Psyche und Eros - Luna McNamara - E-Book
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Psyche und Eros E-Book

Luna McNamara

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Beschreibung

»Ich wurde geboren, um die größte Heldin aller Zeiten zu werden.« 

Laut der Prophezeiung des Orakels soll sich die Prinzessin Psyche im Kampf gegen ein tödliches Ungeheuer als größte Heldin aller Zeiten erweisen. So wird sie – gegen alle Regeln – zur Kriegerin ausgebildet. Bis die Göttin Aphrodite neidisch auf die mutige, schöne Sterbliche wird. Sie schickt den Gott Eros, der mit seinen Pfeilen das Begehren in die Welt trägt, um Psyche grausam zu verdammen. Doch der Pfeil trifft ihn selbst, worauf Eros zu einem ewig unerfüllten Verlangen nach Psyche entbrennt. Aber was als Fluch der Leidenschaft beginnt, wird schon bald zu einer unsterblichen Liebe ... 

Ein furioses Epos über wahres Heldentum und die größte Lovestory der griechischen Mythologie.

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Seitenzahl: 524

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Über das Buch

Das Orakel von Delphi prophezeit dem König von Mykene, dass sein Kind ein gefürchtetes Ungeheuer bezwingen und zum größten Helden aller Zeiten werden wird. Umso überraschter ist der König, als ihm eine Tochter geboren wird – Psyche. Gegen alle Regeln lässt er sie zur Kriegerin ausbilden, bringt ihr Reiten und den Umgang mit Schwert, Schild und Bogen bei. Die Schönheit und der Mut der jungen Sterblichen wecken schon bald den Neid der Göttin Aphrodite. Sie entsendet Eros, den Gott des Begehrens, um Psyche mit einem seiner Pfeile für alle Zeit zu verdammen. Doch er selbst wird getroffen und zu einer ewig unerfüllten Leidenschaft für Psyche verflucht. Dann aber erweisen sich der göttliche Eros und die sterbliche Psyche als mutig genug, den Fluch der Begierde zu einer Liebe werden zu lassen, so groß, dass sie die Grenzen von Himmel und Erde überwindet … 

Die griechische Sagenwelt, modern, feministisch und mitreißend erzählt

Über Luna McNamara

Luna McNamara lebt in Boston und arbeitet im Sozialwesen und im Bereich Psychische Gesundheit. Sie hat ihren Master in Study of Women and Gender in World Religions in Harvard gemacht und außerdem Altgriechisch und Philosophie studiert. »Psyche und Eros« ist ihr erster Roman.

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Luna McNamara

Psyche und Eros

Denn wahre Liebe ist mehr als ein Mythos

Roman

Aus dem Amerikanischen von Anne-Marie Wachs

Übersicht

Cover

Titel

Inhaltsverzeichnis

Impressum

Inhaltsverzeichnis

Titelinformationen

Informationen zum Buch

Newsletter

Widmung

Prolog — Eros

Kapitel 1: Psyche

Kapitel 2: Eros

Kapitel 3: Psyche

Kapitel 4: Eros

Kapitel 5: Psyche

Kapitel 6: Eros

Kapitel 7: Psyche

Eros

Psyche

Kapitel 8: Psyche

Eros

Psyche

Eros

Kapitel 9: Psyche

Kapitel 10: Eros

Kapitel 11: Psyche

Eros

Kapitel 12: Psyche

Eros

Psyche

Kapitel 13: Eros

Psyche

Kapitel 14: Psyche

Eros

Kapitel 15: Psyche

Kapitel 16: Psyche

Eros

Kapitel 17: Psyche

Eros

Kapitel 18: Psyche

Kapitel 19: Psyche

Kapitel 20: Psyche

Kapitel 21: Eros

Kapitel 22: Psyche

Kapitel 23: Psyche

Kapitel 24: Psyche

Kapitel 25: Eros

Kapitel 26: Psyche

Kapitel 27: Psyche

Kapitel 28: Psyche

Kapitel 29: Psyche

Kapitel 30: Psyche

Kapitel 31: Psyche

Kapitel 32: Psyche

Kapitel 33: Psyche

Kapitel 34: Eros

Kapitel 35: Eros

Kapitel 36: Eros

Psyche

Kapitel 37: Psyche

Kapitel 38: Psyche

Kapitel 39: Psyche

Kapitel 40: Psyche

Kapitel 41: Eros

Kapitel 42: Eros

Kapitel 43: Psyche

Anmerkungen der Autorin

Danksagung

Erläuterungen

Impressum

Wer von diesem Roman begeistert ist, liest auch ...

Meinem Vater und meiner Mutter

Prolog

Eros

Die Griechen haben drei Wörter für die Liebe. Das erste, Philia, bezeichnet jene Form der Liebe, die man wohl Zuneigung nennen würde und die zwischen zwei Menschen entsteht, die die Gesellschaft des anderen sehr schätzen. Das zweite lautet Agape, das ist die selbstlose Liebe von Eltern zu ihren Kindern oder zwischen jenen, die einander nahestehen wie in einer Familie. Das dritte ist Eros, was selbsterklärend ist – jene besondere Verbindung, der Funke, das körperliche Verlangen, das im anderen Erfüllung findet.

Die meisten Menschen erfahren in ihrem Leben mindestens eine dieser Formen von Liebe. Aber nur wenige erleben alle drei zugleich, miteinander verflochten wie ein goldener Zopf. Das meinte der Dichter Aristophanes in Platons Symposion, als er viele Jahre nach den hier berichteten Ereignissen seine Geschichte erzählte, mit der er versuchte, den Ursprung der Liebe in ihren drei Facetten zu beleuchten. Aristophanes zufolge wurden die ersten Menschen Rücken an Rücken geboren, sie hatten zwei Gesichter, vier Hände und vier Beine, und beide Münder plapperten unentwegt mit dem jeweiligen Gefährten, während sie wie Räder über die Erde rollten. Doch die Macht dieser Kugelmenschen beunruhigte Zeus, und er trennte sie mit seinen Blitzen voneinander. Sie wurden zu den Menschen, wie wir sie heute kennen, die auf zwei Beinen herumlaufen und nur einen Mund zum Sprechen haben. Und so entstand, laut diesem Komödiendichter, die Liebe, die jeden von uns nach seiner anderen Hälfte suchen lässt.

Als mir das zu Ohren kam, musste ich lachen. Ich war bei der Entstehung der Welt dabei, und so hat es sich nun wirklich nicht zugetragen. Trotzdem ist es eine nette Geschichte, auch wenn sie kaum weiter von der Wahrheit über Psyche und mich entfernt sein könnte. Denn wir waren auf keinen Fall zwei Teile irgendeines kosmischen Ganzen – bei unserer ersten Begegnung war sie eine Sterbliche und ich ein Gott, beide erbittert um Unabhängigkeit ringend. Wir waren alles andere als zwei Hälften, die man voneinander getrennt hatte; wir waren jeder für sich genommen vollständig. Möglicherweise hätten sich unsere Wege niemals gekreuzt, wäre nicht zufällig ein Fehler passiert.

Und genau darin liegt eine besondere Kraft, denke ich. Wir standen nicht im Bann des Schicksals oder der Vorsehung, sondern trugen nur die Last unserer eigenen Entscheidungen. Als wir uns einander zuwandten wie die Blumen der Sonne, erfüllten wir keine Prophezeiung und keine alte Geschichte. Wir schrieben unsere eigene.

Kapitel 1

Psyche

So besonders mein Schicksal auch sein mag, begann mein Leben doch so gewöhnlich wie das jedes anderen Kindes: Ich wurde in einem Schwall von Blut geboren und mit Freudenrufen begrüßt. Auch wenn darauf in meinem Fall zunächst Verwirrung folgte.

Meine Mutter und mein Vater herrschten als König und Königin über ein Reich namens Mykene im felsigen Griechenland. Als meine Mutter Astydameia erfuhr, dass sie schwanger war, verließ mein Vater Alkaios die mykenische Hauptstadt Tiryns und machte sich auf den Weg über die Berge. Sein Ritt führte ihn durch abgelegene Täler, vorbei an schroffen Felsen, auf denen Greifen nisteten, bis er schließlich ein Tor erreichte, das die Inschrift ERKENNE DICH SELBST trug. Nicht aber sein eigenes Schicksal wollte er vom Orakel von Delphi erfahren, sondern das seines ungeborenen Kindes. Meines. Würde ich gesund und stark zur Welt kommen? Was würde eines Tages aus mir werden?

Als mein Vater die dunkle, in den Erdboden eingelassene Kammer des Orakels betrat, fielen ihm zwei Dinge auf. Das eine war der Geruch an diesem Ort. Er erinnerte an Schwefel und an noch mehr, was schwerer zu bestimmen war. Und dann war da die Frau, die auf einem bronzenen Dreifuß über einer Erdspalte saß. Sie trug ein gelbes Peplos-Gewand, das ihr bis zu den Füßen reichte und ihren Körper in Falten umspielte. Das Haar hatte sie säuberlich zu einem Zopf geflochten und um den Kopf gewunden. Sie war das Orakel, und sie blickte Alkaios aus Augen an, die kein Heute und kein Morgen zu kennen schienen.

Mein Vater erschauerte. Als König war er es gewohnt, dass die Menschen versuchten, ihm Gefälligkeiten abzuschmeicheln, diese Frau jedoch begehrte nichts, von niemandem.

