Märchenprinzessinnen -  - E-Book

Märchenprinzessinnen E-Book

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Beschreibung

Die Welt der Märchen ist schier unendlich und mit jedem Kind steigt die Zahl der Märchen und erfundenen Geschichten an. Einer der vielen Träume von jungen Mädchen ist es, einmal als Prinzessin zu leben, einen Prinzen zu treffen und dann ein tolles leben zu führen. Um zumindest einen kleinen Teil der Träume wahr werden zu lassen finden sich in diesem Band Märchen und Sagen, in deren Mittelpunkt Königstöchter und Prinzessinnen stehen. Einmal Prinzessin sein. Aus einem Mädchentraum wird eine Traumprinzessin.

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ebook 004 Märchen Prinzessinnen

Erste Auflage 01.10.2013

© Saphir im Stahl

Verlag Erik Schreiber

An der Laut 14

64404 Bickenbach

www.saphir-im-stahl.de

Titelbild: unbekannt

Vertrieb: bookwire

ISBN: 978-3-943948-14-1

Herausgeber Erik Schreiber

MärchenPrinzessinnen

Vorwort

Rätsel, Geheimnisse und der berühmte Anfang: Es war einmal, machen heute immer noch Märchen aus. Nichts scheint, selbst heute noch, schöner zu sein, als an die Eltern oder Großeltern gekuschelt, Märchen zu lauschen. Die Nähe zu vertrauten Personen und die zum Teil aufregenden Märchen und Sagen ergeben eine ganz besondere Mischung. So kann das Märchen noch so grausig sein, man fürchtet sich nicht, weil jemand zum Trösten direkt dabei sitzt. Umso schöner sind die Märchen für Mädchen, wenn holde Prinzessinnen darin vorkommen. Die vorliegende Märchen- und Sagensammlung hat sich dieses Themas angenommen. Prinzessinnen, schön oder hässlich, dumm oder schlau, lieb oder böse. Immer gibt es den Widerspruch den das Märchen zum Schluss auflöst. Und siehe da, sie sind immer die beiden Teile einer Münze. Das eine kann nicht ohne das andere sein.

Märchen Prinzessinnen beinhaltet einige bekannte Märchen, etwa den Froschkönig, gleich in zwei Versionen, deren Schluss unterschiedlich ist. Neben den bekannteren Märchen finden sich auch unbekanntere Märchen und Sagen. Im Mittelpunkt steht aber immer die Prinzessin.

Bickenbach 05.09.2013

Inhaltsverzeichnis

Gebrüder Grimm: Der Froschkönig

Hans Christian Andersen: Die Prinzessin auf der Erbse

Hans, der Grafensohn, und die schwarze Prinzessin

Richard von Volkmann-Leander: Der kleine Mohr und die Goldprinzessin

Peter Christen Asbjørnsen: Die Prinzessin, die keiner zum Schweigen bringen konnte

Klaus Groth: Prinzessin

Ludwig Bechstein: Die verzauberte Prinzessin

Ein russisches Märchen: Die leblose Prinzessin

Ein englisches Märchen: Die Prinzessin von Colchester

Ein Märchen aus Böhmen: Die englische Prinzessin Afanasie

Ein Märchen aus Albanien: Die Prinzessin aus China

Eine Sage aus Sachsen: Die verwünschten Prinzessinnen

Eine Sage aus dem Schwabenland: Die geraubte Königstochter

Ein Märchen aus Sizilien: Von dem Schäfer, der die Königstochter zum Lachen brachte

Gebrüder Grimm: Der Froschkönig – oder der eiserne Heinrich

Ernst Moritz Arndt: Prinzessin Svanvithe

Eine Sage aus Brandenburg: Die verwunschene Prinzessin auf den Müggelbergen

Eine hessische Sage: Die Riesenprinzessinnen

Eine Sage aus Schleswig-Holstein: Die Prinzessinnen im Tönninger Schloss

P. U. A. Blau: Prinzessin Schneeflöckchen

Gebrüder Grimm

Der Froschkönig

Es war einmal vor langer Zeit, da lebte ein verwitweter König in einem fernen Königreich. Dieser hatte drei hübsche Töchter. Doch sah man seine jüngste Tochter, wusste man, dass sie die Schönste von allen war. Diese ging regelmäßig hinunter in den Burghof, setzte sich an den Brunnen und spielte mit ihrer goldenen Kugel. Dabei warf sie die Kugel am liebsten in die Höhe und fing sie wieder voller Freude auf.

