Musenküsse vom Ex - Verena Floßdorf - E-Book

Musenküsse vom Ex E-Book

Verena Floßdorf

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Beschreibung

Musen sind laut griechischer Mythologie Wesen, die jeweils für eine Kunst stehen, das Dichten zum Beispiel. Aber um Mythologie geht es gar nicht... Es geht um die 13-jährige Dana. Sie lernt Marc kennen, der sie total flasht und zwischen den beiden sprühen Funken - doch dann ist es von einem auf den anderen Tag aus und vorbei. Zwei Jahre später erscheint er plötzlich wieder auf der Bildfläche - natürlich kann er ihr gestohlen bleiben, oder nicht?! Schließlich hat sie genug damit zu kämpfen, sich unter Kontrolle zu halten, als ihr bester Freund verkündet, dass er mit Chantal zusammen ist. Bitte nicht die!Alles steht Kopf und wer ist Schuld, dass Dana nun auch noch Liebesgedichte schreibt?!

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Seitenzahl: 144

Veröffentlichungsjahr: 2019

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Musenküsse vom Ex

Liebe auf den ersten BlickHerz über KopfAlte Liebe rostet - oder nicht?Vergeben und vergessenSind Träume Schäume?Wo die Liebe hinfälltPartyfieberLiebeskummer lohnt sichDen Mund haltenGegensätze ziehen sich anImpressum

Liebe auf den ersten Blick

Um das ganze Dilemma zu verstehen, muss ich zwei Jahre vorher anfangen...

Es war Liebe auf den ersten Blick, als ich ihn vor zwei Jahren zum ersten Mal sah. Er sah so süß aus: Das leicht strubbelige blonde Haar, seine strahlenden Augen und sein umwerfendes Lächeln. Ich war mitten ins Herzen getroffen worden von einem goldenen Pfeil, den Amor mit seinem Bogen direkt auf mich gezielt hatte.

Was mir allerdings heute noch recht unangenehm ist, ist die Tatsache, dass er mich in dieser Aufmachung kennen gelernt hatte! Kein normaler Mensch läuft mitten im Winter in einer schwarzen Leggins und weißen Turnschuhen durch den eisigen weißen Schnee! Kein Mensch, außer mir! Aber hätte ich nicht meine Sportsachen angehabt, wäre ich ihm wahrscheinlich auch nicht begegnet. Mama hatte nämlich an dem Tag einen Termin bei der Kosmetikerin, die nur zwei Straßen von uns entfernt ist, und gemeint, ich solle gegen halb sechs dorthin kommen. Anschließend würde sie mich sofort zur Turnhalle fahren.

Kurz vor halb sechs machte ich mich also auf den Weg zu Heike, der Kosmetikerin und Mutter von Christoph. Unsere Eltern kennen sich schon ewig und Chrisi und ich waren früher zusammen im Kindergarten. Schon von weitem sah ich Christoph in der Einfahrt mit einem Fußball spielen. 

„Hi, Christoph!“, rief ich ihm zu, als ich in die Einfahrt bog. Und dann sah ich IHN. Er schoss den Ball zurück zu Christoph und grinste mich neugierig an.

„Hi“, meinte Christoph und kickte den Ball an mich weiter.

Unerwartet, aber doch gekonnt, spielte ich den Ball zurück an Mr. Wundervoll.

Sein Grinsen wurde breiter. „Hi“, sagte er knapp und widmete sich immer noch grinsend dem Ball. 

„Dana, das ist Marc. Marc, Dana.“, stellte Christoph uns mit einer kurzen Handgeste vor.

Marc. Sein Grinsen irritierte mich. Was war denn bloß so amüsant? Ich blickte auf meine weißen Turnschuhe. - Mein Outfit, was sonst!

„Deine Mutter ist noch drinnen“, brach Christoph das Schweigen und nahm den Ball in beide Hände.

„Kein Problem, ich soll auf sie warten.“

„Termine?“, fragte Prinz Charming und musterte mich von oben bis unten.

Was ging ihn das an? Ich spürte, wie mir das Blut in den Schädel schoss und blickte wieder hinunter auf meine Zehenspitzen. „Step Aerobic“, erklärte ich mit zickigem Unterton.

