Warum streiten Mami und Papi? - Eva-Maria Horn - E-Book

Warum streiten Mami und Papi? E-Book

Eva Maria Horn

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Beschreibung

Die Familie ist ein Hort der Liebe, Geborgenheit und Zärtlichkeit. Wir alle sehnen uns nach diesem Flucht- und Orientierungspunkt, der unsere persönliche Welt zusammenhält und schön macht. Das wichtigste Bindeglied der Familie ist Mami. In diesen herzenswarmen Romanen wird davon mit meisterhafter Einfühlung erzählt. Die Romanreihe Mami setzt einen unerschütterlichen Wert der Liebe, begeistert die Menschen und lässt sie in unruhigen Zeiten Mut und Hoffnung schöpfen. Kinderglück und Elternfreuden sind durch nichts auf der Welt zu ersetzen. Genau davon kündet Mami. Vera von Henkel musterte ihre Freundin verwundert. »So kenn ich dich gar nicht, Tina. Was ist los mit dir?« Die beiden Freundinnen saßen in dem behaglichen Wohnraum der Villa, die breiten Flügeltüren waren geöffnet, ungehindert hatte man einen Blick auf den gepflegten Garten, der einer Parklandschaft glich. Mit einer fahrigen Bewegung strich Bettina das kastanienfarbene Haar an den Ohren zurück. Sie versuchte ein Lachen, doch es fiel recht kläglich aus. »Es hat keinen Sinn, mit dir darüber zu reden, Vera. Du wirst mich nicht verstehen können.« »Dann versuch es einfach.« Vera schlug ihre wohlgeformten Beine übereinander. Sie trug ein elegantes Jackenkleid, das sie gestern in Paris gekauft hatte; das flotte Tuch, das lose um den Hals geknüpft war, die Schuhe, alles war perfekt aufeinander abgestimmt und wirkte doch so, als habe sie sich mit ihrer Garderobe keine sonderliche Mühe gegeben. »Du bist Journalistin, du bist in der ganzen Welt zu Hause, Vera. Du kommst mit den interessantesten Menschen zusammen, du erlebst immer etwas Neues, etwas Interessantes, ach, warum soll ich dein Leben schildern? Du weißt es selbst, wie wunderschön es ist.« Jetzt war Vera ernstlich beunruhigt: es war wohl doch nicht nur eine Laune, die Bettina quälte, da war etwas, das tiefer ging. »Das Leben hättest du auch führen können, meine Liebe«, erklärte Vera trocken. »Aber du hast es vorgezogen, deinen wunderbaren Nicolaus zu heiraten, eine Familie zu gründen, ein Kind in die Welt zu setzen. Als ich dir damals riet, noch eine Weile Journalistin zu sein, in dem Beruf zu arbeiten, den du studiert hast, da gabst du mir zur Antwort, daß Ehefrau und Mutter deine wahre Berufung ist. Warum machst du jetzt eine so wegwerfende Handbewegung?«

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Mami – 2020 –

Warum streiten Mami und Papi?

Carolin braucht dringend Trost

Eva-Maria Horn

Vera von Henkel musterte ihre Freundin verwundert.

»So kenn ich dich gar nicht, Tina. Was ist los mit dir?«

Die beiden Freundinnen saßen in dem behaglichen Wohnraum der Villa, die breiten Flügeltüren waren geöffnet, ungehindert hatte man einen Blick auf den gepflegten Garten, der einer Parklandschaft glich.

Mit einer fahrigen Bewegung strich Bettina das kastanienfarbene Haar an den Ohren zurück. Sie versuchte ein Lachen, doch es fiel recht kläglich aus.

»Es hat keinen Sinn, mit dir darüber zu reden, Vera. Du wirst mich nicht verstehen können.«

»Dann versuch es einfach.« Vera schlug ihre wohlgeformten Beine übereinander. Sie trug ein elegantes Jackenkleid, das sie gestern in Paris gekauft hatte; das flotte Tuch, das lose um den Hals geknüpft war, die Schuhe, alles war perfekt aufeinander abgestimmt und wirkte doch so, als habe sie sich mit ihrer Garderobe keine sonderliche Mühe gegeben.

