Rätselhafte Welt der Raubkatzen - Kai Althoetmar - E-Book
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Rätselhafte Welt der Raubkatzen E-Book

Kai Althoetmar

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Beschreibung

Fallen in Afrika wirklich die meisten Gepardenjungen Löwen zum Opfer? Wie können in einer Gegend wie dem Himalaya Leopard und Schneeleopard koexistieren? Und warum profitieren Hyänen davon, wenn die Jagd auf Löwen eingestellt wird? Die Wissenschaft bringt dank modernster Forschungsmethoden oft Überraschendes ans Licht. Das gilt auch für altbekannte charismatische Raubkatzenarten - vom Tiger über Luchs und Löwe bis zum Schneeleoparden. Das zeigen neuere Forschungsergebnisse. Eine verblüffende Rundreise durch die aktuelle Raubkatzenforschung. - Illustriertes eBook mit zahlreichen Fotos.

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Veröffentlichungsjahr: 2018

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Inhaltsverzeichnis

Rätselhafte Welt der Raubkatzen

Kai Althoetmar

Rätselhafte Welt der Raubkatzen

Tiger, Löwe, Luchs & Co.: Geschichten aus der zoologischen Forschung

Impressum:

Titel des Buches: „Rätselhafte Welt der Raubkatzen. Tiger, Löwe, Luchs & Co.: Geschichten aus der zoologischen Forschung“.

Erscheinungsjahr: 2022.

Inhaltlich Verantwortlich:

Verlag Nature Press

Kai Althoetmar

Am Heiden Weyher 2

53902 Bad Münstereifel

Deutschland

Text: © Kai Althoetmar.

Titelfoto: Pardelluchs. Foto: Programa de conservación ex-situ del lince ibérico, Antonio Rivas. Mit freundlicher Genehmigung.

Verlag und Autor folgen der bis 1996 allgemeingültigen und bewährten deutschen Rechtschreibung.

Von Löwen und Luchsen

Fallen in Afrika wirklich die meisten Gepardenjunge Löwen zum Opfer? Wie können in einer Gegend wie dem Himalaya Leopard und Schneeleopard koexistieren? Und warum profitieren Hyänen davon, wenn die Jagd auf Löwen eingestellt wird? Die Wissenschaft bringt dank modernster Forschungsmethoden oft Überraschendes ans Licht. Das gilt auch für altbekannte charismatische Raubkatzenarten - vom Tiger über Luchs und Löwe bis zum Schneeleoparden. Das zeigen neuere zoologische Forschungsergebnisse.

Die in diesem Band vorgestellten Forschungsstudien haben internationale Wissenschaftlerteams im renommierten Journal of Zoology der Zoologischen Gesellschaft London sowie in dessen Schwesterblatt Integrative Zoology veröffentlicht. Der Autor hat - als einziger deutschsprachiger Wissenschaftsjournalist - über diese Forschungsarbeiten in deutschen, österreichischen und Schweizer Medien berichtet. Das vorliegende Buch ist eine Sammlung dieser Feldforschungsgeschichten, die die komplexen und akademischen englischsprachigen Fachchinesisch-Texte der Biologen in eine auch für Laien verständliche Form und Sprache überträgt und daraus „erzählte Zoologie“ gestaltet. Hintergrundinformationen zu den behandelten Tierarten und Auszüge aus Interviews mit den Forschern ergänzen die Texte, die den Leser auf eine verblüffende Rundreise durch die weltweite zoologische Wissenschaft im Bereich der Raubkatzen mitnehmen.

Löwenmänner brauchen Konkurrenz

Abschüsse durch Viehzüchter lassen Löwenbestände in Namibia genetisch verarmen.

Aus Tierdokus kennt man die Szenen: Ein männlicher Löwe erobert ein Rudel, vertreibt das bisherige Alpha-Männchen und tötet den noch jungen Nachwuchs, den sein Vorgänger mit den Löwinnen des Rudels gezeugt hat. Möglichst schnell will der neue Rudelführer seine Gene weitergeben - was nur geht, wenn die Weibchen wieder empfängnisbereit sind und keine Neugeborenen um sich haben.

Was Tierfreunden als Grausamkeit aufstößt, erfüllt biologisch einen Zweck. Der Chefwechsel im Löwenrudel verhindert Inzucht und damit eine genetische Verarmung der Population, die oft mit Krankheiten einhergeht. Denn sobald ein Rudelführer seine Gruppe drei, vier Jahre am Stück unter Kontrolle hat, beginnt er sich auch mit den eigenen Töchtern zu paaren. Im Alter von drei bis vier Jahren bekommen Löwinnen erstmals Nachwuchs. Zum Lauf der Natur gehört es, daß der Alpha-Löwe - statistisch gesehen - nach zwei bis drei Jahren wieder gestürzt wird. Nicht immer geht das mit Infantizid, der Tötung der Jüngsten, einher. Oft gelingt es den Löwinnen, das Leben ihres Nachwuchses zu verteidigen, oder sie ziehen mit ihren Jüngsten ab. Konflikte zwischen Mensch und Raubkatze können diese Abläufe stören.