Ein Ordenspriester tauchte auf und flüsterte dem Orakel die Frage meines Vaters ins Ohr. Die Frau lehnte sich zurück und atmete die aus der Erdspalte aufsteigenden Dämpfe ein, von denen es hieß, sie würden von Apollo höchstselbst geschickt, dem Gott der Weissagung, und brächten wahrhaftige Visionen der Zukunft.

Das Orakel wurde von einem Zittern erfasst. Es begann mit einer unirdischen Stimme zu sprechen, die nicht zu dem zarten Frauenkörper zu gehören schien. Meinem Vater war die Sprache fremd, doch die Priester hielten die Worte auf ihren Tontafeln fest und unternahmen bereits jene komplizierten Schritte, derer es bedurfte, um die Botschaften der Weissagerin zu deuten. Die Götter äußern sich nicht immer so, dass es für die Sterblichen leicht verständlich ist, doch glücklicherweise beherrschten die weißbärtigen Priester die Kunst der Übersetzung.

Schließlich verkündeten sie meinem Vater den Spruch des Orakels. »Dein Kind wird ein Ungeheuer besiegen, das selbst die Götter fürchten.«

Mein Vater war verzückt. Sein Sohn würde ein Held sein! Alkaios hatte lange Zeit bedauert, dass er nicht über die Begabungen seines heroischen Vaters Perseus verfügte, doch manchmal überspringen solche Eigenschaften eine Generation. Sein Sohn würde ein Schlächter von Ungeheuern werden, ein Held, und Menschen aus ganz Griechenland würden kommen, um ihm Ehre zu erweisen.

Nur leider war ich kein Sohn.

Als die Hebamme mich meinem Vater am Tag meiner Geburt in die Arme legte, war er so erschrocken, als hätte man ihm ein Bärenjunges überreicht. Ein Mädchen! Ein Mädchen konnte keine Ungeheuer töten, wenn es groß war, und auch keinen Heldenruhm erringen. Es würde mit seiner Mutter und seinen Tanten in den Gemächern der Frauen Wolle spinnen, bis es später einmal als Frau ins Haus des Ehemanns ziehen und dort weiter Wolle spinnen würde. Sie würde Kinder gebären und den Haushalt führen, und wenn sie eine gute Frau war, würde sie nach ihrem Tod in Vergessenheit geraten.

Mein Vater wog seine Möglichkeiten ab. Er hätte mich, den Säugling, leicht an einem entlegenen Ort aussetzen und einen neuen Versuch unternehmen können. Das war zwar eher unter Bauernfamilien üblich, die Mühe hatten, die hungrigen Mäuler ihrer Kinder zu stopfen, doch auch in Königshäusern geschah so etwas mitunter. Vielleicht würden die Götter es beim nächsten Mal für richtig halten, ihm einen Sohn zu schenken.

Und dann passierte etwas Sonderbares. Er blickte mir in die Augen – und empfand tiefe Liebe.

Es lässt sich nicht anders sagen. In diesem Moment begriff er: Er liebte mich so sehr, dass er den Himmel hätte herabreißen können. Er liebte mich nicht dafür, wer ich war, sondern einfach, weil es mich gab, weil ich sein ureigenstes Kind war, mit winzigen vollkommen geratenen Fingern und winzigen vollkommen geratenen Zehen. Ich wünschte, ich könnte behaupten, dies sei die natürliche Reaktion eines Vaters beim ersten Anblick seiner Tochter, doch die Erfahrung hat mich anderes gelehrt.

Alkaios beschloss, mir die Erziehung eines Prinzen zuteilwerden zu lassen. Er wusste, dass manch einer diese Entscheidung infrage stellen würde, darunter auch seine Brüder und die durch Eid an ihn gebundenen Männer, doch sein Entschluss stand fest, und er bezeichnete es als einen Akt der Gottesfurcht. Zeus’ Tochter Artemis, die Göttin des Mondes und der Wildtiere, hatte einst einen silbernen Bogen vermacht bekommen, und sie wurde in den griechischen Städten verehrt. Laut dem Orakel sollte Alkaios’ Spross ein Ungeheuer besiegen, das sogar die Götter fürchteten, und so würde es geschehen.

Als mein Vater in mein winziges runzliges Gesicht schaute, begriff er, dass er mich mehr liebte als die Götter, als seine Ehefrau oder seine Gefolgsmänner, ja sogar mehr als seine eigene Seele. Und darum gab er mir den Namen Psyche, was in unserer Sprache Seele bedeutet.

*

Soweit ich weiß, stellte meine Mutter ihre Liebe zu mir nie infrage, schon seit ich ihr, noch im Mutterleib, die ersten Tritte versetzt hatte. Ich war ihr erstes und einziges Kind, sie war spät mit mir schwanger geworden. Es hatte so lange gedauert, dass die Berater meines Vaters ihn schon gedrängt hatten, sich eine Zweitfrau oder gar eine Konkubine zu nehmen, doch dafür respektierte er meine Mutter viel zu sehr.

Meine Mutter Astydameia war eine ungewöhnliche Frau. Sie war in den fernen Regionen Arkadiens aufgewachsen, wo die Wolfskönige noch immer über ihre waldreichen Gebiete herrschten, und vielleicht hätte sie eine Ausbildung wie die meine genossen, wäre sie in ihrer Jugend nicht von einer furchtbaren Krankheit heimgesucht worden. Meine Geburt hatte ihr noch mehr abverlangt, und sie verbrachte einen großen Teil ihrer Zeit in den spärlich beleuchteten Frauengemächern und spann, auf Kissen gestützt, im Kreise ihrer Dienerinnen Wolle. Meine Mutter war schön wie eine Lilie, aber ihre Seele litt, und sobald ich alt genug war, um einen Gedanken zu fassen, begriff ich, dass ich für uns beide stark sein musste.

Den größten Teil der Zeit kümmerte sich meine Amme um mich, eine thessalische Sklavin mit dem Namen Maia. Sie war von breiter Statur, so weich wie ein Bett und ließ beim kleinsten Anlass ein schallendes Lachen hören. Sie lehrte mich einfache Lieder und Sprichwörter und wachte über meine ersten Stolperschritte. Abends brachte mich Maia immer zu meiner Mutter, die mir ihre kühle Hand auf die Stirn legte und mir einen Kuss gab. So vergingen meine ersten Lebensjahre in den Gemächern der Frauen, wo es nach Talgkerzen und Milch roch.

Als ich fünf Jahre alt war, wurde alles anders.

»Dein Vater erwartet dich, kleine Psyche«, sagte Maia eines Tages zu mir.

Er wartete in der Halle vor den Frauengemächern auf mich. Alkaios war so groß wie eine Götterstatue, und an diesem Tag trug er die Rüstung eines Kriegerkönigs und blickte ernst drein. Er hatte den kupferfarbenen Hautton seiner halb äthiopischen Mutter Andromeda geerbt und an mich weitergegeben. Jeder konnte erkennen, dass wir Vater und Tochter waren, zwei derselben Art, und ich wollte die Hand ausstrecken und über seinen Bart streichen, wie ich es oft tat. Aber als ich seine feierliche Miene sah, folgte ich ihm nur schweigend und versuchte, auf meinen kurzen Beinen mit seinen langen Schritten mitzuhalten.

Mein Vater führte mich in den Heldensaal, so nannte die Dienerschaft diesen kleinen Raum inmitten des Palastes. Er war nahezu leer, bis auf ein Schwert und einen Schild, die an der Wand hingen, und einen Altar, an dem man Weihrauch für die Seelen der Helden verbrannte. Der Schild war aus Bronze gefertigt und smaragdgrün und rot bemalt, auch wenn die Farbe an manchen Stellen abgeschrammt war, in meiner Vorstellung von den Klauen eines Ungeheuers oder den Schwertern der Barbaren. In der Mitte prangte das fürchterlichste Antlitz, das ich je gesehen hatte – das Gesicht einer Frau mit gefletschten Zähnen, umringt von Schlangen mit aufgerissenen Mäulern. Sie schien bereit, mich von der Wand aus anzuspringen und mit ihren Krallenhänden zu würgen. Ich wäre gern davongelaufen, stemmte die Füße jedoch in den Boden und blieb, wo ich war.

»Dieses Schwert und dieser Schild haben deinem Großvater Perseus gehört«, begann mein Vater zu erzählen und hob den Bronzeschild ehrfurchtsvoll an, um ihn mir zu reichen. Doch in meinem Griff fiel er sofort lautstark zu Boden, so dass ich zusammenzuckte. Er war so schwer, dass ich meine ganze Kraft brauchte, um ihn vor meinem kleinen Körper zu halten.

Mein Vater erzählte mir, wie Zeus, der Herr über den Donner und Götterkönig, Perseus gezeugt hatte, jenen Helden, der das abscheuliche Ungeheuer namens Medusa tötete. Ihr Haupt war es, das auf dem Schild zu sehen war.

»Perseus heiratete schließlich Andromeda aus der Königsfamilie von Mykene und zeugte Alkaios«, sagte er und schwieg einen Moment lächelnd, als bärge er einen Schatz in sich. »Und Alkaios zeugte Psyche.«

Als er meinen Namen aussprach, erfüllte mich das mit Stolz, und plötzlich kam mir der Schild leichter vor. Ich war ein Kind, das von Helden und Göttern abstammte. Ich rückte den Bronzeschild in eine bequemere Position und sonnte mich im wohlwollenden Lächeln meines Vaters.

