Perry Rhodan 2790: Faktor IV - Michelle Stern - E-Book + Hörbuch

Perry Rhodan 2790: Faktor IV E-Book und Hörbuch

Michelle Stern

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Beschreibung

Auf dem Geheimplaneten der Tefroder - Vetris-Molauds Plan mit den Meister-Statuen Seit die Menschheit ins All aufgebrochen ist, hat sie eine wechselvolle Geschichte hinter sich: Längst sind die Terraner in ferne Sterneninseln vorgestoßen, wo sie auf raumfahrende Zivilisationen und auf die Spur kosmischer Mächte getroffen sind, die das Geschehen im Universum beeinflussen. Mittlerweile schreiben wir das Jahr 1517 Neuer Galaktischer Zeitrechnung (NGZ). Die Milchstraße steht weitgehend unter dem Einfluss des Atopischen Tribunals. Dessen Richter behaupten, nur sie könnten den Weltenbrand aufhalten, der sonst unweigerlich die Galaxis zerstören würde. Auf diese Weise zementiert das Tribunal in der Milchstraße seinen Machtanspruch, während der Widerstand dagegen massiv aufrüstet. Perry Rhodan und die Besatzung des Fernraumschiffes RAS TSCHUBAI haben in der fernen Galaxis Larhatoon in Erfahrung gebracht, dass das eigentliche Reich der Richter die Jenzeitigen Lande seien. Um dorthin zu gelangen, braucht es aber Atlan als Piloten und ein Richterschiff als Transportmittel. In der Milchstraße befindet sich Lordadmiral Monkey vom galaktischen Geheimdienst der United Stars Organization (USO) auf der Spur des tefrodischen Machtpolitikers Vetris-Molaud. Ein Hinweis führt ihn über die Paramags zu einer tefrodischen Geheimwelt und zu einer Figur aus ferner Vergangenheit: FAKTOR IV ...

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Zeit:3 Std. 52 min

Sprecher:Florian Seigerschmidt

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Nr. 2790

Faktor IV

Auf dem Geheimplaneten der Tefroder – Vetris-Molauds Plan mit den Meister-Statuen

Michelle Stern

Seit die Menschheit ins All aufgebrochen ist, hat sie eine wechselvolle Geschichte hinter sich: Längst sind die Terraner in ferne Sterneninseln vorgestoßen, wo sie auf raumfahrende Zivilisationen und auf die Spur kosmischer Mächte getroffen sind, die das Geschehen im Universum beeinflussen.

Mittlerweile schreiben wir das Jahr 1517 Neuer Galaktischer Zeitrechnung (NGZ). Die Milchstraße steht weitgehend unter dem Einfluss des Atopischen Tribunals. Dessen Richter behaupten, nur sie könnten den Weltenbrand aufhalten, der sonst unweigerlich die Galaxis zerstören würde. Auf diese Weise zementiert das Tribunal in der Milchstraße seinen Machtanspruch, während der Widerstand dagegen massiv aufrüstet.

Perry Rhodan und die Besatzung des Fernraumschiffes RAS TSCHUBAI haben in der fernen Galaxis Larhatoon in Erfahrung gebracht, dass das eigentliche Reich der Richter die Jenzeitigen Lande seien. Um dorthin zu gelangen, braucht es aber Atlan als Piloten und ein Richterschiff als Transportmittel.

In der Milchstraße befindet sich Lordadmiral Monkey vom galaktischen Geheimdienst der United Stars Organization (USO) auf der Spur des tefrodischen Machtpolitikers Vetris-Molaud. Ein Hinweis führt ihn über die Paramags zu einer tefrodischen Geheimwelt und zu einer Figur aus ferner Vergangenheit: FAKTOR IV ...

Die Hauptpersonen des Romans

Gucky – Der Ilt bleibt sich treu.

Monkey – Der Lordadmiral der USO fordert Ergebnisse.

Vazquarion – Der Laosoor gibt alles.

