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Der Prinzessin Ophelia fehlt es an nichts - an fast nichts. Mehr als alles andere wünscht sie sich einen Freund, mit dem sie im Wald herumtollen und Spaß haben kann. Eines Tages trifft sie auf die kleine Mursel Oskar, der sich wie sie allein fühlt. Denn er ist anders als die anderen Murseln und ist deshalb von zuhause weggelaufen. Zusammen erleben sie wundervolle Abenteuer, schließen neue Freundschaften und stellen sich gemeinsam ihren Ängsten. Dabei merken sie, dass es gar nicht so schlimm ist, anders zu sein, und allein sind sie nun auch nicht mehr. Eine Erzählung der besonders herzlichen Art. Von Freunden, die über sich hinauswachsen und Begegnungen, die Leben verändern.
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Seitenzahl: 94
Veröffentlichungsjahr: 2022
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Für meine Familie. Mein Löwe, mein Bäumchen und mein Schäfchen – denkt immer daran:
Ich liebe euch. Für immer!
Kapitel 1 - Der Beginn einer wunderbaren Freundschaft
Kapitel 2 - Von Heimweh und Ängsten
Kapitel 3 - Meister des Versteckens
Kapitel 4 - Mutig sein
Kapitel 5 - Retter in der Not
Kapitel 6 - Willkommen im Land der Drachen
Kapitel 7 - Ophelias Geburtstagsfeier
Kapitel 8 - Freunde fürs Leben
Hallo Kinder! Seid ihr auch schon so gespannt wie ich?
Dann macht es euch gemütlich, setzt euch aufs Sofa oder kuschelt euch in eure Lieblingsdecke und lauscht dem
Abenteuer von Ophelia und Oskar.
Ich erzähle euch eine Geschichte von Prinzessinnen und Drachen, von Feen und Freundschaft, von mutigen kleinen Wesen und von ganz viel Spaß ...
Aber zurück zum Anfang …
Unsere Geschichte beginnt im Land Phanuria.
Phanuria ist ein buntes und fröhliches Land.
Es gibt viele Seen, Bäume, Büsche und Wälder.
Doch ist es kein Wald, wie wir ihn aus unserer Welt kennen.
Die Bäume sind nicht grün und braun, sondern sie tragen die verschiedensten Farben.
Sie leuchten in rot und gelb und pink und blau.
Ihre Äste hängen voller roter und violetter Früchte und auch die Steine, Blätter, Pilze und Kräuter sind bunt gefärbt.
In Phanuria leben die Menschen und die Tiere in Eintracht zusammen, die Tiere können ebenso sprechen wie die Menschen.
Inmitten des größten Waldes von Phanuria leben der König und die Königin zusammen mit ihrer Tochter, Prinzessin Ophelia, in einem großen und sehr alten Schloss.
Das Schloss ist umgeben von einem prächtigen Garten, in dem hunderte verschiedene Blumen und Bäume wachsen.
Inmitten des Gartens liegt der Schlossteich, an dem sich abends die Frösche »Gute Nacht« sagen.
Das Schlossgelände ist umgeben von einer hohen Mauer, die es vom Wald auf der anderen Seite trennt.
Ophelia hat wie alle Prinzessinnen ein riesiges Zimmer mit so vielen Spielsachen, wie sie sich nur wünschen kann.
Trotzdem spielt sie am liebsten draußen im Wald, wo die Bäume höher wachsen als im Schlossgarten und das Toben viel spannender ist.
Weil Ophelia meist den ganzen Tag draußen verbringt, trägt sie ihre Lieblingshose, die von dem ganzen Klettern auf den Bäumen viele Löcher an den Knien aufweist und deshalb häufig geflickt wurde. Auch ihr Mantel ist übersät mit geflickten Löchern und Taschen. Darin sammelt sie Blätter, Steine und bunte Früchte.
Ophelia wünscht sich nichts sehnlicher, als Freunde zu finden, mit denen sie den ganzen Tag im Wald spielen, toben, klettern und die Gegend erkunden kann.
In ein paar Tagen hat sie Geburtstag. Dann wäre es schön, an diesem besonderen Tag ihre Geburtstagstorte zu teilen und mit richtigen Freunden Spaß zu haben.
Doch die anderen Kinder aus dem nahen gelegenen Dorf wollen nicht mit ihr spielen. Sie finden Ophelia komisch, weil sie anders ist als die Prinzessinnen, die sie aus ihren Märchenbüchern und den Erzählungen ihrer Eltern kennen.
Deshalb spielt Ophelia oft allein im Wald, erkundet verlassene Höhlen, klettert auf Bäume und baut Häuser in den höchsten Baumkronen. Manchmal tollt sie mit den Tieren über die Lichtung, durch verlassene Höhlen oder veranstaltet mit ihnen ein Picknick. Sie unterhält sich mit ihnen und hat auch viel Spaß …
Aber richtige Freunde findet sie nicht.
Keinem der Tiere kann sie ihre Geheimnisse anvertrauen, mit ihnen Streiche aushecken oder einfach nur lachen bis ihnen der Bauch wehtut. So fühlt Ophelia sich oft einsam, wenn sie am Abend zurück ins Schloss läuft.
