Reise nach Kalamea - Karina Kartach - E-Book

Reise nach Kalamea E-Book

Karina Kartach

0,0
7,49 €

oder
-100%
Sammeln Sie Punkte in unserem Gutscheinprogramm und kaufen Sie E-Books und Hörbücher mit bis zu 100% Rabatt.

Mehr erfahren.
Beschreibung

Kalamea ist seit Urzeiten das Land der Ginkgobäume und schwebt in großer Gefahr. Die Wolkenberge der Angst wachsen Tag für Tag und verdunkeln beide Sonnen. So kann der Lebensbaum keine Früchte mehr tragen. Luisa soll dem Baumgeist helfen und mit den Erdmännchen Wachsam und Grimpeline nach Tempelbaumstadt ziehen. Königsadler Arvin weiß Rat, ist jedoch spurlos verschwunden. Der Weg führt durch die morastigen Sümpfe, wo die Irrlichter ihr Unwesen treiben. Der schwarze Storch Otis verfolgt mit den Brüdern des Schattens einen schrecklichen Plan. Luisa begibt sich auf eine abenteuerliche Reise, bei der sie lernt, ihre eigenen Ängste in Mut zu verwandeln.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB

Veröffentlichungsjahr: 2023

Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Reise nach Kalamea

Die­ses Buch wid­me ich mei­nen Kin­dern Ma­ri­a­nn, Ti­na und Jo­nas, mei­nen En­kel­kin­dern, Ali­na, Mu­ri­el, Yan­nes, Elea, Ya­ra, Ti­mon, Ale­xi­an und Jo­na­than so­wie al­len Kin­dern, die ein mut­vol­les Zeit­al­ter au­bau­en wol­len.

Ka­ri­na Ga­by Kar­tach

Bi­blio­gra­fi­sche In­for­ma­ti­on der Deut­schen Bi­blio­thek: Die Deut­sche Bi­blio­thek ver­zeich­net die­se Pu­bli­ka­ti­on in der Deut­schen Na­ti­o­nal­bi­blio­gra­fie; de­tail­lier­te Da­ten sind im In­ter­net über http://dnb.ddb.de ab­ruf­bar.

Das Werk, ein­schließ­lich sei­ner Tei­le, ist ur­he­ber­recht­lich ge­schützt. Je­de Ver­wer­tung ist oh­ne Zu­stim­mung des Her­aus­ge­bers und Au­tors un­zu­läs­sig.

Dies gilt ins­be­son­de­re für die elek­tro­ni­sche oder sons­ti­ge Ver­viel­fäl­ti­gung, Über­set­zung, Ver­brei­tung und Ver­öf­fent­li­chung.