Lan Meota

Fragmente

Graue Nebel. Zeitengischt. Ein ewiges Warten – doch kein Erwachen. Empfindungen entstehen, verdichten sich zu einem Gefühl und verwehen in waberndem Grau, endlos und leer, ein Ozean aus Nichts. Manchmal ist es, als wäre das Denken nur eine Nanosekunde entfernt, als müsste es gleich zu einem Verstehen kommen.

Blitze des Begreifens zucken im Dämmer auf und erlöschen. Ihr Schlaglicht zeigt das Außen, Wege, die unmöglich sind; Gesichter – Persönlichkeiten, mit Wünschen und Zielen, die ihre Finger nach dem Dunst ausstrecken, der wie ein Schleier alles zudeckt.

Dann sind die Bilder fort, Silberdunst senkt sich, und es bleibt ein Traum von Grün.

1.

Gucky

10. Juli 1517 NGZ

Blöde Zeno-Kortin-Statue. Blöder HÜ-Schirm. Blödes Schiff.

Blöd, blöd, blöd!

Seit geschlagenen zwanzig Minuten versuchte Gucky mit seiner Parafähigkeit, der Visiotelepathie, durch die Wandung in den Hochsicherheitstrakt zu dringen und weiter durch den HÜ-Schirm zu der Statue, die an Bord der tefrodischen LAHMU der wichtigste Passagier zu sein schien. Gucky wollte testen, ob das Bildnis Gedanken hatte, die er in Form von visuellen Eindrücken wahrnehmen könnte. Doch die einzigen, unscharfen Schnappschüsse, die er einfing, waren die eines Wissenschaftlers, der durch den mehrfach gesicherten Raum tigerte. Hin und her. Her und hin. Immer auf einer schnurgeraden Linie.

Es war zum Verrücktwerden!

Seitdem es ihnen gelungen war, von einem Beiboot aus an Bord zu springen, bevor das kleinere Schiff beim Einschleusen in die LAHMU genauestens durchleuchtet worden war, versuchten sie, mehr herauszufinden. Durch Lan Meotas überhebliches Verhalten bei der Bergung der Zeno-Kortin-Statue wussten sie, was die Tefroder planten: die Erweckung eines Meisters der Insel. Allerdings blieben bei aller Klarheit der Aussage eine Menge Fragezeichen.

Gucky, Monkey und Vazquarion steckten fest – in doppelter Hinsicht. Sowohl an Bord der LAHMU als auch in ihren Ermittlungen.

Gucky fühlte sich, als hätte Perry ihn wieder auf den Haluterfrischling Avan Tacrol angesetzt, um dessen penetrant schnellen Gedankenbilder einzufangen.

Tacrol war ein Haluter und die hatten eine fünf Millionen Mal präzisere Zeitwahrnehmung als ein Terraner. Während Gucky Icho Tolot seit zweieinhalb Jahrtausenden kannte, und Zeit genug gehabt hatte, sich auf seine beiden Gehirne – das Planhirn und das Ordinärhirn – einzustellen, hatte der Versuch, es bei Avan Tacrol zu tun, ihn in den Wahnsinn getrieben, zumal mit seiner neuen Telepathiebegabung, die nur Bilder wahrnahm.

Auch in diesem Augenblick stand er kurz davor, die Beherrschung zu verlieren. Sein Kopf brummte wie ein Bienenstock, dass Gucky meinte, die Tellerohren und die Schnauze müssten vibrieren. Sein einzelner Nagezahn schmerzte wie von einem Bohrer traktiert, und seine Augenlider zuckten.

»Und?«, fragte Lordadmiral Monkey mit monotoner Stimme. »Ergebnisse?«

Am liebsten wäre Gucky ihm an die Gurgel gesprungen. Druck brauchte er so wenig wie Fellläuse. Wenigstens hielt sein anderer Begleiter respektvoll Ruhe. Der Laosoor Vazquarion beschränkte sich darauf, auf allen vieren aus ihrem Versteck heraus in den Gang zu spähen und die Umgebung zu sichern. Auch wenn sie über die Dispersions-SERUNS die Möglichkeit hatten, sich per Deflektor unsichtbar zu machen, blieb die Gefahr einer Anmessung. Deshalb hatten sie sich in einen Bereich mit erhöhter Streustrahlung in der Nähe eines Maschinenraums zurückgezogen.

