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Die Winterkälte hat die ehemalige Garnisonsstadt fest im Griff. Wie an jedem Tag dreht der junge Postbote Theodor Berwalt seine Runde. Am Stadtkanal findet er bei einer Zustellung die Leiche von Alfred Pagel. Kaum hat die Polizei ihre Ermittlungen aufgenommen, gerät Theodor in Verdacht, Pagel ermordet zu haben. Dem Postboten eilt seine Freundin Gisela zu Hilfe, die als Stenotypistin im Polizeipräsidium arbeitet. Gemeinsam begeben sich Theodor und Gisela auf Mörderjagd …
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Seitenzahl: 351
Veröffentlichungsjahr: 2019
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Hanna C. Bergmann
Potsdamer Ganoven
Kriminalroman
Potsdam, Januar 1924 Postbote Theodor Berwalt trotzt der Kälte. Den Feierabend vor Augen eilt er mit dem letzten Päckchen in der Hand auf das Haus von Alfred Pagel zu. Die Tür ist offen und so tritt er ein. Im Hausflur entdeckt Theodor die auf dem Boden liegende Leiche des Kaufmanns und verständigt die Polizei. Kaum haben die Beamten ihre Ermittlungen aufgenommen, gerät Theodor unter Verdacht, in kriminelle Machenschaften verstrickt zu sein. Sein verhasster Bruder, ein hoher Beamter bei der Potsdamer Polizei, ist ihm keine Hilfe, im Gegenteil. Dafür setzt sich Theodors Freundin Gisela, Stenotypistin im Potsdamer Polizeipräsidium, derart engagiert für ihn ein, dass sie Gefahr läuft, in den Fokus der Ermittlungen zu geraten. Nach einem Gespräch mit seiner Mutter, die ihm ein Familiengeheimnis enthüllt, ist Theodor kaum in der Lage, einen klaren Gedanken zu fassen. Doch zum Glück hat er Gisela. Sie ist gewitzt und setzt alles daran, die Unschuld ihres Freundes zu beweisen.
Hanna C. Bergmann heißt eigentlich Karin Joachim. Sie wurde in Bonn-Bad Godesberg geboren und lebt seit über 20 Jahren im Ahrtal. Die studierte Germanistin und Anglistin sowie ehemalige Leiterin eines archäologischen Museums ist heute als freiberufliche Autorin tätig. In ihrer Freizeit ist Karin Joachim mit ihrem Border Terrier unterwegs, mit dem sie die Natur erkundet. Besonders gerne besichtigt sie historische Orte sowie Parks und Gärten im In- und Ausland.
www.karinjoachim.de
www.lovelybooks.de/autor/Karin-Joachim/
Bisherige Veröffentlichungen im Gmeiner-Verlag:
Johannisglut (2019)
Domschattenträume (2018)
Bittertrauben (2018)
Krähenzeit (2016)
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© 2019 – Gmeiner-Verlag GmbH
Im Ehnried 5, 88605 Meßkirch
Telefon 0 75 75 / 20 95 - 0
Alle Rechte vorbehalten
1. Auflage 2019
Lektorat: Sven Lang
Herstellung: Julia Franze
E-Book: Mirjam Hecht
Umschlaggestaltung: U.O.R.G. Lutz Eberle, Stuttgart
unter Verwendung eines Fotos von: © ullstein bild
Druck: CPI books GmbH, Leck
Printed in Germany
ISBN 978-3-8392-6074-6
Personen und Handlung sind frei erfunden.
Ähnlichkeiten mit lebenden oder toten Personen
sind rein zufällig und nicht beabsichtigt.
Theodor Berwalt: Postbote
Walter Berwalt: Theodors älterer Bruder, Polizeiinspektor
Hermine Berwalt: Theodors Mutter, verwitwet
Gisela Fink: Schreibkraft im Polizeipräsidium
Otto Fink: Giselas Vater, Garteninspektor
Alice Fink, geb. von Sommerburg: Giselas Mutter
Alfred Pagel: Kaufmann
Dora Pagel: Seine Frau, Näherin
Maria Rogge: Theodors Vermieterin
Kurt Steinke: Wachtmeister, Theodors Freund
Martin Stoewer: Kriminalkommissar
Wilhelm von Ratzkow: Kriminaloberkommissar
Ernst von Litz: Polizeirat
Dr. August Schnellwind: Kreisarzt
Bruno Wuttke: Kriminalkommissar
Julius Gebhard: Berliner Kommissar
Oswald Neuber: Oberbriefträger
Werner Wusel: Reporter
Artur Tiede: Ehemaliger Luftschiffkapitän
Ulrich Meller: Buchhändler
Pauline Jagusch: Plätterin
Ilse Deuser: Hutmacherin
*
Historische Personen
Otto Heinrich: Maler
Ernst Gennat: Berliner Kriminalkommissar
Trude Schneider: Gennats Sekretärin
*
Historische Personen, die Erwähnung finden
Henry von Zitzewitz: Polizeipräsident
Friederike Wieking: Leiterin Frauenhilfsstelle im Berliner Polizeipräsidium
Willi Hartung: Oberpostdirektor
Kurt Vossberg: ehemaliger Oberbürgermeister
Karl Richard Bissing: Geheimer Oberpostrat
Georg Potente: Gartendirektor
Es ist alles nur in meinem Kopf, sagte Theodor sich, als er wie an jedem Tag die Waisenbrücke überquerte, um auf die andere Seite des Stadtkanals zu gelangen. Heute zitterten weder seine Knie noch verspürte er den Drang, hilflos nach Luft zu schnappen. Es kam nun zwar vor, dass ihn beim Überqueren einer der Brücken keinerlei Beschwerden übermannten, doch dies blieb die Ausnahme. Denn Brücken gab es in Potsdams Straßennetz reichlich, überall in der Stadt überspannten sie die Havel und den Stadtkanal. Er glaubte zu wissen, dass diese panische Angst mit den Erlebnissen im Großen Krieg zusammenhing. Er hatte viel erlebt, damals an der Westfront. Der Kanal, über den die Waisenbrücke führte, machte genau an dieser Stelle eine Neunzig-Grad-Biegung. Von dort ging es in südlicher Richtung der Mündung in die Neustädter Havelbucht entgegen. Zurzeit war der Kanal zugefroren. Kein Kahn und kein Boot schipperten darauf durch die Stadt. Otto Heinrich hatte ihm erzählt, dass man die Kanäle früher Grachten genannt hatte, wie ihre holländischen Verwandten. Das war im vergangenen Herbst, während Theodor ehrfürchtig vor dessen Staffelei innegehalten und den farbenfrohen Pinselstrich auf der Leinwand bewundert hatte. »Kanal-Otto« – so sprachen die Potsdamer von ihm. Liebevoll meinten sie es. Denn sie stellten ihn damit auf eine Stufe mit dem italienischen Maler Canaletto, der im 18. Jahrhundert nicht nur Venedig, sondern auch das Dresdener Stadtpanorama vom Elbufer aus gemalt hatte. »Ich male am liebsten den Kanal, wenn es Winter ist«, hatte Otto Heinrich ihm einmal verraten, was Theodor gar nicht recht hatte glauben wollen. Die winterliche Trostlosigkeit sollte der Maler der bunten Herbstfarbigkeit oder der sonnigen Sommerfülle vorziehen? Vor Weihnachten hatte Theodor ihn dann tatsächlich mit seinem Skizzenblock am Kanal beobachtet. Manches Mal hatte er sogar seine Staffelei aufgestellt und mit seiner linken Hand außerordentlich schwungvoll den Pinsel über das Papier gleiten lassen. Theodor war froh, dass er im Krieg körperlich unversehrt geblieben war. Nicht auszudenken, wenn er verwundet worden wäre, ihm vielleicht sogar eine Hand oder gar ein Arm oder ein Bein fehlen würde. Vermutlich hatte er diesen glücklichen Umstand seiner Atemwegserkrankung zu verdanken, aufgrund derer er zunächst ausgemustert worden war. Erst in den letzten Kriegsmonaten hatten sie ihn als beschränkt kriegsverwendungstauglich eingezogen. Mit seiner Verpflegungskolonne war er nicht unmittelbar bis an die Westfront vorgedrungen. Gesehen hatte er allerdings genug, viel zu viel. Gehört und gesehen, gerochen und gesehen.
