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mÖh und mÄh sind zwei kleine Schäfchen, die die Welt entdecken und spannende Abenteuer erleben. Eigentlich grundverschieden, ergänzen sie sich doch am Ende gegenseitig und werden Freunde für's Leben.
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Veröffentlichungsjahr: 2014
Langsam wurde es Abend. Die letzten Sonnenstrahlen schienen noch auf die hohen, schneebedeckten Berge weit in der Ferne. Das Tal, in das gerade ein Schafhirte mit seiner Herde von einer grünen Anhöhe herunter kam, lag bereits zur Hälfte im Schatten. Der Hirte wolle noch rechtzeitig vor der Dunkelheit bei seiner Hütte unten am Fluss ankommen, damit die Schafe Schutz auf der eingezäunten Weide vor den wilden Tieren des Wald hatten. Drei schwarze Hütehunde liefen um die Herde und halfen dem Hirte, die Schafe beisammenzuhalten und sie sicher nach Hause zu führen. Sobald eines der Tiere oder sogar eine Gruppe versuchte, in eine andere Richtung zu laufen als der Hirte vorgab, trieben die Hunde die Ausreißer wieder zurück zu den anderen.
Es war eine große Schafherde mit einigen hundert braunen und weißen Schafen. Auch kleine, junge Lämmchen waren unter ihnen. Weil sie noch nicht so schnell laufen konnten, musste der Hirte immer wieder eine kleine Pause machen. So legten sich Dunkelheit und Stille langsam über das Tal. Der Vollmond ging auf und leuchtete ihnen den Heimweg.
Der Hirte wusste um die Gefahr, die in den sie umgebenden Wäldern lauerte: Wölfe und andere wilde Tiere, für die die Schafe auf offener Ebene leichte Beute sein konnten.
Um so mehr war er beruhigt, als er mit seiner Herde an seinem kleinen Holzhäuschen ankam und hinter dem letzten Schaf das Gattertor schließen konnte. Er hatte jedes der Schafe gezählt und keines fehlte. Nun war es Aufgabe der Hunde in der Nacht Wache zu halten und die Schafe zu beschützen. Er selbst begab sich in die Hütte, bereitete sich ein kleines Abendessen zu und ging früh zu Bett.
Für zwei kleine Schäfchen ging ein aufregender, aber auch anstrengender Tag zu Ende. Heute war das erste Mal, dass sie zusammen mit den anderen Schafen auf die weit entfernte Wiese gelaufen waren. Die letzten Wochen hatten sie zusammen mit ihren Müttern nur im Stall bei der Hütte verbracht.
Die Welt draußen kannten sie bislang nicht: Die saftigen Wiesen, Blumen, Gräser und Büsche. Und den großen Wald. Alles war neu und großartig.
Den ganzen Tag waren sie umhergetollt, über Stock und Stein gesprungen, Schmetterlinge verfolgt und hatten saftiges Gras gekostet. Das schmeckte viel besser als das trockene Heu, welches sie bislang immer im Stall fressen mussten.
„Mama. Das war ein toller Tag“, sagte das kleine weiße Schäfchen zu seiner Mutter. „Ich bin so müde“. Dabei kuschelte es sich eng an seine Mama. „Schlaf schön, mÖh“, sagte die Mutter, doch mÖh schlief schon und träumte von tanzenden Schmetterlingen, denen es hinterherjagte.
Auch mÄh, das kleine braune Schäfchen lag schon neben seiner Mutter. „... und dann bin ich über einen gaaaanz hohen Stein gesprungen. Der war so hoch wie ein Baum.“ erzählte mÄh gähnend seiner Mama. „Ich weiß“, lächelte sie liebevoll und gab ihm einen Kuss auf seine schwarze Schnauze.
In die gesamte Herde kehrte Ruhe ein, während der Vollmond inmitten unzähliger Sterne das Tal mit seinem Licht erhellte.