„Aerobic?“ Prüfend kam er näher und näher, noch näher bis er direkt vor mir stand.

Wir blickten uns in die Augen. Atemberaubend blaue Augen!

„Und was macht man da so?“ Grinsend trat er einen Schritt zurück und schnappte Christoph den Ball aus den Händen. Während er den Ball mit den Knien versuchte in der Luft zu halten, erklärte ich ihm kurz und knapp, dass man eine Choreographie, also eine Art Tanz, auf einem Brett macht, das ein paar Zentimeter hoch ist. „Und was macht ihr so?“, fragte ich in Christophs Richtung, um endlich meinen Blick von diesem Marc abzuwenden. Ich konnte es kaum aushalten, den Typen anzusehen. Sein Lächeln raubte mir den letzten Nerv! Meine Knie zitterten, obwohl meine Wangen glühten.

„Fußball“, antwortete Marc, der gar nicht gefragt war.

Ich zog eine Augenbraue hoch und betrachtete ihn amüsiert. Als ob ich das nicht gesehen hätte!

„Was ist?“

Ich zuckte nur die Schultern. Tja, sollte er mal schön weiterhin denken, ich wäre so blöd, wie ich gerade in meinem Outfit aussah. Nie wieder würde ich in Leggings vor die Tür gehen. Wieso passierte es ausgerechnet heute? So ging ich nie, nie, niemals vor die Tür! Aber wer konnte auch ahnen, dass man auf dem Weg zum Sport einem süßen Jungen begegnete?

Marc blickte auf meine Turnschuhe, als hätte er meine Gedanken gehört. „Steht dir verdammt gut.“ Er kam wieder näher und mir wurde höllisch heiß. Trotzdem musste ich irgendwie lächeln. War ich denn komplett bescheuert? - Und dann fragte mich dieser wildfremde Typ doch tatsächlich, ob ich Single sei.

Ich verschränkte die Arme vor der Brust. „Wieso willst du das wissen?“

Er zuckte die Schultern.

Okay, okay, dann würde ich es ihm eben sagen: „Momentan schon.“ Klar, war ich Single. Einen Freund hatte ich noch nicht, aber das musste er ja nicht wissen! Aber ich setzte natürlich sofort ein „und du?“ hinzu.

Marc blickte kurz zu Christoph und sah mir verschwörerisch in die Augen, während er fast flüsterte: „Im Moment bin ich vergeben.“

„Echt?“, entfuhr es mir. Ich konnte mich wirklich kein bisschen beherrschen! Peinlich...

„Echt“, bestätigte Marc, nahm eine Hand voll Schnee von einem Auto und zielte in meine Richtung.

„Ich warne dich!“, drohte ich ihm, doch schon begann er, mich mit Schneekugeln zu bombar­dieren.

Das konnte ich mir natürlich nicht bieten lassen!

Christoph stand wie das fünfte Rad am Wagen da und betrachtete unsere Schneeballschlacht.

Als Mama schließlich fertig war, war es viel zu spät, um noch zur Turnhalle zu fahren. Eine halbe Stunde Verspätung wäre mehr als daneben gewesen! Ich winkte den Jungs noch einmal kurz zu und stieg ins Auto.

Mama trat aufs Gas. „Verknallt?“ Sie hatte die Lage natürlich durchschaut, doch ich wollte es ihr nicht direkt auf die Nase binden und schwieg deswegen vor mich hin. „Mir kannst du nichts vormachen. Ich habe dich von drinnen mit dem Jungen flirten sehen.“

Hatte ich mit Marc geflirtet? 

Zuhause hatte ich natürlich Besseres zu tun, als mich gleich umzuziehen. Erst einmal musste ich mir über diese Begegnung klar werden. Mein Herz pochte und pochte, als wäre ich bei einem Marathon mitgelaufen, während ich auf meinem Bett lag und die Zimmerdecke voller Poster anstarrte.

„Da kommt ja dein neuer Freund“, hörte ich Mama plötzlich von unten rufen.