Gedankenverloren blickte er auf seine Hände, die das Brückengeländer fest umklammerten. Die eisige Kälte kroch in seine Handschuhe. Erst allmählich wurde er gewahr, dass er eine ganze Weile regungslos auf der Brücke gestanden hatte. Was mochten die Leute denken, wenn ihr Postbote nichts Besseres zu tun hatte, als Löcher in die Luft zu starren? Doch niemand war in der Nähe unterwegs. Wer draußen nichts zu suchen hatte, blieb im Haus oder in seiner kleinen Wohnung, hoffend, dass wenigstens eine Feuerstelle genügend Wärme spendete. Am Himmel kündigte sich bereits das Ende des Tages an. Die Umgebung wirkte in diesem fahlen Licht noch unwirtlicher, die kahlen Äste der Kastanienbäume schienen nach dem letzten Tageslicht zu greifen. Theodor ließ das Brückengeländer los und rückte den Riemen seiner Posttasche zurecht. Bis auf wenige Briefe enthielt diese heute lediglich ein Päckchen, das er nur wenige Häuser weiter zustellen musste. Das Haus konnte er von hier aus bereits sehen.
*
Noch im Hellen verließ Gisela das mehrstöckige Gebäude in der Priesterstraße, in dem es nach Aktenstaub und Linoleum roch. »Fräulein Gisela«, hatte Kriminalkommissar Martin Stoewer, die rechte Hand von Kriminaloberkommissar von Ratzkow, ihr zugeflüstert. »Sie können ruhig früher nach Hause gehen. Bei dieser Kälte werden unsere Ganoven ihre lasterhaften Triebe hoffentlich zurückhalten.« Er hatte dabei Gisela verschmitzt zugelächelt. Er wirkte so gelöst, jetzt da sein Vorgesetzter für einige Tage im Winterurlaub weilte. Gisela arbeitete noch nicht lange als Stenotypistin im Potsdamer Polizeipräsidium. Aber so viel wusste sie bereits: Wenn die Herren an der Spitze der Abteilung nicht im Hause waren, ging es um einiges entspannter zu. Überstunden hatte sie reichlich, niemand würde ihr Vorwürfe machen können, wenn sie sich an Martin Stoewers Anweisung hielt. Jetzt zählte sein Wort. Zu ihm hatte sie von Anfang an Vertrauen gefasst, vermutlich, weil er weniger militärisch auftrat als der überwiegende Teil der dort tätigen Beamten. Am meisten beeindruckte sie sein Tonfall, der sich wohltuend von der donnergrollenden Stimmgewalt derjenigen abhob, die etwas zu sagen hatten. Dabei war Martin Stoewers Stimmlage weder fistelhaft noch schrill, sondern zart und in einer gewissen Weise väterlich. Als Gisela auf die Straße trat, atmete sie genüsslich die kalte Winterluft ein, nachdem sie so lange der stickigen Luft der Amtsstube ausgesetzt war. Statt sich auf den Heimweg in die elterliche Wohnung in der Lennéstraße zu begeben, die geradewegs zum Park Charlottenhof führte, schlug sie den Weg Richtung Garnisonkirche ein, überquerte die Breite Straße, um in die Waisenstraße einzubiegen. Das Große Militärwaisenhaus sowie das Lyzeum, ihre alte Schule, in deren Räumlichkeiten sie als Mitglied des Stenografievereins Hevella regelmäßig Schreibübungen absolvierte, ließ sie links liegen und lief weiter Richtung Innenstadt, immer am zugefrorenen Kanal entlang. Plötzlich kam ihr der Gedanke an Theodor. Sie fand es recht wahrscheinlich, dass er vor nicht allzu langer Zeit hier vorbeigekommen sein musste. Sie rief sich seine tägliche Zustellrunde ins Gedächtnis, von der er ihr erzählt hatte, während sie am Ufer der Havel gesessen und die Sonne genossen hatten. Es erschien ihr gut möglich, dass er eben erst hier vorbeigelaufen war. Doch sosehr sie sich auch anstrengte, sie konnte ihn nirgendwo entdecken. Vielleicht hatte ihn gerade ein Anwohner ins Haus gebeten. Die in der Winterkälte erstarrte Plantage, der ehemalige Exerzierplatz, machte einen traurigen Eindruck, dennoch erwärmte ihre Seele die Erinnerung an ihr Gespräch, das Gisela und Theodor im vergangenen Jahr dort bei einem ihrer seltenen Spaziergänge geführt hatten. Damals waren sie sich ein wenig nähergekommen, nachdem sie sich im Frühsommer des vergangenen Jahres in der Buchhandlung in der Junkerstraße kennengelernt hatten. Damals hatte Gisela dort ein Gartenbuch für ihren Vater abgeholt. Nachdem sie bezahlt hatte, wäre sie beim Hinausgehen beinahe mit Theodor zusammengestoßen. Nur mit Mühe hatte sie das soeben erworbene Buch festhalten können, sonst wär es zu Boden gefallen. Eigentlich war es Theodor gewesen, der es noch in letzter Sekunde aufgefangen hatte. Sie hatte diesen jungen Mann gleich gemocht. Zur Entschuldigung für den Schrecken, den er Gisela eingejagt hatte, wollte Theodor sie auf einen Tee einladen, doch sie konnte diese Einladung nicht annehmen, denn ihre Eltern erwarteten sie bereits zu Hause. Damals war ihr der junge Mann nicht mehr aus dem Kopf gegangen. Doch lange musste sie nicht auf die nächste Begegnung warten, denn nur wenige Tage später führte die beiden eine glückliche Fügung des Schicksals in der Brandenburger Straße wieder zueinander.
