Parker nervt die Psychologen - Günter Dönges - E-Book

Parker nervt die Psychologen E-Book

Günter Dönges

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Beschreibung

Exzellent – das ist er im wahrsten Sinne des Wortes: einzigartig, schlagfertig und natürlich auch unangenehm schlagfähig. Wer ihn unterschätzt, hat schon verloren. Sein Regenschirm ist nicht nur sein Markenzeichen, sondern auch die beste Waffe der Welt. Seinem Charisma, Witz und Charme kann keiner widerstehen. Der exzellente Butler Parker ist seinen Gegnern, den übelsten Ganoven, auch geistig meilenweit überlegen. In seiner auffallend unscheinbaren Tarnung löst er jeden Fall. Bravourös, brillant, effektiv – spannendere und zugleich humorvollere Krimis gibt es nicht! Die Gestalt trug einen hellen, flatternden Kittel und sah aus wie ein zu groß geratener, prähistorischer Vogel. »Mir ist, als hätte ich mal gehört, daß es in dieser Gegend noch spukt«, sagte Lady Agatha. »Ich wittere eine nette, kleine Abwechslung, Mister Parker, ein Gespenst käme mir gerade recht.« »Falls es sich um ein solches handelt, dürfte es sich mit seinem Auftritt verfrüht haben, Mylady, bis Mitternacht sind es noch vier Stunden«, gab der Butler gemessen zurück. »Seien Sie doch nicht immer so pingelig, Mister Parker«, räsonierte die ältere Dame. »Ob Gespenst oder nicht, wir nehmen es auf jeden Fall an Bord.« »Wie Mylady zu wünschen belieben.« Parker trat auf die Bremse und hielt direkt neben der seltsamen Erscheinung. Diese riß sofort die hintere Tür des Wagens auf und warf sich in den Fond. »Fahren Sie weiter«, keuchte sie, während sie verängstigt nach draußen starrte. »Sie erwarten Ungemach?« erkundigte sich Parker höflich und beschleunigte sein hochbeiniges Monstrum. »Die wollen mich dort einsperren, um an mein Geld zu kommen«, japste der Fahrgast außer Atem, »aber ich konnte im letzten Augenblick verschwinden. Wenn ich erst in der Anstalt gelandet wäre, wäre ich nie wieder herausgekommen.« »Ihre Stimme kommt mir irgendwie bekannt vor«

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Der exzellente Butler Parker – 15 –

Parker nervt die Psychologen

Günter Dönges

Die Gestalt trug einen hellen, flatternden Kittel und sah aus wie ein zu groß geratener, prähistorischer Vogel.

»Mir ist, als hätte ich mal gehört, daß es in dieser Gegend noch spukt«, sagte Lady Agatha. »Ich wittere eine nette, kleine Abwechslung, Mister Parker, ein Gespenst käme mir gerade recht.«

»Falls es sich um ein solches handelt, dürfte es sich mit seinem Auftritt verfrüht haben, Mylady, bis Mitternacht sind es noch vier Stunden«, gab der Butler gemessen zurück.

»Seien Sie doch nicht immer so pingelig, Mister Parker«, räsonierte die ältere Dame. »Ob Gespenst oder nicht, wir nehmen es auf jeden Fall an Bord.«

»Wie Mylady zu wünschen belieben.« Parker trat auf die Bremse und hielt direkt neben der seltsamen Erscheinung. Diese riß sofort die hintere Tür des Wagens auf und warf sich in den Fond. »Fahren Sie weiter«, keuchte sie, während sie verängstigt nach draußen starrte.

»Sie erwarten Ungemach?« erkundigte sich Parker höflich und beschleunigte sein hochbeiniges Monstrum.

»Die wollen mich dort einsperren, um an mein Geld zu kommen«, japste der Fahrgast außer Atem, »aber ich konnte im letzten Augenblick verschwinden. Wenn ich erst in der Anstalt gelandet wäre, wäre ich nie wieder herausgekommen.«

»Ihre Stimme kommt mir irgendwie bekannt vor«, überlegte Lady Agatha. »Ich muß sie schon mal gehört haben.« Die passionierte Detektivin beugte sich vor und sah der Unbekannten ins Gesicht, dann gab sie einen überraschten Laut von sich und klatschte ihrem Fahrgast auf die Schulter.

