Mission SOL 2: Die Althanos-Verschwörung - Bernd Perplies - E-Book

Mission SOL 2: Die Althanos-Verschwörung E-Book

Bernd Perplies

4,0

Beschreibung

Das Jahr 1552 Neuer Galaktischer Zeitrechnung: Seit über 3000 Jahren reisen die Menschen zu den Sternen. Sie haben unzählige Planeten besiedelt und sind faszinierenden Fremdvölkern begegnet. Terranische Raumschiffe erforschen das Universum, manche davon werden zu berühmten Legenden – dazu gehört insbesondere die gigantische SOL. Perry Rhodan hat die Menschheit von Beginn an bei ihren Vorstößen ins All geleitet. Als er in der Milchstraße eine kosmische Katastrophe abwenden will, wird er auf unbekannte Weise versetzt – er kommt an einen Ort, der offenbar Millionen Lichtjahre von der Heimat entfernt ist. Dort findet er die SOL und die Nachkommen ihrer Besatzung. Diese Menschen leben unter primitiven Bedingungen in einem winzigen Tal; sie haben ihre Herkunft vergessen. Der Terraner kann daraus entkommen und erkennt, was mit der SOL geschehen ist. Mächtige Gegner haben die Menschen für unheilvolle Pläne missbraucht. Perry Rhodan erfährt mehr über DIE ALTHANOS-VERSCHWÖRUNG ...

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Nr. 2

Die Althanos-Verschwörung

Terraner auf einer Welt der Kosmokraten – ein Raumschiff braucht eine Besatzung

Bernd Perplies

Cover

Vorspann

Die Hauptpersonen des Romans

Prolog: Es war einmal ...

1. Up, up and away!

2. Festgesetzt

3. Mit erhöhtem Einsatz

4. Neues Wissen, neue Pläne

5. Hemlir mu-Varall

6. Rettungskommando Temm

7. Die Althanos-Verschwörung

8. Nieder mit den Dienern!

9. Unerwartete Verbündete

10. Eine holprige Heimkehr

11. Heltamars Angebot

12. Flucht von Evolux

Impressum

Das Jahr 1552 Neuer Galaktischer Zeitrechnung: Seit über 3000 Jahren reisen die Menschen zu den Sternen. Sie haben unzählige Planeten besiedelt und sind faszinierenden Fremdvölkern begegnet. Terranische Raumschiffe erforschen das Universum, manche davon werden zu berühmten Legenden – dazu gehört insbesondere die gigantische SOL.

Perry Rhodan hat die Menschheit von Beginn an bei ihren Vorstößen ins All geleitet. Als er in der Milchstraße eine kosmische Katastrophe abwenden will, wird er auf unbekannte Weise versetzt – er kommt an einen Ort, der offenbar Millionen Lichtjahre von der Heimat entfernt ist.

Dort findet er die SOL und die Nachkommen ihrer Besatzung. Diese Menschen leben unter primitiven Bedingungen in einem winzigen Tal; sie haben ihre Herkunft vergessen.

Der Terraner kann daraus entkommen und erkennt, was mit der SOL geschehen ist. Mächtige Gegner haben die Menschen für unheilvolle Pläne missbraucht. Perry Rhodan erfährt mehr über DIE ALTHANOS-VERSCHWÖRUNG ...

Die Hauptpersonen des Romans

Perry Rhodan – Der Terraner wagt einen Gewaltstart mit der SOL-Zelle 2.

Mahlia Meyun – Die Heilerin gewinnt verlorenes Wissen zurück.

Hemlir mu-Varall – Der Wissenschaftler verhält sich widersprüchlich.

Colwin Heltamar

Prolog

Es war einmal ...

Vor vielen, vielen Jahren, da lebten alle zufrieden in dem Tal, das die Alten von den Sternen für sie erwählt hatten. Es gab Speis und Trank im Überfluss, und jeder war gesund. Eltern und ihre Kinder waren glückliche Familien, und keiner hatte Sorgen.

