Mirella Manusch – Achtung, hier kommt Frau Eule! - Anne Barns - E-Book

Mirella Manusch – Achtung, hier kommt Frau Eule! E-Book

Anne Barns

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Beschreibung

Die kleine Vampirin mit dem Herz für Tiere! Mein Name ist Mirella, Mirella Manusch. Ich bin fast zehn Jahre alt und habe gerade erst erfahren, dass ich ein echtes Vampirmädchen bin. Abgefahren, oder? Aber es kommt noch besser: Ich kann nämlich mit Tieren sprechen. Nur blöd, dass mein Vater von dieser Gabe nichts erfahren darf. Als Tierarzt könnte er mir sonst super helfen, wenn wieder mal ein Tier in Not ist. Zum Glück habe ich meine beste Freundin Klara. Die ist keine Vampirin, dafür aber sofort zur Stelle, wenn ich sie brauche. Und das tue ich, denn Frau Eule kann kaum noch was sehen. Da muss man doch was tun, oder? Kleine Vampirin mit eigenem Beschützer und einem Herz für Tiere: Hier steckt alles drin, was Kinder lieben Band zwei der Kinderbuchreihe von Bestsellerautorin Anne Barns und ihrer Tochter Leicht verständlich und mit vielen Illustrationen!

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Seitenzahl: 145

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Bisher bei Schneiderbuch erschienen: Mirella Manusch – Hilfe, mein Kater kann sprechen! (Band 1) Mirella Manusch – Achtung, hier kommt Frau Eule! (Band 2) Originalausgabe © 2021 Schneiderbuch in der HarperCollins Germany GmbH, Hamburg Alle Rechte vorbehalten Dieses Werk wurde vermittelt durch die Literarische Agentur Thomas Schlück GmbH, 30161 Hannover. Einband und Illustrationen: Anastasia Braun E-Book-Produktion: GGP Media GmbH, Pößneck

ISBN E-Book 9783505144066

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1. Wir flattern im Turbotempo durch die Nacht

1.
Wir flattern im Turbotempo durch die Nacht

»Aufwachen, Mademoiselle Flederella«, flüstert jemand ganz nah an meinem Ohr.

Ich blinzele ein paarmal, bevor ich die Augen öffne. Lancelot sitzt so dicht neben mir, dass eins seiner Schnurrhaare an meiner Nase kitzelt. »Hatschi!« Ich muss niesen. War ja klar, dass es nur mein Kater sein kann, der mir ins Ohr schnurrt. Flederella nennt mich nämlich sonst niemand. Eigentlich heiße ich Mirella, Mirella Manusch.

Verschlafen richte ich mich im Bett auf. »Boah, Lancelot. Was ist denn los?«, murmele ich.

Draußen ist es stockdunkel. Es muss also mitten in der Nacht sein. Und eigentlich ist ausgemacht, dass mein Kater mich bis morgens schlafen lässt. Aber seit wir uns auf Katzisch unterhalten, fällt ihm ständig irgendwas ein, über das er mit mir reden will. Dringend. Und es ist ihm ganz egal, ob ich gerade tief und fest schlafe.

»Das geht so nicht, echt!«, schimpfe ich nun.

»Wie du meinst, Flederella.« Lancelot springt vom Bett. »Wenn es dich nicht interessiert, dass du fledermäusischen Besuch bekommst, werde ich demnächst einfach schweigen.«

Besuch? Ich schaue zum Fenster. Und tatsächlich! An der Scheibe klebt Manolo.

»Warum hast du das nicht gleich gesagt«, rufe ich – und halte mir schnell die Hand vor den Mund. Ups! Bloß nicht Mama und Papa wecken.

»Ich dachte, er verschwindet von allein wieder, wenn ich ihn lang genug ignoriere. Aber dein vampirischer Fledermausfreund hat Ausdauer«, erklärt Lancelot. »Er pappt schon ziemlich lange da und starrt mich an.«

Ich klettere aus dem Bett und öffne das Fenster. Dabei bleibt Manolo einfach an der Scheibe kleben. Er dreht seinen Kopf zu mir und grinst. »Lust auf ein paar Flugübungen?«

Daran, dass er sich als Fledermaus so piepsig anhört, werde ich mich wohl nie gewöhnen. Aber ich klinge ja selbst so, wenn ich eine Fledermaus bin.