»Margareth, was soll das heißen?« dröhnte sie. »Ich denke, du sitzt daheim auf deinem Castle und wartest auf meinen Besuch.«

»Agatha!« Die hellgekleidete Gestalt war nicht weniger überrascht und warf sich in die Arme der Lady, um gleich darauf laut zu schluchzen.

»Was ist passiert, meine Liebe, du kannst dich mir voll und ganz anvertrauen«, bemerkte Lady Agatha und tätschelte der Gestalt neben sich den Rücken.

»Hubert«, antwortete Margareth Worthington, »der verdammte Erbschleicher wollte nicht länger warten und mich deshalb in die Anstalt einweisen lassen, um schon jetzt an mein Geld heranzukommen. Mein Gott, wenn ich nicht in dem Moment, in dem die schrecklichen Wärter mich aus dem Krankenwagen holten, richtig reagiert hätte und weggelaufen wäre, säße ich jetzt in einer Gummizelle und käme wohl mein Leben lang nicht mehr heraus.

»Bedarf es nicht eines gewissen, gesetzlich genau vorgeschriebenen Aufwandes, Mylady, um jemanden gegen seinen Willen in eine solche Anstalt einzuliefern?« erkundigte sich Parker, der den neuen Fahrgast als Lady Margareth Worthington, Lady Agathas weitläufige Verwandte, identifiziert hatte.

»Natürlich, aber Sir Hubert ist mit dem Anstaltsleiter befreundet und hat sich von ihm ein falsches Attest besorgt. Danach war alles ganz einfach für ihn, er brauchte das Attest nur noch vor Gericht einzureichen und meine Entmündigung zu beantragen. Dieser Doktor Rush gilt als Koryphäe auf seinem Gebiet. Niemand würde es wagen, sein Urteil anzuzweifeln.«

»Was genau wird Ihnen in dem medizinischen Gutachten dieses Doktor Rush unterstellt, Mylady?«

»Nun, er hat das natürlich in Fachchinesisch ausgedrückt, aber im wesentlichen läuft es wohl darauf hinaus, daß ich angeblich wegen meiner großzügigen Spenden und sozialen Engagements den Worthington-Familienbesitz heruntergewirtschaftet habe und deshalb geschäftsunfähig bin. Dabei führt seit Jahren Hubert die Geschäfte der Familie, ohne daß ich Einfluß darauf nehme, und wenn jemand Schuld daran hat, daß der Besitz nichts mehr abwirft, dann er. Aber er behauptet natürlich, er hätte immer nur auf meine Weisung hin gehandelt. Jedenfalls hat Doc Rush ein Gutachten erstellt, ohne mich untersucht zu haben, und mit dem ist Hubert zum Gericht gegangen und hat meine Entmündigung durchgesetzt. Jetzt verfügt er über das Familienvermögen und kann machen, was er will.«

»Keine Angst, meine Liebe, das werde ich schon in Ordnung bringen«, versprach Agatha Simpson. »Wir werden diesem Doc Cash nachdrücklich klarmachen, daß er sich geirrt hat, nicht wahr, Mister Parker?«

»In der Tat, Mylady. Doktor Rush wird sich bestimmt gern von Mylady überzeugen lassen«, korrigierte er diskret den Namen des Arztes. »Im übrigen sieht es so aus, als wollte man Kontakt mit Mylady aufnehmen.«

»Wirklich?« Agatha Simpson drehte sich um und schaute animiert durch das Rückfenster. Es näherte sich ein weißlackierter Wagen, auf dessen Dach ein Blaulicht kreiste.

»Der Anstaltswagen!« Lady Margareth hatte sich gleichfalls umgedreht und starrte ängstlich auf das rasch näher kommende Fahrzeug, das gerade zum Überholen ansetzte und sich rücksichtslos vor Parkers Kühlerhaube drängte.

