Verlag: HarperCollins Germany Kategorie: Gesellschafts- und Liebesromane Sprache: Deutsch Ausgabejahr: 2015

Mein irischer Millionär E-Book

Maureen Child  

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E-Book-Beschreibung Mein irischer Millionär - Maureen Child

"Ich liebe dich." Diese drei magischen Worte wird sie bald hören, da ist sich Laura sicher. Denn wenn sie und der faszinierende Ronan sinnliche Nächte miteinander verbringen, sind sie sich so nah, das muss einfach Liebe sein. Aber Laura täuscht sich gründlich: Ronan beendet ihre heiße Affäre - nur um sechs Wochen später wieder vor ihrer Tür zu stehen! Laura ist empört. Glaubt dieser Verräter wirklich, er bekommt eine zweite Chance? Niemals! Temperamentvoll sagt sie ihm, was sie von ihm hält. Doch so leicht gibt ein irischer Millionär nicht auf …

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E-Book-Leseprobe Mein irischer Millionär - Maureen Child

IMPRESSUM

BACCARA erscheint in der HarperCollins Germany GmbH

Redaktion und Verlag: Postfach 301161, 20304 Hamburg Telefon: +49(0) 40/6 36 64 20-0 Fax: +49(0) 711/72 52-399 E-Mail: kundenservice@cora.de
Geschäftsführung:Thomas BeckmannRedaktionsleitung:Claudia Wuttke (v. i. S. d. P.)Produktion:Jennifer GalkaGrafik:Deborah Kuschel (Art Director), Birgit Tonn, Marina Grothues (Foto)

© 2012 by Maureen Child Originaltitel: „Up Close and Personal“ erschienen bei: Harlequin Books, Toronto in der Reihe: DESIRE Published by arrangement with HARLEQUIN ENTERPRISES II B.V./S.àr.l.

© Deutsche Erstausgabe in der Reihe BACCARABand 1868 - 2015 by HarperCollins Germany GmbH, Hamburg Übersetzung: Andrea Greul

Abbildungen: Harlequin Books S.A., alle Rechte vorbehalten

Veröffentlicht im ePub Format in 04/2015 – die elektronische Ausgabe stimmt mit der Printversion überein.

E-Book-Produktion: GGP Media GmbH, Pößneck

ISBN 9783733721107

Alle Rechte, einschließlich das des vollständigen oder auszugsweisen Nachdrucks in jeglicher Form, sind vorbehalten. CORA-Romane dürfen nicht verliehen oder zum gewerbsmäßigen Umtausch verwendet werden. Sämtliche Personen dieser Ausgabe sind frei erfunden. Ähnlichkeiten mit lebenden oder verstorbenen Personen sind rein zufällig.

Weitere Roman-Reihen im CORA Verlag:BIANCA, JULIA, ROMANA, HISTORICAL, TIFFANY, CORA CLASSICS

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1. KAPITEL

„Laura, ich weiß, dass du da drin bist!“

Ronan Connolly hämmerte ein paarmal gegen die hellblau gestrichene Eingangstür und lauschte. Nichts, obwohl er genau wusste, dass Laura zu Hause war. Himmel, er konnte praktisch spüren, dass sie auf der anderen Seite der Tür stand. Mit ihrer Sturheit brachte ihn diese Frau wirklich auf die Palme. Wieso hatte er diesen Dickkopf nur so attraktiv gefunden? Das hatte er nun davon.

Etwa zwanzig Sekunden vergingen, doch noch immer war kein Laut zu hören. Ronan blickte zu dem sonnengelben VW hinüber, der vor dem Haus parkte – das war ihr Wagen –, und starrte schließlich wieder auf die geschlossene Eingangstür.

„Tu bloß nicht so, als wärst du nicht zu Hause. Ich glaube dir nicht. Außerdem steht dein Wagen auf der Straße, Laura.“

Daraufhin hörte er endlich ihre Stimme, etwas gedämpft, aber verständlich. „Das ist eine Auffahrt, Ronan, keine Straße. Wir sind hier in Amerika und nicht in Irland. Schon vergessen?“

„Schade eigentlich.“ Er fuhr sich mit der Hand übers Gesicht und verdrehte genervt die Augen. Wäre er jetzt in Irland, hätte in diesem Moment das halbe Dorf Dunley hinter ihm gestanden und Laura dazu genötigt, die gottverdammte Tür aufzumachen!