»Warte kurz.« Ich lausche, ob im Haus alles still ist. Papa darf immer noch nicht wissen, dass ich eine Vampirin bin und mich nachts verwandeln kann. Aber so wie es aussieht, schlafen meine Eltern tief und fest. »Okay.«

Lancelot verdreht die Augen. »Muss das sein, Flederella? Es war gerade so gemütlich in deinem Bett.«

»Nur ein paar Minuten, versprochen! Wenn am Montag die Schule wieder anfängt, darf ich doch nachts nicht mehr raus.«

»Mon dieu, ist ja gut. Ich komme mit.« Mein Kater seufzt und springt aufs Fensterbrett. »Als dein Beschützer habe ich keine andere Wahl.«

Ich hole meinen wunderschönen Vampirumhang aus der Samtkiste und verwandele mich blitzschnell – wusch  – in eine Fledermaus.

»Na endlich!«, ruft Manolo, als ich nach draußen in den Nachthimmel fliege, und folgt mir.

Seitdem er letzte Woche auf seinem Skateboard einfach an Klara und mir vorbeigebraust ist, hat er sich nicht mehr blicken lassen.

»Ich habe schon gedacht, ich sehe dich nie wieder«, sage ich.

»Jetzt bin ich hier.« Manolo flattert einmal um mich herum. »Wer zuerst an der Straßenlaterne ist, hat gewonnen!«, ruft er und saust davon.

»He, warte!« Ich schaue kurz nach unten. Lancelot sitzt auf der Wiese und sieht zu mir hoch. Mein Beschützer ist also auch startklar. So schnell ich kann, düse ich hinter Manolo her.

Er sitzt schon auf der leuchtenden Laterne und wartet auf mich. »Ha! Ich bin eben doch der Schnellste!«

Ich lande neben ihm. »Du hattest ja auch einen Vorsprung.«

Unter uns kreisen Motten um das Licht. Immer mal wieder fliegt eine von ihnen knapp an mir vorbei. »Gut, dass ich mich nicht mit Insekten unterhalten kann«, sage ich. »Von denen gibt es so viele, das wäre auf Dauer bestimmt anstrengend.« Ich schaue mich um. »Wo ist eigentlich Rabia?«

»Guck mal, da oben.« Manolo zeigt mit seinem Fledermausärmchen auf das Nachbarhaus. »Sie sitzt auf dem Schornstein und beobachtet die Umgebung.«

Ich winke der Dohlendame kurz zu und schaue dann runter zur Straße. »Lancelot passt unten auf.«

»Das ist gut.« Manolo lächelt mich an. »Ich will ja nicht, dass dir was passiert. Als Vampirschülerin musst du noch jede Menge lernen.«

»Was denn?«

»Du musst echt an deiner Geschwindigkeit arbeiten«, erklärt Manolo und lacht. »Nein, ernsthaft, du fliegst schon sehr gut. Aber ein paar Feinheiten könnte ich dir schon noch beibringen.«

»Warum nicht? Klingt spannend.«

»Okay. Lass uns zum Feld hinter der Grundschule fliegen«, schlägt Manolo vor. »Das ist der ideale Übungsplatz.«

Er flattert los. Und ich hinterher.

Unter uns rennt mein schlecht gelaunter Beschützer Lancelot, über uns fliegt Rabia.

Am Feld angekommen, drehen wir zuerst ein paar Loopings.