»Du bist Journalistin, du bist in der ganzen Welt zu Hause, Vera. Du kommst mit den interessantesten Menschen zusammen, du erlebst immer etwas Neues, etwas Interessantes, ach, warum soll ich dein Leben schildern? Du weißt es selbst, wie wunderschön es ist.«

Jetzt war Vera ernstlich beunruhigt: es war wohl doch nicht nur eine Laune, die Bettina quälte, da war etwas, das tiefer ging.

»Das Leben hättest du auch führen können, meine Liebe«, erklärte Vera trocken. »Aber du hast es vorgezogen, deinen wunderbaren Nicolaus zu heiraten, eine Familie zu gründen, ein Kind in die Welt zu setzen. Als ich dir damals riet, noch eine Weile Journalistin zu sein, in dem Beruf zu arbeiten, den du studiert hast, da gabst du mir zur Antwort, daß Ehefrau und Mutter deine wahre Berufung ist. Warum machst du jetzt eine so wegwerfende Handbewegung?«

Vera ereiferte sich nur selten, sie führte selbst die schwierigsten Verhandlungen in einer Art, die nie kränkte oder Aggressionen hervorrief. Aber jetzt ereiferte sie sich hitzig.

»Was ist denn in dich gefahren, Tina? Bist du denn von allen guten Geistern verlassen? Du lebst in einem wunderschönen Haus, du hast einen Mann, der dir ein behagliches Leben bietet und dich liebt. Und du hast ein entzückendes Töchterchen.«

»Vergiß den Hund nicht.« Bettina verzog spöttisch den Mund. Sie war weder geschminkt noch war ihr Haar, das nicht nur Vera immer wieder bewundert hatte, besondes frisiert.

Sie trug Jeans und eine weite Bluse, die beinahe aussah wie ein Herrenhemd.

»Ich fühle mich so wohl in diesem Haus.« Veras Stimme war sehr leise geworden. Die schönen braunen Augen schimmerten feucht. »Mein wirkliches Zuhause ist hier. Hier bei euch. Wenn ich manchmal ausgelaugt und müde bin und alles satt habe, dann bin ich in Gedanken hier, hier bei euch. Ich höre dein Lachen, ich spiele mit Carolin, ich tolle mit dem Hund durch den Garten, und am Abend sitzen wir alle in diesem Zimmer oder auf der Terrasse und unterhalten uns. Man kann sich mit deinem Mann wunderbar austauschen.«

»Wenn er zufällig zu Hause ist.« Bettina verzog böse den Mund. Eine steile Falte erschien über dem Nasenrücken.

Sie sprang auf und streifte die Sandalen von den Füßen. Die Schuhe waren sicherlich bequem, aber früher hatte Bettina elegantere getragen. Mit großen Schritten wanderte Bettina durchs Zimmer, die Teppiche verschluckten das Geräusch.

Vera musterte sie aus ängstlichen Augen. Bettina quälte mehr als nur eine Laune, diese Unzufriedenheit saß tiefer. Nicolaus würde doch nicht… unmöglich, er war doch verliebt bis über beide Ohren gewesen, er vergötterte Bettina. Und als Carolin geboren war, kannte seine Liebe keine Grenzen.

»Ja, ja, ich wohne in einem hübschen Haus… du kannst auch sagen, in einem goldenen Käfig. Ich habe ein Mädchen, das mir lästige Arbeit abnimmt, Ich habe einen Gärtner und kann mir sogar törichte Wünsche erfüllen. Es sind Äußerlichkeiten.« Sie blieb vor Vera stehen und sah sie an, mit Augen, die ganz riesengroß waren und in denen Traurigkeit zu lesen war.

»Du hast Carolin und du hast einen Mann.«

Bettinas Gesicht entspannte sich.

»Ja, ich habe Carolin, und dafür bin ich sehr, sehr dankbar. Am liebsten würde ich den ganzen Tag nichts anderes tun als mit ihr spielen. Aber das ist natürlich nicht gut für sie. Mit zuviel Liebe kann man ein Kind auch ersticken. Jetzt ist sie im Garten und bringt ihrem Hund Kunststücke bei. Sie ist zu drollig, mein kleiner Schatz.«

»Klar ist sie das, schließlich bin ich ihre Patentante.«

Vera schob die feingezeichneten Brauen zusammen.