»Ergebnisse! Pfft! Ich komme nicht durch. Dieser verdammte HÜ-Schirm ... Ich wollte, er wäre etwas löchriger!« Gucky berührte den Sensor am Kragen, damit der Falthelm zusammenklappte, und rieb sich die Schläfen. Kleine Atemwölkchen stiegen in die Luft.

In diesem Bereich des Schiffs konnte sich Gucky erlauben, den SERUN zu öffnen. Es gab keine Sensoren, der Lagerraum für Ersatzteile war bis auf einige kleinere, in Kunststoff gehüllte Aggregate leer. Zudem verirrte sich wegen der niedrigeren Schwerkraft sowie der Temperatur um zwei Grad kaum jemand in diese Sektion.

Zu ihrem Glück hatte man die Statue Zeno Kortins ins Zentrum einer Lagersektion gepackt, die im Außenbezirk weitgehend menschenleer und ohne nennenswerte Sicherheitsvorkehrungen war. In dem riesigen Schiffskomplex gab es ausreichende Möglichkeiten, sich vor anderen zu verbergen. Die LAHMU war ein zweitausend Meter durchmessendes Monstrum von einem Schiff, und im Moment hatte Gucky den Eindruck, jeder Einzelne dieser zweitausend Meter hätte sich gegen ihn verschworen.

»Sind Tefroder im Trakt? Können wir hineinspringen?« Wie üblich kam Monkey zum Punkt. Mit Nebensächlichkeiten wie Kopfschmerzen oder Guckys sonstigen Befindlichkeiten hielt sich der Lordadmiral der USO nicht auf.

»Da ist ein Tefroder, aber ich bekomme ihn mental kaum zu fassen. Es ist wie auf den WABEN mit diesem PEW-Metall ... Als hätte ich Tinnitus. Etwas stört mich. Fast würde ich meinen, die verdammten Tefroder hätten PIEPER im Einsatz, die Paragaben von armen Mutanten wie mir stören sollen. Aber das ist es nicht. Da ist ... etwas.«

Vazquarion zuckte mit den Ohrenhänden, die dicht an seinem Kopf anlagen. »Etwas? Geht es konkreter?«

Gucky seufzte. Einmal mehr wünschte er sich seine alten Gaben zurück, die Teleportation, das Gedankenlesen und eine starke Telekinese. Früher war er ohne einen Laosoor als Taxi über Strecken gesprungen, die andere nie bereist hatten. Nun durfte er sich freuen und eine Parade abhalten, wenn es dem feliden schwarzen Fellknäuel mit den furchterregenden Fangzähnen gelang, die Zweihundert-Meter-Marke zu knacken.

»Nein, geht es nicht. Aber ich weiß, dass da auf jeden Fall ein Tefroder im Raum ist. Ein Wissenschaftler. Er scheint über ein Problem nachzudenken, denn er geht immer auf und ab, auf und ab ... wie eine Aufziehpuppe ...«

Monkeys SAC-Implantate klickten, als sich sein Blick auf den pantherartigen Laosoor fokussierte.

Gucky schauderte. Er mochte diese toten Kunstaugen nicht, die Monkey lebloser erschienen ließen als eine Maschine. Ob der Lordadmiral die Geräusche der Implantate mit Absicht verursachte? Vielleicht war es für den breitschultrigen Oxtorner mit dem mächtigen Brustkorb so etwas wie ein Räuspern. In der Stille erregte der kleine Laut enorme Aufmerksamkeit.

»Kannst du den HÜ-Schirm desaktivieren?«

»Ich weiß es nicht. Ich bin Halbraum-Physiker, kein Spezialist für Schirmtechnik, aber der Wissenschaftler da drin wird es können.« Vazquarion richtete den Blick der gelben Raubtieraugen auf Gucky.

