Beschreibung

Vierzehn Jugendliche. Eine Shopping-Mall. Eine Welt, in der nichts mehr ist, wie es einmal war.

An dem Tag, als die Welt untergeht und ein Tsunami die Ostküste der USA trifft, stranden 14 Jugendliche in einem Einkaufszentrum. Schnell wird ihnen klar, dass sie völlig auf sich allein gestellt sind. Während der Strom ausfällt und die Zivilisation zusammenbricht, braut sich am Himmel etwas noch viel Furchtbareres zusammen. Eine Giftwolke aus einer nahen Chemiefabrik nähert sich dem Einkaufszentrum. Diejenigen, die die Chemikalien einatmen, verändern sich in völlig unerwarteter und beängstigender Weise. Der zurückhaltende Dean, bislang eher ein Außenseiter, muss sich mit den anderen verbünden und um sein Überleben kämpfen …

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Seitenzahl: 397

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Das Buch

Der Tag, an dem die Welt untergeht, beginnt eigentlich ganz normal: Wie jeden Morgen steigt der schüchterne Dean mit seinem jüngeren Bruder Alex in den Schulbus. Doch in der Schule kommen sie nie an. Ein Orkan, verbunden mit einem Hagelschlag von unvorstellbarer Stärke, zwingt die beherzte Busfahrerin Mrs. Wooly, in einem Einkaufszentrum haltzumachen. Dann zieht sie los, um Hilfe zu holen. Die Jugendlichen, insgesamt vierzehn, bleiben allein zurück. Anfangs erscheint ihnen alles noch als ein großes Abenteuer, doch allmählich wird ihnen das Ausmaß der Katastrophe bewusst. Kurz bevor der Fernsehempfang zusammenbricht, erhalten sie die dringende Warnung, Fenster und Türen geschlossen zu halten. Als einige, unter ihnen Dean, aufs Dach steigen, um notdürftig ein Loch zu schließen, atmen sie eine giftige Wolke aus der nahen Chemiefabrik ein. Mit verheerenden Folgen: Die Chemikalien machen nicht nur krank, sondern wirken auch wesensverändernd. Unter anderem bei Dean, der eine nie gekannte Aggression in sich aufsteigen spürt …

Die Autorin

Emmy Laybourne arbeitete als Schauspielerin, ehe sie zum Schrei­ben kam. Über den großen Erfolg von MONUMENT 14, ihrem Debütroman, ist sie noch immer selbst erstaunt. Mit ihrem Mann, zwei Kindern und der australischen Echse Goldie lebt sie im Bundesstaat New York.

 

 

EMMY LAYBOURNE

MONUMENT 14

Aus dem Amerikanischen von Ulrich Thiele

 

Die Originalausgabe erscheint unter dem Titel Monument 14

bei Feiwel & Friends, New York

Copyright © 2012 by Emily Murdoch

Copyright © 2014 der deutschsprachigen Ausgabe

by Wilhelm Heyne Verlag, München,

in der Verlagsgruppe Random House GmbH

Redaktion: Christine Schlitt

Umschlaggestaltung: Nele Schütz Design, München

Satz: Christine Roithner Verlagsservice, Breitenaich

ISBN: 978-3-641-11112-0

www.heyne-fliegt.de

 

Für meinen Bruder

 

 

1– Dingdingding

ERSTER TAG

Deine Mutter kreischt, dass du gleich den Bus verpasst. Sie sieht ihn schon kommen. Du bleibst nicht stehen, um sie zu umarmen und ihr zu sagen, dass du sie liebst. Du dankst ihr nicht dafür, dass sie so eine gute, fürsorgliche, geduldige Mutter ist. Natürlich nicht. Stattdessen schießt du die Treppe runter und sprintest zur Straßenecke.

Wenn es das letzte Mal ist, dass du deine Mutter siehst, wünschst du dir irgendwann, du wärst stehen geblieben, um all das zu tun. Sogar wenn du dadurch den Bus verpasst hättest.

Doch der Bus bretterte bereits durch unsere Straße, und so rannte ich los.