»Doch du wirst noch größeren Heldenruhm erlangen als dein Großvater Perseus«, sagte mein Vater. »Für Perseus hat das Orakel von Delphi keine Prophezeiung verlauten lassen, wohl aber für dich. Du wirst die größte Heldin aller Zeiten sein.«

*

Am nächsten Tag begann mein Unterricht. Mein Vater hatte einen Bogen in Kindergröße anfertigen lassen und brachte mir mit schier unermüdlicher Geduld bei, wie man ihn spannte. Er nahm mich mit auf die Jagd, ließ mich vor sich auf dem Sattel sitzen, so dass ich beobachten konnte, wie wir unsere Beute zu Tode hetzten. Seine Gefolgsmänner verfolgten das alles mit Verwunderung; sie waren unsicher, was von einem Mädchen zu halten war, das die Ausbildung eines Jungen erhielt, doch irgendwann begannen sie mich als eine vertraute Kuriosität zu betrachten. Mein Vater zeigte mir, wie man einen Speer warf und ein Schwert führte, und meine Fähigkeiten wuchsen.

Inzwischen hielt ich mich nur noch abends in den Frauengemächern auf, und Maia schnalzte missbilligend mit der Zunge, wenn sie meine schmutzstarrenden Kleider sah. Meine Mutter hingegen fragte mich, was ich den Tag über gelernt habe. Ich erzählte es ihr bereitwillig, wobei sich meine Worte in kindlicher Aufregung geradezu überschlugen, bis Maia mich zum Bad drängte und mir saubere Kleidung gab.

Die wärmere Zeit des Jahres verbrachte ich mit meinem Vater auf dem Kampfplatz oder auf der Jagd, doch im Winter saß ich mit den anderen Kindern im Palast zu Füßen eines alten, blinden Dichters, der uns Geschichten von den Göttern und Helden erzählte und dazu die Saiten zupfte. In jungen Jahren hatte er sein Augenlicht verloren und daher nicht mehr zu Schwert und Schild, sondern zur Lyra gegriffen. Er war ein Mann, der keiner Stadt angehörte, der ging, wohin es ihm gefiel, und seine Lieder gegen ein Dach über dem Kopf und etwas zu essen tauschte. In dem vom Feuer erhellten Festsaal von Tiryns ließ er die Geschichten über Götter und Helden lebendig werden, während draußen der Winterregen niederging.

Wie soll ich die Beziehung zwischen meinem Volk und den Göttern beschreiben? Die Götter waren für uns etwas Wirkliches, so real wie ein Becher oder ein Tisch, doch uns verband keine Liebe, wenn man einmal von der schlichtesten Form absah. Götter konnten mit sterblichen Frauen Kinder zeugen oder ihren Lieblingen Glück schenken, doch es war genauso möglich, dass sie uns mit Rätseln in die Falle lockten oder uns umbrachten, um einen ewigen Groll zu besänftigen. Man konnte den Göttern nicht trauen, dennoch musste man sie respektieren.

Der Dichter begann mit der Geschichte von der Schöpfung der Welt, vom Welten-Ei des Chaos und den unsterblichen Göttern, die daraus hervorgingen, angefangen mit Gaia, der Erdgöttin, und Uranos, dem Himmel. Ich knibbelte an einer verschorften Stelle an meinem Knöchel herum und seufzte gelangweilt. Die Götter waren mir ziemlich gleichgültig, bis auf eine Ausnahme, Artemis, Tochter des Zeus und Göttin der Jagd und des Mondes, jene Schwester der Sonne, die genau wie ich leichtfüßig durch das Gebirge streifte.

Die Geschichten von Helden mochte ich weit mehr. Die Götter waren unsterblich und hatten bei ihren Unterfangen nichts zu verlieren, doch Helden riskierten alles, um ewigen Ruhm zu erlangen. Sie waren es, die beharrlich gegen die Grenzen kämpften, die ihre Sterblichkeit ihnen auferlegte, und wurden zu Leitsternen, denen man folgen konnte. Helden konnten sogar zu Göttern erhoben werden, indem sie sich durch ihre Taten als dessen würdig erwiesen.

Als der blinde Dichter die Geschichte von Bellerophon erzählte, der einmal hier in Tiryns gelebt hatte, horchte ich auf. Bellerophon hatte die Aufgabe erhalten, die furchterregende Chimäre zu besiegen, ein Ungeheuer, das zu gleichen Teilen Löwe, Ziege und Schlange war und dazu noch Feuer spie. Und Bellerophon war klug: Er beschoss die Chimäre mit einem Pfeil, dessen Spitze aus Blei bestand. Ihr Feueratem brachte sie zum Schmelzen, so dass die Chimäre daran erstickte. Ich beschloss, mir diese List zu merken, damit sie mir später von Nutzen sein könnte, wenn ich erst einmal selbst eine Heldin war. Ich sehnte mich nach dem Ruhm, den ich dann erringen würde, danach, dass man meine Geschichte über Generationen hinweg am Lagerfeuer erzählte.

Wie beschränkt meine Vorstellungen von Heldentum damals doch waren. Von der Welt hatte ich kaum etwas gesehen, dennoch war ich mir sicher, dass es bloß ein paar getötete Ungeheuer brauchte, um zur Heldin zu werden. Was verstand ich vom Krieg, vom Tod oder von der Liebe? Nichts.

»Eines Tages werden die Dichter auch über mich Lieder singen«, erklärte ich später den anderen Kindern, die mich verständnislos anschauten. »Ich werde die größte Heldin von allen sein«, fuhr ich fort. »Dazu gibt es eine Prophezeiung und so.«

Dexios, der sommersprossige Sohn des Stallmeisters, grinste verächtlich. Seit er gesehen hatte, wie ich mit sechs Jahren vom Pferd gefallen war, nahm er mich nicht mehr ernst. »Du kannst kein Held werden«, sagte er. »Du bist ein Mädchen.«

Ich trat ihm gegen das Schienbein, so dass er heulend zu seiner Mutter lief.

*

Schließlich hatten wir die Grenzen dessen erreicht, was mein Vater mir beibringen konnte. Alkaios war ein König, kein Held, sosehr er es sich womöglich gewünscht hätte. Es war an der Zeit, einen Lehrer zu suchen, nur wer kam dafür infrage? Chiron wäre die naheliegende Wahl gewesen, aber mein Vater hatte nicht vor, seine neunjährige Tochter bei einem Zentauren in die Lehre zu geben. Eine unerschrockene Amazone aus der Steppe hätte sich vielleicht gut geeignet, doch Amazonen starben oft in Gefangenschaft, und eine von ihnen in Lohn und Brot zu nehmen, daran war nicht zu denken, denn diese wilden Frauen erkannten keine zivilisierten Zahlungsmittel an.

Letztlich war es meine Mutter, die den aussichtsreichsten Vorschlag machte, und meine Eltern versandten einen entsprechenden Brief.

Einige Monate später erschien Atalante vor dem Stadttor.

Sie war allein gekommen, ohne Gefolge und ohne Fanfaren, und doch verbreitete sich die Kunde von ihrer Ankunft wie ein Lauffeuer. Als sie durch das berühmte Löwentor von Mykene ritt, schenkte sie den steinernen Bestien keine Beachtung; sie hatte echte Löwen getötet, diese hier beeindruckten sie nicht. Gekleidet in eine staubige Tunika und Hosen wie ein Jäger, saß sie auf einer übellaunigen rotbraunen Stute, die nach jedem schnappte, der ihr zu nahe kam. Sie erinnerte an ein Wesen, das allein aus Sehnen und trockenem Treibholz geformt war, oder vielleicht auch an eine Nymphe aus den Tiefen des Waldes, selbst wenn die Falten in ihrem wettergegerbten Gesicht und die grauen Strähnen in ihrem Haar sie deutlich als sterbliche Frau auswiesen. Atalante, die Heldin.

Von allen Geschichten, die der blinde Dichter uns vortrug, mochte ich die über Atalante am liebsten.

Atalante hatte an Jasons Seite gekämpft, als dieser das Goldene Vlies zurückerlangen wollte, und hatte dem furchtbaren Kalydonischen Eber die erste Wunde beigebracht. Als es an der Zeit war, dass sie heiraten sollte, weigerte sie sich, wie eine Kuh oder ein Schaf verhökert zu werden, und schwor stattdessen, nur den Mann zu ehelichen, der sie in einem Wettlauf schlagen konnte. Es verging sehr viel Zeit, bis man jemanden fand, dem das gelang.

Am Tag von Atalantes Ankunft in Mykene nahm mich mein Vater nicht mit auf die Felder oder in den Wald. Stattdessen wurde ich von Maia und den jungen Dienerinnen den Vormittag über gewaschen und gebürstet wie ein Opferlamm. Ich ließ es ohne Widerspruch über mich ergehen, um ihrem Klatsch lauschen zu können.