Gucky mochte diesen Blick fast noch weniger als den des Lordadmirals. Auch wenn er den Laosoor inzwischen als Freund und Verbündeten schätzte, weckte er doch Urängste in ihm, mit der Gestalt eines terranischen Panthers und den Fangzähnen, die lang wie Guckys Schädel waren. Neben dem Laosoor fühlte er sich ohne seine alten Mutantenfähigkeiten wie eine Mohrrübe in einer Schale – zum Essen abgreifbar.

»Ihr meint, ich soll's aus seinen Gedankenbildern lesen?«, fragte Gucky nach.

Obwohl um sie ein Schallfeld lag, und die SERUNS sicher rechtzeitig Alarm schlugen, falls sich jemand näherte, schaute Gucky sich unbehaglich um.

Das Lager war nach wie vor verlassen und so leer wie die Oberfläche eines unbewohnten Mondes, und das, obwohl es nur dreißig Meter Luftlinie vom Hochsicherheitstrakt entfernt lag. Überhaupt galt der Hochsicherheitstrakt, in den Lan Meota und seine Junta die Statue Zeno Kortins gebracht hatten, eher der Sicherheit der Besatzung als dem Schutz vor Feinden. Vermutlich rechnete niemand an Bord mit einem Angriff von innen.

Gucky hatte seit ihrem waghalsigen Sprung auf die LAHMU in die Köpfe einiger Tefroder an Bord geschaut. Die Besatzung hatte Angst vor dem, was sie da durch das All eskortierte.

»Kannst du das?«, fragte Monkey.

»Kommt auf den Versuch an. Falls nicht, wirst du sicher sehr überzeugend sein.« Gucky deutete auf den Gürtel Monkeys, an dem ein Strahler haftete.

»Ich möchte keinen Großalarm auslösen. Wir müssten rein, den Schirm desaktivieren, ich nehme die Statue mit, und dann teleportieren wir in den Weltraum.«

»Großartig.« Gucky graute bei der Vorstellung, vielleicht tagelang im All ausharren zu müssen, bis ihre Verbündeten sie einsammelten – sofern die Tefroder nicht schneller waren. Sicher, eine Suche nach ein paar einzelnen Astronauten im Weltraum, die nicht gefunden werden wollten, war wie die berühmte Suche der Nadel im Heuhaufen.

Trotzdem konnte es sein, dass die Tefroder erfolgreicher sein würden als die USO. Das Hauptproblem bestand darin, dass Guckys Team den Kontakt zur YART FULGEN verloren hatte. Zwar konnte Monkey eine Mikro-Hyperfunk-Boje mit Geheimsignal absetzen und aktivieren, deren Reichweite mehrere Lichttage betrug, doch bis die YART FULGEN das verschlüsselte Signal tatsächlich auffing, konnten schlimmstenfalls Wochen vergehen.

Ganz davon abgesehen, dass Gucky und Vazquarion zwei Sprünge machen mussten: einen aus dem Hochsicherheitstrakt raus, den anderen nach einem Parcours über dreihundert Meter in den Dispersions-SERUNS direkt in den Weltraum – und das alles mitsamt der Statue. Die Teleportationen waren natürlich erst sinnvoll, wenn die LAHMU im Normalraum abbremste und einen Planeten anflog. Der Plan war nicht weniger als irrwitzig, aber gerade deshalb übte er einen großen Reiz auf Gucky aus. In seinem langen Leben hatte er schon ganz andere Himmelfahrtskommandos gemeistert.

Fakt war: Sie mussten die Erweckung Zeno Kortins um jeden Preis verhindern. In den Händen der Tefroder war das Bewusstsein des ehemaligen Faktors IV eine Waffe, die sich gegen Terra und die Milchstraße richtete.

Gucky zeigte seinen Nagezahn. »In Ordnung. Ich probiere, mehr über die Sicherungen im Raum rauszukriegen und über das Reiseziel. Dann kann's losgehen.«

Lan Meota

Lan Meota wollte seine schlicht eingerichtete Kabine gerade verlassen, als das Armbandgerät einen eingehenden Anruf zeigte. Das war überraschend. Kaum jemand kannte seine derzeitige Kommunikationsfrequenz und hatte die Möglichkeit, ihn zu kontaktieren.

