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Das kann doch nicht alles gewesen sein! Mitten im Alltag überfallen einen Fragen und Zweifel: Immer der gleiche Trott, jeden Tag dasselbe – wie kann ich meinem Leben mehr Tiefe geben? Wo finde ich die Tür hinaus ins Weite, ins Unbekannte, ins aufregend Neue? Was liegt hinter dem Horizont und außerhalb meines Blickwinkels? Angela Reinders gibt spirituelle Impulse, die das Leben garantiert farbiger und aufregender machen. Sie erschließt Quellen der Ruhe und Entspannung im Gebet und in der Meditation.
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Seitenzahl: 137
Veröffentlichungsjahr: 2012
Angela Reinders
3-Minuten-Meditationen im Alltag
Verlagsgruppe Droemer Knaur GmbH & Co. KG.
Das kann doch nicht alles gewesen sein! Mitten im Alltag überfallen einen Fragen und Zweifel: Immer der gleiche Trott, jeden Tag dasselbe – wie kann ich meinem Leben mehr Tiefe geben? Wo finde ich die Tür hinaus ins Weite, ins Unbekannte, ins aufregend Neue? Was liegt hinter dem Horizont und außerhalb meines Blickwinkels? In solchen Phasen des Niedergedrücktseins genügt manchmal eine Kurzmeditation und schon verändert sich die Welt in und um uns. Angela Reinders zeigt in ihrem Buch an vielen Beispielen aus unserem täglichen Tagesablauf Möglichkeiten, die es leichter machen, die Hürden des Alltags zu meistern und bewusst Auszeiten zu gestalten, um zu innerer Stärke zu finden. Gleichzeitig ermöglicht sie eine neue Sichtweise auf das eigene Leben und lässt uns, über den monotonen Alltagstrott hinaus, einen tieferen Sinn in unserem Leben erkennen.
Kleine Oasen
Zwischen Treibsand und Fata Morgana
Vom Bett in den Tag
Nach einem Traum, der mich beschäftigt
Die Hand am Herzen
Hinter der Zeitung: meditierte Schlagzeilen
Vor der Kaffeetasse mit dem Sprung
Im Hühnerstall: mein Frühstücksei
Beim ersten Wort am Morgen
Bei »Starbucks«: wo bin ich wirklich ich?
An der roten Ampel
In der Schule
Meine virtuelle Adresse
Neben der Kirchturmuhr
Mit Jessica ins Büro, mit Felix an der Hebebühne
Vor dem Vorgesetzten
Beim Gähnen
Bei Reinhold in der Bahnunterführung
Neben dem Unfallwagen
Im Einkaufswagen
In der Mehldose
Im Wasserglas
Am Musikgeschäft
Im Briefkasten – wer wirbt um mich?
Die Kinderzimmertür: ich muss – ich darf mich kümmern
Mit vier Kindern am Küchentisch
In der Erde
Vor dem Parfumflakon
Vor dem Kuchenteller
Beim Spülen
Am Wohnzimmerschrank: mein Hausaltar
Vor Tante Paulas Foto: die Ahnengalerie
In der Tischgemeinschaft
Im Schlaraffenland
Mit dem Stück Schwarzbrot auf dem Teller
Mit dem Stück Weißbrot auf dem Teller
Im Fernsehsessel – ich und die Welt
Im Kino
Vor meiner Telefonrechnung
Vor meinem Bücherregal
Bei Sonnenuntergang
Beim ersten Wort nach langer Zeit in der Kneipe
Nachts mit dem Hund im Wald
Auf Seite 17 im Tagebuch
Neben meinem Lebenspartner
Allein mit Gott
Mit dem Finger am Weckerknopf
Durststrecken
In meiner Jackentasche: die Muschel
Unter der Decke
Am Schreibtisch: Briefe an mich
In unserer kleinen Stadt: die anderen bewusst sehen
Vor der Vorsorgeuntersuchung
Vor dem Spiegel
Am Ortseingangsschild
Anderswo
Auf dem dritten Stuhl von links im Wartezimmer der Intensivstation
An Christinas Grab
Am Gedenkstein
Mit der Hand an einer Ecke des Sargs
Mit einem Seufzer
Auf der Tanzfläche
Vor der Dose Hautcreme
In meiner Dokumentenmappe
Vor dem Speckstein
Auf der Bank
Im Beichtstuhl
Vor meiner Unordnung
Im Geburtskanal
