Piledriver des Todes - Frank Thomsen - E-Book

Piledriver des Todes E-Book

Frank Thomsen

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Beschreibung

Tarek Ay, ein junger Deutsch-Türke aus Berlin-Neukölln hat den Traum von einer großen Wrestling-Karriere bei der Extrem Wrestling Europe. Doch eines Tages wird er tot in der Nähe v0n Dublin aufgefunden. Nun beginnen die Ermittlungen von Chief Inspector Adam Wright vom Scotland Yard, die ihn quer durch Europa führen und in eine Welt, wo vieles nicht so ist, wie es zuerst scheint.

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Seitenzahl: 196

Veröffentlichungsjahr: 2014

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Piledriver des Todes

Frank Thomsen

Dieses Buch ist ein Roman. Personen und Handlung sind frei erfunden, Ähnlichkeiten mit lebenden oder toten Personen sind rein zufällig.

© 2014 by Frank Thomsen

www.frank-thomsen.eu

Das Werk ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist nur mit Zustimmung des Autors zulässig. Das gilt insbesondere für die Vervielfältigung, Übersetzung und die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen.

© der Fotos und Gestaltung des Umschlages by Björn Deutschmann

http://bjoern-deutschmann.jimdo.com

ISBN der gedruckten Ausgabe: 978-3-735721-63-1 Erschienen bei BoD

eBook ISBN: (ePub) 978-3-955778-68-2 Herausgeber:

Gettorf

www.bd78.de

Gewidmet Cay Baron von Brockdorff

Freund und Mentor

12.09.1951 - 22.10.2013

„Habe die Ehre - Heckenschere!“

Einen besonderen Dank an Vera, Karin und Nicole für die Hilfe, Unterstützung und Inspiration.

Prolog

Am 12. April 1987 beendet der aufstrebende junge Wrestler Mike Von Erich im Alter von nur 23 Jahren mit einem Mix aus Medikamenten und Alkohol sein Leben. Er hatte hatte zuvor im Ring eine schwere Schulterverletzung erlitten sowie daraufhin eine bakterielle Infektion bekommen mit schweren Kreislauf- und Organversagen wovon er sich nie erholte.

Am 16. Juli 1988 verstarb der Wrestler Bruiser Body in Puerto Rico nach einer Auseinandersetzung mit seinem Kollegen José Huertas Gonzáles im Duschbereich. Es kam zu einer Rauferei, man hörte zwei Schreie. Als andere Wrestler eintrafen, la Brody schmerzverzehrt auf dem Boden und Gonzáles hatte ein Messer in der Hand.

Am 12. September 1991 nahm sich Chris Von Erich, jüngerer Bruder von Mike Von Erich, mit nur 22 Jahren mit einem Kopfschuss das Leben, weil er es nie schaffte, ein erfolgreicher Wrestler zu werden.

Am 18. Februar 1993 erschoss sich der Wrestler Kerry Van Erich, Bruder von Mike und Chris, auf der Farm seines Vaters. Er hatte Jahre zuvor (1986) einen schweren Motorradunfall, woraufhin ihm ein Bein amputiert werden musste. Daraus entwickelte sich eine große Abhängigkeit von Medikamenten. Diese Drogenprobleme führen zum Scheitern seiner Ehe und er wurde auch noch wegen Drogenbesitzes verhaftet.

Kurz danach im März 1993 wurde der ehemalige Wrestler Dino Bravo im Alter von nur 44 Jahren erschossen in seinem Haus in Quebec aufgefunden. Man geht von einem Mafia-Attentat aufgrund illegaler Zigaretten-Schmuggel aus.

Bei einem schweren Autounfall 1996 wurde der Fuß des Wrestlers bei einem schweren Autounfall so massiv zertrümmert, dass er abhängig wurde von Schmerzmitteln. Am 5. Oktober 1997 erschien er nicht zu einen Match. Die Polizei fand ihn leblos in seinem Hotelzimmer. Man stellte fest, dass er an Herzversagen gestorben war, verursacht durch seine Medikamentensucht und einer angeborenen Herzschwäche.

Am 5. Oktober 1999 kämpfte der Wrestler Darren Drozdovs gegen D-Lo Brown. Der Versuch einer Powerbomb von Brown ging schief und Drozdov landete unglücklich auf den Nacken. Als Resultat daraus zog er sich eine Querschnittslähmung zu und sitzt seit diesem Tag im Rollstuhl.

