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Im Darknet taucht eine verschlüsselte Liste mit vielen Angriffszielen einer vermutlich russischen Terrorgruppe auf, und der Journalist Hermann Pawlak ist die einzige Person auf der Liste neben Orten, Bahnhöfen, Flugplätzen und militärischen Anlagen. Die Gefahrenlage spitzt sich zu und nach einem Terroranschlag auf das Café seiner Partnerin Marianne sehen sie sich gezwungen, sich der Situation zu stellen. Gemeinsam mit Akteuren aus Polizei, Militär und Geheimdiensten suchen sie nach den Hintergründen. Es wird ein Wettlauf gegen die Zeit, denn bis zu einem großen deutsch-amerikanischen Freundschaftsfest sind es nur noch zwei Wochen, und die amerikanische Kaserne ist auch ein Ziel auf der Liste. Russische Drohnen fliegen, ein geklauter Panzer greift an, und man erwartet konkrete Sprengstoffanschläge. Die Gesamtgefahrenlage wird unübersichtlich, aber ein Muster ist erkennbar: Russland hat die Finger im Spiel und nutzt die Struktur einer rechtsradikalen Partei, um im ganzen Land Anschläge zu verüben. Der Kampf, den sie im letzten Jahr überstanden wähnten, geht weiter. Der Fortsetzungsroman zu "Pawlak und die Wolke"
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Seitenzahl: 382
Veröffentlichungsjahr: 2026
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Pawlak, ein vormals einsamer freier Journalist, verzweifelt über den Zustand der Menschheit und der Erde, hat vor über vier Monaten in einem Zeitraum von zwölf Tagen eine ihn stark verändernde Episode seines Lebens durchlaufen. Als eine von einer Stinger-Rakete verursachte Giftgaswolke über der Stadt auftauchte, ein Marschflugkörper im US-Depot einschlug, Anschläge auf die Wasser- und Stromversorgung der Stadt erfolgten ist er in das Strippengewirr mächtiger Akteure geraten und hat doch Auswege gefunden, die zu einer trügerischen Sicherheit führten. Und er fand die Liebe einer Frau, die an seiner Seite mit ihm diese Krise überstanden hat.
Pawlak ist zweiundvierzig Jahre alt, schlank, knapp 180 cm groß, hat schon leicht graue Haare, und ist nicht besonders sportlich. Trotzdem achtet er auf seinen Körper und hält sich einigermaßen fit.
Er denkt viel über die aktuelle Lage der Welt nach, versucht sie zu analysieren, wird aber immer wieder von seinem Bauchgefühl überrascht, das ihm zukünftige Geschehnisse andeutet, solche, die ihm Angst machen, solche, die nicht nur ihn und seine Mary betreffen können.
Marianne Sommer, kurz Mary, ist die Besitzerin eines behaglichen Cafés, das sie allein mit Leidenschaft betreibt. Über dem Café ist ihre Wohnung, ihr Rückzugsort, in dem auch Pawlak eine Insel des Glücks gefunden hat. Mary ist achtunddreißig Jahre alt, schlank und sportlich gebaut, ihre braunen Augen haben eine Tiefe und Strahlkraft, die Pawlak immer wieder faszinieren und einfangen. Durch die Ereignisse vor vier Monaten haben sie zueinander gefunden und Pawlak ist die meiste Zeit bei ihr. Seine Wohnung in einem hässlichen Wohnkomplex am Rande der Stadt besucht er nur noch selten. Er überlegt schon eine Weile, diese aufzugeben, diesen Käfig, in dem er sich zu lange gefangen gefühlt hat. Aber noch zögert er.
Die Fortsetzung der Geschichte beginnt im Frühling nach einer Zeit der Aufarbeitung des Geschehens von vor über vier Monaten. Pawlak hat ein Buch darüber veröffentlicht und sieht sich nicht nur dadurch diversen Anfeindungen ausgesetzt, die nun eskalieren ...
Die Orte, Personen und die Handlungen sind frei erfunden und die Namen der handelnden Personen rein zufällig ausgewählt.
Prolog
Tag 1
Tag 2
Tag 3
Tag 4
Tag 5
Tag 6
Tag 7
Tag 8
Tag 12
Tag 14
Personen
Trümmer fliegen herum, Glassplitter jagen durch den Raum und bleiben in der gegenüberliegenden Wand stecken, eine unerträgliche Hitze lässt Teile der Möbel entflammen und Pawlak ruft in Panik Marys Namen, während er versucht, barfuß und nur mit seinen Schlafshorts bekleidet mit einem nassen Handtuch die Flammen zurück zu drängen. Er schlägt wild um sich und fühlt: Ich schaffe es nicht! Mary, ich schaff´s nicht …
Etwas hält ihn fest, umklammert ihn, so sehr, dass er sich nicht mehr bewegen kann. Er denkt, ich bin gefangen, gefesselt, was ist mit mir … und öffnet erschrocken die Augen.
Mary blickt ihn an und hält seine Hände fest.
„Hey, Weltretter, hast du wieder einen Albtraum gehabt? War es so schlimm?“ Ihr liebe- und sorgenvoller Blick bringt ihn zurück in die Realität. Er ist schweißnass und atmet schwer, holt tief Luft, hält sie eine Weile an und atmet langsam wieder aus, um sein rasendes Herz wieder in einen normalen Rhythmus zu bringen. Er blickt sich um, erkennt, dass das Fenster noch ganz ist, und keine Flammen nach ihm greifen, nur Mary, die ihn festhält. „Mary, ich … ich glaubte in den Flammen zu ersticken und ich habe dich nicht gefunden, dich nicht rausholen können. Es war so real …“
Seit dem Tag auf der Zugspitze sind über vier Monate vergangen und die gefährlichen Geschehnisse erscheinen ihnen wie eine unwirkliche Erzählung. Und doch, Pawlaks Report für die Zeitung hat dazu geführt, dass ihn ein Verlag angesprochen und dazu animiert hat, die Geschichte in ein Buch zu packen. Nach einigem Zögern hatte Pawlak eingewilligt und nach wenigen Wochen das fertige Manuskript eingereicht. Der Verlag bestand darauf, das Buch mit dem Titel „Der Journalist und die Wolke“ zu veröffentlichen.
Sie hatten ein paar schöne Tage im tief verschneiten Tiroler Zugspitzgebiet verbracht und die turbulente Zeit zuvor versucht einigermaßen zu verarbeiten. Die Tragweite der Ereignisse, die Verflechtung der bösartig agierenden Figuren in dieser kurzen Zeitspanne, die Erkenntnis, dass da Mächte am Planen und Umsetzen von irrwitzigen Zielen nicht nur waren, sondern wohl immer noch sind, wurde ihnen erst mit der Zeit bewusst, nicht zuletzt als eines Tages, Monate später, ein fast verbranntes Exemplar des Buches, das sein Verlag veröffentlicht hatte, in seinem Briefkasten steckte.
Von seinem Zeitungsverlag hatte er etliche Leserbriefe zugesendet bekommen mit der Bitte, diese zu lesen und gegebenenfalls zur Veröffentlichung frei zu geben. Unter die positiven Mut machenden Stellungnahmen von Lesern gesellten sich allerdings zunehmend hasserfüllte und geschmacklose, zum Teil mit Drohungen versetzte sogenannte „Meinungsäußerungen“.