Doch ihr Glück machte die Menschen undankbar und selbstsüchtig. Sie wollten es mit niemandem teilen. Das offenbarte sich, als eines Tages eine Familie mit zwei Kindern, einem Vater und einer Mutter in einem fliegenden Wagen erschien. Der Mann und die Frau waren sehr krank, und die Kinder baten die Talbewohner um Essen und Medizin. Die aber wollten nichts geben, denn alles, was sie hatten, brauchten sie für sich selbst.

Die Eltern der beiden Kinder starben noch in derselben Nacht, und am nächsten Morgen zogen die Kinder unter bitteren Tränen davon, denn sie hatten Vater und Mutter verloren.

Ein paar Jahre später kam ein Bote ins Tal, der die Bewohner davon unterrichtete, dass ein neuer Herr und eine neue Herrin in die Festung jenseits des Tals eingezogen waren. Diese luden alle Männer und Frauen des Tals zu sich ein, um die künftige Nachbarschaft mit einem rauschenden Fest zu feiern. Und jeder, der kommen würde, sollte ein ganz besonderes Geschenk erhalten.

Begierig, diese wohlhabenden Edlen kennenzulernen und ihre reichen Gaben zu empfangen, folgten alle Mütter und Väter der Einladung. Niemand wollte zurückbleiben, um auf die Kinder aufzupassen. Keiner wollte auf sein Geschenk verzichten.

Als sie auf der Feste eintrafen, begrüßten die Dorfbewohner die Gastgeber, die kostbarste Kleider und verzierte Gesichtsmasken trugen, voller Eifer und Ehrerbietung. Und sie schwelgten in dem wunderbarsten Festmahl, das man sich vorstellen kann.

Nach dem Mahl aber, als alle satt und müde auf ihren Stühlen ruhten, erhoben sich der junge Herr und die junge Herrin und nahmen ihre Masken ab. Und siehe! Es waren die Kinder von damals, die in dem Tal ihre Eltern verloren hatten, weil dessen Bewohner ihnen Nahrung und Medizin verweigert hatten.

»Dies war unser Geschenk an euch«, sagte der junge Herr und hielt ein Fläschchen hoch. »Eure Speisen waren allesamt vergiftet. Nun werdet ihr krank werden, und ihr werdet darben, bis auch der Letzte von euch gestorben ist. Und eure Kinder werden ohne Vater und Mutter aufwachsen müssen, so wie meine Schwester und ich.«

Da erhob sich großes Wehklagen unter den Männern und Frauen des Tals, aber die jungen Gebieter verschlossen ihre Herzen und zeigten kein Mitleid, sondern ließen die Gäste von ihren Soldaten in die tiefsten Kerker der Feste werfen.

So kam es, dass kein einziger Mann und keine einzige Frau je ins Tal zurückkehrte. Die Kinder waren allein, und das Leben im Tal wurde hart und beschwerlich. Es dauerte lange, bis sie lernten, auf sich gestellt zu überleben. Und nie wieder sollte es so werden, wie es einst gewesen war.

1.

Up, up and away!

Mit tosenden Strahltriebwerken stieg das gewaltige Kugelraumschiff, die SOL-Zelle 2, senkrecht in den Himmel, endlich befreit aus seiner steinernen Hülle, die sie viel zu lange umschlossen hatte.

In der Zentrale eilte Perry Rhodan von einer Kontrollkonsole zur nächsten. Ihm fehlte eine ausgebildete Mannschaft, und nach einer halben Ewigkeit ohne jede Wartung war das Schiff zudem keineswegs im Bestzustand. Die Positronik funktionierte nur rudimentär, deshalb musste sich Rhodan um zahlreiche Aufgaben persönlich kümmern.

Seine neue Bekanntschaft war ihm dabei eher ein Hindernis als eine Hilfe.

