Psychologie der Massen - Gustave Le Bon - E-Book

Psychologie der Massen E-Book

Gustave Le Bon

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Beschreibung

Mit seiner unerhört wirkungsmächtigen Studie 'Psychologie der Massen' (1895) legte der französische Soziologe Gustave Le Bon (1841–1931) den Grundstein für die wissenschaftliche Disziplin der Massenpsychologie. Seine scharfsinnigen Analysen hatten erheblichen Einfluss auf die Arbeiten der großen Denker seiner Zeit, darunter Max Weber und Sigmund Freud. Als Erster attestierte Le Bon der Masse eine eigene Form von Moralempfinden, die die intellektuellen und sittlichen Eigenschaften des Einzelnen in den Hintergrund drängt und die Gemeinschaft für die Botschaften von Demagogen empfänglich macht.

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Gustave Le Bon

Psychologieder Massen

Aus dem Französischenvon Rudolf Eisler

Titel der französischen Originalausgabe:Psychologie des Foules (Paris 1895). Die Übertragung von Rudolf Eisler erschien zuerst 1908 im Verlag von Dr. Werner Klinkhardt in Leipzig. Der Text der vorliegenden Ausgabe folgt der zweiten, verbesserten Auflage von 1912. Orthographie und Interpunktion wurden den Regeln der neuen deutschen Rechtschreibung angepasst.

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind imInternet unter http://dnb.d-nb.de abrufbar.

© 2011 Anaconda Verlag GmbH, KölnAlle Rechte vorbehalten.eISBN 978-3-7306-9068-0Print ISBN [email protected]

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Einleitung: Die Ära der Massen

ERSTES BUCHDie Massenseele

1. Allgemeine Charakteristik der Massen. Das psychologische Gesetz ihrer selischen Einheit

2. Gefühlsleben und Sittlichkeit der Massen

§ 1: Impulsivität, Wandelbarkeit und Reizbarkeit der Massen

§ 2: Suggestibilität und Leichtgläubigkeit der Massen

§ 3: Überschwänglichkeit und Einseitigkeit der Massengefühle

§ 4: Unduldsamkeit, Autoritätsglauben, Konservatismus der Massen

§ 5: Sittlichkeit der Massen

3. Ideen, Urteil und Einbildungskraft der Massen

§ 1: Die Ideen der Massen

§ 2: Die Schlüsse der Massen

§ 3: Die Einbildungskraft der Massen

4. Die religiösen Formen der kollektiven Überzeugungen

ZWEITES BUCHAnschauungen und Überzeugungen der Massen

1. Mittelbare Faktoren der Anschauungen und Überzeugungen der Massen

§ 1: Die Rasse

§ 2: Die Tradition

§ 3: Die Zeit

§ 4: Die politischen und sozialen Institutionen

§ 5: Erziehung und Unterricht

2. Direkte Faktoren der Anschauungen der Massen

§ 1: Bilder, Worte und Formeln

§ 2: Die Illusionen

§ 3: Die Erfahrung

§ 4: Die Vernunft

3. Die Führer der Massen und ihre Überzeugungsmittel

§ 1: Die Führer der Massen

§ 2: Die Wirkungsmittel der Führer: Behauptung, Wiederholung, Übertragung

§ 3: Das Prestige

4. Grenzen der Veränderlichkeit der Anschauungen und Überzeugungen der Massen

§ 1: Die festen Überzeugungen

§ 2: Die wechselnden Anschauungen der Massen

DRITTES BUCHKlassifikation und Einteilung der Massen

1. Klassifikation der Massen

§ 1: Heterogene Massen

§ 2: Homogene Massen

2. Die sogenannten kriminellen Masssen

3. Die Geschworenen bei den Assisengerichten

4. Die Wählermassen

5. Die Parlamentsversammlungen

ANMERKUNGEN

Vorwort

Meine frühere Arbeit1 war der Schilderung der Rassenseele gewidmet. Nunmehr wollen wir die Massenseele studieren.

Der Inbegriff der gemeinsamen Merkmale, welche allen Mitgliedern einer Rasse durch Vererbung zuteil wurden, macht die Seele dieser Rasse aus. Es zeigt sich aber, dass, wenn eine gewisse Anzahl dieser Individuen sich massenweise zum Handeln vereinigt, aus dieser Vereinigung als solcher gewisse neue psychologische Eigentümlichkeiten sich ergeben, die zu den Rassenmerkmalen hinzukommen und sich von ihnen zuweilen erheblich unterscheiden.

Zu allen Zeiten haben die organisierten Massen eine wichtige Rolle im Völkerleben gespielt, niemals aber in so hohem Maße wie heutzutage. Die an die Stelle der bewussten Tätigkeit der Individuen tretende unbewusste Massenwirksamkeit bildet ein wesentliches Kennzeichen der Gegenwart.

