Petronella Apfelmus - Zauberschlaf und Knallfroschchaos - Sabine Städing - E-Book

Petronella Apfelmus - Zauberschlaf und Knallfroschchaos E-Book

Sabine Städing

4,8
9,99 €

Beschreibung

Der zweite Band der beliebten Reihe rund um die kleine Hexe Petronella Apfelmus. Petronella und die Kuchenbrand-Zwillinge freuen sich, als ein Zirkus in der Stadt seine Zelte aufschlägt. Schon bald freunden Lea und Luis sich mit ein paar Kindern aus der Zirkustruppe an. Endlich können sie mal sehen, wie es hinter den Kulissen zugeht. Im Zirkus fällt den Zwillingen dann sofort Spitzbartrix auf, der den erkrankten Zirkusdirektor vertritt. Er treibt die kleinen Artisten zu viel zu hartem Training an und behandelt auch die Zirkustiere überhaupt nicht gut. Als Lea und Luis mitbekommen, wie er eines der Zirkuskinder zwingt, eine Trapeznummer ohne Sicherung vorzuführen, hört der Spaß auf: Petronella muss helfen - und zwar schnell!

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Seitenzahl: 133

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Inhalt

Cover

Über die Autorin

Über die Illustratorin

Titel

Impressum

Endlich Frühling

Schwarze Wagen

Netz-Alarm

Wie man Vampire erkennt

Der Vampirtest

Ein guter Plan

Auf der Lauer

Der Spiegel der Zeit

Übung macht den Meister

Wer war das?

Ein finsterer Geselle

Beunruhigende Neuigkeiten

Manege frei

Der Wohnwagen des Magiers

Zuckerhut und Donnerbart

Besuch am Morgen

Das magische Duell

Herr Eisbein erwacht

Familienanschluss

Über die Autorin

Sabine Städing wurde 1965 in Hamburg geboren und hat sich schon als Kind gerne Geschichten ausgedacht. Nach ihren drei Büchern rund um das Hexenmädchen Magnolia hat sie mit Petronella Apfelmus eine neue Hexenfigur für jüngere Leser geschaffen. Nach Petronella Apfelmus. Verhext und festgeklebt ist dies bereits der zweite Band rund um die kleine Hexe und ihre Freunde. Das dritte Abenteuer ist in Vorbereitung.

Über die Illustratorin

SaBine Büchner, geboren 1964 in Wuppertal, arbeitete als Sozialpädagogin in einem Kinderheim, bevor sie Kommunikationsdesign in Wuppertal und Animation an der Hochschule für Film und Fernsehen in Babelsberg studierte. Sie hat zahlreiche Bücher illustriert und auch eigene Bilderbücher veröffentlicht. Ihre Arbeiten wurden bereits mit verschiedenen Preisen ausgezeichnet.

Sabine Städing

Petronella Apfelmus

Zauberschlaf und Knallfroschchaos

Mit Illustrationen vonSaBine Büchner

BASTEI ENTERTAINMENT

Vollständige E-Book-Ausgabe

des in der Bastei Lübbe AG erschienenen Werkes

Bastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG

Dieser Titel ist auch als Hörbuch erschienen

Originalausgabe

Copyright © 2015: by Boje Verlag in der Bastei Lübbe AG, Köln

Umschlaggestaltung: Jana Rumold unter Verwendung einer Illustration von © SaBine Büchner

E-Book-Produktion: le-tex publishing services GmbH, Leipzig

ISBN 978-3-7325-0640-8

www.bastei-entertainment.de

www.lesejury.de

Endlich Frühling

Petronella Apfelmus hatte einen herrlichen Traum. Sie fuhr in einem Papierschiffchen über das Meer. Die Sonne wärmte ihr den Rücken, und die kleinen Wellen glitzerten so silbern wie Fischschuppen. Ganz vorne im Bug des Schiffchens stand Lucius der Hirschkäfer und rief: »Land in Sicht! Wir haben die Apfelinseln entdeckt.«

Petronella blickte durch ihr Piratenfernrohr. Und tatsächlich! Da lagen sie vor ihnen, fünf kleine Inseln: wie Pfannkuchen mitten im Meer. Über und über mit Apfelbäumen bewachsen, von denen der größte goldene Äpfel trug.

Näher und näher kamen die Inseln, dann gab es einen Ruck und Petronella schlug erschrocken die Augen auf.