„Das habe ich gehört“, sagte sie. „Tu dir keinen Zwang an. Spring ruhig in einen deiner Privatjets, damit du nach Connolly-Island zurückfliegen kannst, wann immer dir danach ist!“

Wenn das so einfach wäre, dachte Ronan. Er war schließlich nach Kalifornien gekommen, um eine Zweigstelle seines Unternehmens in Amerika zu eröffnen. Doch solange sein Unternehmen „Cosain“ nicht richtig gut lief, würde er nirgendwo hingehen.

Obwohl er die Nase voll hatte. Seine Nerven lagen blank, und er hatte absolut keine Lust mehr, sich mit Frauen abzugeben. Schon gar nicht mit solchen, die einen Dickschädel von Lauras Ausmaß hatten.

Die letzten sechs Wochen war er quer durch Europa gereist, um als Bodyguard ein sechzehnjähriges Popsternchen zu beschützen, dessen Gesangsqualitäten kaum besser waren als sein zickiges Gehabe. Das Mädchen und seine hysterische Mutter waren ihm so sehr auf die Nerven gegangen, dass Ronan es nicht hatte erwarten können, endlich mit seinem Leben weiterzumachen. Gerade erst war er voller Vorfreude zurückgekehrt und sehnte sich nach Frieden, Ruhe und Ordnung. Stattdessen …

Er biss die Zähne zusammen, holte tief Luft und zählte bis zehn. „Zum Teufel, Laura. Nenn’ es, wie du willst. Aber dein Wagen steht da. Und du bist ebenfalls da.“

„Ich könnte aber genauso gut woanders sein“, rief sie. „Hast du mal darüber nachgedacht? Ich habe Freunde, weißt du.“

In ihm kochte das Temperament der Connollys hoch, das Ronan mühsam unterdrückte.

„Aber du bist nicht woanders, richtig?“, fragte er vernünftig und lobte sich insgeheim selbst für sein vorbildliches Verhalten. „Du bist hier, bringst mich langsam um den Verstand und lässt mich wie einen verfluchten Dorftrottel vor der Türe stehen.“

„Du musst nicht schreien, ich verstehe dich sehr gut“, erwiderte sie betont freundlich.

Laura Page lebte in einer Straße in Huntington Beach, Kalifornien, in einem von einigen Stadthäusern, deren charmante Architektur denen der Häuser auf Cape Cod, einer Halbinsel in Massachusetts, glich. Als Ronan ihr Häuschen zum ersten Mal gesehen hatte, hatte er es eigentlich sehr hübsch gefunden. Doch nun sah er es so vorwurfsvoll an, als würde es die Schuld an seiner Misere tragen.

Ein kühler Wind wehte vom Meer her durch die Straße und rüttelte an den Ästen einer fast kahlen Ulme in Lauras Vorgarten. Dicke graue Wolken kündigten einen Sturm an, der nicht mehr lange auf sich warten lassen würde. Ronan hoffte inständig, dann nicht mehr auf dieser verfluchten Veranda zu stehen.

„Deine Nachbarn können mich übrigens auch hören“, rief er und nickte dem Mann auf dem Nachbargrundstück zu, der dabei war, die Hecke so kraftvoll zu schneiden, als würde er einen Zahnstocher daraus schnitzen wollen. „Wieso machst du nicht einfach die Tür auf, und wir reden über alles? Unter vier Augen.“

„Ich habe dir nichts zu sagen.“

Er lachte trocken auf. Das wäre nun wirklich das erste Mal, dachte er. Eine eigensinnigere Frau war ihm noch nie über den Weg gelaufen. Dabei hatte er zu Beginn gerade das so sehr an ihr gemocht. Denn sonst war er ständig von dauerlächelnden, nichtssagenden Frauen umgeben, die ihm immer Recht gaben und sogar über seine schlechtesten Witze lachten, nur um ihm zu gefallen.