Am 1. Mai 2003 verstarb die erste Queen unter dem Wrestling-Diven Miss Elizabeth, sie war unter anderem mit „Macho Man“ Rand Savage und Lex Luger zusammen, an einem tödlichen Mix aus Alkohol und Schmerzmitteln.

Im Juli 2007 tötete der Wrestler Chris Benoit in seinem Haus erst seine seine Frau, einen Tag später sein Kind und noch einen Tag später sich selbst. Bei der Autopsie stellte man fest, dass sein Gehirn, obwohl er erst 40 Jahre alt war, den Zustand eines 85-jährigen Alzheimer Patienten hatte aufgrund der etlichen Gehirnerschütterungen im Laufe seiner Karriere.

Am 8. April 2014 verstarb James Hellwig, besser bekannt als Ultimate Warrior, an einem Herzinfarkt aufgrund von Arterienverkalkung. Man darf sich jedoch auch hier fragen, ob die Probleme mit seinem Herzen nicht von Steroide und anderen Drogen aus seiner Vergangenheit her rühren. Das ist jedoch Spekulation.

Fakt ist jedoch, dass es Tote beim Wrestling gab und sei es durch die verschiedensten unglücklichem Umstände wie zum Beispiel bei Owen Hart, der 1999 bei einem Stunt vom Hallendach tödlich verunglückte.

Und was kaum jemand weiß und leider auch nicht bekannt ist: Auch in Europa gab es Unglück, Leid und Tod unter Wrestlern, wie die nachfolgende Geschichte erzählen wird.

Nacht

Es war Nacht.

In dem alten Gym war es dunkel. Nur das helle Licht des Vollmondes schien durch die länglichen, schmalen, dreckigen, teilweise zerbrochenen Fenster weit oben nah unter dem Hallendach. Das diffuse Licht des Mondes beleuchtete ein altes Wrestling-Plakat aus den 1980ern. Es war ein Plakat der EWE, der Extreme Wrestling Europe, und zeigte den damaligen Star „Red Russian“, zu seiner damaligen Zeit ein gehasster Bösewicht, ein Heel, weil er den bösen Russen, den kommunistischen Erzfeind repräsentierte. Doch wie vieles in dieser Welt des Wrestling war auch das mehr Schein als Sein. Denn eigentlich kam der Rote Russe aus Belgrad im damaligen Jugoslawien, dem heutigen Serbien. Nur wegen seines kaukasischen Aussehens wurde er als Russe verkauft. Man brauchte ja einen Bösewicht, damit die Fans was zum Ausbuhen und Hassen hatten.

Solch einen Traum hatte auch Tarek. Ähnlich wie der Rote Russe, sein Vorbild von damals, wollte auch er ein großer Star im Showbiz des Wrestling werden. Er sollte als „Angry Arab“ aus Damaskus in Syrien auftreten, weil er halt arabisch aussah, so als Türke, und man ja wieder einen Heel, einen Bösewicht, brauchte. Dabei kam Tarek ursprünglich aus Berlin-Neukölln und wollte heraus dort aus dem Elend, hier das große Geld verdienen und seinen Traum leben. Er hatte schon so ein komisches, mulmiges Gefühl den ganzen Tag über gehabt und wollte eigentlich auch heute Abend nicht hierher kommen zu diesem Treffen.

Doch nun lag Tarek da auf dem dreckigen, staubigen Hallenboden dieser alten, verlassenen Wrestling-Schule in Swords nahe Dublin, Irland.

Und durch den aufwirbelnden Staub, der im diffusen Licht des Mondlichts tanzte, hörte man die schweren Schritte kräftiger Stiefel.

Kurze Zeit später brauste ein Fahrzeug mit durchdrehenden, quietschenden Reifen davon.

Die London-Show

Eine Woche später.

Die EWE tourt ständig und immer und quasi überall, um den Leuten ihren Wrestling-Zirkus zu präsentieren, die Gladiatorenkämpfe der Moderne. Panem et circenes – Brot und Spiele; wie es schon einst der römische Dichter Juvenal ausdrückte.

Auf ihrem Weg quer durch Europa war die EWE an diesem Abend auch zu Gast in London, in einer kleinen, 5.000 Zuschauer fassende Sporthalle.