Und niemand ahnte, dass sich in dieser Ruhe dunkle Schatten zwischen den Bäumen bewegten, die mit scharfen Zähnen und hechelnd daran arbeiteten, diesen Frieden zu zerstören.
mÖh schreckte vom Ruf eines Käuzchens aus dem Schlaf. „Huhuuuuu“, schallte es durch den dunkeln Wald. „Keine Angst mein Kind. Das ist nur ein Waldkauz, der jetzt auf die Jagd geht“, beruhigte ihn seine Mama, die ebenfalls aufgewacht war. „Ist dieser Kauz riesig und jagt er etwa uns?“, flüsterte mÖh ängstlich. „Aber nein“, erwiderte die Mutter. „Das ist harmloser, kleiner Nachtvogel, vor dem du keine Angst zu haben brauchst. Er schläft am Tag und jagt in der Nacht Mäuse, Falter und andere kleine Insekten“, beruhigte die Mama das zitternde Schäfchen. Scheinbar hatte das Käuzchen Jagdglück, denn nun herrschte wieder absolute Stille, sodass mÖh kurz darauf schon wieder fest eingeschlafen war.
Der Mond verblasste langsam am Himmel und machte den ersten Sonnenstrahlen am Horizont Platz. Der Hirte war schon aufgestanden und richtete das Futter für die Hunde.
„Gut gemacht, Jungs!“, lobte er die Hunde.
„Prima aufgepasst auf meine Schäfchen. Alle sind wohlbehalten durch die Nacht gekommen. Hier habt ihr euer Frühstück.“ Damit stellte er die gefüllten Fressnäpfe vor sich auf den Boden, über die sich die drei Hütehunde schmatzend hermachten.
mÄh war ein Frühaufsteher. Während alle anderen Schafe noch schliefen, erkundete er die Weide. Am hinteren Ende, zum Wald hin gelegen, gab es einen großen Teich. Das braune Schäfchen lief vorsichtig auf dieses spiegelnde, glitzernde Etwas zu. Es hatte noch nie einen Teich gesehen. Am Wasser angekommen, schob es vorsichtig seine Schnauze der Wasseroberfläche entgegen. Auf einem Seerosenblatt saß ein dicker, grüner Frosch, blähte die Backen auf und quakte seinen schönsten Froschgesang. „Wer bist Du?“, fragte mÄh. „Ich bin ein Frosch“, antwortete dieser. „Und warum hast Du so ein dickes Gesicht?“ fragte das Schäfchen.
„Dickes Gesicht!?!“, entrüstete sich der Frosch. „Wieso dickes Gesicht? Unverschämt. Ich singe! Stör mich nicht.“ Und wieder blähte der Frosch die Backen auf und ließ ein lautes Quaaaaak hören.
In diesem Moment setzte sich eine Fliege auf die Schnauze von mÄh. Der Frosch sah das und stieß mit seiner langen, roten Zunge in Richtung Schnauze von mÄh, fing die Fliege, fraß sie und sprang mit einem mächtigen Satz ins Wasser, sodass es nur so spritze !
Für mÄh war das alles so unerwartet und blitzschnell passiert, dass er sich so erschrocken hatte und nun voller Angst und im Galopp blökend zu seiner Mutter rannte. Er erzählte ihr von dem grünen, schleimigen Tier mit der langen roten Zunge und dessen Angriff auf sein Leben. Aber die Mutter beruhigte ihn und erklärte. „Keine Angst, mein Schatz. Das war ein Frosch. Vor dem brauchst Du Dich nicht zu fürchten. Sie fressen nun einmal gerne Fliegen und mit ihrer langen, geschickten, klebrigen Zunge, können sie diese auch aus weiter Entfernung fangen. Er wollte Dir nichts tun.
mÄh traute der Sache noch nicht wirklich. - so tief saß der Schreck. Aber da mittlerweile auch mÖh aufgewacht war, wollte er die Sache mit dem Frosch so schnell wie möglich vergessen und so trabte er dem weißen Schäfchen entgegen und begrüßte es. „Guten Morgen, Schlafmütze“, lächelte mÄh. „Guten Morgen, Frühaufsteher“, antwortete mÖh.
„Lass uns zusammen auf der Weide 'Fang-mich' spielen“, sagte mÄh. Dieser nickte und los ging die wilde Jagd. Nach kurzer Zeit waren beide außer Atem und machten eine kleine Pause.