Laura war ein ganz anderes Kaliber.

Sie war von Anfang an streitlustig und dickköpfig gewesen und hatte sich von seinem Reichtum und seiner Bekanntheit nicht beindrucken lassen. Er musste zugeben, dass er die geistreichen Schlagabtäusche mit ihr immer sehr genossen hatte. Er wusste einen scharfen Verstand und eine spitze Zunge zu schätzen. Und seit er sie in sein Bett gelockt hatte, schätzte er auch noch andere Qualitäten an ihr.

Er blickte auf den Strauß roter Rosen in seiner Hand und verfluchte sich selbst dafür, geglaubt zu haben, diese Frau mit einem Blumenstrauß und hübschen Worten um den Finger wickeln zu können. Himmel, bis jetzt hatte sie die Blumen ja nicht einmal gesehen. Und so wie es lief, würde sie das auch nicht mehr.

Er seufzte ungeduldig und senkte die Stimme. „Du weißt, warum ich hier bin. Lass es uns doch endlich hinter uns bringen.“

Einen Moment lang war es still. Offenbar dachte sie über seine Worte nach. Dann sprach sie wieder. „Du bekommst ihn nicht.“

„Wie bitte?“

„Du hast mich verstanden“, rief sie zurück.

Ronan kniff die Augen zusammen und starrte finster die Tür an, als könnte er die Frau dahinter sehen. „Okay, verstanden. Trotzdem: Ich bin hier, um mir das zu holen, was mir gehört, und ich gehe erst wieder, wenn ich es habe!“

„Dir? Du warst zwei Monate lang verschwunden. Was verleitet dich zu der Annahme, er gehöre dir?“

Ronan schmiss den Rosenstrauß kurzerhand auf den Boden, legte die Hände zu beiden Seiten an den Türpfosten und beugte sich weit nach vorne. „Laura, ich habe zehn Stunden lang in einem verdammten Flugzeug gehockt und musste mir die ganze Zeit über anhören, warum ein nerviger Teenager sich selbst anbetungswürdig findet. Und die Mutter des Mädchens konnte nichts anderes als nörgeln. Liebes, allmählich bin ich mit den Nerven am Ende. In den letzten Wochen habe ich mich nur noch darauf gefreut, endlich wieder zu meinem Haus an den Klippen zu fahren und meinen verdammten Hund zu sehen. Und ich werde nicht ohne ihn gehen!“

Plötzlich schwang die Tür auf, und da stand sie: eine ein Meter fünfundsiebzig große, kurvige Blondine mit strahlend blauen Augen. Selbst in den verwaschenen Jeans und dem weißen Baumwollhemd raubte ihr Anblick ihm den Atem, und das wurmte ihn.

Eine Hand hatte sie an die Tür gelegt, mit der anderen umklammerte sie den Türknauf, als wollte sie um jeden Preis verhindern, dass Ronan eintrat.

Er blickte nach unten und entdeckte seinen Hund, der sich fast unterwürfig an sie schmiegte. Er sah das Tier, das er Beast nannte, finster an, doch der Hund schenkte ihm keinerlei Aufmerksamkeit. „Nur ein paar Wochen, und schon zeigst du mir die kalte Schulter?“, fragte er Beast anklagend. „Ist das die Treue, die du mir, dem besten Freund des Hundes, zeigst?“

Winselnd drückte der Hund sich jetzt so stark an Lauras Seite, dass sie sogar ein bisschen ins Wanken geriet.

„Ein ‚bester Freund‘ hätte ihn nicht verlassen“, sagte Laura vorwurfsvoll.

