Noch einmal Glück gehabt - Tessa Hofreiter - E-Book

Noch einmal Glück gehabt E-Book

Tessa Hofreiter

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Beschreibung

Dr. Brunner bewohnt mit seiner geliebten Frau Ulrike und einem Jagdhund namens Lump ein typisches Schwarzwaldhaus, in dem er auch seine Praxis betreibt. Ein Arzt für Leib und Seele. Die Serie zeichnet sich gegenüber dem Vorgänger durch ein völlig neues Konzept aus. Es wird noch größerer Wert auf Romantik, Spannung und sich weiterdichtende, zum Leben erwachende Romanfiguren, Charaktere und Typen gelegt. Eines darf verraten werden: Betörend schöne Frauen machen dem attraktiven Landdoktor schon bald den Hof. Und eine wirkliche Romanze beginnt... »Was meinst du, kannst du dir vorstellen, auf Dauer hier zu wohnen?« Ilka saß hinter Conrad im Gras, legte die Arme um ihn und schaute über seine Schulter hinweg ins Tal hinunter. »Ich kann es mir sogar sehr gut vorstellen. Meine Großeltern und mein Lieblingscousin leben hier.« »Und was ist mit mir?«, fragte Ilka und setzte sich neben ihn, damit sie ihn ansehen konnte. »Ja, was ist mit dir?«, entgegnete er lächelnd. »Willst du mich ärgern?«, neckte sie ihn und zupfte an seinem Haar. Vor vier Wochen hatten sie ihre Verlobung gefeiert. Zuerst waren sie mit einem Ruderboot auf den Sternwolkensee hinausgefahren, hatten sich ewige Treue geschworen und sich die schmalen aus Platin gefertigten Ringe angesteckt, danach gab es ein Fest im Biergarten der Brauerei Schwartz. Ilka, die Bergführerin aus Bergmoosbach, und Conrad, der junge Hydrogeologe aus München, hatten sich vor einem halben Jahr auf der Geburtstagsfeier von Achim Baumeister, Conrads Cousin, kennengelernt. Seitdem hatten sie sich fast an jedem Wochenende gesehen. Als Conrad den Auftrag der Gemeinde erhielt, die Wasserqualität der Quellen in den Bergen zu untersuchen, quartierte er sich im Haus seiner Großeltern am Sternwolkensee ein, traf sich jeden Tag mit Ilka und kam genau wie sie zu dem Schluss, dass sie nicht mehr ohne einander sein konnten. »Es ist wirklich schön hier«, sagte Conrad und blickte auf das Dorf mit seinen samtig grünen Hügeln. Der See mit dem weißen Sandstrand, der Bach, der an den Rapsfeldern vorbei seinen Weg ins Nachbartal fand, das prächtige Rathaus mit dem goldenen Wetterhahn auf dem Turm, der

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Seitenzahl: 122

Veröffentlichungsjahr: 2017

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Der neue Landdoktor – 37 –Noch einmal Glück gehabt

Wäre Ilka nicht misstrauisch geworden …

Tessa Hofreiter

»Was meinst du, kannst du dir vorstellen, auf Dauer hier zu wohnen?« Ilka saß hinter Conrad im Gras, legte die Arme um ihn und schaute über seine Schulter hinweg ins Tal hinunter.

»Ich kann es mir sogar sehr gut vorstellen. Meine Großeltern und mein Lieblingscousin leben hier.«

»Und was ist mit mir?«, fragte Ilka und setzte sich neben ihn, damit sie ihn ansehen konnte.

»Ja, was ist mit dir?«, entgegnete er lächelnd.

»Willst du mich ärgern?«, neckte sie ihn und zupfte an seinem Haar.

Vor vier Wochen hatten sie ihre Verlobung gefeiert. Zuerst waren sie mit einem Ruderboot auf den Sternwolkensee hinausgefahren, hatten sich ewige Treue geschworen und sich die schmalen aus Platin gefertigten Ringe angesteckt, danach gab es ein Fest im Biergarten der Brauerei Schwartz. Ilka, die Bergführerin aus Bergmoosbach, und Conrad, der junge Hydrogeologe aus München, hatten sich vor einem halben Jahr auf der Geburtstagsfeier von Achim Baumeister, Conrads Cousin, kennengelernt. Seitdem hatten sie sich fast an jedem Wochenende gesehen. Als Conrad den Auftrag der Gemeinde erhielt, die Wasserqualität der Quellen in den Bergen zu untersuchen, quartierte er sich im Haus seiner Großeltern am Sternwolkensee ein, traf sich jeden Tag mit Ilka und kam genau wie sie zu dem Schluss, dass sie nicht mehr ohne einander sein konnten.