Nun war es Winter und es gab wenig Gelegenheit, sich ganz unverfänglich zu treffen, jedenfalls ohne ihre Verabredung gleich offiziell wirken zu lassen. Denn Gisela scheute sich noch davor, ihren Eltern, vor allem ihrer Mutter, zu gestehen, dass sie mit einem Postboten ausging. Bislang hatten Gisela und Theodor noch nicht über die Art der Beziehung gesprochen, die sie pflegten, aber das schickte sich auch nicht. Die heutige Kälte ließ sie trotz ihres wärmenden Mantels und ihrer Lederstiefel frösteln, und da von Theodor weit und breit nichts zu sehen war, beeilte sie sich, in die Brandenburger Straße zu gelangen, um in einem der Warenhäuser nach einer neuen Bluse Ausschau zu halten. Das Einkaufen gestaltete sich nun wieder um einiges leichter, seitdem die Preise nicht mehrmals täglich in die Höhe schnellten und man keine Milliardenmarknoten mehr mit sich herumtragen musste.
*
Während Theodor aus dem Eingang des Eckhauses trat, ließ er seinen Blick zurück zur Waisenstraße wandern, als habe ihn eine Eingebung dazu veranlasst. Tatsächlich entdeckte er dort seine Freundin Gisela, die offensichtlich ihre Arbeit im Polizeipräsidium beendet hatte. Ob sie wohl auf dem Weg in die Buchhandlung in der Junkerstraße war, um sich mit Leseproviant für die langen Winterabende einzudecken? Zu gern hätte er seine Posttasche irgendwo abgestellt, um ihr hinterherzulaufen und den Rest des Tages mit ihr zu verbringen. Er liebte ihr warmherziges Wesen, erinnerte sich an ihre klugen Worte und an ihre zarte Gestalt, die sich unter dem dicken Wintermantel verbarg und auf die er während des Sommers das eine oder andere Mal verschämt geschaut hatte. Er dachte schon mit Grauen an seine einsame, kalte Wohnung in der Mittelstraße im Holländischen Viertel. Obwohl Wohnung zu viel gesagt war, schließlich bestand sein Reich aus gerade einmal einem Zimmer. Aber er durfte nicht klagen. Er blickte Gisela noch eine Weile nach, bis seine Posttasche ihn abermals an seine eigentliche Aufgabe erinnerte. Darin lagen nicht nur weitere Briefe, sondern auch noch das eine Päckchen. Nachdem er im nächsten Haus die Briefe in der Praxis des Hals-, Nasen-, Ohren-Arztes abgegeben hatte, eilte er zum Nachbarhaus, in dem der Kaufmann Alfred Pagel wohnte. Seit letztem Herbst häuften sich die Zustellungen. Hatte Alfred Pagel früher meist nur Briefe erhalten, so trug Theodor nun regelmäßig diese Päckchen zu ihm. Montags und dienstags füllten allein die an Alfred Pagel adressierten Sendungen seine Posttasche beinahe vollständig aus. Nachdem er die wenigen Stufen erklommen hatte, schob er die schwere Eingangstür auf. Im holzvertäfelten Hausflur mit dem gepflegten Kachelboden roch es nach Bohnerwachs und Suppe. Im Treppenhaus erklang das leise Singen einer Bewohnerin aus einem der oberen Stockwerke. Theodor hatte Fräulein Jagusch geraten, ihre Wohnungstür während des Plättens nicht offen stehen zu lassen. Aber sie hatte nur gelacht und gemeint, dass ihre Kunden nicht jedes Mal klopfen müssten und sie das Bügeleisen keinen Moment unbeaufsichtigt lassen wolle, um zur Tür zu laufen. Aus Berlin hörte man ja dies und das, von Überfällen am helllichten Tag war immer wieder in der Zeitung zu lesen, gab Theodor zu bedenken. Doch auch diese Warnung hatte Fräulein Jagusch ungehört verhallen lassen. Theodor schüttelte besorgt den Kopf, konnte jedoch nicht umhin, einer Weile der klaren Singstimme zu lauschen. Er war viel zu viel allein, dachte er bei sich.
Die Tür zur pagelschen Wohnung war nur angelehnt. Etwas lag zwischen dem Türblatt und dem Holzrahmen. Theodor betätigte den Lichtschalter im Flur und erschrak. Denn das Etwas entpuppte sich als Alfred Pagels Fuß, der verhinderte, dass sich die Tür vollständig schließen ließ. Theodor hielt kurz inne, lauschte. Der Gesang war verstummt. Beherzt öffnete er die Tür vollständig, ahnend, dass ihn nichts Gutes erwarten würde.
Vor ihm lag Alfred Pagel auf den Dielen, bewegungslos, mit dem Gesicht nach unten.
»Herr Pagel, kann ich Ihnen helfen?«, fragte Theodor. Seine Posttasche glitt von seiner Schulter und landete auf dem Boden, während er sich über den regungslosen Körper beugte. Theodor erkannte eine nicht allzu große Blutlache. Sie stammte aus einer Wunde an Pagels Kopf. Blut. Immer wieder Blut! In seinem Leben hatte er schon so viel Blut gesehen. Hatte er denn niemals wieder davor Ruhe? Reichte es nicht, dass er ständig davon träumte? Theodor bekam kaum Luft und musste sich am Türrahmen festhalten. Aus der Wohnung der bügelnden Mieterin drang ein neues Liedchen zu ihm. Vielleicht lebte der Kaufmann ja noch. Theodor nahm all seine Kraft zusammen und hockte sich neben ihn. Mit einem Finger schob er vorsichtig den Kragen des Gehrocks zur Seite. Mit der anderen Hand versuchte er, den Kopf zu sich zu drehen, um einen Blick in sein Gesicht zu erhaschen und zu überprüfen, ob er noch atmete. Doch er ließ sich nicht bewegen. Totenstarre nannte man das. Plötzlich war Theodor ganz ruhig. Neugier und Wissensdurst überkamen ihn. Er fuhr mit seinen behandschuhten Händen an den Armen des Toten herab und bemerkte, dass sich die Handgelenke noch bewegen ließen. Er zog seinen rechten Handschuh aus und berührte die Haut. Sie fühlte sich kühl, jedoch nicht kalt an. Die Blutlache irritierte Theodor. Was war geschehen? Ein Unfall, oder hatte Herr Pagel Blut gespuckt? Sollte er einen Arzt rufen oder doch gleich die Polizei informieren? Allmählich wurde Theodor mulmig zumute. Denn es gab ja noch eine andere Möglichkeit. Man las und hörte so viel … Aber solche Sachen passierten nicht hier in Potsdam, sondern in Berlin. Aber was, wenn doch? Was, wenn der Kaufmann ermordet worden war? Hielt sich der Mörder vielleicht noch in der Wohnung auf? Theodor verspürte ein leises Frösteln. Ein kalter Hauch zog an ihm vorbei. Erst jetzt bemerkte er, dass kalte Luft aus dem Korridor in die Wohnung strömte.