So geschah es eines Tages, da sie wieder am Brunnen spielte, dass die goldene Kugel diesmal nicht in die Hände der Prinzessin zurückfiel, sondern in den Brunnen plumpste und versank. Da fing sie mit einmal ganz bitterlich an zu weinen und konnte sich kaum noch beruhigen. Plötzlich rief jemand: „Was hast du denn Königstochter. Du schreist ja, dass es einen Stein erweichen könnte.“

Als sie die Stimme hörte, erschrak sie, blickte sich um sah einen dicken Frosch, der aus dem Wasser guckte. „Du bist es nur, alter Wasserfrosch. Ich weine wegen meiner versunkenen Kugel, die mir soeben in den Brunnen gefallen ist.“

„Sei nicht traurig. Ich könnte dir die Kugel wiederholen, aber was bekomme ich dafür?“ fragte der Frosch.

„Alles, was du möchtest. Meine Perlen, meine Kleider, meine Edelsteine und sogar meine goldene Krone, die ich trage“, erwiderte die Prinzessin.

„Das alles mag ich nicht haben von dir. Aber wenn du mich lieb haben und du mein Freund und Spielkamerad sein willst, ich an deinem Tischlein neben dir sitzen, von deinem Tellerlein essen, aus deinem Becherlein trinken und in deinem Bettchen schlafen darf, so werde ich dir die Kugel wiederholen“, antwortete der Frosch.

„Ja“, entgegnete die Prinzessin ihm. „Ich verspreche dir alles, was du möchtest, wenn du mir die Kugel zurückbringst.“ Doch insgeheim dachte sie sich nur: „So ein dummer Frosch, der ist doch bloß im Wasser, was soll der sich mit Menschen anfreunden.“ Nachdem der Frosch das Versprechen von der Königstochter erhalten hatte, tauchte er hinab ins Wasser und brachte ihr die Kugel wieder zurück. Die Königstochter war voller Freude, als sie ihre Kugel sah und ging damit davon. „Warte auf mich, nimm mich mit, ich bin nicht so schnell wie du“, rief der Frosch.

Sie aber hörte nicht auf die Worte es Frosches, machte, dass sie nach Hause kam, und hatte ihn auf dem Wege schon längst vergessen. Als Sie am nächsten Tag mit ihrer königlichen Familie an der Tafel saß und gerade von ihrem Tellerchen essen wollte, klopfte es an der Tür und jemand rief: „Königstochter, mach mir auf.“ Als sie ihre Tür aufmachte, saß auf einmal der Frosch davor. Da warf sie mit einem Ruck die Tür zu, setzte sich wieder hin und war voller Angst. Darauf sprach ihr Vater: „Mein Kind, wovor fürchtest du dich?“

„Da steht ein garstiger Frosch vor unserer Tür. Der war gestern so freundlich und hat mir meine goldene Kugel aus dem Wasser geholt. Dafür versprach ich ihm, dass er mein Freund werden kann. Ich dachte doch nicht, dass er aus seinem Wasser herauskommt und zu mir hinein will.“

Plötzlich klopfte es wieder an der Tür und der Frosch rief erneut: "Königstochter, mach mir auf, weißt du nicht was du mir gestern versprochen hast?“

„Was man verspricht, muss man auch einhalten. Geh und mach ihm auf“, sagte der Vater. Nachdem sie die Tür öffnete, hüpfte der Frosch herein und folgte ihr bis zu ihrem Stuhl, ließ sich von ihr hochheben und bat sie das goldene Tellerlein ihm näher zuschieben, damit sie zusammen essen können.

Obwohl ihr das alles nicht gefiel und sie keinen Bissen herunter bekam, machte sie das, was der Frosch von ihr verlangte. Nun sprach er: „Jetzt habe ich mich satt gegessen und werde müde. Trag mich in dein Kämmerlein und mach mir dein Bett zurecht, wir wollen uns schlafen legen.“ Da kamen der Königstochter die Tränen, weil sie sich vor dem ekligen Frosch fürchtete.