„Ich habe ihn ja nicht im Dschungel ausgesetzt, wo er sein eigenes Mittagessen jagen musste“, konterte Ronan. „Mein Cousin Sean …“

„Hat ihn bei mir gelassen, bevor er nach Irland gefahren ist. Und wie du siehst, geht es Beast gut. Er ist glücklich hier. Mit mir.“

„Kann ja sein“, sagte Ronan, nachdem er seinem undankbaren Hund einen weiteren verdrießlichen Blick zugeworfen hatte. „Aber er gehört dir nicht, oder?“

„Er lebt in meinem Haus. Deshalb gehört er mir auch.“

„Er lebt nur in deinem Haus, weil Sean dich gebeten hat, auf ihn aufzupassen, bis ich wiederkomme.“

Und genau dafür schuldete Ronan seinem Cousin eine ordentliche Tracht Prügel. Da er gezwungen gewesen war, nach Irland aufzubrechen, hatte Sean Laura gebeten, auf Beast aufzupassen, um dem Hund den wochenlangen Aufenthalt in einem Tierheim zu ersparen. Ronan hatte es erfahren, als es schon zu spät gewesen war, um einzugreifen. Ja, es war die richtige Entscheidung für den Hund gewesen. Aber war es auch die richtige für ihn?

Er hatte Laura nicht mehr gesehen, seit er die Affäre mit ihr vor zwei Monaten beendet hatte. Trotzdem war es ihm nicht gelungen, sie völlig aus seinen Gedanken zu verbannen. Himmel, er hatte den Bodyguard-Job bei dem Popstar nur deswegen persönlich übernommen und nicht einem seiner Angestellten gegeben, damit er etwas Abstand zu der Frau bekam, die ihm gerade so verführerisch nahe war. Doch das hatte überhaupt nichts bewirkt. Ständig hatte er an sie gedacht. Hatte von ihr geträumt und war jeden Morgen voller Verlangen nach ihr wach geworden.

Auch jetzt wehte ihm ihr erotischer Blumenduft entgegen, als wollte er Ronans Erinnerungen an das Gefühl ihrer samtigen Haut an seiner erneut heraufbeschwören.

„Ronan“, sagte sie ruhig und riss ihn aus seinen bittersüßen Gedanken. „Wir wissen beide, dass Beast bei mir besser aufgehoben ist. Du bist nicht wirklich ein guter Hundevater …“

„Ich bin nicht sein Vater, ich bin sein verdammter Besitzer“, erwiderte Ronan aufgebracht.

Laura ignorierte ihn einfach. „Du wirst schon ziemlich bald nach Irland zurückkehren und …“

„Beast mitnehmen“, beendete er den Satz.

In Wahrheit hatte er sich noch gar keine Gedanken darüber gemacht, was er mit Beast nach seiner Zeit in Amerika machen würde. Doch in dieser Sekunde wuchs seine Entschlossenheit, ihn mitzunehmen. Selbst die Auseinandersetzung mit den Quarantänegesetzen, um den Hund nach Irland zu bekommen, würde nicht so kompliziert sein wie die mit Laura Page.

Mit zusammengebissenen Zähnen blickte er in diese ruhigen, blauen Augen und fragte sich, ob sie wirklich so ungerührt von seinem Erscheinen war, wie sie schien. Hatte sie ihn so schnell vergessen? War sie so leicht über ihn hinweggekommen? Das war ein ziemlich unangenehmer Gedanke für einen Mann, den er jedoch beiseiteschob.

„Beast gehört mir, und es stand von Anfang an fest, dass ich mit ihm nach Irland zurückfahren werde. Und daran hat sich auch nichts geändert.“

„Natürlich hat es das“, sagte sie, trat einen Schritt auf ihn zu und schob den Hund hinter sich. „Du hast doch noch einen Hund in Irland, oder?“

„Ja. Deirdre.“

„Und wie lange hast du sie jetzt schon nicht mehr gesehen?“

„Das eine hat doch mit dem anderen nichts zu tun.“

„Alles hat damit zu tun“, widersprach Laura und verschränkte die Arme vor der Brust. „Ein Hund braucht mehr Aufmerksamkeit als einen Besuch pro Monat. Ein Hund braucht Liebe. Jemanden, auf den er sich verlassen kann. Jemanden, der für ihn da ist.“

Düster blickte Ronan sie an. Dieser Frau standen Heim und Herd praktisch auf der Stirn geschrieben. Sie wollte geliebt werden und hatte es auch verdient. Bloß war er ein Mann, der ihr all das nicht geben konnte. Also hatte er ihre Affäre beendet, bevor die Dinge komplizierter geworden wären, als sie es ohnehin schon waren.