Manchmal muss sie nachts vor Kummer sogar eine Träne verdrücken.
Tagsüber vergisst sie ihre Traurigkeit.
Vor lauter Abenteuern kommt sie gar nicht dazu, Trübsal zu blasen.
So wie jedes Kind hat auch Ophelia ein Lieblingstier: die Murseln.
Eine Mursel ist ein kleines Tier mit kuschlig weichem, blauem oder gelbem Fell, großen schwarzen Knopfaugen und winzigen Ohren. Ihr Schwanz ist lang und weich.
Die Nase der kleinen Tierchen ist spitz und hat rechts und links lange, helle Schnurhaare.
Als Prinzessin Ophelia eines Sonntags im Wald Blätter und Zweige sammeln geht, um sich im höchsten Baum ein Baumhaus zu bauen, entdeckt sie eine Mursel.
Aber, nanu – sie ist ja gar nicht blau. Und auch nicht gelb.
Das Fell des kleinen Wesens ist von leuchtend grüner Farbe. Und ihre Ohren sind nicht klein wie bei anderen Murseln, sondern fast so groß wie sie selbst.
Die grüne Mursel hängt an einem morschen Baumstamm, der schräg aus dem Boden ragt.
Sie zittert und piepst ängstlich um Hilfe.
Es sind zwar nur gute anderthalb Meter, aber für das kleine Tierchen fühlen sich diese wie zehn an.
Ophelia läuft schnell zum Baumstamm, nimmt das winzige Wesen auf den Arm und setzt es auf dem Boden ab.
Die kleine Mursel mit ihren riesigen Ohren schaut ganz verschreckt zur Prinzessin hoch.
»Bi-bi-bitte friss mich nicht«, flüstert die Mursel mit aufgerissenen angsterfüllten Augen und presst sich an einen großen blauen Stein.
»Fressen? Warum sollte ich dich denn fressen?«, lacht Ophelia und betrachtet die Mursel. Sie bibbert immer noch so sehr, dass ihre Schnurhaare und ihre großen Ohren schlackern.
»Du siehst so anders aus. Die meisten Murseln, die ich kenne, sind gelb, manche sind auch blau. Aber grüne Murseln, die habe ich noch nie gesehen. Oder bist du vielleicht gar keine Mursel?«, plappert die Prinzessin fröhlich weiter.
Die Augen des Mädchens funkeln vor Freude und langsam tapst das grüne Tier ein paar Schritte in ihre Richtung.
Wer so fröhlich lacht, kann nicht böse sein.
»Do-do-doch«, piepst das grüne Tierchen.
»Du siehst richtig. Ich bin eine Mursel. Und ich bin grün.«
Plötzlich fängt die kleine Mursel an zu weinen.
»Deshalb möchte zuhause niemand mit mir spielen.
I-I-Ich bin immer a-allein.«
Ophelia spürt, wie ihr das Herz bricht. Die Mursel fühlt sich offenbar sehr allein – so wie sie. »Das tut mir so leid.
Die anderen Murseln sind gemein. Du bist doch gut so, wie du bist!«
Die Mursel schnieft und lächelt schüchtern.
»Das hat meine Mama auch gesagt. Sie … sie sagt immer, dass ich toll bin und die anderen einfach reden lassen soll. Sie sagt, dass ich ein besonderes Tier bin. Aber i-ich … ich fühle mich nicht so. Ich bin immer so … so traurig.«
Ophelia hockt sich auf den Boden. »Weißt du was?
Ich mag dich so, wie du bist. Grün ist auch eine schöne Farbe!«
Sie streckt die Hand aus, damit die kleine Mursel darauf klettern kann.
»Wie heißt du?«
»Oskar«, schnieft das grüne Tierchen und schnäuzt sich mit seinem übergroßen Ohr die Nase.
»Ich heiße O-O-Oskar.«
Die Prinzessin lächelt.
»Ich bin Ophelia. Möchtest du mein Freund sein?«
Oskar strahlt über das ganze Gesicht. Seine Tränen sind vergessen und die Traurigkeit ist verflogen
»Oh ja!«, lacht er.
Vor Aufregung überschlägt sich seine Stimme und seine Ohren werden ganz rot.
»I-I-Ich hatte noch nie einen Freund. Wie toll!«
Auf Ophelias Gesicht breitet sich ein glückliches Lächeln aus. Oskar springt von ihrer Hand und gemeinsam tanzen sie vor Freude über den Waldboden, bis sie ganz außer Atem sind.
Schließlich bleibt Ophelia stehen, wischt sich mit dem Handrücken über die Stirn und schaut hoch in den Himmel. Die Wolken färben sich rosa, bald wird die Sonne untergehen. Sie sieht schon einige Sterne aufblitzen, der Mond ist auch schon zu sehen.
Sie blickt wieder nach unten zu ihrem neuen Freund, der sie gespannt beobachtet. Er wird doch bestimmt auch wieder nach Hause gehen, jetzt, da die Nacht hereinbricht.
