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Dr. Brunner bewohnt mit seiner geliebten Frau Ulrike und einem Jagdhund namens Lump ein typisches Schwarzwaldhaus, in dem er auch seine Praxis betreibt. Ein Arzt für Leib und Seele. Die Serie zeichnet sich gegenüber dem Vorgänger durch ein völlig neues Konzept aus. Es wird noch größerer Wert auf Romantik, Spannung und sich weiterdichtende, zum Leben erwachende Romanfiguren, Charaktere und Typen gelegt. Eines darf verraten werden: Betörend schöne Frauen machen dem attraktiven Landdoktor schon bald den Hof. Und eine wirkliche Romanze beginnt... An diesem schicksalhaften Spätsommermorgen umhüllte dichter Nebel das beschauliche Dorf Bergmoosbach, die umliegenden Wiesen und Weiden, die Wälder, Berge und den Sternwolkensee. Die leuchtende Sonne ließ sich nur als blasser Schimmer hinter den weißen Nebelschleiern erahnen. Alle Geräusche wirkten seltsam gedämpft, selbst das Läuten der Kirchenglocken schien anders als sonst zu klingen. »Eigenartig!«, murmelte Josefa Langegger, als sie auf den großen Holzbalkon vor dem Schlafzimmer hinaustrat. Anstelle ihres schönen Bauernhofes sah sie verschwommenes Weiß, das zwischen den Gebäuden des weitläufigen Anwesens waberte. »Ich kann mich nicht erinnern, dass wir jemals zu dieser Jahreszeit schon solch undurchdringlichen Nebel hatten. Hoffentlich lichtet er sich bald, damit wir wie besprochen auf den Hangwiesen die Heumahd angehen können!« Josefa Langegger und ihr Mann Theodor hatten den Hof zwar vor geraumer Zeit ihrem Sohn Franz übergeben, aber die ältere Frau hing mit jeder Faser ihres Herzens an dem Anwesen, das schon ihrem Großvater gehört hatte. Die Landwirtschaft lag ihr im Blut, und so richtig hatte sie sich noch nicht an ihren Ruhestand gewöhnen können. Auch jetzt waren ihre Gedanken bei den zahllosen Aufgaben, die bewältigt werden mussten und für die eigentlich nicht genug Hände vorhanden waren. »Wenn der Bub doch nur endlich heiraten würde!«, murmelte Josefa wieder einmal, als sie sich in der Stube ans Staubwischen machte. Ihr Blick blieb an einer gerahmten Fotografie hängen, die trotz des Protestes ihres Sohnes seit Jahren auf der Kredenz stand. Das Bild zeigte ihren Sohn Franz und die Nachbartochter Dorothea als Brautpaar. Sie war barfuß und trug ein weißes Sommerkleid nebst einer
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Seitenzahl: 133
Veröffentlichungsjahr: 2017
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An diesem schicksalhaften Spätsommermorgen umhüllte dichter Nebel das beschauliche Dorf Bergmoosbach, die umliegenden Wiesen und Weiden, die Wälder, Berge und den Sternwolkensee. Die leuchtende Sonne ließ sich nur als blasser Schimmer hinter den weißen Nebelschleiern erahnen. Alle Geräusche wirkten seltsam gedämpft, selbst das Läuten der Kirchenglocken schien anders als sonst zu klingen.
»Eigenartig!«, murmelte Josefa Langegger, als sie auf den großen Holzbalkon vor dem Schlafzimmer hinaustrat. Anstelle ihres schönen Bauernhofes sah sie verschwommenes Weiß, das zwischen den Gebäuden des weitläufigen Anwesens waberte. »Ich kann mich nicht erinnern, dass wir jemals zu dieser Jahreszeit schon solch undurchdringlichen Nebel hatten. Hoffentlich lichtet er sich bald, damit wir wie besprochen auf den Hangwiesen die Heumahd angehen können!«
Josefa Langegger und ihr Mann Theodor hatten den Hof zwar vor geraumer Zeit ihrem Sohn Franz übergeben, aber die ältere Frau hing mit jeder Faser ihres Herzens an dem Anwesen, das schon ihrem Großvater gehört hatte. Die Landwirtschaft lag ihr im Blut, und so richtig hatte sie sich noch nicht an ihren Ruhestand gewöhnen können. Auch jetzt waren ihre Gedanken bei den zahllosen Aufgaben, die bewältigt werden mussten und für die eigentlich nicht genug Hände vorhanden waren.
