Mein Regentage-Vorlesebuch - Andrea Schütze - E-Book

Mein Regentage-Vorlesebuch E-Book

Andrea Schütze

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Beschreibung

Regentropfen sind flüssige Sonnenstrahlen ... Geschichten, Gedichte, Bastel-Ideen, Spiele, Wissenswertes und vieles mehr – alles zum Thema Regen. Der kleine Zuhörer erfährt jede Menge Lustiges und Interessantes über die gemütlichste Wetterlage des Jahres: Wie Regen entsteht, wie schwer Wolken sind, was man bei Regen alles basteln kann, was ein Regenwald ist, warum Regenwürmer Regenwürmer heißen und viel, viel mehr. Alles verpackt in kindgerechte Vorlesegeschichten.

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Veröffentlichungsjahr: 2020

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Über dieses Buch

Regenzeit ist Drinnen-Zeit! Regenzeit ist Draußen-Zeit!

Regenzeit ist Bastelzeit!

Annie ist von den Regenwürmern in Omas Garten ganz begeistert. Was die alles können! Lola liebt Regen, ihre Kuscheltiere aber so gar nicht. Trotzdem nimmt Lola sie immer mit nach draußen, um für sie im Regen Regensuppe zu kochen. Die kleine Hexe Wolkenbruch hat den gezauberten Regen plötzlich in ihrer Wohnung – wie bekommt sie den bloß wieder nach draußen? Regenkringel backen, Regentee kochen, Regenmacher basteln, Gedichte über den Wasserkreislauf, den Regenpfeifer und vieles mehr – damit die Regenzeit auch garantiert nie langweilig wird! Regenzeit ist Vorlesezeit!

Trara!

Es regnet.

Pitsch, patsch.

Aus Erde wird Matsch.

 

Es regnet.

Tropf, tropf.

Auf diesen Kopf.

 

Es regnet.

Pliss, plass.

Die Glatze wird nass.

 

Es regnet.

Und eh sichs der Herr versieht,

sieht man, wie’s obenrum wieder sprießt.

 

Es regnet.

Trara!

Und manchmal wächst Haar,

wo vorher keins war!

Wolkenelefanten

Am liebsten ist Linus bei seinem Opa in der kleinen Schlosserei-Werkstatt – wenn er nicht gerade mit seinen Freunden Fußball spielt. Aber wie soll das heute gehen? Bei dem Regen?

Linus starrt aus dem Fenster, während Opa vor sich hin arbeitet.

Mit einem lauten Sirren frisst sich eine Säge durch Metall.

»Was wird’n das, Opa?«, fragt Linus und verfolgt die Regentropfen, die an der Fensterscheibe hinablaufen.

»Ein Schlüssel. Spezialanfertigung. Für eine Schatztruhe«, erklärt Opa und pustet die Eisenspäne weg.

»Echt?«, fragt Linus und dreht sich um.

»Nee«, sagt Opa und schmunzelt. »Leider nicht. Jemand hat seinen Kellerschlüssel verloren, und weil sich das alte Schloss nicht ausbauen lässt, muss jetzt ein echter Könner ran.« Opa pustet erneut und fährt vorsichtig mit dem Finger über eine Rundung. »Aber vielleicht ist ja IN dem Keller ein Schatz.«

»Hm.« Linus dreht sich wieder zum Fenster. »Guck mal Opa, die Wolke sieht auch aus wie ein Schlüssel.«

Opa schiebt sich die Schutzbrille auf die Stirn und nickt.

»Stimmt«, sagt er. »Ist aber bestimmt nicht so leicht wie einer.«

Linus lacht auf. »Quatsch. So ’ne Wolke wiegt doch nix. Die sind doch aus … Nebel.«

Opa legt den Schlüsselrohling beiseite und schraubt eine große Flasche Mineralwasser auf.

»Findest du die leicht oder schwer?«, fragt er und reicht sie Linus.

»Schwer«, sagt Linus.

Opa nickt. »Wasser wiegt ganz schön was. Und in der Flasche ist nicht mal ein ganzer Liter, sie wiegt also weniger als ein Kilo. Aber ist in so einer Regenwolke nicht auch Wasser?«, gibt er zu bedenken.

»Klar«, sagt Linus. »Jede Menge.«

»Eben«, sagt Opa und trinkt einen Schluck.

Linus denkt nach. »Wie viele Liter Wasser passen wohl in eine Regenwolke?«, fragt er. »Hundert? Oder vielleicht tausend?«

Opa lacht. »Viel mehr. Da passen Millionen Liter beziehungsweise Kilo rein«, sagt er.

