Piet Himp, Arepo und Borstel - Helma Heymann - E-Book
SONDERANGEBOT

Piet Himp, Arepo und Borstel E-Book

Helma Heymann

0,0
5,99 €
Niedrigster Preis in 30 Tagen: 5,99 €

-100%
Sammeln Sie Punkte in unserem Gutscheinprogramm und kaufen Sie E-Books und Hörbücher mit bis zu 100% Rabatt.

Mehr erfahren.
Beschreibung

3 Kinderbücher in einem. Es geht um die richtige Windrichtung, die Rettung der schönen Tuberose und einen Streit zwischen Feldlerche und Feldmaus und eine große Gefahr. Piet Himp ist Windmüller, seine Windmühle steht auf dem Mühlenberg, der einzigen Anhöhe in der wie im Norden üblich flachen Landschaft, und Piet hat ein Problem: Wenn der Wind weht, kann der Windmüller mahlen. Die Windmüllerei hängt eben vom Wind ab. Wer aber möchte sich nur auf den Wind verlassen? Nicht Piet! Und immer wieder versucht er, den Wind für sich einzunehmen - oder ihn zu überlisten. Piet Himp ärgert sich zunehmend, dass der Wind die Richtung so häufig wechselt. Doch im 7. Kapitel ist das Problem gelöst, auch wenn der Wind ein windiger Geselle bleibt. Unverbesserlich. Das zweite Märchen handelt nicht von einer Windmühle, sondern vom Magnetismus. Und es handelt auch nicht von einem Windmüller, sondern von einem Bootsbauer: In einem Fischerdorf, weit fort von hier, lebt ein Bootsbauer mit Namen Arepo. Sein Haus steht etwas abseits, nahe Strand und Meer. Nahe am Meer zu wohnen ist gefährlich. Doch Arepo kümmert das nicht. Hier hat er Platz zum Sägen, Feilen, Hämmern, Bohren. Niemanden stört er mit dem Lärm, dem Geklapper, das seine Arbeit verursacht. Er arbeitet viel und gerne, baut feste, neue Boote, bessert alte kunstvoll aus. Alles scheint also in bester Ordnung zu sein. Doch eines Tages - nahe am Meer zu wohnen ist gefährlich -, als Arepo gerade ein Boot abdichtet, erhebt sich lautlos eine große grüne Welle aus dem Meer. Sie steigt gewaltig in die Höhe, beugt sich langsam vornüber, überschlägt sich und rollt böse zischend an den Strand. Und dann ist sein ganzes Werkzeug verschwunden. Was soll Arepo jetzt tun? Plötzlich klatscht er in die Hände und springt auf. Die Paradiesseeschwalbe hält erschrocken in ihrem Gezwitscher inne. „Ein Magnet zieht Eisen an!“, ruft Arepo. „Das weiß jedes Kind.“ Ob es gelingt? Im Übrigen spielt auch in diesem Märchen der Wind eine wichtige Rolle. Aber auch eine Hexe. In der dritten Geschichte, einer Tiergeschichte, geht es nicht zuletzt, sondern zuerst um Streitlust, wie man an dem folgenden Ausschnitt bemerken kann: „Ach“, stöhnt der Maulwurf schlaftrunken, „wäre ich in einer Zeit geboren, in der es noch keine Feldmäuse gab.“ „Lächerlich!“, meint die Feldmaus zänkisch. „Solange es Felder gibt, leben Feldmäuse. Und Felder gab es immer!“ Augenblicklich ist der Maulwurf wach. „Dich hält die Streitlust am Leben“, sagt er, „Felder gab es nicht immer.“

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 83

Veröffentlichungsjahr: 2014

Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Impressum

Helma Heymann

Piet Himp, Arepo und Borstel

Ein Windmühlenmärchen, ein Märchen über den Magnetismus und eine Tiergeschichte

ISBN 978-3-86394-246-5 (E-Book)

"Piet Himp und der Geselle Wind" erschien erstmals 1990, „Arepo und die schöne Tuberose“ 1988 und „Borstel und die Feldlerche“ 1992 im Verlag Junge Welt Berlin.

