Meditation für Anfänger - Jack Kornfield - E-Book

Meditation für Anfänger E-Book

Jack Kornfield

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Beschreibung

Die kompakte Einführung in Theorie und Praxis des Buddhismus

In seiner gewohnt offenen Art legt der Meditationslehrer und Bestsellerautor Jack Kornfield hier eine Anleitung zur Meditation vor. Unabhängig von Konfession oder Glauben erlaubt sie dem interessierten Leser, Schritt für Schritt innere Klarheit und Gelassenheit zu entwickeln – Qualitäten, die bei der Meisterung unseres hektischen Alltags von unschätzbarem Vorteil sind. Ohne jeden Hang zur Mystifizierung beschreibt Kornfield in einfachen Worten, wie wir uns auf dem Königsweg der Meditation von zwanghaften Reaktionen befreien und Stück für Stück Glück und inneren Frieden gewinnen. Die beigelegten Audio-Übungen enthalten sechs geführte Meditationen, die den Stufenweg des Buches begleiten.

E-Book mit Audio-Links: Je nach Hardware/Software können die Audio-Links direkt auf dem Endgerät abgespielt werden. In jedem Fall können die Audio-Links über jede Browser-Software geöffnet und über ein Audiogerät abgespielt werden.

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Jack Kornfield

Meditation fürAnfänger

Aus dem Englischenvon Reinhard Eichelbeck

Die amerikanische Originalausgabe

erschien 2004 unter dem Titel »Meditation for Beginners«

bei Sounds Tru e, Boulder, CO, USA.

10. Auflage

© 2004 Jack Kornfield

© 2005 der deutschsprachigen Ausgabe Arkana, München,

in der Verlagsgruppe Random House GmbH

Lektorat: Daniela Weise

Satz: Barbara Rabus/Buch-Werkstatt GmbH, Bad Aibling

ISBN 978-3-641-14721-1

www.arkana-verlag.de

INHALT

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Dieses Buch beinhaltet 6 geführte Meditationen für Einsicht, innere Klarheit und Mitempfinden. Hier geht es zum Download

Die uralte Kunst der MeditationWarum meditieren?Vom Nutzen des MeditationswegesMeditation 1: Verbindung mit dem Atem aufnehmen Meditation 2: Mit Körperempfindungen arbeitenMeditation 3: Mit Gefühlen arbeitenMeditation 4: Die Gedanken beobachtenMeditation 5: Vergebungs-MeditationMeditation 6: Herzensgüte-MeditationMeditation 7: Eine Meditation beim EssenMeditation 8: Eine Meditation beim GehenMeditation und soziale VerantwortungWie man die tägliche Meditationsübung einführt und beibehält

Über den Autor

Kapitel 1

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Die uralte Kunst der Meditation

Dieses Buch behandelt die wesentlichen Übungen und Lehren, wie man sie in den besten bud­dhistischen Klöstern findet, in einer dem Westen zugänglichen Wei­se. Du wirst darin mit einigen der einfachsten und am weitesten verbreiteten Meditationsübungen bekannt gemacht, insbesondere den Übungen der Achtsamkeit und der liebevollen Güte. Ein ganz zentraler Bestandteil dieser Anleitung sind die sechs Meditationsübungen auf den beiliegenden Audio-Meditationen. Diese geführten Meditationen wurden entworfen, um dir eine unmittelbare praktische Erfahrung von dem in diesem Buch behandelten Stoff zu vermitteln.

Zweck dieses Unterfangens ist es keineswegs, dass du Buddhist wirst oder fernöstliche Zeremonien bzw. rituelle Verbeugungen ­erlernst. Vielmehr geht es darum zu lernen, wie man meditiert und davon im täglichen Leben profitiert. Wenn wir uns die Zeit neh-men, zur Ruhe zu kommen, dann spüren wir – und jeder Mensch ist dazu in der Lage –, dass wir unser Leben viel mitfühlender und wachsamer leben könnten. Zu meditieren bedeutet, dass wir diese innere Fähigkeit fördern und sie in unserem Leben zum Ausdruck bringen.