»Nicht wegfliegen!«, rief Mahlia Meyun. Die Heilerin hatte Rhodan nach seiner unfreiwilligen Ankunft im Tal der Gestrandeten gefunden, gesund gepflegt und bis zu diesem Punkt begleitet. »Wir müssen zurück und meinen Sohn finden! Er muss noch irgendwo dort unten sein!«

»Das hatten wir besprochen.« Rhodan blickte der jungen Frau mit dem dunklen, zum praktischen Pferdeschwanz gebundenen Haar streng in die grünbraunen Augen. »Wir kehren hierher zurück, sobald ich weiß, was das überhaupt für ein Ort ist und ob wir hier sicher sind.«

»Wir leben seit vielen Generationen in diesem Tal«, protestierte Meyun. »Es ist kein einfaches Leben, aber wir wurden noch nie angegriffen oder behelligt. Natürlich sind wir hier sicher.«

Rhodan schüttelte den Kopf, während er zur Ortungskontrolle eilte, um die Bilddaten der Außensensoren abzurufen. »Das Universum ist sehr viel größer als euer Tal, Mahlia. Und selbst diese Welt ist es. Ich brauche mehr Informationen, um entscheiden zu können, wie wir weiter vorgehen.«

»Aber ...«

Er schnitt ihren Einwand mit einer schroffen Geste ab. »Bitte, lass uns später streiten. Ich muss mich konzentrieren. Dieses Raumschiff ist nicht gerade für den Ein-Mann-Betrieb ausgelegt. Und du willst doch nicht, dass wir abstürzen, oder?«

Diese Gefahr war höchst unwahrscheinlich, aber seine Worte hatten die erwünschte Wirkung. Meyun verschränkte mit wütender Miene die Arme vor der Brust, sagte aber nichts mehr.

Rhodan richtete seine Aufmerksamkeit auf die Kursdaten und die Ortungsergebnisse. Sie waren bereits auf beinahe zwanzig Kilometer Höhe gestiegen. Die Daten, die ihm die astrometrischen Fernsensoren der SOL-Zelle 2 zuspielten, waren einzigartig.

»Also doch! Evolux!« Seine Ahnung hatte sich bestätigt. »Vier Sonnen der Spektralklasse F2, die ein Quadrat mit 6,9 Milliarden Kilometern Kantenlänge bilden ... ein Planet so groß wie ein Brauner Zwerg. Wenn wir weiter aufsteigen, werden wir noch vier andere Sonnen orten, die Eckpunkte eines gewaltigen Würfels. Die Weiße Welt. Das ist Evolux!«

»Du kennst diesen Planeten?«, fragte Elpin Vonnedal, der sich – ebenso wie die übrigen Aufständischen – in respektvollem Abstand am Eingang der Zentrale aufhielt.

»Ja«, bestätigte Rhodan. »Eine lange Geschichte. Um es kurz zu machen: Vor zweihundert Jahren tobte ein Krieg in meiner Heimat. Ich ...«

»Du bist zweihundert Jahre alt?«, entfuhr es Vonnedal.

»Noch viel längere Geschichte«, sagte Rhodan. »Und das spielt jetzt wirklich keine Rolle. Was ich sagen wollte: Ich brach zu einer Expedition auf, um ein Mittel zu finden, jenen Krieg zu beenden. Durch einen Unfall landeten wir auf Evolux. Viele, denen wir hier begegneten, wollten uns helfen, nach Hause zurückzukehren – nur leider nicht Dyramesch, der Herrscher. Er ließ uns gefangen nehmen. Wir haben ihn abgesetzt und eine gerechtere Regierung auf Evolux zurückgelassen.«

Vonnedal wagte sich näher. »Können wir es sehen?«, fragte er Rhodan.

»Was?«

»Unser Tal. Die Welt ringsum. Evolux.«

Rhodan zögerte nur kurz. »Natürlich.« Er änderte die bislang sehr schematische Anzeige im Holokubus in der Mitte der Raumschiffzentrale, sodass dieser ein Bild der Landschaft unter ihren Füßen präsentierte.

Staunend versammelten sich seine einheimischen Begleiter um das große Hologramm.

Das Tal, das ließ sich aus der Luft nun gut erkennen, lag in einem sehr kleinen Segment von etwa fünf mal zwanzig Kilometern, das von einem deutlich größeren Segment komplett umschlossen war.

»Das Tal ist so winzig und die Welt so groß«, murmelte Pravo Ylapp.