Ob es der Maghan war? Vetris-Molaud fieberte den Ereignissen entgegen. Ganz anders als Lan Meota, der zwischen Faszination und Besorgnis schwankte.

Meota hob das Handgelenk und schaute auf die Kennung: Shanu Starcuut. Was wollte die Mutantenlehrerin von ihm? Gab es ein Problem mit den Schülern? Das wäre schlecht. Für die anstehende Aktion brauchten sie jeden einzelnen der ausgewählten Mutanten.

Neugierig geworden nahm er die Verbindung an. »Hier Meota.«

Über seinem Handgelenk tauchte die Mutantenlehrerin in Miniatur auf. Meota hatte eine Einstellung gewählt, die es ihm ermöglichte, die ganze Frau zu sehen, damit er außer ihrem Gesicht auch Gestik und Körperhaltung beobachten konnte.

Shanu Starcuut war eine uralte Frau – wie alt, darüber schwieg sie sich aus. Obwohl Meota sie länger kannte als viele andere, hatte auch er ihr wahres Alter nie erfahren. Tiefe Runzeln zogen sich durch die dunkelbraune Haut, doch die hellblauen Augen blickten wacher als bei manch jungem Tefroder. Das weiße, glatte Haar fiel bis auf die Schultern. Es war dünn wie Seidenfäden, aber erstaunlich dicht.

Um die Lippen Starcuuts spielte ein Lächeln, das Meota nicht darüber hinwegtäuschte, mit welcher Härte und Disziplin diese Frau ihre Schützlinge heranzog. Sie galt als die Beste, eine Antreiberin von unerbittlicher Härte; das Herz der Mutanteneinrichtung »Schule der Gnade von Apashem«, das die Maschinerie wie ein Motor antrieb.

»Meota ... gut, dass eine Verbindung zustande gekommen ist. Ich möchte dich um etwas bitten.«

»Worum geht es?«

»Ich mache mir Sorgen um Assan-Assoul. Er ist ... übermotiviert.«

Lan Meota schmunzelte. Er gewann mehr und mehr den Eindruck, dass nicht nur Assan-Assoul – der Para-Konfigurator und Starschüler der Mutantenschule von Apashem – übermotiviert war. Auch Shanu Starcuut wollte der anstehenden Aufgabe um jeden Preis gerecht werden – so sehr, dass sie sich noch vor der Ankunft auf Connoort seiner Unterstützung versichern musste. »Dass er sich Mühe gibt, spricht für ihn.«

»Das stimmt. Doch ich habe Angst, dass Assan-Assoul übertreibt. Wenn er sich übernimmt und zu Schaden kommt, wird Vetris-Molaud es mir anlasten. Und damit hätte der Maghan recht. Es gelingt mir kaum, Assan-Assoul in seinem Ehrgeiz zu bremsen.«

»Er ist ein junger Mann voller Hormone.«

»Er ist die Zukunft des Neuen Tamaniums! Ein paramentales Genie! Wir müssen ihn um jeden Preis schützen. Auch vor sich selbst.«

Meota spürte einen Anflug von Bitterkeit. Ihm wurde durch Shanu Starcuuts Aussage ein Mal mehr deutlich, was er für sie war: ein Werkzeug, unendlich wertvoll, aber eben doch ein Instrument. Dabei hatte er eine eindringliche Rede in der Mutantenschule auf Tefor gehalten, als er sie vor wenigen Monaten besucht hatte. Darin hatte er versucht zu vermitteln, was das Wichtigste überhaupt war: am Leben zu bleiben. Sich eben nicht zu einem Instrument machen zu lassen, das man ersetzen konnte.

Freiheit, Würde und Ehre hatten dem Leben zu dienen. Nicht umgekehrt.