Theodor richtete sich auf und streifte seinen Handschuh wieder über. Dabei versuchte er, sich so viele Details wie möglich einzuprägen. Er haderte mit sich, ob er sich in der Wohnung umsehen sollte, aber das schien ihm zu riskant. Wie sollte er ein solches Handeln erklären? Schlimmstenfalls verdächtigte man ihn des Mordes, bestenfalls würde man ihm unterstellen, den armen Mann nach seinem Tod ausrauben zu wollen. Auf dem Schreibtisch im Nebenzimmer entdeckte Theodor einen Telefonapparat. Er entschied sich jedoch dazu, persönlich zum Polizeirevier in der Charlottenstraße zu laufen. Sollte er vorher noch jemandem aus dem Haus Bescheid geben? Bis auf die bügelnde und singende Witwe kannte er jedoch keinen der anderen Mieter gut genug, um ihn ins Vertrauen zu ziehen. Und Fräulein Jagusch konnte und wollte er mit dem Anblick des toten Alfred Pagel nicht konfrontieren. Sie tat sorgloser, als sie es vermutlich war. Er zog die Wohnungstür so weit zu, wie es möglich war, und verließ das Haus. Erst als Theodor auf die Straße trat, bemerkte er, dass er seine Posttasche vergessen hatte, die noch neben dem Toten auf dem Boden stand.
*
In der Brandenburger Straße war kaum ein Mensch unterwegs. Der Wind wehte Gisela weniger scharf ins Gesicht als noch eben. Dafür lag nun Schneeduft in der Luft. Diese ganz spezielle Schneefeuchtigkeit legte sich auf ihre Haut und die Luft hinterließ beim Einatmen nicht mehr dieses Kältegefühl, das in den Bronchien schmerzte. Gisela hatte zunächst im Warenhaus Hirsch nach einer Bluse gesucht, war jedoch nicht fündig geworden. Keineswegs entmutigt setzte sie ihren Einkaufsbummel fort, zu verlockend empfand sie die Preise des Inventurverkaufs. Weiter zum Warenhaus Lindemann. Wie eben im Kaufhaus Hirsch war sie auch hier fast die einzige Kundin. Lediglich eine weitere Frau, die Gisela auf Mitte dreißig schätzte, beschäftigte sich eingehend mit den dargebotenen Kleidungsstücken. Obwohl es in den Räumlichkeiten wohltemperiert war, zog die Frau ihren Mantelkragen immer wieder bis zu den Ohrläppchen hoch. Die Frau, die zudem eine Wollkappe auf dem Kopf trug, musste frieren. Nach längerem Suchen fand Gisela eine Baumwollbluse für knapp drei Rentenmark sowie abgefütterte beige Stoffhandschuhe in der Farbe ihres Mantels für neunzig Pfennig. In der Haushaltswarenabteilung erstand sie außerdem eine Isolierflasche für eine Rentenmark und zehn Pfennig. Darin würde sich der Tee, den sie mit ins Polizeipräsidium nahm, länger warm halten als in der alten Kanne ihrer Mutter. Als Gisela ihre Einkäufe bezahlt hatte, verschwand die Frau mit der Wollkappe gerade in einer der Umkleiden.
Draußen war es dunkel geworden. Dem Licht der Laternen in der Brandenburger Straße gelang es kaum, sich gegen die allabendliche Finsternis durchzusetzen. Zu allem Überfluss hatte es jetzt zu schneien begonnen. Nicht stark, aber doch ausreichend, um der Haut feuchtkalte Nadelstiche zu versetzen. Gisela drückte die Papiertasche mit den Einkäufen und ihre Stofftasche an sich. Der Fußweg nach Hause in die Lennéstraße kam ihr plötzlich unendlich lang vor. Sie hatte gerade das Brandenburger Tor erreicht und wollte hinüber zum Luisenplatz laufen, als neben ihr ein Automobil anhielt. Sie erkannte den Fahrer im Dunkeln nicht, sehr wohl aber dessen Gefährt.
*
Theodor musste nur einmal um den Häuserblock herumgehen, um zum Polizeirevier in der Charlottenstraße zu gelangen. Doch schon in der Waisenstraße kam ihm der Polizeiwachtmeister im Straßendienst entgegen. Missmutig drehte er seine Runde durch die kalte Winterluft. Als er Theodor bemerkte, grüßte er freundlich. Er war nur wenige Jahre älter als der Postbote. Die beiden Männer kannten sich recht gut. Kurt hatte einige Jahre vor Theodor das Abitur im Viktoriagymnasium abgelegt, kein Notabitur so wie er.
»Das ist aber nicht deine normale Runde«, bemerkte Kurt Steinke und klopfte Theodor auf die Schulter. »Wohin des Weges?«
»Zu euch«, antwortete Theodor.
»Du meinst, zum Polizeirevier? Ist etwas passiert, das du melden möchtest?«
»Das kann man wohl sagen«, entgegnete Theodor und kehrte um. »Komm mit …« Er war erstaunlich ruhig. »Alfred Pagel ist tot.«
»Der Kaufmann aus der Straße Am Kanal?«
»Ja, so ist es.« Sie hatten das Eckhaus an der Waisenstraße erreicht.
»Du hast ihn gefunden, als du ihm die Post zustellen wolltest«, kombinierte Kurt Steinke.
Theodor nickte. Das Päckchen, es befand sich immer noch in seiner Posttasche, die er wieder mit sich trug. Er hatte sie unmöglich neben dem Toten stehen lassen können.
»Ist er … Gibt es Hinweise darauf, dass er Opfer eines Verbrechens geworden ist?«, fragte der Wachtmeister, während sie die Stufen zum Eingang emporstiegen.
»Hm«, murmelte Theodor leise und ließ Kurt Steinke beim Hineingehen ins Haus den Vortritt. Das Korridorlicht brannte noch. Der Wachtmeister schob die Tür zur Wohnung der Pagels auf. Theodor Pagels Körper lag immer noch genauso da, wie Theodor ihn eben verlassen hatte. Offensichtlich hatte keiner der anderen Mieter etwas von den Geschehnissen im Erdgeschoss mitbekommen. Theodor konnte noch nicht einmal sagen, wer sich gerade überhaupt außer der Plätterin im Haus aufhielt.
»Ah, das ist wohl eindeutig«, stellte Kurt Steinke fest, nachdem er um den Toten herumgegangen war und ihn hier und dort berührt hatte. »Das ist doch würdelos, wie er da liegt. Ich würde ihn ja gerne vom Boden heben, aber das dürfen wir nicht mehr«, sagte er, während er seine Mütze abnahm und sich am Kopf kratzte. »Das ist nun eine Angelegenheit für die Kriminalpolizei.«
Theodor war in der Tür stehen geblieben. Mit einem Auge schaute er zum Treppenaufgang, hoffend, dass Fräulein Jagusch nicht gerade jetzt das Haus verlassen wollte.
»Telefon?«, fragte Kurt.
»Ich meine, da hinten im Arbeitszimmer bei einem meiner früheren Zustellungen ein Telefon gesehen zu haben.«
Der Moment schien Theodor günstig zu sein. »Brauchst du mich noch?«, fragte er. Er wollte einerseits nicht zu spät zum Postgebäude zurückkehren, wo sicherlich schon Oberbriefträger Neuber mit griesgrämigem Gesicht auf ihn wartete. Andererseits wollte er mit der Kriminalpolizei möglichst nicht in Berührung kommen. Nicht, dass er etwas zu verheimlichen hätte. Natürlich würde sein Name in Kurt Steinkes Bericht vorkommen, aber er wollte um alles in der Welt vermeiden, mit seinem Bruder zusammenzutreffen. Sein Bruder, Walter Berwalt, war neuerdings die rechte Hand von Polizeipräsident von Zitzewitz.