Unter den ganzen Zuschauern befand sich auch Chief Inspector Adam Wright vom CID im Scotland Yard mit seinem zehn Jahre altem Sohn Alex, welcher ein großer Fan von einem der EWE-Wrestler namens „Grave Digger“ war.

Doch Wright war im Gegensatz zu seinem Sohn und all den anderen Fans nicht nur zum reinen Vergnügen in der kleinen, stickigen, miefigen Halle.

Vor vier Tagen meldete die Familie von Tarek aus Berlin ihn als vermisst. Das BKA, das deutsche Bundeskriminalamt, bat über Interpol die britischen Kollegen um Hilfe, da man ja wusste, dass er sich auf den Inseln aufhält.

Man fand ihn schließlich vor zwei Tagen in der alten Trainingshalle in Swords.

Tarek lag noch immer regungslos auf dem Boden.

Die Ärzte vor Ort stellten schließlich fest, dass sein Genick gebrochen war und somit auch seinen Tod. Außerdem fand man noch den Rest eines Hämatoms.

Man ging nun daran, Spuren zu suchen und zu sichern. Das Erste, was der Polizei besonders ins Auge stach, war ein Stiefelabdruck ähnlich Armee-Stiefeln im Staub des Hallenbodens, welcher offensichtlich nicht von Tarek stammte, da dieser, als man ihn fand, Boots mit glatter Sohle trug und somit einen solchen Abdruck nicht hätte hinterlassen können. Auch die Leute der Spurensicherung hatten keine solchen Schuhe mit solch einer Sohle getragen.

Man wusste noch nicht, ob es ein Unfall oder Mord war. Sind Zeugen für das Geschehen vorhanden? Gab es weitere Spuren außer dem Stiefelabdruck? Wie viele Spuren hatten möglicherweise der Staub und der Luftzug als auch die ersten Einsatzkräfte vor Ort durch grobe Unachtsamkeit vernichtet?

Fragen über Fragen, die sich hoffentlich bald klären werden, dachte sich Chief Inspector Wright.

Das Ergebnis der Obduktion sollte morgen vorliegen. Die Spurensicherung war heute noch einmal durch die kleine Halle in Swords gegangen, um zu schauen, ob man nicht vielleicht doch noch etwas findet, was man beim ersten Mal übersehen hatte.

»Ich geh mir mal etwas zu Essen und Trinken besorgen«, sagte Wright zu seinem Sohn, »willst du auch etwas?«

Die Frage war mehr rhetorisch gemeint, denn in Wirklichkeit wollte er sich hier schon einmal umschauen und umhören aufgrund des Fundortes in der Wrestling-Schule und der daraus resultierenden Verbindung zum Wrestling im Allgemeinen und zur EWE im Speziellen, bevor er vielleicht richtig mit den Ermittlungen anfangen müsse. Entsprechend bekam er auch nicht mehr mit, dass sein Sohn eine große Coke sowie Chips bestellte.

Wright ging an den langen Menschenschlangen der Buden vorbei zum Backstage-Bereich.

»Halt! Hier ist der Zugang für Zuschauer verboten!« brummte ihn ein grimmig dreinblickender Sicherheitsmitarbeiter an. Doch Wright zeigte nur kurz seine glänzende Marke vom Scotland Yard vor und schon lies ihn der Mann missmutig passieren.

Was ist das hier bloß für ein Chaos!, dachte sich Wright, als er das geschäftige Treiben hier im Backstage-Bereich sah. Dort waren Tontechniker an Mischpulten, Leute für das Licht und die Pyrotechnik, Leute mit Kameras und Mikrophonen, die die Sonntag-Shows der EWE immer aufzeichneten, um sie dann am nächsten Tag spät abends als Zusammenschnitt auf einem europaweit sendenden Sportsender auszustrahlen. Leute mit und am Catering und natürlich die ganzen Wrestler, die sich teilweise eben noch erbittert bekämpft hatten und nun scherzend in der gemeinsamen Umkleidekabine bei einem Ale saßen. Andere schienen sich zu duschen oder schon ihre Sachen zu packen und gehen zu wollen.

Nur einer stach aus der Masse hervor. Mit nur einem anderen Mann saß dieser Hüne von einem Kerl in einem kleinen, dunklen Raum und schien sich auf seinen kommenden Kampf vorzubereiten.