»Wenn der Bub doch nur endlich heiraten würde!«, murmelte Josefa wieder einmal, als sie sich in der Stube ans Staubwischen machte. Ihr Blick blieb an einer gerahmten Fotografie hängen, die trotz des Protestes ihres Sohnes seit Jahren auf der Kredenz stand.
Das Bild zeigte ihren Sohn Franz und die Nachbartochter Dorothea als Brautpaar. Sie war barfuß und trug ein weißes Sommerkleid nebst einer alten Gardine als Brautschleier. Franz war mit einer schwarzen Jeans, dem Zylinder seines Großvaters und einem schwarzen Pullover bekleidet. Dass sich auf dem Pulli lauter kleine, grüne Frösche tummelten, hatte das Paar in Kauf genommen, denn Franz besaß nichts anderes Schwarzes zum Anziehen. Der blonde Junge und das Nachbarmädchen waren vier und fünf Jahre alt, und die Braut überragte ihren Partner um mindestens einen halben Kopf. Sie hatte eine Hand unter Franz’ Arm geschoben, in der anderen trug sie einen selbst gepflückten Strauß aus Wiesenblumen, und beide Kinder grinsten bis über beide Ohren.
»Damals wart ihr klein und habt die Hochzeit nur gespielt. Es wird wirklich höchste Zeit, dass es jetzt in Wirklichkeit passiert!«, murmelte Josefa nicht zum ersten Mal vor sich hin.
Wie aufs Stichwort ging die Tür auf, und Franz winkte seiner Mutter zu. Aus dem kleinen Jungen von damals war inzwischen ein großer, attraktiver Mann von Anfang Dreißig geworden mit breiten Schultern, dunkelblonden Haaren und leuchtend blauen Augen. »Mutter? Ich fahre jetzt zu Doktor Seefeld zur Nachuntersuchung«, rief er zwischen Tür und Angel.
Halb schuldbewusst, halb vorwurfsvoll stellte Josefa das Foto auf seinen Platz zurück. Sie wusste, wie unangenehm es ihrem Sohn war, dass diese Kindheitserinnerung so öffentlich im Haus herumstand, aber sie liebte das Foto. Und noch mehr liebte sie die Vorstellung von einer Ehe zwischen ihrem wunderbaren Sohn und der Nachbarstochter Dorothea Waldmüller!
Der junge Mann las seiner Mutter die Gedanken von der Nasenspitze ab, aber er ging nicht darauf ein. Wegen Dorothea und ihm hatte es schon zahllose Anspielungen von seiner Mutter gegeben, und Franz hatte keine Lust, schon wieder etwas dazu zu sagen. »Es wird nicht lange beim Doktor dauern. Wenn ich schon im Dorf bin, soll ich dann noch etwas für euch erledigen?«, fragte er.
»Danke, ja, wir brauchen einiges aus Fannys Kolonialwarenladen, die Einkaufsliste liegt auf dem Tisch in der Diele. Und wenn du im Doktorhaus die Traudel siehst, erinnere sie bitte daran, dass wir heut Abend zum Kino verabredet sind.«
Franz verdrehte halb belustigt, halb genervt die Augen. Seine Mutter musste wirklich immer und überall nachhaken! »Traudel Bruckner ist weder vergesslich noch unzuverlässig. Sie wird schon an euren Kinobesuch denken.«
»Fahr vorsichtig!«, rief Josefa ihrem Sohn hinterher. »Bei diesem Nebel sieht man ja kaum die Hand vor Augen!«
»Na, ganz so dramatisch ist es nicht«, murmelte Franz vor sich hin, als er aus der Hofeinfahrt bog, »aber es reicht.«
Der Nebel verdichtete sich, je tiefer Franz in die sanfte Talsenke hineinfuhr, in der Bergmoosbach sich erstreckte. Alle Autos waren gezwungen, sehr langsam zu fahren, was bei der geringen Sichtweite mehr als notwendig war.