»Die hast du schon sehr gut drauf«, ruft Manolo. »Jetzt zeig ich dir, wie man ein vernünftiges Zickzackmanöver hinlegt. Pass genau auf. Deine Flügel sind ganz besonders. Sie bestehen nicht aus Federn. Du hast eine Flughaut, die sehr flexibel ist. Du kannst sie blitzschnell verformen und dadurch echt coole Manöver fliegen.«

»Ist gut!« Ich düse hinter Manolo her, knicke meine Flüge ein und schlage Haken in der Luft. »Mega!«

»Achtung!«, schreit Rabia da plötzlich. Die Dohle kommt in einer Mordsgeschwindigkeit auf uns zugeflogen. »Schnell weg hier!«

Noch bevor ich fragen kann, was los ist, sehe ich von Weitem einen echt großen Raubvogel auf uns zurasen.

»Holy Moly!«, flüstere ich.

»Abhauen!«, brüllt Manolo. »Schnell, Mirella.«

Wir fliegen neben Rabia. Ich traue mich nicht, mich umzudrehen, kann jedoch spüren, dass der große Vogel hinter uns immer näher kommt.

»Das ist ein Mäusebussard! Was will er denn?«, ruft Manolo seiner Beschützerin zu.

»Ich weiß es nicht, ich hoffe nur, dass er keinen Hunger hat«, ruft sie zurück.

»Warum verwandeln wir uns nicht?«, brülle ich.

»Dafür müssten wir landen. Das schaffen wir nicht. Sobald wir unten ankommen, hat er uns! Flieg mir hinterher. Zickzack!«

Wir flattern im Turbotempo durch die Nacht.

»Hey, Herr Bussard!«, rufe ich, so laut ich kann. »Wir sind keine echten Fledermäuse. Lass uns in Ruhe.«

Aber das interessiert den Bussard nicht. Er macht keine Anstalten, von uns abzulassen, und kommt immer näher. Ich kann den Blick aus seinen gelben, stechenden Augen förmlich im Nacken spüren.

»Da vorn kommt ein Baum«, ruft Manolo. »Da können wir auf einem Ast landen.«

»Aber der Bussard doch auch! Ich habe einen besseren Plan«, rufe ich zurück. »Wir müssen zum Sportplatz. Da steht ein Tor. Wir sind klein, wir passen durch das Netz. Der Bussard nicht.«

Manolo versteht sofort, was ich meine. »Alles klar!«

Rabia klappert aufgeregt mit dem Schnabel. »Verstanden, ich sag deinem Kater Bescheid.«

Zum Glück ist es nicht mehr weit. »Jetzt!«, schreie ich.

Manolo und ich legen unsere Flügel ganz nah an den Körper an – und zischen durch die groben Maschen des Netzes.

Der Mäusebussard merkt zu spät, dass wir ihn ausgetrickst haben. Er fliegt volle Lotte in das Netz – und bleibt hängen.

»Hat geklappt!«, rufe ich und lande schnaufend auf dem Boden, direkt neben Manolo. »Das war knapp.«

Ich verwandele mich in meine menschliche Gestalt zurück, dann gehe ich langsam auf den vor Wut schreienden Bussard zu, der sich komplett im Netz verheddert hat.

»Ich würde dir empfehlen, mit dem Gezappel aufzuhören. Damit machst du die ganze Sache nur schlimmer«, sage ich streng.

Der Bussard bewegt sich augenblicklich keinen Zentimeter mehr. Er schaut mich mit großen Augen an. »Bist du ein Mensch?«

»Jetzt ja. Aber eben war ich noch die Fledermaus, die du gejagt hast.«

»Menschen sind unsere Feinde«, stellt der Bussard fest und fängt wieder an zu zappeln.

»Und Bussarde die von Fledermäusen«, kontere ich. »Du wolltest uns verspeisen!«

»Igitt.« Der Bussard schüttelt sich. »Ich fresse nur Mäuse ohne Flügel. Die schmecken mir besser.«

»Warum hast du uns dann gejagt?«, frage ich.