Lucius, der eben noch im Bug Ausschau nach den Inseln gehalten hatte, rüttelte unsanft an ihrem Bett.

»Aufwachen, Petronella! Wenn du noch etwas auf dem Wochenmarkt verkaufen willst, musst du aufhören von goldenen Äpfeln zu träumen und endlich aufstehen.«

»Woher weißt du, wovon ich geträumt habe?«, wunderte sich Petronella und fuhr sich gähnend durch die strubbeligen Hexenhaare.

»Kunststück. Du hast geschmatzt wie eine Horde Wildschweine und etwas von goldenen Äpfeln gemurmelt.«

»So, habe ich das …«, brummte die Apfelhexe. »Wie spät ist es denn?«

»Zu spät, wenn du nicht gleich aufstehst«, sagte Lucius und zog mit einem Ruck die Vorhänge auf.

Petronella reckte sich noch einmal kräftig und sprang dann aus dem Bett. Der Baum, in dem ihr Apfelhaus hing, hatte über Nacht grüne Blätter bekommen. Die kleine Hexe stieß das Fenster auf und holte tief Luft. Kein Zweifel, der Frühling war endlich da. Man konnte ihn sehen, hören und riechen.

Ein Blick auf die Kuckucksuhr zeigte, dass Lucius recht hatte. Der Wochenmarkt war wirklich bald vorbei! Hastig schlüpfte Petronella in ihre Kleider, spritzte sich etwas Wasser ins Gesicht und putzte sich die Zähne. Dann packte sie einen Apfelstreuselkuchen in ihren Korb, zog sich den Hexenhut fest über die Ohren und hüpfte aus ihrem Apfelhaus auf den dicken Ast vor der Tür. Flink kletterte sie die magische Strickleiter hinunter und wurde mit jeder Sprosse größer und größer. Unten angekommen stand sie in normaler Hexengröße da.

Vorsichtig sah Petronella sich um, denn außer den Zwillingen Lea und Luis Kuchenbrand ahnte niemand, dass in dem riesigen Obstgarten vor dem Müllerhaus eine Apfelhexe lebte. Es war niemand zu sehen. Blitzschnell verschwand sie hinter einer dichten Brombeerhecke. Von hier war es nur noch ein kurzes Stück bis zu dem alten Wohnwagen, der ihr als Vorratskammer und Geräteschuppen diente.

Petronella zog ihren Zauberstab aus dem Ärmel und lockte damit einen alten Bollerwagen heran, der verschlafen neben dem Wohnwagen döste. Hastig belud sie ihn mit Gläsern voll Apfelmus, Brombeermarmelade und all den anderen Dingen, die sie auf dem Markt verkaufen wollte. Dann pfiff sie auf zwei Fingern nach Lucius. Der Hirschkäfer war nicht nur ihr bester Freund, sondern auch ihr Flugzeug und ihr Pilot. Sie liebte es, mit ihm durch die Luft zu sausen. Auf seinem Rücken saß es sich achthundertmal bequemer als auf einem wackeligen alten Besen. Außerdem war es viel unauffälliger, wenn man tagsüber unterwegs war.

Tiefes Käferbrummen kündigte Lucius’ Ankunft an, und gleich darauf zischte er so dicht über Petronellas Kopf, dass ihr der Hut verrutschte. Strampelnd landete er neben ihr im hohen Gras.

»Du wirst mit jedem Tag besser!«, lachte Petronella und suchte in ihrer Manteltasche nach den sieben magischen Apfelkernen, die sie immer in einer hölzernen Dose dabeihatte. Die Zauberkerne waren fantastisch. Schüttelte man sie in der linken Hand, wurde man kleiner und kleiner. Schüttelte man sie in der rechten Hand, fing man augenblicklich an zu wachsen. Petronella griff die Deichsel ihres Bollerwagens und schüttelte die Kerne mit links. Sofort fing sie samt Wagen an zu schrumpfen. Schnell kletterte sie auf Lucius’ Rücken, und schon ging es los! Der Käfer nahm Anlauf, stieg hoch in die Luft und der Bollerwagen flog an Petronellas ausgestrecktem Arm einfach hinterher. Es war herrlich, den Wind im Gesicht zu spüren und die Welt wie ein Vogel von oben zu betrachten. Die kleine Hexe hätte noch stundenlang weiterfliegen können. Leider war es bis zur Stadt nicht weit und der Käfer landete bereits unter dem großen Lorbeerbusch hinter dem Rathaus. Von hier waren es nur noch wenige Schritte bis zum Wochenmarkt.