© 2022, Ka­ri­na Kar­tach, An der Al­ten AWG 78, 08294 Löß­nitz

Il­lus­tra­ti­on: Ti­na Dar­mer

ISBN: 978-3-949330-00-1

Inhaltsverzeichnis

Trüb­sin­ni­ge Ge­stal­ten

Lui­sa wird ohn­mäch­tig

Be­geg­nung mit Wach­sam

Die Zau­ber­tür

Ka­me­so Ta­man

Die Erd­männ­chen­sip­pe

Die Frosch­ko­lon­ne

Im Mo­rast der Irr­lich­ter

Ur­ah­ne Ma­ri­a­n­ne

Vor­marsch der Frösche

Die Maul­wür­fe kom­men

Die Ver­su­chung

Die Ge­dan­ken­kü­che

Der Was­ser­ein­bruch

Die Ge­fan­gen­nah­me

Wunsch­los glü­ck­lich

Töp­fer­meis­ter To­rad

Mis­ter Un­g­lück

Die Sechs­lin­ge

Kö­ni­gin Rhe­na

In der Ge­walt von Storch Otis

War­nen­de Klän­ge

Die Ent­täu­schung

Auf der Flucht

Queck­li­bol­di

Das gro­ße Übel

Die Brü­der des Schat­tens

Wach­sam legt Feu­er

Der Spie­gel­see

Ge­fan­gen im Spie­gel­turm

Der For­men­ge­ber

Dro­hen­de Ge­fahr

Die Be­frei­ung

Das Meer der Mög­lich­kei­ten

Der Hut der Weis­heit

Isoldas Flucht

Die Quel­le des Froh­mu­tes

Das Ge­heim­nis des Spie­gels

Spur­ti sogt für Auf­ruhr

Die Ver­wir­rung

Flug nach Tem­pel­baum­stadt

Am Ziel

Die Ex­plo­si­on

In der Fal­le

Der Rat des Gän­se­b­lüm­chens

Li­o­ra

Su­che nach dem Tem­pel­baum

Der Schat­ten­kampf

Das Er­wa­chen

Fra­gen über Fra­gen

Lui­sas Auf­ga­be

Nach­wort

Dank

Be­geg­nung mit Wach­sam

»Wach auf! Wach auf, Lui­sa! Die rich­ti­ge Stun­de hat ge­schla­gen. Al­so spu­te dich, da­mit du mir fol­gen kannst!«, for­der­te die Stim­me.

Lui­sa öff­ne­te die Au­gen und staun­te. Mit­ten auf dem bun­ten Tep­pich stand ein Tier auf sei­nen Hin­ter­pfo­ten und schau­te sie lä­chelnd an.

»Na gut, ich träu­me«, stell­te Lui­sa fest und schloss schnell wie­der die Au­gen. Trotz­dem ver­nahm sie er­neut die hel­le Stim­me des Tie­res, die nun ener­gi­scher klang: »Lui­sa, wach end­lich auf und fol­ge mir. Der Tag hat längst be­gon­nen, die Son­ne scheint. Die Vö­gel träl­lern laut und mun­ter ih­re Lie­der. Wach auf!«

Lui­sa blin­zel­te ver­schla­fen. Doch das Tier blieb auf dem Tep­pich sit­zen und dach­te nicht dar­an zu ver­schwin­den.

Es äh­nel­te ei­nem Erd­männ­chen, war da­für je­doch ziem­lich groß ge­wach­sen und sah mit sei­nem di­cken gel­ben Bauch recht selt­sam aus. Sein lan­ger Schwanz war am En­de blau wie Tin­te. Es be­saß ein scho­ko­la­den­brau­nes Fell, gro­ße Au­gen und ei­ne brei­te Schnup­per­na­se.

»Wer bist du und was willst du?«, frag­te Lui­sa recht barsch.

»Du machst mir Spaß Mäd­chen. Ich bin Wach­sam vom Stam­me der Erd­männ­chen und will dir die Zau­ber­tür zei­gen. Du suchst sie doch schon seit Jah­ren.«

»Die Zau­ber­tür?«

»Ja, die Zau­ber­tür. Nur in die­ser Stun­de ist der Zu­gang ge­währt. Al­so ste­he end­lich auf und fol­ge mir.«

Nun war Lui­sa hell­wach und sprang aus ih­rem Bett. Schnell zog sie Legg­ins, Rock und Pull­over an.

Aber das Erd­männ­chen drän­gel­te: »Be­ei­le dich und pa­cke dei­ne Sie­ben­sa­chen. Mei­ne Frau Grim­pe­li­ne war­tet schon auf uns. Sie ist be­stimmt schon ganz wu­se­lig. Denn sie be­wacht den Ein­gang zur Zau­ber­tür. Und das ist kreuz­ge­fähr­lich.«

Lui­sa stemm­te ih­re Hän­de in die Hüf­ten und sprach: »Al­so so schnell geht das nicht, ich muss erst mei­ne Haa­re käm­men, mich an­zie­hen, Zäh­ne put­zen.«

»Pap­per­la­papp! Die Zeit eilt! Käm­men und put­zen kannst du dich auch un­ter­wegs!«, ent­geg­ne­te Wach­sam, fuch­tel­te wild mit sei­nen Vor­der­pfo­ten in der Luft her­um und ver­dreh­te ge­nervt die Au­gen.

Lui­sa be­ein­druck­te dies nicht. Denn sie über­leg­te, was sie für die Rei­se un­be­dingt ein­pa­cken könn­te. Ihr Blick schweif­te durchs Zim­mer.