„Sprichst du eigentlich über Beast oder über dich selbst, Laura?“

Sie starrte ihn an. „Dein Ego ist grenzenlos, was? Glaubst du wirklich, ich hätte hier gesessen und dir nachgeweint?“

Eigentlich hatte er das geglaubt, ja. Und je mehr sie ihm um die Ohren haute, desto klarer wurde ihm, dass sie ebenso wenig über ihre Affäre hinweg war wie er.

„Es geht hier nicht um uns, Ronan. Es geht um Beast. Und du kannst ihn nicht haben. Weil du ihn nämlich nicht verdienst.“

Bevor er etwas erwidern konnte, schlug sie ihm die Tür vor der Nase zu, und er hörte das Klicken des Sicherheitsschlosses. Fassungslos starrte er auf das blaue Holz. Das war ja wohl die Höhe – niemand schlug Ronan Connolly die Tür vor der Nase zu!

Er hörte, wie Laura den Hund tröstete und ihm versicherte, er sei vor bösen Jungs sicher und Ronan würde sie nicht mehr belästigen. Doch Ronan wusste es natürlich besser. Sollte sie ruhig glauben, diese Schlacht gewonnen zu haben. Sollte sie sich in Sicherheit wähnen. Dann hätte er leichteres Spiel.

Immer noch wütend drehte er sich auf dem Absatz um, trat auf den Strauß Rosen, und ging.

Aber er würde wiederkommen. Denn die Connollys gaben niemals auf.

„Es ist alles in Ordnung, Liebling“, sagte Laura zu Beast, während sie ihm den Kopf kraulte. „Der böse Mann ist weg.“

Laura hatte angefangen zu zittern, als sie hörte, wie Ronan in seinem roten Sportwagen davongebraust war. Oh, nicht wegen des Streits. Seit Wochen hatte sie dieses Wiedersehen erwartet. Doch es war sehr viel härter gewesen, als sie angenommen hatte.

Als sie in seine dunkelblauen Augen geblickt hatte, war darin Leidenschaft aufgeflackert. Die Erkenntnis hatte Laura aufgewühlt. Auch als sein Blick kühler geworden war.

Groß, breitschultrig und mit kastanienbraunem Haar, das in der Sonne leicht rötlich schimmerte, sah Ronan ebenso unwiderstehlich wie respekteinflößend aus. Ganz gleich, ob er einen Businessanzug oder eine Jeans trug. Und offensichtlich hatten die letzten beiden Monate an der Wirkung, die er auf Laura hatte, nichts geändert.

Als er vor einigen Monaten ihr Immobilienbüro betreten hatte, um ein Haus und Büroräume zu mieten, war Laura sofort klar gewesen, dass sie in Schwierigkeiten geraten würde. Schon zuvor hatten sie und ihre Schwester schwerreichen Leuten Häuser und Anwesen verkauft. Doch niemals hatte Laura deren Welt betreten wollen. Bei Ronan war es von Beginn an anders gewesen.

Alles in ihr wollte ihn noch immer, auch wenn ihr Verstand sie eines Besseren belehrte. Vor zwei Monaten war Ronan aus ihrem Leben verschwunden, und so sollte es auch bleiben. Schließlich hatte sie gewusst, dass sie sich bloß auf eine Affäre einließ. Er war reich, sie war es nicht. Er war Ferrari, sie Volkswagen. Er lebte in Irland, und sie würde in Kalifornien bleiben.

Leise seufzend blickte Laura auf den Hund, den sie beide haben wollten. Beast war mindestens einhundert Pfund schwer und hatte struppiges, schwarzes Fell. Kein Mensch wusste, welche Rassen in dem Mischling steckten, aber Laura hatte oft überlegt, dass es irgendwo ein Pony in seinem Stammbaum geben musste.

Nun sah Beast sie an, als wäre er mit der Situation völlig einverstanden.