Petronella rutschte von Lucius’ Rücken und lugte unter den dichten grünen Blättern des Lorbeers hervor. Die Luft war rein. Niemand hatte sie bemerkt. Schnell schüttelte sie die Zauberkerne in ihrer Tasche, diesmal mit der anderen Hand, und schon fing sie auf der Stelle an zu wachsen. Mit ihr wuchs der Bollerwagen, dessen Deichsel sie noch immer fest in der Hand hielt. Ängstlich sah sich Petronella um. Nicht auszudenken, wenn gerade jetzt jemand zu ihr herübersehen würde. Einmal hatte ein Schornsteinfeger sie beim Schrumpfen beobachtet. Der arme Kerl war so verdutzt gewesen, dass er auf der Stelle Schluckauf bekam und erst eine Woche später wieder damit aufhörte.

Heute ging alles glatt. Petronella hatte ihre menschliche Hexengröße erreicht, und Lucius kroch tief in den Busch hinein, um dort ein Schläfchen zu halten.

Wie immer baute die Apfelhexe ihr Tischchen zwischen dem Obstverkäufer und dem Blumenstand auf. Ihre Waren gab es nicht im Überfluss, dafür waren sie von ganz besonderer Qualität. Außer Apfelmus und Brombeermarmelade bot Petronella auch Salben für verstauchte Finger, wund gelaufene Füße und platt gedrückte Nasen an. Und natürlich gab es hier den allerbesten Hexen-Apfelstreuselkuchen der Welt. Die Leute waren ganz wild danach und rissen ihn ihr förmlich aus den Händen. Dabei ahnte natürlich niemand, dass sie eine richtige Hexe war. Die Marktbesucher freuten sich einfach über Petronellas originelle Verkleidung und über die schönen Sachen, die es an ihrem Stand zu kaufen gab. Bereits nach einer halben Stunde war jede Menge Kuchen verkauft und die Apfelhexe konnte kurz Luft holen. Zufrieden hielt sie ihr Gesicht in die Frühlingssonne. Der Winter war lang gewesen. Jetzt ließen sich die Menschen endlich wieder Zeit, über den Markt zu schlendern. Vorbei waren die Tage, an denen zwischen Mütze und Schal nur eine tropfende Nase herausschaute. Denn mit den ersten Sonnenstrahlen waren auch die meisten dicken Mäntel verschwunden.

Petronella ließ ihren Blick über den Marktplatz wandern. Sie hielt nach jemand ganz Bestimmtem Ausschau. Und da kam sie auch schon!

Susann hatte es nicht eilig. Sie hatte es niemals eilig. Denn wenn es etwas gab, wovon sie genug hatte, dann war es Zeit. Sie trug noch immer ihren dicken, zerrissenen Wintermantel und schlenderte langsam zwischen den Ständen herum. Susann warf einen Blick in den Abfalleimer, der an einem Laternenpfahl hing, bückte sich, um eine heruntergefallene Orange aufzuheben, und ließ sie in der Tasche ihres Mantels verschwinden. Sie schob einen Einkaufswagen vor sich her, in dem sich ihr gesamtes Hab und Gut befand. Gerade drückte ihr eine Frau das Wechselgeld vom Blumenstand in die Hand, und Susann bedankte sich lächelnd.

Petronella hätte ihr so gerne geholfen. Mit einem Hauch Zauberei ließe sich bestimmt eine Wohnung für sie finden und vielleicht bekäme sie auch wieder Arbeit. In ihrem früheren Leben war Susann nämlich Lehrerin gewesen. So hatte sie es Petronella erzählt. Leider wollte Susann von solchen Plänen nichts wissen. »Später vielleicht«, hatte sie Petronella geantwortet. »Zurzeit kann ich mir nicht vorstellen, für immer an ein- und demselben Ort zu bleiben.«

Das war ihre Entscheidung, und dagegen war selbst eine Apfelhexe machtlos.

Jetzt hatte Susann sie entdeckt und rumpelte mit ihrem Einkaufswagen heran.