Leider hielt sich nicht jeder Fahrer an die nötige vorsichtige Fahrweise. Plötzlich tauchte vor Franz ein Auto auf, das bei diesem dichten Nebel zu schnell und außerdem viel zu weit links fuhr.
Mit einer abrupten Bewegung musste Franz nach rechts ausweichen – und bemerkte in derselben Sekunde, dass er einen Radfahrer streifte. Eben noch nahm er die verschwommene Bewegung neben seinem Auto wahr, dann gab es ein kurzes, metallisches Geräusch, und die Gestalt kippte ins Nichts.
Franz’ Ausweichmanöver hatte seinen Wagen über den Seitenstreifen hinaus befördert. Es rumpelte, er hörte Gestrüpp gegen das Bodenblech streifen, dann kippte das Auto mit dem rechten Reifen und dem Kühlergrill schräg in den Straßengraben.
Franz wurde von eiskaltem Entsetzen gepackt. Es war weniger der eigene Unfall, der ihn erschütterte, es war der furchtbare Gedanken, einen Radler angefahren zu haben.
Trotz seiner Panik reagierte der junge Mann geistesgegenwärtig. Er riss seine Taschenlampe aus dem Handschuhfach und quetschte sich durch die Beifahrertür ins Freie. Wäre er auf der Straßenseite ausgestiegen, hätte ihn ein nachfolgender Wagen erfassen können, denn bei diesem Nebel war er so gut wie unsichtbar. Er hörte, dass ein anderer Wagen anhielt, achtete aber nicht weiter darauf.
Mit zitternden Knien tastete er sich durch den Straßengraben. »Hallo? Hallo? Wo sind Sie?«, rief er in der verzweifelten Hoffnung, vom Unfallopfer eine Antwort zu erhalten. Da! Im Gestrüpp des Grabens lag ein dunkelblaues Fahrrad auf der Seite – und halb darunter die Gestalt einer Frau.
»Um Himmels willen! Was ist Ihnen passiert?«, rief er panisch und griff nach dem Rad, um es zur Seite zu heben.
»N…, nicht allzu v…, viel, glaub ich«, antwortete eine zittrige Stimme. »Bin noch ganz und …, und in einem Stück.«
Franz war so erleichtert, dass seine Knie nachgaben. Er stolperte und fand sich plötzlich sehr nahe neben einem hübschen weiblichen Gesicht, aus dem ihm erschreckte, dunkle Augen entgegen starrten. »Ich …, ähm …, können Sie aufstehen?«, stotterte er.
»Ich denke, schon«, antwortete die junge Frau. Sie legte ihre Hände in die ausgestreckten des Mannes und ließ sich auf die Beine helfen. Im Lichtkegel der Taschenlampe erkannte Franz, dass die Frau blutende Abschürfungen am rechten Arm und Bein hatte, und auch von ihrer rechten Wange rannen Blutstropfen.
Plötzlich durchschnitt ein zweiter Lichtstrahl das fast undurchdringliche Nebelgrau, und zwei Gestalten standen neben der Unfallstelle im Graben. »Hallo? Brauchen Sie Hilfe? Ich bin Arzt.«
»Doktor Seefeld!«, rief Franz erleichtert. »Sie schickt der Himmel! Mir ist nichts passiert. Bitte kümmern Sie sich um die Radfahrerin!««
Der Landdoktor sah sofort die äußeren Verletzungen der jungen Frau. »Sie können allein stehen und gehen? Haben Sie außer den Hautabschürfungen noch andere Schmerzen oder ist Ihnen schwindelig?«, erkundigte er sich rasch.