Dass das allmählich Spuren hinterlässt, wird Mary und Pawlak mehr und mehr bewusst.
„Komm, steh auf. Ab unter die Dusche und spül den Alb weg, ok? Ich mach mal Kaffee. Dann erzählst du mir von dem Traum.“
Pawlak rollt sich aus dem Bett und trottet Richtung Bad, um dem Rat seiner wunderbaren Mary zu folgen.
Wenn sie nicht wäre … ich wäre verloren ... denkt er noch und steht schon unter der erst eiskalten, dann gut warmen Dusche. Dabei muss er wieder über die sich verändernde Welt, die immer radikaler werdende Gesellschaft, die reaktionären und neofaschistischen Bewegungen grübeln und kommt zu keinem wirklichen Ergebnis, warum das so ist oder sich so entwickelt hat. Haben die Menschen denn nichts gelernt aus der Vergangenheit, der Geschichte? Irgendwann müsste doch bei jedem der Groschen fallen, dass die Geschichte nicht besser wird, wenn sie sich wiederholt. Seit jeher haben sich machthungrige Despoten der Massen ihrer Untertanen, oder ihrer Sklaven bedient, um andere Despoten oder Volksgruppen zu beherrschen, zu bekämpfen, zu vernichten. Aber seit dem Ende des zweiten Weltkriegs ist der Globus ein Pulverfass, das diese Kämpfe eigentlich nicht mehr zulässt. Das können wir uns nicht mehr leisten. Welche Energieverschwendung, welche Unmengen von Ressourcen werden verbraten, um fragwürdige Ziele zu erreichen. Europas Einigkeit ist daneben zu einem Schmierentheater geworden, und ein Möchtegern-die-Welt-Beherrscher im nicht sehr fernen Moskau lacht sich ins Fäustchen, während er fast ungehindert ein Nachbarland dem Erboden gleichzumachen versucht. In Amerika treibt ein Irrer die Gesellschaft auseinander mit seinem Spiel mit der Macht. Und der reichste Mann der Welt öffnet die Büchse der Pandora X für eine Flut von Fake-News und Verschwörungstheorien, um letztendlich selbst an diese zu glauben.
Wo soll das hin führen? Zurück ins Mittelalter, während Technologien entwickelt werden, um auf dem Mond und dem Mars menschliche Siedlungen aufzubauen!
Pawlak muss unwillkürlich zittern, obwohl das heiße Wasser an seinem Körper herabfließt – er erinnert sich an den Einschlag des Marschflugkörpers in das US-Depot im nördlichen Wald, die Rauchfahne, die Zerstörung, die Toten. Dann spürt er wieder dieses Ziehen im Bauch …
Mary gibt ihm einen Kuss, als er sich zum Frühstück an den Tisch setzt und drückt ihm eine heiße Tasse Kaffee in die Hand. Fragend sieht sie ihn an: „Wie fühlst du dich?“
„Gerädert! Aber die Dusche und der Kaffee helfen schon – und du.“
„Was hast du denn geträumt? Weißt du´s noch?“
Pawlak runzelt die Stirn: „Nur noch den Schluss, das Inferno! Irgendetwas ist gegen die Hauswand gekracht, die Scheiben sind in Splittern durch den Raum geflogen und gegenüber in die Wand eingeschlagen. Dann kam das Feuer … was davor passiert ist weiß ich glaub ich nicht mehr. Aber was mich beunruhigt ist mein leider wieder aufkommendes Bauchgefühl. Eine Ahnung, die mich befallen hat …“
„Was, was meinst du damit?“ fragt Mary besorgt, „hat das vielleicht was mit dem geplanten Fest in der US-Kaserne zu tun? Ist ja der nächste und erste Event von Bedeutung in diesem Jahr.“ „Nein, oder ich weiß nicht. Ich habe so das blöde Gefühl dass die ganze Gesellschaft, oder sogar die ganze Menschheit auf einen Abgrund zurast, blind und ohne Bremse … wenn wir uns die Krisen anschauen, die ausgelöst durch machtbesessene Irre den Erdball umrunden, immer wiederkehrend, und keine Chance, diesen Irrsinn aufzuhalten … sorry, ich wollte dir nicht den Morgen verderben. Hab halt mal wieder den Moralischen …“
Pawlak muss selbst grinsen über seine Weltuntergangsfantasien und meint noch „ja, die Veranstaltung, das Freundschaftsfest in der Kaserne sollte ein Anlass sein, die Gemeinschaft zu stärken und Hoffnung und Zuversicht zu vermitteln. Ich werd mal nachher nachfragen, wie weit die Planung ist. Und zum Frühling passt ja so eine Auftaktveranstaltung perfekt.“
„Pessimismus bringt uns sicher nicht weiter. Klar, vorausschauen und sich nichts vormachen ist angesagt, denke ich. Pawlak, mein Held, lass dich nicht runter ziehen. Ich fühle ja auch, dass so vieles falsch läuft und die Ignoranz zunimmt, aber ich habe die Kraft dagegen nicht einzuknicken, weil ich dich an meiner Seite habe, verstehst du? Die letzten Monate waren so voller Energie. Jetzt ist Frühling … lass ihn uns genießen, ja?“
„Du hast ja Recht, aber es macht auch keinen Sinn sich ins Happy-Traumland zu verabschieden und die Realität zu ignorieren!“ Mary verzieht das Gesicht und will etwas einwenden, aber Pawlak redet weiter: „Es ist doch so, dass, wo man hinschaut, mindestens eine Krise hochploppt! Es sind so viele Brandherde und die Feuerwehr hat bald kein Wasser mehr …! Wir sind nur ein kleines Rädchen, und wir müssen aufpassen, nicht aufgerieben zu werden. Mein Buch liegt verbrannt im Briefkasten, das ist regional schon schlimm. Aber was passiert überregional, in Deutschland, in Europa, in der Ukraine, in Asien, im pazifischen Ozean, im nahen Osten? Wer oder wo sind die maßgeblichen Strippenzieher? Der Anschlag auf das Depot lässt sich zurückführen auf Kräfte, deren Ziel es ist, nicht nur den Westen, sicher auch den Rest der Welt zu destabilisieren, um dann als Retter und Garant für stabile Verhältnisse aufzutreten! Das ist meine große Befürchtung.“
Mary schweigt eine Weile und denkt nach. Sie blickt Pawlak mit ernster Miene an und erwidert leise: „Das macht Angst, ja. Ich denke diese Angst haben viele. Aber zu viele weichen ihr aus und finden im Kreis der rechten Gruppierungen die Antworten auf ihre nie gestellten Fragen. Weil´s ja so einfach ist, an Märchen zu glauben …“
„Ich rufe jetzt gleich mal den General an. Will wissen wie der Planungsstand ist. Hab zwar nix damit zu tun, war ja nur der Ideengeber, aber gut ...“ murmelt Pawlak und steht auf. Als er sein Handy, das im Regal am Ladekabel hängt, berührt, klingelt dieses im gleichen Augenblick, so dass er heftig erschrickt: „Äh …“ er muss sich räuspern „Pawlak, ja bitte?“ Er hält das Handy an sein Ohr, ohne vorher auf das Display geschaut zu haben und ärgert sich darüber, als er die sonore Stimme von General McCormick hört: „Hallo Pawlak, ich hoffe ich störe Sie nicht. Geht es Ihnen gut?“