»Haha! Nicht wundern! Grave Digger ist immer so komisch drauf«, erklärte ihm David Adam, ein Wrestler, den Wright zuvor im Ring gesehen hatte und in Wirklichkeit Adam Davidson hieß. »Der verschanzt sich bei jeder Veranstaltung mit seinem Manager Wolfgang in irgendeinen kleinen dunklen Raum, hört dort etwas Musik, bereitet sich auf seinen Kampf vor, geht den Ablauf kurz mit Bill und seinem Kontrahenten durch und verschwindet dann wieder.«

William „Bill“ Drake ist der Manager der EWE und selbst ehemaliger Wrestler.

Er wirkt echt unheimlich, dachte sich Wright, und den findet Alex gut?

»Danke für die Infos«, bedankte sich Wright aufrichtig bei Adam. »Aber wie meinen Sie das mit ,geht den Ablauf kurz durch‘?«

»Haha! Na, mein Bester! Sie scheinen sich ja nicht gut auszukennen!« lachte er und verschwand.

»Halt!«, rief Wright ihm nach und zeigte seinen Ausweis. Adam drehte sich um und beim Anblick der Dienstmarke wurde sein Gesicht ernster.

»Was können Sie mir über Tarek Ay sagen?«, fragte Wright ihn.

»Nicht viel«, erwiderte Adam. »Er war ab und an hier, hat mit uns geübt und einen Job im Ring erledigt, um sich etwas Geld zu verdienen. Bill war noch dabei, ihn zu testen und ihn gegebenenfalls aufzubauen. Ansonsten ging er ähnlich wie Digger immer seinen eigenen Weg und hat wohl drüben in Irland trainiert, so weit ich informiert bin. Wenn Sie mehr wissen wollen, Sir, müssen Sie am besten Bill fragen. Aber das machen Sie besser Morgen. Die Show ist gleich zu Ende und so weit ich weiß, soll bei den letzten Kämpfen noch etwas Besonderes passieren. Der steht also derzeit unter Hochspannung und will da nie gestört und angesprochen werden. Aber wieso fragen Sie nach Tarek?«

»Nur so«, antwortete Wright. Solange er noch keine genaueren Informationen zum Tod von Tarek hatte, wollte er auch so wenigen wie möglich sagen, dass er verstorben war. »Aber was meinen Sie nun schon wieder mit ,einen Job im Ring erledigt‘?«

Adam rollte mit den Augen und runzelte die Stirn. »Na, das bedeutet, dass er fürs Hinlegen bezahlt wird. Dafür, dass er gegen einen anderen Wrestler verliert, um den dann gut dastehen zu lassen.«

»Sie meinen, er sollte absichtlich verlieren?«, fragte Wright ungläubig.

»Natürlich!«, lachte Adam. »Die Kämpfe sind doch vorher alle abgesprochen. Wer wie gewinnt und welche Aktionen man so im Ring zeigt. Aber nicht weiter erzählen!«, mahnte er dann noch mit einem Zwinkern im Auge und erhobenem Zeigefinger.

Desillusioniert verließ Wright wieder den Backstage-Bereich. Er hatte sich im Gegensatz zu seinem Sohn zwar nie wirklich richtig für das Wrestling interessiert, jedoch nahm er zumindest an, dass der Bessere gewinnen würde und nicht der, der gerade irgendwie an der Reihe war.

»Hey Paps, wo ist denn die Coke und die Chips und wo ist dein Essen?«, fragte ihn Alex, als Wright wieder an seinem Platz war. »Und warum warst du denn so lange weg?«

»Äh, tut mir leid mein Sohn, aber die Schlangen waren so lang an den Buden. Ich bin dann lieber kurz aufs Klo gegangen, weil auch das nötig war.«

Gerne log er seinen Sohn nicht an, aber er wollte ihm auch nicht sagen, dass er teils beruflich hier war und ihn darüber informieren, was er eben gesehen und gehört hatte.

Vor Jahren hatte er seinen Sohn schon einmal anlügen müssen. Alex war damals vier Jahre alt, als seine Mutter plötzlich einen Schlaganfall erlitt. Er bekam das Ganze nur am Rande mit und fragte immer nach seiner Mutter und wollte sie im Krankenhaus besuchen. Wright sagte Alex damals immer wieder, seine Mutter sei bei einem Spezialisten in den USA, der versuchte, sie zu heilen. Er konnte und wollte ihm damals, einem vierjährigen Jungen, nicht die Wahrheit sagen, dass seine Mutter tot war und nie wieder zurückkommen würde.

