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One-Way-Tickets, geschrieben ursprünglich auf Türkisch unter dem Titel "Tek Yön Biletler", erzählt die Geschichte eines Mannes, der bei einem Flugzeugabsturz verschwindet, und die von drei Menschen, die nach diesem Mann von Westeuropa nach Istanbul und Tokio geschleppt werden. In dieser Leseprobe sind die ersten drei Kapitel zu finden, übersetzt ins Deutsche von Frau Monika Demirel. Da das Buch noch nicht in vollständiger Übersetzung vorliegt, suche ich nach der Übernahme der Übersetzungsarbeiten des restlichen Textes und dessen Veröffentlichung in einem Verlag.
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Seitenzahl: 50
Veröffentlichungsjahr: 2022
Murat Cetinkaya
One-Way Tickets
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Inhaltsverzeichnis
Titel
Leseprobe
Impressum neobooks
Über den Autor
Murat Çetinkaya wurde 1982 in Ankara geboren. Bis zu seinem Examen an der Technischen Universität des Nahen Ostens ODTÜ im Jahr 2003 lebte er in Ankara. Seit 2004 lebt er im Ausland. Zurzeit arbeitet er beim Europäischen Patentamt in München als Patentprüfer. Seine Erfahrung im Schreiben lag bislang vorrangig im akademischen Bereich. Nach der Masterarbeit (2005), der Dissertation (2008) sowie wissenschaftlichen Artikeln (2004-2018) in englischer Sprache verfasste er von 2013 bis 2015 für das Wissenschaftsportal Açık Bilim Beiträge in türkischer Sprache. „One-Way-Tickets“, an dem Çetinkaya fünf Jahre arbeitete, ist sein erstes literarisches Werk.
Neben dem Schreiben gilt seine größte Leidenschaft dem Reisen.
Erläuterungen
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Alle Rechte der in diesem Buch genannten Tonwerke liegen bei den jeweiligen Inhabern und deren Vertragspartnern; der Autor hegt keinerlei Ansprüche an den genannten Werken.
Bis auf einige gesellschaftliche Ereignisse, die dem Autor als Inspiration dienten, sind Handlung und Personen des Buchs frei erfunden und haben keinerlei Bezug zu real existierenden Personen oder Organisationen.
Dieses Buch ist denen gewidmet, die keine Angst davor haben, Fehler zu machen.
Mit dem Wahnsinn ist es wie mit der Schwerkraft. Es reicht nur ein kleiner Schubs.
Aus dem Film The Dark Knight
Ich war in die Firmenzentrale nach Düsseldorf gereist, um an einem der monatlichen Meetings teilzunehmen. Aus unerklärlichem Grund mochte ich es, wenn auch nur für kurze Zeit, meine Frau Deniz und Edinburgh, die Stadt, in der wir lebten, zu verlassen. Bitte nicht falsch verstehen, ich hegte weder gegen Deniz noch Edinburgh irgendwelche bösen Absichten oder Gedanken. Der Routine zu entfliehen tat mir einfach gut. Eure besserwisserische Frage, ob regelmäßige Dienstreisen nicht auch Teil der Routine wären, hätte ich Euch sicher mit Ja beantwortet. Ohnehin hatte ich in dem Augenblick, als mir das klar wurde, sprich an jenem Wochenende, den Entschluss gefasst, alles Routine- und Nichtroutinemäßige in meinem Leben zu ändern. Eine Realitätsverschiebung würde ich durchleben, so nannte man das häufig in der Arbeitswelt.
