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Påll, ein isländischer Bergtroll, steht plötzlich mitten in Hamburg und weiß nicht, wie er dorthin gekommen ist. Zum Glück trifft er Andre, der ihm hilft. Zufällig entdecken die beiden, dass sie ein gemeinsames Geheimnis haben, das die zwei nach Island bringt ... Die Freunde erleben Abenteuer mit Wasser-, Feuer- und Gletschertrollen, ja sogar das aufregende Mittsommernachtsfest – doch dabei gerät Andre in große Gefahr ...
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Seitenzahl: 66
Veröffentlichungsjahr: 2016
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Für Anna und Lena, die ersten „Påll Troll“ Fans in der Welt. Die Zauberformel wirkt nur bei Trollen mit einem besonders kurzen „kleinen Zeh“! Vielleicht auch bei Menschen?
Eine Entdeckung
Wo kommt Påll her?
Wer ist Påll?
Freundschaft
Im Traum
Bei Andre
Ein seltsamer Abend
Die Jet-Erkenntnis
Der fast normale Tag
Fahrt durch Hamburg
Zu Hause in der Berghöhle
Wunscherfüllung
Andre unter Schock
Trolltrauer
Doras Plan
Sicher in der Höhle
Das große Fest
Doppelte Gefahr
Der Menschenheld
Alles vorbei
Sehnsucht
Plötzlich steht er hier, mitten unter uns. Er weiß nicht wie er hierhergekommen ist. Traurig, verstört, ängstlich sieht er aus. Was ist passiert? Eben noch saß er friedlich am Feuer im großen Berg am Inselfjord. Vater und Schwester backen Kuchen, Mutter angelt am Fjord. Påll1 spielt auf dem Sofa sitzend an seinem besonders kurzen kleinen Zeh. Dabei denkt er an die Geschichten, die sein grimmiger Trollonkel Thor von der großen Hafenstadt in Deutschland erzählt hat. Er hat dreimal kräftig an seinem kleinen Zeh gezogen!
Plötzlich steht er in Deutschland, in der Stadt Hamburg. Er weiß nicht, wie er hierhergekommen ist. Påll sieht sich um. Er steht auf einer großen Wiese im Lärm von Automotoren. Weiter hinten sieht er Häuser, Kirchtürme und viele Menschen auf den Fußwegen. Påll wagt es kaum zu gehen. Vorsichtig setzt er Fuß vor Fuß, die Wiese scheint so ähnlich wie die zu Hause zu sein, nur duftet sie nicht, sie stinkt. Påll geht schneller, sein Blick fällt auf die große, graue Gestalt die dort vorne, mitten auf der Wiese steht2. „Onkel Thor“, ruft Påll und wird schneller. Er läuft so schnell er kann: „Onkel Thor, Onkel Thor, hier bin ich, Påll!“ Onkel Thor bewegt sich nicht.
Als Påll ganz nah bei ihm ist, erschreckt er sich gewaltig. Alles Fels! Wie konnte Onkel Thor nur so unvernünftig sein! Mutter hat erzählt, dass seit zweihundert Jahren kein Troll mehr versteinert ist. Warum war Thor so unvernünftig, sich von der Mittagssonne hier bescheinen zu lassen? Da versteinert ja jeder Troll sofort! Påll weint und läuft mit dem Menschenstrom mit. Auf einem Hügel bleibt er stehen. Das hat er noch nie gesehen. Einen riesigen Hafen mit vielen Schiffen, ganz ruhig fließendes Wasser. Nicht einmal der Wind ist zu spüren. Der Himmel ist verhangen und es nieselt leicht. Die Tränen laufen Påll über das Gesicht, er weiß nicht was er denken soll: Thor versteinert! Er in der Fremde! Nichts Vertrautes! WIE IST ER NUR HIERHERGEKOMMEN?
1 Wenn du den isländischen Namen Påll richtig aussprechen willst, musst du einfach Paul sagen, nur das „l“ am Ende scharf mit einem „Klick“ im Mund aussprechen.
2 Was Påll nicht weiß, er ist in der Nähe der Landungsbrücken in Hamburg gelandet und sieht das Bismarckdenkmal…
Eben noch saß Påll in seinem gemütlichen Elternberg am größten Fjord im Norden Islands in seiner Wohnhöhle. Die Höhle war gemütlich eingerichtet. Überall lagen Schaffelle, auf dem Höhlenboden waren abgenagte Knochen jeder Größe von den verschiedensten Lebewesen verstreut und von der Decke hingen mindestens hundert Ketten mit geräucherten Schafsköpfen und getrocknetem Fisch.
Pålls Elternberg lag neben vielen anderen hohen Bergen in einsamer Natur, manchmal verirrten sich Schafe in diese Gegend, die wurden später dann als vermisst gemeldet. Hier lebt die Familie Trollson seit vielen Jahrhunderten. Der Vater von Påll ist Troll Pållson – ein äußerst grimmiger, großer, furchterregender, zärtlicher, liebevoller Trollmann! Er ist fleißig im Haushalt, kann sehr gut kochen und ist auf der ganzen Insel berühmt für seine wunderbaren Speisezusammenstellungen und die sensationell furchterregenden Garnierungen derselben. Alle Trolle lieben es, bei Pålls Papa zu essen. Er probiert laufend neue Fischrezepte aus, da seine Frau eine leidenschaftliche Anglerin ist. Er liebt seine Kinder über alles und ist furchtbar stolz auf sie.