Aber irgendwann war es dann doch so weit, dass er es nicht mehr verheimlichen konnte. Voller Wut, Zorn und Enttäuschung schlug Alex damals auf alles ein, was sich ihm in den Weg stellte. Seine kleinen Fäuste trafen auch seinen Vater. Alex hatte sich damals geschworen, nie wieder ein Wort mit seinem Vater zu wechseln ob der Lüge, da er sich seiner Ansicht nach auch nie richtig von seiner Mutter verabschieden konnte. Dass sein Vater ihn in dem Augenblick nur beschützen wollte, war ihm egal.

Nix hält ewig und nach knapp einem Jahr sprach Alex wieder mit ihm. Trotzdem schwor sich Wright damals, seinen Sohn nie wieder anzulügen. Doch eben musste er sein Versprechen mal wieder brechen in Form dieser Notlüge.

»Du hast eben was Tolles verpasst!«, sagte Alex zu seinem Vater. »,The Saint‘ hat im Ring mal wieder eine seiner nervigen Predigten abgehalten, da kam ,The White Crow‘ und hat ihm eines mit seinem Kendo-Stick übergebraten. Bill Drake hat daraufhin einen Kampf zwischen den beiden angesetzt, der gerade läuft.«

In der Tat waren im Viereck gerade zwei Männer am kämpfen, einer mit einer roten Short mit einem groß aufgedruckten goldenen Jesus-Kreuz. Der andere war weiß gekleidet mit schwarzen Schattierungen drauf und ebenso sah auch sein Gesicht aus: weiß bemalt mit schwarzen Schattierungen.

»Der mit dem Kreuz auf der Hose ist dann wohl ,The Saint’?«, fragte Wright seinen Sohn.

»Ja klar, Paps! Der andere ist ,The White Crow‘! Der ist echt cool!«

Saint hämmerte gerade Crows Kopf in die gepolsterte Ringecke, als der Ringrichter ihn anzählte. Bei Neun hörte er dann damit auf und beförderte Crow mit einem German Suplex auf den Ringboden. Der Ringrichter zählte an, aber bei Zwei bekam Crow seine Schulter hoch.

Saint setzte einen Armbar gegen den am Boden liegenden Crow an, jedoch schaffte sein Kontrahent es wieder, auf die Beine zu kommen.

Allerdings fegte Saint Crow wieder sofort mit einer Clothesline auf die Ringmatte. Nun hob er den erschöpften und kraftlos wirkenden Crow hoch und wollte zu seinem Finisher, einer Crucifix Powerbomb, ansetzen. Überraschenderweise konterte das Crow in einen Neckbreaker. Nun, wo Saint benommen am Boden lag, setzte Crow seinerseits zu seinem Finisher, den „Wings of Death“, einem Cross Face, an, in dem Saint dann abklopfen musste.

Der Ringrichter hob Crows Arm, seine Musik „Burn“ von der Band „The Cure“ wurde eingespielt und der Ringsprecher verkündete ihn als Sieger.

»Interessant! Da scheinen ja einige Aktionen auch auf den Nacken abzuzielen«, meinte Wright zu seinem Sohn.

»Klar Paps! Powerbombs, Choke Slams, Suplex und so weiter. Wrestling ist halt nicht ungefährlich und man kann sich ernsthaft dabei verletzten!«

Ja, sogar tödlich beziehungsweise getötet werden, dachte sich dann nur noch Wright.

Nachdem auch „The Saint“ die Halle verlassen hatte, verkündete der Ringsprecher den heutigen Main Event.

In einem Kampf, bei dem nur Pinfall oder Aufgabe zählt, sollte es um den EWE-European-Heavyweight-Titel gehen.

Entsprechend kam zu der Musik von „Guns N‘ Roses“ mit dem Lied „Paradise City“, angekündigt aus Moskau, Russland, unter lauter Jubel der derzeitige Titelträger der EWE Daniel Alexander zum Ring. Der goldene Gürtel um seine Hüften strahlte ob der schwarzen Hose mit einem aufgedruckten Bärenkopf drauf, die er trug, noch mal so stark.

Wie die Zeiten sich doch änderten seit den 80ern. Denn Daniel Alexander hieß eigentlich Alexander Danilow und kam wirklich aus Russland, aus Milerova. Doch im Vergleich zum „Red Russian“ der 80er, der ja ein Heel, ein Bösewicht war, war er ein so genannter Face, ein Liebling der Fans.