»Denkst du wirklich, sie ist es?«, fragte das Mädchen, das das heiße Wasser gebracht hatte, von der offenen Tür her. »Sie muss es sein, daran besteht kein Zweifel«, entgegnete Maia, die mir den Rücken und die Unterarme schrubbte. »Es gibt nur eine Frau unter den Griechen, die so reitet wie sie.«

Dexios erzählte mir später, dass er Atalantes Pferd an den Zügeln geführt habe, eine ehrenvolle Aufgabe, durch die er seine beiden älteren Brüder in den Schatten gestellt hatte. Vor lauter Ehrfurcht hatte er Atalante mit piepsiger Stimme gefragt: »Stimmt es, dass Ihr von einer Bärin aufgezogen wurdet?«

Atalante grinste ihn grimmig an, und ihre Augen funkelten. »Wieso fragst du das nicht die Bärin?«

Der Junge war eilig weitergegangen und hatte die Zügel gehalten, während die Stute versuchte, ihm mit ihren gelben Zähnen ein Büschel Haare auszureißen.

Ich sollte Atalante mit meiner Mutter und meinem Vater im größten Hof des Palasts empfangen. Maia hatte mich in einen schneeweißen Chiton gesteckt, so dass ich aussah wie eine Tempeljungfrau, auch wenn mir nicht klar war, welchen Zweck das haben sollte; hübsche Kleidung würde eine Heldin wohl kaum beeindrucken.

Atalante betrat den Palasthof mit der gelassenen Anmut einer Bergkatze. »Sei gegrüßt und willkommen in Mykene«, sagte mein Vater und gewährte ihr eine tiefe Verbeugung. Sie erwiderte sie nicht. Ich spürte einen Anflug von Verärgerung wegen dieser Dreistigkeit; sie mochte zwar eine lebende Legende sein, doch es war unnötig, sich gegenüber meinem Vater respektlos zu verhalten.

»Es gibt nicht viele Gründe, meine Wälder zu verlassen und mich in einer Stadt einzuquartieren«, entgegnete Atalante steif. »Aber ich habe Euren Brief gelesen, und ich respektiere den Spruch des Orakels. Ich hatte bislang noch keine Schülerin, doch vielleicht ist es nun an der Zeit dafür. Ist dies das Mädchen?«

»Ich heiße Psyche«, warf ich ein, gekränkt, dass über mich gesprochen wurde wie über einen Hund oder ein Pferd.

»Ich weiß«, sagte Atalante und hockte sich vor mir hin, so dass wir auf Augenhöhe waren. »Du bist jung, wie ich sehe. Es ist gut, bereits in frühen Jahren zu beginnen. Als ich angefangen habe, meinen Sohn zu unterrichten, war er nicht viel älter als du. Kannst du reiten?«

»Ja«, antwortete ich.

»Weißt du, wie man mit einem Bogen umgeht?«

»Ja.«

»Wählst du mich als deine Lehrerin?«

Jetzt schwieg ich länger. Trotz meines Alters war mir bewusst, was das bedeutete. Ich wusste, dass diese Frau mein Schicksal formen würde, wie es auch meine Mutter und mein Vater taten. Vielleicht sogar noch mehr, denn während meine Eltern mir das Leben geschenkt hatten, würde Atalante mir helfen, diesem einen Sinn zu verleihen.

Ich hätte vor ihr zurückweichen, zurück in die Frauengemächer gehen und ein ruhiges Leben führen können. Doch ich wollte sein, was Atalante war: eine Heldin, die Respekt verdiente. Diese Frau konnte mich zum hell leuchtenden Stern meines Schicksals führen.

Und so begegnete ich dem Blick ihrer sturmgrauen Augen und antwortete: »Ja.«

»Dann fangen wir morgen an«, sagte sie. Und zum ersten Mal, seit sie den Fuß in die Stadt gesetzt hatte, lächelte die Heldin.

*

Am nächsten Morgen nahm Atalante mich mit, tief in den Wald, und die Aussicht darauf hatte bei mir Begeisterung und Angst zugleich geweckt. Ich war bislang nur mit meinem Vater durch die Wälder der Umgebung geritten, mit seinen lärmenden Männern im Gefolge. Nun war ich allein mit dieser mir nahezu fremden Frau. Der Wald war ein sonderbarer Ort, wo alles Mögliche geschehen konnte; man konnte einer Herde Zentauren oder einer Gruppe von Nymphen bei ihrem Bad begegnen, oder auch einem der Götter, die dort allein ihrer Wege gingen. Doch heute bekamen wir zu meiner großen Enttäuschung weder Zentauren noch badende Nymphen zu Gesicht, und ich begann, mich zu langweilen.

Daher fing ich an, Atalante Fragen zu stellen. »Bist du wirklich mit Jason zusammen gesegelt?«

»Ja«, antwortete meine Lehrerin, ohne mich anzublicken.

»Hast du das Goldene Vlies gesehen? Wie sah es aus?«

»Golden. Und wie ein Vlies.«

Meine wichtigste Frage hatte ich mir für den Schluss aufgehoben. »Stimmt es, dass du den Kalydonischen Eber getötet hast?«

Atalante verlangsamte für einen Moment ihre Schritte, fand aber schnell wieder zu ihrem normalen Tempo zurück. »Ja. Meleagros und ich teilen uns diese Ehre. Und jetzt hör auf mit deinen dummen Fragen.«

Unerwartet setzte sie sich auf einen umgestürzten Baumstamm und bedeutete mir, mich neben sie zu setzen. »Komm. Es ist Zeit für deine erste Lektion. Sag mir, was du hörst.«

Ich war völlig verblüfft, denn ich war mir sicher gewesen, dass wir hergekommen waren, um Wildtiere aufzuspüren oder die Zeichen des Waldes zu deuten, aber ich hatte nicht damit gerechnet, auf einem moosbewachsenen Baumstamm zu sitzen und zu lauschen. Das konnte man schließlich überall. Doch ich war begierig darauf zu lernen, und so schloss ich die Augen. Ich hörte nichts und sagte das Atalante.

»Falsch!«, rief sie barsch, so laut, dass ein paar Vögel in der Nähe die Flucht ergriffen. »Wenn du Ungeheuer töten willst, musst du dir jederzeit deiner Umgebung bewusst sein. Hättest du wirklich hingehört, hättest du bemerkt, dass der Wind aus Nordost kommt, was bedeutet, dass alles in südlicher und westlicher Richtung dich wittern kann. Du hättest die Singvögel zwitschern gehört, was bedeutet, dass sie sich in Sicherheit wähnen und keine Gefahr droht. Beachte den Moment, wenn sie verstummen – denn das heißt, dass sie etwas erschreckt hat, und dieses ›Etwas‹ könnte es auf dich abgesehen haben.«

Ich überlegte einen Moment. »Ich höre keine Nymphen oder Zentauren oder Löwen«, wagte ich mich vor.

»Das ist immerhin etwas. Vielleicht bringst du es ja doch noch zur Heldin«, schnaubte Atalante.

*

Bald wurde mir klar, dass der Unterricht, den mir mein Vater erteilt hatte, das reinste Kinderspiel gewesen war. Das, was ich jetzt mit Atalante machte, war echte Arbeit. Was mir zunächst ganz und gar nicht gefiel. Auch wenn ich ein gewisses Talent mitbrachte, war ich doch eine verhätschelte Königstochter und Arbeit nicht gewohnt. Ich freute mich zwar, dass mein Pfeil das Ziel traf, aber es ging mir gegen den Strich, wenn man mir vorschrieb, worauf ich zielen sollte.

Von morgens bis abends machte ich nun meine Übungen mit Bogen, Speer und Schwert. Atalante war eine strenge Lehrerin, und ich erntete zahlreiche blaue Flecken, wenn es mir nicht gelang, ihre Schwertstreiche abzuwehren. In diesen Anfangstagen hasste ich sie, und ich glaube, auch sie begann allmählich mich wegen meiner Sturheit zu hassen. Vielleicht hätte es mit uns übel geendet, hätte sich nicht eines Tages, als der kalte Winterregen die Ebenen von Mykene aufweichte, alles zugespitzt. Weil es sinnlos war, gute Bronze im Regen zu ruinieren, ließ Atalante mich um die Stadtmauer von Tiryns laufen, um an meiner Ausdauer zu arbeiten.

Ich fühlte mich erbärmlich. Bei jedem Schritt versanken meine nackten Füße im Schlamm, und der kalte Regen durchnässte mich durch die Unterkleider bis auf die Haut. Trotz der Anstrengung zitterte ich wie Espenlaub, einzig mein glühender Zorn auf die Frau, die mich nicht aus den Augen ließ, wärmte mich: wie sie da stand, mit verschränkten Armen, ihr Urteil fällend wie eine Statue der unsterblichen Götter.

Ich schaffte es einmal um die Stadt. Als ich die Runde beendet hatte, blieb ich vor Atalante stehen und sah ihr fest in die Augen. »Mir reicht’s.« Als ich mit dem Fuß aufstampfte, versank er im Schlamm, und beim Herausziehen gab es ein schmatzendes Geräusch, was die herausfordernde Geste, um die es mir ging, irgendwie abschwächte. »Ich will reingehen.«

Atalantes Miene verfinsterte sich. Einige Momente lang hörte ich nur meinen hastigen Atem und das Prasseln des Regens. Die Frau, die Ungeheuer und menschliche Gegner getötet hatte, kam schlank und geschmeidig wie eine Messerklinge durch den Regenschleier auf mich zu.