»Es ist wirklich schön hier«, sagte Conrad und blickte auf das Dorf mit seinen samtig grünen Hügeln. Der See mit dem weißen Sandstrand, der Bach, der an den Rapsfeldern vorbei seinen Weg ins Nachbartal fand, das prächtige Rathaus mit dem goldenen Wetterhahn auf dem Turm, der Marktplatz mit den hübsch restaurierten Häusern. »Aber du bist der schönste Anblick«, erklärte er mit einem liebevollen Lächeln und nahm Ilka in den Arm.

»Schön genug, um mit mir hier zu leben?«

»Ich weiß, dass du hier glücklich bist, und deshalb werde ich hier auch glücklich sein.«

»Das heißt, wir werden hier wohnen?«, fragte sie und spielte mit ihrem blonden Haar, das sie zu einem Pferdeschwanz gebunden hatte.

»Ich freue mich darauf«, sagte er und küsste sie zärtlich.

»Nachdem das geklärt ist, sollten wir wieder an die Arbeit gehen.« Ilka stand auf, ordnete die Kapuze ihrer violetten Wetterjacke, die sie zu ihrer hellen Stoffhose und den Wanderschuhen trug, und setzte den Rucksack auf, der sie schon seit vielen Jahren auf allen Bergtouren begleitete.

»Ich beuge mich selbstverständlich deiner Anordnung. Du bist die Bergführerin, du hast das Sagen hier oben«, antwortete Conrad und erhob sich ebenfalls. Er war zwar ein recht guter Kletterer, aber im Hochgebirge hatte er stets auf die Erfahrung einheimischer Bergführer vertraut. Dieses Mal war es Ilka, die ihn begleitete, was aus der Arbeit ein echtes Vergnügen machte.

»Wenn wir noch ein Stück höher gehen, wird es gleich kühler werden. Du solltest deine Jacke anziehen«, bat sie ihn.

»In Ordnung.« Conrad zog die gelbe Daunenjacke über den leichten grauen Pullover, den er zu seiner Jeans trug, und band die Schnürsenkel seiner Wanderschuhe ein wenig fester, was ihm während eines Anstiegs ein sichereres Gefühl gab.

Ihr Ziel war der Bergsee, der im Quellgebiet lag, das Bergmoosbach und die Nachbargemeinden mit Trinkwasser versorgte.

»So lange ich denken kann, haben die Leute das Wasser aus dem See getrunken. Er wird direkt aus der Quelle gespeist, die hier oben aus einer Höhle sprudelt. Bisher hat es nie Beanstandungen gegeben und die wird es auch dieses Mal nicht geben«, versicherte Ilka Conrad, während sie den schmalen Pfad hinaufstiegen.

»Er sieht beinahe unberührt aus«, stellte Conrad beeindruckt fest, als sie den See schließlich erreichten.

Er lag oberhalb der Baumgrenze eingebettet zwischen kahlen Felsen, die wie Zinnen in den blauen Himmel ragten.

»Ich war gerade in die Schule gekommen, als ich das erste Mal mit meinem Vater hier oben war. Ich nannte den See den Smaragd, der vom Himmel gefallen ist«, erzählte Ilka, als sie sich auf einen Felsvorsprung setzte.

»Eine romantische Beschreibung«, sagte Conrad und schaute auf das smaragdgrüne Wasser.

»Stimmt, du würdest die Farbe sicher unter anderem dem Planktongehalt des Wassers und dem Lichteinfall der Sonne zuschreiben.«

»Wenn ich irgendwann an diesen Tag zurückdenke, dann werde ich mich an einen himmlischen Smaragd erinnern«, versprach er ihr und küsste sie zärtlich auf die Wange.

»Conrad, sieh dir das an.«

»Merkwürdig«, sagte er leise, als er Ilkas Blick folgte.

Vor ihnen im Wasser trieben mehrere tote Fische.

»Es könnte durchaus eine natürliche Ursache haben.« Ilka war aufgestanden und lief ein paar Schritte am See entlang.