Gestaltung des Titelbildes: Ernst Franta

© 2014 EDITION digital®Pekrul & Sohn GbR Godern Alte Dorfstraße 2 b 19065 Pinnow Tel.: 03860 505788 E-Mail: [email protected] Internet: http://www.ddrautoren.de

Piet Himp und der Geselle Wind – ein Windmühlenmärchen

1. Kapitel

Im Norden, wo das Land meist flach ist, das Meer nahe und der Himmel unendlich weit, steht auf einer Anhöhe die Windmühle des Windmüllers Piet Himp.

Der Mühlenberg ist die einzige Anhöhe in der Gegend. An seiner Südseite rankt ein wilder Rosenbusch. An seinem westlichen Hang steht ein üppiger Vogelbeerbaum. Im Herbst trägt er feuerrote Beeren.

Rund um den Berg erstrecken sich Kornfelder und Wiesen. Ein Weg schlängelt sich hindurch, er führt in das nächste Dorf.

Auf dem Mühlenberg sollen in früheren Zeiten wunderliche Dinge geschehen sein, und seltsame Gestalten wurden gesehen, erzählen sich die Dorfbewohner.

Und sie erzählen gerne ...

Müller, munkeln sie, die diese Mühle vormals besaßen, waren sonderbare Menschen, anders als die in der Ebene.

Auch den Windmüller Piet Himp betrachten sie mit einigen Zweifeln. Schon dass er alle Leute um Haupteslänge überragt, macht ihn auffällig. Was ihn als Müller aber geradezu verdächtig macht, ist, dass er niemals auf Wanderschaft war. Dabei heißt es doch schon in einem alten Lied, das jeder kennt: Das Wandern ist des Müllers Lust!

Wenn er nicht gewandert ist, wo hat er dann sein Handwerk gelernt? «Wo hat hei liernt?», fragen sich die Bauern.

Piet Himp kennt diese Reden, doch kümmert er sich nicht darum. Er hat nicht Muße, darüber nachzudenken. Viel zu sehr ist er beschäftigt, wenn seine Mühle dröhnend mahlt und sich die Mäuse zwischen den vollen Korn- und Mehlsäcken tummeln.

Wenn der Wind weht, kann der Windmüller mahlen.

Die Windmüllerei hängt eben vom Wind ab. Wer aber möchte sich nur auf den Wind verlassen? Nicht Piet Himp! Und immer wieder versucht er, den Wind für sich einzunehmen - oder ihn zu überlisten.

Piet Himp ist fröhlich, jung und kräftig. Einer von denen, die ihr Handwerk verstehen, auch wenn er nicht gewandert ist.

Er liebt den Erdenfleck, auf dem seine Mühle steht. Nichts treibt ihn in die Ferne. Nicht einmal der Kummer, den er manchmal mit dem Wind hat.

Sein Haar ist blond wie ein Weizenfeld und so kraus und widerspenstig, dass es jeder ordentlichen Frisur trotzt. Selbst die Müllermütze ist nicht imstande, es zu verbergen, überall lugt es hervor, ringelt sich in den Nacken und um seine Ohren.

Krause Haare - krauser Sinn, sagen die Leute im Dorf und betrachten alles, was Piet Himp betreibt, misstrauisch. Doch ihr Korn lassen sie trotzdem am liebsten bei ihm mahlen! Kein Müller weit und breit mahlt so feines Mehl wie er, hat so gut geschärfte Mahlsteine.

Piet Himps Mühle ist, wie überall gebräuchlich, eine Bockwindmühle. Ihr von Sonne und Wind schwarzbraunes hölzernes Mühlenhaus ruht auf einem ebensolchen, sehr kräftigen Bockgerüst.

Und eine solche Mühle muss der Müller am Sterz, einem starken Balken, der vom unteren Mühlenhaus aus ins Freie ragt, auf ihrem Bock herum in den Wind drehen.

Piet Himp macht diese Arbeit keine Mühe. Er ist stark wie ein Bär. Aber zunehmend ärgert ihn, dass der Wind die Richtung so häufig wechselt.

Dann muss der Müller seine Arbeit unterbrechen, aus dem obersten Stockwerk der Mühle in das unterste hasten. Er muss zur Mühlentür hinaus, die Mühlentreppe hinunterspringen, ein Stück über den Mühlenberg laufen, endlich seine Mühle am äußersten Ende des Sterzes fassen, um sie erneut in den Wind zu drehen.

Was für ein Aufwand!

Und eines Tages hat Piet Himp genug davon. Er setzt sich auf die Mühlentreppe und überlegt, wie er das ändern kann.

