Miriam Lindner ist Fachfrau für Presse und Marketing. Sie arbeitet in einem Verlag und
lebt mit ihrer Frau und ihrem Sohn in Köln und Hannover.
Heribert Schulmeyer ist freier Illustrator und lebt ebenfalls in Köln.
Mika, Ida und der
Eine Geschichte über
eine Regenbogenfamilie
Miriam Lindner • Heribert Schulmeyer
Eselschreck
»Maaaami! Maaamaaaa! Kooooommmmt mal!«, schreit Mika über
die ganze Wiese. Sein Pony Paul steht wie immer ganz hinten am Zaun.
Es hat so gar keine Lust, die saftige Wiese gegen den Stall und einen
Spaziergang einzutauschen.
»Dann wollen wir Paul mal zum Gehen überreden!«, lacht Mama und gibt Mika
ein paar Möhren, während Mami Paul das Halfter über Nase und Ohren schiebt.
Zwei Esel in der Nähe heben neugierig den Kopf. Mmmmhh, lecker! So eine
Möhre hätten sie auch ganz gerne. Einer der beiden kommt näher und versucht,
Mika die letzte Möhre aus der Jackentasche zu ziehen. Doch Mami und Mama
nehmen Mika in die Mitte und gemeinsam gehen sie zum Stall.
Auf dem Möllerhof ist immer viel los. In der Obstwiese laufen Hühner,
im Stall gibt es Kühe, Schweine und Ponys, Mikas Lieblinge.
Weil Mika es sich schon so lange so sehr gewünscht hat, kommt er
nicht mehr nur zum Spielen und Füttern der Tiere hierher, sondern
auch einmal in der Woche zum Reiten. Wie heute.
Wenn mal jemand fragt, wieso Mika zwei Mamas hat, zuckt Mika
meist mit den Schultern und sagt: »Manche Kinder haben eine Mama
und einen Papa, ich habe zwei Mamas. Die einen so, die anderen so.«
Das hat Mama ihm erklärt. Mami sagt dann: »Familien sind so ver-
schieden wie die Farben des Regenbogens.« Dabei lacht sie meistens
und zuckt mit den Schultern. Logisch ist das, findet Mika.
Im Stall bringt Mika Paul zu seiner Box. Ein paar Meter weiter steht
Benno, das dickste und sturste Pony auf dem Möllerhof. Neben Benno
kniet ein Mädchen, das hat Mika hier noch nie gesehen.
Er geht zu ihr hinüber.
»Hallo«, sagt er. »Ich schiebe und du nimmst den Huf, dann geht's.«
»Danke«, sagt das Mädchen. »Ich bin übrigens Ida.«
»Ich bin Mika. Da drüben steht mein Pony. Paul, der ist super«,
antwortet Mika stolz.