Ich habe versucht, das schwierige Problem der Massen in streng wissenschaftlicher Weise zu bearbeiten, also methodisch und unbekümmert um Meinungen, Theorien und Doktrinen. Nur so, glaube ich, kommt man zur Auffindung von Wahrheitselementen, besonders wenn es sich, wie hier, um eine die Geister lebhaft erregende Frage handelt. Der um die Festlegung eines Phänomens bekümmerte Forscher hat sich um die Interessen, die durch seine Feststellungen tangiert werden können, nicht zu sorgen. Ein ausgezeichneter Denker, Goblet d’Alviela, hat in einer seiner Schriften bemerkt, ich gehöre keiner zeitgenössischen Richtung an und gerate zuweilen in Gegensatz zu gewissen Folgerungen aller dieser Schulen. Hoffentlich verdient die vorliegende Arbeit das gleiche Urteil. Zu einer Schule gehören heißt, deren Vorurteile und Standpunkte annehmen müssen.

Ich muss jedoch dem Leser erklären, warum er mich aus meinen Studien wird Schlüsse ziehen finden, die von denen abweichen, welche auf den ersten Anblick daraus resultieren, indem ich z. B. den außerordentlichen geistigen Tiefstand der Massen konstatiere und dabei doch behaupte, es sei ungeachtet dieses Tiefstandes gefährlich, die Organisation der Massen anzutasten.

Eine aufmerksame Beobachtung der geschichtlichen Tatsachen hat mir nämlich stets gezeigt, dass, da die sozialen Organismen ebenso kompliziert sind wie die anderen Organismen, es ganz und gar nicht in unserer Macht steht, sie in jäher Weise tief gehenden Umwandlungen zu unterwerfen. Nicht selten ist die Natur radikal, aber nicht so, wie wir es verstehen; daher gibt es nichts Traurigeres für ein Volk als die Manie der großen Reformen, so vortrefflich diese Reformen theoretisch erscheinen können. Nützlich wären sie nur dann, wenn es möglich wäre, die Volksseelen plötzlich zu ändern. Die Zeit allein hat diese Macht. Die Menschen werden von Ideen, Gefühlen und Gewohnheiten geleitet, von Dingen, die in uns selbst sind. Die Institutionen und Gesetze sind die Offenbarung unserer Seele, der Ausdruck ihrer Bedürfnisse. Von dieser Seele ausgehend, können Institutionen und Gesetze sie nicht ändern.

Das Studium der sozialen Erscheinungen lässt sich nicht von dem der Völker, bei denen sie sich vollzogen haben, trennen. Philosophisch betrachtet, können diese Erscheinungen einen absoluten Wert haben, praktisch aber sind sie nur von relativem Wert.

Man muss demnach bei dem Studium einer sozialen Erscheinung dasselbe Ding nacheinander von zwei sehr verschiedenen Gesichtspunkten betrachten. Wir sehen also, dass die Unterweisungen der reinen sehr oft denen der praktischen Vernunft entgegengesetzt sind. Es gibt keine Tatsachen, auch nicht auf physischem Gebiete, worauf diese Unterscheidung sich nicht anwenden ließe. Vom Gesichtspunkte der absoluten Wahrheit sind ein Würfel, ein Kreis unveränderliche geometrische Figuren, welche mittels bestimmter Formeln streng definiert werden. Für den Gesichtssinn können diese geometrischen Gestalten sehr mannigfache Formen annehmen. Die Perspektive kann in Wirklichkeit den Würfel in eine Pyramide oder in ein Quadrat, den Kreis in eine Ellipse oder Gerade verwandeln. Und diese fiktiven Formen sind von viel größerer Bedeutung als die realen Formen, denn es sind die einzigen, welche wir sehen und welche fotografisch oder zeichnerisch sich reproduzieren lassen. Das Irreale ist in gewissen Fällen wahrer als das Reale. Es hieße die Natur deformieren und unkenntlich machen, wollte man die Dinge in ihren exakt geometrischen Formen vorstellen. In einer Welt, deren Bewohner die Dinge nur, ohne sie berühren zu können, abzubilden oder zu fotografieren vermöchten, würde man nur sehr schwer zu einer exakten Vorstellung ihrer Form gelangen, und die Kenntnis dieser Form, die nur einer geringen Anzahl von Gelehrten zugänglich wäre, würde nur ein sehr schwaches Interesse erwecken.

Der Philosoph, der die sozialen Erscheinungen studiert, muss sich vor Augen halten, dass dieselben neben ihrem theoretischen auch einen praktischen Wert haben, und dass der letztere vom Gesichtspunkte der Kulturentwicklung der einzig bedeutsame ist. Dies muss ihn gegenüber den Folgerungen, welche die Logik ihm zunächst darzubieten scheint, sehr auf der Hut sein lassen.