Ich wappnete mich innerlich. Meine Lehrerin sah mich an wie der Wolf das Kaninchen, doch ich weigerte mich, die Rolle des Kaninchens zu spielen. Was hatte sie vor, wollte sie mich schlagen? Davor hatte ich keine Angst. Sie hatte mich mit den Holzschwertern, die wir bei unseren Kampfübungen benutzten, schon Dutzende Male an Rumpf und Armen verletzt. Ich hielt mich aufrecht und blickte ihr entgegen.

Atalante blieb dicht vor mir stehen, sie überragte mich deutlich. »Die Ungeheuer, die du jagst, werden es dir nicht leicht machen, genauso wenig wie ich«, sagte sie ruhig, während ihr der Regen über das klatschnasse Haar rann. »Denkst du, wilde Tiere machen Pause, wenn es regnet? Unsinn. Jetzt ist die beste Zeit, bestimmte Tiere zu jagen, besonders große Wildkatzen oder Bären, denn bei diesem Wetter können sie dich nicht wittern. Meinen ersten Löwen habe ich an einem Tag wie diesem getötet.«

Ich war mir meiner Sache nicht mehr ganz so sicher, und meine Neugier war geweckt. »Wirklich?«

Ein leises Lächeln huschte über ihr Gesicht. »Ja. Und wenn du noch eine Runde um die Stadtmauern läufst, erzähle ich dir davon bei einem Becher warmer Milch im Speisesaal. Ich stehe nämlich bei diesem Mistwetter nicht hier draußen rum, weil es mir solchen Spaß macht.«

Meine Stimmung hellte sich schlagartig auf. Atalante behielt ihre Abenteuer stets für sich, und bislang hatte ich ihr nur wenige entlocken können, umso begieriger war ich nach weiteren. Auch wenn Atalante ihre Geschichten nicht so kunstvoll erzählte wie der blinde Dichter, gefielen sie mir am besten, weil sie wahr waren.

Die zweite Runde lief ich ohne ein Wort der Klage.

Kapitel 2

Eros

Meine Geschichte begann, noch bevor überhaupt Geschichten erzählt wurden, als es nichts gab außer der Erde und dem Himmel, die sich bis in die Unendlichkeit ausdehnten. Noch nicht einmal das Meer war schon erdacht worden.

Damals waren wir weniger als ein Dutzend, die ersten Urgötter, die aus dem bodenlosen Schlund des Chaos hervorkamen – was, wie ich vermute, bloß ein anderer Ausdruck für das Nichts ist. Das Gras der neugeborenen Welt kitzelte mich bei meinen ersten Schritten an den Fußsohlen. Ich blickte an mir hinunter. In der rechten Hand hielt ich einen schönen Bogen, und um die Hüfte trug ich einen Köcher mit Pfeilen, die mit goldenen Federn versehen waren. Beides gehörte untrennbar zu mir, wie meine Finger und Zehen. Als ich mit den Fingern auf die Bogensehne trommelte, spürte ich das stete Vibrieren der Kraft, die in der Waffe steckte.

Ich breitete die Arme aus, beobachtete, wie sich die Muskeln unter meiner Haut bewegten, und tat meine ersten Atemzüge. Über meinen Schultern ragten Flügel mit breiten Federn in die Höhe, die den Bauch des Himmelsgottes Uranos berührten. Staunend grub ich meine Zehen in den Lehm.

Die Welt hatte noch einfache, klare Konturen, war schmucklos, leer, und wartete. Noch gab es keine Dryaden, die die Erde mit Wäldern überziehen sollten, und der leichte Wind trug noch keinen Blumenduft mit sich. Ringsum war kaum etwas zu sehen – bis auf ein paar Steine und ein wenig Gras.

»Was ist das für ein Ort?«, fragte ich laut.

»Ich glaube, er wird Erde genannt«, sagte eine Stimme. »Willkommen. Ich bin Gaia.«

Der Boden unter meinen Füßen begann zu zittern. Ich spürte, dass die Aufmerksamkeit von etwas unsagbar Großem auf mir ruhte, etwas, das noch gewaltiger war als die Ebenen, die sich bis zu den Gebirgszügen in der Ferne erstreckten. Doch ich hatte keine Angst. Ein melodisches, fröhliches Gelächter drang an mein Ohr.

»Gaia«, wiederholte ich und ließ den Namen auf meiner Zunge klingen.

Ich spürte, wie sie mich beobachtete und sah, wie sich um ihre Augen vor Vergnügen Lachfältchen bildeten. Nur schemenhafte Umrisse waren erkennbar – eine stolze Nase, ein Mund mit vollen Lippen, Haare gleich den Flüssen, die nun von den Felsen zur Erde zu rinnen begannen.

»Ein schöner Ort, wenn auch etwas einsam«, sagte Gaia und wandte sich etwas anderem zu. »Doch nicht für dich, wie es scheint. Da kommt jemand.«

Ihre übergroße Präsenz verblasste, und fast hätte ich deshalb das Gleichgewicht verloren. Ich hob den Kopf und entdeckte, dass sich mir jemand näherte. Anders als Gaia, die aus Erde bestand, sah diese Gestalt so aus wie ich. Sie hatte Hände mit fünf Fingern und zwei Beine, mit denen sie mir zügig entgegenschritt. Sie war mein Ebenbild in Frauengestalt – goldenes Haar, bronzefarbene Haut und grüne Augen, auch wenn ihre glänzten wie die einer listigen Schlange.

Es war Eris, die Göttin der Zwietracht und des Streits. Meine kosmische Zwillingsschwester, wenngleich ich nicht mehr für sie empfand, als es die rechte Hand für die linke tut.

»Hier steckst du also«, sagte Eris beim Näherkommen. »Ich habe überall nach dir gesucht. Wir haben viel zu tun, lieber Bruder. Komm.«

Ich betrachtete die Landschaft um mich herum, die gerade erst Form anzunehmen begann. Zackige Berggipfel erhoben sich am Horizont, und die ersten dünnen Wolkenstreifen zogen über den Himmel. Noch war die Welt leer, sie würde es aber nicht mehr lange bleiben. Gaias Worte kamen mir wieder in den Sinn. Ein schöner Ort, wenn auch etwas einsam.

Schon spürte ich das ungeheure Gewicht der herannahenden Zukunft, die darauf brannte, geboren zu werden.

»Nein«, sagte ich zu Eris, und sie sah mich so entgeistert an, als hätte ich angekündigt, mir den ganzen blauen Himmel des Uranos in den Mund stopfen zu wollen. Widerspruch war etwas Neues, und Eris war offenbar verärgert, dass sie nicht als Erste darauf gekommen war.

»Wir sind Götter. Wir schöpfen, und wir zerstören«, drängte sie mich. »Das ist unsere Aufgabe.«

»Wenn wir Götter sind, können wir tun, was wir wollen«, entgegnete ich.

Und um meine Worte mit Taten zu beweisen, streckte ich mich auf den warmen Felsen aus und schloss die Augen. Nach einiger Zeit hörte ich, wie Eris frustriert schnaubend davonrauschte.

Ich weiß nicht, wie lange ich schlief. Schlaf ist für Götter keine Notwendigkeit, wohl aber ein großes Vergnügen, das wir uns nicht entgehen lassen. Ich wurde vom Wind geweckt, der mir mit seinen Fingern über die Wangen strich und das Haar zerzauste. Als ich die Augen öffnete, blickte ich in ein kantiges Gesicht mit Augen, die so blau waren wie der wolkenlose Himmel.

»Wie lange willst du hier herumliegen?«, fragte der Neuankömmling.

Ich wusste, dass es Zephyros war, einer der Brüder, die über die vier Winde geboten. »Solange es mir gefällt«, antwortete ich. In seinen hellen Augen erkannte ich mein eigenes Spiegelbild – goldene Locken, bronzefarbene Haut, Augen so grün wie Gras –, und ich fand mich ganz ansehnlich.

Er nickte, begann jedoch, schon wieder das Interesse zu verlieren. Später würde ich noch begreifen, dass Zephyros ebenso sprunghaft war wie die Winde, die ihm gehorchten. Sein Blick wanderte zu dem Bogen und dem Köcher mit Pfeilen neben mir. »Wofür sind die gut?«, fragte er.

Ich setzte mich auf, griff danach, wog beides in den Händen und grinste. »Wollen wir es zusammen herausfinden?«

Ohne seine Antwort abzuwarten, zog ich einen Pfeil aus dem Köcher. Das Holz des Schafts war poliert und wies nahezu keine Unebenheiten auf, die Pfeilspitze war aus Bronze gefertigt. Dass dieses Ding zum Fliegen gemacht war, begriff ich zwar, doch es wollte sich nicht bewegen. Dann untersuchte ich den Bogen näher. Der eine Gegenstand schien nach dem anderen zu verlangen, es waren zwei Teile eines Ganzen, die sich nach Vereinigung sehnten, und so legte ich den Schaft des Pfeils an die gespannte Sehne.

Schlagartig wurde mir der Zweck des Bogens klar. Ein Gegenstand, der zwei Seiten miteinander verband, eine Waffe, die die Macht hatte, zu heilen. Mir fiel Gaias Einsamkeit ein, und plötzlich wusste ich, was ich zu tun hatte.

Ich zielte mit der bronzenen Pfeilspitze auf den großen, blauen Bauch von Uranos, dem Gott des Himmels. Den Bogen so zu halten, versetzte mich in angenehme Anspannung, die allein durch das Loslassen vollendet würde. Also nahm ich die Finger von der Sehne, und der Pfeil sauste davon. Zephyros summte zustimmend und beschwor eine frische Brise herauf, die den Pfeil seinem Ziel entgegentrug.