«Ich müsste mich mit dem Wind anfreunden», sagt er, «vielleicht lässt er sich durch ein Geschenk überreden, möglichst gleichmäßig aus ein und derselben Richtung zu blasen. Dieses häufige Umspringen hält mich doch sehr von der Arbeit ab.»

Piet Himp versucht es mit zwei Scheffeln besonders fein gemahlenem Roggenmehl. Versuch macht klug, denkt er und füllt die beiden Scheffel in einen nagelneuen Sack. Den bindet er fest zu und schafft ihn hinaus auf den Mühlenberg.

Den Wind aber interessiert das Roggenmehl nicht. Auch wenn es noch so fein gemahlen ist. Der aufrecht stehende, dicke Sack aber freut ihn sehr. Gleich beginnt er in vollem Lauf über ihn hinwegzuspringen. Er hüpft über ihn hin und hüpft über ihn her. Mit dem Springen mag er gar nicht mehr aufhören.

Die Mühlenflügel aber kommen völlig aus dem Takt. Sie drehen sich nach links - sie drehen sich nach rechts - und wieder nach links - und wieder nach rechts.

«Verflixt und zugenäht!», schimpft Piet Himp in seiner Mühle. «Jetzt hat er schon wieder gedreht!»

Er hastet hinaus, springt die Treppen hinunter, läuft über den Mühlenberg, ergreift den Sterz an seinem hinteren Ende, schaut zu den Mühlenflügeln auf und traut seinen Augen nicht.

Die Mühlenflügel sausen in Richtung West!

Dann zurück in Richtung Ost!

Und wieder nach West - und wieder nach Ost!

Piet Himp starrt empor.

«Das gibt es doch gar nicht, dass der Wind aus zwei entgegengesetzten Richtungen bläst!», ruft der Müller fassungslos.

Kopfschüttelnd schiebt er den Balken vor sich her, bis die Mühlenflügel nach Norden zeigen. Jetzt endlich stehen sie still. Nachdenklich schleppt Piet Himp den Sack mit dem Roggenmehl in die Mühle zurück.

«Ob ihn der Sack geärgert hat?», grübelt der Müller. «Aus welchem Grund springt der Wind denn sonst so sinnlos hin und her wie ein junger Hund? Er verdirbt mir noch meine Mühle!»

Einige Tage vergehen, und Piet Himp hat einen neuen Einfall.

Wie wäre es, fragt er sich und lächelt verschmitzt, wenn ich dem Wind eine Flöte schnitzte?

Laut überlegt er weiter: «Blasen kann er ohnehin. Was ihm fehlt, ist ein Instrument. Eine Flöte. Die wird ihm Freude bereiten. Und vielleicht ist er aus Dankbarkeit gewillt, gleichmäßig freundlich aus ein und derselben Richtung zu wehen.»

Jetzt schnitzt der Müller in seiner freien Zeit eine Flöte für den Wind. Als sie fertig ist, probiert er sie selber aus. Es erklingen fünf volle, helle Töne. Piet Himp ist mit ihr zufrieden.

Er hängt die Flöte in den Vogelbeerbaum und wartet darauf, dass der Wind sie holen möge.

Tagelang schaukelt die Flöte unbeachtet im Vogelbeerbaum. Bald hat der Müller sie selbst vergessen. Er ist zu sehr beschäftigt. Gerade jetzt bringen ihm die Bauern sehr viel Korn zum Mahlen.

Einmal, nach einem arbeitsreichen Tag, an einem ganz und gar windstillen Abend, verspürt der Müller besonders großen Hunger. Mühevoll und unter heftigem Pusten entfacht er ein Feuerchen auf dem Mühlenberg. Er brät sich Kartoffeln mit Zwiebeln und Speck. Plötzlich raschelt es anhaltend in dem wilden Rosenbusch.

Der Müller stutzt, schaut um sich.

Die Mühlenflügel stehen still und wie ein großes, aufrechtes Kreuz vor der Mühle. Das bedeutet «Feierabend». Unbeweglich und einsam thront eine Wolke am Himmel. Das Feuer will nicht brennen. Die Blätter des Rosengebüsches bewegen sich leise. Langsam teilt sich der Busch in seiner Mitte, und heraus tritt ein eigenartiger Geselle. Kurz ist er und vierschrötig. Auf dem Kopf trägt er eine runde bunte Kappe, tief in die Stirn gezogen. Um seine Schultern flattert ein ausgefranstes Mäntelchen.