Laura lächelte. „Natürlich war mir klar“, flüsterte sie und streichelte ihm über den Kopf, „dass Ronan mich in ganz schöne Schwierigkeiten bringen wird. Aber ein attraktiver, erfolgreicher Mann mit irischem Akzent, der mich dahinschmelzen lässt? Wie hätte ich mich denn da zurückhalten sollen?“

Als der Hund sie liebevoll mit der Nase anstupste, als wollte er sie küssen, lachte sie. Auf seine Art war Beast genauso charmant wie sein Herrchen – ein Grund mehr, warum sie ihn nicht hergeben würde.

Laura richtete sich wieder auf und ging in die Küche, während Beast hinter ihr her trottete und das leise Tapsen seiner Pfoten auf den Dielen zu hören war.

„Also“, sagte ihre Schwester Georgia, die am Küchentisch saß, „das hatte Stil.“

Laura goss sich eine Tasse Kaffee ein und setzte sich zu ihrer Schwester. „Um Stil ging’s mir eigentlich nicht.“

„Zum Glück.“

Laura kannte Georgias Meinung zu der Sache mit Ronan – Trenne immer Privates von Geschäftlichem –, und Laura würde sich auch nie wieder auf so etwas einlassen. Sie wich dem eindringlichen Blick ihrer Schwester aus, indem sie sich in der Küche umsah.

Die hellgelben Wände setzten dem grauen Tag da draußen trotzig ihre Farbe entgegen. Weiße Haushaltsgeräte standen auf den Ablageflächen aus schwarzem Granit, der glänzte und strahlte. Der Tisch aus Chrom und Glas stand unter einem Erkerfenster, von dem aus man in den Hinterhof blickte, wo einige Bäume sich im Herbstwind wiegten. Georgia tippte mit den Fingern so lange auf die Glasplatte, bis Laura sie endlich ansah.

„Georgia, ich werde nicht darüber reden.“

„Schön“, sagte ihre Schwester, legte ihr Tablet auf den Tisch und schob die Abdeckung über den Bildschirm. „Dann werde ich reden, und du hörst zu. Hast du wirklich gedacht, Ronan taucht hier auf, um seinen Hund abzuholen?“

„Natürlich nicht.“ Unter dem Tisch machte Beast es sich bequem und legte sich mit seinem vollen Gewicht auf ihre Füße. Seine angenehme Wärme beruhigte und tröstete sie. „Ich wusste, dass er irgendwann kommen würde.“ Obwohl ihr klar war, wie sinnlos das war. Denn für sie beide gab es keine gemeinsame Zukunft. Er hatte diese unglaublich heiße Affäre beendet, um Laura vor weiteren Verstrickungen zu bewahren. Doch keine einzige dieser Einsichten änderte etwas an ihren Gefühlen. Seit sie ihm zum allerersten Mal begegnet war, hatte sie ihn nicht mehr aus dem Kopf bekommen.

„Und deine Lösung des Problems besteht darin, seinen Hund als Geisel zu nehmen?“

„Es ist nicht mehr sein Hund. Sean hat ihn zu mir gebracht, schon vergessen?“

„Ich weiß. Damit du dich bis zu Ronans Rückkehr um ihn kümmerst.“ Georgia nahm ihre Tasse und lehnte sich zurück.

Ihr blondes Haar war nur etwas dunkler als Lauras und zu einem kurzen Bob geschnitten, der ihr bis zu den Wangen reichte. Ihre Augen waren blauer, ihr Körper kurviger, und ihr Herz nicht ganz so weich wie Lauras. Aber sie war absolut loyal und nicht nur Lauras Schwester, sondern gleichzeitig auch ihre beste Freundin.

„Worum geht’s hier eigentlich wirklich, Laura? Versuchst du, Ronan zurückzubekommen?“ Sie drehte die Tasse zwischen den Händen. „Willst du ihm eine Lektion erteilen? Um ihm genauso wehzutun, wie er dir wehgetan hat, als er sich von dir getrennt hat?“

„Das würde ich niemals tun“, entgegnete sie, ein wenig erstaunt darüber, dass Georgia ihr so etwas zutraute. „Außerdem hat er mir nicht wehgetan. Mir war von Anfang an klar, dass es irgendwann zu Ende sein würde.“

„Klar, aber es ist immer besser, derjenige zu sein, der verlässt, als die Verlassene.“ Trotz allem musste Laura lachen.