»Ist heute nicht ein herrlicher Tag?«, fragte sie. »Ich habe schon eine Orange gefunden und zwei Euro Wechselgeld geschenkt bekommen. Wenn du mir jetzt noch ein Stückchen Kuchen gibst, wäre der Tag perfekt!«

»Ich habe dir sogar zwei Stückchen zurückgelegt«, lachte Petronella und packte den Kuchen in eine Tüte. »Wenn du Lust hast, können wir zusammen Pause machen. Der Markt schließt in einer halben Stunde.«

Aber Susann winkte ab. »Nächstes Mal gerne. Aber heute macht das neue Möbelhaus auf: mit großer Tombola und allem Drum und Dran. Das darf ich nicht verpassen! Wer weiß, vielleicht gewinne ich ja das schicke Auto, das dort verlost wird.«

»Wie du willst«, antwortete Petronella. »Dann bis zum nächsten Mal!«

»Bis dann«, erwiderte Susann. »Und drück mir die Daumen, dass ich nicht die Kaffeemaschine gewinne!« Dann gab sie ihrem Einkaufswagen einen Schubs und war im nächsten Moment zwischen den Marktständen verschwunden.

Schwarze Wagen

»Beeilt euch ein bisschen mit dem Frühstück!«, sagte Frau Kuchenbrand, während sie die Pausenbrote der Zwillinge in den Brotdosen verstaute.

»Und vergesst nicht die Hühner zu füttern. Sie sind morgens immer hungrig wie Wölfe«, brummte Herr Kuchenbrand hinter seiner Zeitung.

Lea und Luis sahen sich an und verdrehten die Augen. Sie hatten die Hühner noch nie vergessen. Dazu mochten sie sie viel zu sehr. Im letzten Jahr hatten die Kinder die Tiere bei einem Backwettbewerb gewonnen und so lange gedrängelt, bis sie endlich ins Müllerhaus ziehen durften.

Jetzt stopften sie sich die letzten Löffel Müsli in den Mund und standen auf.

»Falls ihr das Hühnerfutter sucht … Es steht da, wo man am besten darüber stolpert. Im Flur, neben der Tür!«, rief ihr Vater ihnen nach.

Lea und Luis packten ihre Schultaschen, zogen ihre Anoraks an und schnappten sich die Tüte mit dem Hühnerfutter. Wie immer, wenn sie morgens das Haus verließen, warfen sie zuerst einen Blick in den alten Obstgarten. Sie kannten sein Geheimnis und wussten, dass er voller Zauber steckte. Leider war heute Morgen weder von Petronella noch von Gurkenhut oder einem seiner Männer das kleinste bisschen zu sehen. Dafür schien die Sonne durch die zartgrünen Blätter, und die Tautropfen funkelten im Gras wie winzige Diamanten.

»Bin ich froh, dass es bald Sommer wird«, sagte Luis, während er das Gatter zum Auslauf öffnete. »Blaue Thermounterhosen sind das hinterletzte. Man sieht darin aus wie ein Schlumpf.«

Lea antwortete nicht. Sie öffnete leise die Tür zum Hühnerstall und rief mit sanfter Stimme: »Schneeweißchen, Rosenrot!«

»Anakonda, Godzilla, bei Fuß!«, trompetete Luis. »Und bringt Nofretete mit!«

»Hör auf zu schreien, du machst ihnen Angst!«, zischte Lea.

»Dann kannst du sie morgen ja alleine füttern«, schlug Luis vor.

»Pock, pock, pock«, gluckste es aus einer Ecke des Stalls. Im nächsten Moment kamen die fünf Hennen angelaufen und stürzten sich gierig auf das Futter, das Lea ihnen hinstreute. Luis schnappte sich den Korb und sammelte vorsichtig die Eier aus den Nestern. Dann hockten sich die Kinder in den Auslauf und sahen ihren Hühnern beim Picken zu. Hin und wieder strich Lea mit ihrer Hand über das weiche Gefieder eines Huhns. »Sie sind so glatt und weich!«, schwärmte sie. »Ich glaube nicht, dass irgendjemand auf der Welt so zahme Hühner hat wie wir.«

»Sie sind eben klug und wissen, dass wir sie niemals in den Kochtopf stecken«, sagte Luis und kraulte Anakonda unter dem Kinn.