Ohne eine Miene zu verziehen, ließ der Butler sein hochbeiniges Monstrum am Straßenrand ausrollen, direkt hinter dem Krankenwagen, aus dem drei weißbekleidete Männer sprangen. Man schien es eilig zu haben, Kontakt aufzunehmen, denn einen Moment später griff bereits einer der Weißkittel nach der Klinke von Parkers Wagen. Doch der Butler hatte die Zentralverriegelung eingeschaltet und sein Fahrzeug gegen unbefugtes Öffnen gesichert.

*

»Darf man nach dem Begehr der Herren fragen?« Parkers Stimme drang durch einen kleinen, unter dem Wagen angebrachten Lautsprecher an die Ohren der Verfolger, die ratlos neben dem Wagen standen und überlegten, was sie tun sollten.

»Machen Sie auf, Mann, wir müssen unsere Patientin zurückholen«, erklärte schließlich der Älteste von ihnen, ein schlanker, hochgewachsener Mann mit grauem Vollbart und schmaler Goldrandbrille.

»Erklären Sie dem Lümmel, daß das nicht in Frage kommt, Mister Parker«, grollte Agatha Simpson vom Rücksitz. »Lady Margareth steht unter meinem persönlichen Schutz. Sie wissen, was das bedeutet.«

»In der Tat, Mylady.« Parker wandte sich wieder den Weißbekittelten neben seinem Wagen zu, die bereits deutliche Anzeichen von Ungeduld zeigten.

»Sie sind sicher in der Lage, sich entsprechend zu legitimieren und nachzuweisen, daß Sie berechtigt sind, Lady Worthington mitzunehmen«, bemerkte er würdevoll und legte unauffällig einen der zahlreichen Hebel am Armaturenbrett um.

»Was soll der Quatsch, Mann, Sie sehen doch, daß wir mit ’nem Wagen der Anstalt gekommen sind«, fauchte einer der beiden jüngeren Weißkittel gereizt und langte seinerseits an den Griff der Fahrertür. Im nächsten Augenblick heulte er entsetzt auf und begann einen Steptanz, ohne allerdings dabei die Hand von der Klinke zu lösen, was auch nicht möglich war. Parker hatte nämlich die Klinke unter Gleichstrom gesetzt und für eine kleine Aufmunterung des vorwitzigen Krankenpflegers gesorgt.

»Mein Gott, was treibt der Mann da?« erkundigte sich Margareth Worthington, die angesichts der seltsamen Vorstellung, die der leichtsinnige Pfleger bot, ihre Angst vergaß. Sie beugte sich neugierig vor, um das kleine Schauspiel besser verfolgen zu können.

Ein kleiner technischer Trick, den Mister Parker auf meine Anregung hin hat einbauen lassen, meine Liebe«, erklärte Lady Agatha ihrer Verwandten ein wenig gönnerhaft. »Du siehst, bei mir kann dir wirklich nichts passieren.«

Parker hatte den Strom inzwischen wieder abgeschaltet und lüftete andeutungsweise die Melone in Richtung der Krankenpfleger, die zurückgewichen waren. Sie untersuchten ihren vorwitzigen Kollegen auf eventuelle gesundheitliche Schäden, die es natürlich nicht gab. Der Butler pflegte stets und ständig darauf zu achten, niemandem bleibenden Schaden zuzufügen, und war in der Wahl seiner Mittel entsprechend vorsichtig.

»Was haben Sie mit ihm gemacht, Mann? Jetzt reicht’s aber!« Der Mann mit dem Vollbart verlor die Nerven und zerrte eine Pistole aus der Kitteltasche, die er auf Parkers Seitenfenster richtete. »Machen Sie sofort auf, oder es knallt! Ist das klar?«

Lady Margareth stieß im Fond einen Seufzer aus und flüchtete sich in eine Ohnmacht, während Lady Agatha empört nach ihrem Pompadour griff, der neben ihr auf dem Sitz lag.