»Ich denke, wir können Assan-Assoul vertrauen. Das müssen wir. Wenn du ihm einen privaten Aufpasser an die Seite stellst, wird er es dir übel nehmen.«

»Er muss es nicht mitbekommen. Ich bin ja auch da. Aber vier Hände können mehr tragen als zwei.«

Shanu Starcuut musste bewusst sein, dass es Lan Meota unmöglich war, Assan-Assoul im Einsatz zu schützen. Satafar, Trelast-Pevor und Toio Zindher waren die besten Beweise. Trotz ihrer überragenden Fähigkeiten und ihrer Freundschaft zu ihm waren sie tot.

Satafar mochte gestorben sein, weil er sich selbst überschätzt hatte. Eine Gefahr, die durchaus auch Assan-Assoul bedrohte, der glaubte, aufgrund seiner bemerkenswerten Fähigkeiten selbst ohne Zellaktivatorchip unsterblich zu sein. Die Wahrheit war: Es gab nichts, das einen Mutanten im Einsatz wirklich hundertprozentig schützen konnte. Auch keinen anderen Mutanten. Assan-Assoul musste seine eigenen Erfahrungen sammeln, an ihnen zugrunde gehen oder wachsen. Das gehörte dazu, wenn man ein Para-Paladin war.

Vielleicht schloss Shanu Starcuut durch Meotas Schweigen auf die Richtung seiner Gedanken. Sie räusperte sich. »Jeder Einsatz ist gefährlich. Auch dieser. Wirst du Assan-Assoul beistehen? Ihn schützen, wenn du es kannst?«

Es gab nichts, was Assan-Assoul würde schützen können, wenn es hart auf hart kam. Entweder machte er seine Sache gut, oder er versagte. Doch Starcuut war nervös, und ihre Nervosität half niemandem. Nach dem Einsatz auf Halut war es die erste größere Mission ihrer Schüler. Drei von ihnen standen auf dem Prüfstein, waren das erste Mal »draußen«.

»Natürlich. Ich bin für deine Schützlinge da. Als einer der ersten Mutanten des Maghan fühle ich mich ihnen besonders verbunden.«

Shanu Starcuut schloss kurz die Augen, dass die Lider wimpernlos mit den Runzeln und Furchen ihres Gesichts verschmolzen. »Danke. Das bedeutet mir eine Menge.«

Meota nickte ihr zu und beendete die Verbindung. Er dachte an die Statue, wie er es unentwegt tat, seit er sie geborgen hatte. An den Blick aus Grün, der ihn auf seinen Passagen verfolgt hatte und mühelos Materie und Geist zu durchdringen schien. Zeno Kortins Bewusstsein steckte fragmentarisch in diesem Metall. Niemand wusste, was geschah, wenn sie es erweckten, und welche Risiken damit verbunden sein mochten.

Außer einem vielleicht: der Statue selbst. Oder besser: den Statuen. Insgesamt hatten sie fünf unbeschädigte Exemplare bergen müssen, um die Wiedererweckung angehen zu können. Womöglich erreichten die Monumente eine andere Klarheit, wenn sie in ihrer Gesamtheit an einem Ort versammelt waren. Vielleicht genügte aber auch ein Exemplar, um mehr über das Kommende zu erfahren, und sich besser darauf einstellen zu können.

Lan Meota entschied, der Sache auf den Grund zu gehen.

Gucky

Der Wissenschaftler im Hochsicherheitstrakt musste der Oberhäuptling in Sachen Meister-Statuen sein. Ständig dachte er an die überdimensionierten, mattgrauen Zinnfiguren und sprach mit einer jüngeren Kollegin darüber, die Gucky hin und wieder durch die fremde Perspektive sehen konnte. Offensichtlich beschäftigten den Wissenschaftler weder die Sicherheitsvorkehrungen noch die Ankunftszeit oder der Ort, zu dem sie reisten.

»Es ist zu anstrengend«, wisperte Gucky. »Außerdem gibt der Kerl wenig her. Ich versuch's in der Zentrale.«

Die Zentrale war zwar räumlich weiter entfernt, doch in dieser Richtung gab es keinen Tinnitus, der Gucky quälte. Dort war die Bahn frei, und Gucky fand beinahe sofort Zugang zu Anntu Derr, die ihm bereits zuvor beim Espern als mentale Ansprechpartnerin gedient hatte. Er kam immer besser damit zurecht, aus der Vielzahl von Eindrücken aus einem Raum genau den zu entnehmen, den er wollte.