»Mir wäre es recht, wenn du noch eine Weile bleibst«, antwortete Kurt Steinke pflichtbewusst und verschwand im Arbeitszimmer des Toten.
Theodor blieb im Flur stehen. Er überlegte, was er tun würde, um mehr über die Todesumstände in Erfahrung zu bringen. Welche Art der Verletzungen würde man feststellen, wenn man ihn näher untersuchte? Gab es einen Gegenstand, mit dem man dem Opfer diese beigebracht hatte? Eine Waffe möglicherweise? Er war versucht, sich in der Wohnung umzusehen, da kam Kurt Steinke zurück.
»Sie kommen gleich.« Theodor äugte besorgt zur Haustür, in der vermutlich binnen Kurzem sein verhasster Bruder auftauchen würde. Seit Theodors überstürztem Auszug aus dem elterlichen Haus am Pfingstberg hatten sich die Brüder nicht mehr wiedergesehen. Bei der Vorstellung, ihm unter diesen Umständen zu begegnen, ausgerechnet an einem Tatort, wurde ihm ganz übel. Wenn er jetzt bloß keinen Anfall bekam. Da das Polizeipräsidium nur wenige Hundert Meter vom Haus am Kanal entfernt lag, vergingen tatsächlich nur wenige Minuten, bis die Kriminalpolizei anrückte. Doch statt einer ganzen Schar betrat nur ein einziger Beamter den Hausflur, und das war nicht sein Bruder. Der Beamte stellte sich als Kriminalkommissar Martin Stoewer vor. Augenblicklich fühlte sich Theodor besser. Denn über den Kriminalkommissar hatte ihm Gisela nur Gutes zu berichten gewusst. Doch allzu sehr in Sicherheit wiegen durfte sich Theodor nicht. Immerhin galt es als wahrscheinlich, dass sein Bruder Walter bald zu ihnen stoßen würde. Aber vielleicht ließ man ihn vor dessen Eintreffen bereits gehen. Theodor seufzte leise.
»Ich fertige einige Fotografien an, dann erzählen Sie mir alles in Ruhe«, wandte sich Martin Stoewer an Theodor. Er stellte seinen Lederkoffer ab, aus dem er einen Fotoapparat und eine Vorrichtung für den Blitz entnahm. Diese drückte er sogleich Wachtmeister Steinke in die Hand, dessen Gesichtsausdruck ein gewisses Befremden erkennen ließ.
»Sie haben doch schon einmal der Kriminalpolizei assistiert, nicht wahr?«, fragte Stoewer freundlich.
»Schon, nur …«, antwortete der Wachtmeister.
»Sie brauchen keine Angst vor dem Blitz zu haben. Ich erkläre Ihnen alles … Zuvor möchte ich jedoch noch den Kreisarzt anrufen. Wo …?«
»Im Arbeitszimmer, hinten«, antwortete Kurt Steinke und blickte verwundert, als der Kriminalkommissar ihm nun auch noch den Fotoapparat in die Hand drückte. Als der Beamte in Pagels Arbeitszimmer verschwunden war, fragte Theodor: »Weißt du, was ich seltsam finde?«
»Nein«, antwortete Kurt Steinke. Er fühlte sich offensichtlich gerade nicht wohl in seiner Haut.
»Dass seine Frau noch gar nicht zu Hause ist.«
»Seine Frau? Ja richtig. Diese hübsche Frau, die so viel jünger ist als er.«
»Sie sagte mir neulich erst, dass es gerade nicht viel Arbeit in der Filmfabrik gebe und sie deshalb einige Tage Urlaub bekommen habe«, berichtete Theodor. »Wo ist sie also?«
»Na, dann macht sie vielleicht einen Stadtbummel oder schaut sich einen Film im Lichtspieltheater an«, entgegnete Kurt.
»Bei der Kälte? Ein ausgiebiger Stadtbummel? Ein Besuch im Lichtspieltheater mitten in der Woche? Aber ja, vielleicht ist sie in Berlin …«, überlegte Theodor.
Der Kriminalkommissar kam zurück. »Der Kreisarzt wird bald zur Leichenschau hier sein. Seine Herrenrunde wird er heute wohl ausfallen lassen müssen.« Martin Stoewer lächelte vielsagend. »Nun zu unserem Vorhaben …« Er wollte gerade mit Wachtmeister Steinke den weiteren Ablauf besprechen, als Schritte auf der nach oben führenden Holztreppe zu hören waren. Auf leisen Sohlen schlich die singende Plätterin Stufe um Stufe nach unten. Theodor eilte ihr entgegen. Er wollte ihr den Anblick des toten Hausbewohners ersparen.
»Wat is ’n los?«, flüsterte Fräulein Jagusch, als Theodor sie erreicht hatte.
»Ein Polizeieinsatz. Am besten, Sie gehen wieder nach oben in Ihre Wohnung.«
»Is da jemand … tot?«, fragte sie mit geweiteten Augen.
»Gehen Sie.« Theodor griff nach ihrem Arm und versuchte, sie dazu zu bewegen, in ihre Wohnung zurückzukehren. Sie ließ es sich gefallen, obwohl sie sich von den Vorgängen im Erdgeschoss unbedingt selbst ein Bild machen zu wollen schien. Doch Theodor gelang es, sie dazu zu bewegen, seiner Bitte Folge zu leisten. Während er auf der Treppe wartete, um sicherzugehen, dass sie tatsächlich ihre Wohnung aufsuchte, erleuchtete ein greller Blitz das Treppenhaus. Theodor hatte sofort einen metallischen Geruch in der Nase und hörte oben eine Tür ins Schloss fallen.
»Danke, das war es fürs Erste«, hörte Theodor den Kriminalkommissar sagen. »Wenn wir später den Leichnam umgedreht haben, werde ich eine weitere Fotografie anfertigen. Wir brauchen noch eine Ansicht des Gesichtes. Wie es wohl aussehen mag?«
Ja, wie mochte es wohl aussehen, das fragte sich auch Theodor. Er vermutete, dass Pagels Stirn eine Wunde zierte.
»Und nun zu Ihnen«, der Kriminalkommissar winkte Theodor herbei. »Bis der Kreisarzt eintrifft, haben wir noch ein wenig Zeit.« Martin Stoewer bückte sich und holte einen Notizblock aus seinem Koffer. »Damit wir nicht noch mehr Spuren verwischen – wie es viele meiner Kollegen vor lauter Arbeitseifer zu tun pflegen –«, fügte er flüsternd hinzu, »setzen wir uns am besten auf die Treppe.« Theodor nahm das Angebot gerne an. Denn er war müde und das Laufen durch die Kälte hatte ihn sehr angestrengt. Dazu kam noch diese unsägliche Verzögerung. Eigentlich hatte er schon längst Feierabend.