Aber der König sprach: „Wer dir in der Not geholfen hat, den darfst du auch nicht verachten.“ Da nahm sie ihn auf ihre Hand, trug ihn nach oben und setzte ihn in die Ecke. Als sie zu Bett lag, kam er zu ihr gesprungen und wollte in ihr Bett. Sie aber weigerte sich, bis er sprach: „Wirst du dies nicht machen, so sage ich es deinem Vater.“ Da wurde die Königstochter böse, nahm den Frosch und warf ihn mit voller Kraft gegen die Wand.

„Nun sei endlich ruhig, du garstiger Frosch“, rief sie und in dem Moment, wo der Frosch zu Boden fiel, stand plötzlich ein wunderschöner Prinz vor ihrem Augen.

Er erzählte ihr, dass er von einer bösen Hexe verzaubert worden sei und nur von der Prinzessin erlöst werden konnte.

Hans Christian Andersen

Die Prinzessin auf der Erbse

Es war einmal ein Prinz, der wollte eine Prinzessin heiraten. Doch diese sollte eine wirkliche Prinzessin sein. Daher reiste er in der ganzen Welt umher, um eine solche zu finden, doch jeder, die er fand, fehlte etwas. Prinzessinnen gab es genug, aber ob es wirkliche Prinzessinnen waren, konnte er nie herausfinden. Da kam er schließlich wieder nach Hause und er war ganz traurig, da er doch so gerne eine wirkliche Prinzessin heiraten wollte.

Eines Abends zog ein furchtbares Unwetter auf. Es blitzte und donnerte, der Regen stürzte herab und es war ganz schrecklich. Da klopfte es an das Schlosstor und der alte König ging, um aufzumachen.

Es war eine Prinzessin, die draußen vor dem Tor stand. Aber wie sah sie vom Regen und dem bösen Wetter aus! Das Wasser lief ihr von den Haaren und Kleidern herab, lief vorn in die Schuhe hinein und zum Absatz wieder hinaus. Sie sagte, dass sie eine wirkliche Prinzessin wäre, als sie im Königssaal stand und der Königsfamilie ihre Aufwartung machte.

„Ja, das werden wir schon erfahren!“, dachte die alte Königin, aber sie sagte nichts. Sie ging in die Schlafkammer hinein, nahm alles Bettzeug beiseite und legte eine Erbse auf den Boden des Bettes. Dann nahm sie zwanzig Matratzen und legte sie auf die Erbse. Anschließend nahm sie noch zwanzig Daunendecken und legte sie oben auf die Matratzen.

Hier sollte nun die Prinzessin die ganze Nacht über liegen. Am Morgen wurde die Prinzessin auf der Erbse gefragt, wie sie geschlafen hätte.

„Oh, entsetzlich schlecht!“ sagte die Prinzessin.

„Ich habe fast die ganze Nacht kein Auge zu getan! Gott weiß, was in meinem Bette gewesen ist. Ich habe auf etwas Hartem gelegen, sodass ich am ganzen Körper ganz grün und blau bin! Es ist ganz schrecklich!“

Da freute sich die Königin, denn daran konnte man sehen, dass sie eine echte Prinzessin war, denn sie hatte durch zwanzig Matratzen und zwanzig Daunendecken die Erbse gespürt hatte. So feinfühlig konnte niemand sein, außer einer echten Prinzessin.

Da nahm sie der Prinz zur Frau, denn nun wusste er, dass er seine Prinzessin gefunden hatte. Und die Erbse kam auf die Kunstkammer, wo sie noch heute zu sehen ist, wenn sie niemand gestohlen hat.