»Öffnen Sie die Türen, Mister Parker, ich werde diesem Lümmel Manieren beibringen«, forderte sie und schob sich ungeduldig an ihrer Verwandten vorbei.

»Wenn sich Mylady noch einen Augenblick gedulden wollen?« bat Parker.

»Sie bringen sich nur unnötig in Gefahr, Sir«, wandte sich der Butler an den Vollbart. »Karosserie und Scheiben sind schußfest, wenn Sie diesen Hinweis freundlicherweise zur Kenntnis nehmen würden. Einem Test Ihrerseits steht natürlich nichts im Weg. Über ausreichende Mengen an Verbandsmaterial verfügen Sie sicher in Ihrem Fahrzeug.«

»Mich bluffst du nicht«, schrie der bärtige Krankenpfleger und drückte ab.

Die Kugel schlug gegen die Seitenscheibe, prallte ab und sirrte als Querschläger seitlich nach hinten. Die Kollegen des Vollbärtigen warfen sich reaktionsschnell zu Boden und vermieden einen Zufallstreffer.

Parker löste die Zentralverriegelung und stieg aus. Im Fond stieß Agatha Simpson ihre Tür auf und wälzte ihre junonische Gestalt ins Freie. Sie schritt behende auf die Weißkittel zu und schwang ihren perlenbestickten Handbeutel, der ein Hufeisen beträchtlicher Größe enthielt, das von einem stämmigen Brauereipferd stammte.

»Sie haben auf mich geschossen, Sie Lümmel«, stellte sie erfreut fest end musterte den vollbärtigen Pfleger wohlwollend.

»Auf den Wagen«, stammelte der Verängstigte und wich zurück. »Ich habe auf den Wagen gezielt, nicht auf Sie, Madam!« Der Vollbärtige war von Myladys Erscheinung deutlich beeindruckt und ging weiter zurück. Die Pistole, die er noch immer in der Hand hielt, schien er völlig vergessen zu haben.

»Papperlapapp, junger Mann, betreiben Sie hier keine Kümmelspaltereien«, wischte die Lady seinen Einwand beiseite. »Sie haben mich gemeint, Und das nehme ich übel.« Sie nahm kurz Maß, nickte dann zufrieden und ließ ihren rechten Fuß, der in einem nicht eben kleinen Schuh steckte, vorschnellen.

Er suchte und fand das Schienbein des Pflegers und verursachte dort nachhaltigen Schmerz. Der Mann schrie auf und zog das malträtierte Bein an, um es heftig zu reiben und so den Schmerz zu lindern. Dabei ließ er die Pistole fallen, und die Lady kickte sie reaktionsschnell zur Seite.

Die beiden anderen Pfleger sahen sich betroffen an, beschlossen einzugreifen und stürmten vor. Dabei zogen sie dünne Stahlruten unter ihren Kitteln hervor und schwangen sie unternehmungslustig über ihren Köpfen.

Agatha Simpson sah den Männern freundlich lächelnd entgegen und machte ihren Handbeutel startklar. Im nächsten Augenblick war der Pompadour schon unterwegs, nahm Kurs auf den vorderen Mann – und legte sich nahezu liebevoll auf seinen Brustkorb, wo er ein knackendes Geräusch verursachte und dem Getroffenen das Gefühl vermittelte, von einem mittleren Felsbrocken erwischt worden zu sein. Seine Füße hoben sich etwas vom Boden, dann flog der Mann ein Stück zurück und klatschte auf den Rücken, zuckte noch mal kurz mit den Beinen und rührte sich anschließend nicht mehr.

Parker hatte sich dem anderen Mann zugewandt und stoppte ihn mit energischer Handbewegung. Er hob die Rechte, in der er eine Sprühdose hielt, und deutete mit der anderen Hand darauf.

»Sehen Sie dieses Fläschchen hier, Sir?« erkundigte er sich höflich, während der verdatterte Mann die Füße in den Boden stemmte und kurz vor Parker stehenblieb.