»Ruck­sack und Ta­schen­lam­pe brau­che ich un­be­dingt und ein Ta­schen­mes­ser. Nur ha­be ich ja keins«, mur­mel­te sie.

So pack­te sie ei­ne Sche­re ein und griff zu Kamm und Spie­gel. Dann fiel ihr Blick auf die wei­ße Ker­ze, die ihr die Oma vor neun Mo­na­ten zum 10. Ge­burts­tag ge­schenkt hat­te und ent­deck­te das Feu­er­zeug, das ei­gent­lich ih­rem Va­ter ge­hör­te. Bei­des stopf­te sie in den Ruck­sack.

»Zählt Pro­vi­a­nt auch zu den Sie­ben­sa­chen, Erd­männ­chen?«, woll­te Lui­sa wis­sen.

»Ent­schei­de selbst und nen­ne mich bit­te Wach­sam, Lui­sa. Ich le­ge gro­ßen Wert dar­auf, mit mei­nem Na­men an­ge­spro­chen zu wer­den, da­mit du nicht ver­gisst, wach­sam zu sein. Ich ha­be näm­lich einen sehr erns­ten und wich­ti­gen Grund, dich zu füh­ren und zu be­glei­ten.«

Lui­sa wur­de es ganz ko­misch zu­mu­te. War­um soll­te sie wach­sam sein? Die Zau­ber­tür führ­te doch nach Mi­ra­mu, in ein fröh­li­ches Land. Sie schnapp­te sich ei­ne Keks­rol­le und ei­ne Was­ser­fla­sche, zog ih­re grü­ne Ja­cke und brau­ne Stie­fel an, band ein Tuch um den Hals, setz­te sich den Ruck­sack auf und sprach: »Jetzt bin ich be­reit Wach­sam. Zei­ge mir den Weg zur Zau­ber­tür.«

Ka­me­so Ta­man

Ein schma­ler Weg führ­te durch die grau­en Fel­der, Wäl­der und Wie­sen im­mer berg­an. Von wei­tem er­kann­te Lui­sa ein Ge­bäu­de. Es sah wie ei­ne Kir­che aus. Das Bau­werk war in der trost­lo­sen Land­schaft ein fa­r­ben­fro­her An­blick. Es be­saß mit gel­ben und ro­ten Mo­sa­i­ken kunst­voll ver­zier­te Fens­ter und ein sil­ber­nes Dach mit ei­ner ro­ten Kup­pel. Die Tür stand ein­la­dend of­fen.

Wach­sam pos­tier­te sich in Wach­stel­lung vor dem Ein­gang, wäh­rend Grim­pe­li­ne un­ru­hig auf und ab lief.

Als Lui­sa die Kir­che be­trat, be­gan­nen laut die sil­ber­nen Glo­cken in der Turm­la­ter­ne zu läu­ten. Sie ging den brei­ten Gang bis zum Al­tar nach vorn und blieb ver­wun­dert ste­hen. Auf der rech­ten Sei­te stand ein ova­ler mit Di­a­man­ten be­stück­ter Spie­gel auf zwei gol­de­nen Fü­ßen. Sie sa­hen wie Vo­gel­kral­len aus.

Hin­ter dem Al­tar kam ein al­ter Mann mit ei­nem lan­gen wei­ßen Bart zum Vor­schein. Er war in einen vi­o­let­ten Um­hang gehüllt. Sei­ne wei­ßen Haa­re wa­ren hin­ten zu ei­nem ge­floch­te­nen Zopf ge­bun­den und ein spit­zer ro­ter Hut mit ei­nem wei­ßen Kris­tall schmück­te sei­nen Kopf. In der Hand hielt er einen brau­nen Stab.

»Ich bin Ka­me­so Ta­man, der Hü­ter der sie­ben Glo­cken. Es ist gut, dass du den Weg nach Ka­la­mea ge­fun­den hast, Lui­sa. Du sollst un­se­re Bo­tin sein, da­mit der Mor­gen end­lich er­wa­chen kann«, sprach er und lä­chel­te sie an.

Lui­sa wun­der­te sich, wo­her er ih­ren Na­men wuss­te.