Hebamme Anna, die neben ihm stand, hatte bereits seine Arzttasche geöffnet und sterile Kompressen auf die verletzten Hautstellen gelegt.
»Nein, so weit ist alles in Ordnung«, antwortete die junge Frau.
»Sehr gut!« Sebastian Seefeld griff behutsam nach dem Arm der Radfahrerin und half ihr aus dem Graben zu seinem Wagen. »Wir müssen schnell hier weg!«, warnte er. »Wir haben die Unfallstelle zwar abgesichert, aber in diesem Nebel ist das leicht zu übersehen, wir könnten von einem Auto erfasst werden. Ich bringe Sie beide jetzt in meine Praxis.« Anna und er halfen der jungen Frau und dem verstörten Franz in den Wagen und fuhren vorsichtig weiter.
»Ich habe …, mein Himmel …, ich bin abgedrängt worden und habe Sie verletzt!«, stammelte Franz entsetzt.
»Der andere Fahrer hatte Schuld«, antwortete Sebastian Seefeld ruhig. »Wir mussten dem Kerl auch ausweichen und haben gesehen, wie er Sie in den Graben gedrängt hat. Das werden wir auch bei der Polizei aussagen, Herr Langegger.«
»Trotzdem …«, murmelte Franz. Erschüttert schaute er die junge Frau an, die blass und still neben ihm saß. Unbewusst griff er nach ihrer Hand und hielt sie behutsam zwischen seinen fest. »Es tut mir so unendlich leid!«
Sie brachte tatsächlich so etwas wie ein zerknittertes Lächeln zustande. »Es war ja nicht Ihre Schuld«, antwortete sie leise. »Und ich glaube, mir ist nichts Schlimmes passiert.«
Während der kurzen Fahrt zur Praxis verständigte Anna die Polizeistation. Dort waren bereits etliche Unfallmeldungen eingegangen. »Da hatten der Franz und das Madl aber wirklich Glück im Unglück, dass ihr vorbeigekommen seid«, stellte Polizist Gregor Leutner erleichtert fest. »Seid ihr gerade von einem Hausbesuch gekommen?«
»Von einer überraschenden Entbindung. Da hatte es ein Baby ziemlich eilig gehabt.« Die junge Hebamme konnte schon wieder lächeln. »Zum Glück war der Nebel noch nicht da, als der Doktor und ich gerufen wurden, sonst wären wir zu spät gekommen.«
»Ihr seid schon ein gutes Team, ihr zwei«, antwortete Gregor. »Und jetzt flickt der Doktor das Madl zusammen, und Franz kümmert sich ums Abschleppen seines Wagens und gibt eine Anzeige wegen des anderen Fahrers auf?«
»Und ob ich das tun werde!«, rief Franz, der mitgehört hatte. »Aber erst muss ich wissen, dass der jungen Frau, die ich angefahren habe, nichts noch Schlimmeres passiert ist. Wir sehen uns dann an der Unfallstelle. Servus, Gregor!«
»Die Frau heißt übrigens Maria«, sagte die Radlerin mit einem Hauch von Humor in der Stimme. »Maria Ambach.«
Erleichtert schaute Franz sie zum ersten Mal in aller Ruhe an, und ein überraschtes Lächeln umspielte seine Mundwinkel. »Ich kenn dich doch! Du bist die Neue, die bei Brauerei Schwartz im Biergarten arbeitet. Du hattest kleine Blumen in deinen Haarkranz eingeflochten.«
Maria wurde tatsächlich ein wenig rot. »Das ist dir aufgefallen?«, fragte sie überrascht.