„Hi General,“ antwortet Pawlak, nimmt tief Luft, blickt Mary mit großen Augen an und redet weiter: „Das trifft sich gut. Ja, es geht mir soweit … naja, einigermaßen … gut. Ich wollte Sie gerade anrufen und fragen, wie weit die Vorbereitungen für das deutsch-amerikanische Freundschaftsfest sind.“
„Pawlak, ich habe von Ihren Anfeindungen gehört. Frau Lechner hat mich informiert. Ist schon übel! Das tut mir leid! Ich will´s kurz machen und komme gleich zur Sache. Die Planung für das Fest ist abgeschlossen, alle Vorkehrungen sind getroffen, insbesondere ist die Sicherheitslage auf einem hohen Level. Es werden hochrangige Gäste aus den NATO-Ländern anreisen und Militärvertreter der Bundeswehr anwesend sein. Den deutschen Verteidigungsminister haben wir auch eingeladen, aber noch keine Zusage erhalten. Ich will nicht verschweigen, dass wir Erkenntnisse haben, dass dieser Event möglicherweise ein weiteres Ziel der Kräfte sein kann, die wir letztes Jahr im Herbst haben ausschalten können.“
Pawlak muss laut einatmen: „General, das überrascht mich leider gar nicht … ich habe schon seit Tagen ein ungutes Gefühl im Bauch. Gibt es konkrete Hinweise - und wann ist übrigens der Termin für das Fest? Ich nehme an der steht schon fest, richtig?“
Der General räuspert sich, macht eine Pause und spricht dann weiter: „Ja, der Termin ist der 1. Mai, also in zwei Wochen! Weshalb ich Sie allerdings anrufe hat mit dem zu tun was ich Ihnen gerade angedeutet habe. Die IT-Spezialisten der Militärgeheimdienste haben im Darknet eine Liste gefunden mit Angriffszielen … auf einem Server einer russischen Gruppe, die Verbindungen zum GRU hat, dem russischen Geheimdienst. Das deutsche Geheimdienstkontrollgremium des Bundestages geht übrigens davon aus dass die Spezialeinheit ‚29155‘ des russischen Militärgeheimdiensts GRU auch in Deutschland aktiv ist. Ich habe ein Dringlichkeitsmeeting einberufen, an dem ich Sie gerne dabei haben möchte, Pawlak.“
Pawlak muss schlucken, er spürt seinen Pulsschlag hochschnellen, sieht Mary mit etwas verstörtem Blick an, sieht ihren fragenden Gesichtsausdruck, und spricht ins Telefon: „Warum? Was habe ich damit zu tun?“
Er ahnt bereits die Antwort, bevor McCormick sie ausspricht: „Ihr Name steht auch auf der Liste!“ Er macht eine Pause und spricht dann weiter: „Ich musste Sie warnen – und es ist besser, wir tauschen uns aus, als dass Ihnen etwas passiert, das Sie nicht vorhersehen können.“
Pawlak ringt nach Worten und braucht eine Weile, um antworten zu können: „Ich bin doch nur ein kleines Licht und für wen sollte ich gefährlich sein? McCormick, wenn das wahr ist, ist da auch noch etwas anderes im Spiel?“
„Pawlak, kommen Sie bitte morgen um 10:00 zur Kaserne. Man wird Sie am Eingangstor erwarten. Hauptkommissarin Lechner ist auch dabei. Ich kann und will Ihnen jetzt am Telefon nicht mehr sagen. Die vertraulichen Infos bekommen Sie morgen. Kann ich mit Ihnen rechnen?“
Pawlak nickt langsam … „Äh, ja, natürlich. Ich werde da sein.“
„Gut. Wir sehen uns morgen. Bis dann.“
McCormick legt auf und lässt Pawlak verstört am Regal stehen. Seine Hand, die das Handy hält, zittert leicht. Mary ist währenddessen aufgestanden und steht nun dicht vor ihm, sieht ihn an, sieht seine Augen, die in ihrem Blick Halt suchen, und fragt eindringlich:
„Was? Was ist passiert? Schatz, sag, bitte sag schon … ich sehe, dass du Angst hast?“
„Warte, ich muss mich setzen …“
Am Tisch nimmt Pawlak erst einen Schluck Kaffee und erzählt ihr dann, warum der General angerufen hat.
„Ich fasse es nicht!“ Mary ist entsetzt und hält seine Hand fest.
Mit gerunzelter Stirn überlegt sie, was das wohl für sie beide bedeuten kann.
„Pawlak, sind wir nicht mehr sicher?“
Er schüttelt langsam den Kopf und meint: „Das war es dann wohl mit ‚den Frühling genießen‘ … wir müssen vermehrt aufpassen, das Umfeld gut beobachten und immer misstrauisch sein. Mein Name steht auf der Angriffsliste einer russischen Terrorgruppe! Ich schätze, da ist jemand sauer und will sich rächen. Ist echt irre, ich stelle doch keine Gefahr dar – für wen denn?“ Er sieht Mary fragend an. „Morgen erfahre ich mehr.“ Mary legt ihre Hand an seine Wange, er greift nach ihr, und so sitzen sie eine Weile am Tisch und beide suchen Halt im Blick des anderen.
Mit einem mulmigen Gefühl im Bauch macht sich Mary daran eine Etage tiefer im Café alles für den Betrieb vorzubereiten. Zuerst ein Blick in den Kühlschrank, in die Vorratsbehälter für Zucker und sonstige Dinge, die in einem Café täglich verbraucht werden. Nicht zuletzt die Seifenspender in den Toiletten und das Toilettenpapier. Aus der Gefriertruhe holt sie einige Packungen Aufbackwaren heraus und überprüft auch noch den Kuchenbestand. Alles Routine. Der Brötchenlieferant wird gleich kommen und wie jeden Morgen verschiedene frische Brötchen bringen. Sie schaltet die Kaffeemaschine ein, lässt einmal kurz nur heißes Wasser durchlaufen, ist zufrieden, dass sie läuft und sauber ist, schaltet nun an der Theke die indirekte Beleuchtung und die Hängelampen im Café an und schon entsteht eine überaus heimelige Atmosphäre.
Bei all dem huscht immer wieder ihr Blick für Sekunden zu den großen Fenstern hinaus auf die Straße. Das was sie heute morgen erfahren hat, beunruhigt sie schon, wie sie sich selbst zugeben muss, und dagegen kann und will sie sich auch nicht wehren. Denn die Ereignisse im letzten Herbst haben sie dafür sensibel gemacht, immer etwas aufmerksamer zu sein, um erkennen zu können, ob eventuell eine Gefahr droht. Sie hat zudem ihr Kampfkunsttraining wieder aufgenommen und ist regelmäßig im Studio. Einige Male hat sie Pawlak mitgenommen, um ihn zu animieren, auch zu trainieren oder um ihm einige Tricks beizubringen. Sie muss lächeln, als sie daran denkt, wie unbeweglich er zuerst war und so oft das Gleichgewicht verloren hatte.
Sie öffnet die Schubladen, überprüft das Besteck und die Kuchenmesser, findet in der Schublade mit den Messern Kuchenbrösel, nimmt die Messer heraus und wischt die Schublade mit einem feuchten Tuch aus, als es an der gläsernen Fronttüre klopft.