Ka­me­so Ta­man ver­neig­te sich und sprach ein­dring­lich: »Men­schen­kind, du bist un­se­re letz­te Hoff­nung, denn du kannst mit Bäu­men spre­chen und stammst aus der Stadt des be­rühm­ten Bron­zeglo­cken­spiels. Die Pro­phe­zei­ung sagt, dass einst ein Mäd­chen aus die­ser glücks­brin­gen­den Stadt zu uns fin­den wird, wenn die Not am größ­ten ist. Denn un­se­re Sil­ber­apri­ko­se kann kei­ne Früch­te mehr tra­gen.«

»Was ist ei­ne Sil­ber­apri­ko­se?«, woll­te Lui­sa wis­sen.

»So nen­nen wir den er­ha­be­n­en Ge­dächt­nis­baum un­se­res Vol­kes. Er steht im hei­li­gen Tal von Tem­pel­baum­stadt. Die Früch­te se­hen aus wie klei­ne Apri­ko­sen, wenn sie auch ziem­lich streng rie­chen. Die Ker­ne, auch Nüs­se ge­nannt, ge­ben uns seit An­be­ginn al­ler Zei­ten die Kraft, euch Men­schen zu hel­fen, in­dem wir eu­re Ängs­te und Sor­gen auf­lö­sen und sie durch Mut und Zu­ver­sicht er­set­zen.«

Ka­me­so Ta­man er­griff Lui­sa an bei­den Hän­den und sah sie ein­dring­lich an. Dann sprach er: »Men­schen­kind, die Wol­ken­ber­ge der Angst wach­sen von Tag zu Tag und ha­ben un­se­re bei­den Son­nen fast ver­dun­kelt. Sie kom­men von euch Men­schen. Ich bin schon vie­le Jahr­hun­der­te alt, doch in kei­ner Zeit hat es je­mals so viel Angst ge­ge­ben. Nichts kann mehr ge­dei­hen und wach­sen.«

Lui­sa nick­te, wuss­te je­doch nicht, was sie sa­gen soll­te.

Der Glo­cken­hü­ter zog ei­ne Rol­le Per­ga­ment aus sei­nem Ge­wand und er­klär­te: »Nimm die Land­kar­te un­se­res Vol­kes. Zie­he mit dei­nen Be­glei­tern nach Tem­pel­baum­stadt. Wenn ihr dem rech­ten Weg folgt, wird euch Kö­nigs­ad­ler Ar­vin ent­de­cken. Er ist ein wei­ser Vo­gel und weiß Rat. Seid je­doch auf der Hut vor den Irr­lich­tern, die im Mo­rast der Sümp­fe woh­nen. Das Ge­lich­ter wird al­les ver­su­chen, um euch vom rech­ten Weg ab­zu­brin­gen!«

Lui­sa dach­te ei­ne Wei­le nach und fühl­te die Schwe­re der Auf­ga­be. Sie woll­te Ka­me­so Ta­man und sei­nem Volk hel­fen, hat­te aber mäch­ti­ge Angst vor die­sen Irr­lich­tern.

Der Glo­cken­hü­ter sah ihr fest in die Au­gen und sprach: »Lui­sa, traue dich, dei­ner Be­stim­mung zu fol­gen. Die Wol­ken der Angst müs­sen ver­jagt wer­den. Des­halb müsst ihr die Lich­ter an­zün­den. Sonst ist al­les ver­lo­ren.«

Mit die­sen Wor­ten über­reich­te er Lui­sa ei­ne Tü­te und er­klär­te: »Nimm die letz­ten Nüs­se der Sil­ber­apri­ko­se. Wir nen­nen sie Kya­las. Sie wer­den dir Ver­trau­en ge­ben, wenn du mut­los oder ein­sam bist.«

Dann ver­neig­te sich der Hü­ter der Glo­cken, mach­te ei­ne Hand­be­we­gung und war ver­schwun­den.

Lui­sa stand noch ei­ne Wei­le ver­son­nen da. Fest drück­te sie die Tü­te vol­ler Kya­las und die Per­ga­men­t­rol­le an ihr Herz. Da spür­te sie auf ein­mal, wie sie ein Ge­fühl von Mut und Zu­ver­sicht durch­ström­te.