»Lea, Luis, ihr müsst los!« Herr Kuchenbrand streckte seinen Kopf aus der Backstube und deutete mit mehligen Fingern auf seine Uhr. »Schule …!«

Ihr Vater war gelernter Bäckermeister. Nachdem er seinen Job in der Bäckerei verloren hatte, war die Familie ins Müllerhaus gezogen. Zuerst hatte sich hier niemand wohlgefühlt, doch dann hatten die Zwillinge mit Petronella Freundschaft geschlossen, und von da an war alles besser geworden. Allein der Apfelhexe war es zu verdanken, dass aus der alten Mühle ein beliebtes Ausflugscafé wurde, in dem sich die Kuchenbrands vor lauter Gästen kaum retten konnten.

Die Kinder streuten die restlichen Körner auf den Boden, schlossen sorgfältig das Gatter zum Auslauf und machten sich auf den Weg zur Schule.

Im Winter hatten sie mit dem Bus fahren müssen. Jetzt konnten sie endlich wieder die Räder nehmen. Das ging schneller und war hundertmal lustiger, als sich in einen voll besetzten Bus zu quetschen, in dem es nach nassen Mänteln müffelte.

Lea und Luis sausten den Hügel hinab. Sie waren wie meistens ein bisschen spät dran und nahmen deshalb die Abkürzung durch den Stadtpark. Lea hatte dabei immer ein mulmiges Gefühl, denn hier war Radfahren verboten. Sie waren schon zweimal von den Parkwächtern erwischt worden.

Plötzlich bremste ihr Bruder so scharf, dass sie scheppernd auf sein Hinterrad auffuhr.

»Spinnst du?«, schimpfte sie und zog ihre Pedale aus Luis’ Speichen.

Ihr Bruder schien es überhaupt nicht zu bemerken. »Was ist das denn …?«, fragte er stattdessen und deutete auf einen Haufen Wohnwagen und auf ein paar Gestalten, die damit beschäftigt waren, ein riesiges Zelt aufzubauen.

»Das … sieht aus wie ein Zirkus …«, sagte Lea genervt und rieb den blauen Fleck an ihrem Schienbein.

»Nie im Leben! Oder hast du schon mal von einem Zirkus mit schwarzem Zelt gehört?«

»Stimmt, es sieht irgendwie unheimlich aus«, gab Lea zu und stieg wieder auf ihr Rad. »Komm jetzt, die Stunde fängt gleich an!«

Luis löste seinen Blick nur sehr widerwillig von dem Geschehen. Aber Lea hatte recht. Mit Frau Tolle war nicht zu spaßen. Sie bestand darauf, dass man pünktlich in ihrer Mathestunde saß.

Die dunklen Zirkuswagen waren natürlich auch den anderen Kindern in der Schule aufgefallen. Und jeder hatte eine andere Vermutung darüber, was das wohl war. Während die einen meinten, dort würde eine große Ausstellung für Bestatter stattfinden, glaubten die anderen an eine Disco für Gruftis. Wieder andere meinten, dass es eine riesige Geisterbahn werden würde.

Es war zum Verrücktwerden. Den ganzen Vormittag konnte sich Luis kaum auf den Unterricht konzentrieren. Seine Gedanken wanderten immer wieder zu dem schwarzen Zelt. Er glaubte inzwischen an die Riesengeisterbahn und hatte mit Tim um fünf Ü-Eier gewettet. Der war nämlich für die Disco für Gruftis.

Als die letzte Stunde endlich vorbei war, konnte Luis gar nicht schnell genug zu den Rädern kommen. »Beeil dich, Lea!«, rief er ungeduldig. »Ich will endlich wissen, was im Stadtpark aufgebaut wird!«

Lea stöhnte und verabschiedete sich von ihren Freundinnen. Dummerweise bestand ihre Mutter darauf, dass sie zusammen nach Hause fuhren. Und da Luis nun mal zwei Stunden älter war, hatte er fast immer das Sagen.

Die Wohnwagen standen inzwischen in einem großen Kreis um das Zelt herum. Leider konnte man unmöglich sehen, was dahinter vor sich ging. Eins sah Lea jedoch auf einen Blick: Es war tatsächlich ein Zirkus, der dort auf der Wiese stand. Keine Disco und keine Geisterbahn. In schwarzen Buchstaben stand nämlich ›Mondscheinzirkus‹ über dem Eingangstor.

Luis fielen fast die Augen aus dem Kopf. Ein schwarzer Zirkus! So etwas hatte er noch nicht