»Wir fertigen ein Protokoll an. Das wird ins Reine geschrieben und Sie können es dann morgen unterschreiben. Also …« Martin Stoewer suchte nach einer bequemen Position auf der kalten Stufe. Theodor hingegen war seine Sitzposition gerade egal. Er wollte einfach nur seine Runde beenden, seine Tasche in der Hauptpost abstellen und endlich zu Hause in sein Bett kriechen. Vielleicht noch ein warmes Bier trinken, das half ihm beim Einschlafen.
»Ihren Namen und Ihre Adresse bitte.«
»Theodor Berwalt, Mittelstraße zwei.«
»Potsdam?«
»Natürlich!«
»Telefon?«
»Das meiner Vermieterin.«
»Die Nummer?«
»Zwei, acht, vier, fünf.«
»Ihr Geburtsdatum?«
»Achter September 1900.«
»Ihr Arbeitgeber …?« Stoewer sah Theodor von der Seite an. »Oberpostdirektion. Das schreibe ich so, und Ihr Beruf ist Postbote. Telefon …«
»Vier, null, acht, eins«, antwortete Theodor.
»Danke. Gut. Und nun noch meine Fragen zu dem, was Sie beobachtet haben. Können Sie mir das mit Ihren eigenen Worten kurz schildern?« Er musste gähnen.
»Na, viel zu berichten gibt es nicht. Die vordere Haustür war nur angelehnt. Ich ging rein. Sah, dass die Wohnungstür nicht geschlossen war und dann hab ich auch schon den Fuß in der Tür gesehen. Ich habe mich dann über Herrn Pagel gebeugt, weil ich dachte, dass er noch lebt.«
»Sie haben ihn also berührt?«
»Ja.«
»Wo genau?«
»Oh, ich glaube am Arm. Und den Kragen habe ich auch gefasst. Und ja, ich habe versucht, seinen Kopf zu drehen. Aber das ging nicht …«
»Leichenstarre …«, murmelte Stoewer. »Ich notiere das. Das ist wichtig, nicht dass man Sie später noch für den Mörder hält.«
»Mörder?«, fragte Theodor. »Also kein Unfall?« Er hatte es geahnt.
»Das wissen wir noch nicht. Der Kreisarzt wird uns hoffentlich bald aufklären können, was genau geschehen ist«, antwortete Stoewer.
Wieso sagte der Kriminalkommissar dann so etwas, wenn man noch gar nicht wusste, wie Alfred Pagel zu Tode gekommen war? Wenn es ein Scherz gewesen sein sollte, dann ein schlechter, dachte Theodor.
»Bist du nicht sonst immer viel früher dran?«, mischte sich plötzlich Kurt ein.
Theodor zuckte zusammen. »Ja, das stimmt. Aber ich habe heute eine doppelte Zustellrunde gehabt. Mein Kollege liegt mit Fieber und Grippe im Bett.«
»Das heißt, Sie wären sonst viel früher hier gewesen? Wann ungefähr?«, fragte Stoewer nachdenklich.
»Ich kann das schlecht sagen, es hängt immer von der Menge der Briefe und Päckchen ab, vielleicht eine Stunde, vielleicht auch zwei …«, antwortete Theodor. Nun musste auch er gähnen.
»Das könnte wichtig sein.« Stoewer notierte Theodors Angaben in sein Notizbuch. »Nur noch eine Frage, dann können Sie gehen: Ist Ihnen sonst noch etwas aufgefallen? Vielleicht draußen auf der Straße?«
Theodor musste die Frage verneinen, worauf der Kriminalbeamte ihn entließ. Als Theodor schon beinahe auf der Straße stand, öffnete sich hinter ihm noch einmal die Tür.
»Kommen Sie bitte morgen ins Präsidium, um das Protokoll zu unterschreiben?«
»Ich weiß nicht, wann ich morgen Dienstschluss haben werde«, antwortete Theodor müde.
»Ich werde Ihren Vorgesetzten anrufen, damit er Ihnen dafür frei gibt.«
»Oh, das wäre sehr freundlich«, murmelte Theodor, bedankte sich und lief weiter die Straße Am Kanal entlang, um seine Arbeit zügig zu beenden. Es hatte zu schneien begonnen.
*
Obwohl der Weg vom Luisenplatz nach Hause nicht weit war, konnte Gisela ihre Dankbarkeit über das Angebot ihres Nachbarn, sie im Automobil mitzunehmen, kaum in Worte fassen. Herr Tiede, der ihr einen Heimweg durch das Schneegestöber ersparte, war hochdekorierter Luftschiffkapitän. Allerdings bereits seit einigen Jahren ohne Anstellung. Den unmittelbar an der Havel gelegenen Luftschiffhafen gab es nicht mehr, die weltgrößte Luftschiffhalle war nach dem Großen Krieg aufgrund der Forderungen des Versailler Vertrages abgerissen worden. Gisela erinnerte sich noch gut an ihre Jugend. Auch wenn die Potsdamer an den Anblick gewöhnt waren, so hatte Gisela jedes Mal mit geweiteten Augen in den Himmel gestarrt, wenn der Zeppelin Hansa wieder in Sichtweite kam.
»Haben Sie damals die Hansa geflogen?«, fragte Gisela, während Herr Tiede sein Automobil über den Luisenplatz lenkte.
»Ja«, murmelte dieser mit einer sonoren Stimme.
»Und was machen Sie nun?«, wollte Gisela wissen. »Ich meine …« Ihr kam in den Sinn, dass sie Herrn Tiede mit ihrer Frage möglicherweise in Verlegenheit brachte. Doch dieser ließ sich keine Gefühlsregung anmerken: »Ich halte Vorträge im In- und Ausland. Die Amerikaner interessieren sich für unsere Technik. Aber nun zu Ihnen, Fräulein Fink.« Er steuerte den Wagen in die Lennéstraße.
»Was meinen Sie?«, fragte Gisela verunsichert.
»Gefällt es Ihnen im Polizeipräsidium?«
»Ja, schon.«
»So?«
»Doch, doch.«
»Ich kenne Sie ja nun schon seit Kindertagen. Sie waren immer so fleißig und die Schule haben Sie doch ebenfalls mit guten Noten abgeschlossen, wie mir Ihre werte Frau Mutter neulich erst berichtete. Stenografie …«. Der ehemalige Luftschiffkapitän Tiede stellte das Automobil am Straßenrand ab. Sie hatten ihr Ziel erreicht. Doch er machte keine Anstalten, auszusteigen.
»Ich verstehe nicht …« Natürlich wusste Gisela, worauf er hinauswollte. Doch aus dem Mund eines älteren Mannes, den sie nur als Nachbarn kannte, wirkte diese Bemerkung befremdlich.