»Aber warum fällt die Wolke dann nicht runter?«, fragt Linus erstaunt.

»Weil die Wassertröpfchen in den Wolken so millepienzeplink klein sind, dass sie von verschiedenen Luftströmungen immerzu durcheinandergewirbelt und so in der Wolkenform gehalten werden. In deiner Schlüsselwolke da oben ist also nicht nur Wasser, sondern auch Luft. U-hund …«, Opa macht eine Kunstpause, »Luft wiegt übrigens auch was.«

»Echt?«, fragt Linus.

»Hat man alles erforscht und berechnet. Wenn sie nichts wöge, würde sie nämlich einfach davonfliegen. Pass auf, ich habe ein Beispiel. Die Luft im Kinderzimmer deiner Schwester wiegt ungefähr so viel wie Marie selbst.«

»Hammer!«, sagt Linus. »Die Wolke ist also sogar noch schwerer als das Wasser, das sie trägt, und sie fällt trotzdem nicht runter.«

»Zum Glück«, sagt Opa, angelt nach einer Feile und bearbeitet damit die Schlüsselkanten. »Das wäre nicht so gut für uns, da würde uns ganz schön was aufs Dach fallen.«

»Kann man Wolken wiegen?«, fragt Linus.

Opa schüttelt den Kopf. »Man muss ihr Gewicht berechnen«, erklärt er. »Dafür benötigt man zunächst die Größe der Wolke. Stell dir mal vor, die dunklen Gewitterwolken sind gerne mal zehn Kilometer hoch und ebenso breit! Das sind hundert Fußballfelder. Dann muss man noch wissen, wie viel Wasser sie enthält. Pro Meter Wolke, also in einem Wolkenwürfel sozusagen, Kubikmeter nennt man das – pro Kubikmeter enthält eine Wolke also je nach Temperatur zwischen einem und sieben Gramm Wasser. Wenn man das jetzt auf ein kleines Gewitterwölkchen umrechnet, das nur einen Kilometer lang, breit und hoch ist, wiegt sie über den Daumen gepeilt zwischen tausend und zehntausend Tonnen.«

»Boah!«, macht Linus.

»Ja-ha«, erwidert Opa. »Aber dazu kommt ja noch das Gewicht der Luft. Alles zusammen wiegt so eine Wolke zwischen hunderttausend und einer Million Tonnen.«

Linus macht große Augen. »Wie viel wiegt ein Elefant?«, fragt er dann.

»Fünf Tonnen, schätze ich«, antwortet Opa.

Linus sieht kritisch in den Himmel. »Dann wiegt so eine große Wolke …«, beginnt er.

»… so viel wie zwanzigtausend bis zweihunderttausend Elefanten«, ergänzt Opa.

Beeindruckt schweigen die beiden eine Weile.

»Weißt du, wie man in England sagt, wenn es wie verrückt regnet?«, fragt Opa in die Stille hinein.

Linus schüttelt den Kopf.

»It’s raining elephants and giraffes«, sagt Opa. »Es regnet Elefanten und Giraffen.«

Linus lacht. »Das passt ja. Und jetzt weiß ich auch, was ich mache: Ich schnitze einen Elefanten auf einer Wolke«, meint er, und Opa reicht ihm ein Stück weiches Holz.

»Also, ich mag Regen …«, sagt Opa und sieht seinem Enkel lächelnd dabei zu, wie er sich in seine Arbeit vertieft.

Regentänzer

Weißt du, dass es Regentänzer gibt?

Das sind die, die man nie sieht.

 

Denn sie tanzen in der Nacht,

und da bist du ja nicht wach.

 

Wenn es bei hellem Mondenglück

draußen regnet wie verrückt,

 

gleiten sie am Regenfaden

durch die nassen Tropfenschwaden,

 

wehen mit dem feuchten Trauf,

platschen auf dem Boden auf.

 

Wo sie dann in wildem Reigen

gerne ihre Tanzkunst zeigen.

 

Besonders unter hellen Sternen

und gelben Straßenrandlaternen,

 

da hüpfen und da springen sie

in perfekter Harmonie.

 

Ja, wer hätte denn gedacht,

dass Regen auch noch so was macht?

Misses und Mister Weather

Es gibt Wörter, auf die reagieren die meisten Menschen mit Begeisterung, wenn sie sie nur hören. Schokolade ist zum Beispiel so ein Wort. Oder Ferien.

Oder …

Hawaii!