Es gibt viele brauchbare Formen von Meditationsübungen. Im Grunde ist dies jede, die uns hilft, achtsamer und bewusster zu werden für unseren Körper und unsere Sinne, für unseren Geist und unser Herz. Es ist nicht so sehr von Bedeutung, welche Art von Meditation du dir auswählst. Wichtiger ist es, dass du, nachdem du dich für eine Art entschieden hast, auch dabei bleibst und sie regelmäßig praktizierst. Meditation verlangt Disziplin – das ist nicht anders als Klavier spielen zu lernen. Da genügt es auch nicht, gelegentlich ein paar Minuten am Tag zu üben. Wenn du wirklich daran interessiert bist, eine Fertigkeit ernsthaft zu erlernen und Fortschritte zu machen – sei es Klavierspielen oder Meditieren –, dann braucht es Ausdauer, Geduld und regelmäßiges Üben.

Suche dir also eine Art von Meditation heraus, die dir zusagt, und praktiziere sie. Arbeite täglich daran, wenn möglich mit einem Lehrer oder im Rahmen einer Meditationsgruppe. Bei regelmäßigem Üben wirst du allmählich die Fähigkeit entwickeln, dich ganz dem gegenwärtigen Augenblick zu öffnen. Du wirst durch das Meditieren Geduld und Mitgefühl entwickeln und offen werden für alles, was es hier gibt.

Dieses Buch stellt dir die Grundübungen der Achtsamkeits-Meditation vor, das Herzstück buddhistischer Meditation, auch Vipassana genannt. Vipassana (dieser Ausdruck der Pali-Sprache bedeutet »Die Dinge so sehen, wie sie sind«) ist die am weitesten verbreitete Meditationsweise in Südostasien und von zentraler Bedeutung in allen buddhistischen Traditionen. Sie betont die Achtsamkeit und wie wir unmittelbares Gewahrsein unserer Erfahrungen in allen Bereichen des Handelns entwickeln.

Die Meditationen sollen dir helfen, das Licht der Achtsamkeit auf jeden Aspekt deiner täglichen Erfahrungen zu werfen – und dir zeigen, wie du die heilende Kraft liebevoller Güte auf dich selbst und andere Menschen ausdehnen kannst. Die Achtsamkeits-Übung wird auch Einsicht-Meditation genannt. Dabei geht es nicht darum, die Aufmerksamkeit auf ein Bild von Buddha, eine Gottheit, ein Licht, eine Kerze oder auf heilige Worte zu lenken. Vielmehr entdecken wir durch die Achtsamkeit eine Möglichkeit, inmitten von Bewegung unbewegt zu bleiben. So können selbst ganz weltliche, oft wiederholte Tätigkeiten wie Essen, Spazierengehen oder Telefonieren in die meditative Bewusstheit einbezogen und Teil der Achtsamkeits-Übung werden. Unsere Meditation ist dadurch keine Übung, die wir von Zeit zu Zeit durchführen, sondern eher eine Seinsweise, die jeden Augenblick des Tages bei uns ist.

Achtsamkeit hilft uns, geistesgegenwärtiger und lebendiger auf alles zu reagieren, was uns begegnet, und das zu entwickeln, was Alan Watts als Lebenskunst bezeichnet hat: »Lebenskunst … ist weder ein sorgloses Dahintreiben noch ein angstvolles Festklammern an der Vergangenheit … Sie besteht darin, in jedem Augenblick ganz einfühlsam zu sein, ihn als völlig neu und einzigartig anzusehen und das Bewusstsein offen und ganz und gar empfänglich zu halten.«

Mit dem Meditieren beginnen bedeutet, dass wir unser Leben mit Anteilnahme und Liebenswürdigkeit betrachten und herausfinden, wie man wachsam und frei sein kann. Wir haben so viele Vorstellungen und Überzeugungen in Bezug auf uns selbst. Wir erzählen uns Geschichten über das, was wir wollen oder wer wir sind, sei es klug oder sanft. Oft sind das nicht hinterfragte und begrenzte Vorstellungen anderer Menschen, die wir verinnerlicht haben und dann in unserem Leben zum Ausdruck bringen. Meditieren heißt, neue Möglichkeiten entdecken und eine Fähigkeit entwickeln, die jeder von uns besitzt: nämlich ein weiseres, liebevolleres, mitfühlenderes und erfüllteres Leben zu führen.

Kapitel 2

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Warum meditieren?

Es gibt eine Geschichte von Buddha, kurz nachdem er seine Erleuchtung erlangt hatte. Er ging eine staubige Landstraße entlang und begegnete dabei einem Wanderer. Der sah in ihm einen schönen Yogi von bemerkenswerter Ausstrahlung.