»Ehrlich gesagt, glaube ich das nicht, nicht bei dieser Vielzahl der Fische«, entgegnete Conrad, der seinen Blick über den See schweifen ließ und noch weitere verendete Tiere entdeckte. Er nahm den kleinen Laborkoffer aus seinem Rucksack, mit dem er eine erste Messung vor Ort vornehmen konnte, und hockte sich ans Ufer des Sees. Behutsam klappte er den Koffer auf und nahm eines der Glasröhrchen heraus, das zu seiner Ausrüstung gehörte.

»Was hast du entdeckt?«, fragte Ilka erschrocken.

Conrad starrte ungläubig auf die Anzeige seines Messgerätes, nachdem er die Probe, die er aus dem See entnommen hatte, untersucht hatte. »Pestizide, und zwar in hoher Konzentration.«

»Aber wie kann das sein? Hier oben gibt es doch keine Landwirtschaft und auch sonst nichts.«

»Auch vor Gebirgsseen macht die Umweltverschmutzung nicht Halt. Alles, was wir in die Luft pusten, fällt irgendwann auch wieder auf uns herunter. In einer derart hohen Konzentration habe ich es allerdings bisher nicht beobachtet.«

»Das heißt, das Wasser des Sees ist vergiftet?«

»Ich würde niemandem raten, es zu trinken.«

»Dann sollten wir die Leute warnen.«

»Auf jeden Fall.« Conrad reichte ihr eines der selbstklebenden Hinweisschilder, die er immer bei sich hatte und die er an Wasserstellen anbrachte, die eine Gefährdung für Mensch und Tier darstellten.

»Wir müssen die Gemeinde informieren. Es liegt in ihrer Verantwortung, wie sie das Verbot durchsetzen und wie sie es wieder aufheben«, sagte Conrad, während Ilka das Schild über den Wegweiser klebte, der nur ein paar Meter vom Ufer des Sees entfernt stand.

»Der Bach, der durch Bergmoosbach fließt, ist auch ein Teil dieses Wassersystems. Der See und der Bach werden aus denselben unterirdischen Quellen gespeist.«

»Ich weiß, deshalb müssen wir auch Proben aus dem Bach entnehmen und zwar aus verschiedenen Abschnitten. Auch wenn wir nichts finden, werden wir die Proben im Labor zur Sicherheit noch einmal analysieren lassen.«

»Ich dachte, wir machen einen gemütlichen Ausflug, stattdessen haben wir jetzt eine Art Notfall.« Ilka schaute gebannt zu, wie Conrad noch weitere Proben aus dem See entnahm und sie in seinem Koffer verstaute.

»Ich hoffe, wir können den Notfall noch vermeiden. Wir sollten deshalb schnell handeln«, sagte Conrad und verschloss den Koffer.

»Was kann ich tun?«

»Sobald wir wieder in Bergmoosbach sind, nimmst du die Wasserproben und bringst sie ins Labor. Ich werde mit Sebastian Seefeld sprechen, um ihn vorzuwarnen, sollten Patienten mit vergiftungsähnlichen Symptomen in seiner Praxis auftauchen.«

»Sollten wir nicht dafür sorgen, dass die Bergmoosbacher kein Wasser aus der Leitung mehr trinken, bis das Ergebnis aus dem Labor vorliegt?«

»Das werde ich mit Sebastian besprechen.«

»Gut, dann gehen wir zurück ins Tal«, erklärte Ilka und setzte ihren Rucksack wieder auf, als auch Conrad seinen aufsetzte und den schwarzen Koffer für die Wasserproben in die Hand nahm. »Wir sind doch schon seit vier Wochen hier in der Gegend unterwegs, bisher war doch alles in Ordnung. Und ausgerechnet hier oben in der Abgeschiedenheit finden wir etwas.«

»So sieht es aus.«

»Könnte es ein Messfehler sein?«

»Das Messgerät mag vielleicht etwas übersehen, aber dass es etwas anzeigt, was nicht vorhanden ist, das ist höchst unwahrscheinlich. Trotzdem besteht noch kein Grund zur Panik. Bisher scheint doch im Dorf alles in Ordnung zu sein, und wir werden dafür sorgen, dass es so bleibt. Und jetzt schenk mir ein Lächeln«, bat Conrad.

»Du meinst, wir haben alles im Griff?«

»Ja, haben wir«, antwortete er und küsste sie zärtlich auf den Mund.

Ein paar Meter unterhalb des Sees sprudelte eine Quelle aus dem Boden, das Wasser sammelte sich in einem felsigen Becken und schoss dann in einem schmalen Bett in Richtung Tal. Erst nachdem der Bach sich über einen Wasserfall in die Tiefe stürzte, wurde das Bett, das er im Laufe der Jahre in die Felsen gegraben hatte, breiter. Das Wasser schien kristallklar und roch nach Sonne und Felsen. Ilka konnte sich einfach nicht vorstellen, dass es auf einmal nicht mehr genießbar für die Wanderer sein sollte, die sich seit ewigen Zeiten, damit erfrischten.

Nachdem sie die Brücke unterhalb des Wasserfalls über die Klamm überquert hatten, stiegen sie einen gewundenen Pfad hinunter, liefen durch die Klamm und entnahmen auch dort eine Wasserprobe, bevor der Bach das hüglige Tal erreichte. Obwohl Conrad vor einigen Tagen die Brunnen, die das Wasser im Dorf verteilten, schon einmal untersucht hatte, holte er sich dort noch weitere Proben. Auch wenn sein Messgerät zunächst keine Verunreinigung des Baches und der Brunnen nachwies, blieb er bei seinem Vorhaben, die Proben im Labor gründlich untersuchen zu lassen.

»Soll ich die Proben einer bestimmten Person übergeben?«, wollte Ilka wissen, als sie den Parkplatz am Waldrand erreichten, von dem aus sie am Vormittag aufgebrochen waren.

»Sag am Empfang einfach Bescheid, um was es geht. Ich habe nicht so oft mit diesem Labor zu tun.«

»Alles klar, dann viel Glück bei deiner Mission. Sebastian wird dich mit Sicherheit unterstützen, wenn du ihn davon überzeugst, dass die Bergmoosbacher erst einmal auf das Wasser aus der Leitung verzichten sollen.«

»Er wird das Risiko sicher richtig einschätzen.«

»Davon gehe ich aus. Bis nachher.« Ilka steckte die Proben, die Conrad ihr gab, in ihren Rucksack und stieg in den betagten Kleinbus, mit dem sie hin und wieder ihre Wandergruppen zu entfernt gelegenen Anstiegen kutschierte.

Conrad wartete, bis sie auf die Landstraße eingebogen war, und lief dann in Richtung Dorf zum Haus der Seefelds.

Ilka kannte Sebastian Seefeld von ihren gemeinsamen Einsätzen bei der Bergwacht. Sie hatte ihn zu ihrer Verlobungsfeier eingeladen, und Conrad fand ihn auf Anhieb sympathisch. Als er hörte, dass Sebastian viele Jahre in Kanada gelebt hatte, erzählte er ihm von seinen Wanderungen in den Rocky Mountains, und da auch Sebastian diese Berge gut kannte, hatten sie viel Gesprächsstoff.

*

Das Haus des Landarztes lag auf einem sanft ansteigenden begrünten Hügel. Es hatte lindgrüne Fensterläden, und eine geschwungene Treppe führte durch den blühenden Steingarten zur Terrasse hinauf. Ein weißer Kiesweg verband die Terrasse mit dem Hof. Dort erhob sich eine prächtige alte Ulme, die mit ihren belaubten Ästen den Eingang der Praxis, die in einem Flachbau untergebracht war, beinahe verdeckte. Inzwischen war es kurz nach drei. Die Nachmittagssprechstunde hatte gerade angefangen.

»Guten Tag, Frau Fechner«, begrüßte Conrad Sebastians Sprechstundenhilfe, die Ilka ihm vor ein paar Tagen vorgestellt hatte, als sie ihr in der Bäckerei begegneten.

»Geh, was treibt Sie denn zu uns? Krank sehen Sie nicht aus«, stellte Gerti Fechner mit dem Blick der erfahrenen Sprechstundenhilfe fest. Seit beinahe fünfunddreißig Jahren sorgte sie nun schon für einen reibungslosen Ablauf in der Praxis Seefeld. Seitdem hatte sie so viele Patienten kommen und gehen gesehen, dass sie sich schon die eine oder andere Einschätzung zutraute.

»Ich bin auch nicht wegen mir hier, aber ich müsste trotzdem dringend mit Doktor Seefeld sprechen.« Conrad blieb vor dem Tresen in der weiten Empfangsdiele stehen.

»Wie dringend?«, erkundigte sich Gerti.

»Es geht um die Gesundheit des Dorfes.«

»Geh, jetzt übertreiben Sie aber ein bissel. Oder?«

»Nein, eigentlich nicht«, antwortete Conrad und sah die kleine pummelige Frau in dem weißen Kittel direkt an.

»Es bahnt sich doch keine Katastrophe an?«, fragte Gerti leise und fuhr sich durch ihr dunkles kurzes Haar, während sie Conrad skeptisch anschaute.

»Ich bin hier, um sie zu verhindern.«

»Das klingt jetzt aber schon dramatisch.«

»Noch müssen Sie sich keine Sorgen machen.« Conrad war sicher, dass Sebastian Gerti über den Stand der Dinge aufklären würde, sobald er mit ihm gesprochen hatte. Aber er wollte es ihm überlassen, wann er wem etwas mitteilte.

»Wenn’s so pressiert, dann gehen Sie gleich zu ihm, damit die Sache in Ordnung kommt«, sagte Gerti, als eine rundliche Blondine das Sprechzimmer verließ. Sie war stark geschminkt, trug ein eng anliegendes orangefarbenes Kleid und hatte Mühe, die Balance zu halten, die die hohen Absätze ihrer schwarzen Wildlederpumps ihr abverlangten.

»Wir sehen uns in vier Wochen wieder, Frau Windfang«, verabschiedete sich Sebastian von Simone Windfang, die den Kosmetiksalon im Hotel Sonnenblick leitete.

»Vielen Dank, Doktor Seefeld, ich werde mich genau an Ihre Anweisungen halten. Hallo«, wandte sie sich mit leuchtenden Augen Conrad zu, der ihr auf dem Weg zum Ausgang begegnete.

»Hallo«, antwortete Conrad freundlich und lief eilig weiter. »Grüß dich, Sebastian, Gerti war so nett, mich vorzulassen. Ich muss etwas mit dir besprechen«, richtete er sich an den jungen Arzt, der in der geöffneten Tür stand.

»Komm rein«, sagte Sebastian und trat zur Seite.

»Wer ist der junge Mann?«, wollte Simone von Gerti wissen, nachdem sich die Tür des Sprechzimmers hinter Conrad geschlossen hatte.

»Über ihn musst du dir keine Gedanken machen.«

»Das kannst du ruhig mir überlassen, über wen ich mir Gedanken mache«, entgegnete Simone schnippisch, als Gerti ihr das Rezept für die Salbe zur Behandlung ihrer kürzlich aufgetretenen Kontaktallergie über den Tresen reichte.

»Wirst du Sebastian etwa untreu?«, fragte Gerti schmunzelnd.

»Geh, Sebastian, der ist doch unerreichbar, außer vielleicht für Anna oder Miriam«, seufzte Simone.

»Mei, die schöne Hebamme und die ebenso schöne, aber biestige Erbin des Sägewerks, das ist schon eine arge Konkurrenz«, erwiderte Gerti lachend. »Leider muss ich dir sagen, dass dieses neue Objekt deiner Begierde auch bereits vergeben ist«, fügte sie mit gespieltem Bedauern hinzu.

»Aha, an wen?«

»Er ist mit Ilka verlobt«, verriet ihr Gerti, als Simone das Rezept in ihre Handtasche packte und mit sehnsuchtsvollen Augen auf die Tür des Sprechzimmers schaute.

»Ilka? Die ist doch noch ein halbes Kind«, erklärte Simone stirnrunzelnd, während sie die Seidenhandschuhe anzog, um die roten Flecken an ihren Händen zu verbergen.

»Sie ist Mitte zwanzig. Aber ja, im Vergleich zu uns ist sie ein Kind.«

»Zu uns? Ich bin vor ein paar Wochen 39 geworden«, echauffierte sich Simone.

»39? Aha, zum wievielten Mal?«

»Du bist heute aber wieder sehr witzig. Einen schönen Tag noch«, sagte Simone und verließ schmollend die Praxis.

Was ist denn nur passiert, dass er unbedingt mit Sebastian sprechen muss?, fragte sich Gerti und schaute auf die geschlossene Tür des Sprechzimmers.

Conrad betrachtete die Vitrine aus gemasertem honigfarbenem Holz, die einmal Sebastians Großeltern gehörte. Sie stand nun an der Wand neben dem Schreibtisch. Hinter den Glastüren des Aufsatzes bewahrten sie die alten Medizinbücher auf, die Benedikt im Laufe der Jahre gesammelt hatte. Die Vitrine verlieh dem ansonsten mit modernen weißen Möbeln eingerichteten Raum Wärme. Conrad hatte Sebastian von den verendeten Fischen und den Ergebnissen seiner Wasseranalyse vor Ort erzählt. Er wartete nun darauf, was er vorschlagen würde.