„Schade eigentlich“, sagte Georgia grinsend. „Egal. Ich sage ja bloß, dass es hier nicht um Beast geht und du das auch weißt. Wenigstens das könntest du zugeben.“

Warum sollte sie? Stirnrunzelnd öffnete Laura ihren Laptop und schaltete ihn ein. Die Fanfare erklang, und der Bildschirm leuchtete auf. Während sie wartete, ließ sie sich Georgias Worte durch den Kopf gehen. Vielleicht hatte Ronan ihr wirklich einen Stich versetzt, weil er ihre Affäre so leichtfertig beendet hatte und einfach gegangen war. Vielleicht schmerzte es sie wirklich, dass er nicht das Gleiche empfunden hatte wie sie.

Immerhin hatte sie ihr Zuhause. Ihre Schwester. Und jetzt auch noch einen Hund. Was hätte sie sich mehr wünschen können? Wenn diese feine Stimme sich meldete, um ihr zuzuflüstern: Wie wäre es denn mit ein bisschen Liebe?, dann überhörte sie diese einfach. Laura hatte es schon einmal damit versucht, aber es hatte nicht funktioniert. Dann hatte sie sich auf die heiße Affäre mit Ronan eingelassen, aber auch das war schiefgegangen.

„Vielleicht sollte ich ins Kloster gehen“, murmelte sie.

„Ja genau“, sagte Georgia und lachte auf. „Du verstehst dich ja auch bestens mit Obrigkeiten.“

Während sie ihrer Schwester einen finsteren Blick zuwarf, musste sie sich eingestehen, das Georgia recht hatte. Denn würde sie pflichtbewusst Regeln befolgen und auf Chefs hören, dann säße sie jetzt immer noch in Manny Toledos Immobilienbüro, anstatt gemeinsam mit Georgia ein eigenes Unternehmen aufzubauen.

Als sie hörte, dass Beast unter dem Tisch seelenruhig vor sich hin schnarchte, musste Laura lächeln, obwohl sie von einem klitzekleinen Schuldbewusstsein gepackt wurde. Doch das ignorierte sie einfach. Ronan wollte bloß nicht zugeben, dass sie recht hatte und Beast bei ihr besser aufgehoben war.

„Das hat er sich selbst zuzuschreiben“, murmelte sie. „Ja, er ist der Besitzer von Beast. Aber das allein reicht eben nicht aus. Ein Hund braucht jemanden, den er lieben kann. Auf den er zählen kann. Ronan kann nicht ernsthaft davon ausgehen, dass alle auf ihn warten, nachdem er wochenlang durch die Welt geflogen ist.“

„Hm-hm. Und wir beide wissen, dass du gerade nicht über den Hund sprichst.“

Missmutig sah Laura ihre Schwester an. Je länger sie darüber nachdachte, desto überzeugter war sie, das Richtige zu tun. Beast brauchte mehr, als Ronan ihm bieten konnte, und außerdem war der Hund ein Teil ihres Lebens geworden. Sie liebte ihn und würde ihn auf gar keinen Fall aufgeben.

Denn sie hatte schon zu viel aufgeben müssen.

Einen Moment lang spürte sie wieder diesen Stich im Herzen, und Tränen traten ihr in die Augen. Doch sie blinzelte sie weg und hob das Kinn. Es war vorbei, und vielleicht sollten manche Träume einfach nicht wahr werden. Außerdem hatte sie ein Zuhause, das sie liebte, und ihre Schwester, mit der sie hart daran arbeitete, dass ihr Unternehmen wuchs.

Apropos …

„Können wir mal kurz über die Arbeit sprechen?“, fragte Laura und vermied es absichtlich, Georgia anzuschauen. Stattdessen starrte sie auf den Bildschirm ihres Laptops.