Der Wind war kräftig, und ich hatte gut gezielt. Uranos’ Blick fiel auf Gaia, die Erde, und zum ersten Mal trat die Liebe in die Welt.

Damit meine ich die Liebe einer bestimmten Art. Mögen die Griechen drei Wörter für die Liebe haben, die Götter jedoch kennen nur eines.

*

Ich war der Gott des Verlangens, und es dauerte nicht lange, bis ich begriff, was das bedeutete. Wenn ich die Pfeile mit meinem Willen tränkte, weckten sie Begehren, wo auch immer sie landeten. Zuerst dachte ich, das wäre eine gute Sache.

Gaia war über Uranos’ Annäherungsversuche hocherfreut, und bald nahm sie ihn zum Ehemann. Aus ihrer Verbindung gingen unter anderem die Götter hervor, die über das Meer, das Gedächtnis oder die Zeit herrschten, und ihre Glückseligkeit erfüllte die Welt.

Ich ging mit meinen Pfeilen freigiebig um, und von Zeit zu Zeit trank ich selbst aus dem Brunnen des Verlangens und teilte das Lager mit einer Nymphe oder einem Satyr – allerdings stets darauf bedacht, nie selbst den Stich eines meiner Pfeile zu spüren, denn ich wollte mich keinesfalls ernsthaft verlieben. In der körperlichen Vereinigung lag eine süße, nie endende Verheißung, als erklömme man einen Baum im Licht eines Sommertags, ohne je den Wipfel zu erreichen. Ich betrachtete das als mein Geschenk an die Welt, eine Wonne, die ich anderen schenken konnte und die von ihnen freudig angenommen wurde.

Noch wusste ich nicht, wie unbarmherzig die Liebe sein konnte.

Dann wurde ich Zeuge, wie sich die Zuneigung zwischen Uranos und Gaia ins Gegenteil zu verkehren begann. Er verbot ihr, weitere Kinder zu gebären, aus Sorge, eines von ihnen könnte mächtiger werden als er. Aber sie fügte sich nicht, was ihn grausam ihr gegenüber werden ließ. Ihr gemeinsamer Sohn Kronos erhob sich, um seine Mutter zu verteidigen, und es gelang ihm, seinen Vater zu stürzen. Danach ging Kronos noch einen Schritt weiter: Er entmannte Uranos, für alle sichtbar, und warf seinen Phallus ins Meer.

Kronos betrachtete dies als Racheakt für seine Mutter Gaia, doch die Erdgöttin war angewidert von der Gräueltat. Erschüttert von der Grausamkeit ihres Mannes und der Brutalität ihres Sohnes, zog sie sich aus der Welt zurück und fiel in einen endlosen Schlaf, wurde zur Erde, und sonst nichts. Nicht mehr sie selbst.

Mein Handeln hatte etwas Neues, Hässliches in die Welt gebracht. Mir wurde nun klar, dass Verlangen auch die Ursache von Qual sein konnte, nicht nur von Freude. Meine Pfeile konnten in einem verwundeten Herzen eine eiternde Entzündung verursachen. Oder hatte die Liebe selbst vielleicht von Beginn an Fäulnis in sich getragen?

Nach diesen Geschehnissen zog ich mich aus der Götterwelt zurück. Ich flüchtete vor den liebeskranken Göttern, wenngleich sie mir folgten und meinen Namen mit einer Inbrunst flüsterten, die ich nicht nachvollziehen konnte. Sie rochen das Verlangen, das von mir ausging, die Macht, über die ich verfügte und die sie anzog, wie das Blut die Haie herbeilockt. Doch ich wusste, wie schnell sich die Zuneigung in ihrem Blick in Hass verwandeln konnte, für sie war ich nichts weiter als eine Eroberung. Ich wollte damit nichts zu tun haben und wandte mich von ihnen ab.

Allein Zephyros blieb mein Freund und lachte über meine Zurückgezogenheit. »Ich freue mich darauf, dich zu besuchen und das ganze Pack hinter mir zu lassen«, sagte er, als ich ihm von meinen Plänen erzählte.

Weit weg vom Berg Othrys, dem Sitz der ersten Götter, fand ich eine stolze Klippe, von der aus man aufs Meer blicken konnte. Es war ein entlegener und karger Ort; das Einzige, was man dort hörte, waren die Wellen, die gegen den scharfkantigen Fels schlugen, und die Schreie der Seevögel, meiner einzigen Nachbarn, die hoch oben auf den Klippen nisteten und mich nicht weiter beachteten. Das Leben hier am Rand der Erde, wo keinerlei Grün wuchs, war spärlich und immer gleichbleibend. Es hätte der Anfang der Welt sein können, ebenso gut wie das Ende.

Genau danach hatte ich gesucht. Ich ging den Schieferstrand entlang und legte die Hand auf das ausgeblichene Gestein, das sich wie ein warmes Lebewesen anfühlte, um dann mit geschlossenen Augen nach Gaia zu rufen. Meiner wahren Schwester, meiner ältesten Freundin.

Und trotz ihres Deliriums gab sie mir eine Antwort. Hoch oben in den Felsen war ein Knirschen zu vernehmen, und als ich hinaufschaute, sah ich, wie die Erde sich bewegte und eine neue Gestalt annahm. Mit derselben Leichtigkeit, mit der eine Sterbliche sich das Haar flicht, meißelte Gaia mir ein gewaltiges Zuhause aus dem Fels. Eine elegante Steintreppe, zu deren Seiten sich Terrassen voll lieblich duftender Blumen in leuchtenden Farben bildeten, lud mich ein, vom Strand zum Himmelshorst hinaufzusteigen.

Gaia hatte sich großzügig gezeigt. Ich wusste, dass ich in diesem Anwesen alles nach meinem Geschmack vorfinden würde. Auf dem Tisch würden Speisen erscheinen, wenn ich es wünschte, und die Gläser würden sich in meiner Hand von selbst mit Ambrosia, dem Göttertrank, füllen. Meine Kleidung würde ohne mein Zutun frisch gewaschen und geflickt sein; Flecken würden von allein verschwinden. An diesem Ort, den Gaia für mich geschaffen hatte, würde sich die Wirklichkeit meinen Wünschen fügen. So sahen die Geschenke der Erdgöttin an diejenigen aus, die ihre Gunst genossen.

Ich würde dieses Zuhause mit schönen Dingen aller Art füllen – mit buntem Glas und funkelnden Edelsteinen, vielleicht auch ein oder zwei Haustieren. Pfauen hatten mir schon immer gefallen, und Katzen ebenso. Dies würde ein Ort der Freude sein.

»Danke«, flüsterte ich an Gaia gerichtet, dann breitete ich meine goldenen Flügel aus und flog zu meinem neuen Heim empor.

*

Doch selbst an diesem entlegenen Ort war mir das Alleinsein nicht vergönnt. Unablässig erreichten mich Botschaften der anderen Götter, manchmal baten sie mich um den Einsatz meiner Pfeile, manchmal waren es Anliegen deutlich intimerer Natur. Wenn der Handel ein guter war, kam ich den ersteren Bitten manchmal nach, letzteren jedoch nie. Ich hatte nicht vergessen, was mit Uranos und Gaia geschehen war, und wollte nicht riskieren, in einer Liebe gefangen zu sein, die ins Gegenteil kippte.

Eines Tages kam meine Zwillingsschwester Eris zu mir. Sie stand in meinem terrassenförmig angelegten Garten und strich mit der Hand anzüglich über eine der Kolonnaden, während sie durch ihre Wimpern zu mir aufschaute. Mir fiel auf, dass sie ein figurbetont drapiertes Gewand aus durchscheinendem Stoff trug und ihr blondes Haar zu einer komplizierten Krone geflochten hatte, die an jemand anderem vielleicht elegant gewirkt hätte.

Was wollte sie hier? Normalerweise zog meine Schwester die Gesellschaft anderer Götter vor, je mehr es waren, desto besser, denn so konnte sie ihre Talente zum Einsatz bringen. Indem sie böse Gerüchte in dafür offene Ohren flüsterte, verbreitete Eris ihr Gift, wie der Löwenzahn seine Samen über die Erde verstreut.

»Weißt du, geliebter Bruder«, sagte Eris in einem Ton, den sie wahrscheinlich für sinnlich hielt, auch wenn er mir in den Ohren wehtat. »Die anderen Götter haben sich alle einen Partner oder eine Partnerin gesucht, um Kinder zu bekommen und die Erde zu bevölkern, nur du nicht. Ich könnte dir dabei behilflich sein.«

Sie war meine Schwester, doch Verbindungen von Geschwistern waren unter den Göttern nicht ungewöhnlich. Tatsächlich passten wir eigentlich am allerbesten zueinander. Wie Gaia und Uranos waren wir Gegensätze: Verlangen und Zwietracht, wie einst Himmel und Erde. Und dennoch merkte ich, wie mir bei dem Gedanken unbehaglich wurde, dass Eris und ich die Kräfte des jeweils anderen ausgleichen würden – oder dass aus unserer Verbindung etwas noch viel Schlimmeres entstehen könnte.

Diese Möglichkeit schien Eris jedoch nicht zu bekümmern.