Gleich neben dem Hamsterrad
An der Zimmerwand
Im Taschentuchpäckchen
Auf meinem Bauch: die Narbe
Im Arbeitszimmer vor dem Terminkalender
Hinter der Maske
Am Straßenrand
Im Pferdestall zur Fütterzeit
Neben dem Freund
Mit deinem Abschiedsbrief in der Hand in deinem Zimmer
Im Pflasterpäckchen
Am Zeitungskiosk
Vor dem angebrannten Essen
Auf dem Eis
In der Künstlerwerkstatt Gottes
Vor dem Flipperautomaten
Vor der Dartscheibe
Auf dem Hotelbettkissen die kleine Schokoladentafel
Quellen
Baby Louises Augen
Zu Hause
Im ganz stillen Haus
Vor den Familienfotos
An der Wahlurne
Bei den Kontaktanzeigen
Im Seitenschiff vorne
Auf hoher See und in der Rührung …
Vor der grünen Bake
Auf dem Gipfel drei Meter unter dem Kreuz
Im Kindergarten
Am Ausguck
Vor dem kaputten Bilderrahmen
Neben der Messlatte
Mit der runzligen Hand in der eigenen
Bei der kleinen Gestalt mit der Bierflasche vor dem Supermarkt
Im Geschäft vor den Geschenkpapierrollen
Um sechs Uhr morgens an Ankes Schreibtisch
Der Briefkasten an der Pfalzburger Straße
Am Hangartor
Am Bach
Irgendwo
Am Reisebüro
Starke Rollenspiele
In der Lostrommel
Auf Platz 86 im Großraumwagen
Mit Lorena am Schreibtisch vor der Familienskizze
Im Museum vor dem schwarzen Bild
Unterm Baum
An der Haltestelle
An der Tankstelle
Beim Vorlesen
In der Kantine
In deinem Arm so unvermutet
Mit dem Staublappen in der Hand
Mit der Hand an der Wasserwaage
Beim Gebet zur rechten Zeit
Im Versicherungsbüro
Beim Üben am Klavier
Mit dem Fähnchen auf der Landkarte
Unterm Sternenhimmel
Im Mutterleib
Vor der verschlossenen Schatzkiste
Im gepackten Koffer
Mit dem Stift vor der Vorsorgevollmacht
Vor dem Bildschirm am simulierten Alterungsprozess
Unterm Apfelbäumchen
Der heiße Sandboden verschwimmt im gleißenden Licht. Der Weg ist nicht deutlich zu erkennen, geschweige denn ein Ziel. Dort hinten, was ist das? Eine Wasserstelle? Oder doch wieder nur eine Fata Morgana, vermeintliche Gastlichkeit, scheinbare Ruhestätte?
So unruhig, ausgedörrt und hungrig bin ich in meiner Alltagswüste. Ich laufe heiß, und es ist keine Oase in Sicht, an der ich meinen Lebensdurst stillen kann.
Morgens weiß ich, was mich erwartet und dass ich kaum schaffen werde, was mir da zugemutet wird. Nicht einmal tief durchatmen werde ich können, es wird nur kurz zum Luftschnappen reichen, gerade so viel, wie mein Organismus braucht. Und so geht es weiter – über den betriebsamen Vormittag, den viel zu schnell dahineilenden Nachmittag, und unversehens ist es Nacht. Wo ist der Tag geblieben? Und vor allem: Wo bin ich an diesem Tag geblieben?
Was müsste ich tun, um mich dieser Frage zu stellen? Ich habe im Laufe meines Lebens unterschiedliche Vorschläge dazu bekommen: Jeden Abend eine ausgiebige Reflexion des Tages zu machen ist einer davon. Ich versuche das, aber ich gebe zu, dass ich darüber manchmal einschlafe. Oasen zwischendurch zu schaffen ist kaum praktikabel. »Zwischendurch« – das müsste dann noch zwischen den vielen »Zwischendurchs« sein, die ich mit kleinen Erledigungen fülle, um überhaupt alle Aufgaben zu bewältigen. Ein Pfarrer erzählte mir vor kurzem, es seien immer so viele Dinge im Weg zwischen ihm und der Zeit für Ruhe (und meistens sei er sich selbst im Weg), dass er jetzt dazu übergegangen sei, sich an manchen Tagen den Wecker eher zu stellen als sonst, um die Zeit des frühen Morgens für seine Besinnung zu nutzen. Morgens? Nein, morgens bin ich dazu überhaupt nicht tauglich.