Dann ging das Licht aus und man hörte den tiefen, dumpfen Schlag einer Kirchenglocke. Sofort jubelten einige Fans, die anderen buhten. Denn sie wussten, dass nun zu „AC/DC“s Lied „Hells Bells“ Grave Digger in die Halle kommen würde. Für viele war er zusammen mit seinem Manager ein unsympathischer Bösewicht, ein Face. Manche fanden ihn aber trotzdem toll und jubelten ihm entsprechend zu.

Dunkel und schwarz bekleidet und dazu mit schwarzen Handschuhen stach er bei all den großen Muskelprotzen als Hüne mit seinen 6‘66 feet, angekündigt aus Blackburn in England, besonders hervor. Wie immer war auch sein Manager Wolfgang Pichler aus Unzmarkt-Frauenburg inÖsterreich mit dabei.

Nachdem der Kampf vom Ringrichter eröffnet war, begannen beide sofort mit dem Versuch eines Front Headlocks. Digger konnte das zu einem Whip-In nutzen, schickte Alexander in die Ringseile und setzte dann einen Clothesline an. Alexander sackte zusammen und als er dann am Boden lag, setzte Digger dann noch mit einem Leg Drop nach. Wright konnte so einen besseren Blick auf die Schuhe von Grave Digger erhaschen. Was für riesige Quadratlatschen, dachte er sich.

Digger stand auf, trat einmal auf seinen Gegner ein und zeigte dann noch einmal einen Leg Drop. Danach erhob er sich und packte dann seinen Kontrahenten. Mit einem gewaltigen Chokeslam feuerte er Alexander dann wieder auf die Matte. Digger wollte erneut mit einem Legdrop nachsetzten, jedoch konnte Alexander sich dieses Mal wegrollen. Benommen lagen beide Männer nun am Boden und der Ringrichter begann, sie anzuzählen. Bei Sieben kam Alexander wieder hoch, bei Neun war dann Digger auf den Beinen.

Digger wollte einen Schlag ansetzen, den Alexander jedoch abwehren konnte. Daraufhin beförderte Alexander seinen Gegner mit einem Hip Toss auf den Boden. Nun erklomm er die Ringecke und zeigte von da einen Diving Headbutt gegen den noch immer am Boden liegenden Grave Digger. Alexander versuchte nun seinerseits das erste Cover, allerdings kam Digger bei Zwei wieder hoch.

Unruhig tigerte sein Manager jetzt draußen am Ring auf und ab. Alexander zeigte sich sichtlich enttäuscht, weil sein Cover nicht den erhofften Sieg brachte. Er setzte nun einen Nerve Hold im Nackenbereich von Grave Digger an. Dieser schrie wegen der höllischen Schmerzen in seinem Trapezmuskel. Doch Pichler zog Alexander von hinten an den Füßen, sodass dieser wegrutschte und den Haltegriff lösen musste.

Der Ringrichter ermahnte den Manager von Grave Digger, lies das Match jedoch weiter laufen. Wütend stürmte Alexander nach draußen, schnappte sich Wolfgang Pichler und verpasste ihm unter lautem Jubel in der Halle einen Bodyslam auf den mit dünnen Matten ausgelegten Hallenboden. Inzwischen hatte sich auch Digger nach draußen gerollt und schlich sich von hinten an Alexander an. Er überraschte ihn mit einem Rear Nacked Choke und der Ringrichter fing an, beide Männer anzuzählen. Da Digger das Match nicht durch Auszählen verlieren wollte, löste er bei Sechs seinen Griff und glitt wieder in den Ring. Alexander folgte bei Neun, wurde jedoch sofort wieder mit einem Baseball Slide von Digger nach draußen befördert.

Ermahnt vom Ringrichter, wartete Digger nun im Ring darauf, dass der benommene Alexander sich wieder zu ihnen gesellen würde.

Alexander kroch wieder in den Ring, dieses mal jedoch Digger nicht aus den Augen lassend.