»Ihr seid in mein Territorium eingedrungen. Hier darf nur ich jagen. Das ist ja wohl klar! Meine Mutter hat mir das Jagdgebiet zugewiesen.«

»Dein Territorium? Ach so. Das wusste ich nicht. Wir haben aber nicht gejagt. Wir haben geübt«, erkläre ich. »Wie heißt du denn?«

»Fred«, antwortet er. »Ich bin neu in der Gegend und wusste nicht, dass die Fledermäuse sich hier in Menschen verwandeln können.«

Fred scheint ein ganz junger Mäusebussard zu sein. »Ich bin keine Fledermaus, ich bin ein Mensch. Und ein Vampir«, erkläre ich. »Und Manolo auch.« Ich drehe mich um. Wo steckt der eigentlich?

Er sitzt neben Rabia und Lancelot neben dem Tor. Und er hat sich nicht zurückverwandelt.

»Könntest du mir aus dem Netz raushelfen, Vampirmädchen?«, sagt Fred. »Es ist sehr unangenehm, hier zu hängen.«

»Nur, wenn du versprichst, uns nicht wieder zu jagen«, erkläre ich. »Ich muss mich nämlich gleich zurück in eine Fledermaus verwandeln, um nach Hause fliegen zu können.«

»Versprochen«, sagt Fred. »Wie gesagt, ihr schmeckt mir sowieso nicht.«

»Kannst du mir helfen, Manolo?«, rufe ich meinem Freund zu. »Zu zweit ist es einfacher.«

»Das schaffst du allein«, antwortet Manolo, die Fledermaus.

»Wenn du meinst!« Ich zucke mit den Schultern. »Aber ich verstehe echt nicht, warum du so ein Geheimnis um dein Aussehen machst.«

Vorsichtig befreie ich den jungen Vogel aus dem Netz und setze ihn auf den Boden. »Tut dir irgendwas weh, Fred?«, frage ich besorgt.

Der Bussard flattert vorsichtig mit seinen Flügeln. »Nein, alles in Ordnung. Danke.« Er sieht zu mir hoch. »Und du kannst dich wirklich wieder in eine fliegende Maus verwandeln? Das würde ich zu gern sehen!«

Lancelot, der mittlerweile neben mir steht, räuspert sich laut. »Vorsichtshalber würde ich den schrecklichen Vogel sehr weit wegschicken, bevor du dich wieder verwandelst, Mademoiselle Flederella.«

»Ich werde euch nichts tun«, versichert der Bussard.

Doch ich schüttele den Kopf. »Sir Lancelot hat recht. Flieg du mal schön zu deinem Feld. Wir warten so lange.«

Erst als ich Fred nicht mehr sehen kann, schwinge ich meinen Umhang und verwandele mich zurück in eine Fledermaus.

Meine Freunde sitzen immer noch nebeneinander. Rabia klappert mit dem Schnabel. »Puh, was für eine Aufregung! Ich habe uns schon als Mitternachtssnack gesehen.«

»Das hätte ich niemals zugelassen, Madame«, sagt Lancelot würdevoll. »Ich hätte den Bussard das Fürchten gelehrt.« »Das wäre nicht nötig gewesen. Ich hatte alles im Griff. Für dich war es eine perfekte Übung, Mirella!«, erklärt Manolo.

»Ist klar!«, sage ich lachend. »Das glaubt ihr beide ja wohl selbst nicht. Ohne mich wären wir jetzt Bussardfutter!«

2. Freunde verzeihen sich kleine Fehler

2.
Freunde verzeihen sich kleine Fehler

»Der Bussard war eigentlich ganz nett«, sage ich, als ich neben Manolo nach Hause flattere.

»Aber erst, nachdem du dich in einen Menschen verwandelt hast. Da war er nämlich in der schlechteren Position«, meint Manolo. »Du hättest ihn auch im Tor hängen lassen können.«

»Hätte ich nie gemacht!« Ich schiele zu ihm rüber. »Warum willst du eigentlich nicht, dass ich weiß, wie du aussiehst?«, frage ich. »Du hättest dich ruhig verwandeln und mir helfen können.«

»Wer sagt, dass ich nicht will? Ich darf nicht.«

»Ehrlich? Wieso das denn nicht?«

»Ist halt so«, sagt Manolo knapp und flattert ein bisschen schneller.