»Eine Sprühflasche, na und, was soll das?« knurrte er verwirrt und starrte verständnislos auf Parkers rechte Hand.

»In der Tat, Sir, und zwar eine mit einem gut verträglichen Beruhigungsmittel«, bestätigte Parker gemessen und drückte auf den Sprühknopf. Ein feiner Nebel trat aus der Düse des Flakons und hüllte das Gesicht des Krankenpflegers ein. Einen Augenblick später stöhnte er wohlig, sank in die Knie und ließ sich dann zu Füßen des Butlers nieder, wo er sich wie ein Embryo zusammenrollte und einem erholsamen Schläfchen hingab.

»Immer diese Taschenspielertricks, Mister Parker! Was soll das?« beschwerte sich die Lady und musterte ihren Butler anklagend. »Ich wollte mich gerade um den Mann kümmern, aber Sie gönnen mir wieder mal gar nichts.«

»Mylady sehen meine bescheidene Wenigkeit tief zerknirscht«, räumte Parker ein, ohne eine Miene zu verziehen. »Man wird sich bemühen, beim nächsten Mal Mylady den Vortritt zu lassen.«

»Das möchte ich mir aber auch ausgebeten haben, Mister Parker.« Sie nickte ihm zu und sah dann auf die drei Männer hinunter. »Was werde ich jetzt mit den Lümmeln anfangen, Mister Parker? Sagen Sie mir, was ich vorhabe«, verlangte sie und blickte den Butler gespannt an.

»Möglicherweise denken Mylady an einen kleinen Spaziergang, den die drei Herren unternehmen sollten«, vermutete Parker. »Bis zur Anstalt dürften es gut und gern zehn Kilometer sein.«

»Ist das alles, was mir dazu einfällt, Mister Parker?« räsonierte sie. »Sehr aufregend ist das gerade nicht, oder?«

»Mylady denken auch an sogenannte Zwangsjacken, die im Krankenwagen zu finden sein dürften«, fuhr Parker unbeirrt fort. »Mylady wollen diese Jacken sicher den drei Herren anpassen und während des Spaziergangs testen.«

»Nun ja, Mister Parker, das wiederum klingt ja recht annehmbar.« Sie nickte huldvoll und lächelte versonnen. »Doch, wirklich, ich denke, das gefällt mir.«

»Stellen Sie sich nicht so an!« fuhr sie wenig später den vollbärtigen Pfleger an, während sie genüßlich die Riemen der Zwangsjacke auf seinem Rücken zuzerrte. »Das ist gut für die Figur, Sie sind sowieso etwas zu füllig, mein Guter.«

Zufrieden trat sie zurück und musterte die drei Männer, die wütend in die Gegend starrten. Sie trugen Zwangsjacken, die von den Schultern bis zu den Oberschenkeln reichten und die Arme nachdrücklich gegen den Oberkörper preßten. Sie konnten nur die Köpfe und die Beine bewegen und schienen darüber nicht glücklich zu sein.

»Das wird Ihnen noch leid tun, das garantiere ich Ihnen«, knurrte der Vollbärtige und starrte seine Gegnerin haßerfüllt an.

»War das etwa eine Drohung, junger Mann?« freute sich Agatha Simpson. »Ich hoffe, Sie halten Ihr Wort und belästigen mich bei passender Gelegenheit wieder.«

»Sie sehen uns früher wieder, als Sie denken, darauf können Sie Gift nehmen«, meldete sich einer der beiden jüngeren Pfleger zu Wort. »Beim nächsten Mal wird dies in der Anstalt sein, und das Spiel wird nach unseren Regeln gespielt.«

»Apropos Anstalt«, bemerkte Parker höflich. »Sie sollten sich allmählich auf den Weg machen, meine Herren. Man wird Sie bereits vermissen, und bis Sie dort ankommen, haben Sie ein gutes Stück zu gehen, wenn Sie diesen Hinweis gestatten.«