Luigi, der Brötchenlieferant steht davor und grinst sie etwas seltsam an. Mary winkt ihm und eilt zur Türe, bleibt aber plötzlich stehen, denn irgendetwas signalisiert ihrem Unterbewusstsein Gefahr – sie spürt es förmlich, wie sich ihr Magen zusammenzieht. „Luigi ist niemals fröhlich,“ denkt sie noch als es draußen zweimal laut knallt und Luigi gegen die Glastüre kracht und mit ungläubigem Blick an der Scheibe herunter sackt, einen blutigen Streifen hinterlassend. Mary´s Verwunderung verwandelt sich in blitzartige Reaktion – sie ist bereits um die Theke gehuscht, hat sich eines der großen Kuchenmesser geschnappt und verschwindet damit um die Ecke zum Ausgang zur Treppe.
„Pawlak, Pawlak, schnell, bitte schnell! Pawlak,“ schreit sie laut als sie die Treppe hochstürmt.
Oben angekommen reißt gerade Pawlak die Wohnungstüre auf und Mary fällt ihm geradewegs in die Arme.
„Was waren …“ will er fragen.
„Die haben Luigi getötet, eiskalt erschossen! Die Glastüre wird nicht halten …!“
Pawlak schaltet schnell. „Komm, wir haben das ja schon mal geprobt.“ Er nimmt sie an der Hand, sieht das Messer, nimmt es ihr ab, schließt die Wohnungstüre und verriegelt sie mit dem Sicherheitsschloss, greift durch die Wohnung spurtend sein Handy, drückt beim Schließen der Flurtüre die Notfalltaste am Handy, die ihn mit der Polizei verbindet, schaltet auf laut, öffnet die verdeckte Tür rechts am Ende des Flurs, schiebt Mary hinein, schließt die Türe von innen, öffnet eine Klappe im Boden, Mary springt die darunterliegende Leiter runter, er folgt, nachdem er die Klappe wieder verschlossen und von innen verriegelt hat. „Hallo, Polizeidirektion Lechner, Pawlak, bist du das? Was ist los?“ „Terroristen beim Café, ein Mann tot. Wir versuchen hinten raus zu kommen.“
„Scheiße, Pawlak. Ich habe den Alarm ausgelöst. Wir kommen.“
Währenddessen zerbricht die Glastüre, nachdem weitere Schüsse auf sie abgefeuert wurden. Weiter geschieht – nichts! Der tote Luigi liegt davor auf den Steinplatten und ein Fahrzeug fährt langsam am Lieferwagen der Bäckerei vorbei, um dann zu beschleunigen.
Pawlak und Mary sind neben der Kellertreppe aus einer Klappe, die wie die Türe eines Garderobenschranks aussieht, herausgetreten und eilen zum Hinterausgang des Hauses. Als Pawlak vorsichtig die hintere Haustüre öffnet und in den Hof lugt, hört er schon das mehrstimmige Martinshorn der Polizei näher kommen. Er öffnet die Türe ganz und beide verlassen das Haus. Die Türe fällt dabei selbstständig ins Schloss und verriegelt sich elektrisch. Ein Polizeiwagen kommt quietschend vor der Hofeinfahrt zum Stehen, als sie gerade auf den Gehweg treten. Bewaffnete Polizisten stürmen auf sie zu – Pawlak hält die Arme hoch, aber der erste Beamte signalisiert ihnen, sie zu kennen und macht eine beruhigende Handbewegung, so dass Pawlak seine Arme sinken lässt und mit dem linken Mary schützend an sich presst.
„Rückseite gesichert, Herr Pawlak und Frau Sommer sind bei mir, unverletzt!“ Sein Funkgerät knarzt und die Stimme von Anna Lechner ist zu hören. „Danke! Gott sei Dank. Schicken Sie die beiden mit einem Kollegen um den Block herum zur Vorderseite vom Café, ok?“
„Herr Pawlak, Frau Sommer, haben Sie gehört? Chris, begleite die beiden bitte um den Block zur Vorderseite. Ich bleibe hier zum Sichern.“
Als sie um die nächste Ecke in die schmale Querstraße biegen sehen sie einen Mannschaftswagen der Polizei und zwei Streifenwagen, deren Blaulichter sich in den Fenstern der Häuser spiegeln und die Hauswände in der Morgendämmerung in ein irisierendes Lichtermeer verwandeln. Weitere Polizeifahrzeuge stehen auf der Straße vor dem Café, ein Krankenwagen hält gerade an und Polizisten sichern schwer bewaffnet hinter ihren Fahrzeugen das Gelände.
Hauptkommissarin Anna Lechner steht im Zentrum der Beamten und hat ihr Handy am Ohr. Sie gestikuliert heftig mit dem freien Arm und wirkt sehr erregt. Mary winkt ihr von weitem, um sich auf sie aufmerksam zu machen. Mit Erfolg. Anna hat die Augen überall und bemerkte die beiden bereits, als sie um die Ecke kamen. „Chris, bring die beiden zu mir bitte. Hier ist alles gesichert, keine Gefahr im Moment!“ Annas Stimme ist laut und kräftig und man spürt ihren Zorn.
„Hallo ihr beiden. Bin ich froh euch heil zu sehen! Was für eine verdammte Scheiße ist das hier schon wieder. Erzählt mir bitte alles, was ihr wisst! Mary, du?“ fragt sie, als Mary Pawlak, der gerade den Mund aufmacht, um etwas zu sagen, zuvorkommt.
„Ja, ich war gerade unten das Café für den Morgen vorbereiten, als wie jeden Tag der Luigi - ja, das ist der Brötchenlieferant – an der Türe klopfte, mit einem komischen Grinsen im Gesicht. Ich habe instinktiv gezögert, ihm aufzumachen, weiß nicht recht, aber Luigi war immer morgens schlecht gelaunt, und das jeden Tag, also fragte ich mich, warum grinst er, als es schon krachte und er an der Scheibe zu Boden sank. Mehr weiß ich nicht, ich bin so schnell wie möglich nach oben gerannt.“
„Die Türe ist zerschossen, hast du das noch mitbekommen, Mary?“
„Nein, da war ich schon oben. Wir sind durch einen versteckten Ausgang geflohen …“
„Pawlak …“ Anna schüttelt den Kopf, „hat dich McCormick angerufen?“ Pawlak nickt. „Ah, ok, wir sollen morgen zu einer Besprechung kommen. Was hat er dir erzählt?“
„Genug, Anna, genug …“
„Ich weiß nicht viel, außer dass die Bedrohungslage nach neuesten Erkenntnissen neu zu bewerten sei.“ Anna sieht Pawlak fragend an. Er nickt wieder.