„Schön, dann verfolgen wir eben noch ein bisschen die gute, alte Vermeidungsstrategie.“

„Vielen Dank.“ Laura war froh über die kleine Verschnaufpause.

„Also“, sagte Georgia. „Unser geliebter Vermieter hat innerhalb der letzten sechs Monate die Miete in die Höhe getrieben …“

„Wie bitte?“

„Aber er bietet uns das Gebäude zu einem guten Preis an, wenn wir es kaufen.“

„Steigert die Miete und verringert den Kaufpreis? Ergibt das Sinn?“

„Nein, tut es nicht“, stimmte Georgia ihr zu. „Aber solange er am längeren Hebel sitzt, kann er tun und lassen, was er will. Und unser Mietvertrag läuft in sechs Monaten aus, also …“

Es fühlte sich gut an, wenigsten ein paar Minuten lang an etwas anderes als an Ronan zu denken. Sie und Georgia besaßen ein brandneues Immobilienbüro und hatten ein kleines Gebäude am Pacific Coast Highway in Newport Beach angemietet. Die Miete war horrend, was in dieser Gegend von Orange County allerdings nicht ungewöhnlich war. Um die Art von Wohnungen zu verkaufen und zu vermieten, auf die Laura und Georgia spezialisiert waren, mussten sie ihr Unternehmen im Zentrum positionieren.

„Wieso wäre er bereit, den Kaufpreis für das Gebäude zu senken?“

„Frag mich nicht“, erwiderte Georgia achselzuckend. „Aber der Markt ist am Boden, und das weiß er. Außerdem will seine Frau nach Montana ziehen, wo ihre Enkel leben.“

Laura musste daran denken, dass ihre eigenen Eltern fünf Jahre zuvor in die Wildnis von Oregon gezogen waren. Eigentlich beneidete sie die beiden um deren Mut, einfach ihre Sachen zu packen und Neuland zu entdecken. Aber sie selbst war so fest in Kalifornien verwurzelt, dass sie sich nicht vorstellen konnte, woanders zu leben.

„Also müssen wir lediglich eine Riesensumme für die Anzahlung aufbringen.“

„Genau“, antwortete Georgia trocken. „Das ist alles.“

„Okay, es wird nicht ganz einfach, aber wenn wir die nächsten Wochen wirklich hart arbeiten, dann sollten wir in der Lage sein, es zu stemmen. Ich könnte eine zweite Hypothek auf dieses Haus aufnehmen und …“

„Nein“, unterbrach Georgia sie entschieden. „Das wäre verrückt, Laura. Du wirst dafür nicht dein eigenes Zuhause aufs Spiel setzen.“

„Unser Zuhause“, korrigierte Laura ihre Schwester.

„Danke, aber ich sage weiterhin nein. Wir werden einen anderen Weg finden.“

Glücklicherweise gab es trotz der schlechten Lage auf dem Immobilienmarkt immer noch genügend wohlhabende Leute, die sich nach einer teuren Unterkunft umsahen. Ein paar Verkäufe würden ihnen die Provisionen einbringen, die sie für eine Anzahlung benötigten.

„Na schön, dann sehen wir uns nach ein paar Einnahmequellen um.“

„Schau, schau“, sagte Georgia und blickte ihrer Schwester in die Augen. „Wie kommt’s, dass du es schaffst, Beruflichem gegenüber eine so positive Haltung einzunehmen, Ronan gegenüber aber nicht?“

„Ach was.“ Laura starrte auf den Bildschirm, als würde sie den verdammten Computer zwingen wollen, endlich das System hochzufahren. Warum dauerte das bloß so lange? Sie hätte schon längst etwas tippen oder lesen können und sich nicht Georgias unangenehme Fragen anhören müssen.

„Ich bin hier für die sarkastischen Bemerkungen zuständig“, entgegnete ihre Schwester. „Und ich bin diejenige mit dem Exmann, der ein Loser ist. Diejenige, die nach ihrer Scheidung mit dir zusammengezogen ist, weil besagter Loser das Konto leer geräumt und sich mit Busty, dem Cheerleader, aus dem Staub gemacht hat.“