Als ich über die Einfahrt hetzte, hörte ich noch, wie Mom nach meinem Bruder Alex brüllte. Sein Bus, der direkt hinter meinem in den Park Trail Drive eingebogen war, kam pünktlich auf die Minute um 7.09 Uhr. Meiner hätte eigentlich um 6.57 Uhr eintreffen sollen, war aber so gut wie immer spät dran. Als wäre der Busfahrer ebenfalls der Meinung gewesen, dass es irgendwie unfair wäre, mich vor sieben abzuholen.

Alex stürmte hinter mir aus dem Haus. Unsere Sneaker klatschten in einem doppelten Stampfrhythmus über den Gehsteig.

»Denk dran«, rief er mir hinterher, »dass wir nach der Schule noch zur Heilsarmee wollen!«

»Ja, klar«, meinte ich.

Mein Busfahrer drückte auf die Hupe.

Nach der Schule sind Alex und ich manchmal rüber in den Second-Hand-Laden der Heilsarmee, um uns nach altem Elektronikkram umzuschauen. Vor der Benzinknappheit hatte ich Alex immer hingefahren. Jetzt nahmen wir die Räder.

Früher hatte ich ihn auch zur Schule kutschiert, doch seit das Benzin knapp wurde, nahm die ganze Schule den Bus, alle, sogar wir Oberstufler. Wir hatten keine Wahl – es war Vorschrift.

Ich hastete die kurze Treppe hoch und war im Bus.

Hinter mir hörte ich, wie sich Mrs. Wooly sarkastisch bei Alex bedankte: »Wie schön, dass du es auch einrichten konntest, Alex.«

Mrs. Wooly fuhr den Grund- und Mittelschulbus seit Urzeiten. In unserer Stadt war sie eine Institution – eine ergraute Institution mit drahtigem Haar, die nach Aschenbecher stank und kein Blatt vor den Mund nahm. Ihr einziger Sinn im Leben war Busfahren, und dafür war sie berühmt-berüchtigt. Sie war schon ziemlich einzigartig.

Mein Busfahrer, der vom Highschoolbus, war dagegen krankhaft fettleibig und nicht der Rede wert. Mr. Reed war für gar nichts berühmt. Höchstens dafür, dass er seinen Morgenkaffee aus einem alten Marmeladenglas trank.

Obwohl der Bus erst kurze Zeit unterwegs war, hielt Jake bereits ganz hinten Hof. Jake Simonsen, der Footballheld, der Obermacker. Jake war vor einem Jahr aus Texas an unsere Schule gewechselt. Zu Hause im Süden, wo sich alles um Football drehte, war er eine Riesennummer, und bei uns wurde er schon genauso verehrt. Mindestens.

»Snacks!«, meinte Jake gerade. »Ich sag’s euch, Leute! An meiner alten Highschool haben ein paar Mädchen Cola und Kekse und Baked Potatoes verkauft, und zwar bei jedem Spiel. Die haben, was weiß ich, Millionen verdient!«

»Millionen?«, fragte Astrid.

Astrid Heyman, die beste Turmspringerin des Schwimmteams, die grausame Göttin, das Mädchen meiner Träume.

»Und wenn schon«, fuhr sie fort. »Ich würde meinen Sport nie aufgeben, um dem Footballteam unter die Arme zu greifen.«

Jake schenkte ihr sein goldenes Lächeln. »Nicht um uns unter die Arme zu greifen, Baby. Um einen Batzen Geld zu machen!«

Sie hämmerte ihm die Faust auf den Arm.

»Au!« Jake grinste. »Mann, hast du Kraft. Du solltest es mal mit Boxen versuchen.«

»Ich hab vier kleine Brüder«, erwiderte Astrid. »Ich boxe ­jeden Tag.«

Währenddessen kauerte ich mich auf meinen Platz und atmete erst mal durch. Die Lehnen der blattgrünen Kunst­ledersitze waren so hoch, dass man sich nur richtig hinfläzen musste, um für einen Moment zu verschwinden.