Der junge Mann mit dem jeder Individualität beraubten, wie zerschmolzen wirkenden Gesicht und den sanften, braunen Augen hatte zu den Bescheidenen Dienern Senns gehört, bis sein Weltbild durch Rhodans Ankunft erschüttert worden war. Er deutete auf die weithin leere Landschaft rund um den tiefen Bodeneinschnitt. Jenseits davon, in der Ferne am Horizont nur undeutlich zu erkennen, ragten Berge und hohe Türme auf.

»Die Oberfläche von Evolux ist riesig«, sagte Rhodan. »Über hunderttausend Völker leben auf diesem Planeten, der in Zigtausende einzelner Segmente unterteilt ist. Manche von ihnen sind so winzig wie euer Tal, andere groß wie Kontinente.«

»Aber warum leben sie alle hier?«, fragte Vonnedal.

»Sie bauen Raumschiffe für ...« Rhodan brach ab. »Noch eine lange Geschichte. Ich verspreche euch, dass ich alles erzählen werde – aber erst, wenn wir sicher sind, dass uns kein Ärger droht.«

»Und warum haben wir noch nie andere Bewohner getroffen?«, wollte Ylapp wissen.

»Das ist eine gute Frage, auf die auch ich gern eine Antwort hätte.«

Rhodan überprüfte erneut die Anzeigen der SZ-2, wie die Kurzbezeichnung für die SOL-Zelle 2 lautete, und dabei fiel ihm etwas auf.

Für gewöhnlich wurden die Segmente auf Evolux durch hyperphysikalische Trennfelder voneinander abgegrenzt. Das ermöglichte vollständig unterschiedliche Ökosysteme in unmittelbarer Nachbarschaft und stabilisierte zugleich die Planetenkruste. Obendrein reduzierte es die Oberflächenschwerkraft auf einen Wert ähnlich dem auf Terra. Andernfalls hätte die gewaltige, natürliche Gravitation des gigantischen Planeten längst sämtliches Leben darauf zerquetscht.

Wegen der Trennfelder konnten Raumschiffe zudem normalerweise nicht einfach von Segment zu Segment fliegen, sondern mussten hierzu spezielle Transmitter benutzen.

Im Fall des Tals der Gestrandeten schien jedoch nur ein leichter Prallschirm das Vermischen der Talatmosphäre mit der Umgebung zu verhindern. Einige Ortungsergebnisse deuteten darauf hin, dass dieses Energiefeld auch bestimmte Strahlungsfrequenzen absorbierte, insbesondere im Gammabereich mit Wellenlängen kürzer als fünf Pikometer. Feste Materie wie die SOL-Zelle 2 hingegen hätte problemlos hindurchfliegen können. Das deutete darauf hin, dass das kleine Talsegment in Wahrheit Teil eines größeren Planetensektors war.

Mittlerweile hatten sie eine Höhe von dreißig Kilometern erreicht. Noch hatte niemand auf Evolux auf den Start der SZ-2 reagiert, aber das musste nichts heißen. Sie waren erst wenige Sekunden in der Luft.

Falls die neuen Herrscher der Werftwelt jedoch entschieden, dass die SOL-Zelle dort bleiben sollte, wo sie mutmaßlich die vergangenen Jahrzehnte verbracht hatte, würden Rhodan und seine Gefährten bald Probleme bekommen.

Eine Flucht von Evolux war extrem schwierig. Diese Erfahrung hatte Rhodan schon mit der JULES VERNE vor zweihundert Jahren gemacht. Damals hatte es zweitausend Wachforts im Orbit um den Planeten gegeben, dazu kam die mobile Wachflotte der Yakonto, der Wächter und Lenker von Evolux, mit ihren dreihunderttausend Kampfschiffen.

Wenn man ihnen genug Zeit zum Reagieren gab, konnten die Herren der Weißen Welt jede Flucht eines einzelnen Schiffs also problemlos verhindern.

Meyun wandte sich von dem Bild im Holokubus ab. »Haben wir nicht schon genug gesehen? Nun wissen wir doch, wo wir sind. Wir können ins Tal zurückkehren.«

»Nein, tut mir leid, Mahlia«, lehnte Rhodan ab. »Wir haben dieses Raumschiff gestartet. Das wird jemandem bei den Herrschern dieser Welt aufgefallen sein. Erst wenn ich weiß, wie man auf uns reagiert, können wir weiterplanen.«

»Wie meinst du das?«, fragte Vonnedal.

