Marlene Torvett und das falsche Geld - Jana Jürß - E-Book

Marlene Torvett und das falsche Geld E-Book

Jana Jürß

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Beschreibung

***Mord an der Domjüch*** Was anfangs nach einem bloßen Wirtschaftsverbrechen aussieht, entpuppt sich bald als Jagd nach brutalen Tätern, die vor nichts zurückschrecken! Marlene Torvett ist auf einem Tangofestival, während sich Hauptkommissar Babuske mit privaten Problemen herumschlägt. Da kommt ihm die Ermittlung um Falschgeld, das rund um Neustrelitz in großen Mengen auftaucht, gerade recht. Er stürzt sich in die Arbeit und legt sich schnell auf seine Hauptverdächtigen fest. Doch als Marlene Torvett zurückkehrt und eigene Untersuchungen anstellt, findet sie Hinweise, die weder ihr noch der Polizei gefallen. Ein neunjähriger Junge, der ihr etwas sagen will, verschwindet. Spuren führen zur Ehemaligen Landesirrenanstalt an der Domjüch. Der zweite Fall um Marlene Torvett und Tony Babuske SPANNEND - TIEF - HINTERGRÜNDIG

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EPUB

Veröffentlichungsjahr: 2022

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Ähnliche


Inhaltsverzeichnis

Kapitel 1

An der Bar

Kapitel 2

Tango

Kapitel 3

Abseits der Wege

Kapitel 4

Babuskes Sorgen

Kapitel 5

Fremde Angelegenheiten

Kapitel 6

Auf dem Töpferberg

Kapitel 7

Zu Hause

Kapitel 8

Frühjahrsgefühle

Kapitel 9

Eine Unterhaltung

Kapitel 10

Brüder

Kapitel 11

Gregors Tango

Kapitel 12

Marlene ermittelt

Kapitel 13

Fahndung nach Unbekannt

Kapitel 14

Keine Ruhe

Kapitel 15

Timmi

Kapitel 16

Ein normales Leben

Kapitel 17

Ängste

Kapitel 18

Ein Verdacht

Kapitel 19

Abgelenkt

Kapitel 20

Verzweifelt

Kapitel 21

Eine neue Zentrale

Kapitel 22

Hoffnung

Kapitel 23

Auftragssorgen

Kapitel 24

Im See

Kapitel 25

Noch ein Tango

Kapitel 26

Kein Trost

Kapitel 27

Geschäfte

Kapitel 28

Im Gelben Gewölbe

Kapitel 29

Vera auf dem Töpferberg

Kapitel 30

Der Unsichtbare

Kapitel 31

Vermisst

Kapitel 32

Auf der Flucht

Kapitel 33

Die Sehnsucht bleibt

Jana Jürß

Marlene Torvett

und das falsche Geld

Mord im Land der tausend Seen

Band 2

Kriminalroman

 

Die geschilderte Handlung ist frei erfunden.

Eventuelle Ähnlichkeiten mit lebenden oder bereits verstorbenen Personen sind zufälliger Natur.

© Jana Jürß

IMPRESSUM

MadeByJuerss

Jana Jürß

c/o Block Services

Stuttgarter Str. 106

70736 Fellbach

 

Auflage 2021

Alle Rechte vorbehalten

Umschlaggestaltung und Satz: FUERMA

Umschlagabbildung: Jana Jürß/Pixabay

www.jana-juerss.de

Kapitel 1      

An der Bar

»Wann kommt sie zurück? Hat jemand etwas von ihr gehört?«

Die Männer schüttelten die Köpfe. Fast gleichzeitig. Pierre Lowitzkys Frage schien auch eher der Versuch eines Gesprächs zu sein, denn er wusste genau, dass sich Marlene Torvett, sobald sie auf einer ihrer Reisen war, von ihrem Alltag vollkommen abschottete. »Sie ist schon sehr lange weg«, setzte er nach. »Vielleicht kommt sie auch gar nicht zurück? Eine Frau wie die kann auch woanders leben.«