Ich zog den Kopf ein, weil ich mir keine blöden Kommentare über meinen Spurt zum Bus einfangen wollte. Aber Astrid schien nicht mal mitbekommen zu haben, dass ich eingestiegen war. Das war zugleich gut und schlecht.

Hinter mir schmiedeten Josie Miller und Trish Greenstein Pläne für irgendeine Tierrechtsdemo. Die beiden waren so ­eine Art Hippie-Gutmenschen. Normalerweise hätte ich sie gar nicht richtig gekannt. Doch in der sechsten Klasse hatte ich mich mal freiwillig gemeldet, um Wahlkampf für Cory Booker zu machen, und so waren wir gemeinsam von Tür zu Tür gezogen. Das war eigentlich ganz lustig, aber jetzt sagten wir nicht mal mehr Hi, wenn wir uns sahen.

Fragt mich nicht warum. Die Highschool veränderte die Leute irgendwie.

Der Einzige, der mich überhaupt wahrgenommen hatte, schien Niko Mills zu sein. Niko beugte sich rüber und zeigte auf meinen Schuh. Er sagte nichts – dafür war er wohl zu cool –, er zeigte nur. Und er hatte recht: Meine Schnürsenkel waren ­offen. Ich band den Schuh neu und bedankte mich, doch dann schob ich mir sofort die Ohrstöpsel rein und konzentrierte mich auf mein Minitablet. Ich hatte Niko nichts zu sagen und er mir offenbar auch nicht. Sonst hätte er nicht so auf meinen Schuh gedeutet.

Soweit ich wusste, wohnte Niko mit seinem Großvater in einem Blockhaus am Fuß des Mount Herman. Die beiden jagten sich ihr Essen selbst und hatten keinen Strom, und als Klopapier benutzten sie wild wachsende Pilze. Oder so ähnlich.

In der Schule wurde Niko nur »tapferer Jägersmann« genannt, und der Spitzname passte wirklich wunderbar zu seiner perfekten Haltung, seiner dünnen, drahtigen Statur und seiner ganzen Kombination aus brauner Haut, braunen Augen und braunem Haar. Niko hatte etwas Steifes, Stolzes an sich – wie die meisten Leute, mit denen keiner redet.

Ich ignorierte den tapferen Jägersmann und versuchte, mein Minitab hochzufahren. Aber das Teil war tot, was echt seltsam war. Ich hatte es gerade erst vom Ladedock geholt, bevor ich aus dem Haus ging.

Da hörte ich ein leises Geräusch: Dingdingding.Ich nahm die Ohrstöpsel raus und lauschte auf die kleinen Dings. Sieklangen wie Regen, nur metallischer.

Plötzlich verwandelten sich die Dings in DINGS, aus den DINGS wurde Mr. Reeds Schrei: »Verdammte Scheiße!«, und im nächsten Moment dellte sich das Dach ein – WUMM, WUMM, WUMM. Spinnennetzartige Risse schossen durch die Windschutzscheibe. Mit jedem WUMM verwandelte sich die Scheibe wie bei einer Diashow. Je mehr Risse durchs Glas zuckten, desto undurchsichtiger wurde sie.

Ich blickte aus dem Seitenfenster.

Hagelkörner prasselten auf den Asphalt, in allen Größen, von winzig klein bis das-kann-doch-kein-Hagel-mehr-sein.

Autos rutschten über die komplette Straße. Doch im Gegensatz zu den anderen Fahrern stieg Mr. Reed nicht auf die Bremse, sondern aufs Gas. Er war ein geborener Raser.

Unser Bus schlingerte über eine Kreuzung, quer über den Mittelstreifen und auf den Parkplatz des Greenway-Super­stores. Der war noch ziemlich leer, weil es gerade mal Viertel nach sieben oder so war.

Als ich mich umdrehte, nach hinten, zu Astrid, schaltete die Welt gleichzeitig auf Zeitlupe und Zeitraffer. Der Bus schlitterte auf dem Eis, brach seitlich aus und geriet ins Schleudern, immer schneller und schneller, bis es mir den Magen in den Hals drückte. Ungefähr drei Sekunden lang wurde mein Rücken gegen das Fenster gepresst wie in einem heftigen Karussell, dann krachten wir gegen eine Straßenlaterne. Ein gräss­liches metallisches Knirschen.