Also schaue ich nach einem Weg, der für mich passen könnte. Und ich versuche es einmal so:
Ich schaue in jeder Situation nach der kleinen Oase darin. Ich gehe sozusagen etwas auf Abstand zu mir, lasse mich am Wasserufer nieder und sehe mir von da aus bei dem zu, was ich tue: arbeiten, einkaufen, für mich und andere sorgen. Und dabei schaffe ich es plötzlich: Ich sehe, was in meinem Alltag über mich, über die Situation, über die Menschen um mich herum hinausweist. Ich erkenne auch, wo ich bleibe – bei der Arbeit, in der Lebensgemeinschaft, bei mir allein, in der Familie, der Freizeit, zu Hause und unterwegs, in der Natur, in meiner Umgebung. Zwischen dem Treibsand, der mich entschleunigt, und meinen Wegen von Fata Morgana zu Fata Morgana, die ich so in echte Ruhezonen verwandeln kann.
Besonders die Durststrecken versuche ich so mit Sinn zu füllen, in denen die Oasen sich verbergen und einfach nicht sichtbar sind: Zeiten, in denen sich das Leben in der flirrenden Luft verletzlich zeigt, voller Angst, wo mir meine Grenzen sichtbar werden, am Ort meiner Trauer, in Anbetracht meiner Narben oder hinter den Masken, die ich trage.
Wenn ich diese Phasen überstanden habe, freue ich mich an den Quellen, die sich mir bieten, wenn die Oasen gerade in greifbarer Nähe liegen, so dass ich mit dem frischen, kühlen Nass auch neue Hoffnung schöpfe: in den Augen eines Neugeborenen, unterm Sternenhimmel, an heiligen Stätten und Sehnsuchtsorten, bei Menschen, die ich liebe. Bei den unvermuteten Begegnungen, in den kleinen Zeichen der Nähe und den himmelweiten Eindrücken meiner Geschichte, an den Oasen meines Lebens.
Die Miniaturen zeichnen Spuren von Alltagserlebnissen nach und lassen dabei Grund erkennen, der das Leben neu tragen und die Wüste beleben kann. Jede mitgeteilte Erfahrung eine kleine Oase – ein Angebot zum Mit-dort-Rasten.
Mitten im Alltag kommen die Fragen. Immer dasselbe, immer der gleiche Ablauf. Aber wie kann mein Leben mehr Weite, mehr Tiefe bekommen, wie gucke ich über meinen Horizont und über meine Scheuklappen hinaus?
Was geschieht an meinem Tag, und wo sind die Ruhezonen?
Was erwartet mich? Sinnvoller Anfang.
Den Schritt vom Bett in den Tag als bewussten Ausstieg und bewusst als Einstieg in den neuen Tag anzunehmen, das bereitet auf die vielen entscheidenden Momente vor, die heute noch kommen, auf die Entscheidungsmomente. Darin übt der erste Schritt des Tages ein, der Schritt vom Bett auf den Boden.
Ein paar kleine Hilfen machen den Schritt leichter:
Mir am Vorabend etwas zum Anziehen herauslegen.
Ich plaziere die drei wichtigsten Aufgaben für heute wie auf einer gedachten Wäscheleine zwischen die Kleidungsstücke: Was erwartet mich heute? Was ist heute wichtig? Was muss ich fertigbringen?
Eine Vision entwickeln: Was soll heute Abend besser sein, als es gestern war?
Und wenn es gar nicht geht, weil ich zu müde bin, zu erschöpft, zu enttäuscht, zu hoffnungslos, dann höre ich die Worte, die auch mir gelten können: »Mädchen, ich sage dir, stehe auf.«
Wach, aber noch mit dem Nachtgeschehen beschäftigt.