Andreas Hellwig nickte und hob sein leeres Glas. Wortlos zapfte Lowitzky ein weiteres Bier. Als er es dem Arzt vor die Nase stellte, sagte er: »Schon dein Drittes. Du gehst zu Fuß heute?«

»Das lass mal meine Sorge sein, ob ich morgen meinen Führerschein noch habe. Schließlich ist Tony ja auch noch da.«

Der Hauptkommissar war vollkommen in Gedanken gewesen. Als er seinen Namen hörte, sagte er: »Prost. So ein dämlicher Fall. Hatten wir noch nie hier.«

»Willst du noch was trinken? Sie fehlt dir.«

»Er darf trinken, so viel er will und mir teilst du jeden Tropfen zu.« Hellwig hatte einen langen Tag gehabt und wollte sich endlich aufregen, vor allem aber betrinken können. Trotzig trank er das Bier aus. »Noch eins und ja, mach‘ dem Kommissar eins mit, der hat genauso Sorgen wie ich.« Er hoffte, endlich gefragt zu werden, er wollte seinen Frust loswerden. Stattdessen winkte Babuske ab.

»Ach, komm schon. Was sind unsere Sorgen gegen die vieler anderer Menschen.« Er seufzte und sah endlich auf. Die hier sitzen, haben doch alles, was sie brauchen. Meist viel zu viel. Uns geht es viel zu gut.«

»Was soll denn das heißen? Meinst du, ich bin so ein golfspielender Oberschichtenarzt und behandle ausschließlich Privatpatienten?« Hellwigs Gesicht wurde rot, so sehr regte er sich auf.

»Na, viel Oberschicht gibt es bei uns ja nicht. Da könntest du dir nicht mal einen Golfschläger von kaufen.« Babuske sah sich um. »Oder was meint ihr, warum die Leute mit Falschgeld um sich schmeißen.«

»Weil sie gierig sind.« Lowitzky hob ein Glas vor seine Augen, um es besser polieren zu können. »Die meisten bekommen einfach nicht genug. Und was bekommen die schon für Strafen, wenn sie mal erwischt werden! Höre mir endlich mal auf mit deiner IchversteheallesMentalität.«

»Dieses ewige Gejammere, wie schlecht es den Leuten geht, kann ich nicht mehr hören. Tag für Tag kommen sie zu mir und spielen krank. Die meinen wirklich, ich merke das nicht. Die wissen genau, bei mir gibt es nur den Schein, wenn wirklich was dran ist.« Hellwig redete sich in Rage. »Und nun kommt so ein Schnösel und stellt mein Berufsethos in Frage. Zum Kotzen.«

Babuske sah irritiert Lowitzky an, der aber dem Blick nach genauso wenig wusste, wie er selbst, was mit ihrem Freund los war. »Was ist los bei dir in der Praxis? Von was für einem Schnösel sprichst du?« Der Hauptkommissar versuchte, seinen Fall aus dem Kopf zu bekommen. Andreas Hellwig war schließlich sein Freund und hörte sich immer all den Polizeikram an.

»Fragt endlich einer von euch mal, wie es mir geht? Immer geht es hier um Verbrecher oder um dieses mickrige Hotel. Oder um euer aufregendes Privatleben. Pierre, wurdest du schon wieder enttäuscht? Die Männer sind auch nicht mehr das, was sie mal waren, oder? Du solltest darüber nachdenken, es doch mal mit einer Frau zu versuchen. Allerdings wird dir unser Tony sicher nicht zuraten können. Er schafft es ja auch nicht, seine Frau glücklich zu machen. Wäre sie sonst abgehauen? Ach was, gib mir einen Wodka. Ich halte das alles nicht mehr aus!«

Babuske überlegte kurz, ob er wütend werden sollte. Was Vera betraf, mochte Hellwig sogar recht haben. Er fühlte sich seit langer Zeit nicht mehr in der Lage, seine Frau glücklich zu machen. Sie schien ohne ihn zufriedener. Und umgedreht? »Vera fehlt mir. Sehr.« Das war ihm herausgerutscht.