Ich wollte mich noch an die Lehne vor mir klammern, aber da schmiss es mich schon durch die Luft. Auch ein paar andere flogen durch die Gegend. Ich hörte keine Schreie. Nur Grunzlaute und ab und zu einen dumpfen Aufprall.

Obwohl es mich seitlich weggeschleudert hatte, knallte ich gegen das Dach. Wie war das möglich? Kurz darauf kapierte ich es – der Bus war umgekippt. Er kreischte auf der Seite über den Asphalt. Und kam bebend zum Stillstand.

Der Hagel, der bisher das Dach gnadenlos eingedellt hatte, dellte jetzt uns gnadenlos ein.

Denn jetzt lag der Bus auf der Seite, und die Fensterreihe über uns hämmerte der Hagel sofort durch. Viele meiner Mitschüler wurden zugleich vom Hagel und vom Scherbenregen getroffen.

Aber ich hatte Glück. In meiner Nähe hatte sich ein Sitz gelöst, den ich über meinen Kopf zerren konnte wie ein kleines Dach.

Es hagelte Eisklumpen in allen Größen. Manche waren klein und rund wie Murmeln, manche waren riesige knollige Teile, in denen Kies und anderes graues Zeug steckten.

Überall wurde geschrien und gebrüllt. Jeder versuchte, sich möglichst schnell unter einem lockeren Sitz zu verkriechen oder aufzustehen und sich an die Wand zu pressen, also ans ehemalige Dach.

Ein Lärm, als wären wir in einem Sturzbach aus Steinen und Felsblöcken gefangen. Das Hämmern nahm kein Ende. Als würde jemand mit einem Baseballschläger auf den Sitz über meinem Kopf einprügeln.

Ich beugte mich noch weiter vor, um aus den Überresten der Windschutzscheibe zu blicken. Durch den weißen Sprühnebel sah ich den Mittelschulbus. Alex’ Bus. Der Bus war tatsächlich noch unterwegs. Er war nicht ins Schleudern geraten. Anders als Mr. Reed hatte Mrs. Wooly die Kontrolle behalten.

Ihr Bus preschte über den Parkplatz und hielt direkt auf den Haupteingang des Greenway-Superstores zu.

Und ich dachte: Mrs. Wooly fährt das Ding einfach in den Greenway. Ich wusste, dass sie die Kids aus dem Hagel bringen würde, und das tat sie auch. Sie rammte den Bus mitten durch die Glastür des Supermarkts.

Alex war in Sicherheit. Gut.

Im selben Augenblick hörte ich ein erbärmliches Wimmern. Ich schob mich ein Stück vorwärts und spähte um den Fahrersitz herum. Vorne, wo der Bus gegen die Straßenlaterne gedonnert war, hatte es die Karosserie eingedrückt.

Und das Wimmern kam von Mr. Reed. Er war hinter dem Lenkrad eingezwängt. Blut floss aus seinem Kopf wie Milch aus der Tüte. Bald verstummte das Wimmern. Aber darüber konnte ich jetzt nicht weiter nachdenken.

Stattdessen blickte ich zur Tür, hinter der nun eine Wand aus Asphalt lag, und fragte mich, wie wir hier jemals rauskommen sollten. Wir kamen hier nicht raus. Die Windschutzscheibe hatte es gegen die Motorhaube gequetscht.

Der Bus war ein einziges zerknautschtes Knäuel, das auch noch auf die Seite gekippt war. Und wir saßen drin fest.

Josie Miller schrie. Alle anderen hatten sich instinktiv aus dem Hagel verzogen, aber Josie saß immer noch brüllend auf ihrem Sitz und ließ sich von den Eisklumpen verprügeln.