„Wer hat geschossen? Anna, das war entweder eine Drohung oder ein nicht vollendeter Anschlag. Verdammt, der oder die Schützen sind weg? Habt ihr niemanden wegfahren sehen?“
„Pawlak, wir waren extrem schnell zur Stelle, aber verdammt nochmal nicht schnell genug! Wir können nur die Anwohner der Straße befragen, ob sie ein verdächtiges Fahrzeug gesehen haben. Mary, du hast auch niemanden gesehen? Oder ein Fahrzeug?“
Mary schüttelt den Kopf. „Der oder die müssen sich hinter dem Lieferwagen der Bäckerei positioniert haben. Ich habe nur Luigi gesehen. Aber, hm, lass mir ein wenig Zeit ...“ sie überlegt einen Moment „ … ich habe vorher immer mal wieder einen kurzen Blick durchs Fenster geworfen. Eigentlich mache ich das seit damals unbewusst. Warte, bevor Luigi seinen Lieferwagen vor dem Café parkte stand gegenüber ein grauer Kastenwagen, so ein Ford Transit oder ähnlich, kein neues Modell. Der war dann verdeckt durch Luigis Wagen. Jetzt …“ Mary reckt den Hals um über die Streifenwagen blicken zu können „ … ist er weg!“
„Boris! Hauptmeister Boris Frank!“ ruft Anna laut.
„Herkommen! Fahndung nach einem grauen Kastenwagen älteren Baujahrs, etwa Ford Transit oder so! Sofort! Gib´s über Funk durch an die Zentrale! Alle Einheiten in Alarmbereitschaft. Mögliche bewaffnete Terroristen. Und die Spusi muss her … soll auch den Platz gegenüber dem Bäckereifahrzeug untersuchen!“
Als Luigis Leiche aufgebahrt in den Krankenwagen geschoben wird, überfällt Mary ein heftiger Weinkrampf. Sie kann sich nicht mehr zusammenreißen und schluchzt, am ganzen Körper zitternd, so dass Pawlak sie fest umklammern muss.
„Mary, du hast alles richtig gemacht. Gut dass du so wachsam warst! Dass Luigi hat sterben müssen – keiner hätte das verhindern können! Und du ... und wir leben noch …“
Anna kommt nochmals auf sie zu, legt Mary beide Hände auf die Schultern, sieht sie prüfend an, sucht ihren Blick, streicht zärtlich über ihre rechte Wange und meint: „Mary, du kommst morgen mit zu dem Meeting. Wir lassen dich nicht mehr allein. Ich denke du hast ein sehr gutes Gespür für nahende Gefahren. Ich überlege mir aber was, wie wir dir zu mehr Sicherheit verhelfen können, ok?“
Mary erwidert ihren Blick, nickt langsam und das Zittern hört auf.
Vier Streifenwagen und der Wagen der Spurensicherung stehen noch auf der Straße als Pawlak und Mary vorsichtig über die Scherben der zertrümmerten Glastüre in den Gastraum des Cafés treten, während hinter ihnen ein Polizist den Lieferwagen der Bäckerei startet und davon fährt. Schräg gegenüber auf der anderen Straßenseite hat sich eine Gruppe Neugieriger aus der Nachbarschaft eingefunden, die von einigen Beamten zum Geschehen befragt werden.
Pawlak hofft, dass jemand Hinweise geben kann, die den Ermittlern helfen können. Er blickt durch die offene Tür zurück und zückt sein Handy, um noch schnell ein Foto der Szene zu machen. Mary sieht ihn etwas verwundert an.
„Manchmal mischt sich ein Täter unter die Gaffer … naja, kann ja nicht schaden. Das werden die Beamten sicher auch schon gemacht haben …“ meint Pawlak.
„Wir brauchen schnellstens eine neue Türe! Kennst du einen Glaser, Mary?“ Sie schüttelt den Kopf: „Ich muss in den Hausunterlagen nachsehen, vielleicht finde ich da ja eine Rechnung. Es ist schon mal eine Scheibe eingeschlagen worden vor vielen Jahren. Da gehörte das Café noch meiner Tante.“
„Schau du mal oben nach, ob du eine Adresse findest. Musst aber über die Schranktüre und die Leiter hoch, sonst kommst nicht in die Wohnung. Ich habe die Türe ja von innen sicher verriegelt. Ich werde mal im Keller … ah, Moment mal,“ Pawlak stoppt und geht dem Polizisten entgegen, der gerade vor der zertrümmerten Türe stehen bleibt.
„Wir bleiben mit einem Streifenwagen zur Sicherheit hier vor dem Haus. Haben Sie die Möglichkeit die kaputte Türe zu sichern oder provisorisch zu verschließen? Die Spurensicherung wird hier noch tätig werden müssen, um nach den Projektilen zu suchen, ok?“
Mary ruft von hinten: „Wir sind Ihnen sehr dankbar. Wie wir die Türe sichern sind wir gerade am Überlegen …“ und Pawlak ergänzt: „Ich wollte gerade im Keller nachsehen, ob ich was finde. Zwei Europaletten liegen da, soweit ich weiß und ein paar Bretter.“
Während Mary durch den versteckten Eingang nach oben in die Wohnung klettert sucht Pawlak im Keller nach Material, um die Türe zu sichern. Im letzten Kellerraum, einem alten Gewölbe wird er fündig und schleppt die erste Palette die Treppe hoch. Zwei Beamte der Spurensicherung haben bereits die Glassplitter mit einem Metallsuchgerät durchsucht und mehrere Projektile gefunden, die sie in Beuteln gesichert haben. Mary hat gleich danach begonnen in und vor dem Café mit einem Besen in der Hand die Glassplitter zusammen zu kehren. Ein Eimer steht draußen und sie befüllt ihn mit einer Kehrschaufel. Immer wieder muss sie stocken, denn die Blutflecken am Boden vor dem Eingang machen ihr sehr zu schaffen. ‚Wie bekomme ich das nur aus dem Kopf,‘ überlegt sie und bewegt den Besen so heftig, dass die Splitter über die Steinfliesen vor dem Café zur Seite fliegen. ‚Mist, was mache ich …‘ denkt sie und muss tief einatmen, als Pawlak stöhnend die erste Palette am Eingang an den Türrahmen lehnt.
„Hey, Mary, sachte. Lass mich das machen, ja?“
„Nein! Nein! Ich mach das, ich muss das machen!“
Pawlak sieht sie eine Weile ernst an und nickt dann.
Als er die zweite Palette die Kellertreppe hochwuchtet, stößt er beinahe den Eimer mit den Glasscherben um, der vor der Tür zum Keller steht. ‚Mary ist wohl fertig damit,‘ denkt er und schleppt die Palette den Flur entlang Richtung Eingang zum Café. Im Café steht Mary vor der Theke und starrt an die Wand dahinter. Auf der Theke liegt ein Aktenordner, der mit den Hausunterlagen und den alten Rechnungen. Pawlak stutzt, stellt die Palette ab, lehnt sie an die Kante der Theke und umarmt vorsichtig Mary von hinten, drückt sie an sich, spürt, wie sie wieder zittert, sie zeigt mit zitterndem Finger auf das Regal hinter der Theke, und flüstert nur: „Siehst du das?“
Pawlak weiß zuerst nicht, wonach sein Blick suchen soll, doch dann sieht er es. Hinter zwei Flaschen Sahne-Likör erkennt er ein Bild, ein Bild von sich und Mary, festgenagelt an der hölzernen Rückwand mit einem Messer, das sein Gesicht durchstößt. Das Bild, das vor etwa vier Monaten auf dem Fest im Restaurant ‚Zur Hexe‘ gemacht wurde, von einem seiner Redaktionskollegen, und im Rahmen der Berichterstattung begleitend zu seinem Artikel in der Zeitung abgedruckt wurde.