Nachdem Alexander wieder im Ring stand, wollte Digger ihn sofort wieder mit einer Clothesline von den Beinen holen. Jedoch duckte sich Alexander weg, verhakte sich in Diggers Beinen und brachte ihn so zu Fall. Er setzte in der Ringmitte zu seinem Finisher, den „Berlin Walls“, einem Boston Crab, an. Digger schrie nun wieder wegen der Schmerzen in seinen Beinen und vor allem im Rücken, versuchte aber, sich zu den Ringseilen zu robben, um sich so durch einen Griff in die Seile zu retten und im Boston Crab nicht aufgeben zu müssen.

Sich windend unter den kaum zu ertragenden Schmerzen robbte er langsam vor und war mit seinem Fingerspitzen schon fast an den Seilen, als Alexander noch einmal nachfasste und ihn zurück zog.

Erneut versuchte Digger es und dieses Mal gelang es ihm, sich in die Ringseile zu retten. Der Referee zählte Alexander kurz an, jedoch löste dieser schnell.

Digger lag nun am Boden und krümmte sich vor Schmerzen. Alexander wirkte leicht resigniert, so als wüsste er nicht weiter. Er zeigte einen Leg Drop und danach einen Double Axe Handle Blow von obersten Turnbuckle.

Dann hob er Grave Digger auf, packte ihn sich auf den Rücken und setzte zu seinem zweiten Finisher, dem „Prager Frühling“, einem Running Powerslam, an. Krachend knallte Digger auf den Boden und der Ringrichter fing an zu zählen. Eins! - Zwei! - und gerade als er zum dritten Mal seine Hand auf den Boden schlagen wollte, entdeckte er, dass Digger sein Bein und Fuß im Ringseil hatte und stoppte.

Was er nicht mitbekommen hatte, war, dass Wolfgang Pichler inzwischen wieder auf die Beine gekommen war und ein Bein seines Schützlings in die Ringseile gelegt hatte, damit dieser nicht verliert. Auch Alexander hatte das nicht mitbekommen, jedoch schaute er erbost Pichler an, da er ahnte, dass er Schuld daran haben könne, dass er noch nicht gewonnen hatte.

Erneut setzte Alexander zu seinem „Prager Frühling“ an. Dieses Mal zappelte Digger aber so lange auf seiner Schulter, bis er sich befreien konnte. Er verpasste Alexander sofort einen Reverse DDT. Auf dem Rücken liegend, rollte Digger Alexander auf den Bauch und hob ihn an, damit er zu seinem Finisher ansetzen konnte. Erneut krachte es gewaltig, als Grave Digger nun Alexander mit einen Reverse Piledriver auf den Ringboden krachen lies.

Sofort beugte sich Digger für das Cover über Alexander und der Ringrichter fing an zu zählen. Eins! - Zwei! - Und... Drei! Die EWE hatte somit einen neuen Champion und Wolfgang Pichler tanzte draußen am Ring vor Freude herum wie ein kleiner Kobold, während es etwas Konfetti von der Decke regnete und ein kleines Feuerwerk abbrannte. Dazu erklang erneut „Hells Bells“ und der Ringrichter verkündete unter Buhen und Jubeln den Sieger und neuen Champion.

»Sag mal, was war das denn zuletzt für eine Aktion?«, frage Wright seinen Sohn.

»Das nennt man Reverse Piledriver. Dabei wird der Gegner mit dem Kopf auf die Ringmatte gehämmert.«

Auch eine Aktion, bei dem leicht etwas Tödliches passieren könnte, dachte sich Wright.

Und damit verließen sie für heute die Halle und die Welt des Wrestlings.

Morgen jedoch sollte Wright in diese Welt wieder eintauchen und seine heute gewonnen Erkenntnisse vertiefen.

Im Yard

Am nächsten Tag saß Wright schon gleich früh morgens in seinem CID-Büro des Yards. Hier im Crime Investigation Department war man auf die Lösung solcher Fälle wie den um Tarek spezialisiert.

Nichtsdestotrotz standen derzeit erst noch etliche offene Fragen im Raum, von denen sich hoffentlich einige klären würden, wenn er heute endlich das Ergebnis der Obduktion und der erneuten Spurensuche bekommen würde.

Gerade, als er zu seiner Tasse Tee ansetzen wollte, klopfte es an der Tür.

»Herein!«, rief er.

Es war ein Constable, der das Obduktionsergebnis der Gerichtsmedizin brachte.

Seinen Tee trinkend las er, dass Tarek an den Folgen eines Genickbruchs gestorben war, sehr wahrscheinlich vorletztes Wochenende.