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Drei Jungen finden auf einem Schrottplatz eine Kugel durch die sie in eine andere Welt gelangen. In dieser Welt gehen die Uhren im wahrsten Sinne des Wortes anders, zumindest solange Regnita herrscht, eine gefährliche Tyrannin. Die Jungen versuchen den Bewohnern zu helfen und sie aus der Tyrannei zu befreien. Doch sie müssen auch einen Weg finden in ihre eigene Welt zurück zu gelangen und noch sind Regnitas Wachen überall...
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Seitenzahl: 116
Veröffentlichungsjahr: 2015
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Henriette von Berg
Regnitas Reich
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Inhaltsverzeichnis
Titel
Kapitel 1
Kapitel 2
Impressum neobooks
„Okay, aber ihr seid um sechs wieder da zum Abendessen!“
„Alles klar Ma, kein Problem. Tschühüß.“ Und damit fiel die Tür hinter ihnen ins Schloss. Mit lautem Gepolter und Getrampel liefen die drei die Treppe hinunter, immer die letzte Stufe zum neuen Stockwerk überspringend. Trat man auf die unterste Stufe bedeutete das den ganzen Tag vom Unglück verfolgt zu werden. Also zum Beispiel bestand an einem solchen Tag ganz besonders die Gefahr Hausarrest zu bekommen. Oder ein Glas mit Saft umzustoßen und dann die ganze Küche wischen zu müssen. Ganz klar, dass alle drei alles daran setzten nicht auf diese Stufe zu treten. Das gleiche galt natürlich auch wenn man nach Hause kam und die Treppen rauf lief. Weder im Erdgeschoß, noch in der ersten oder zweiten Etage durfte man auf die unterste Stufe treten. Felix Mutter hatte sich mittlerweile an diese Eigenart gewöhnt und gab vor sie einfach zu ignorieren, aber Felix war sich sicher, seine Mutter schon einmal dabei ertappt zu haben, wie sie selbst die untersten Stufen übersprang.
Sie wollten nur noch mal zum Bolzplatz, hatten sie seiner Mutter erzählt.
Das war zwar nicht gelogen, aber auch nicht ganz korrekt. Genau genommen hätten sie sagen müssen, hinter den Bolzplatz. Auf den Schrottplatz nämlich, der direkt an den Bolzplatz anschloss, und auf dem sich meterhoch Autowracks und Schrott aller möglichen Jahrgänge türmten.
Die drei hatten mittlerweile sogar ihren eigenen geheimen Eingang. Vom Bolzplatz aus, gut hinter Büschen versteckt, hatten sie vor drei Wochen mit Hilfe einer Zange aus dem Werkzeugkasten von Felix Vater, ein Loch in den Maschendrahtzaun geschnitten. Natürlich schlossen sie diesen Zugang bei und nach jedem Besuch immer wieder sorgfältig, schließlich wollten sie nicht, dass die anderen Kinder ihn entdeckten. Die waren viel zu neugierig und laut, darin waren sich Felix und Raphael sofort einig gewesen, und würden ihr Geheimnis dadurch nur auffliegen lassen. Das wollte natürlich keiner von ihnen riskieren, und somit war auch Julius bald
davon zu überzeugen nicht einmal Vanessa, immerhin obwohl sie ein Mädchen war ihre beste Freundin, einzuweihen. Schrottplätze seien nichts für Mädchen, befand Raphael, nicht einmal wenn es ein Mädchen wie Vanessa war.
Sie hatten Glück, schon auf dem Weg zum Bolzplatz kamen ihnen die vier großen Jungen aus der Neunten mit ihrem Fußball entgegen. Offenbar hatten sie genug für heute. Der Bolzplatz lag leer und geradezu verlassen vor ihnen.
Kurzfristig waren die drei versucht dieses seltene Glück zu nutzen und sämtliche Spielgeräte, Sandkisten und den Fußballplatz als ihr alleiniges Territorium auszurufen und für den Rest des Nachmittags zu besetzen und gegen alle eventuell noch Kommenden zu verteidigen. Die kleineren Kinder, die nicht selten in Begleitung ihrer Mütter hier auftauchten, wären leicht zu vertreiben gewesen. Allerdings war der späte Nachmittag eher die Zeit der größeren Jungen, die schon in die siebte oder achte Klasse gingen, und gegen die hätten unsere drei wohl eher alt ausgesehen.