Warum flattert es, wenn der Wind nicht weht? überlegt Piet Himp, und er weiß nicht recht, was er von dieser Gestalt halten soll.

«Hmmm!», macht der Kurze und streicht sich über den Bauch.

«Bratkartoffeln mit Zwiebeln und Speck! Hmmm, das ist mein Leibgericht!»

Und ohne sich weiter um den Müller zu kümmern, bückt er sich, bläst gekonnt, nicht zu viel und nicht zu wenig, aber gerade mitten hinein in das Feuer.

Das Feuer beginnt sofort unter der Pfanne zu prasseln. Die Kartoffeln werden knusprig. Piet Himp greift schon nach dem Salz, das er lose in der Hosentasche trägt.

«Gib wenig Salz dazu!», verlangt der Kurze und fasst nach Piet Himps Arm. «Salz kann ich nicht vertragen!»

«Hoho!», ruft Piet Himp unfreundlich und rückt ein wenig beiseite. Er schaut den Kurzen von unten her prüfend an und meint dann herausfordernd; «Wer bist du überhaupt? Und woher kommst du so überraschend?»

Der Kurze schlägt sich vor die Brust.

«Ich bin der Wind!», erklärt er prahlerisch. «Ich wollte heute Nacht in deinem Rosenbusch schlafen. Doch schon der leiseste Hauch von Zwiebeln und Speck raubt mir die Ruhe. Bratkartoffeln! Die sind mein Leibgericht!» Und schwärmerisch rollt der Wind mit den Augen.

Nun ist mir der Vogel von selber ins Netz geflogen, freut sich der Müller und reibt sich vor Vergnügen die Hände.

«Natürlich bist du mein Gast», lädt Piet Himp den Wind zuvorkommend ein. «Bitte, setz dich nur dort auf einen Stein!» Und er weist auf einen ausgedienten Mühlstein.

Sie essen zusammen und schwatzen. Schließlich werden sie sehr lustig, fangen sogar zu singen an.

«Eine Bitte hätte ich», wendet Piet Himp sich an den Wind, als der sich nach einigen Stunden satt und gut gelaunt wieder in den Rosenbusch legen will.

«Sag’s nur», fordert der Wind den Müller auf.

«Wäre es dir nicht möglich», bringt Piet Himp etwas zögernd sein Anliegen vor, «gleichmäßig aus ein und derselben Richtung zu wehen? Nicht ständig umzuspringen? Denn», erklärt er, «wenn du springst, muss ich das auch tun. Meine Arbeit muss ich unterbrechen, hinauslaufen und die Mühle nach dir drehen. Auf die Dauer ist das umständlich und zeitraubend, verstehst du? Und - es ärgert mich!»

Der Wind steht nachdenklich auf dem Mühlenberg.

«Immer aus ein und derselben Richtung zu wehen fällt mir schwer», meint er, «und langweilig ist es außerdem. Aber weil du es bist, der darum bittet, will ich es wenigstens versuchen. Vielleicht», fällt ihm ein, «können wir ein Abkommen schließen. Tagsüber wehe ich aus einer Richtung, abends brätst du Kartoffeln!»

Er gähnt, «Da-as ließe sich ein-einrichten», sagt er schläfrig.

«Abgemacht!», ruft der Müller, springt auf und schüttelt dem Wind die Hand.

Der Wind verzieht schmerzlich das Gesicht, denn der Müller hat einen kräftigen Händedruck. Eilig verschwindet der Wind zwischen den wilden Rosen.

Piet Himp aber steht froh auf dem Mühlenberg und triumphiert im Stillen.

In den nächsten Tagen bläst der Wind tatsächlich wunderbar gleichmäßig aus West.

Piet Himp schafft nun das Doppelte an Arbeit wie vor dem Abkommen. Mehr Korn als je zuvor kann er an einem Tage mahlen. Die Bauern aber misstrauen diesem plötzlichen Wandel. Obwohl es ihnen früher nicht passte, dass sie sechs Tage lang auf ihr Mehl warten mussten, weil «dat väl tau lang duert», passt es ihnen jetzt nicht, dass es nur drei Tage dauert, denn «dat geiht wedder tau fix», sagen sie und schütteln die Köpfe.