Ich bin zwar kaputt von der Flucht eben, schaffe es aber, ihn einzuholen. »Ist halt so ist eine blöde Antwort.«

»Na gut, dann werde ich etwas deutlicher. Mein Vater hat es mir verboten. Ich darf mich dir nicht in meiner Menschengestalt zeigen. Warum, kann ich dir nicht sagen.«

»Aber …«

Er fliegt einen Looping um mich rum. »Aber wir können weiter gemeinsam durch die Nacht flattern. Ist doch auch gut! Los, das letzte Stück fliegen wir im Zickzack. Oder bist du etwa schon platt?«

Das bin ich wirklich. Trotzdem düse ich hinter Manolo her bis zu unserem Garten. Dort hängt er sich kopfüber an die Wäscheleine, und ich hänge mich daneben.

»Du bist echt schon richtig gut geworden«, findet Manolo. »Die Verfolgungsjagd mit dem Bussard hat deine Technik verfeinert.«

»Darauf hätte ich lieber verzichtet.« Ich schaukele an der Leine hin und her. »Das war echt knapp!«

»Das Leben ist die beste Schule«, sagt Manolo. »Behauptet zumindest mein Vater.«

»Mein Vater sagt immer, dass man miteinander reden muss, um falsche Gedanken zu vermeiden«, erkläre ich. Und ich bin ein bisschen stolz, weil mir der schlaue Spruch gerade eingefallen ist.

Manolo rollt mit den Augen. »Du gibst aber auch echt keine Ruhe. Ich kann es dir nicht sagen.«

»Na gut. Ich frage nicht mehr«, lenke ich ein. »Schade finde ich es schon. Aber wenigstens weiß ich jetzt, warum du letztens abgehauen bist, als wir dich auf dem Skateboard gesehen haben.«

»Du bist ja lustig. Auch wenn mein Vater mir erlauben würde, mich dir zu zeigen, wäre ich da weggedüst«, sagt Manolo. »Du warst nicht allein. Ein blondes Mädchen war bei dir. War das eine Freundin von dir?«

»Meine beste! Sie heißt Klara. Aber wegen ihr brauchst du dir gar keine Gedanken zu machen. Du kannst ihr vertrauen. Sie würde nie-niemals irgendjemandem von uns erzählen und wird unser Geheimnis für sich behalten. Das hat sie mir versprochen.«

Manolo dreht seinen kleinen Fledermauskopf zu mir und sieht mich mit großen Augen an. »Das hast du nicht ernsthaft gesagt!«

»Was meinst du?«

Manolo schüttelt ein paarmal den Kopf. »Bitte sag mir, dass du deiner Freundin nichts von uns erzählt hast!«

Ups!

»Doch, habe ich«, gebe ich zu. »Sie weiß alles von mir. Klara ist meine beste Freundin.«

»Deine! Aber doch nicht meine«, motzt Manolo. »Du kannst dir meinetwegen ein Schild um den Hals hängen und draufschreiben, dass du eine Vampirin bist. Von mir soll das niemand wissen!«

Auf einmal fühle ich mich ganz schlecht. »Tut mir leid«, sage ich leise. »Darüber habe ich nicht nachgedacht.« Dass wir die ganze Woche versucht haben Manolo zu finden, behalte ich für mich.

»Oh Mann!« Manolo schüttelt schon wieder den Kopf. Und schließlich sagt er: »Ich weiß nicht, ob wir noch weiter befreundet sein können. Wenn mein Vater rausfindet, dass du das ausgeplappert hast, darf ich wahrscheinlich nie wieder nachts allein rausfliegen.«

»Oh. Das wär aber schade«, sage ich. Dabei liegt plötzlich ein schwerer Kloß in meinem Bauch.

»Sorry, aber das hast du voll verbockt.« Manolo lässt sich von der Leine fallen und flattert ein Stück von mir weg. »Ich hau dann jetzt mal ab.«

»Sehen wir uns wieder?«, frage ich.

»Keine Ahnung«, sagt Manolo – und fliegt davon.

Ich beobachte, wie Rabia sich zu ihm gesellt. Und dann sind die beiden auch schon über das Dach unseres Hauses geflogen und verschwunden.