Mein neuer Freund? Sie meinte doch nicht etwa diesen Marc? Ich lief auf der Stelle ans Badezimmerfenster, um auf die Straße sehen zu können. Da waren die Jungs tatsächlich. Ohne lange darüber nachzudenken, klopfte ich gegen die Fensterscheibe und gab ihnen ein Zeichen, dass sie kurz warten sollten.

Wenn ich verknallt bin, passiert immer alles Schlag auf Schlag. Mein Verstand hat meistens keine Chance gegen mein Bauchgefühl. Also verknallt war ich schon öfters, aber irgendwie hat es nie geklappt, weil mein Traumprinz bereits seine Prinzessin gefunden hatte.

Ohne daran zu denken, dass auch Marc ja angeblich in festen Händen war, lief ich zurück in mein Zimmer. Ich warf das T-Shirt aufs Bett, schlängelte mich aus der Leggings und schlüpfte in eine Jeans und ein Sweatshirt. Auf dem Weg in den Flur stolperte ich über einen der umher liegenden Turnschuhe und knallte mit voller Wucht mit dem kleinen Zeh gegen die Türkante. Jammernd biss ich die Zähne zusammen. „Jetzt bloß nicht heulen, Dana!“, ermahnte ich mich selbst. Humpelnd und stöhnend schaffte ich es die Treppe herunter. Ein schneller Blick in den Garderobenspiegel, Haare gerichtet und ab zur Haustür.

Als ich Christoph und Marc dort stehen sah, musste ich sogar lächeln. Da verletzt frau sich und lacht zwei Sekunden später wieder, verrückt...

„Musste mich nur umziehen“, entschuldigte ich mich bei den beiden, lehnte mich gegen den Türrahmen und hielt mir hinter dem Rücken den Zeh.

„Hättest das ruhig anlassen können, Aerobic-Maus.“

Er hatte mich Aerobic-Maus genannt?! Schon war der schmerzende Zeh vergessen.

„Äh…“ Irgendwie hatte ich völlig den Faden verloren. „Hast du ein Handy?“ Was für eine Frage! Natürlich hatte er ein Handy! Und Sekunden später hatte er meine Nummer in seinem gespeichert. Wie einfach das doch gewesen war!

Am nächsten Tag auf dem Pausenhof unserer Schule berichtete ich meiner besten Freundin Alina haarklein alle Einzelheiten von meiner Begegnung mit Marc. „Er will sich melden“, beendete ich meinen Vortrag. „Aber wann nur?“

Alina war hin und weg und überging meine Frage. „Wie filmreif“, säuselte sie. „Liebe auf den ersten Blick!“

„Ohne Scheiß?“, sagte plötzlich eine männliche Stimme hinter uns. 

Erschrocken drehten wir uns um. Jemand hatte uns belauscht! Von wem konnte der Spruch „ohne Scheiß“ auch anders stammen? Dominik, ein cooler, rothaariger Typ mit blauen Augen und einer ziemlich knuffigen Nase – mein ehemaliger bester Freund.

Wie unsere Freundschaft in der sechsten Klasse so plötzlich zerbrechen konnte, kann ich auch nicht mehr genau sagen. Obwohl das Wort „Ex-bester-Freund“ auch nicht ganz passend war, immerhin sah ich ihn immer noch als den besten meiner Freunde an. Wir trafen uns zwar nicht, aber in der Schule sprachen wir oft miteinander und immer brachte er mich zum Lachen. Sogar während des Unterrichts passierte es manchmal, dass er eine Grimasse in meine Richtung schnitt und ich mein Gesicht hinter einem Buch verstecken musste, um ja nicht lachen zu müssen. Dominik war einfach der Coolste! Alina behauptete manchmal, er sei so cool, dass er wahrscheinlich Eisklümpchen pinkelte.

„Du hast uns belauscht!“ Alina strafte Dominik mit einem bösen Blick.

Er grinste ohne Alina anzusehen. „Dana, wer ist denn dein neuer Schwarm?“

„Das wüsstest du wohl gerne“, grinste ich zurück.

Er zuckte die Schultern und verstaute die Hände in den Hosentaschen seiner lässig sitzenden Jeans. „Ich bin es nicht, oder?“

„Soll das ein Angebot sein?“, kicherte ich. Wie kam er bloß darauf?