»Ich habe die Welt gesehen, habe mit vielen Wissenschaftlern gesprochen. Ich schätze die Gespräche mit den wenigen weiblichen unter ihnen sehr. Frauen haben heutzutage doch andere Möglichkeiten. Nutzen Sie diese.«
Für eine Weile war Gisela sprachlos. Wollte er ausdrücken, dass sie ihr Leben vergeudete? Eine Anstellung im Polizeipräsidium hätten sich viele ihrer ehemaligen Mitschülerinnen gewünscht. Doch sie konnte ihrem Nachbarn nicht böse sein, sprach er doch genau das an, was sie im Innersten ebenfalls umtrieb. Dennoch wollte sie ihm lieber nicht offenbaren, dass er einen wunden Punkt bei ihr getroffen hatte. »Aber ich bin doch zufrieden«, entgegnete sie. Nicht dass er sie im Auftrag eines der Beamten, für die sie arbeitete, aushorchen wollte, um zu erfahren, wie weit es um ihren Arbeitseifer bestellt war. Er kannte sie sicherlich doch alle, aus einem Herrenklub oder von einem der Bälle.
»So?«, fragte Herr Tiede mit seiner sonoren Stimme. Er erinnerte sie in seiner ganzen Art an ihren Großvater.
»Außerdem wird es seit dem Erlass der Personalabbauverordnung für uns unverheiratete Frauen immer schwieriger«, gab sie zu bedenken. Sie hatte Vertrauen zu ihm gefasst.
»Ah, ich sprach mit Kollegen über diese Verordnung. Anfangs wollte man ja nur den Beamtenapparat verschlanken, aber nun hat man die Verordnung auf die Angestellten ausgeweitet.«
So war es. Deshalb wollte Gisela sich auch nicht anmerken lassen, dass sie von einer anderen beruflichen Laufbahn träumte. Wie genau diese aussah, wusste sie allerdings selbst noch nicht.
»Ihre Eltern warten sicherlich schon auf Sie«, sagte Herr Tiede und beendete die Unterhaltung. Er stieg aus, ging um sein Automobil herum und öffnete die Seitentür. Trotz seines Alters war er immer noch ein äußerst attraktiver Mann, wie Gisela im Dämmerlicht der Laternen feststellen musste. Nachdem er den Wagen verschlossen hatte, begleitete er Gisela bis zum Eingang des Mehrparteienhauses, in dem sie und ihre Eltern wohnten.
»Haben Sie schon einmal in Erwägung gezogen zu studieren?«, fragte er, während er sich zum Gehen wandte, um zum Nachbarhaus zu gelangen. »Ich wünsche Ihnen einen angenehmen Abend.«
»Danke, Ihnen ebenfalls. Und danke, dass Sie mich im Automobil mitgenommen haben«, rief Gisela ihm hinterher. Herr Tiede drehte sich noch einmal um und führte seine Hand zum Gruß an seine Hutkrempe.
Eine Antwort auf seine Frage war sie ihm schuldig geblieben. Sie und studieren?, dachte sie, als sie im Hausflur das Licht anknipste. Hinter ihr fiel die Haustür mit einem dumpfen Geräusch ins Schloss, beinahe so, als sollte ihr Gedanke damit mehr Gewicht erhalten.
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Seine Tasche über der Schulter zurechtrückend stapfte Theodor weiter. Als er den großen Briefumschlag herauszog, der an den Herrn im Parterre des Hauses Nummer 24a adressiert war, berührte seine Hand das Päckchen für Alfred Pagel. Er wusste augenblicklich, dass es ein Fehler war, es nicht gleich der Polizei übergeben zu haben. Doch als er innehielt, um umzukehren, hörte er hinter sich ein Automobil herannahen. Langsam drehte Theodor seinen Kopf und sah, dass es vor dem Haus der Pagels anhielt. Er tat unbeteiligt und eilte in den nächsten Hauseingang. Sein Herz schlug schneller, seine Atemwege verengten sich, als er seinen Bruder Walter unter den Männern entdeckte, die aus dem Fahrzeug stiegen. Bald schon würde Walter wissen, dass er es war, der den Toten aufgefunden hatte. Sein Name stand schwarz auf weiß im Polizeiprotokoll. Er hatte so sehr gehofft, seinem Bruder für alle Ewigkeit aus dem Weg gehen zu können. Bisher hatte es auch funktioniert. Aber dieser späte Nachmittag könnte alles ändern, der Ärger würde von Neuem beginnen. Theodor konnte es förmlich spüren, dass Walter diese Gelegenheit nutzen würde, ihm etwas in die Schuhe zu schieben, nur um ihn zu quälen. Ihm war alles zuzutrauen, seitdem … Theodor überzeugte sich davon, dass Walter wirklich im Haus am Kanal verschwunden war und wagte sich schließlich aus seiner Deckung. Bevor neues Ungemach verkörpert durch den strengen Oberbriefträger über ihn hereinbrach, beeilte sich Theodor, die letzten Briefe zuzustellen. Für eine Übergabe des Päckchens an die Polizei war es jetzt zu spät. Er wollte es morgen früh im Polizeipräsidium abgeben, wohin er ja ohnehin einbestellt worden war, und sein Versäumnis mit dem Schock beim Anblick der Leiche erklären. Da sah er eine Frau um die Ecke an der Einmündung der Hoditzstraße biegen. Sie hatte ihre Wollkappe tief ins Gesicht gezogen und kam direkt auf ihn zu. Während sie Theodor passierte, ohne auf ihn zu achten, versuchte er, ihr Gesicht zu erkennen. Doch es gelang ihm nicht. Er konnte nicht anders, als sich nach ihr umzudrehen und ihr nachzublicken. Wenige Meter vor dem Haus der Pagels hielt die Frau plötzlich inne und betrachtete die am Straßenrand abgestellten Automobile. Jetzt war Theodor auch bewusst, mit wem er es zu tun hatte. Um sie zu warnen, war es zu spät, denn schon drückte Frau Pagel die Klinke der Eingangstür herunter und verschwand im Innern des Gebäudes. Theodor sah zu, dass er fertig wurde und seine heutige Zustellrunde zu Ende brachte.
Mit kalten Gliedern und knurrendem Magen erreichte er das mächtige Gebäude der Hauptpost. Von Oberbriefträger Neuber war keine Spur. Die Kollegen schienen schon längst Feierabend zu haben. Pflichtbewusst füllte Theodor seine Zeitkarte aus, nachdem sich seine Finger etwas erwärmt hatten. Wie sollte er nur mit der Zeit verfahren, während der er nicht gearbeitet, sondern mit den Vorgängen im Haus der Pagels beschäftigt gewesen war? Er überlegte hin und her. Ärger würde es vermutlich geben, doch um Nachfragen zu entgehen, vermerkte er keine Arbeitsunterbrechung. Nachdem er gedankenversunken die Posttasche in seinem Schrank verstaut hatte, betrat er den Korridor. Hinter sich hörte er ein Rascheln, das er nicht weiter beachtete. Nach einer Begegnung mit einem seiner Kollegen stand ihm wahrlich nicht der Sinn. Er wollte endlich nach Hause. Auch wenn er in seinem Zimmer im Holländischen Viertel erst einmal den Ofen heizen musste, damit ihm warm wurde.