»Nun, entweder ist man uns freundlich gesinnt, dann wird man uns demnächst anfunken und wir können danach beruhigt zum Tal zurückkehren. Oder man will uns festsetzen. Dann ...«

»... haben wir einen riesigen Fehler gemacht, indem wir den Verbotenen Tempel gestohlen haben?«, beendete Meyun den Satz für ihn.

»... ist das Rätsel um euch und dieses Tal noch interessanter geworden«, verbesserte sie Rhodan. »Außerdem sollten wir in dem Fall möglichst schnell von hier verschwinden, um uns an einem ruhigeren Ort eine Strategie auszudenken, wie wir dieses Rätsel lösen.«

Wozu im Übrigen auch die Frage gehörte, wohin der Mittelteil der SOL verschwunden war, den er nicht im Tal vorgefunden hatte. Aber das sagte Perry Rhodan nicht laut. Seine Begleiter waren von all dem schon genug überfordert.

*

Sie erreichten eine Höhe von fünfundvierzig Kilometern und damit den oberen Rand sowohl der Trennfelder als auch des hiesigen Prallschirms. Nun wurde es interessant.

Rhodan erhöhte die Geschwindigkeit der SZ-2.

Im nächsten Augenblick wurden alle von den Beinen gerissen. Die Beschleunigungskraft des Raumschiffs schlug mit unerbittlicher Gewalt zu. Rhodans Begleiter schrien entsetzt auf, als sie hart auf dem Boden der Zentrale aufprallten, jeder plötzlich ein Vielfaches so schwer wie normalerweise.

»Was ... ist ... das?«, rief Meyun gepresst. Sie lag flach auf dem Bauch und hatte erkennbar Schwierigkeiten, sich zu bewegen.

Rhodan erging es nicht anders. Und der Andruck wurde mit jeder Sekunde stärker!

Seine Gedanken überschlugen sich. Eine Fehlfunktion der SOL-Zelle war kaum wahrscheinlich. Solche lebensgefährlichen Ausfälle gab es auf terranischen Raumschiffen dank mehrfach redundanter Systeme praktisch nie. Wohl eher waren sie in ein Dämpfungsfeld irgendeiner Art geflogen, das die Antigravgeneratoren und Andruckabsorber störte.

Wenn er nichts unternahm, würde die Beschleunigung sie in kürzester Zeit umbringen!

Er stemmte sich gegen die Kraft, die ihn platt wie eine Flunder zu Boden pressen wollte, in die Höhe. Mit reiner Willensanstrengung schob er eine Hand über die Konsole zur Beschleunigungskontrolle. Ächzend hob er die Finger an, konzentrierte sich und zog sie dann über das Kontrollfeld zurück.

Sofort ließ der Druck auf ihre Körper nach. Mahlia Meyun und die anderen schnappten befreit nach Luft.

»Was, beim Sternentempel, war das?«, entfuhr es der Heilerin.

»Vermutlich eine Sicherheitsvorkehrung der neuen Regierung von Evolux«, erwiderte Rhodan säuerlich, während er die SOL-Zelle 2 wieder sinken ließ, aus dem Dämpfungsfeld hinaus.

Wenige Momente später normalisierte sich die Bordschwerkraft wieder.

Eine Warnung der Ortungskontrollen lenkte ihn davon ab, sich mit dem Problem näher zu befassen. »Und da kommen sie«, murmelte er. »Diesmal haben sie sich aber Zeit gelassen.«

Gemeint war ein Schwarm von etwa hundert kleinen Raumschiffen. Der genaue Bautyp war ihm unbekannt, aber von der Art her mussten sie aus Yakonto-Fertigung stammen und gehörten damit zweifellos zur Wachflotte von Evolux.

»Elpin, öffne mir einen Funkkanal!«, befahl er dem Mann, der zufällig neben der Kommunikationsstation der Zentrale stand.