Er grinste schelmisch und sah mir direkt in die Augen. Dann machte er sich wieder in seiner ultimativ coolen Gangart vom Acker ohne mir eine Antwort auf meine Frage gegeben zu haben.

„Was war das denn?“

„Yummie“, entfuhr es mir, während ich ihm noch immer hinterher glotzte.

„Was?“ Meine beste Freundin wurde hellhörig.

„Sein Hintern.“

„Äh, wie bitte?“ Alina stutze und blickte mich aus großen Augen an. „In der Jeans sieht man seinen Hintern nicht mal. Den kann man nur erahnen.“

„Ach, war doch nur Spaß! Aber achte darauf, wenn er gleich in Mathe vor uns sitzt und sein Hintern nur noch von der grün-weiß-gestreiften Boxer-Shorts bedeckt ist.“

Alina zog mich am Arm und im selben Moment ertönte die Schulglocke. „Seit wann stehst du auf unseren Klassenclown? Du hast doch gestern erst…“

„Ich stehe nicht auf Dominik! Du hast vielleicht Ideen!“ Ich musste lachen. „Stell dir das nur mal vor: Dominik und ich! Du hast wirklich eine blühende Fantasie, Alinchen! Er hat nur einen netten Allerwertesten...“

„Aber...?!“

Darauf gab ich ihr keine Antwort das Spielchen war mir zu blöd. Wie kam sie nur auf die Idee, dass ich etwas von Dominik wollen könnte?

Herz über Kopf

Die Turnhalle war noch abgeschlossen. Ich war ein bisschen zu früh dran, es war noch niemand aus meinem Aerobic-Kurs in Sicht. Also zog ich mein Handy aus der Jackentasche, um nicht ganz tatenlos in der Kälte zu stehen. Was gab es denn Neues von...

„Hi, Dana“, sagte plötzlich eine Stimme neben mir.

Ich erschrak. „Christoph! Was machst du denn hier? Du hast mich vielleicht erschreckt!“

„Keine Absicht“, meinte er und blickte auf seine Füße. „Ich war gerade hier unterwegs und da ist mir eingefallen, dass du heute Sport hast.“

Und? Ich wartete auf mehr. Was wollte er hier? Sein Freund Marc hatte sich noch nicht bei mir gemeldet, der Blödmann.

„Was hältst du eigentlich von Marc?“

„Was ich von Marc halte? Soll das ein Witz sein? Ich hatte den Eindruck, dass er mit mir geflirtet hat und er hat mich nach meiner Nummer gefragt, obwohl er angeblich eine Freundin hat und dann schreibt er mir noch nicht einmal. Er scheint wohl einfach nur nach meiner Nummer gefragt zu haben, um sein Ego ein wenig aufzupolieren.“ Was redete ich da bloß wieder? Das klang ja ganz schön eingeschnappt. Gut, ich war auch wirklich etwas enttäuscht, aber nach einer Woche ohne Lebenszeichen war der Zug wohl abgefahren.

Das Auto unserer Trainerin fuhr auf den Parkplatz und noch bevor sie ausstieg und sagte, dass ich früh dran sei, verabschiedete sich Christoph Augen zwinkernd: „Alles klar. Ich rufe dich nachher mal an. Bis später dann!“

Frisch geduscht, die Haare geföhnt und in meinen Pyjama geschlüpft machte ich es mir in meinem Zimmer gemütlich und bewachte das Telefon. Eine halbe Stunde später klingelte es. Noch während des ersten Klingelns hob ich ab. „Hi, Christoph!“  Hätte ich noch eine Sekunde länger auf seinen Anruf warten müssen, wäre ich wahrscheinlich gestorben. In der Zwischenzeit hatte ich meinem Verstand nämlich Recht gegeben: Es war wieder einmal viel zu unüberlegt gewesen, Christoph einfach so zu sagen, was ich von Marc hielt.

Chrisi meinte, Marc hätte gesagt, dass er mich nett fände. Mehr konnte ich ihm allerdings nicht entlocken. Die Verschworenheit zwischen echten Kumpels eben.