»Eris, liebe Schwester«, antwortete ich freundlich, »eher würde ich mir mit einem meiner Pfeile ein Auge ausstechen, als mit dir das Lager zu teilen.«

Sie wurde blass vor Zorn, und für mehrere Tausend Jahre sah ich sie nicht wieder.

*

Irgendwann kam es zu einem zweiten Krieg im Himmel. Kronos hatte seine eigenen Kinder verschlungen, um ein erneutes Aufbegehren zu verhindern, doch eines dieser Kinder war entkommen.

Dieser vergessene Sohn des Kronos stand eines Tages vor meiner Tür. Es war Zeus, der Donnerer, damals bloß einer der niederen Götter. Er platzte in mein Haus und setzte sich an meinen großen Eichentisch, goss sich etwas von meiner Ambrosia ein und schlürfte sie lautstark.

»Ich brauche deine Hilfe«, sagte Zeus, während ihm der violette Saft den langen weißen Bart hinunterrann. Obwohl er mehrere Jahrhunderte jünger war als ich, hatte er das Äußere eines ernsten, grauhaarigen alten Mannes, denn die Götter nehmen die Gestalt an, die ihnen am ehesten entsprach. »Mein Vater Kronos ist böse, er muss getötet werden.«

Ich lachte. »Kronos kam einst zu mir und hat so ziemlich dasselbe über seinen Vater gesagt. Da frage ich mich, wann eines deiner Kinder bei mir an die Tür klopft.«

Zeus’ Grinsen verschwand augenblicklich. Am vormals blauen Himmel tauchten nun Gewitterwolken gleich wachsenden Blutergüssen auf, zwischen denen die Blitze zuckten. Vom Garten her hörte man tiefes Donnergrollen. Meine Pfauen schrien vor Angst, und die Katzen versteckten sich hinter den Möbeln, doch ich saß regungslos da.

Zeus erhob sich von seinem Stuhl. Mit einer Miene so düster wie der Himmel, baute er sich drohend vor mir auf. »Nun gut. Wenn du mir schon nicht hilfst, dann sei mir zumindest nicht im Weg. Aber wenn ich erst König der Götter bin, werde ich mich an deine Unverfrorenheit erinnern.«

»Grüß deine Frau Hera von mir«, sagte ich.

Zeus stürmte aus meinem Haus, im wahrsten Sinne des Wortes, und Regen und Blitze peitschten über den Himmel.

*

Eines Tages kam mein Freund Zephyros bei mir zur Tür hereingerauscht und berichtete mir mit aufgerissenen Augen, wie Zeus aus dem Kampf mit Kronos als Sieger hervorgegangen war. Er habe seinen Vater ins Exil getrieben und auf dem Berg Olymp einen neuen Herrschaftssitz geschaffen.

Diejenigen, die Zeus vorher treu gedient hatten, wurden damit belohnt, dass sie ins Dodekatheon aufgenommen wurden, das Pantheon der zwölf Götter. Damals waren es nur fünf, doch Zeus hegte keine Zweifel, die noch verbleibenden Positionen bald besetzen zu können. Die älteren Götter, die gegen ihn waren, wurden von da an Titanen genannt. Ein klug gewählter Name: bedeutend genug, dass die damit Bedachten sich nicht beschweren konnten, zugleich grenzte er sie aber von den neuen Göttern ab. Zeus verfuhr mit jedem einzelnen dieser Titanen auf unterschiedliche Weise: Jene, die ihm getrotzt hatten, wurden verbannt oder getötet, während die anderen mit einer Einschränkung ihrer Befugnisse davonkamen.

Nach seinem Sieg stieg Zeus in die Tiefen des Meeres hinab, wo das Blut seines Großvaters Uranos seit Jahrhunderten gärte. Durch die dem Ozean innewohnende göttliche Kraft verwandelte sich das abgetrennte Glied des Urgottes in etwas Neues, etwas Schönes. Zeus flüsterte der Gottheit, die aus diesem lange zurückliegenden Verbrechen nun hervorging, Anweisungen zu, sagte ihr, wer sie war und über welcherlei Kraft sie verfügte. Auch sie würde schließlich ins Dodekatheon auf dem Gipfel des Olymps aufgenommen werden, doch zunächst musste sie jemanden ausfindig machen.

Eine Weile ließ sie sich von den Gezeiten treiben und schreckte Schwärme bunter Fische auf, die einzigen Zeugen ihrer kurzen göttlichen Kindheit. Sie betrachtete die wogenden Seetangfelder und ließ ihr Haar wachsen, bis es so lang war wie die Pflanzen des Meeres. Mit Gliedmaßen, die zu schlanken, wohlgeformten Beinen geworden waren, bewegte sie sich hinauf an die glitzernde Wasseroberfläche und flüsterte bei ihrem ersten Atemzug ihren Namen: Aphrodite, die Göttin der Liebe und der Schönheit.

*

Aphrodite wandte sich zur Insel Zypern und stieg dort aus dem Meer. Es war Nacht, und der Strand leuchtete hell im Licht des Vollmonds. Sanfte Hügel erinnerten an die geschwungenen Hüften einer Frau, und in der Luft hing der Duft von Jasmin. Sicherlich hatte Aphrodite angenommen, dass Nymphen sie als Dienerinnen erwarten, leinene Kleider für sie bereithalten und Rosenblütenblätter für sie ausstreuen würden, vielleicht hatte sie auch mit Musikern gerechnet, die im Mondschein sanft ihre Instrumente erklingen ließen. Doch nur ich war dort, mit einem Stück Stoff in der Hand und einem ausgesprochen unglücklichen Gesicht.

Sie machte sich nicht die Mühe, ihre Enttäuschung zu verbergen, nahm das Tuch und trocknete sich das feuchte Haar, ohne sich darum zu kümmern, dass sie nackt war. Erst als sie fertig war, schenkte sie mir Beachtung. »Du musst mein neuer Diener sein.«

Ich erwiderte nichts. Wie die anderen älteren Götter war ich gezwungen, meinen Platz in Zeus’ neuer Rangordnung zu akzeptieren, sosehr es mir auch missfiel.

Aphrodite fuhr fort: »Es ist Zeus’ Wille, dass wir beide zusammen über das Reich des Begehrens und der Schönheit herrschen, auch wenn ich natürlich den größten Teil davon für mich beanspruche. Wie es scheint, hast du ihm einmal getrotzt, daher hat er beschlossen, sich seine eigene Liebesgöttin zu schaffen. Das verstehst du sicher.« Sie zuckte mit den Schultern und lächelte auf eine Art, die andere Götter vielleicht mit flammender Leidenschaft erfüllt hätte, bei mir indes leichte Übelkeit hervorrief.

Ich schwieg.

Aphrodite wickelte sich das Tuch um den Kopf und stemmte die Hände in die Hüften, während sie mich musterte und das Mondlicht ihren nackten Körper zum Strahlen brachte. Sie kam einen Schritt auf mich zu, dann noch einen, nahe genug, dass ich ihren Atem spüren konnte wie den warmen Nachtwind. Ich roch ihre Haut, die allein Wasser und Mondlicht berührt hatten und die nach anderen Liebkosungen verlangte. Ob Aphrodite mich küssen oder lebendig verschlingen würde, war schwer zu sagen.

Wie sich zeigte, tat sie weder das eine noch das andere, sondern kam mit ihrem Mund dicht an mein Ohr und flüsterte: »Zeus meint, dass Familienbande für Harmonie sorgen. Ich glaube, er will, dass ich dich zum Ehemann nehme.«

Der Schrecken grub seine Krallen in mein Herz. Aphrodite machte plötzlich einen Schritt zurück, und ich taumelte dorthin, wo sie gerade gestanden hatte. »Vergib mir meine Worte, aber ich würde einen weniger armseligen Ehegatten bevorzugen.« Ihr Gelächter war hell und wohlklingend. »Ich glaube, ich nehme dich stattdessen als meinen Sohn an.«

Ich verzog den Mund. »Ich bin nicht dein Sohn.«

»Oh, jetzt bist du es aber«, entgegnete sie. »Es sei denn, du willst den Zorn des Donnergottes auf dich ziehen.«

Mir stockte der Atem, da ich mich einem Tyrannen ausgeliefert sah und auf keinerlei Unterstützung hoffen konnte. Auch wenn ich älter war als Zeus, konnte ich mich an Stärke nicht mit ihm messen. Ich hatte Gerüchte vom Schicksal des Nereus gehört, des alten Titanen und Meeresgotts. Er hatte Einspruch erhoben, als Poseidon, der von seinem Bruder Zeus aus dem Schlund von Kronos gerettet worden war, Anspruch auf sein Reich erhob. Die Blitze des Zeus hatten den Meeresgott so getroffen, dass er zu Asche zerfiel. Ohne die Kraft, seine körperliche Gestalt zu behalten, hatte sich Nereus in den Wellen aufgelöst, die einst sein Zuhause gewesen waren. Nun lebte er nur noch im Meeresschaum und dem Fluss der Gezeiten weiter und wusste nicht einmal mehr, wie er hieß.

Aphrodite war noch neu in der Welt, doch sie war listig. Sie ging davon aus, dass mich der drohende Zorn des Zeus zwar an diesen Strand gezwungen hatte, meine Loyalität aber nicht bis ans Ende aller Zeiten sicherstellen würde. Daher versuchte sie es mit einer anderen Taktik.