Nicht nur das …, dachte Franz im Stillen. Vom ersten Augenblick an hatte ihm die zierliche junge Frau mit den großen dunklen Augen und den seidigen dunklen Haaren gefallen. Sie wirkte ruhig, aber nicht schüchtern, und war freundlich im Umgang mit den Gästen. Ihr Lachen klang bezaubernd, und sie bewegte sich so anmutig, dass Franz im Stillen überlegt hatte, ob sie Ballett tanzte. Er hatte sich vorgenommen, sie anzusprechen und um eine Verabredung zu bitten. Dass ihr Kennenlernen unter so dramatischen Umständen stattfinden würde, hatte er nicht in seinen wildesten Träumen geahnt!
»Hüte dich vor deinen Wünschen, sie könnten in Erfüllung gehen«, murmelte er geistesabwesend durch die Zähne.
»Wie bitte? Was hast du gesagt?«, fragte Maria erstaunt.
»Oh! Äh, ich hab nur laut gedacht«, stotterte Franz. »Weißt du, ich …, ich habe mir gewünscht, dich kennenzulernen, aber doch nicht unter diesen Umständen! Wegen mir hattest du einen Unfall und bist verletzt!«
In den dunklen Augen tanzte ein Lächeln. »Mir geht es doch ganz gut, es hätte alles viel schlimmer sein können«, antwortete sie. »Und außerdem, ich freue mich auch, dass wir uns getroffen haben.«
»Ja?«, staunte Franz.
»Ja!«, antwortete Maria bestimmt.
Franz hob die Hand und strich ihr sanft einige wirre Haarsträhnen von der Wange, auf der ein Pflaster prangte. »Wir holen unser erstes richtiges Treffen nach!«, versprach er leise.
Das Paar auf der Rückbank des Autos war so mit seinem Kennenlernen beschäftigt, dass es nicht mitbekam, wie Sebastian Seefeld und Anna einen amüsierten und erleichterten Blick miteinander wechselten. Wenn die beiden dort hinten ihren Unfall bereits als glückliches Zusammentreffen ansahen, dann konnten sie wirklich keine schweren Verletzungen erlitten haben.
Dieser Eindruck bestätigte sich, als der Landdoktor wenig später seine Untersuchungen abgeschlossen hatte. Maria war mit blauen Flecken und Hautabschürfungen davongekommen, die jetzt umfassend versorgt wurden. Der Tetanusschutz der Patientin war ausreichend, sodass nicht einmal eine Spritze nötig gewesen wäre.
Gerade wollte sich Sebastian Franz zuwenden, als eine völlig aufgelöste Josefa Langegger am Telefon dazwischen platzte. »Herr Doktor, wo ist mein Sohn?«, rief die Mutter atemlos. »Eben hat mir der Habermaß erzählt, dass Franz’ Wagen verlassen im Straßengraben liegt! Was ist mit meinem Bub?«
»Beruhigen Sie sich, Frau Langegger. Ihr Sohn ist hier in der Praxis, ihm ist überhaupt nichts passiert.«
»Aber es hat doch einen Unfall gegeben! Bitte geben Sie mir Franz ans Telefon, ich muss ihn unbedingt sprechen!«
Der Landdoktor unterdrückte einen Seufzer. »Denken Sie an Ihren Magen und regen sich nicht so sehr auf!«, sagte er ruhig und reichte den Hörer an Franz weiter.
Sofort ergoss sich ein Sturzbach besorgter Fragen über den jungen Mann, den er freundlich, aber sehr bestimmt abschnitt. Mit wenigen Sätzen erklärte er seiner Mutter, was geschehen war, und sagte, dass er später als geplant nach Hause kommen werde, weil er sich noch um das Auto kümmern musste.
»Ich komme natürlich sofort und fahre dich heim!«, fiel ihm Josefa ins Wort.
»Mutter!«, antwortete Franz nachdrücklich. »Darum kümmere ich mich! Ich werde auch Maria nach Hause bringen, es wird alles später als gedacht. Mach dir keine Sorgen.«
»Maria? Welche Maria?«, rief Josefa, die ihrem Sohn gar nicht richtig zugehört hatte.
Franz schüttelte den Kopf. »Servus, Mutter.«
Der Landdoktor, der Josefa gut kannte, lächelte verständnisvoll. »Und wir hatten heute einen Termin zur Nachsorge, nicht wahr?«, erinnerte er den jungen Mann.