 „Und was macht er gerade so?“ Die Frage war so dumm, dass ich mich am Liebsten geohr­feigt hätte. Wieso interessierte mich der Kerl noch, wenn ich ihm völlig egal war? 

Christoph hielt mich anscheinend auch für total bescheuert denn er antwortete ziemlich ge­langweilt und verspätet noch dazu: „Woher soll ich das denn wissen? Denke mal, er ist mit Ja­nine unterwegs.“

Janine? Da klingelten bei mir die Alarmglocken. Wie es schien, hatte ich diesen Namen auch noch voller Entsetzen ins Telefon gebrüllt.

„Kann doch keiner was für, dass man so heißt“, kam es von der anderen Leitung. Er nahm sie in Schutz, ganz klar.

Aber was interessierte mich ihr Name?! „Magst du sie?“ Entsetzen war meinem Ton zu entnehmen.

„Janine ist Marcs Freundin.“

Bei diesem Satz fiel ich in Ohnmacht. Ohnmacht zwar nicht, aber ich fiel – von der Bettkante, auf der ich gehockt hatte. Wie vom Blitz getroffen war ich abgerutscht und landete mit einem dumpfen Knall auf dem Fußboden.

„Was war das denn? Ist was passiert?“ Christophs Stimme klang besorgt und hektisch zu­gleich.

Leise stöhnend rieb ich mir mein Hinterteil.  

„Dana, bist du noch dran?“

„Hm“, stöhnte ich.

„Ist alles in Ordnung?“

„Alles paletti! Du, ich muss jetzt Schluss machen. Hausaufgaben und so.“ Das war die blödes­te Ausrede, die ich mir je hatte einfallen lassen. Hausaufgaben und so!

„Bist du sicher, dass bei dir alles okay ist?“

Nichts war okay. Absolut gar nichts! Marc war mit seiner Freundin unterwegs und ich kauerte mit gebrochenem Herzen und geprelltem Popo auf dem Teppich und drehte Däumchen. Wie dämlich konnte ich sein. Ab sofort würde ich keinen Gedanken mehr an Marc verschwenden!

Okay, es ließ sich nicht vermeiden. Ich konnte es nicht abstellen. Weil Marc sich scheinbar gar nicht mehr bei mir melden würde, saß ich auf heißen Kohlen. Ich telefonierte stundenlang mit Alina und handelte mir in der Deutschstunde ausgerechnet bei meiner Lieblingslehrerin eine Strafarbeit ein.

„Ohne Scheiß, Dana bekommt eine Strafarbeit?“, posaunte Dominik in die Klasse.

Die Sache war mir ja schon peinlich genug und nun begann meine Birne noch röter zu werden.

Naresh, dem hübschen Inder mit den braunen Rehaugen und dem unglaublich sympathischen Lächeln, klang Erstaunen aus der Stimme: „Das ist das erste Mal, dass Dana eine Strafarbeit bekommt!“ Verblüfft sah er mich an.

Ich zuckte die Schultern und Kathrin, die blöde Kuh, meinte: „Es gibt immer ein erstes Mal!“

In Verbindung zu Kathrin und ihrer Busenfreundin Ramona gibt es grundsätzlich drei wichti­ge Punkte, die man wissen sollte: Erstens sind sie beide enorm gerissen, wenn es heißt, je­manden in die Scheiße zureiten. Zweitens schmeißen sie sich grundsätzlich immer und überall an Typen ran, die schon etliche Weiber zuvor geknutscht und einen dementsprechend schlechten Ruf haben. Und drittens sind Kathrin und Ramona die hinterhältigsten Zicken auf dem ganzen Planeten.

„Das muss ich mir notieren.“ Dominik zückte sein Deutschheft und kritzelte etwas hinein. „Dana hat zum ersten Mal eine Strafarbeit bekommen“, las er vor und machte dabei seinem Namen als Klassenclown alle Ehre.