So sehr ich es liebte, zu reisen und der Stadt, in der ich leben musste, den Rücken zu kehren, so sehr hatte ich das Arbeiten satt. Besser ausgedrückt: das Arbeitsleben und das, was man modernes Leben nannte, erzeugte bei mir inzwischen nur noch Übelkeit. Ich war exakt wie all diejenigen geworden, die nach einer Kindheit mit Fußball- und Versteckspielen auf der Straße und einer Pubertät, in der sie mit dem Gott namens Internet Bekanntschaft gemacht hatten, außer einem Unidiplom und einem Autoschlüssel nichts Wesentliches in Händen hielten, obwohl bereits die Hälfte ihres Lebens vorbei war; die eingezwängt im Chaos der sogenannten globalisierten, eigentlich aber banalisierten Welt die Orientierung verloren hatten, abends in ihrem Wohnzimmersessel vom Leben eine Einladung zu einem Abenteuer erwarteten, sich selbst bemitleideten, eben weil sie auf diese Einladung warteten und dadurch noch desorientierter wurden und sich letztendlich die Frage stellten: „Was mache ich hier eigentlich?“ Ich hatte meine Orientierung verloren.
Lasst mich noch etwas mehr zum Thema Arbeitsleben sagen: Ich hatte es satt, an Meetings virusartiger Firmen mit sogenannter Unternehmensstruktur teilzunehmen, denen Tausende von Bürosklaven ihr ganzes Ich widmeten; Meetings, in denen komplexbeladene Männer und Frauen gegeneinander anzustinken versuchten, und wo ich mich am Schluss den Spielregeln unterwerfen und selbst bei diesem Wetteifern mitmachen musste. Ich hatte genug von sinnlosen, in die Länge gezogenen Telefonaten zu Themen, die man in fünf Minuten erledigen konnte, von ständig neuen Antworten auf E-Mails, deren vorherige Antworten gar nicht gelesen worden waren, weshalb diese E-Mails sich vergrößerten wie Schneebälle. Ich war es leid, Anzüge zu tragen, die ein Viertel meines Gehalts kosteten, über Geld, Gewinn, Verlust, Verkauf, Wirtschaft et cetera zu schwadronieren, mich abzurackern, um die Taschen der Firmenpartner noch mehr zu füllen, obwohl sich das mitnichten auf mein Gehalt oder mein Glücksempfinden auswirkte. Ich hatte die Nase voll von Enttäuschungen über nicht erfolgte Beförderungen und über erfolgte Beförderungen, davon, ständig sich ändernden Zielen hinterherzujagen, die nur Derivative und letztendlich nur leerer Abklatsch waren. Ich war es überdrüssig, mit masturbativen Titeln geschmückt zu werden, mich andauernd mit den Anderen zu vergleichen, nachts nicht mehr schlafen zu können, im Schlaf mit den Zähnen zu knirschen, meiner Träume beraubt zu werden, sogar meine Wochenenden mit Dienstreisen zu verbringen, als würde es nicht genügen, dass ich einen Großteil meines Tages mit Arbeit zubrachte; auf Dienstreisen meine Abende mit meinen Kollegen zu vergeuden und an diesen Abenden ununterbrochen über Prolothemen wie Fußball, Autopreise und die witzigen deutsche Dialekte und Akzente der Anderen zu reden. Ich hatte die Nase gestrichen voll.
Das Meeting auf meiner letzten Dienstreise brachte schließlich das Fass zum Überlaufen. Ich erinnere mich genau: in meinem Brustraum herrschte ein unbeschreiblicher Druck, wie bei einem Schnellkochtopf, aus dem der Dampf nicht entweichen konnte. Kaum war die Sitzung beendet, überkam mich das tiefe Bedürfnis, diesem Ort zu entfliehen. Dieses Bedürfnis war für mich zu einer derart großen Last geworden, dass ich das Gefühl hatte, wenn ich nur noch etwas länger warten würde, würde mein Geist in kleine Stücke zerfallen wie trockene Spaghetti. Ich musste weg.
Als wir am Ende die Dokumente in unsere teuren Ledertaschen stopften, nahm ich mir vor, den Abend allein zu verbringen. Den Leuten sagte ich, es sei wohl eine Krankheit im Anflug, dass ich niemanden anstecken und deshalb ins Hotel zurückkehren wollte. Die Lösung für mein Leiden behielt ich für mich - sie bestand darin, allein im Hotel an einem Vierertisch zu essen und an der Bar zwei Gin Tonic hinunterzukippen.