Die verschusselten Träume, von denen am Morgen nichts bleibt: Das alles kommt mit. Das brauchen wir auch«, heißt es im Lied »Weißes Papier« der Gruppe »Element of Crime«. Ob die wirklich wichtig sind? Konfuse Träume brauche ich nicht. Die schüttel ich ab und versuche, sie zu vergessen.
Wenn da die anderen Träume nicht wären … Die kleinen Mahner in der Nacht, die kleinen Eindrücke, die unser Gehirn endlich in Bilder gepackt hat, Bilder, die uns dann noch lange nach dem Aufstehen beschäftigen. »Auch so könnte mein Leben sein.«
Aber da kommt schon die erste Hürde. »Das erste Symptom dafür, dass wir unsere Träume töten, ist, dass wir nie Zeit haben«, stellt der Autor Paolo Coelho fest. In seinem Buch »Struwwelpeter für Manager« greift Fritz Maywald dieses Symptom auf. Menschen, die immer beteuern, dass sie keine Zeit haben, »träumen zu wenig. Denn etwa während einer täglichen Zugfahrt von fünfundvierzig Minuten kann ich ein Vielfaches dieser Zeit er-träumen und dabei alle Grenzen überschreiten, die mir im wachen Zustand im Wege sind.«
Wie wäre es denn, wenn mein Leben so wäre, wie ich es unvorhergesehen geträumt habe?
Nagt da ein kleiner Wunsch, dass irgendetwas aus diesem Traum so werden möge?
»Wenn du es träumen kannst, dann kannst du es auch tun«, sagte Walt Disney einmal.
Träumen und träumen ist nicht das Gleiche.
Was, wenn ich träume und zu Papier bringe, was ich da träume?
Einmal mit System:
Was ist mein Lebenstraum?
Wo will ich hin?
Welche Schritte kann ich gehen, um dorthin zu gelangen?
Was sind realistische Ziele?
Wer hilft mir?
Welche meiner Verhaltensweisen, Gewohnheiten, liebgewordenen, aber zweifelhaften Einsichten muss ich ablegen, um meine Lebensplanung strukturiert angehen zu können?
Den Tag mit Gott beginnen.
In meinem Elternhaus war das noch eine Selbstverständlichkeit: Den Tag zu beginnen mit einem gemeinsamen Morgengebet am Tisch. Es war immer das gleiche, vertraute Gebet. Eine Zeile darin lautete: »Und was ich denke, red und tu, das segne, bester Vater, du.«
Sind Denken, Reden und Tun drei »Filter«, durch die ich mein Alltagsverhalten prüfen kann? Ich lege sie probeweise drei Tage lang auf meine Erlebnisse an und sehe, was sich verändert. Und ich bete …
Kann man die Tageszeitung beten?
Manchmal packt mir der Gemüsehändler Obst in Zeitungspapier ein. Wenn ich die Einkäufe zu Hause verstaue, dann bleibt mein Blick an Artikeln hängen aus längst vergangenen Tagen, längst verstrichene Ereignisse drängen sich in mein Bewusstsein. Wie oft habe ich sie nicht richtig wahrgenommen, als sie aktuell waren. Ich empfinde eine Warnung, Freude, Bedauern.
Ich lerne von der Obst-Zeitung. Ich versuche, meine Wahrnehmung zu schärfen: Ich konzentriere mich auf drei Meldungen, die heute in der Zeitung stehen, und versuche, den Sinn, den Auftrag, das Signal für mich dahinter zu erkennen.
»Jede Zeitung kann zum Gebetbuch werden und jede Statistik zum heiligen Seismographen, mit dem wir als Christen auf die Tragik dieser Welt reagieren«, sagte einmal ein Jesuitenpater.
Warum nicht alles gleich in den Müll gehört.
Nicht immer schmeiße ich eine Tasse, einen Teller oder ein Glas sofort weg, wenn sie einen Sprung oder einen Riss haben. Nur dann, wenn ich fürchten muss, dass beim Trinken oder Essen Scherben in den Mund geraten, dann ziehe ich das angeknackste Geschirr aus dem Verkehr.
Im Roman »Im Tempel meines Herzens« gibt die Autorin Alice Walker eine Reihe von »Seligpreisungen« einer Hauptfigur wieder: »das Evangelium nach Shug«.
