde man durch ein Wimmelbuch fahren. In Hamburg zum Beispiel verschlug es uns, allerdings mit dem Auto, unlängst aufgrund einer Sperrung auf der Autobahn in ein auf den ersten Blick tristes Industriegebiet. Nach einigen Hundert Metern, vorbei an diversen In- und Exporthöfen mit zwielichtigem Touch, veränderte sich das Viertel, Schrebergartenkolonien tauchten auf, Imbissbuden für Motorradfahrer auf Wochenendausflug, später folgte Wasser mit Hausbooten drauf.
Spaß macht es auch, darüber nachzudenken, was all die Menschen, an denen man vorbeifährt, wohl gerade vorhaben, wohin sie eilen, welche Speisen in den Restaurants, an denen man vorbeisaust, wohl am besten schmecken und was die Geschäfte mit den interessanten Namen alles verkaufen. Gemeinsam im Bus mit Keksen auf dem Schoß lassen sich so wunderbar-verrückte Geschichten ersinnen. Wenn ihr besonders viel Zeit habt, dann steigt doch an einer Station einfach mal aus und besucht selbst ein Restaurant oder einen Spielzeugladen in dem fremden Viertel und kauft euch noch ein Andenken an die Abenteuertour.
ALTER: ab 4 Jahre WO: zu Hause
KOSTEN: Nerven und vielleicht den einen oder anderen Eintritt
Im Alltag sagen wir Eltern ziemlich oft Nein zu unseren Kindern. Manchmal völlig berechtigt, manchmal auch viel zu schnell, ohne genau über ihr Anliegen nachzudenken. Deshalb ist ein Bestimmertag, an dem die Kinder den Ton angeben dürfen, ein interessanter Perspektivwechsel.
Die Regeln sind einfach: Die Kinder dürfen an diesem Tag alles bestimmen – das Essen, die Freizeitaktivitäten, sogar den Medienkonsum und die Ins-Bett-Geh-Zeit. Am besten nehmt ihr einen Tag am Wochenende oder in den Ferien, ganz frei von Verpflichtungen. Natürlich gibt es Grenzen: Niemand darf in Gefahr geraten, Ausflugsziele sollte im nahen Umkreis liegen, auch Ausgaben über 25 Euro sind tabu. Frühstück mit Eis oder Schokolade vor dem Fernseher oder Fast Food zum Mittagessen gehen dagegen vollends in Ordnung. Gerade bei kleineren Kindern ist es sinnvoll, bei der Auswahl der Aktivitäten zu unterstützen oder die Zeit etwas zu begrenzen – vielleicht auf einen Bestimmervormittag.
Nach dem eigenen Test für dieses Buch kann ich sagen: Angst muss kein Erwachsener vor dem Tag haben. Wir kennen unsere Kinder und ihre Lieblingsaktivitäten und wissen darum ziemlich genau, was uns erwartet. Bei uns bestand der Tag zum Beispiel aus dem „Paw Patrol“-Kinofilm, viel Lego bauen, einem Abstecher in den Tierpark und der Bestellung beim Lieblingsbringdienst. Diese Tagesgestaltung fällt auch für mich unter „entspanntes Wochenende“.
ALTER: ab 2 Jahre WO: in der KücheKOSTEN: Nerven, eine saubere Küche und etwas Geld für Speisestärke