»Es geht also um Nicolaus«, stellte Vera behutsam fest.

Aus dem Garten klang übermütiges Kinderlachen, der Hund bellte, aber beide warfen nicht einmal einen Blick in den Garten hinaus.

»Ja, es geht um Nic. Er hat sich sehr verändert, Vera.«

»Wer von uns hat das nicht, Tina?« warf Vera ein und musterte die Freundin bedeutsam.

»Ja, ja, ich weiß, mit mir ist im Augenblick kein Staat zu machen.« Bettina wehrte ungeduldig ab. »Für wen soll ich mich aufmotzen? Ich trage die Sachen, die bequem sind. Meiner Tochter ist es egal, ob ich geschminkt bin oder nicht.«

»Was ist mit Nico?«

»Wenn es hoch kommt, ist er von zehn Tagen einen Abend zu Hause.« Es schmerzte Vera, wie bitter die Freundin war, sie schien tatsächlich sehr unglücklich zu sein.

»Er ist Verlagsdirektor einer großen Zeitung, Liebes. Da kann man nicht wie ein Maurer die Sachen aus der Hand legen, wenn es fünf Uhr ist.«

»Das sehe ich alles ein.« Bettina krauste ungeduldig die Nase. »Ich habe immer, immer Verständnis gezeigt, ich habe immer ein freundliches Gesicht gemacht, wenn er anrief, daß es später wird. Ich mache ihm keine Szene, das liegt mir nicht. Aber ich habe oft versucht, mit ihm zu sprechen.« Bettina sprach jetzt viel zu schnell, die Stimme hob sich leidenschaftlich.

»Nein, Vera, so habe ich mir meine Ehe nicht vorgestellt. Er hat für nichts mehr Interesse, was Carolin oder mich betrifft. Anfangs habe ich ihm meine kleinen Kümmerchen, meine Alltagssorgen erzählt. Du müßtest sein Gesicht dabei sehen. Das letzte Mal sagte er: kannst du nicht aufhören, mich mit diesen Nichtigkeiten zu belästigen? Ich denke, du bist eine intelligente Frau, oder sollte dein Verstand verkümmert sein? Kannst du dich nicht mit etwas Sinnvollem beschäftigen? Das machen andere Frauen doch auch.

Es waren nicht einmal Worte, die mich kränkten. Es war der Spott in seinen Augen, der Tonfall. Wenn er zu Hause ist, was selten genug vorkommt, nimmt er mich kaum wahr. An einem Abend habe ich ein Experiment gemacht. Ich saß ihm beim Abendbrot gegenüber, ich bemerkte genau, daß er gar nicht registrierte, was er aß. Da habe ich ihm erzählt, daß ich dem Mann meiner Träume begegnet bin, daß ich mit dem Gedanken spiele, ihn zu verlassen.

Weißt du, was er sagte? ›Ach, wirklich; interessant…‹, und schob sich die Trüffelpastete in den Mund. Ich hätte heulen können, das kann ich dir sagen. Vera, ich weiß nicht, was ich machen soll.«

Die Wut war aus Bettinas Gesicht gewichen. Sie sah plötzlich wie ein kleines, verzweifeltes Mädchen aus.

»Wann bist du das letzte Mal ausgegangen? Ich meine nicht mit deiner Tochter?« Vera war ungeduldig Bettinas Blick gefolgt. Carolin saß auf dem Rasen, der Hund hockte vor ihr, sein zotteliges weißes Fell sah noch zotteliger aus, als Vera es in Erinnerung hatte. »Es ist eine Ewigkeit her«, bekannte Bettina müde. »Das letzte Mal wollten Nic und ich zu einem Betriebsfest gehen, aber wir hatten uns gestritten. Worum es ging, weiß ich gar nicht mehr. Jedenfalls war ich nicht in der richtigen Stimmung. Ich glaube sogar, daß er froh war, daß ich zu Hause geblieben bin. Ein anderes Mal hatten wir niemanden, der bei Carolin bleiben konnte. Maria, unser Mädchen, geht des Abends nach Hause, außerdem hat sie ein bewegtes Liebesleben.« Vera war es, als klänge Neid aus Bettinas Stimme.