Pålls Mutter ist eine der schönsten, stärksten, mutigsten Trollfrauen Islands, die viel Wert auf ihr Äußeres legt. Sie trägt den Namen Finna Starksdottir3, die Tochter von Karl dem Starken, dem gefürchtetsten Troll der Insel. Sie ist eine sehr erfolgreiche Anglerin, die ihre Familie mit ihrer Hände Arbeit ernährt.
3 Wenn du den Namen von Pålls Mutter richtig aussprechen möchtest, darfst du nicht an ein Eidotter denken, sondern an einen Kerzendocht. Richtig hört sich der Name so an: Finna Starksdochtir.
Påll ist acht Jahre alt, ein normaler Trolljunge. Er streift gerne über die weite Insel, besteigt Berge und schwimmt im klaren Quellwasser. Er hat noch nie einen Menschen gefangen! Onkel Thor zieht ihn damit oft auf: „Du bist ja kein richtiger Troll, richtige Trolle fangen haufenweise Menschen, lecker! Als ich einmal in einer großen Stadt in Deutschland war, da konnte ich mir so viele wegfangen wie ich wollte, hm … superlecker!“ Wo immer Påll auf Island Menschen begegnet, laufen alle schreiend davon, er ist richtig traurig darüber.
Påll hat eine Schwester, Dora ist fünf Jahre alt, eine der gewitztesten fünfjährigen Trollmädchen der Insel. Flink wie ein Wiesel, mit neuen Ideen, die aus ihrem Kopf hüpfen, hält sie ihre Familie in Atem. Neulich hatte sie die kleine dreijährige Stina, die Tochter des Bauern vom Nordhof, nach Hause gebracht, um mit ihr zu spielen. Als Dora mit Stina vor die Trollhöhle kam, war Mutter Finna stinkwütend: „Bringe sie sofort zurück zum Nordhof, an der ist ja nichts dran! Vater kennt kein Rezept nur für Haut und Knochen.“ Auf dem Weg zurück zum Nordhof spielten die Mädchen vergnügt Steinfußball. Vor Stinas Hof angekommen umarmten sich die beiden fröhlich zum Abschied. Stinas Eltern guckten ganz verschreckt aus dem Wohnzimmerfenster. „Lauf lieber schnell ins Haus, deine Eltern sehen so besorgt aus“, sagte Dora. Stina lief, immer noch ihrer Freundin winkend, zur Haustür. Dora ging etwas traurig zur Höhle zurück, in Zukunft würden sie heimlich miteinander spielen, wenn ihre Eltern so ein Theater um ihre Freundschaft machten.
Pålls Eltern sind seit dreihunderteinundzwanzig Jahren verheiratet. Kinder haben sie spät bekommen. „Ich wollte meine Jugend genießen“, sagte Finna immer, wenn sie jemand auf ihre jungen Kinder ansprach.
Die Familie lebt in der Nähe des Inselfjords im Norden.
Hier in dieser Gegend leben besonders viele Trolle, sie sind fast alle miteinander verwandt. Südlich des Inselfjords liegt die zweitgrößte Stadt Islands, Akureyri, dort leben viele Menschen…
Tief in Gedanken versunken läuft Påll mit dem Menschenstrom mit. Dicke Tränen kullern über seine Wangen, er wirkt traurig und hilflos, seinen Blick hat er an seine Stiefelspitzen geheftet. Er hat seine Lieblingsstiefel mit den großen Löchern an, damit stampft er die Straße entlang.
Plötzlich steht einer vor ihm! Fast hätte Påll ihn umgelaufen, den einen Kopf kleineren blonden Jungen.
„Was willst du? Wer bist du?“, fragt Påll mürrisch. „So komische Haare! So einen wie Dich habe ich noch nie gesehen“, lacht der Junge. „So braun-rote Haare, solche durchlöcherten Stiefel, die Nase! Ha, ha und die Ohren! Warum weinst du eigentlich?“
„Ich glaube, ich bin verkehrt gelandet“, sagt Påll.“
„Verkehrt gelandet? Das verstehe ich nicht. Wieso verkehrt gelandet?“ Andre schaut sich Påll genauer an. „Mein Name ist übrigens Andre, Andre Alderstädt und wie heißt du?“ „Påll!“ Das ist ein komischer Name, denkt Andre, den Namen habe ich noch nie gehört.
„Wie alt bist du denn, zwölf oder etwa schon älter?“, fragt Andre neugierig weiter.
„Ich bin acht Jahre alt und wohne ganz woanders“, murmelt Påll.
„Du wohnst ganz woanders? Das verstehe ich nicht, ich wohne hier um die Ecke.“
Er wundert sich über das Aussehen von Påll, seine Stiefel, die abgerissene Kleidung und die verfilzten braun-roten Haare. „In welche Schule gehst du?“
„Schule? Was ist das?“ fragt Påll.
„Du armer Junge“, Andre sieht Påll voller Mitleid an.
„Ich habe gedacht alle müssen in die Schule!“ brummt Andre.