»Du scheinst ganz außergewöhnlich zu sein«, sagte der Wanderer. »Was bist du? Eine Art Engel oder Deva? Offensichtlich bist du kein Mensch.« »Nein«, sagte Buddha. »Bist du dann vielleicht eine Art Gott?« »Nein«, sagte Buddha. »Ein Hexenmeister oder ein Zauberer?« »Nein«, sagte Buddha. »Dann bist du also doch ein Mensch?« »Nein«, erwiderte Buddha. »Was bist du denn dann?« Darauf antwortete Buddha: »Ich bin erwacht.«

Mit diesen drei Worten – »Ich bin erwacht« – umschreibt er den Kern aller buddhistischen Lehren. »Buddha« bezeichnet jemanden, der erwacht ist. Ein Buddha zu sein bedeutet, jemand zu sein, der zur wahren Natur von Leben und Tod erwacht ist und inmitten der Welt sein Mitgefühl erweckt und befreit hat.

Die Praxis der Meditation verlangt nicht von uns, dass wir Buddhisten werden oder in Meditation versunkene oder spirituelle Menschen. Sie lädt uns lediglich dazu ein, die jedem Menschen eigene Fähigkeit zu erwachen in Anspruch zu nehmen. Achtsamer zu sein und gegenwärtiger, mitfühlender und wacher, ist etwas, das wir lernen können, wenn wir auf einem Meditationskissen sitzen – aber die Achtsamkeit hilft uns auch bei vielen anderen Gelegenheiten: beim Programmieren eines Computers, beim Tennisspielen, beim Lieben oder beim Spazierengehen am Meer, wenn wir dem Leben lauschen, das uns umgibt. Wach zu sein und wirklich gegenwärtig, ist tatsächlich die wesentliche Kunst in allen anderen Künsten.

Was ist das, zu dem wir erwachen sollen? Wir erwachen zu dem, was die Buddhisten das Dharma nennen. »Dharma« ist ein Wort aus dem Sanskrit und Pali, das sich auf die universellen Wahrheiten bezieht: die Gesetze des Universums und die Lehren, die es beschreiben. In diesem Sinne ist Dharma etwas, das sich augenblicklich enthüllen kann. Es ist die Weisheit, die immer gegenwärtig ist und nur darauf wartet, entdeckt zu werden.

Das ist etwas anderes, als darauf zu warten, dass Gott in Glanz und Gloria vom Himmel zu uns herabsteigt, oder als eine große spirituelle Erleuchtung oder als eine wundervolle übersinnliche Erfahrung. Das Dharma der Weisheit, zu dem wir erwachen können, ist die Wahrheit, die genau dort ist, wo wir sind – wenn wir uns von unseren Fantasien und Erinnerungen lösen und uns auf die Wirklichkeit der Gegenwart einlassen. Wenn wir das tun und ganz aufmerksam sind, dann beginnen wir, die Merkmale des Dharma in eben dem Leben zu erkennen, das wir gerade leben.

Zu den ersten Merkmalen des Dharma, die sich während der Meditation enthüllen, gehören Unbeständigkeit und Unsicherheit. »So sollst du denken über diese flüchtige Welt«, heißt es in einem bud­dhistischen Sutra. »Ein Stern in der Dämmerung, eine Luftblase in einem Fluss, ein Lichtblitz in einer Sommerwolke, ein Echo, ein ­Regenbogen, ein Trugbild und ein Traum.« Je ruhiger du sitzt, je genauer du beobachtest, desto deutlicher wird dir, dass sich alles, was du siehst, in einem Zustand der Veränderung befindet. Gewöhnlich erscheint uns alles, was wir erleben, beständig – auch unsere Persönlichkeit, unsere Umwelt, unsere Gefühle und die Gedanken in unserem Kopf. Es ist so, wie wenn wir uns einen Film anschauen und derartig von der Handlung gefangen sind, dass sie uns wirklich erscheint, obwohl es sich doch nur um flackernde Lichtbilder auf der Leinwand handelt. Wenn du dich aber sehr sorgfältig konzentrierst auf das, was du siehst, dann ist es möglich zu erkennen, dass der Film in Wirklichkeit aus einer Folge von Standbildern besteht, die eines nach dem anderen ablaufen. Eines erscheint, dann kommt eine kurze Unterbrechung, und dann taucht das nächste auf.

ENDE DER LESEPROBE