Hawaii ist eine Insel. Sie ist die größte einer ganzen Gruppe von Inseln, die man Hawaii-Inselkette nennt. Sie liegt im Pazifischen Ozean und auf Hawaii ist es sehr, sehr schön. Auch wenn man selbst noch nie dort war, hat fast jeder schon mal Fotos der Hawaii-Inseln gesehen. Es gibt dort schneeweiße Strände, Palmen und glitzerklares Wasser. Früher bekam jeder Feriengast zur Begrüßung am Flughafen einen Blumenkranz aus duftenden Blüten um den Hals gelegt. Diese Blumenkränze sind auf Hawaii ein wichtiges Symbol, um jemandem zu sagen, wie viel er einem bedeutet.

Bestimmt ist dir schon mal aufgefallen, dass es auf Fotos von Hawaii so gut wie nie regnet.

Außer vielleicht, man hat auf einer ganz bestimmten Insel Ferien gemacht.

Und die heißt Kaua’i.

Dort lebt Mister Sunshine. Auf Kaua’i scheint den ganzen Tag die Sonne, und es ist so heiß, dass man mittags nicht mehr barfuß über den Sand laufen kann, ohne sich die Fußsohlen zu verbrennen. Deswegen verkauft Mister Sunshine in seinem kleinen Kiosk am Strand Flipflops aus Bast, die er selbst herstellt. Und er kommt mit dem Flechten kaum hinterher, weil Mister Sunshines Latschen nicht nur unheimlich bequem sind, sondern auch lecker riechen, weil er den Bast mit seinem geheimen Mister-Sunshine-Spezial-Duftöl einreibt. Aber das nicht der Grund, warum ich dir von Mister Sunshine erzähle.

Mister Sunshine ist verliebt. In Misses Rain. Und Misses Rain wohnt genau am anderen Ende der Insel. Und das ist exakt der Teil der Insel, den man ziemlich selten auf Fotos zu sehen bekommt, denn er hat es in sich. Dort regnet es. Ständig und dauernd und überhaupt fast immer. An der Pinnwand in Mister Sunshines Kiosk hängen unzählige Bilder davon. Wenn es selbst ihm mal zu heiß wird, betrachtet er sie. Auf den Bildern ist nämlich immer dasselbe zu sehen: Misses Rain im Regen. Stets lacht sie mit blitzenden Augen in die Kamera, während ihre dunklen Haare in dicken Strähnen am Gesicht kleben und ihr das Regenwasser die Kleidung durchtränkt, als stünde sie gerade unter der Dusche. Denn Misses Rain liebt den Regen, jeden einzelnen Tropfen davon.

Und das ist auch gut so, denn schließlich lebt sie an einem der drei regenreichsten Orte der Welt. Auf Misses Rains Seite von Kaua’i schüttet es an dreihundertfünfunddreißig Tagen des Jahres wie aus Eimern, es gibt also nur ungefähr alle zwei Wochen einen Tag Regenpause, während ihr Freund Mister Sunshine tagein, tagaus eine fast wüstenartige Hitze aushalten muss.

Wie kann denn so was sein?

Auf Misses Rains Inselseite gibt es einen hohen Berg namens Wai’ale’ale, das bedeutet so viel wie überfließendes Wasser. Und gegen diesen Berg prallt ein sehr kräftiger Wind, der übers Meer herangetrieben wird. An den steilen Hängen verdampft seine feuchte Luft und wird zu riesigen Regenwolken, aus denen es ohne Unterlass herabregnet.

Misses Rain betreibt ein kleines Café, weil selbst Regenseiten-Kaua’ianer mal ins Trockene müssen. Und wenn sie ihre Gäste mit trockenen Handtüchern und süßem Tee versorgt hat, dann gießt sie sich selbst ebenfalls eine Tasse ein und betrachtet die Fotos, die an ihrer Pinnwand hängen. Auf jedem ist dasselbe zu sehen: Mister Sunshine, wie er braun gebrannt in die Sonne blinzelt, denn Mister Sunshine liebt jeden einzelnen Sonnenstrahl.

Aber Misses Rain und Mister Sunshine lieben auch einander.

Und deswegen haben die beiden eines Tages beschlossen, zu heiraten. Sie schenkten sich gegenseitig Blütenkränze, feierten ein Fest und versprachen einander, sich so oft wie möglich auf ihren Inselseiten besuchen zu kommen.

Und wenn sie jetzt gemeinsam in der Sonne liegen oder im Regen tanzen, sind sie einfach nur Misses und Mister Weather, egal welches, denn der Liebe ist das Wetter völlig egal.