Ein eisiger Schauer läuft ihm den Rücken hinunter und sein Magen krampft wieder heftig. Sein Puls rast, er muss tief Luft holen, weiß, kurz die Luft anhalten hilft, dann dreht er behutsam Mary um, sieht ihr in die Augen, küsst sie zärtlich auf die Wange, die Lippen und sagt etwas heiser: „Das werden die noch bereuen …!“
Eine Weile bleiben beide so regungslos stehen, ihre Blicke verschmelzen miteinander, tauschen Gefühle, Ängste und Kräfte aus, bis Pawlak den Blick und sich von ihr löst und um die Theke herum geht. Er nähert sich dem Regal, hat sein Handy in der Hand und macht ein paar Fotos von dem Bild, der Anordnung des Bildes im Regal, und wählt dann die Nummer von Anna Lechner.
„Hi Anna …“
„Ja, was gibt es Pawlak …“ Anna hat die Nummer auf ihrem Display und ist schon wieder in Alarmbereitschaft, bis Pawlak fortfährt: „Die Angreifer oder deren Komplizen waren schon vorher im Lokal! Ich schicke dir ein paar Bilder per WhatsApp, ok? Ich werde das Bild eintüten und die zwei Flaschen … was? Ja gleich siehst du was ich meine ... aber ich denke, da werden sicher keine Fingerabdrücke drauf sein! Einen Moment … ok, Bilder sind raus.“
Einen Augenblick später hat Anna die Fotos auf ihrem Handy gesehen: „Schlimmer geht’s immer, was? Verdammt. Ihr werdet die Nacht sicher nicht schlafen können, aber haltet durch. Morgen bei dem Meeting, das nun wohl zur Krisensitzung mutieren wird, besprechen wir, wie wir euch aus dem Schlamassel raushalten und euch bestens schützen können, ok? Bring die Objekte mit, die gehen dann gleich zur KTU. Nochmals, haltet durch! Der Streifenposten bleibt bei euch und wird alle vier Stunden abgelöst.“
„Danke Anna. Wir sind ganz schön fertig … bis morgen also.“ Pawlak beendet die Verbindung und sieht wieder Mary an, die sich wieder herumgedreht hat und zu ihm über die Theke blickt. „Was sagt Anna? Wie geht es weiter? Wie sollen wir das hier aushalten?“ Marys Stimme ist auf einmal eine Tonlage höher, für Pawlak ein Zeichen von aufkommender Panik. Er muss sich selbst zusammenreißen, um nicht auch in Panik zu geraten, geht um die Theke herum, stellt sich neben Mary, hält und drückt ihre Hand, signalisiert Zuversicht, streicht ihr über das Haar, und sagt: „Mary, wir finden einen Weg. Es … es tut mir unendlich leid, was du mit mir durchmachen musst. Wir fahren morgen nach dem Meeting zum MEGA-Markt und kaufen WLAN-fähige Überwachungskameras, so dass wir das Haus von aussen, das Café von innen und das Treppenhaus erfassen können. Und das Ganze gekoppelt mit einer Alarmanlage!“
„Was sagt Anna, Pawlak, was sagt sie?“
„Sie überlegt sich was, hat sie gesagt. Ihr wird schon was einfallen, da bin ich mir sicher, Mary,“ Pawlak sieht sie dabei ernst an und flüstert „hab keine Angst. Wir stehen das durch. Ich … ich mache jetzt mal den Eingang dicht, ok?“
Während er die zweite Palette auf die erste, die er aufrecht gegen den Türrahmen gestellt hat, hoch wuchtet und darauf achtet, dass sie nicht wieder herunterkippt, bevor er sie mit Spanngurten am Türrahmen befestigen kann - so sein Plan - steht Mary immer noch an der Theke und sieht ihm nachdenklich zu.
„Ich habe mich eigentlich mein ganzes Leben irgendwie sicher gefühlt, Pawlak, aufgehoben, umgeben von freundlichen Menschen, denen ich ihre Freundlichkeit gerne erwidert habe. Das Café, meine Insel der Glückseligkeit, du weißt was ich meine, ich glaubte an die politische Ausgewogenheit, die Vernunft, den gesunden Menschenverstand. Dann passierte das mit der Wolke, raus aus dem Wolkenkuckucksnest – war ich seither eine Träumerin? Bin ich jetzt endlich aufgewacht aus einem Traum? Ist das die Matrix? Ich habe das Gefühl ich falle in ein Loch …“
Pawlak dreht sich um, blickt nochmal prüfend zurück auf die Paletten, und sieht Mary ernst an: „Hey, mein Engel, ja, irgendwie ist es kompliziert, nein komplizierter geworden. Die Realität hat eine andere Dimension angenommen, oder wir haben die nie wirklich wahrgenommen. Ich selbst war immer neugierig, habe Anteil genommen, mich mit dem, was geschieht, beschäftigt und auseinandergesetzt, auch Stellung bezogen. Nicht zuletzt deshalb bin ich Journalist geworden. Aber ja, auch ich habe gerne, allzu gerne die Ablenkung gesucht, um der Realität auszuweichen, oder vielleicht sie besser ertragen zu können. Hm, nun stecken wir in einem Ränkespiel, dessen Absichten und Folgen wir nicht kennen oder nur ahnen können. Ich habe das Gefühl, als wäre da ein Stein ins Rollen geraten, der immer mehr andere anstößt und so eine Lawine auslösen kann. Ich weiß nur eines – wir müssen zusammenhalten und darüber reden, egal, wie bescheuert die Gedanken sein sollten, aber reden, und uns gegenseitig Halt geben, Mary. Glauben wir an uns! Vor vier Monaten haben wir das auch durchgestanden! Denk an den Berg, die Insel, ok?“
Mary kommt auf ihn zu und umarmt ihn heftig.
„Pass auf, die Paletten … „ flüstert Pawlak „die sind noch nicht fest.“
Eine halbe Stunde später ist der Eingang notdürftig versperrt, die Paletten an starken Schrauben im Holzrahmen mit Spanngurten verzurrt, und Mary hat in den Unterlagen den Glaser gefunden, der schon für ihre Tante Fenster ausgetauscht hatte. Pawlaks Smartphone hat zwischendurch zweimal seinen Anrufton von sich gegeben. Zuerst war es McCormick, der im Radio von dem Überfall und dem Fahndungsaufruf gehört hat und der zweite Anruf kam von Rudi Stifter, dem Chefredakteur der Zeitung, für die Pawlak in unregelmäßigen Abständen Artikel verfasst: „Hey Pawlak, wie geht’s dir, wie geht’s euch? Was für ein Drama! Kann ich irgendwas für euch tun? Ich meine, wenn ihr da jetzt nicht bleiben könnt, du weißt, ich habe ein Gästehaus zur Verfügung. Gehört dem Verlag, aber ist im Moment nicht genutzt.“
„Danke Rudi, wir überlegen es uns. Wie es jetzt weiter geht, wie sicher wir sind – ich habe keine Ahnung. Vor dem Café steht ein Streifenwagen mit zwei Polizisten, die die Augen offen halten sollen. Ich habe den Eingang mit zwei Paletten verrammelt.“
„Ok, meld dich bitte. Mein Angebot steht und wenn ich weiß, dass ihr kommt, sorge ich für einen gefüllten Kühlschrank. Bleibt stark. Bis dann, Pawlak und grüße Mary.“ Rudi ist immer ein guter Kollege und Freund gewesen, und das zeigt sich hier wieder einmal. Auf ihn kann er sich verlassen.