»Da ist etwas Neues im Entstehen, hörst du«, sagte sie in verschwörerischem Ton. »Zeus hat mir davon erzählt. Es wird Menschheit genannt, eine Rasse Sterblicher, die uns unterhalten und verehren soll. Das wird ein großer Spaß, meinst du nicht?«

Ich spürte einen Funken Neugier. Götter lieben nichts so sehr wie das Neue, und verehrt zu werden klang ausgesprochen interessant. Da Aphrodite ihre Chance gekommen sah, fügte sie hinzu: »Wenn du kein Interesse hast, kann ich Zeus wohl bitten, dich einem anderen Gott zuzuweisen. Ich bin mir sicher, Hestia hätte mit Freuden jemanden, der ihr dabei hilft, das Haus sauber zu halten.«

Das genügte. Ich kniete vor Aphrodite nieder und bot ihr meine Gefolgschaft an. Und träumte dabei von günstigen Gelegenheiten, mich an den Olympiern zu rächen.

*

In den darauffolgenden Jahrhunderten blieb ich stets vorsichtig. Nie brach ich meine Versprechen, und auch wenn ich den einen oder anderen Weg fand, um mich meiner Unterwerfung zu widersetzen, konnte man mir nie etwas mit Sicherheit nachweisen.

Für eine Göttin der Liebe hatte Aphrodite in Herzensdingen bemerkenswertes Pech. Meine sogenannte Mutter war – seit einer etwas voreiligen Entscheidung von Zeus, als der Wettstreit um ihre Hand zu Blutvergießen zu führen drohte – mit Hephaistos, dem hässlichen Gott der Schmiedekunst, verheiratet. Unglücklicherweise verliebte sich Aphrodite jedoch in den schmucken Kriegsgott Ares und hatte daneben noch einige andere Liebschaften, die alle glücklos endeten.

Zeus, dem König der Götter, widerfuhr ein ähnlich missliches Schicksal. Seine zahllosen Affären brachten seine Frau Hera gegen ihn auf, die kaum damit hinterherkam, all die Nymphen und Göttinnen zu zählen, mit denen er im Bett landete. Und doch schien er es einfach nicht lassen zu können. Vermutlich sagte er sich, die Schwelgerei in sinnlichen Genüssen sei ein königliches Privileg. Zeus glaubte gern, seine Lust im Griff zu haben, auch wenn einiges dafürsprach, dass es sich umgekehrt verhielt.

Ich deutete meine Beteiligung bei alldem mit keinem Wort an und ging mit meinen Pfeilen sparsam um. Bei Kronos und Gaia hatte ich erlebt, was für ein zweischneidiges Schwert die Liebe sein konnte, und ich zögerte keinen Augenblick, sie, sollte es erforderlich sein, für meine eigenen Zwecke zu nutzen.

Wenn die Liebe eine Waffe war, dann wusste ich sie zu führen.

Kapitel 3

Psyche

Als ich dreizehn war, trat ich mit meiner Familie den Weg über die griechischen Berge an, um zu der Hochzeit von Helena und Menelaos nach Sparta zu reisen.

Ich saß mit meiner Mutter in einer Sänfte, deren Vorhänge ich unablässig zur Seite schob, um die anderen Reisenden auf der Straße zu beobachten: Bauern, die ihr Getreide zum Markt fuhren, Pilger auf dem Weg zu irgendeinem Tempel, auch ganze Familien, die unterwegs waren wie wir. Irgendwann hatte meine Mutter genug davon und schickte mich hinaus zu meinem Vater, der an der Spitze unserer Gruppe ritt. Er grüßte mich freundlich, setzte mich vor sich aufs Pferd wie damals, als ich noch ein kleines Mädchen war, und erzählte mir Geschichten über den Stadtstaat Sparta. Die Spartaner waren ein Volk von Kriegern und für die Stärke ihrer Armeen bekannt. Dieses Volk brachte selbst seinen Töchtern das Jagen und Kämpfen bei, so wie man es auch mich lehrte. Das machte mich neugierig.

Schließlich kam die Stadt in Sicht. Sie war von keinem schützenden Kokon aus Mauern umgeben, denn Sparta verließ sich für seine Verteidigung auf seine Krieger und nicht auf Stein und Mörtel. Draußen vor der Stadt empfing uns eine Ehrengarde, die uns zum Palast geleiten sollte. Sie führten unseren Tross auf einen Hof, wo eine Gruppe von Männern wartete. Einer von ihnen rief uns einen Gruß zu und trat vor.

Er erinnerte an eine aufgedunsene Version meines Vaters. Während der schlanke, langgliedrige Alkaios an einen Wolf erinnerte, war Agamemnon ein muskelbepackter Bär von einem Mann. Seine Tunika spannte ihm über dem Bauch, und unter den Achseln sah man Schweißflecken. Die Nase musste er sich mindestens zwei oder drei Mal gebrochen haben, was ihm ein grobes, unförmiges Aussehen verlieh. Selbst an diesem Festtag stank er nach Schweiß und seiner Bronzerüstung.

»Alkaios«, rief er mit dröhnender Stimme. »Ich wusste gar nicht, dass du einen Sohn hast.«

Mein Vater wand sich nervös. »Das ist …«

»Ich bin Psyche«, stellte ich mich hastig vor, stieg rasch vom Pferd und lief auf meinen Onkel Agamemnon zu. »Ich habe schon so viel von dir gehört, und …«

»Oh, eine Tochter«, sagte Agamemnon mit nun sichtlich geringerem Interesse und wandte sich wieder meinem Vater zu. »Du kommst spät, Alkaios. Menelaos und ich wollten deine Meinung zu der Angelegenheit mit den Truppen der Argiver hören …«

Sie kehrten mir den Rücken zu und ließen mich mitsamt der verhangenen Sänfte meiner Mutter und den Dienern auf dem staubigen Hof stehen. Ich sah sie davongehen und war maßlos enttäuscht.

Meine Mutter erklärte, sich unwohl zu fühlen, und man brachte sie zu den Schlafquartieren; die Reise hatte ihr viel abverlangt, und sie benötigte Ruhe. Ich hingegen wurde einen anderen Flur entlanggezerrt. Hastig zogen mir einige Dienerinnen die staubigen Reisekleider aus und steckten mich in einen steifen, muffigen Chiton, der nach altem Zedernholz roch. Ich glättete das Rockteil, das deutlich länger war als meine praktische Reitkleidung und die kurzen Kleider, die ich normalerweise trug. Dann schoben mich die Dienerinnen, obwohl ich mehrmals fast gestolpert wäre, in einen dunklen Raum und schlugen hinter mir die Tür zu.

»Wen haben wir denn da?«, fragte jemand mit klangvoller Stimme.

Es dauerte einen Moment, bis meine Augen sich an das Halbdunkel gewöhnt hatten. Das Zimmer befand sich im Inneren des Palastes, war fensterlos und nur von wenigen Lampen erhellt. Die Frauengemächer, begriff ich. Frustriert fragte ich mich, wo wohl mein Vater und meine Onkel sein mochten und ob ich sie noch wiederfinden würde.

»Ich bin Psyche«, antwortete ich schließlich unbeholfen und sah die Frau an, die das Wort an mich gerichtet hatte. Was ich wollte, war, meine Axtwurf-Künste vorzuführen, nicht mit fremden Frauen im Dunkeln herumzuhocken. »Ich bin die Tochter von Alkaios.«

»Die Prinzessin von Mykene«, sagte die Frau freundlich und neigte den Kopf. »Es freut mich, dich kennenzulernen. Mein Name ist Penelope, ich bin die Königin von Ithaka.«

Im Halbdunkel konnte ich Penelopes große dunkle Augen und ihre lockige braune Haarmähne erkennen, die sie streng aus dem Gesicht gekämmt trug. Diese Frau war nicht schön im eigentlichen Sinn, doch da waren etwas Nachdenkliches in ihrem Blick und etwas auffallend Selbstbewusstes in ihrer Stimme, was sie interessant wirken ließ. Viele Jahre später, als ich ihren Mann Odysseus kennenlernte, überraschte es mich nicht zu erfahren, dass er eine besondere Verbindung zur Göttin Athene hatte. Mit ihren flinken Händen und ihrem noch flinkeren Verstand war Penelope eine irdische Entsprechung dieser Göttin.

»Das ist Klytaimnestra, Agamemnons Gemahlin«, fuhr Penelope fort und deutete auf eine mürrisch dreinblickende Frau, »und das sind ihre beiden Töchter, Iphigenie und Elektra. Iphigenie ist sehr geschickt am Webstuhl und fast so alt wie du.«

Iphigenie war tatsächlich nur wenig jünger als ich und sah mich mit großen Augen fasziniert an. Sie hatte ein freundliches, offenes Gesicht mit Wangen, die an die sanfte Rundung eines Pfirsichs erinnerten, und einen kupferfarbenen Hautton, der unsere Verwandtschaft verriet. Ihre Mutter Klytaimnestra hingegen sah aus, als hätte sie eine Zitronenscheibe im Mund. Neben ihr schlummerte Elektra, noch ein Säugling, in einem Korb.

»Wo ist ihre Mutter?«, fragte Klytaimnestra. »Ein anständiges Mädchen kann doch nicht allein im Palast herumstromern.«