Sie vergewisserten sich also noch einmal, dass niemand ihnen zusah, und verschwanden durch die Lücke im Zaun in Richtung Schrottplatz.
„Ach“, die drei atmeten auf und glucksten zufrieden. Das war doch deutlich besser als alle Bolzplätze zusammen. Dies hier war der wahre Spielplatz für Kinder, und, da waren sie sich ziemlich sicher, der Betreiber hätte ganz sicher nichts dagegen, dass sich die drei hier aufhielten. Sie waren geradezu überzeugt davon, er würde sie nicht nur verstehen, sondern ihnen sicherlich auch zustimmen, dass kleine Jungen doch bedeutend mehr Spaß auf einem solchen Platz als zwischen langweiligen Spielgeräten hätten. Nur, dass er eben gar nicht wusste, dass sie hier waren. Und sie hatten beschlossen, dass sie, nur vorsichtshalber und damit ihre Eltern davon nichts erführen, also nur so um ganz sicher zu gehen, lieber auch erst mal nichts sagen wollten.
Somit gingen sie ihm und allen Kunden die für Gewöhnlich auf solchen Schrottplätzen rumlaufen und alte Autowracks nach brauchbaren Teilen durchsuchen, lieber aus dem Weg. Später mal, hatten sie sich überlegt, wollten sie allerdings dem Besitzer ihre Hilfe anbieten. Und Felix meinte, dass man bestimmt viel Geld dafür bekommen würde, wenn man den Kunden beim durchforsten nach Ersatzteilen helfen, und ihnen somit ja viel Zeit ersparen würde. Nur noch ein paar Wochen, und dann kannten sie sich gut genug auf dem Platz und zwischen den Wracks aus.
In der Zwischenzeit verbanden sie das kennen lernen und suchen einfach mit ein bisschen Spaß, und saßen hier und da in verschiedenen Fahrzeugen Probe, übten sich im Auto fahren ohne Motor, sowie in wilden Verfolgungsjagden in den obersten Etagen der drei- und vierstöckigen Türme.
Waren zu viele Leute unterwegs, und die Gefahr entdeckt zu werden zu groß, bauten sie aus herumliegenden merkwürdigsten Teilen Maschinen zusammen mit denen sie die Menschheit gegen Außerirdische verteidigen und retten konnten. So hatte Felix zum Beispiel eine extrem gefährliche Waffe gebaut mit der man Raumschiffe in wenigen Sekunden schmelzen konnte. Und Raphael und Julius hatten eine Maschine konstruiert, die alles Gesagte automatisch in die Sprache der Außerirdischen übersetzte. Im Zweifelsfalle, das war unbestritten, würden sie berühmt werden und die Menschheit sie auf ewig als ihre Retter verehren.
Sie strichen, noch unentschlossen was heute zu tun war, durch die Reihen, als Julius plötzlich unter einem der Autotürme etwas Glitzerndes entdeckte. Die Sonne schien mit einem Strahl direkt unter den blauen Ford, der zuunterst stand, und wurde von einer kleinen dunklen Kugel reflektiert.
Er bückte sich und versuchte die Kugel zu erlangen, während die anderen beiden schon langsam weiter schlenderten.
Die Kugel lag zu weit hinten. Julius legte sich flach auf den Boden und streckte seinen rechten Arm so weit er konnte unter das Auto. Aber es
ging nicht, so sehr er sich auch bemühte, die Kugel schien unerreichbar, obwohl sie doch nur wenige Zentimeter vor seinen Fingerspitzen lag.Er kam wieder auf die Knie und schaute sich um. Irgendein Draht oder eine Metallstange mit der er das schwarze Glitzerding weiter nach vorne ziehenkönnte; so etwas lag doch sonst hier überall rum.
In der Zwischenzeit hatten Raphael und Felix bemerkt, dass Julius nicht mehr hinter ihnen war und kamen zu dem alten Ford zurück.
„Was ist los?“, wollte Raphael wissen „hast du was gefunden was wir brauchen können?“
„Ja“, gab Julius versonnen zurück, er suchte noch immer nach einemgeeigneten Hilfsmittel „ich glaub schon. Aber ich komm nicht dran.“
Mittlerweile standen die anderen beiden neben ihm, und versuchten herauszufinden, was Julius wohl Tolles entdeckt hatte. Ein altes Radio vielleicht? Oder eine neue Alien-Abwehr-Maschine?