Hans, der Grafensohn, und die schwarze Prinzessin

Es war einmal ein Graf, der hatte drei Söhne. Die beiden Ältesten dienten dem König, der eine als Hauptmann, der andere als Fähnrich, und der Vater hatte eine rechte Freude an ihnen; um so größer war sein Kummer über Hans, den jüngsten, der war zu nichts nutze. Er wollte nicht Soldat und nicht Landwirt werden; endlich riss dem Alten der Geduldsfaden, er rief ihn zu sich und sprach zu ihm:

„Ich hab's jetzt lange genug getragen; etwas musst du lernen, und da du sonst nichts willst, so magst du die Schweine hüten.“ Hans bekam keinen Schreck, als er seinen Vater so sprechen hörte, doch hoffte er, es sei nur Spaß; doch es war kein Spaß. Am anderen Morgen um vier Uhr ward Hans aus dem Bette getrieben, bekam ein Tuthorn umgehängt und eine Peitsche in die Hand, und dann musste er die Schweine in den Buchenwald treiben. Das war ein saures Stück Arbeit und dazu wiesen die Leute mit Fingern auf ihn und lachten ihn aus. Ehe noch die Sonne dreimal aufgegangen war, lief er darum zu dem alten Grafen und sagte zu ihm:

„Vater, ich habe mich besonnen, ich will Dir fortan keine Schande mehr machen und will werden, was meine Brüder sind!“ Da war der Graf aller Freuden voll, denn den Soldatenstand schätzte er am höchsten.

„Siehst du, Mutter, sagte er zu seiner Frau, der Gräfin, unser Hans ist gar nicht so schlimm, wie er aussieht. Ich habe es immer gesagt, wenn er nur scharf genommen wird, so soll noch etwas Ordentliches aus ihm werden.“ Hans bekam darauf alle Taschen voll guter Speisen und Getränke und dreihundert Taler obendrein, dass er keine Not litte, dann machte er sich auf den Weg in die Stadt; und als er dort war, wurde er eingekleidet.

Die Soldaten sind aber lose Vögel; die merkten bald, dass der neue Rekrut Geld besaß, und sie gingen ihm um den Bart und sorgten dafür, dass er keinen Dienst mitzumachen brauchte, und redeten ihm zu, dass er etwas draufgehen ließe. Da waren sie gerade an den Rechten gekommen, Hans ließ sich nicht lange bitten und verlebte mit ihnen einen Tag wie den andern in Saus und Braus; und als die zweite Woche zu Ende gegangen war, hatte er auch keinen roten Heller mehr in der Tasche.

„Was machen wir jetzt?“ fragte Hans.

„Du schickst einen Boten an den alten Grafen“, rieten die Kameraden, „und lässt ihm melden: Vater, mir ist es sehr gut ergangen unter der Fahne, und mein Hauptmann hat mich zum Gefreiten gemacht!“ Das tat denn Hans auch, und als der alte Graf die Botschaft vernommen hatte, wollten ihm schier die Freudentränen aus den Augen stürzen, so vergnügt war er. Dann ging er zum Geldschrank und holte vierhundert Taler heraus, gab sie dem Boten und sprach:

„Das bring meinem Sohne und grüß ihn mir schön von seinem alten Vater. Und das schicke ich ihm, denn ein Gefreiter muss Geld haben, dass er keine Not leidet.“ Als der Bote mit dem Gelde in der Stadt angekommen war, fing das gute Leben von neuem an, bis auch die vierhundert Taler zu Ende gegangen waren. Da beförderte sich Hans auf den Rat seiner Gesellen zum Fähnrich und erhielt fünfhundert Taler; dann ward er ein Feldwebel und bekam sechshundert Taler; ein paar Wochen später wurde er ein Leutnant; und der Vater sandte siebenhundert Taler; endlich kündete er ihm sogar an, er wäre Hauptmann geworden.

Da hielt es den Alten nicht länger zu Haus.

„Mutter, ich muss meinen Hans wiedersehen“, sprach er zu der Gräfin, „der macht mir mehr Freude wie die beiden andern zusammengenommen.“ Und weil ein Hauptmann reiten muss, so nahm er die beiden schönsten Hengste aus dem Stalle, und weil ein Hauptmann Geld braucht, so steckte er tausend Taler in die Tasche; dann ritt er in die Stadt und fragte den ersten Besten auf der Straße, er möge ihm sagen wo sein Sohn Hans, der Hauptmann wohne.

„Einen solchen Hauptmann gibt es hier gar nicht“, antwortete der Angeredete und ging weiter.“

Der Mann wird wohl hier nicht bekannt sein“, dachte der Graf und fragte die Schildwache, welche vor dem Schlosse auf und ab ging:

„Wo wohnt mein Sohn Hans, der Hauptmann?“

„Einen solchen Hauptmann gibt es hier gar nicht“, antwortete auch der Soldat, legte sein Gewehr auf die andere Schulter und ging wieder auf und ab.