»Für diese Kleinigkeiten, ob Carolin allein ist oder nicht, interessiert er sich nicht. Das ist Kleinkram, und damit darf er nicht behelligt werden.«

Vera richtete sich energisch auf. »Ich gehe gleich zu Maria in die Küche. Aus der Küche kommen die tragischen Küchenlieder, die wir als Studentinnen so begeistert gesungen haben. Sie wird heute abend bei der Kleinen bleiben. Caro wird schon kein Theater machen. Wir werden gleich mit ihr spielen und von dem Getobe wird sie müde sein, das ist mal sicher.« Sie musterte Bettina kampflustig, und als Bettina den Mund aufmachte, winkte sie nur ab. Mit ganz raschen Schritten ging sie zur Tür.

»Du wirst, mit meiner Hilfe natürlich, das hübscheste Kleid aussuchen. Dein Kleiderschrank wird gut bestückt sein, darüber brauche ich mir zum Glück keine Gedanken machen. Und dann fahren wir in unsere frühere Stammkneipe. Es ist ja eine Schande, daß du dich dort nie sehen läßt. Man trifft dort immer wieder welche aus unserer früheren Clique.«

»Es geht nicht.« Bettina wehrte verzweifelt ab. »Was ist, wenn Nic nach Hause kommt? Wenn ich nicht hier bin, ruft er vermutlich die Polizei.«

Vera schüttelte nur den Kopf.

»Bist du nun so borniert oder tust du nur so? Offensichtlich hat auch dein Verstand gelitten. Du schreibst ihm einen Zettel. Das Essen wird ihm von Maria serviert, der gebe ich die richtigen Anweisungen. Und wenn der liebe Nic sich einsam fühlt oder sich wundert, dann geschieht ihm das nur recht. Du hast mir doch eben noch erzählt, an wie vielen Abenden du zu Hause bist… allein.«

Sie ging zu Bettina und legte ihr die Hände auf die Schultern. »Mach ein anderes Gesicht, Bettina. Du siehst ja wie eine verschreckte Maus aus. Schuld hast du auch, Bettina. Du hast es Nic zu einfach gemacht, du warst das brave Heimchen am Herd. Denk einmal darüber nach, was ich jetzt sage. Der andere kann nur das mit dir machen, was du zuläßt. Aber darüber können wir uns später unterhalten. Jetzt werde ich in die Küche gehen.« Auf ihren hochhackigen Schuhen eilte sie zur Tür.

Das Telefon klingelte und einen Moment war Bettina versucht, es einfach klingeln zu lassen.

Vera öffnete die Tür, ließ sie weit geöffnet. »Ich nehme ab«, erklärte sie Bettina.

Das Telefon stand auf einer handgeschnitzten Brauttruhe aus dem 17. Jahrhundert. Achtlos schob Vera die Figur des Heiligen Florian zur Seite, setzte sich und nahm den Hörer ab.

»Hier bei Langer.«

Bettina schüttelte gewaltsam die Müdigkeit ab, sie setzte sich auf und rieb sich wie ein Kind mit dem Handrücken die Augen. Ein Streifen Sonne lag auf Veras Haaren. Im Augenblick war sie blond, und das Haar sah wie reifer Weizen aus.

»Ach, du bist es, Nic. Ja, ich bin im Lande und habe natürlich sofort Bettina und mein Patenkind aufgesucht. Ja, mir geht es ausgezeichnet, wie immer. Möchtest du Bettina sprechen?«

Stille… und dann Veras fröhliches Lachen.

»Da wird Bettina aber erleichtert sein, als braves Hausmütterchen wollte sie sich nur schwer überreden lassen. Ich möchte sie heute abend nämlich entführen, oder verführen, egal, wie man es nennt. Das trifft sich ja prima, Nic, daß du später kommst. Tschau, Nic, ich bleibe eine Weile im Lande, und vielleicht sehen wir uns irgendwann. Jetzt brenne ich darauf, mit Carolin zu spielen. Was für ein Glück du hast, Nic. Carolin ist bezaubernd, und Bettina ist eine wundervolle Mutter.«

Langsam legte sie den Hörer auf die Gabel zurück.