»Mist, verdammter!«, schimpfe ich.

»Oh, là, là! Du sollst doch nicht fluchen«, ertönt da eine Stimme unter mir. »Das passt nicht zu dir, Mademoiselle Flederella.« Es ist Sir Lancelot. Er liegt im Gras und schaut zu mir hoch. »Probleme?«

Ich seufze. »Manolo ist sauer auf mich, weil ich Klara von ihm erzählt habe.«

»Ah, oui, ja, das kann ich verstehen«, sagt Lancelot. »Das war auch nicht unbedingt klug von dir, kleine Mademoiselle.«

»Toll!«, schimpfe ich. »Das hilft auch nicht weiter.«

Lancelot streicht sich elegant mit der linken Vorderpfote über seine Schnurrhaare. »Du hast recht, Flederella, den Spruch hätte ich mir sparen können. Aber weißt du was? Freunde verzeihen sich kleine Fehler. Gib dem Fledermausjungen ein wenig Zeit. Ich bin mir sicher, er wird irgendwann wieder hier auftauchen.«

»Meinst du?«

Lancelot überlegt einen Moment. »Ja, das meine ich, Flederella. Ihr habt heute den Angriff eines gefährlichen Bussards gemeinsam überstanden. So ein Erlebnis verbindet. Er wird wiederkommen.«

»Das hoffe ich«, sage ich. Und es geht mir gleich ein wenig besser.

Ich lass mich von der Leine fallen und flattere nach oben in den Himmel. Da höre ich plötzlich ein Wimmern irgendwo im Garten, ganz leise.

»Was war das denn?«

Ich fliege in einem großen Bogen um den alten Baum. Aber ich kann niemanden entdecken. Also lande ich neben Lancelot im Gras und drehe meine Fledermausohren langsam in alle Richtungen. »Da, da war es wieder … Ich glaube, da weint jemand.«

»Oui, jetzt habe ich es auch gehört«, sagt Lancelot. Er steht still da und inspiziert mit einem genauen Blick den Garten. »Es sitzt im stacheligen Busch«, stellt er schließlich fest. »Darin hat sich gerade was bewegt. Am Zaun.«

Prompt ertönt wieder ein Wimmern, diesmal etwas lauter.

»Im Brombeerbusch. Vielleicht hat sich ein Tier in den Dornen verfangen«, überlege ich laut. »Lass uns schnell nachschauen.«

»Wie Sie wünschen, Mademoiselle Flederella«, sagt Lancelot.

Wir zischen durch den Garten, Lancelot über die Wiese, ich durch die Luft. Vor den Brombeeren machen wir halt.

Lancelot hält seine Nase in Richtung Busch. »Ein Vogel, wenn du mich fragst.« Er dreht seinen Kopf zu mir. »Das Gestrüpp ist sehr dicht. Da kommst du nicht rein, ohne dir einen Dorn einzufangen.«

Ich hopse über den Boden etwas näher ran. Das ist gar nicht so einfach, weil meine Flügel dabei im Weg sind. »Hallo da drinnen, brauchst du Hilfe?«, rufe ich.

Aber alles ist mucksmäuschenstill. Kein Wimmern.

»Mein Name ist Mirella, und ich würde dir sehr gern helfen«, rufe ich noch mal. »Bist du verletzt? Kannst du nicht raus?«

»Nur ha-alb, ich hä-änge fest«, ertönt da leise eine zitternde Stimme aus dem Busch. »Außerdem sitzt neben dir ein großer, schwarzer Ka-ater! Die fressen Vögel wie mich.«

»Der gehört zu mir. Und er tut dir nichts. Stimmt doch, Sir Lancelot, oder?«

Lancelot reibt sich mit funkelnden Augen über die Schnauze. Der Vogel hat recht. Normalerweise sind Katzen Jäger. Er will doch nicht etwa …

Ich pike Lancelot ins Fell, werfe ihm einen strengen Blick zu und flüstere: »Im Garten wird nicht gejagt, sonst werde ich stinkesauer.«