Vonnedal wirkte verunsichert. »Äh, klar, gern. Aber wie soll ich das machen?«

Rhodan fluchte lautlos. Die Nachfahren der einstigen SOL-Besatzung wussten wirklich gar nichts mehr über terranische Technik. Ohne ein weiteres Wort eilte er an Vonnedals Seite und aktivierte eine Ausstrahlung auf den gängigsten Frequenzen.

»Hier spricht Perry Rhodan, an Bord der SOL-Zelle Zwei«, wandte er sich in der Sprache der Mächtigen an alle, die seine Sendung empfangen mochten. »Ich möchte mit dem Sequenz-Rat sprechen.«

Er bezweifelte, dass man ihm diese Bitte erfüllen würde. Der Hinweis auf die oberste Entscheidungsgewalt von Evolux weckte aber vielleicht die Neugier seiner Häscher.

»Was waren denn das für Laute?«, wunderte sich Vonnedal.

»Die Sprache der Mächtigen«, erläuterte Rhodan. »Die normale Verkehrssprache auf Evolux.«

Er wiederholte seine Anfrage, diesmal auch auf Interkosmo. Die Antwort, die er darauf erhielt, entsprach nicht ganz dem, was er erwartet hatte: Die nahenden Schiffe eröffneten das Feuer auf die SOL-Zelle.

»Ausweichmanöver!«, rief Rhodan, erkannte, dass niemand da war, der den Befehl befolgen konnte, und rannte daraufhin selbst zur Flugkontrolle. Er ließ die SZ-2 scharf in die Tiefe sacken, um den Energiestrahlen zu entgehen.

»Was soll das, verdammt?«, wandte er sich an die fremden Raumfahrzeuge. »Warum schießt ihr auf uns?«

»Wir sollten uns ergeben!«, rief Ylapp. »Sonst bringen die uns um.«

»Noch nicht«, erwiderte Rhodan knurrig.

Er holte die Sensordaten über seine Gegner auf einen nahen Holoschirm, um seine Chancen auszurechnen. Dabei bemerkte er, dass keine Lebenszeichen an Bord geortet wurden.

»Robotschiffe«, begriff er. »Kein Wunder, dass die nicht reden wollen.«

Wie konnte er Evolux verlassen, ohne von der Beschleunigung, die für den Aufstieg erforderlich war, zerquetscht zu werden?

Ein Raummanöver aus längst vergangenen Tagen kam ihm in den Sinn. Wenn er dicht über dem Boden genug Geschwindigkeit aufbaute und dann in flacher Kurve hochzog, gelang es ihm vielleicht, Evolux allein mit der am Ende erzielten ballistischen Fluchtgeschwindigkeit zu verlassen. Er würde den Bereich, in dem Antigrav und Andruckabsorber nicht funktionierten, durchqueren können, ohne währenddessen weiterbeschleunigen zu müssen. Sobald die SZ-2 dann den freien Raum erreichte, konnte er die Strahltriebwerke wieder aktivieren.

»Alle festhalten! Wir versuchen es mit einem etwas unkonventionellen Fluchtmanöver.«

Er ließ die SOL-Zelle 2 weiter in die Tiefe sinken und fing sie erst wenige Kilometer über dem Boden ab. Um die nötige Geschwindigkeit in so geringer Höhe aufzubauen, brauchte er vor allem eins: weites, leeres Land.

Die SZ-2 war ein Kugelraumer der UNIVERSUM-Klasse und durchmaß zweitausendfünfhundert Meter. Wenn er mit diesem Ungetüm in der Atmosphäre vollen Schub gab, hätte der Überschallknall die Wirkung von hundert Atombomben. Die Erdkruste würde aufreißen, Berghänge würden zerschmettert. Ein Sturm mit Windgeschwindigkeiten, wie man sie sonst nur in der Atmosphäre von Gasriesen kannte, würde übers Land fegen, und alles Leben würde durch den schlagartigen Luftdruckwechsel zuerst zerquetscht werden und dann zerplatzen.

Diesen Weltuntergang durfte er nur über einem Segment entfesseln, das vollkommen unbewohnt war. Genau das schien bei dem Großsegment der Fall zu sein, welches das Tal der Gestrandeten einschloss.