»Dass du mein Hotel mickrig nennst, ist eine Sauerei. Und mein Privatleben geht dich einen Dreck an! Du musst schon einen wirklich schlechten Tag hinter dir haben und damit eine verdammt gute Entschuldigung, wenn du hier je wieder an der Bar sitzen willst.« Lowitzky nahm sich ein Sektglas aus dem Regal und polierte es. Er musste sich beruhigen. Am liebsten würde er den Herrn Doktor sofort vor die Tür setzen.

»Mach mal ‘ne Runde Wodka. Ich kann jetzt auch einen gebrauchen.« Als Lowitzky in aller Seelenruhe das nächste Glas polierte, stand Babuske auf und ging um die Theke. »Ich schenke jetzt aus, vielleicht hat Andreas ja recht mit dem, was er über dieses Hotel sagt.«

»Willst du gleich mit ihm rausfliegen?« Der Hotelier schob ihn zurück, nicht sehr sanft. »Setz dich. Ihr bekommt euren Wodka. Ich nehme mir meinen Sekt und dann soll dieser überdrehte Fatzke endlich sagen, was er schon den ganzen Abend loswerden will.«

Es waren Gäste eingetreten, ein junges Pärchen, deshalb war er immer leiser geworden. Er war immer schon ein leidenschaftlicher Mensch, der allerdings nicht immer seine Leidenschaften im Griff hatte. Doch er war auch Geschäftsmann durch und durch. »Jetzt kümmere ich mich um meine Gäste, danach seid ihr wieder dran.«

Eine Gruppe Frauen gesellte sich an die Bar und schaute, neugierig und kein bisschen schüchtern, Hellwig und Babuske an. Sie tuschelten, lachten, fragten Lowitzky etwas, der höflich lächelte, aber verneinte. Er holte Weingläser, füllte sie, dann zapfte er Bier, zum Schluss stellte er eine Flasche Cognac auf ein Tablett, dazu die passenden Gläser und führte die Damen an den großen Tisch mit dem Blick auf die Straße. Das Pärchen hatte sich in die Nische neben die Tür gesetzt und küsste sich, als wären die beiden mutterseelenallein.

Die Vorstellung im Theater war seit etwa einer halben Stunde bereits zu Ende. Im »Hotel Schlossgarten« übernachteten oft einige der Schauspieler und Musiker, die nicht zum festen Ensemble gehörten. Lowitzky griff zum Telefon und gab irgendwelche Anweisungen, die außer ihm hoffentlich wenigstens die Person am anderen Ende der Leitung verstehen konnte. Diskret, wie er nun einmal war. Wenige Minuten danach kamen Ahmed und die Auszubildende Leonie, um dem späten Ansturm zu begegnen. Die Küche war längst geschlossen, aber belegte Brote gab es für Künstler fast immer. Bevor das Küchenpersonal nach Hause durfte, musste es für solche Abende ganze Berge Brote mit Schinken, Salami und Käse vorbereiten.

Der Raum füllte sich, die Frauen am Fenster waren längst nicht mehr die Einzigen, die laut waren. Es wurde drei Tische zusammengeschoben, die Künstler bekamen ihre Brote und alles, was sie sich sonst noch nach dem Abend auf der Bühne wünschten. Lowitzky war, was Kunst betraf, sehr freizügig. Mit ihm, dem Kunst- und Kulturliebhaber, hatte Neustrelitz einen guten Fang gemacht. Er saß in allen Fördervereinen und ging für das Theater und den Schlosswiederaufbau sogar auf die Straße.

»Wollt ihr noch was?«

Tony und Andreas reichten wortlos ihre Gläser hinüber.

»Bier und Wodka?« Pierre wartete keine Antwort ab, hob zwei Finger in Richtung Ahmed, der seit dem Ansturm fast ununterbrochen Bier zapfte. Den Wodka goss er selbst ein, füllte sogar sich ein Glas und stieß mit seinen Freunden an. »Zum Wohl!«

Als das Bier kam, setzte sich Lowitzky auf seinen Hocker hinter der Theke und trank ein halbes Glas Sekt. »So, Andreas, schau dir mein mickriges Hotel an, dann noch mein Männerproblem«, wobei er Lust verspürte, Ahmed seinen Arm um die Schulter zu legen, dies jedoch als Geschäftsmann in der Öffentlichkeit niemals tun würde, »und dann erzähl, was dich bewegt, dermaßen über das Leben deiner Freunde zu urteilen.«