Es war ein einengendes Gefühl, die visuelle Gedankenwelt Derrs zu teilen. Schüchternheit und Verunsicherung begleiteten die junge Tefroderin auf Schritt und Tritt und hielten ihren Geist wie in einem Schneckenhaus gefangen. Dazu kam eine Aufregung, die alle visuellen Eindrücke Anntu Derrs für Gucky leicht zum Verschwimmen brachte. Das Einzige, was Derr ein wenig beruhigte, war das Wissen, dass sie die Statue nur abliefern würden und dann sofort weiterflogen.

Vor den Augen Derrs tauchte Kommandantin Kajane Paxo auf, die energisch nickte. Wann immer Derr ihre Vorgesetzte sah, wirkte sie noch nervöser. Aus ihrer Sicht erschien die Kommandantin manchmal ein oder zwei Handbreit größer, als sie tatsächlich war. Der Umstand war Gucky aufgefallen, als er zum letzten Mal Kontakt mit Derr aufgenommen hatte.

Auf dem Panoramaholo leuchtete das Bild eines türkisfarbenen Planeten, der ganz und gar mit Wasser bedeckt zu sein schien. Gucky konzentrierte sich. Er hatte die Gabe der visuellen Telepathie einem blinden Mutanten geraubt, Severin. Damals hatte er nicht gewusst, dass seine Berührung ihn zum Paradieb machen und Severin den Tod bringen würde.

Severin hatte vor allem sich selbst durch seine Gabe wahrnehmen können – und das durch die zahlreichen Eindrücke derer, die ihn sahen oder sich an ihn erinnerten. Gucky dagegen konnte abstrahieren. Inzwischen gelang es ihm, mit zahlreichen Bildern gleichzeitig zu jonglieren, ohne selbst im Bild zu sein. Doch so einfach wie mit seiner ursprünglichen Fähigkeit war es längst nicht.

Nach einigem Suchen fand Gucky den Planetennamen und das System.

»Die LAHMU wird bald den Planeten Connoort im Zaotastsystem erreichen. So wie Derr darüber denkt, scheint es eine Art Geheimplanet des Neuen Tamaniums zu sein. Sie ist sehr aufgeregt und froh, dass die LAHMU nicht vor Ort bleibt.«

»Dass der Planet geheim ist, wissen wir bereits«, sagte Monkey. »Worauf genau bezieht sich die Aufregung in der Zentrale?«

Gucky schloss die Augen, um sich besser konzentrieren zu können. Wieder wählte er aus dem Potpourri der Bilder und Eindrücke Derrs Fokus, verschmolz mehr und mehr mit der jungen Tefroderin und erlebte die Welt aus ihrer Sicht. Gemurmel sowie das leise Klicken und Sirren von Geräten war im Hintergrund zu hören. Nach und nach blendete Gucky diese Eindrücke aus und griff nach dem Kern von Derrs Anspannung.

Es gab jemanden in der Zentrale, der Anntu Derr noch mehr verunsicherte als Kommandantin Kajane Paxo. Ein Mann. Er imponierte Derr ungemein. Einer der vier Eroberer: Lan Meota. Körperlich verstand Gucky diese Einschätzung kaum. Meota war ein rundlicher Tefroder mit freundlichem Gesicht und deutlichem Bauchansatz. Die schwarzen Haare waren verstrubbelt, als wäre er eben erst aufgestanden. Kräftige weiße Augenbrauen betonten die dunklen Augen. Dass dieser Mann zusammen mit Toio Zindher, Satafar und Trelast-Pevor an der Ermordung Ronald Tekeners beteiligt gewesen sein sollte, konnte man sich kaum vorstellen.

Meota betrat das Kommandodeck, ging auf Kommandantin Paxos Sitz zu und wechselte einige Worte mit ihr. Die Kommandantin machte eine zustimmende Geste und Meota verließ den Raum wieder.