Würde sie ihn morgen wiedertreffen?
»Du, Oskar, es wird gleich dunkel und ich muss leider nach Hause gehen. Du musst doch bestimmt auch zum Essen nach Hause«, sie zögert und hat Angst vor seiner Antwort. Was, wenn er nicht hier im Wald wohnt und deshalb morgen nicht mehr da ist?
»Spielen wir morgen weiter? Wir könnten ein Baumhaus bauen oder eine verlassene Höhle erkunden.«
»I-I-Ich … ich kann doch nicht wieder zu-zu-zurück«, stottert Oskar erschrocken. »Die anderen werden mich doch jetzt noch mehr auslachen, we-we-weil ich weggelaufen bin.
Und meine E-E-Eltern werden bestimmt böse auf mich sein ...«
Ophelias Mitgefühl für den kleinen Kerl wächst ... wie auch ihre Erleichterung.
Oskar wird nicht weggehen.
Vielleicht wird er sogar noch an ihrem Geburtstag da sein und sie können gemeinsam feiern?
»Möchtest du mit zu mir nach Hause? Du kannst in meinem Puppenhaus schlafen und bei uns mitessen.
Unsere Köchin macht fantastische Gerichte!«
Oskar schaut zweifelnd zu ihr auf. »Du … du wohnst doch bei deinen Eltern. Die wollen bestimmt n-n-nicht, dass ich mit dir komme.«
»Ach, Quatsch!« Ophelia ist sich sehr sicher.
»Meine Mama wird dich lieben und mein Papa kann mir sowieso keinen Wunsch abschlagen. Sie sagen immer, ich soll doch mal einen Freund mitbringen! Und unser Schloss ist groß genug …«
Oskar schaut immer noch skeptisch.
In einem Schloss, da wohnen bestimmt noch viele andere Menschen.
»Ich«, er stottert und druckst herum. »I-I-Ich habe Angst.
Ich habe Angst, dass die mich au-au-auslachen. So … so, wie zu-zu-zuhause.«
Ophelia setzt eine ernste Miene auf.
»Dort lacht dich niemand aus, Oskar.
Das verspreche ich dir.«
Oskar sieht immer noch hin- und hergerissen aus.
»Ich sage jedem, der dich auslacht, meine Meinung.
Und wenn du möchtest, gehen wir zusammen zu deiner Familie und dann sage ich den anderen Murseln, was ich von ihnen halte! Jeder, der sich mit meinem Freund Oskar anlegt, der bekommt es mit mir zu tun!«
Ophelias Worte helfen.
Die kleine Mursel Oskar grinst über das ganze Gesicht und springt freudig in Ophelias Jackentasche, die sie ihm aufhält.
Dann läuft die Prinzessin nach Hause. Sie springt und hüpft so sehr vor Glück, dass es Oskar in ihrer Jackentasche bange wird. Aber eigentlich ist er gar nicht ängstlich.
Denn die kleine Mursel und die Prinzessin sind beide überglücklich, an diesem Tag einen neuen Freund gefunden zu haben.
Kennt ihr diese Tage, an denen alles grau ist und ihr nur im Bett bleiben möchtet?
Der nächste Tag ist für Oskar so ein im-Bett-bleiben-und-die-Decke-über-den-Kopf-ziehen-Tag.
Er ist traurig und hat sich in Ophelias Puppenhaus in seinem Bettchen verkrochen. Ihn plagt ein Gefühl, das viele nur zu gut kennen:
Er hat Heimweh und möchte in Ruhe gelassen werden.
Das Wetter draußen passt dazu perfekt.
Normalerweise scheint in Phanuria immer die Sonne.
Selten erleben die Bewohner einen lauen Sommerregen oder im Winter einen kleinen Schneesturm. Nur alle fünf Jahre gewittert es wie heute.
Es stürmt, regnet, donnert und blitzt, wie Oskar es noch nie erlebt hat.
In Ophelias Zimmer stehen ihr großes Bett, ihre Spielsachen und Kuscheltiere. Über ihrem Himmelbett hängen funkelnde Sterne und Monde, die nachts ein bisschen Licht spenden. Neben ihrem Bett steht ein großes Puppenhaus, in dem ihre Puppe und ihre Kuscheltiere wohnen. Dort hat sie auch für Oskar ein Zimmer eingerichtet. In der letzten Nacht hat er jedoch zusammengerollt auf ihrem Kissen geschlafen, eingekuschelt in ihre Haare.
Ophelia sitzt etwas ratlos auf dem Fußboden und sieht der Mursel dabei zu, wie sie traurig im Bettchen liegt.
»Oskar?«, fragt Ophelia zaghaft. »Kann ich dir helfen?«
»Nein«, flüstert Oskar den Tränen nahe.
»Du kannst mir nicht helfen. Ich … ich will nach Hause.
Zu meiner Mama.«
»Ach Oskar, ich kann dich verstehen. Ich wäre auch unendlich traurig, wenn meine Mama nicht da wäre.
Aber …«