Hellwig hatte sich längst beruhigt. Der Alkohol zeigte angenehme Wirkung und er wollte eigentlich nicht mehr über diese Sache reden. »Entschuldigt bitte. Ich bin ein dummer Landarzt mit Luxusproblemen. Es ist alles halb so schlimm. Sind wir Freunde?«

Babuske nickte heftig. Ihm traten vor Rührung Tränen in die Augen. »Freunde für immer!« Er rief es laut und die Frauengruppe hob ihre Gläser und schrie: »Frauen für immer!« Dann lachten sie los und Hellwig lachte mit und konnte gar nicht mehr aufhören.

Lowitzky sagte: »Wie ist das nun mit dem Falschgeld? Ersetzt mir das jemand, wenn mir jemand was reinschmuggelt?«

Hellwig stieß Babuske an: »Ersetzt ihm das jemand? Gut, dass bei mir keiner mit Bargeld bescheißt.« Und lachte erneut los. Babuske wollte erst weinen, er tat sich sehr leid. Jedoch der Arzt steckte ihn an und er lachte ebenso los. »Mein lieber Pierre, du bekommst keinen Pfennig.« Er konnte kaum sprechen. »Ich krieg` Seitenstechen, Andreas, hör‘ auf!« Er stieß seine Faust in Hellwigs Rippen, der fast vom Hocker gefallen wäre, wenn nicht eine der Frauen plötzlich neben ihm aufgetaucht wäre und ihn festhielt. Blond, um die Vierzig, mit hübschem Gesicht.

»Was ist denn das für ein Hotel?« Babuske hatte jetzt vor Lachen Tränen in den Augen. »Falschgeld und dann noch so etwas. Hier werden Männer verführt.«

»Halt die Klappe, Tony. Du bist voll. Hellwig ist voll. Die anderen sind auch fast alle voll. Wir machen morgen weiter. Und dann sagst du mir, was ich gegen diese Verbrecherscheine machen kann. Sonst hast du hier das letzte Bier getrunken.«

Pierre hatte seinen Oberkörper über die Theke geschoben. Er wollte kein Spielverderber sein. Aber er mochte es nicht, wenn das Spiel allein auf seine Kappe ging. Und wenn andere über ihn lachten, mochte er das erst recht nicht.

»Letzte Runde, meine Damen und Herren. Die Bar schließt.«

Nach einem Tumult und dem Versuch, aus der letzten Runde eine vorletzte zu machen, leerte die Bar sich endlich. Hellwig war verschwunden, wie, wussten weder Ahmed noch Leonie. Babuske nickte immer wieder ein, ab und zu fielen die Namen Marlene und Vera. Lowitzky rief ein Taxi für ihn. Mühsam schaffte er ihn vor die Tür und dann auf die Rücksitzbank des Autos. Jürgen, der Fahrer, kannte Tonys Adresse. »Bring ihn nach Hause und nach oben in die Wohnung. Seine Frau ist nicht da.« Er schob ihm einen Zwanziger in die Hemdtasche und sah den Lichtern in der Dunkelheit nach, bis sie um die Kurve verschwanden.

 