Außerdem war sie voller Blut. Aber es war nicht ihr Blut – sie versuchte, den Arm ihrer Sitznachbarin zwischen zwei übel zugerichteten Sitzen hervorzuziehen. Ich erinnerte mich, wer neben ihr gesessen hatte: Trish. Der Arm war schlaff wie eine Nudel und rutschte Josie immer wieder aus den Fingern. Trish war offensichtlich tot, aber das wollte Josie nicht einsehen.

Brayden war unter einem umgedrehten Sitz in Deckung gegangen. Der Typ war ein Vollidiot, der dauernd damit angab, dass sein Dad beim Luftwaffenkommando NORAD arbeitete. Jetzt holte er sein Minitab raus, um die panische Josie zu filmen, wie sie wieder und wieder nach dem glitschigen Arm griff.

Ein Monsterhagelkorn traf Josie an der Stirn und riss eine lange, pinkfarbene Wunde in ihre dunkle Haut. Blut rann über ihr Gesicht.

Wenn sie da sitzen blieb, im Hagel, würde sie sterben. Das war mir klar.

»Scheiße!«, fauchte Brayden sein Minitab an. »Mach schon!«

Ich musste was tun. Ich musste Josie helfen. Tu was. Hilf ihr.

Doch mein Körper hörte nicht auf mein Gewissen.

Da streckte Niko die Hände aus, packte Josie an den Füßen und zog sie unter einen verbogenen Sitz. Einfach so. Er streckte die Hände aus und zerrte sie an den Beinen zu sich, schützte sie mit dem eigenen Körper und hielt sie fest, während sie schluchzte. Wie ein Pärchen im Horrorfilm.

Irgendwie hatte Nikos Heldentat den Bann gebrochen. Die anderen suchten nach einem Weg ins Freie. Astrid kroch nach vorne – sie wollte die Windschutzscheibe eintreten. »Hilf mir!«, rief sie, als sie mich auf dem Boden kauern sah.

Ich glotzte nur auf ihren Mund. Auf ihren Nasenring. Auf ihre Lippen, die sich bewegten und Laute formten. »Nein«, wollte ich sagen. »Wir können da nicht raus. Wir müssen hierbleiben, im schützenden Bus.« Doch ich bekam die Worte nicht auf die Reihe.

Astrid stand auf und brüllte in Richtung Jake und Co.: »Wir müssen in den Laden!«

»Nein«, krächzte ich endlich. »Das geht nicht. Der Hagel bringt uns um.« Aber da war Astrid schon wieder hinten.

»Versuch’s mit dem Notausgang!«, schrie irgendwer. Hinten zerrte Jake schon seit einiger Zeit an der Tür des Notausgangs, aber er bekam sie nicht auf. Ein paar Minuten lang herrschte pures Chaos. Ich weiß nicht, wie lang genau, denn mir war inzwischen ziemlich seltsam zumute. Als würde mein Kopf hoch über allem anderen schweben, wie ein Ballon.

Bis ich ein sehr merkwürdiges Geräusch hörte: das Piep-Piep-Piep eines zurücksetzenden Schulbusses. Durch das Geschrei der anderen und den krachenden Hagel hörte ich dieses Piepen. Es war Wahnsinn.

Piep-Piep-Piep, als würde der Bus auf einer Exkursion in den Mesa-Verde-Nationalpark am Besucherzentrum einparken.

Piep-Piep-Piep, als wäre alles wie immer.

Mit zusammengekniffenen Augen spähte ich ins Freie – und sah, wie Mrs. Woolys Grund- und Mittelschulbus rückwärts auf uns zusteuerte. Der Bus hatte starke Schlagseite nach rechts, und als er in den Greenway gerasselt war, hatte es die Windschutzscheibe eingedellt. Aber er kam zu uns.

Durch das Loch, aus dem ich schaute, sickerte der erste schwarze Rauch ins Innere unseres Busses. Ölige, dickflüssige Luft. Ich musste husten. Meine Lunge schmerzte, als würde sie brennen.

Ein Gedanke kam mir in den Sinn: Es ist Zeit, schlafen zu gehen. Jetzt wäre ein guter Zeitpunkt einzuschlafen. Der Gedanke erschien mir absolut logisch und überzeugend.