„Der Bauernlümmel“, schalt der Graf, „kennt nicht einmal die Hauptleute in der Stadt!“ Dann ging er zum General und fragte den, wo sein Sohn Hans, der Hauptmann, wohne. Der General ließ die Listen nachschlagen, dann sagte er. „Einen Hauptmann des Namens gibt es hier nicht, wohl aber einen liederlichen Rekruten, der die meiste Zeit im Loche sitzt und mit seinen Gesellen Geld verprasst.“ Da ward der alte Graf fuchsteufelswild und rief:

„Hat mich der Schlingel so an der Nase herumgeführt, so will ich's ihm gedenken!“ Damit lief er zum Hause heraus und kehrte, ohne seinen Sohn gesehen zu haben, mit den tausend Talern und mit den beiden Hengsten wieder auf sein Schloss zurück.

Als die Sache ruchbar ward, wie Hans seinen Vater geprellt hatte schrieb der General an den König und fragte an, was sie mit dem liederlichen Rekruten machen sollten. Das Beste wäre, sie jagten ihn fort und trieben ihn über die Grenze. Da kam der Bescheid von dem König zurück: „Ihr sollt Hans nicht entlassen, denn ich kann ihn gut gebrauchen; er soll bei dem Sarge meiner Tochter Wache stehen.“

Mit der verstorbenen Prinzessin hatte es aber folgende Bewandtnis.

Der König des Landes hatte sich vor vielen Jahren mit einer reichen Prinzessin verheiratet; aber so schön sie auch war und wie großen Reichtum sie ihm auch eingebracht hatte, so war er doch von Herzen verzagt und bekümmert, denn sie gebar ihm kein Kind. All sein Bitten und Flehen zu Gott half ihm nichts, und endlich ward er ganz verzagt und verzweifelt und lief Tag aus Tag ein halb im Wahn im Walde herum. Da begegnete ihm eines Tages ein altes Mütterchen, das rief.

„Ei, Herr König, was seht Ihr so betrübt aus? Euch sollte es doch an nichts fehlen!“

„Lass mich zufrieden“, entgegnete der König, „du kannst mir doch nicht helfen.“

„Wer weiß“, antwortete das Mütterchen, „von alten runzligen Weibern sind oft die besten Ratschläge gekommen!“

Da dachte der König: „Hilft es nicht, so schadet es auch nicht“, und offenbarte der Alten seinen Kummer.

Sagte das Mütterchen: „Wenn's weiter nichts ist, so soll Euch bald geholfen werden. Wartet ein Weilchen, ich komme bald zurück!“ Damit humpelte es in den Wald hinein und pflückte Kräuter und Blumen, die ganze Schürze voll, und als es damit zu dem König kam, gab es ihm das Kräuterwesen und hieß ihn, dasselbe seiner Frau, der Königin, bringen, dass sie davon einen Tee koche.

„Davon müsst ihr in Gottes Namen beide trinken, ehe ihr zu Bette geht, und euer Wunsch wird erfüllt werden.“

Der König glaubte zwar nicht an die Reden der Alten; aber er nahm die Kräuter doch an sich und brachte sie der Königin auf das Schloss, und sie kochte auch wirklich Tee davon. Wie sie nun beide vor dem Schlafen gehen davon tranken, überkam es den König wieder wie Wahn und Verzweiflung, und er rief: „Trink, Frau, in Gottes Namen mit dem Teufel immerzu!“ Danach gingen sie zu Bette und legten sich nieder. Und das alte Weib hatte den König nicht betrogen. Über neun Monde gebar die Königin ein Mädchen, das war gesund an allen Gliedern, aber kohlschwarz von Farbe. Da dachte der alte König an seinen lästerlichen Fluch und weinte still vor sich hin. Er glaubte, der liebe Gott habe dem Kinde zur Strafe für die schwere Sünde seines Vaters die schwarze Haut gegeben, aber es sollte noch schlimmer kommen. Das Mädchen aß nicht und trank nicht, es lachte nicht und weinte nicht, es schrie nicht und sprach nicht, und dabei wuchs es so schnell, dass es mit einem Jahre schon die Größe eines fünfjährigen Kindes besaß.