Auf der Straße vor dem Gebäude schlug ihm kalter Wind entgegen. Der Schneefall hatte sich verstärkt. Theodor schlug seinen Kragen hoch und steckte seine Hände in die Manteltaschen, während er eilig die Französische Straße entlanglief. Vielleicht würde er morgen im Polizeipräsidium auf Gisela treffen, dachte er und merkte wieder einmal, wie sehr er ihre Gesellschaft vermisste. Aber wie sollte er sich ihr gegenüber verhalten? Und was passierte, wenn Walter mitbekäme, dass er Gisela kannte? Es war nicht auszuschließen, dass er seinem Bruder über den Weg laufen würde. Ob er sich den Spaß nicht nehmen lassen würde, seinen kleinen Bruder zu verhören? Ein kalter Schauer lief Theodor über den Rücken, er hätte schreien mögen. Aber er musste sich den Gegebenheiten fügen. Er hätte die Leiche nicht einfach liegen lassen und Alfred Pagels Witwe die Meldung an die Polizei überlassen können. Denn da war ja immer noch das Päckchen. Hätte er es irgendwo in der Wohnung abgelegt, hätte man ihn später gefragt, wer es entgegengenommen hatte. Und hätte er es zurück zur Post gebracht, als sei nichts geschehen, hätte man ihn gefragt, warum er es nicht zugestellt hatte. Das Päckchen würde ihm noch einige Scherereien bringen.
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»Sei froh, dass wir die Schule nun hinter uns haben«, hatten ihre Mitschülerinnen ihr damals zugerufen, als Gisela sich an jenem Tag noch einmal wehmütig zum Städtischen Lyzeum in der Waisenstraße umgeschaut hatte. Sie hatte anders als die anderen Mädchen keinerlei Erleichterung verspürt. Im Gegenteil, die Vorstellung, der Schule und damit dem Lernen für immer den Rücken kehren zu müssen, hatte sie äußerst getroffen. Natürlich hatte sie sich lange vorher Gedanken über ihre berufliche Zukunft gemacht, Gedanken, die sie ihrer Mutter gegenüber niemals hatte äußern dürfen. »Keine Sorge, du findest einen Mann, der dich heiratet. Als Tochter des Garteninspektors wirst du dich bald vor Anträgen nicht mehr retten können«, hatte ihre Mutter immer wieder betont. Als ob es das war, was sie sich wünschte. Nun gut, in ferner Zukunft schon, aber doch noch nicht in so jungen Jahren. Seitdem war einige Zeit vergangen, mittlerweile war sie großjährig, was ihre Mutter immer unruhiger werden ließ. Deshalb hatten ihre Eltern ihr zugeredet, die Anstellung im Polizeipräsidium anzunehmen, unter der Maßgabe, sich dort nach einem geeigneten Ehepartner umzusehen. »Beamtentum ist etwas Solides«, hatte ihre Mutter Alice gemeint und darauf verwiesen, dass viele der Männer von adeliger Herkunft waren, wie Giselas Mutter selbst. Doch auch sie hatte sich gegen den elterlichen Willen durchgesetzt und Otto Fink geheiratet. Als rechte Hand des Gartenbaudirektors Georg Potente stellte er jedoch eine gute Partie dar, was Alice Finks Eltern, die von Sommerburgs, letztendlich milde gestimmt hatte.
Gisela konnte sich nicht vorstellen, mit einem der Männer im Polizeipräsidium auszugehen. Selbst wenn sie einen von ihnen sympathisch gefunden hätte, wollte sie sich jetzt noch nicht festlegen. Außerdem schlug ihr Herz ganz heimlich für jemand anderen.
Gerade hatte sie den heutigen Einkauf in ihrem kleinen Zimmer verstaut, da rief ihre Mutter sie auch schon zum Abendessen. Eine dicke Suppe gab es heute und dazu Brot.
Giselas Vater, Garteninspektor Otto Fink, wirkte heute mürrisch, ein wenig abwesend. So kannte sie ihn gar nicht.
»Dein Vater sitzt seit Tagen über den Abrechnungen des vergangenen Jahres«, sagte ihre Mutter. Es klang weniger wie eine Erklärung, mehr wie eine Beschwerde.
Ihr Vater sah auf. »So schlimm ist es nicht, Alice. Ich überlege nur, wie wir in diesem Jahr mit den Geldern wirtschaften sollen. Gartenbaudirektor Potente bat mich, sorgfältig und vordringlich auf Einsparmöglichkeiten zu achten.«
Gisela hörte zu, dennoch war auch sie weniger aufmerksam als sonst. Das Gespräch mit Luftschiffkapitän Tiede hatte sie zum Nachdenken gebracht.
»Und du, junges Fräulein?«, fragte ihr Vater, als sie, statt zu essen, den gefüllten Suppenteller mit ihrem Löffel durchpflügte.
»Gisela, setz dich gerade hin und iss endlich!«, ermahnte ihre Mutter. Ihre strenge Kinderstube und die adelige Herkunft konnte sie manchmal nur schwer verleugnen.
»Nun lass sie doch«, entgegnete ihr Vater. Gisela musste schmunzeln. Wie oft hatte es diese oder ähnliche Dialoge am Esstisch in der geräumigen Wohnung in der Lennéstraße gegeben. Sie begann die Suppe zu löffeln, die köstlich schmeckte. Die Wärme tat ihr gut. Vielleicht war mir einfach nur kalt, dachte sie bei sich. Doch ihre Zukunftsfragen waren damit nicht vom Tisch.
»Ach, es war ein anstrengender Tag heute«, log sie, um etwas zu erwidern.
»So?«, fragte ihr Vater und blickte ihr direkt in die Augen. Verlegen schaute sie zur Seite.
»Ja, mein Fräulein«, sagte ihre Mutter. »Lehrjahre sind keine Herrenjahre. Ist denn unter deinen Kollegen niemand, der dir gefällt und, vor allem, dem du gefällst?« Sie schob ihr Kinn nach vorn, was sie immer tat, wenn sie es vor Neugier kaum aushielt. Da war sie wieder, die immer wiederkehrende Frage.
»Nein«, antwortete Gisela energisch. Vielleicht zu energisch, um die Neugier ihrer Mutter nicht noch weiter anzustacheln.
»Also, ich wusste es doch …«, frohlockte ihre Mutter.
»Alice, bitte, lass unsere Tochter doch in Ruhe.« Er zwinkerte Gisela verstohlen zu.
»Ihr zwei heckt aber nicht schon wieder etwas aus?«, fragte Alice Fink und begann, das Geschirr abzuräumen. Kaum war sie aus dem Zimmer, platzte es aus Gisela heraus: »Du, Papa?«
»Ja, Kind?« Otto Fink hatte sich die Abendausgabe des Berliner Tageblatts von einem Beistelltisch genommen und war dabei, die ersten Seiten umzublättern.
»Ich habe heute mit unserem Nachbarn gesprochen, Herrn Tiede.«
»Oh, dann habe ich doch richtig gesehen. Er hat dich zu unserem Haus begleitet.«
»Papa! Ihr beobachtet mich?«
»Nein. Ich habe das Auto zufällig durchs Fenster gesehen. Er hat dich mitgenommen?«
»Ja, aber nur ein Stückchen, vom Luisenplatz aus. Ich habe mir eine neue Bluse gekauft …«
»So genau wollte ich es gar nicht wissen. Aber du wolltest mir etwas erzählen, oder?«
