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Jeder kennt die Märchen von den Prinzen, die gegen Drachen und Unholde kämpfen und am Ende das Herz der holden Prinzessin erobern. Doch wie ist es, wenn der Prinz 35 Jahre alt ist und lieber zu Hause bei Mama bleiben würde? Prinz Karolus wird gegen seinen Willen auf ein Abenteuer gesandt und findet nach manch böser Falle Freunde - und das an Orten, an denen er sie nie vermutet hätte.
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Seitenzahl: 21
Veröffentlichungsjahr: 2023
Nein!“, schrie Prinz Karolus. „Nein, nein, nein, nein, nein!“
Mit einem lauten Scheppern landete seine Rüstung in der Ecke des Prinzengemachs.
„Aber mein Junge“, sprach seine Mama, die Königin. „Alle Prinzen reiten aus und erobern sich das Herz einer Prinzessin, so war es seit eh und je! Und Rosalinde soll die schönste Prinzessin sein, die die Sonne je gesehen hat.“
„Was soll ich denn mit so einer ollen Gans“, heulte Prinz Karolus. „Ich will lieber bei dir bleiben.“
Und er legte den Kopf in den Schoß seiner Mama und weinte bitterlich.
„Ach, Herzchen.“ Gerührt strich die Königin über sein lockiges Haar.
Es war zum Verzweifeln, die Königin wusste nicht mehr ein noch aus. Als sie jung gewesen war, hatten die Prinzen scharenweise vor ihrem Fenster gesungen und Gedichte geraunt oder waren auf ihren stolzen Rössern auf und ab geritten und hatten ihre Wappen und Trophäen präsentiert. Da war sie nicht einmal sechzehn Jahre alt gewesen. Aber heutzutage wohnten die Prinzen mit 35 Jahren noch zu Hause, weil sie sich noch nicht festlegen wollten.
Ein Albtraum!
Und die jungen Prinzessinnen? Die waren noch viel schlimmer! Die wollten erstmal reisen und galoppierten mutterseelenallein durch die Lande, ohne Kammerzofe und ohne Diener! Hatte man so etwas schon einmal gehört?
Alles war anders geworden.
Aber heute wollte die Königin nicht nachgeben, auch wenn ihr das Herz blutete. Im vergangenen Mai hatte Prinz Gunibert aus dem Nachbarkönigreich geheiratet, und seine Mutter, ihre Cousine Jeanette hatte sie mit ihrem endlosen Geplapper über Sitzordnungen, weiße Tauben und Tafelsilber fast in den Wahnsinn getrieben. Und just heute Morgen hatte ihr ein Bote die Einladung zu Cousin Ludwigs Hochzeit überbracht; der war drei Jahre jünger als ihr Karolus! Nein, jetzt musste sie streng sein, auch wenn sie das gar nicht mochte. Sie schob ihren Sohn sanft beiseite und stand auf.
„Karolus“, sagte sie ruhig, aber bestimmt. „Du weißt, dass ich dich von Herzen liebhabe. Aber du wirst jetzt reiten, oder es gibt ein Donnerwetter.“
Karolus merkte, dass es seiner Mama ernst war.
„Aber nur, wenn ich Papas Pferd kriege“, sagte er trotzig.
*
Seit drei Tagen ritt Prinz Karolus nun schon durch die Lande und verfluchte sein Leben, das eine solch unangenehme Wendung genommen hatte. War er nicht eben noch mit Mama in der Kutsche durch den königlichen Rosengarten gefahren? Hatte er nicht erst gestern neben Papa gestanden, der auf seinem goldenen Thron saß