»WOHL denen, die das Zerbrochene und das Heile lieben«, heißt es darin; »keins ihrer Kinder, keiner ihrer Ahnen und kein Teil ihrer selbst wird ihrer Verachtung anheimfallen.«
Herkunft ist wichtig.
Mein Ei trägt einen Stempel. Mit der Zahl zu Beginn erfahre ich, ob es von einem ökologischen Landbau (0), aus Freiland- (1), Boden- (2) oder Käfighaltung (3) stammt. Die Buchstaben, z.B. das DE, zeigen seine Herkunft an – mit einer genau festgelegten und nachvollziehbaren Betriebsnummer.
Mein Ei hat eine Geschichte. Das Huhn hat eine Geschichte. Mit den Eiern, die ich kaufe, schreibe ich Geschichte – die der Hühner, von denen die Eier für morgen sind, und meine eigene. Wenn das Ei, das ich kaufe, mit einem Schadstoff belastet ist, wird es eine Skandalgeschichte. Wenn ich mich an einem Tag, an dem ich morgens ein Ei gegessen habe, besonders stark fühle, wird es eine Erfolgsgeschichte.
Könnte man mir einen ähnlichen Stempel aufdrücken? Wie gut waren meine Entwicklungsmöglichkeiten? Wo komme ich her? Aus welchem »Stall«? Was bedeutet das für mich?
Sprachstatistik.
An der Uni Leipzig werten emsige Menschen täglich Tageszeitungen aus und stellen zusammen: Welche Ereignisse und Personen wurden heute besonders oft genannt? Welche Ortsbezeichnungen und Schlagworte tauchten am häufigsten in den Nachrichten auf? Beispiele: Beherrschten am 10. September 2001 noch Worte wie »Zuwanderungsgesetz« und die »T-Aktie« die Wortwahl der Nachrichtenmacher, so am Folgetag »Anschlag«, »Türme«, »Terror«.
Habe ich Zeit, so zwischen zwei Morgen auszuwerten, worüber ich gesprochen habe? Vielleicht scheint es mir ja nur, als wären »Geld«, »Termin« und »Problem« die Spitzenreiter. Ich zähle darauf: Auch »Zeit« wird darin vorkommen, hoffentlich doch »Liebe«, vielleicht auch »Gott«.
»Wenn die Worte nicht stimmen«, begann der chinesische Weise Konfuzius vor 2500 Jahren, »ist das, was gesagt wird, nicht das Gemeinte.« Andersherum: Wenn gute Worte ausgesprochen und aufgeschrieben werden, häufig am Tag, dann ist mein Leben noch das, was damit gemeint war.
Auf jeder Tasse, die ich da bestelle, mein Name – was hat das mit meiner Persönlichkeit zu tun?
Starbucks«, die amerikanische »Coffee-to-go«-Kette mit Kultstatus, findet man in jeder größeren Stadt. Ihre Philosophie lautet: »Unser Geschäft besteht nicht darin, Bäuche zu füllen. Unser Geschäft ist es, Seelen zu füllen.« Dass so viele Menschen Kaffee konsumieren, als sei er Futter für die Seele, kommentierte Howard Schultz, der Gründer und Chef der Kette, so: »Das ist unser Lebensgefühl. Unser Geschäft ist die Beziehung zwischen Menschen, ist Menschlichkeit.«
Der Physiker und Comedian Vince Ebert meint dazu: »Starbucks. Wenn Sie dort einen Becher Kaffee kaufen, werden Sie zuerst einmal nach Ihrem Vornamen gefragt. Der wird dann wasserfest und unwiderruflich auf einen Pappbecher geschrieben. Nun müssen Sie bis zu sechs verschiedene Entscheidungen treffen: tall oder grande? Frappuccino oder Espresso? Caramel oder Peppermint? Low fat oder normal? Entkoffeiniert oder koffeiniert? Das klingt im ersten Moment vollkommen schwachsinnig. Doch … Menschen, die nicht den blassesten Schimmer haben, was genau sie auf diesem Planeten tun, erwerben für 2 Euro 80 nicht etwa einen Becher Kaffee. Nein. Sie erwerben eine präzise Definition ihres Ichs: Vince, tall, Frappuccino, Caramel, low fat, entkoffeiniert.«