»Ein recht hübscher Anblick, Mister Parker«, fand die Lady und lächelte versonnen, während sie den weißen Gestalten nachblickte, die sich langsam auf der Landstraße entfernten. »Es geht doch nichts über ein bißchen Phantasie und Originalität. Sie sollten sich das für Ihr späteres Leben merken.«

»Man wird sich bemühen, Myladys leuchtendem Beispiel zu folgen«, versprach Parker und verbeugte sich respektvoll. »Allerdings dürfte es völlig ausgeschlossen sein, Mylady auch nur annähernd nahezukommen.«

»Papperlapapp, nun übertreiben Sie nicht gleich, Mister Parker.« Die ältere Dame nickte freundlich und rieb sich zufrieden die Hände. »Allerdings haben Sie voll und ganz recht mit dem, was Sie da sagen: Eine Lady Simpson ist einfach nicht zu übertreffen.«

*

Parker hatte am nächsten Morgen gerade den Tee serviert, als sich die Türglocke meldete.

Der Butler begab sich gemessen in den verglasten Vorflur und öffnete einen kleinen Wandschrank, in dem die hochmoderne Überwachungsanlage untergebracht war. Er schaltete den Monitor ein, der einen Augenblick später ein gestochen scharfes Bild der Szenerie vor Myladys altehrwürdigem Fachwerkhaus lieferte.

Josuah Parker erkannte einen weißen Rolls-Royce, an dessen Steuer ein livrierter Chauffeur saß und in einer Zeitung blätterte. Direkt vor der Haustür stand ein Mann, der als das Abbild des perfekten Gentleman schlechthin dienen mochte.

Der Einlaßbegehrende war mittelgroß und schlank. Die graumelierten Haare und der gepflegte Schnauzer bildeten einen bestechenden Kontrast zur sonnengebräunten Haut, die Kleidung verriet den erstklassigen Maßschneider. Dieser Bilderbuch-Gentleman blickte mit gewinnendem Lächeln in die Kamera, von der er natürlich nichts wußte.

»Wer wagt es, mich um diese Zeit zu stören, Mister Parker?« meldete sich Lady Agatha zu Wort, die mit Lady Margareth Worthington vor dem Kamin saß und den Tee einnahm.

»Man wird Mylady sofort mit näheren Angaben dienen«, gab Parker zurück und betätigte die Wechselsprechanlage.

Der Besucher vor der Tür hörte das leise Knacken im Lautsprecher neben dem Türblatt und stellte sich umgehend vor. »Rush, mein Name, Doktor Kenneth Rush. Wäre es möglich, der Dame des Hauses meine Aufwartung zu machen? Ich muß mich für die Störung zu dieser ungewöhnlichen Stunde entschuldigen, aber mein Anliegen duldet keinen Aufschub.«

»Ein Doktor Kenneth Rush, Mylady«, meldete Parker umgehend an seine Herrin weiter, die stirnrunzelnd aufblickte.

»Den Namen habe ich doch schon irgendwo gehört, Mister Parker?« überlegte sie. »Sagen Sie mir, was mir dazu einfällt...«

Neben der Lady gab ihre Verwandte einen unterdrückten Aufschrei von sich und warf sich zitternd an Lady Agathas üppigen Busen. »Na, ich muß mich doch sehr wundern, meine Liebe.« Agatha Simpson schob Lady Margareth von sich und musterte sie kopfschüttelnd. »Ich finde dein Benehmen ehrlich gesagt albern. Was soll denn das?« wunderte sie sich und wandte sich wieder an ihren Butler.

»Also, Mister Parker, ist Ihnen endlich eingefallen, woher ich den Namen kenne?« verlangte sie mit strenger Stimme zu wissen.

»Mister Kenneth Rush, Mylady, ist jener Arzt, der Lady Margareth durch sein Gutachten die Geschäftsunfähigkeit attestierte und dem zuständigen Gericht dadurch die Grundlage für das Entmündigungsverfahren lieferte. Es war Doktor Rushs Anstalt, aus der sich Lady Margareth in letzter Sekunde flüchten konnte.