Mary hat in der Zwischenzeit auf einem DIN A4-Blatt mit großen Lettern die Worte „Vorübergehend geschlossen wegen Terroranschlag!“ geschrieben und dieses rechts neben dem Eingang innen an die Scheibe des nächsten Fensters geklebt. Pawlak ist gerade draußen vor dem Café, er musste dazu durch den Hinterausgang gehen, dabei hat er den Eimer mit den Glassplittern mitgenommen und ihn in die Glastonne im Hof geleert.
„Hallo, ich wollte mal fragen, wie Sie vorgehen werden, wenn wir das Haus verlassen?“ Pawlak sieht den Polizisten prüfend an, der an seinem Streifenwagen lehnt und aufmerksam die Straßenflucht beobachtet.
„Ja, wo wollen Sie denn hin, Herr Pawlak? Wir haben die Order hier das Haus zu sichern. Wenn Sie zusätzlichen Personenschutz benötigen, müssten Sie sich an Hauptkommissarin Lechner wenden, denke ich.“
„Wir wollen zum MEGA-Markt. Ich will das Café und das Haus mit Überwachungskameras ausrüsten und eine Alarmanlage installieren. So ist das kein Zustand! Und ewig können Sie ja auch nicht hier verweilen, oder?“
Der Polizist nickt. „Ja, das ist wohl richtig. Ich frage mal in der Zentrale nach. Warten Sie einen Moment.“
Mary hat sich im Café an den Tisch gesetzt, an dem sie und Pawlak bei ihrem ersten Zusammentreffen saßen, irgendwann im letzten Herbst. Sie saßen da und haben über das Leben sinniert, ein Gespräch, das Spuren hinterlassen hat, das etwas in Gang gesetzt hat, das sie beide damals wohl nicht erwartet hatten. Mary erinnert sich intensiv an diesen Moment. Sie schüttelt den Kopf, muss lächeln, selbst überrascht über die Stärke an Gefühlen, die sie gerade überfluten. Pawlak saß da, trank seinen Kaffee, hatte die Tageszeitung in der Hand, aber sein Blick war abwesend, er schien mit den Gedanken weit weg zu sein. Sie wurde neugierig, setzte sich ihm gegenüber auf den freien Stuhl und sah ihn interessiert an, bis er aus seiner Gedankenwelt zurückkehrte. „Verzeihen Sie, aber haben Sie vielleicht geträumt?“ hat sie ihn gefragt. Sie sitzt da, gibt sich ganz ihren Erinnerungen, ihren Gefühlen hin und bemerkt nicht, wie Pawlak leise hinter sie getreten ist, langsam um den Tisch herum geht und sich ihr gegenüber auf den Stuhl setzt.
„Mary, träumst du?“ flüstert er. Sie öffnet die Augen und blickt ihn verträumt an, wie aus einer anderen Welt. Sie braucht eine Weile, eine Träne rollt zögernd aus ihrem linken Auge, sie muss blinzeln. „Hier … hier warst du gesessen, als wir uns zum ersten Mal begegnet sind ... an diesem verrückten Tag. Du hast mir von deinem Berg, deiner Vision erzählt, die dir immer geholfen hat. Tut sie das noch immer?“
Er muss nicht lange überlegen und meint: „Ja, das tut sie noch immer, aber immer, wenn ich denke, ich muss mich auf den Berg zurückziehen, sehe ich dich, und nur dich. Du bist mein Berg, weißt du?“
Marys rechtes Auge gesellt sich zum linken und lässt auch eine Träne rollen, und Sekunden später fließt ein Sturzbach an Tränen aus beiden Augen ihre Wangen hinunter.
Pawlak steht auf, geht wieder um den Tisch herum, beugt sich zu ihr herunter und umschließt sie mit seinen Armen, lehnt seinen Kopf auf ihren und spürt eine so heftige Verbindung, dass er nichts als „Mary, Mary …“ murmeln kann.
Das Klopfen am Fenster löst sie aus diesem Moment der Verbindung heraus – der Polizist steht am Fenster und winkt. Ein zweiter Streifenwagen ist vorgefahren und hat auf der anderen Straßenseite angehalten. Pawlak löst sich von Mary, streichelt noch zärtlich ihre Wange und geht zum Eingang, der ja noch Luft und Geräusche durchlässt.
„Ich sehe Sie haben etwas erreicht. Werden die uns Geleitschutz geben auf dem Weg zum Baumarkt und zurück?“
„Ja, Herr Pawlak. Frau Lechner hat das angeordnet. Sie können also losfahren, wenn Sie wollen. Die Idee, das Haus elektronisch zu sichern findet sie übrigens sehr gut.“
„Danke, vielen Dank Herr …“
„Hauptmeister Jürgens, Hans Jürgens, Sie erinnern sich vielleicht, ich war bei Ihrer Party im Gasthaus ‚Zur Hexe‘ letztes Jahr dabei.“
„Ah, richtig! Nicht alle Namen habe ich mir gemerkt, aber Ihr Gesicht kam mir schon bekannt vor. Also nochmals, herzlichen Dank. Wir werden gleich losfahren, damit ich das noch wenigstens zum Teil installieren kann. Bis gleich.“
Pawlak dreht sich um und stolpert fast gegen Mary, die dicht hinter ihm stand.
„Du hast es mitbekommen? Wir können mit Polizeischutz zum MEGA-Markt fahren. Machen wir das gleich jetzt und nicht erst morgen, ok?“
Mary nickt, umarmt ihn nochmals kurz und fest und erwidert: „Ja, bitte, ich muss hier mal raus. Machen wir das!“
„Es ist noch ziemlich kühl draußen. Holen wir uns Jacken aus der Wohnung. Ich brauche auch meinen Geldbeutel und den Autoschlüssel,“ meint Pawlak und beide verlassen das Café und gehen die Treppe zur Wohnung hoch. Er nimmt seine Lederjacke vom Garderobenhaken und Marys Fleece-Jacke, nimmt den Autoschlüssel und Geldbeutel aus der Ablage und beide verlassen die Wohnung wieder.
Unten gegenüber vom Ausgang des Hinterhofs steht sein alter VW-Käfer – und ein Streifenwagen der Polizei davor. Ein Beamter liegt auf dem Boden vor seinem Käfer. Pawlak bekommt einen Schreck, Mary krallt sich in seinem Arm fest – und als der Mann wieder aufsteht, mit einer Taschenlampe in der Hand ihnen entgegenblickt, müssen beide erleichtert tief ausatmen.
„Ich wollte sicher gehen, dass es nicht noch eine Überraschung gibt, Herr Pawlak! Sie sollten immer eine Taschenlampe dabei haben um den Fahrzeugboden vor jeder Fahrt zu überprüfen. So wie die Lage ist, kann das Leben retten, Sie verstehen?“
„Uff, wir waren erst geschockt, Sie am Boden liegen zu sehen. Aber gut, ich denke ich habe verstanden und besten Dank. Ist alles ok? Da unten, meine ich?“ Dabei zeigt Pawlak nach unten Richtung Fahrzeugboden. Der Polizist nickt. „Ja, sieht gut aus. Sie können fahren. Wir machen das so: Wir fahren voraus und Sie folgen uns. Ich weiß ja, wo Sie hin wollen. Einverstanden?“
Als sie von der schmalen Querstraße auf die Hauptstraße nach links abbiegen und an dem Café vorbeikommen – sie müssen nach Norden, dort wo der MEGA-Markt zu finden ist – fallen Pawlak links am Straßenrand die geparkten Autos auf, und drei Fahrzeuge weiter steht ein roter Tesla.