„Hier, unter dem Auto, das blinkende Teil da hinten.“
„Das blinkt nicht, das ist die Sonne die da drauf scheint.“, erwiderte Raphael altklug während er sich neben Julius und Felix kniete und genau wie die anderen zwei überlegte was da liegen mochte.
Felix, als der Größte von ihnen, lag nun bäuchlings im Staub und rutschte Zentimeter für Zentimeter weiter unter das Auto. Sein linkes Bein, ein Teil des Rückens und sein linker Arm bis rauf zur Schulter waren bereits ganz unter dem Autowrack verschwunden als er endlich die kleine Kugel mit seinen Fingern erreichen konnte. Er hielt sie zwischen seinen Fingerspitzen eingeklemmt, als er mit hastigen Bewegungen versuchte möglichst rasch wieder auf den Weg zurück zu rutschen. Prompt stieß er gegen den blauen Ford über ihm, und versetzte den ganzen Turm ins wanken.
„Schnell!“ Julius und Raphael schrieen aufgeregt, und als sie realisierten, dass Felix noch immer unter dem Auto lag und sich vor Schreck nicht
mehr rührte, fassten die beiden seinen rechten Arm und sein Bein und zerrten nach Leibeskräften an ihm rum, bis er wieder ganz zum Vorschein kam.
Entsetzt schauten sie sich die Karosserien an, die nun mit lautem Knarzen und Ächzen langsam wieder zur Ruhe kamen.
„Himmel“, stieß Raphael hervor, und Julius ergänzte: “Das war knapp!“
Noch immer hielt Felix das kugelige Glitzerding wie fest gemeißelt zwischen seinen Fingern.
„Und? Was ist es denn nun?“, wollte Raphael wissen.
Alle drei starrten auf Felix Hand, die ganz verkrampft und vor Anstrengung schon ganz weiß war. Langsam und vorsichtig ließ Felix die dunkle Kugel in seine rechte Hand gleiten. Sie glitzerte immer noch und fast schien es, als blinkte sie in ganz bestimmten, aber nur ihr bekannten Abständen.
„Wir sollten sie aus der Sonne nehmen und woanders angucken. Bei diesem ganzen Geblinke kann man ja gar nichts richtig erkennen.“, meinte Raphael.
„Aber ich sitze doch gar nicht in der Sonne.“, maulte Felix, der keine Lust hatte jetzt irgend woanders hinzugehen. Der Schreck von dem Vorfall gerade eben ließ seine Knie immer noch schlottern, aber das brauchten die anderen zwei ja nicht unbedingt zu merken.
Raphael und Julius schauten um sich. Tatsächlich, die Sonne war ein Stück hinter einem riesigen Schrottberg verschwunden, und der Gang in dem sie sich befanden, lag nun komplett im Schatten. Trotzdem, auch ohne einen Sonnenstrahl leuchtete die Kugel weiter.
„Wieso leuchtet das Ding dann noch?“, fragte Julius in die Runde.
Doch selbst Raphael, der sonst auf fast alles eine Antwort parat hatte, schwieg. Ratlos und jetzt beinahe ein bisschen ängstlich blickten sie wieder in Felix Hand. Unbeirrt blinkte die Kugel weiter.
„Vielleicht ist das eine Bombe die ein Ufo letzte Nacht hier abgesetzt hat. Wahrscheinlich ist sie so stark, dass sie die ganze Stadt vernichten kann.“, faselte Felix aufgeregt.
„So ein Quatsch,“ meinte Raphael, „die ist doch viel zu klein für die ganze Stadt.“
Die Neugierde war stärker, und schob die Skepsis in den Köpfen der drei ganz weit nach hinten.
„Gib sie mir mal. Ich hab sie gefunden, also gehört sie sowieso mir!“, unterbrach Julius die zwei, und streckte schon seine Hand danach aus.
Doch Felix war schneller und umschloss die Kugel mit seinen Fingern: „Aber ich habe sie rausgeholt! Ohne mich könntet ihr sie immer noch unter den Wracks da vorne anstarren ohne ran zu kommen. Also gehört sie jetzt mir!“
„Hej, die gehört ja wohl uns allen.“ Nun langte auch Raphael in Richtung der Kugel und plötzlich entstand ein wildes Gerangel zwischen den dreien und sechs Hände versuchten gleichzeitig die Kugel an sich zu bringen.