Aber die anderen schrien immer lauter: »Der Bus brennt!«, »Das Ding explodiert gleich!«, »Wir werden sterben!«

Und ich dachte mir: Stimmt. Wir werden sterben. Aber das ist in Ordnung. Das ist richtig so. Wir sollen sterben. Wir werden sterben.

Hinter mir schepperte es. Metall auf Metall.

»Sie will die Tür aufbrechen!«, rief irgendwer.

»Helft uns!«

Ich schloss die Augen. Ich fühlte mich, als würde ich langsam in tiefem Wasser versinken. Ein schläfriges, warmes Gefühl. Ein angenehmes Gefühl.

Vor mir tat sich ein helles Licht auf. Im offenen Notausgang stand Mrs. Wooly, mit einer Axt in der Hand. Sie hatte die Tür aufgehackt.

Und sie brüllte: »Raus aus dem gottverdammten Bus!«

2 – Rettungsdecken

ERSTER TAG

Aber die Sache war die: Ich war müde. Ich sah zu, wie die anderen nach hinten hasteten, zu Mrs. Wooly, und wie sie ihnen half, auf allen vieren durch den seitlich gekippten Notausgang zu krabbeln.

Um mich herum wurde lauthals gebrüllt. Einer half dem anderen, über die zerfetzten Sitze zu klettern, jeder rutschte auf den Hagelkörnern aus, der ganze Bus war klebrig vom Blut der Kids, die es zerquetscht hatte, von Mr. Reeds Blut und vielleicht auch von Motorenöl und Benzin und… aber mein Gott, mir war schön warm und ich war müde.

Ich hockte ganz vorne am Boden. In schweren Schlingen legte sich der schwarze Rauch um meinen Kopf, wie Oktopusarme aus Asche.

Niko hastete den Mittelgang hinauf, um zu überprüfen, ob noch jemand im Bus war. Doch ich wurde fast vollständig vom Sitz verdeckt. Erst als Niko schon kehrtmachen wollte, sah er mich.

Mir geht’s gut, wollte ich ihm sagen. Ich war zufrieden, ich fand es hier sehr gemütlich, und es war Schlafenszeit. Aber die Worte waren zu weit weg, um sie auszusprechen. Ich war zu weit weg, um sie zu holen und durch meine Kehle zu meinen Lippen zu zerren.

Niko krallte sich in meine Arme und zog.

»Hilf mir!«, rief er. »Stoß dich ab!«

Ich versuchte, die Beine zu bewegen. Doch sie waren viel zu dick und schwer, richtige Elefantenbeine. Als hätte man meinen Körper von der Hüfte abwärts durch einen Sack Blei ersetzt.

Niko keuchte. Immer dichterer Rauch umgab uns. Mit einer Hand packte er mich am Haar, mit der anderen verpasste er mir eine schallende Ohrfeige. »Stoß dich ab, sonst gehst du hier drauf!«

Niko hatte mich geohrfeigt! Ich konnte es nicht fassen. Auf dem Tab sieht man so was öfter, aber wenn es einem plötzlich selbst passiert, ist es ein echter Schock.

So gesehen hatte die Ohrfeige funktioniert. Ich erwachte aus dem Halbschlaf, ich war zurück im Hier und Jetzt. Ich war wieder da.

Sofort schob ich mich unter dem Sitz hervor und stolperte auf die Beine. Niko schleifte mich halb durch den Hagel, den »Mittelgang« hinunter, der gar kein Mittelgang war, sondern der Bereich über den Lehnen (weil der Bus ja auf der Seite lag).

Währenddessen rauschte und donnerte der Hagel weiter durch die Fenster, doch er war in eine Art Trott verfallen: ein paar Hagelkörnchen, noch ein paar Hagelkörnchen, dann ei­nige Mörderbrocken. Klein, klein, brutal.

Ich sah, wie Niko einen kräftigen Schultertreffer einsteckte. Er zuckte nicht mal zusammen.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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