Aber wirklich böse war ich ihm nicht, konnte ich auch gar nicht. Trotzdem konnte ich es mir nicht verkneifen zu sagen: „Schreib es dir besser ins Hausaufgabenheft, sonst vergisst du das Datum!“

Dominik rümpfte bloß die Nase, streckte mir die Zunge raus und meinte: „Du weißt genau, dass ich kein Hausaufgabenheft besitze.“

Natürlich wusste ich das. Und mir lag auf der Zunge, zu sagen „dann weißt du ja, warum du immer deine Hausaufgaben vergisst“, aber ich behielt es für mich, weil Frau Heitzer mich nun mit bösem Blick musterte. Es reichte.

„Seit zehn Tagen habe ich nichts von ihm gehört“, jammerte ich meiner besten Freundin in der Pause die Ohren voll.

Alina tätschelte meine Hand. „Der meldet sich schon noch“,  versuchte sie mich zu beruhigen.

„Aber erst, wenn er genügend Zeit mit seiner Janine verbracht hat.“ Ich schmollte.

Alina lachte herzhaft. „Wie du ihren Namen aussprichst! Wie ein lang gezogenes Kaugummi!“

„Ich kann sie halt nicht ausstehen“, verteidigte ich meine Aussprache und verschränkte die Arme vor der Brust.

„Du kennst sie doch gar nicht.“

„Sie ist seine Freundin. Das reicht mir fürs Erste!“

Alina schüttelte verständnislos den Kopf. „Daran siehst du, dass ihr den gleichen Geschmack habt.“

Ich wollte aber nicht den gleichen Geschmack wie irgendeine daher gelaufene Blondine ha­ben.

„Ist sie überhaupt blond?“, fragte Alina.

Woher sollte ich das wissen? Es interessierte mich nicht die Bohne, welche Haarfarbe sie hatte. Mich interessierte nur, dass sie kostbare Zeit mit Marc verbrachte, während ich sehnlichst auf ein Zeichen von ihm wartete.

Ich hätte es mir sparen können, das Handy überall hin mitzunehmen. Mama fand es auch ein bisschen übertrieben, dass das Handy während des Abendessens neben meinem Teller liegen sollte.

„Ein Notfall“, erklärte ich knapp.

„Ah!“ Mama zog erstaunt die Augenbrauen hoch. „Sicher geht’s um diesen Jungen. Wie heißt der noch gleich? Marcel?“

„Marc. Aber…“ Ich brauchte ihr nichts mehr zu erzählen, sie durchblickte mich ja sowieso wie ein Röntgengerät. „Eigentlich geht’s gar nicht um mich“, log ich.

„Nicht?“, fragte sie ungläubig.

Ich schüttelte den Kopf. „Alina weiß nicht, ob sie ihren Exfreund noch liebt.“ Das war nur eine meiner fabelhaften Ausreden.

„Diesen Fabian? Wie kann sie das nicht wissen?“ Mama nahm mein Handy und verbannte es ins Wohnzimmer.

„Keine Ahnung.“ Natürlich musste man wissen, ob man verliebt war, oder nicht, wie hätte man es nicht wissen können?!

Nach dem Abendessen – ich musste auch noch abwaschen! – lag ich gemütlich mit einem Buch auf den Knien auf meiner Couch, als mein Handy einen schrillen Laut ertönen ließ. Vor Schreck landete das Buch auf dem Boden. Eilig und mit zitternden Händen rief ich die Nachricht auf. Alles kribbelte in meiner Magengegend. Ein bisschen enttäuscht war ich schon. So viel Hektik um diese dreieinhalb Wörter. Aber er hatte geschrieben! Wie geht’s? Marc. Ich schrieb Marc kurzerhand zurück, obwohl einem ja überall geraten wird, dieses Katze-Maus-Spielchen mitzuspielen, bei dem man tagelang wartet, dass Er schreibt, dann lässt man Ihn tagelang warten...

Es dauerte nicht lange, da kam seine Antwort: Mir geht’s gut. Tut mir leid, dass ich solange nichts von mir habe hören lassen. Mir ist es ein bisschen unangenehm und vermutlich glaubst du mir nicht, aber ich hatte einen Zahlendreher in deiner Nummer und habe mich gewundert, dass du nicht antwortest. Habe die Nummer dann mit Christoph verglichen. Jetzt habe ich die Richtige. Hoffe, du bist mir nicht böse.

Und wieder einmal konnte ich mich nicht mehr zügeln: