Nur Fleisch - Jack London - E-Book

Nur Fleisch E-Book

Jack London

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Beschreibung

Jack London zählt zu den großen Abenteuer-Schriftstellern und ist berühmt für seine detaillierten und spannenden Schilderungen wie "Ruf der Wildnis" oder "Seewolf". Der vorliegender Band bildet eine Auswahl an Geschichten aus den amerikanischen Novellenbänden mit den Originaltiteln "When God laughs" (1911), "Lost Face" (1910) und "The Strength of the Strong" (1914).

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Nur Fleisch

Jack London

© Lunata Berlin 2019

Jack London

Nur Fleisch

aus dem Englischen von von Erwin Magnus

Erstmals erschienen 1929

Covergestaltung Luanda Berlin

Coverbild Mathew Z. auf Pixabay

Der vorliegender Band bildet eine Auswahl aus den amerikanischen Novellenbänden mit den Originaltiteln: 

„When God laughs“, „The Strength of the Strong“, „Lost Face“.

Inhalt

Westwärts

Der Abtrünnige

Nur Fleisch

Der Chinago

Südlich vom Slot

Das Feuer im Schnee

Die »Francis Spaight«

Eine Nase für den König

Debs' Traum

Ein Taifun vor der japanischen Küste

Über den Autor

Westwärts

Was auch geschieht, halt westwärts! Halt westwärts – Segelanweisung für Kap Horn.

Sieben Wochen lang hatte die Mary Rogers zwischen dem 50. Grad südlicher Breite im Atlantischen Ozean und dem 50. Grad südlicher Breite im Stillen Ozean gelegen, was heißt, daß sie in diesen sieben Wochen gekämpft hatte, um Kap Horn zu runden. Sieben Wochen lang hatte sie, bis auf ein einziges Mal, ununterbrochen schlechtes Wetter gehabt, und dann, nach sechs Tagen besonders schlechten Wetters, das sie in Lee der furchtbaren Terra del Fuego-Küste abgeritten hatte, wäre sie beinahe in schwerer Dünung gestrandet, als plötzlich Totenstille eingetreten war. Sieben Wochen lang hatte sie mit den mächtigen Seen bei Kap Horn gekämpft und war von ihnen zerschlagen und umhergeworfen worden. Sie war ein Holzschiff, und durch den unaufhörlichen Druck waren die Planken leck gesprungen, so daß die Wache täglich zweimal an die Pumpen mußte.

Die Mary Rogers war überanstrengt, die Besatzung war überanstrengt, und der Kapitän, der große Dan Cullen, war ebenfalls überanstrengt. Vielleicht war er am meisten überanstrengt, denn auf ihm ruhte die Verantwortung für diese Riesenarbeit. In der Regel schlief er angekleidet, aber er schlief nur selten. Die ganze Nacht spukte er auf dem Deck herum, ein großes, kräftiges, robustes Gespenst, dunkel und sonnenverbrannt in den dreißig Jahren, die er auf dem Meere verbracht hatte, und behaart wie ein Orang-Utan. Ihm wiederum spukte andauernd ein Gedanke im Kopf herum und diktierte ihm seine Handlungen, und das war eine Segelanweisung für Kap Horn: »Was auch geschieht, halt westwärts! Halt westwärts!« Das war bei ihm völlig zur fixen Idee geworden. Er dachte an nichts anderes, außer daß er zeitweise Gott lästerte, weil er ihm so schlechtes Wetter geschickt hatte.

Westwärts halten! Er klammerte sich an das Horn, und ein dutzendmal lag er beigedreht, das eiserne Kap Ost zu Nord oder Nord-Nord-Ost, an zwanzig Meilen entfernt. Er kämpfte sich durch Orkan auf Orkan im Südseetreibeis auf dem 64. Grad südlicher Breite, und er gelobte den Mächten der Finsternis seine unsterbliche Seele, wenn sie ihm nur ein klein wenig Ostwind, einen kleinen Hauch senden wollten, so daß er das Horn runden könnte. Aber er kam immer wieder ostwärts. In seiner Verzweiflung hatte er versucht, durch die Le-Maire-Straße zu fahren. Als er halb hindurchgelangt war, schlug der Wind nach Nordwest um, das Barometer fiel auf 28,88, und er machte kehrt und segelte vor dem wütenden Orkan davon, daß er um ein Haar die Mary Rogers auf die schwarzzähnigen Klippen gefahren hätte. Zweimal war er zu den Diego Ramirez-Klippen gekommen, und das eine Mal hatte ihn zwischen zwei Schneeböen nur der Anblick vom Grabmal der Schiffe eine viertel Seemeile rechts voraus gerettet.

Wind! Kapitän Dan Cullen dachte an all die dreißig Jahre, die er die See befahren hatte, und konnte sich nicht entsinnen, daß es je so heftig geweht hatte. Die Mary Rogers lag zu dem Zeitpunkt, als er dem Wetter dieses Zeugnis ausstellte, beigedreht, und um allem die Krone aufzusetzen, lag sie, ehe eine halbe Stunde vergangen war, mit dem Lukenrahmen im Wasser. Ihr neues Großtoppsegel und ihr nagelneues Gaffelsegel waren wie Packpapier zerfetzt, und fünf Segel, die mit doppelten Reffs beschlagen und festgemacht waren, wurden vom Sturm losgerissen und von den Rahen geweht. Und ehe es Morgen wurde, hatte die Mary Rogers noch zweimal auf der Breitseite gelegen, und es waren Löcher in ihre Schanzverkleidung gehauen worden, um das Deck von der schweren Last zu befreien, die das Weltmeer über sie wälzte.

Durchschnittlich einmal die Woche sah Kapitän Dan Cullen einen Schimmer von der Sonne. Einmal schien die Sonne zehn Minuten lang gegen Mittag, zehn Minuten darauf wehte wieder ein neuer Sturm; beide Wachen mußten Segel bergen, und alles verschwand in einer heftigen Bö mit stiebendem Schnee. Einmal hatte Kapitän Dan Cullen ganze vierzehn Tage lang nicht eine einzige Meridian- oder Chronometerbeobachtung nehmen können. Er kannte selten genauer als um einen halben Grad seine Position, außer, wenn er Land in Sicht hatte, denn Sonne und Sterne hielten sich andauernd verborgen, und bestenfalls taugte der Horizont nicht viel zu genauen Beobachtungen. Eine graue Finsternis ruhte über dem Universum. Die Wolken waren grau; die großen, anstürmenden Seen waren bleigrau; die rauchenden Wellengipfel waren eine kochende, graue Masse; selbst die Albatrosse, die hin und wieder auftauchten, waren grau, und die Schneeflocken waren nicht weiß, sondern grau unter dem grauen Leichentuch des Himmels.

Das Leben an Bord der Mary Rogers war grau – grau und trübselig. Die Gesichter der Seeleute waren graublau; sie waren voller Schrammen und Beulen, und die Leute litten furchtbar. Es waren die reinen Schatten von Männern. Seit sieben Wochen wußten sie nicht, was es heißt, trocken zu sein, ob sie sich in der Back befanden oder an Deck. Sie hatten vergessen, was es heißt, eine ganze Wache durchzuschlafen, denn in jeder Wache hieß es: »Alle Mann an Deck«. Hin und wieder verschafften sie sich einige Augenblicke qualvollen Schlafes, und dann schliefen sie in ihrem Ölzeug, bereit, dem ewigen Ruf zu gehorchen. So schwach und mitgenommen waren sie, daß beide Wachen zu Hilfe genommen werden mußten, um die Arbeit einer Wache zu verrichten. Deshalb waren beide Wachen fast immer an Deck und keiner, und wenn er der Schatten eines Mannes gewesen wäre, hätte sich von der Arbeit drücken können. Es hätte mindestens ein gebrochenes Bein dazu gehört, um die Arbeit niederlegen zu dürfen, und doch gab es zwei Mann, die von den über das Schiff hereinbrechenden Seen derart mißhandelt und zerschlagen waren, daß sie die ersehnte Freiheit erlangt hatten.

Noch ein Mann war ein Schatten seiner selbst, und dieser Mann war George Dorety. Er war der einzige Passagier an Bord, ein Freund des Reeders, und er hatte sich um seiner Gesundheit willen zu der Reise entschlossen. Aber die sieben Wochen bei Kap Horn hatten seiner Gesundheit nicht geholfen. In den langen Nächten, wenn das Schiff in den Seen stampfte und stampfte, japste und stöhnte er; und wenn er sich an Deck zeigte, war er, um sich warm zu halten, so eingepackt, daß er einem wandernden Trödlerladen glich. Mittags, wenn er am Tisch in der Kajüte aß, wo es so finster war, daß die schwingenden Kajütenlampen beständig brannten, sah er grau und traurig aus wie der kränkste, melancholischste Mann in der Back. Es hatte auch keine ermunternde Wirkung auf ihn, daß er gegenüber am Tisch Kapitän Dan Cullen sah. Kapitän Dan Cullen kaute, blickte finster drein und verhielt sich im übrigen schweigend. Sein Finsterdreinblicken galt dem lieben Gott, und bei jedem Bissen, den er nahm, wiederholte er den einzigen Gedanken, für den sein Dasein Raum bot, nämlich: westwärts – immer westwärts. Er war ein großer, behaarter, brutaler Bursche, und sein Anblick wirkte nicht appetitanregend auf den anderen. In seinen Augen war George Dorety ein Jonas, und das erzählte er ihm einmal im Laufe jeder Mahlzeit, während er seine Wut vom lieben Gott auf den Passagier übertrug und umgekehrt.

Auch der Steuermann war nicht gerade appetitanregend. Joshua Higgins hieß er und war Seemann von Beruf und Ausbildung, aber Topfgucker von Natur, ein schlottriger, schnaufender Bursche ohne Seele und Herz, selbstsüchtig und feige, sterbensängstlich vor Dan Cullen und ein furchtbarer Tyrann den Leuten gegenüber, die wußten, daß hinter dem Steuermann Kapitän Cullen stand, Gesetzgeber und Bezwinger, Sklavenpeitscher und Vernichter, die Inkarnation von einem Dutzend Leuteschinder. In dem unheimlichen Wetter an der Südspitze der Erde hörte Joshua Higgins ganz auf, sich zu waschen, und sein schmutziges Gesicht raubte George Dorety in der Regel das bißchen Appetit, daß er glücklich zu den Mahlzeiten zusammengekratzt hatte. Unter gewöhnlichen Verhältnissen würde diese Versäumnis gegen die Reinlichkeit Kapitän Cullens Aufmerksamkeit erregt und ihm Gelegenheit zur Anwendung seines trefflichen Wortschatzes gegeben haben, augenblicklich aber drehten sich alle seine Gedanken nur darum, westwärts zu halten, so daß alles, was nichts hiermit zu tun hatte, ihm völlig gleichgültig war. Ob das Gesicht des Steuermanns sauber oder schmutzig war, hatte keinen Einfluß auf den Kurs. Später, wenn sie den 50. Grad südlicher Breite im Stillen Meer erreicht hätten, würde Joshua Higgins ganz plötzlich beginnen, sein Gesicht zu waschen. Bis dahin aber saß George Dorety am Tisch in der Kajüte, wo die graue Dämmerung das Lampenlicht ablöste, so oft die Lampen gefüllt werden sollten, saß dort zwischen den zwei Männern – einem Tiger und einer Hyäne – und grübelte, warum Gott sie erschaffen haben mochte. Der zweite Steuermann, Matthew Turner, war ein echter Seebär und ein Mann, aber George Dorety genoß nicht den Trost, mit ihm zusammen zu sein, denn er aß ganz allein für sich, wenn die anderen fertig waren.

Als George Dorety am Sonnabendmorgen, den 24. Juli, aufwachte, hatte er ein Gefühl von Leben und sich überstürzender Bewegung. Er kam an Deck und sah, daß die Mary Rogers vor einem heulenden Südost dahinschoss. Außer Untermarssegel und Fock war kein Segel gesetzt. Das war alles, was das Schiff tragen konnte, und doch machte es vierzehn Knoten, wie der zweite Steuermann Dorety, als er an Deck erschien, ins Ohr brüllte. Und es ging westwärts. Sie sollten endlich Kap Horn runden+... wenn der Wind sich nur hielt. Der zweite Steuermann sah sehr froh aus, denn das Ende des Kampfes war in Sicht. Aber Kapitän Cullen sah nicht froh aus. Er warf einen gereizten Blick auf Dorety, als er vorbeiging. Kapitän Cullen wollte nicht, daß der liebe Gott ihm seine Freude über den Wind anmerkte. Er hatte die Vorstellung von einem übelgesinnten Gott und glaubte im Innersten, wenn Gott wüßte, daß es ein ersehnter Wind war, so würde er ihn sofort unterdrücken und einen Orkan aus Westen schicken. Und deshalb war er sehr vorsichtig mit dem lieben Gott, er verbarg sein Entzücken hinter der finsteren Miene und stieß leise Flüche aus, um auf diese Weise Gott anzuführen – Gott war nämlich das einzige zwischen Himmel und Erde, wovor Dan Cullen sich fürchtete.

Den ganzen Sonnabend und die darauffolgende Nacht schoß die Mary Rogers weiter nach Westen. Sie machte anhaltend ihre vierzehn Knoten, am Sonntagmorgen hatte sie eine Strecke von dreihundertfünfzig Meilen zurückgelegt. Wenn der Wind sich hielt, kamen sie herum. Flaute er ab und kam der Sturm aus einer anderen Richtung zwischen Südwest und Nord, so wurde die Mary Rogers zurückgetrieben und war nicht besser dran, als sie seit sieben Wochen gewesen. Und am Sonntagmorgen wollte der Wind wirklich abflauen. Die großen Seen legten und glätteten sich. Beide Wachen waren auf Deck und setzten Segel auf Segel, so viel das Schiff tragen konnte. Und jetzt ging Kapitän Cullen umher, war ein großer Mann vor dem lieben Gott, rauchte eine lange Zigarre und lächelte triumphierend, als ob der abnehmende Wind ihn freute, während er innerlich gegen den lieben Gott wütete, weil er dem gesegneten Wind das Lebenslicht ausblasen wollte. Westwärts halten! Ja, das wollte er, wenn der liebe Gott ihn nur in Frieden ließ. Im geheimen schloß er wieder einen Pakt mit den Mächten der Finsternis, wenn sie ihn nur weiter westwärts kommen lassen wollten. Diesen Pakt schloß er leichten Herzens, weil er an die Mächte der Finsternis nicht glaubte. In Wirklichkeit glaubte er nur an Gott, obgleich er es selber nicht wußte. Und in seiner umgekehrten Theologie war Gott in Wirklichkeit der Fürst der Finsternis. Kapitän Cullen war Teufelsanbeter, aber er nannte den Teufel bei einem anderen amen – das war alles.

Gegen Mittag, als es eben acht Glasen geschlagen hatte, gab Kapitän Cullen Befehl, die Oberbramsegel zu setzen. Die Männer gingen schneller nach oben, als sie seit Wochen getan. Das kam nicht nur daher, daß es jetzt westwärts ging, eine gnädige Sonne sandte auch ihre Strahlen auf sie herab und half ihnen, die steifen Glieder geschmeidiger zu machen. George Dorety stand achtern in der Nähe Kapitän Cullens, weniger eingepackt als gewöhnlich, und sein ganzer Körper sog die milde Wärme ein, während er das Schauspiel betrachtete, das sich an Deck entfaltete. Da plötzlich geschah es. Von der Voroberbramstenge scholl der Ruf: »Mann über Bord!« Ein Rettungsring wurde ins Wasser geworfen, und im selben Augenblick hörten die Leute achtern den klaren, gebieterischen Ruf des zweiten Steuermanns:

»Hart nieder das Ruder!«

Der Mann am Ruder rührte sich nicht von der Stelle. Er war klüger, denn Kapitän Dan Cullen stand neben ihm. Er hatte die größte Lust, das Ruder niederzulegen, hart nieder sogar um des Kameraden willen, der jetzt im Wasser lag und ertrinken wollte. Er warf einen Blick auf Kapitän Dan Cullen, und Kapitän Dan Cullen rührte sich nicht.

»Nieder! Hart nieder!« brüllte der zweite Steuermann und sprang nach achtern.

Aber er sprang nicht weiter, kommandierte nicht mehr und stand ganz still, als er Dan Cullen am Ruder sah. Und der große Dan Cullen paffte seine Zigarre und sagte nichts. Achteraus in einer Entfernung, die sich schnell vergrößerte, konnten sie den Matrosen sehen. Er hatte den Rettungsring ergriffen und hielt sich daran fest. Niemand rührte sich. Die Männer in der Takelung klammerten sich an die Marsstengen und sahen mit entsetzten Gesichtern zu. Und die Mary Rogers schoß weiter, immer westwärts. Eine lange, schweigende Minute verging.

»Wer war es?« fragte Kapitän Cullen.

»Mops, Käptn!« antwortete der Matrose am Ruder eifrig.

Mops kam auf dem Gipfel einer Welle achteraus zum Vorschein und verschwand für eine Weile im Wellental. Es war eine große Woge, aber kein Brecher. Ein kleines Boot konnte sich gut in dieser See halten, und in dieser See konnte die Mary Rogers gut beidrehen. Aber sie konnte nicht gleichzeitig beidrehen und westwärts halten.

Zum ersten Mal in seinem Leben sah George Dorety ein wirkliches Drama auf Leben und Tod, ein elendes Drama, bei dem ein unbekannter Seemann namens Mops gegen ein paar Meilen Länge in die Waagschale gelegt wurde. Anfangs hatte er den Mann achteraus beobachtet, jetzt aber beobachtete er den großen Dan Cullen, der eine Zigarre rauchte – behaart und finster – Herr über Leben und Tod.

Kapitän Dan Cullen rauchte noch eine lange Minute in vollkommenem Schweigen. Dann nahm er die Zigarre aus dem Munde. Er warf einen Blick auf die Rundhölzer der Mary Rogers und über das Schiff hinaus aufs Meer.

»Holt die Maststengen ein!« rief er.

Eine Viertelstunde später saßen sie in der Kajüte, das Essen vor sich auf dem Tische. An der einen Seite von George Dorety saß Dan Cullen, der Tiger, auf der anderen Seite Joshua Higgins, die Hyäne. Keiner von ihnen sagte etwas. An Deck setzte die Mannschaft Skysegel. George Dorety konnte ihre Rufe hören, während er in Gedanken immer noch einen Mann namens Mops vor sich sah, einen lebendigen, gesunden und tüchtigen Mann, der sich mehrere Meilen achteraus in dem einsamen Meer an einen Rettungsring klammerte. Er sah Kapitän Cullen an, und ein würgendes Gefühl überkam ihn. denn der Mann aß sein Essen mit Wohlbehagen, ja, direkt mit Heißhunger.

»Kapitän Cullen«, sagte Dorety, »Sie sind der Schiffer hier, und es kommt mir nicht zu, Bemerkungen über ihr Benehmen zu machen. Aber ich will Ihnen nur eins sagen. Es gibt ein Leben nach diesem, und im anderen Leben wird Ihnen tüchtig eingeheizt werden.«

Kapitän Cullen blickte nicht einmal finster drein. Seine Stimme klang ganz bedauernd, als er sagte: »Es war Orkan. Es war unmöglich, den Mann zu retten.«

»Er fiel von der Oberbramstenge«, rief Dorety heftig.

»Sie setzten gerade die Oberbramsegel. Eine Viertelstunde später setzten sie die Skysegel.«

»Es war Orkan, nicht wahr, Steuermann?« wandte Kapitän Cullen sich an den Steuermann.

»Wenn Sie beigedreht hätten, wären die Masten über Bord gegangen«, lautete die Antwort des Steuermanns. »Sie haben sich ganz korrekt benommen, Käptn. Der Mann hatte nicht die geringste Möglichkeit.«

George Dorety antwortete nicht, und bis zum Ende der Mahlzeit wurde kein Wort gesprochen. Von jetzt an nahm Dorety seine Mahlzeit in seiner eigenen Kajüte ein. Kapitän Cullen warf ihm keine finsteren Blicke mehr zu, obgleich sie kein Wort miteinander wechselten, während die Mary Rogers westwärts nach wärmeren Breitengraden eilte. Gegen Schluß der Woche drängte Dan Cullen Dorety in eine Ecke an Deck, so daß er nicht entkommen konnte. »Was werden Sie tun, wenn wir nach Frisco kommen?« fragte er brutal.

»Ich werde Sie wegen Mordes anzeigen und dafür sorgen, daß Sie an den Galgen kommen«, antwortete Dorety ruhig.

»Sie haben einen schönen Glauben an sich«, spottete Kapitän Cullen, ihm den Rücken kehrend.

Noch eine Woche verging, und eines Morgens stand Dorety in der Kajütstür an der Vorderkante des langen Hüttendecks und sah sich zum ersten Mal an Deck um. Die Mary Rogers lag mit vollen Segeln in einer steifen Brise am Winde. Jedes Segel war gesetzt und prall. Kapitän Cullen schlenderte das Hüttendeck entlang, scheinbar völlig unbekümmert, aber hin und wieder warf er einen heimlichen Blick auf seinen Passagier. Dorety, dessen Kopf und Schultern zum Kajütsaufgang herausguckten, sah nach der anderen Seite, und nur sein Nacken war sichtbar. Kapitän Cullen ließ einen schnellen Blick von der großen Stagsegelschoot nach seinem Kopfe schweifen und maß die Entfernung. Er sah sich um. Niemand bemerkte ihn. Joshua Higgins, der achtern auf- und abging, hatte ihm gerade den Rücken gekehrt und sah nach der anderen Seite. Kapitän Cullen beugte sich plötzlich vor und löste die Stagsegelschoot von ihrem Nagel. Der schwere Block sauste durch die Luft, zerschmetterte Doretys Kopf wie eine Eierschale und schlug hin und her, während das Stagsegel im Winde klapperte. Joshua Higgins wandte sich um, um zu sehen, was losgegangen war, und wurde mit einem Strom von Kapitän Cullens schlimmsten Flüchen begrüßt.

»Ich habe selbst die Schoot festgemacht«, jammerte der Steuermann, sobald er zu Worte kam, »und das sogar mit einem Extraturn, um ganz sicher zu sein. Das weiß ich genau.«

»Festgemacht?« knurrte der Kapitän zurück, damit die Wache ihn hörte, die sich abmühte, das klatschende Segel wieder festzumachen, ehe es ganz zerriß. »Sie könnten nicht mal Ihre Großmutter festmachen, Sie verfluchter Topfgucker! Wenn Sie die Schoot mit einem Extraturn festgemacht hatten, warum zum Teufel hielt sie dann nicht? Das möchte ich wohl wissen. Warum, zum Teufel, hielt sie nicht?«

Der Steuermann gab ein unartikuliertes Wimmern von sich.

»Ach, halt's Maul!« Hiermit schnitt Kapitän Cullen jede weitere Diskussion ab.

Eine halbe Stunde später war er am meisten von allen überrascht, als George Doretys Leiche am Fuß der Kajütstreppe gefunden wurde, und am Nachmittag, als er allein in seiner Kabine war, verarztete er das Journal:

»Matrose Karl Brun wurde von der Voroberbramsegelstenge in einem Orkan über Bord geschleudert. Wir machten zu dem Zeitpunkt starke Fahrt und wagten aus Rücksicht auf die Sicherheit des Schiffes nicht, zu ihm hinzulaufen. Die See war so schwer, daß kein Boot durchgekommen wäre.«

Auf eine andere Seite schrieb er:

»Ich hatte Herrn Dorety oft vor der Gefahr gewarnt, der er sich in seiner Unvorsichtigkeit an Deck aussetzte. Ich hatte ihm eines Tages gesagt, daß ihm noch der Kopf von einem Block zerschlagen würde. Eine Großstagsegelschoot, die nicht genügend festgemacht war, trug die Schuld an diesem Unglücksfall, der um so bedauerlicher war, als Herr Dorety bei uns allen sehr beliebt war.«

Kapitän Dan Cullen las mit Bewunderung sein literarisches Machwerk durch, trocknete es mit Löschpapier und schloß das Journal. Er fühlte, wie die Mary Rogers sich hob, überkrängte, und sich auf den Wogen wiegte, und er wußte, daß sie neun Knoten die Stunde machte. Sein finsteres, behaartes Gesicht verklärte sich langsam zu einem zufriedenen Lächeln. Nun ja, er war doch jedenfalls westwärts gekommen und hatte den lieben Gott angeführt.

Der Abtrünnige

Wenn du jetzt nicht aufstehst, Johnny, gebe ich dir keinen Bissen zu essen!« Die Drohung übte keine Wirkung auf den Knaben aus. Er klammerte sich immer noch an den Schlaf und kämpfte um das Vergessen, das er schenkt, wie der Träumende um seinen Traum kämpft. Der Knabe ballte die schwachen Fäuste und schlug kraftlos, aber krampfhaft mit ihnen um sich. Die Schläge waren gegen die Mutter gerichtet, aber sie hatte offenbar durch lange Übung gelernt, ihnen auszuweichen, und sie faßte ihn an der Schulter und schüttelte ihn tüchtig.

»Laß mich!«

Es war ein Schrei, der, halb erstickt in der tiefsten Tiefe des Schlafes, begann und hastig wie eine Klage zu heftiger Streitbarkeit stieg, dann legte sich auch die, und der Schrei wurde zu einem unartikulierten Wimmern. Es war ein tierischer Schrei, den eine Seele in Qual ausstieß, voll von unendlicher Erbitterung und von Schmerz.

Aber das machte keinen Eindruck auf die Frau mit den traurigen Augen und dem müden Gesicht, denn sie war diese Arbeit gewohnt und mußte sie jeden Tag von neuem tun. Sie versuchte, die Bettdecke wegzuziehen, aber der Knabe schlug weiter nach seiner Mutter und klammerte sich mit dem Mut der Verzweiflung an die Decke, während er, immer noch von ihr bedeckt, ganz am Fußende des Bettes zusammenkroch. Sie versuchte, die Bettdecke auf den Fußboden zu ziehen, aber der Knabe wehrte sich. Da machte sie eine äußerste Anstrengung. Sie war die schwerere von den beiden, und der Knabe und die Bettdecke lagen auf dem Fußboden, denn er klammerte sich instinktiv fest, um sich gegen die Kälte in der Stube zu schützen, die seinen ganzen Körper durchschauerte.

Als er über den Bettrand taumelte, sah es fast aus, als sollte er kopfüber hinstürzen. Aber da erwachte ein Schimmer von Bewusstsein in ihm. Er versuchte das Gleichgewicht zu bewahren, und wenn die Situation auch einen Augenblick drohend aussah, so landete er doch mit den Füßen zuerst auf dem Fußboden. Im selben Augenblick packte seine Mutter ihn an den Schultern und schüttelte ihn. Wieder begann er die Fäuste zu gebrauchen, diesmal aber mit größerer Kraft und Sicherheit. Gleichzeitig öffnete er die Augen. Sie ließ los. Er war wach.

»Schon recht«, murmelte er.

Sie nahm die Lampe, eilte hinaus, und er blieb allein im Dunkeln zurück.

»Du kommst zu spät!« rief sie ihm zu.

Er kümmerte sich nicht um die Dunkelheit. Als er sich angezogen hatte, ging er in die Küche. Sein Gang war sehr schwer für einen so zarten, dünnen Knaben. Er schleppte die Beine nach, was ganz unwahrscheinlich wirkte, da sie fast nur aus Haut und Knochen bestanden. Er zog einen Stuhl mit durchlöchertem Sitz an den Tisch.

»Johnny!« rief die Mutter scharf.

Er stand schnell wieder vom Stuhl auf und ging, ohne ein Wort zu sagen, zur Aufwasch. Es war eine fettige, schmutzige Aufwasch, und ein arger Gestank stieg aus dem Rohr auf, aber er beachtete es nicht. Für ihn war es selbstverständlich, daß eine Aufwasch schlecht roch, wie es auch selbstverständlich war, daß die Seife fettig von Aufwaschwasser war und nicht ordentlich schäumen wollte. Er gab sich auch keine besondere Mühe, sie zum Schäumen zu bringen. Ein paar Spritzer kaltes Wasser aus dem Hahn – und der feierliche Akt war beendet. Die Zähne putzte er sich nicht. Was das betrifft, so hatte er nie eine Zahnbürste gesehen und ahnte nicht, daß es Menschen gab, die so töricht waren, sich die Zähne zu putzen.

»Das eine Mal am Tage könntest du dich nun wirklich gern waschen, ohne daß ich es dir immer zu sagen brauchte«, klagte seine Mutter.

Sie hielt den zerbrochenen Deckel auf der Kanne fest, während sie zwei Tassen Kaffee einschenkte. Er sagte nichts, denn das war eine ewige Streitfrage zwischen ihnen und der einzige Punkt, in dem seine Mutter vollkommen unerbittlich war. »Einmal am Tage« war es durchaus notwendig, daß er sich das Gesicht wusch. Er trocknete sieh mit einem fettigen Handtuch ab, das feucht und schmutzig und so zerfetzt war, daß sein Gesicht, als er fertig war, mit Fasern bedeckt war.

»Ich wünschte, wir wohnten nicht so weit weg«, sagte sie, sich setzend. »Ich tue ja gern, was ich kann. Das weißt du doch. Aber wenn wir einen Dollar an der Miete sparen, so ist das nicht wenig, und dazu haben wir hier mehr Platz. Das weißt du auch.«

Er hörte kaum, was sie sagte. Er hatte das alles schon früher gehört – viele Male. Ihr Gedankenkreis war sehr eng, und sie kehrte immer wieder darauf zurück, wie schwer es für sie war, so weit von der Fabrik zu wohnen.

»Ein Dollar heißt mehr Essen«, sagte er kurz. »Ich will lieber das Ende laufen und mehr zu essen kriegen.«

Er aß schnell, kaute das Brot nur halb und spülte die ungekauten Bissen mit dem Kaffee hinunter. Die warme, trübe Flüssigkeit hieß Kaffee. Johnny glaubte selbst, daß es Kaffee sei, – und zwar ausgezeichneter Kaffee. Das war eine von den wenigen Illusionen, die ihm noch geblieben waren. Nie in seinem Leben hatte er richtigen Kaffee getrunken. Außer dem Brot gab es ein kleines Stück kalten Speck. Seine Mutter füllte ihm die Tasse wieder mit Kaffee. Als er sein Stück Brot beinahe aufgegessen hatte, begann er sich umzusehen, in der Hoffnung, mehr zu bekommen. Sie fing seinen forschenden Blick auf.

»Du mußt nun auch nicht gefräßig sein, Johnny!« sagte sie. »Du hast dein Teil bekommen. Deine Geschwister sind kleiner als du.«

Er antwortete nicht auf ihre Vorwürfe – er war kein Mensch, der viel sagte –, aber er beschied sich. Er beklagte sich nie und zeigte eine Geduld, die ebenso furchtbar war wie die Schule, in der er sie gelernt hatte. Er leerte seine Tasse, wischte sich den Mund mit dem Handrücken und machte Miene, aufzustehen.

»Wart einen Augenblick!« sagte sie hastig. »Ich glaube doch, daß ich dir noch ein Stück geben kann – ein kleines Stück!«

Mit der Gewandtheit eines Taschenspielers tat sie, als schnitte sie eine Scheibe Brot für ihn ab, legte dann aber den Laib in den Brotkasten zurück und gab ihm statt dessen eine ihrer eigenen zwei Scheiben. Sie glaubte, sie hätte ihn angeführt, aber er hatte das Kunststück gesehen. Dennoch nahm er ganz schamlos das Brot. Er hegte die unerschütterliche Überzeugung, daß seine Mutter wegen ihrer chronischen Schwächlichkeit nie Appetit hätte.

Sie sah, wie er auf dem trockenen Brot herumkaute, beugte sich vor und goss den Inhalt ihrer Kaffeetasse in die seine.

»Es schmeckt mir heute nicht so recht«, erklärte sie.

In der Ferne ertönte ein langgezogenes, schrilles Pfeifen, und beide kamen auf die Füße. Sie sah nach der billigen Weckuhr auf dem Regal. Die Zeiger standen auf halb sechs. Die anderen Fabrikarbeiter wachten jetzt auf. Sie warf sich einen Schal über die Schulter und setzte sich einen schmutzigen Hut auf, der uralt und völlig formlos war.

»Wir werden wohl laufen müssen«, sagte sie, indem sie den Docht herunterschraubte und die Lampe ausblies.

Im Dunkeln tappend, verließen sie die Stube und gingen die Treppe hinab. Es war klar und kalt, und Johnny schüttelte sich bei der ersten Berührung mit der Morgenluft. Die Sterne hatten noch nicht am Himmel zu verblassen begonnen, die Stadt lag im Dunkeln. Johnny sowohl wie seine Mutter schleppten die Füße beim Gehen nach – es war nicht Ehrgeiz genug in ihren Beinmuskeln, um die Füße vom Boden zu heben.

Als sie eine Viertelstunde gegangen waren, ohne etwas zu sagen, bog seine Mutter rechts ab.

»Komm nicht zu spät!« ertönte ihre letzte Warnung aus dem Dunkel, ehe es sie verschlang.

Er antwortete nicht, sondern ging ruhig und besonnen weiter.

Überall im Fabrikviertel öffneten sich die Türen, und er war bald mitten in einer ganzen Schar, die durch das Dunkel vorwärts eilte. Als er das Tor der Fabrik erreichte, ertönte die Pfeife wieder. Er sah nach Osten. Über der langen Reihe ungleicher Hausdächer begann sich ein blasses Licht zu zeigen. Das war alles, was er vom Tage sah, ehe er ihm den Rücken kehrte und mit seinen Arbeitsgenossen hineinging.

Er nahm seinen Platz an einer der vielen langen Reihen von Maschinen ein. Vor ihm, über einem mit kleinen Spulen gefüllten Kasten waren einige sich schnell drehende große Spulen angebracht, und auf sie spann er Jutefäden von den kleinen Spulen. Die Arbeit war ganz einfach. Alles, was sie erforderte, war Schnelligkeit. Die kleinen Spulen mehrten sich so schnell, und es gab so viele große Spulen, um sie zu leeren, daß nie Zeit zum Nichtstun blieb.

Er arbeitete ganz mechanisch. Wenn eine kleine Spule leer war, benutzte er seine linke Hand als Bremse, um die große Spule anzuhalten, während er gleichzeitig mit Daumen und Zeigefinger das lose Fadenende der großen und mit der rechten Hand das lose Fadenende einer kleinen Spule faßte. Diese zwei verschiedenen Bewegungen mit beiden Händen führte er gleichzeitig und sehr schnell aus. Dann knüpfte er mit einer blitzschnellen Bewegung beider Hände einen Weberknoten und ließ die Spule los. Es war keine Kunst, einen Weberknoten zu knüpfen. Er hatte einmal damit geprahlt, daß er es im Schlaf könnte. Und das tat er übrigens auch hin und wieder, wenn er in einer einzigen Nacht Jahrhunderte damit verbrachte, eine endlose Reihe von Weberknoten zu knüpfen.

Einige von den Knaben waren faul und vergeudeten Zeit und Maschinenkraft, indem sie kleine Spulen, wenn sie leer waren, nicht durch neue ersetzten, und ein Vorarbeiter hatte das zu verhindern. Er ertappte Johnnys Nachbar auf frischer Tat und verabreichte ihm ein paar Ohrfeigen.

»Sieh dir Johnny an – warum ist der nicht so wie du?« sagte der Aufseher.

Johnnys Spulen schnurrten aus voller Kraft, aber das indirekte Lob machte keinen Eindruck auf ihn. Es hatte eine Zeit gegeben+..., aber das war lange her, sehr lange her. Sein schlaffes Gesicht war völlig ausdruckslos, während er anhörte, wie er als leuchtendes Beispiel hingestellt wurde. Er war ein ausgezeichneter Arbeiter. Das wußte er sehr gut – er hatte es so oft gehört. Es war etwas ganz Alltägliches, und ihm schien zudem, als ob es nichts mehr für ihn bedeutete. Vom vollkommenen Arbeiter hatte er sich zur vollkommenen Maschine entwickelt. Ging seine Arbeit nicht glatt, so kam es wie bei der Maschine daher, daß das Material nichts taugte. Ein vollkommener Nagelstempel hätte ebensogut schlechte Nägel verfertigen, wie er einen Fehler begehen können.

Und das war auch nicht so merkwürdig. Nie hatte es eine Zeit gegeben, da er nicht in enger Verbindung mit Maschinen gestanden hatte. Er war unter Maschinen geboren und unter ihnen aufgewachsen. Vor zwölf Jahren war in der Webstube in eben dieser Fabrik eine Störung eingetreten. Johnnys Mutter war ohnmächtig geworden. Sie legten sie flach auf den Fußboden zwischen den lärmenden Maschinen. Ein paar ältere Frauen wurden von ihren Webstühlen hinzugerufen, der Vorarbeiter half, und im Laufe weniger Minuten gab es in der Webstube eine Seele mehr, als zur Tür hereingekommen waren. Das war Johnny, der mit dem Poltern und Krachen der Maschinen in den Ohren geboren war und zum ersten Mal in der warmen feuchten Luft atmete, die dick von Leinenflocken war. Er hatte an jenem ersten Tage gehustet, um sich die Lunge von den Leinenflocken zu befreien, und aus demselben Grunde hustete er seitdem immer.