Und während alle drei noch riefen: „Sie gehört mir! Mir! Mir!“ passierte plötzlich etwas unerwartetes. Alles um sie herum drehte sich, wurde dunkel, drehte sich schneller. Die drei hatten das Gefühl durch einen Tunnel zu fliegen während sie sich immer weiter drehten und drehten, und flogen und drehten, um schließlich mit einem lauten Rumps wieder zurück auf die Erde geworfen zu werden. Doch kaum dass sie versuchten wieder auf ihre Füße zu kommen, und noch gar nicht verstanden hatten was eigentlich gerade passiert war, fanden sie sich in einem Auto wieder, das in wilder Fahrt davon jagte. Verzweifelt versuchten sie sich hin zu setzen und irgend etwas im Auto oder von der Gegend an der sie geradezu vorbei flogen, zu erkennen.
„Was um alles in der Welt“, setzte Felix an, doch als er die beiden anderen mit offenem Mund durch die Scheibe gucken sah, brach er ab.
Was die drei draußen sahen, war kaum zu glauben, geschweige denn zu verstehen. Sie rasten an riesigen Reifen vorbei, Pflanzen, die aussahen wie fünf Meter hohe Grasbüschel, grüne Baumstämme, die an Blumenstengel erinnerten, mit einer einzigen überdimensionalen, gelben Blüte wo jeder Äste und Blätter vermutet hätte.
Die drei fuhren durch Tunnel, wirbelten Staubwolken hinter und neben ihnen auf und schossen über Hügel hin weg.
In wilder Fahrt ging es um scharfe Kurven, immer quer Feld ein. Doch obwohl ihnen alles unbekannt erschien, hatten sie doch das unbestimmte Gefühl hier schon einmal gewesen zu sein.
„Das, das, das ist der Schrottplatz.“, brachte Raphael hervor. „Das ist der Schrottplatz. Nur alles ist viel größer geworden. Vieeeel größer!“
Verwirrt starrten die drei weiter aus dem Fenster. Die Ratlosigkeit war ihren Gesichtern deutlich anzusehen.
„Das ist nicht alles größer geworden,“ brach Julius schließlich das Schweigen, „ wir sind viel kleiner geworden.“
Und noch während er nicht ganz zu Ende gesprochen hatte, verschwand das Auto mit einem Satz geradewegs in einem Erdloch. Die Kinder wurden von ihren Sitzen hoch geworfen und Raphael stieß sich den Kopf an der Wagendecke „Autsch! Was war denn das?“
„Frag lieber wo war denn das? Wo zum Kuckuck sind wir hier?“, erwiderte Felix tonlos.
Unbeirrt fuhr das Auto mit ihnen weiter lange verschlungene Gänge entlang, hier und da einer Abzweigung folgend. Immer weiter und immer tiefer in die Erde hinein.
Bis sie plötzlich an einem tiefen Abhang mit einem Ruck zum stehen kamen.
Instinktiv hielten die drei die Luft an, so, als erwarteten sie, dass das Auto nun zu guter Letzt doch noch explodierte. Oder dass jemand käme und ihnen sagte was zu tun sein. Doch nichts geschah. Vorsichtig drehte Felix
sich zur Tür und öffnete sie behutsam. Julius und Raphael machten es ihm auf ihrer Seite nach. Langsam hatten sich ihre Augen nach dieser wilden Fahrt an die Dunkelheit gewöhnt, und so konnten sie den Boden, auf den sie nun traten, gut erkennen.
Vor ihnen in der Tiefe lag ausgestreckt, so groß, dass sie ihr Ende nicht ausmachen konnten, eine Stadt. So tief, dass die Treppenstufen, die direkt vor ihren Füßen begannen und offenbar bis hinunter in die Schlucht führten, endlos erschienen.
Die Häuser und Straßen waren hell erleuchtet, und selbst aus dieser Entfernung ließ sich eine Geschäftigkeit und eine fast unheimliche Stille zugleich ausmachen. Etwas wie ein Bann schien über dieser Stadt zu liegen, und auch Raphael, Felix und Julius wurden unmerklich davon umgeben.
Sprachlos und wie verwunschen standen sie an der Spitze der Treppe.
Wie selbstverständlich begannen sie langsam und vorsichtig die Stufen hinab zu steigen. Es war, als würden sie magisch angezogen von dieser Stadt, und sie stolperten wie in Trance von einem Absatz zum nächsten, drohten auf Moos auszurutschen oder über abgebröckeltes Gestein zu fallen. Sie gingen und gingen, teilweise mussten sie klettern, weil die Stufen in dem Stein kaum noch auszumachen waren.