Forscher aus Österreich und Südafrika haben ermittelt, daß Löwenbeständen durch Abschüsse von Viehzüchtern die genetische Verarmung droht. Die Lebensfähigkeit der Raubkatzenpopulationen wird dadurch auf Dauer gefährdet. Das zeigt eine im Journal of Zoology veröffentlichte Studie aus Namibia (Band 301, S. 41). Das Team um die österreichische Zoologin Martina Trinkel von der Universität von KwaZulu-Natal im südafrikanischen Durban und Ingenieur Paul Fleischmann von der Höheren Technischen Bundeslehranstalt Hallein (Bundesland Salzburg) hatte in Namibias Etosha-Nationalpark 17 Jahre lang die Entwicklung von neun Löwenrudeln untersucht. 181 Löwen waren dazu betäubt und mit Brandzeichen versehen worden, um sie regelmäßig beobachten zu können. Ein bis zwei Weibchen je Rudel wurden mit Radiohalsbändern ausgestattet. Das Alter der Tiere ermittelten die Forscher anhand der Zähne.

Löwe. Foto: Frank Vassen, CC BY 2.0.

Der Etosha-Nationalpark ist seit 1973 umzäunt. Allerdings büxen Löwen regelmäßig durch Löcher aus, die Warzenschweine und Stachelschweine unter dem Zaun graben. Vor allem halbwüchsige Löwenmännchen und erwachsene Löwinnen, die ihr Rudel verlassen hatten, machten sich davon. Halbwüchsige Männchen machen sich meist auf den Weg, sobald ihre Mutter wieder Junge bekommt oder das Rudel von einem neuen Alpha-Tier übernommen wird. Die Halbwüchsigen ziehen dann meist wie Nomaden umher, häufig auf ungünstigem Terrain, ehe sie später - oft in Koalitionen zu zweit oder dritt - andere Rudel zu übernehmen versuchen.

An den Osten und Süden des Etosha-Parks grenzt kommerzielles Farmland. Viehzüchter halten dort extensiv Rinder - wegen des ariden Klimas geschieht das auf riesigen Flächen, auf denen sich 200 bis 400 Tiere je Farm verlieren. Nächtliche Einstallung und Begleitung der Rinder durch Viehhirten ist daher nicht möglich. Dem mit Rindern reich gedeckten Tisch außerhalb des Parks können die ausgerissenen Löwen nicht widerstehen. Nördlich und westlich des Parks dagegen dominiert Subsistenzlandwirtschaft von Kleinbauern.

Farmer reagierten auf Viehrisse durch vagabundierende Löwen sehr oft mit Abschuß, hält die Studie fest. 59 Prozent der subadulten - also halbwüchsigen - Löwenmännchen und 27 Prozent der erwachsenen Löwenweibchen, die den Park verließen, wurden in den 17 Jahren auf dem Farmland entlang der Parkgrenzen erschossen oder gezielt vergiftet. Die getöteten Männchen fielen damit aus, um künftig im Park Rudel zu übernehmen.

Von den Tötungen erfuhren die Wissenschaftler durch die Parkbehörde. Anhand ihrer Brandzeichen wurden die Raubkatzen identifiziert. Tiere, die nicht von Farmern getötet wurden, kamen durch Kämpfe untereinander, Verletzungen bei der Jagd oder altersbedingt um. 62 von 82 Todesfälle, deren Ursache festgestellt wurde, gingen auf Menschen zurück. In vier Fällen wurden sogar ganze Rudel auf Farmland ausgelöscht. Das geschah zum Beispiel, nachdem im Park ein Wasserloch ausgetrocknet war und das gesamte Rudel den Park verlassen hatte.

Das hatte auch Folgen für die im Park verbliebenen Rudel. „Vermutlich wegen des Mangels an Konkurrenz durch heranwachsende subadulte Männchen hielten erwachsenen Löwen ihre Rudel fast sieben Jahre lang in Besitz“, heißt es in der Studie. Das sei dreimal so lang wie sonst üblich und erhöhe das Inzuchtrisiko. Löwen, die ein Rudel eroberten, waren zu dem Zeitpunkt im Schnitt 5,2 Jahre alt, die gestürzten Rudelchefs waren durchschnittlich schon elf Jahre alt und hatten im Mittel 6,7 Jahre lang die Kontrolle über ihre Gruppe - eine unnatürlich lange Dauer.

Abschüsse von Problemraubkatzen in der Umgebung von Reservaten führen laut den Forschern nicht unbedingt zu einer Verkleinerung der Bestände - wohl aber zu einer Änderung der Populationsstruktur. „Die Größe einer Population ist kein gutes Maß ihrer Gesundheit, vor allem nicht bei Löwen“, schreiben die Forscher. Der Bestand erholt sich von den Abschüssen rasch, da Löwen sehr fruchtbar sind. Die Populationsdichte hängt eher vom Beuteangebot ab. Das Problem der Abschüsse sei, daß die Demographie der Rudelstruktur verzerrt werde und dies zu Inzucht führe.

Die Wissenschaftler raten angesichts ihres Befunds dazu, den Zaun um den Etosha-Park im Osten und Süden zu ersetzen - durch einen ausbruchsicheren Elektrozaun, vor dem selbst grabefreudige Warzen- und Stachelschweine kapitulieren. Ein Gutes hatten die Grabelöcher der Studie zufolge allerdings: Namibias Löwenpopulation im Nordwesten des Landes hat durch die westwärts aus dem Park ausgebüxten Löwen erheblichen Zuwachs erfahren.

Büffel tot, Reißzahn hin

Afrikas Raubtiere: Je gefährlicher die Art, desto schlechter die Zähne.

Aus Tierdokus über Serengeti und Sambesi kennt man auch diese Bilder: Hyänen zermalmen Knochen, Löwen springen mit gefletschten Zähnen Zebras in den Nacken, Afrikanische Wildhunde hetzen ihre Beute im Rudel und reißen sie in Stücke, nur der Schakal lauert im Hintergrund auf das, was übrig bleibt. Für Afrikas Landraubtiere sind jede Jagd und jeder Riß mit einem mehr oder weniger hohen Risiko behaftet: dem, sich die Fangzähne zu beschädigen und damit die Fähigkeit zu verlieren, auch künftig noch den tödlichen Biß zu setzen.

Forscher aus Großbritannien, den USA und Südafrika haben sich der Frage gewidmet, wie sich die Konkurrenz zwischen den Arten, das Beuteangebot, Geschlecht und Klima auf den Zustand der Zähne von Löwe, Gepard & Co. auswirken. Dazu hat das Team um Samuel Antony Mann von der Bangor University in Wales Zähne und Gebisse von zehn verschiedenen Arten afrikanischer Raubkatzen, Hyänen und Hundeartiger wie Schakal und Wildhund untersucht. Weil das Einfangen von Löwen und Hyänen in freier Wildbahn der Gesundheit der Forscher möglicherweise nicht zuträglich gewesen wäre, verlegten die sich darauf, aus afrikanischen Museen und wissenschaftlichen Instituten die Gebisse toter Raubtiere zu beschaffen.

Im Journal of Zoology (Band 303, S. 261) stellten sie ihre Ergebnisse vor: 35 Prozent der untersuchten Raubtiere litten vor ihrem Tod unter einer oder mehreren Zahnfrakturen. Insgesamt waren etwa drei Prozent aller knapp 26.000 untersuchten Zähne gebrochen, meist Reiß- oder Schneidezähne. Vor allem die Raubkatzen Löwe und Leopard sowie Tüpfel-, Streifen- und Schabrackenhyäne hatten arg ramponierte Gebisse. Insbesondere bei Löwen ist dies der enormen Größe vieler Beutetiere - seien es Gnu, Zebra oder Kaffernbüffel - und der Wucht der Angriffe geschuldet.

Der Gepard als dritter Raubkatzenvertreter wies dagegen nur selten Zahnbrüche auf. Die grazilen Sprinter, die meist einzeln und nicht im Rudel jagen, haben es förmlich verinnerlicht, daß gebrochene Reißzähne den eigenen Hungertod nach sich ziehen. Hervorragender Eckzahngesundheit erfreuten sich zu Lebzeiten auch die untersuchten Exemplare von Streifenschakal und Afrikanischem Goldwolf, mit Abstrichen auch Afrikanischer Wildhund und Schabracken-schakal. Das hat anatomische Gründe: Hundeartige haben - anders als etwa ein Leopard - keine konisch zugespitzten Eckzähne, die den tödlichen Biß ermöglichen. Deshalb stehen auf ihrem Speiseplan vermehrt Wirbellose und Pflanzliches. Allerdings wiesen Wildhunde und Schakale in der Studie - mit fortgeschrittenem Alter - eine starke Abnutzung der Backenzähne auf. Hyänen wiederum sind als malmende Aasfresser und Knochenbrecher bekannt - starker Verschleiß der Backen- wie Eckzähne ist programmiert, zeigten die untersuchten Exponate.

---ENDE DER LESEPROBE---