Kapitel 2

Tango

»Fahren wir das nächste Mal gemeinsam?« Er schob seinen Arm unter ihren Rücken. Zog sie zu sich und küsste sie. Sie küsste zurück. Er schmeckte gut. Er schmeckte seit drei Tagen gut. Er tat ihr gut. Sie war nicht zum ersten Mal hier in Buenos Aires, doch war es neu für sie, dass eine unscheinbare Anfangsbegegnung zu einem leidenschaftlichen Tanz über Tage wurde. Dass sie sich von Anbeginn nur zu einem einzigen Mann hingezogen fühlte, dem sie sich ohne jeden Vorbehalt anvertraute, war ebenso neu. Es gab viele gute Tangotänzer, und es gab viele leidenschaftliche Liebhaber. Er war beides zugleich. Und er war klug, gebildet und wie sie, auf der Suche. Sie hatte bisher nicht über mögliche Konsequenzen nachgedacht. Jetzt, da er sie fragte, er ihr diese Frage einfach zwischen zwei Küssen stellte, musste sie beginnen, darüber nachzudenken. Was sie zu diesem Zeitpunkt nicht wollte. In einer guten Stunde wollte sie wieder tanzen. Und nicht reden oder überlegen, wie es irgendwann weiterginge. Sie fasste in seine vollen langen Haare. Sie schob sich näher an ihn, zog ihren Mund von seinem, glitt zärtlich mit der Zunge hinab bis zu seinen Schultern und biss leicht zu. Er ächzte, warf sie neben sich, setzte sich ohne weitere Spiele auf sie, glitt dabei in ihre noch feuchte Scheide und bewegte sich langsam. Ihr ging es zu schnell. Sie versuchte, ihn abzuwerfen, was ihr nicht gelang. Er sah sie prüfend an, während er sich weiterbewegte. Sie schüttelte den Kopf. Er lächelte. »Willst du nicht?« Seine Stimme klang heiser und sie hörte, er wollte nicht reden oder verhandeln.

»Nicht so schnell.«

»Fahren wir gemeinsam?« Er presste die Worte heraus und machte in seinem Tempo weiter.

»Willst du mich erpressen?« Marlene würde sich nicht erpressen lassen. Normalerweise.

»Ja.«

»Willst du, dass ich mir Zeit lasse?«

Sie sah ihn mit ihren grünen Augen an. »Du weißt, was ich will.«

»Und du weißt, dass ich es dir geben kann. Fahren wir zusammen?«

Er kniff in ihre rechte Brust, sie zuckte und begriff, er wusste viel von ihr. Ohne, dass sie darüber reden brauchte. Er fühlte sie. Und sie fühlte ihn. Würde das reichen?

»Ja.« Sie flüsterte das Wort. Ihm aber reichte das nicht.

»Was? Sag es. Sag es richtig!« Seine Stimme wurde tiefer und er atmete immer schwerer.

»Ja!« Sie rief es und er fragte sie immer noch einmal und sie schrie das Ja so lange, bis sie sich in ihren Orgasmus fallen lassen konnte und er sein zuckendes Glied über ihre Brüste abspritzte.

Sie kam zu spät zur Milonga. Er wartete schon auf sie und zeigte allen sein Glück. Er hatte die schönste Frau an seiner Seite. Er nahm ihren Arm und führte sie sogleich in einen Ocho. Libertango von Astor Piazzolla hielt sie in Atmen und in seinen Armen.

Beim Schlummertrunk erst dachte sie wieder darüber nach, was sie ihm versprochen hatte. So etwas hatte sie schon oft erhofft. Aber nicht von dieser Reise. Im Grunde von keiner Reise. Es sollte mehr als ein leidenschaftlicher Flirt bleiben? Wie es bei anderen Menschen oft geschah. Sie hatte nicht vermutet, dass es das für sie geben konnte. Dass ein Mann ein oder zwei ihrer Leidenschaften teilte, ja, das war oft vorgekommen. Aber alle? Sie trank ihren Ramazotti in einem Zuge leer und nahm ihn mit sich. »Die letzte argentinische Nacht. Für dieses Jahr«, hauchte sie ihm ins Ohr.

»Aber nicht unsere letzte gemeinsame Nacht.« Seine Antwort streichelte sie in all ihren Sinnen. Sie vergaß, dass am nächsten Mittag der Rückflug nach Deutschland kommen würde. Sie vergaß, dass sie noch ein Leben in weiter Ferne hatte. Ein anderes Leben. Irgendwo im kleinen Mecklenburg. In dieser Nacht gab es nur Marlene und ihn. Sie brauchten keinen Himmel und keine Sterne. Sie hatten sich. Marlene wünschte, ganz als wäre sie ein kleines Mädchen und glaubte fest an die Erfüllung, dass er sie niemals wieder verlassen würde.

 

Kapitel 3

Abseits der Wege

Der Frühling wollte in diesem Jahr nicht so recht kommen.

---ENDE DER LESEPROBE---