Zu solcher Reserve veranlassen ihn noch andere Beweggründe. Die Kompliziertheit der sozialen Tatsachen ist eine solche, dass man sie nicht in ihrer Gesamtheit umfassen und die Wirkungen ihrer wechselseitigen Beeinflussung voraussagen kann. Auch scheinen sich hinter den sichtbaren Tatsachen oft tausende unsichtbare Ursachen zu verbergen. Die sichtbaren sozialen Tatsachen scheinen die Resultante einer riesigen unbewussten Arbeit zu sein, die nur zu oft unserer Analyse unzugänglich ist. Die wahrnehmbaren Phänomene lassen sich den Wogen vergleichen, welche der Oberfläche des Ozeans die unterirdischen Erschütterungen mitteilen, deren Sitz er ist und die wir nicht kennen. In der Mehrzahl ihrer Handlungen bekunden die Massen zumeist eine absonderlich niedrige Geistigkeit; aber in anderen Handlungen scheinen sie von jenen geheimnisvollen Kräften geleitet, welche die Alten Schicksal, Natur, Vorsehung hießen, die wir die Stimmen der Toten nennen und deren Macht wir nicht verkennen können, so unbekannt uns auch ihr Wesen ist. Oft scheint es, als ob im Schoße der Völker latente Kräfte stecken, die sie leiten. Was gibt es z. B. Komplizierteres, Logischeres, Wunderbareres als eine Sprache? Und woher anders entspringt dennoch dieses so wohl organisierte und subtile Ding als aus der unbewussten Massenseele? Die gelehrtesten Akademien registrieren nur sorgfältig die Gesetze dieser Sprachen, konnten sie aber nicht schaffen. Selbst die genialen Ideen der großen Männer – wissen wir sicher, ob sie ausschließlich deren Werk sind? Gewiss sind sie stets Produkte einzelner Geister, aber die tausenden Staubkörner, welche den Boden zur Keimung dieser Ideen bilden, hat nicht die Massenseele sie erzeugt?

Ohne Zweifel sind die Massen stets unbewusst, aber dieses Unbewusste selbst ist vielleicht eines der Geheimnisse ihrer Kraft. In der Natur vollbringen die nur aus Instinkt tätigen Wesen Handlungen, deren wunderbare Kompliziertheit uns staunen lässt. Die Vernunft ist für die Menschheit noch zu neu und unvollkommen, um uns die Gesetze des Unbewussten zu enthüllen und besonders um dieses zu ersetzen. In allen unseren Handlungen ist der Anteil des Unbewussten ungeheuer, der der Vernunft sehr klein. Das Unbewusste wirkt wie eine noch unbekannte Kraft.

Wollen wir uns also in den engen, aber sicheren Grenzen der wissenschaftlich erkennbaren Dinge halten und nicht auf dem Felde vager Vermutungen und nichtiger Hypothesen umherirren, dann müssen wir einfach die uns zugänglichen Phänomene feststellen und uns damit begnügen. Jede aus unseren Beobachtungen gezogene Folgerung ist meist vorzeitig; denn hinter den wahrgenommenen Erscheinungen gibt es solche, die wir schlecht sehen und vielleicht hinter den letzteren noch andere, die wir überhaupt nicht gewahren.

EINLEITUNG

Die Ära der Massen

Die großen Erschütterungen, welche, wie der Fall des Römischen Reiches und die Begründung der arabischen Herrschaft, den Kulturveränderungen vorangehen, scheinen auf den ersten Anblick besonders durch bedeutsame politische Veränderungen bestimmt zu sein: durch Völkerinvasionen oder durch Sturz von Dynastien. Eine genauere Untersuchung dieser Ereignisse zeigt aber, dass sich zumeist hinter deren scheinbaren Ursachen als wirkliche Ursache eine tiefgehende Modifikation in den Ideen der Völker findet. Nicht jene, die uns durch ihre Größe und Heftigkeit verwundern, sind die wahren historischen Erschütterungen. Die einzigen Veränderungen von Bedeutung – jene, aus welchen die Erneuerung der Kulturen entspringt – vollziehen sich auf dem Gebiete der Ideen, der Gedanken und Überzeugungen. Die bemerkenswerten Ereignisse der Geschichte sind die sichtbaren Wirkungen der unsichtbaren Veränderungen des menschlichen Denkens. Wenn diese großen Ereignisse so selten stattfinden, so hat das seinen Grund darin, dass es nichts Stabileres in einer Rasse gibt, als das Erbgut ihrer Gedanken.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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