„Mary, schnell, nimm bitte mein Handy aus der rechten Jackentasche und rufe Anna an, bitte, und stell auf laut!“ Mary sieht ihn verwundert an, macht aber was er verlangt, fingert sein Smartphone aus der Tasche und wählt. Es klingelt zweimal, dann meldet sich Hauptkommissarin Lechner: „Pawlak, alles ok bei euch oder schon wieder Alarm?“
„Nein Anna, keine Panik. Mir ist nur gerade was aufgefallen. Am Straßenrand auf der Seite vom Café steht weiter oben ein Tesla, ein roter Tesla. Soweit ich weiß sind in vielen Teslas Dashcams oder sogar Rundum-Überwachungskameras eingebaut. Das wäre doch ein Ding wenn die sich bei den Schüssen aktiviert und etwas aufgezeichnet hätten? Sag deinen Kollegen dass Sie dir das Kennzeichen durchgeben.“
„Pawlak, genialer Gedanke! Wenn der da schon da stand, als das passiert war ... ich lasse das prüfen! Ich melde mich. Vielleicht schaust du auch nach einem solchen Tool für deinen Käfer, ja? Bis bald.“ Anne legt auf und Mary sieht Pawlak erstaunt an.
„Den Besitzer kenne ich. Der wohnt in dem Haus da schräg gegenüber, wo sein Auto steht. Ein Typ, recht groß und schlank, oder besser schlaksig, aber nett. War schon oft hier im Café morgens und hat ein schnelles Frühstück genommen. Er heißt glaube ich Hofstätter.“
„Super! Dann schick doch bitte gleich noch ne WhatsApp-Nachricht an Anna. So spart sie Zeit!“
Pawlak steuert den Käfer dicht hinter dem Streifenwagen her, der recht flott unterwegs ist. Nach knapp fünfzehn Minuten fahren sie in die Einfahrt zum großen Parkplatz des MEGA-Markts ein. Der Polizeiwagen stoppt in der Nähe des Eingangs, viele Parkplätze sind frei, so dass Pawlak den Käfer direkt daneben abstellen kann. Der Beamte, der mit der Taschenlampe den Unterboden seines Autos untersucht hatte, steigt aus, Pawlak nickt ihm zu und öffnet die Tür, um auszusteigen.
„Moment Herr Pawlak, warten Sie einen Augenblick.“ Er überblickt den ganzen Parkplatz mit kritischem Blick und nachdem ihm nichts Verdächtiges aufgefallen ist, nickt er ihm zu.
„Mary, ich glaube wir dürfen aussteigen!“ Pawlak wartet noch einen Moment, Mary steht schon und drückt die Beifahrertür zu, so dass er diese von innen abschließen kann, er beugt sich rüber und drückt den Verriegelungsknopf runter. Dann steigt er aus und schließt die Fahrertür ab. ‚Alles etwas umständlich,‘ denkt Pawlak und sieht den gleichen Gedanken im Gesicht des Polizisten – und muss grinsen. „Ist halt old school, mein treuer Käfer. Aber läuft …!“
Der Beamte muss lachen: „Und gut in Schuss, wie mir scheint. Meine Eltern hatten auch einen … wie alt ist der hier?“
„Zweiundvierzig Jahre und kein bisschen müde. Passen Sie auf ihn auf – wir gehen jetzt shoppen!“
Im MEGA-Markt suchen sie gezielt die Elektronikabteilung auf. An einem Info-Schalter fragt Pawlak einen Angestellten nach Angeboten von Überwachungskameras.
„Ja, da haben wir einiges im Angebot, zur Zeit sogar Sonderangebote. Was suchen Sie denn speziell? Es gibt die Modelle, die einen Stromanschluss benötigen und solche die mit Akkus funktionieren. Folgen Sie mir …“
Der Mann führt sie zu einer langen Regalreihe, in der diverse Systeme ausgestellt sind. Pawlak überlegt, die Stirn runzelnd, blickt Mary fragend an, sie zuckt mit den Schultern, und er fragt: „Wir brauchen fünf oder sechs Kameras mit WLAN-Verbindung. Stromversorgung? Ja, wie geht das mit Akkus? Wie lange halten die dann?“
Der Mann nickt und meint: „Hier haben wir ein System auf Akku-Basis, recht preiswert und gerade im Sonderangebot. Die Akkus halten ungefähr sechs Monate und müssen dann über USBKabel wieder aufgeladen werden. Dauert dann jeweils etwa acht Stunden. Die Kameras kommunizieren miteinander, das heißt, wenn eine Kamera keine WLAN-Verbindung hat, werden die Signale an die jeweils nächste Kamera übertragen, die WLAN-Verbindung hat. Ist eine sehr praktische Lösung!“
„Was kostet das System mit sechs Kameras? Machen Sie uns ein gutes Angebot, ja?“
Der Verkäufer geht zu einem Terminal und gibt einige Daten ein. „Haben Sie eine Kundenkarte? Nein? Hm, aber Sie haben hier schon mal eingekauft. Ich glaube irgendwann im Herbst, richtig? Jetzt weiß ich´s! Ich hab Sie doch in der Zeitung gesehen, stimmt´s?“ Dabei zeigt er auf Pawlak, sieht Mary prüfend an und meint: „Ja, und Sie auch, richtig?“
Freudig streckt er den beiden seine Hand hin und ergänzt: „Für Ihren Einsatz im letzten Jahr zur Aufklärung der Attentate! Mein Gott, war das ein Drama! Wir waren alle ziemlich geschockt damals. Was alles noch hätte passieren können! Herzlichen Dank!“
Pawlak schlägt ein, schüttelt ihm die Hand, und Mary folgt seinem Beispiel. Der Mann wirkt sichtlich gerührt.
„Ich mache Ihnen ein spezielles Angebot. Passen Sie auf …“
Pawlak unterbricht ihn und erwidert: „Ich brauche noch eine Dashcam für mein Auto, die mit einer Sim-Karte Verbindung zu meinem Handy aufbauen kann. Haben Sie so etwas? Eventuell mit zwei Kameralinsen – nach vorne und nach hinten? Mit einstellbaren Sensoren, verstehen Sie?“
Als sie wieder draußen sind, Pawlak einen gefüllten Einkaufswagen vor sich herschiebt und sie auf den Streifenwagen zugehen, staunen die Beamten nicht schlecht.
„Hat sich gelohnt, wie mir scheint,“ meint der Polizist, der an seinem Wagen lehnt und immer noch den Parkplatz mit kreisendem Blick überwacht.
„Ja, ich denke wir haben alles,“ erwidert Mary lächelnd, während Pawlak die Fahrertüre öffnet und über den Beifahrersitz greift, um die andere Türe zu entriegeln. Die Einkäufe finden Platz auf der Rücksitzbank, sie steigen ein, Pawlak nickt dem Beamten zu, schließt die Türe und startet den Motor.
