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"Mit Hörnchen durch das Jahr" ist ein bunt bebildertes Tierbuch, in dem die Tiere eines Gartengrundstückes wie Menschen handeln. Sie sprechen, spielen und streiten miteinander, sind gute Freunde und helfen sich gegenseitig bei der Futtersuche. In den verschiedenen Jahreszeiten erleben die Freunde gemeinsame Abenteuer und meistern Gefahren. Hier sind auch Tiere miteinander befreundet, die in der Wirklichkeit nicht immer harmonieren. Kinder lernen verschiedene Tierarten kennen. Sie erfahren, wie sie aussehen, wo sie ihre Behausung haben und welche Nahrung sie zu sich nehmen. Liebe, Güte und harmonisches Zusammenleben können sowohl Jungen als auch Mädchen im täglichen Miteinander auf sich übertragen.
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Seitenzahl: 28
Veröffentlichungsjahr: 2018
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Birgit Lucas
Mit Hörnchen durch das Jahr
Tiermärchen
Dieses ebook wurde erstellt bei
Inhaltsverzeichnis
Titel
Mit Hörnchen durch das Jahr
Impressum neobooks
Kennst du es auch? Ich habe es gesehen. Es sprang von Apfelbaum zu Apfelbaum, dann hinein in die zarten Äste der Birke und von da ab in die höchsten Wipfel unserer Fichte. Aber da – da springt es schon wieder hervor, neugierig sich umschauend, vorsichtig und husch – schon ist es meinen Blicken entschwunden. Ob ich es kenne?
Aber natürlich! Das ist Hörnchen! Alle Welt kennt Hörnchen, zumindest diejenigen, die hier wohnen: Katze Morli, Pieps, die Feldmaus und natürlich Blindwurm, der Maulwurf. Aber am besten bekannt ist es mit Rudi, dem Eichelhäher, denn der flattert zu Besuch, wenn er das Hörnchen schon von weitem klettern sieht. So manches Mal hat er es mit seinem schrillen Ruf vor Gefahren gewarnt, wenn Hörnchen zu übermütig wurde und nicht genügend aufpasste. Die meiste Zeit aber turnt das Eichhörnchen unbekümmert in den Zweigen herum. Es schaut zu drollig aus mit seinem buschigen Schwanz. Kohlrabenschwarz ist es, mit einer weißen Zeichnung auf dem Bauch, die wie ein abnehmender Mond aussieht. Und erst die dunkelbraunen Knopfaugen! Aufmerksam und munter sind sie, stets in Bewegung, ihnen entgeht rein gar nichts. Oder beinahe fast nichts.
Es ist eine eiskalte, stürmische Herbstnacht und eigentlich schläft das Hörnchen da tief und fest in seinem Kobel, versteckt in der alten Fichte. Den ganzen Sommer über baute es emsig an seiner kugeligen, aus Ästen, Zweigen und Blättern bestehenden Behausung. Nun kann es sich dort so richtig gemütlich machen, zusammengerollt und mit dem buschigen Schwanz zugedeckt, lange, kalte Winternächte verschlafen. Diesmal aber ist es anders. Schon am frühen Abend verspürt das Eichhörnchen plötzlich ein Hungergefühl. Ringsum zaubert der Wind ihm die süßesten Düfte in die kleine Nase. Aufgewacht, sich umgeschaut und flugs aus dem Bau gekrochen, erblickt das Hörnchen eine wundersame Verwandlung seiner Umgebung. Die Bäume ringsum haben zum Teil ihr buntes Laub verloren. Kein Wunder, dass es erwacht ist, denn die Nacht erscheint ihm plötzlich spannender und aufregender als zuvor. Die Fenster sind hell erleuchtet und in die meisten kann man sogar hineinsehen. Eifrig sind die Menschen am Werkeln. Es wird gekocht, gebrutzelt und gebacken. Und da steigt er ihm wieder in die Nase – dieser ganz besondere Duft nach Nüssen, Mandeln und Rosinen. Wo er wohl herkommt? Flink klettert Hörnchen den Stamm hinab. Ob es auf Morli trifft? Schleicht die Katze auf Samtpfoten im Garten umher? Hörnchen schaut sich fast die Augen aus, doch Morli ist nicht zu sehen. Die kann man also nicht befragen. Alle anderen Tiere schlafen wohl schon. Hörnchen muss sich gedulden, zumindest bis zum nächsten Tag. Was hätte es jetzt auch gebracht, wenn es im Dunkeln anfangen würde, nach versteckten Nüssen zu graben. Von Ast zu Ast springt es hinauf bis in sein warmes Nestchen hinein, die Düfte der Nacht in der Nase. Und eingehüllt in Moos und Ästen entschwindet es den Blicken der Sterne und schlummert endlich friedlich wieder ein.