»Das hab ich bei der ganzen Aufregung völlig vergessen«, antwortete Franz und streifte den Ärmel seines T-Shirts hoch. Auf seinem Oberarm klebte eine sterile Kompresse, die Doktor Seefeld vorsichtig entfernte.
Zufrieden musterte der Landdoktor die Stelle, die sich nach dem Stich einer Bremse böse infiziert hatte. »Der Abszess ist völlig verschwunden, und Rötung und Schwellung sind so gut wie abgeklungen. Sie brauchen kein Wundpflaster mehr und auch kein neues Antibiotikum, der Arm sieht sehr gut aus.«
»Wer hätte gedacht, dass ein einfacher Bremsenstich derartige Beschwerden verursachen kann«, antwortete Franz, dem es in den vergangenen Tagen aufgrund der Infektion ziemlich schlecht gegangen war.
»Das Insekt hatte Ihnen einen bösen Krankheitserreger verpasst. Zum Glück gibt es heute wirksame Gegenmittel«, sagte der Arzt ernst. »Früher wäre eine Blutvergiftung nicht so gut zu behandeln gewesen.«
»Dann hab ich in der letzten Zeit wohl eine ganze Menge Glück gehabt«, antwortete Franz mit einem leisen Lächeln. »Sowohl bei der Blutvergiftung als auch bei dem Unfall heute.«
»Offensichtlich!« Der Landdoktor erwiderte das Lächeln. »Und wie ich vorhin im Auto mitbekommen habe, könnte da noch ein viel größeres Glück mit im Spiel sein?«
»Ich glaube, schon!«, antwortete Franz, und nun lächelte er strahlend. »Jetzt werde ich dafür sorgen, dass Maria gut nach Hause kommt, und dann meinen Wagen aus dem Graben ziehen lassen. Servus, Herr Doktor.«
Beschwingt ging er in den Wartebereich hinaus, wo Maria saß. Auch sie hatte sich von dem Schrecken erholt und konnte wieder lächeln. »Schau mal, der Nebel hat sich verzogen, und die Sonne scheint. Jetzt kann ich mein Rad von der Unfallstelle holen und nach Hause fahren.«
»Maria, bitte! Ich möchte nicht, dass du nach diesem Schrecken sofort wieder aufs Rad steigst, vor allem deshalb nicht, weil wir noch gar nicht wissen, ob es verkehrstauglich ist. Das lassen wir eine Fahrradwerkstatt erledigen.«
»Wir?«, fragte die junge Frau erfreut.
»Natürlich wir!«, antwortete Franz bestimmt. »Du glaubst doch wohl nicht, dass ich dich mit diesem Schlamassel allein lasse?«
Maria musterte ihn aufmerksam. Sie sah einen freundlichen, gut aussehenden Mann mit einer männlichen, warmherzigen Ausstrahlung. »Nein, eigentlich nicht«, antwortete sie ernsthaft.
»Dann los! Gehen wir zur Polizei und lassen die ihre Arbeit tun.« Franz streckte seine Hand aus, und gemeinsam mit ihm trat Maria in den Sommermorgen hinaus, der nun seine düstere Bedrohlichkeit verloren hatte.
*
Alles Notwendige wurde zügig erledigt. Die Polizei kam mit zur Unfallstelle, Franz’ Wagen wurde aus dem Graben gezogen und in die Werkstatt gebracht, um ihn auf mögliche Unfallschäden zu untersuchen. An Marias Fahrrad waren Lampe, Gangschaltung und Lenker beschädigt, alles Dinge, die sich ersetzen ließen. Das Zuhause der jungen Frau lag nicht weit von der Unfallstelle entfernt, und Franz begleitete sie zu Fuß dorthin.
Sie hatte eine winzige Wohnung in einem umgebauten, alten Stallgebäude gemietet, das zu einem ehemaligen Bauernhof gehörte.