»Du siehst aus wie eine Katze, die süßen Rahm geschleckt hat«, stellte Bettina fest. Ihr schlechtes Gewissen war verflogen, und die Müdigkeit war wie ein lästiges Tuch von ihr abgefallen.

»Willst du mal sehen, Mami, was Patschi kann?«

Carolin stand in der geöffneten Terrassentür, ein kleines bezauberndes Wesen, mit krausen schwarzen Haaren, sie trug nur einen Spielanzug, der vielleicht einmal blau gewesen war.

»Wie siehst du denn aus?« entsetzte sich Bettina. »Hast du dich im Dreck gewälzt? Patschi ist ja sauberer als du.«

»Kein Wunder.« Die Kleine verzog das braungebrannte Gesicht und erklärte entrüstet: »Er hat nur die eine Pfote in die Pfütze gestellt. Wahrscheinlich hat er Angst, daß er gebadet wird, der Dumme. Wenn du nur erlauben würdest, Mami, daß Patschi und ich zusammen in die Badewanne gehen, dann machte ihm das Baden bestimmt Spaß.«

»Was habt ihr denn gespielt?« wollte Vera amüsiert wissen. Ein Schmerz hatte sich ihres Herzens bemächtigt, als wären Steine darauf gefallen. Es war schlimm um Veras Sellenfrieden bestellt, aber das wußte niemand, nicht einmal ihre beste Freundin Bettina. Aber Vera wünschte sich verzweifelt ein Kind, ein kleines Wesen, aus der Liebe geboren.

Nur gab es unter den vielen Freunden, die sie umschwirrten, nicht den richtigen Mann, den sie zum Vater ihres Kindes machen wollte.

»Nicht gespielt, Tante Vera.« Die großen schwarzen Augen waren auf Veras gerichtet. »Warum sagt mir denn niemand, daß du da bist, Tante Vera? Wo ich mich doch immer so auf deinen Besuch freue.«

»Ich bleibe jetzt eine Woche hier, Liebes.«

Vera bückte sich und küßte die Kleine auf die Wange. Amüsiert sah Vera zu, wie die Kleine mit dem Handrücken den Kuß abstreifte.

»Faß mich lieber nicht an, Tante Vera«, riet Carolin ihr treuherzig. »Ich bin nämlich dreckig.«

»Das ist wirklich nicht zu übersehen, mein Kind.«

»Wenn man arbeitet, wird man dreckig«, wurde sie von Carolin belehrt. Die Kleine krauste die braungebrannte Kinderstirn. »Das heißt«, schränkte sie ein, »Papa arbeitet auch, aber der macht sich nicht mal die Hände dreckig.«

»Ich will doch aus Patschi einen Rettungshund machen.« Die schwarzen Augen strahlten Vera und ihre Mutter an. »Manches macht er schon prima, dumm ist er ja nicht, er macht sich nur nicht gern schmutzig.«

»Darunter leidest du ja nicht«, lachte Vera amüsiert.

»Nee, natürlich nicht, ich bin ja auch nicht wasserscheu. Wenn wir ein Schwimmbad hätten, dann könnte ich Patschi beibringen, wie er mich daraus retten muß. Aber so habe ich das Loch, das der Gärtner gegraben hat, mit Wasser gefüllt…«

»Caro«, Bettina schüttelte entsetzt den Kopf. »Auf was für Ideen du kommst.« Bei dem Gedanken an ein Schwimmbad im Garten blieb ihr der Atem fort.

Patschi stand dicht an Carolin gedrückt.

»Der Hund sieht richtig eingebildet aus«, behauptete Vera vergnügt. »Meinst du, Caro, er gibt mir die Pfote?«

»Klar macht er das, er ist doch gut erzogen. Aber er gibt nur Leuten die Pfote, die er mag. Der hat es besser als ich, ich muß immer die Hand geben, weil Papa es will. So ein Hund hat es wirklich gut.«