Als nun sein erster Geburtstag kam, tat es um die zwölfte Stunde der Nacht, zu welcher Zeit es geboren war, plötzlich den Mund auf und rief: „Vater!“

„Was willst du, mein Kind?“ antwortete erschrocken der König.

„Jetzt spreche ich zum ersten Mal“, versetzte die schwarze Prinzessin, dann tat sie den Mund zu und war wieder so stumm wie zuvor.

Im zweiten Jahre wuchs das Mädchen so groß, dass es aussah wie eine zehnjährige. Um die Mitternachtsstunde des zweiten Geburtstages rief sie wieder. „Vater!“

„Was willst du, mein Kind?“ fragte der König noch ängstlicher wie das erste Mal.

„Jetzt spreche ich zum zweiten Male“, erwiderte seine Tochter, „aber wundern wirst du dich, wenn ich zum dritten Male den Mund auftue.“ Damit Schloss sie die Lippen und verlebte das dritte Jahr, wie sie die beiden Ersten verbracht hatte; nur dass sie am Ende des dritten Jahres so groß und stark geworden war wie eine mannbare Jungfrau. Vor dem dritten Geburtstag überkam den König ein Grauen, und er hätte sich lieber hundert Klafter unter die Erde gewünscht als zu seinem Kinde. Doch es ließ ihn nicht fort, er musste aushalten. Als die Glocke zwölf schlug, öffnete das Mädchen, wie es vorher gesagt hatte, seinen Mund und sprach: „Vater!“

„Was willst du, mein Kind?“ entgegnete zitternd der König.

„Lasst mir einen eisernen Sarg machen, legt mich hinein und stellt dann den Sarg vor den Altar in die große Domkirche. Ein ganzes Jahr muss jede Nacht ein Soldat an meinem Sarge Leichenwacht halten; geschieht das nicht, so bringe ich Unglück über Unglück über Euer Reich.“ Dann verstummte sie wieder, und der König gehorchte voll Angst dem Befehle.

Ein eiserner Sarg wurde geschmiedet; danach legte man die schwarze Prinzessin wie eine Leiche in ihn hinein und trug sie in die Kirche, wo der Sarg, wie die Königstochter befohlen hatte, vor dem Altar seine Aufstellung fand.

Darauf erhielt ein Soldat den Befehl, bei der Leiche die Nacht über Schildwache zu stehen. Als er aber am andern Morgen von seinem Posten abgelöst werden sollte, fand man nichts mehr als seine Kleider und ein Häufchen Knochen: das übrige hatte die schwarze Prinzessin gefressen.

Die Kunde davon kam dem König sauer an. Aber was half's! Dem Wüten seiner Tochter musste er gehorchen, sollte nicht noch größeres Unglück sein Reich treffen. Es wurde also ein zweiter Soldat auf den Nachtposten gestellt, und als dieser ebenfalls von der schwarzen Jungfer gefressen wurde, ein Dritter und vierter und so weiter ebenfalls, bis schließlich kein Soldat mehr zu finden war, der die böse Wache übernehmen wollte.

Da bot der König eine große Belohnung aus dem, der eine Nacht an dem Sarge seiner Tochter verbringen würde. Er lockte dadurch eine gute Zahl Menschen herbei, die sämtlich ihr Leben einbüßten. Endlich zog auch das nicht mehr, und der König glaubte sich verloren, obwohl nur noch drei Tage an dem Jahre fehlten; denn niemand war durch alle Schätze der Welt zu bewegen, bei der schwarzen Prinzessin zu wachen. Außerdem wurde das Volk unruhig und drohte, den König abzusetzen, wenn er den Posten in der Kirche nicht einzöge.

Da langte in letzter Stunde der Brief des Generals bei dem König an, und Hans wurde von ihm ausersehen, den Wachtdienst zu besorgen. Er mochte wollen oder nicht, er wurde in die Kirche geführt, und dann Schloss der König eigenhändig hinter ihm die Türe zu.

Drinnen in der Kirche brannten zwei Lichter auf dem Altar, und vor demselben stand der offene Sarg mit der schwarzen Prinzessin. Kurz bevor die Glocke elf schlug, ward Hans graulich zumute, und er beschloss, aus der Kirche zu fliehen.