Sie war nicht al­lein. Sie hat­te Wach­sam und Grim­pe­li­ne an ih­rer Sei­te. Lä­chelnd ver­ließ sie die klei­ne Kir­che.

Die Frosch­ko­lon­ne

Tag für Tag mar­schier­te die Ko­lon­ne der Frösche hin­aus und drang im­mer tie­fer ins Lan­des­in­ne­re vor. Wer ihr be­geg­ne­te, wur­de ge­fan­gen ge­nom­men und muss­te, wenn er nicht ver­hun­gern woll­te, sich den Be­feh­len von Storch Otis beu­gen. Hun­der­te Tie­re wa­ren so in die Ge­walt des schwa­r­zen Stor­ches ge­langt. Kei­ne Höh­le, kein Nest, kein Bau bo­ten Si­cher­heit.

Auf ih­ren Beu­te­zü­gen wa­ren die Frösche sehr er­folg­reich. Der Man­gel an Licht lähm­te die Le­bens­kraft der Tie­re, so­dass sie sich mü­de und schlapp fühl­ten. Sie zeig­ten kei­ne Ge­gen­wehr.

Den Frös­chen ging es je­doch von Tag zu Tag bes­ser. Sie be­nö­tig­ten we­nig Son­nen­licht und wa­ren zu­dem in dem Glau­ben, die Aller­größ­ten zu sein. Storch Otis hat­te ih­nen ein­ge­re­det, dass Frösche fast al­len Tie­ren über­le­gen sind. Nur die Gat­tung der Stör­che stand über ih­nen. Au­ßer­dem hat­te Otis ge­droht, dass je­der Frosch, der sich sei­nen Be­feh­len wi­der­set­zen wür­de, auf sei­nem Früh­stücks­tisch lan­den soll­te. Dar­um be­geg­ne­ten die Frösche dem Storch mit gro­ßer Furcht und folg­ten sei­nen Be­feh­len wi­der­spruchs­los.

»Ko­lon­ne, still­ge­stan­den! Emp­fangt fol­gen­den Be­fehl! Spürt die Höh­len und Schlupf­win­kel auf, in de­nen sich die un­wür­di­gen Sub­jek­te vor uns ver­kro­chen ha­ben!«, ord­ne­te Haupt­sturm­frosch Ru­ko an.

So­fort lös­te sich die streng ge­ord­ne­te Frosch­ko­lon­ne auf und hüpf­te in al­le Rich­tun­gen da­von. Ru­ko da­ge­gen gähn­te, leg­te sich auf einen Stein und ließ sich von zwei hüb­schen Frosch­da­men be­wir­ten.

Auf ein­mal gab es ein gro­ßes Ge­schrei, so­dass sich Ru­ko vor Schreck fast ver­schluck­te. Zehn Frösche schlepp­ten ein ge­fes­sel­tes Eich­hörn­chen her­bei.

»Die­ses bu­schi­ge Sub­jekt hat­te sich in ei­nem Erd­loch ver­steckt«, ver­kün­de­te ein grü­ner Gras­frosch.

»Schafft die­se Krea­tur in den Ern­te­wa­gen. Soll­te das Sub­jekt sich wei­gern, an un­se­ren Wohn­stät­ten mit­zu­bau­en, so lasst es ge­bun­den und jäm­mer­lich zu­grun­de ge­hen«, be­fahl Ru­ko. Mit sei­nen gro­ßen Glub­schau­gen schau­te er ver­ächt­lich auf das vor Angst zit­tern­de Eich­hörn­chen und dach­te an sei­ne Be­loh­nung. Gleich sech­zehn Ge­fan­ge­ne hat­te der letz­te Beu­te­zug ge­bracht.

Ru­ko leg­te sich zu­frie­den nie­der. Sein Ko­lon­nen­füh­rer brach­te ihm in den fol­gen­den drei Stun­den noch einen Ha­sen, einen Bi­ber und drei Spitz­mäu­se, so­dass im Ern­te­wa­gen kein Platz mehr war.

»Ko­lon­ne, um­keh­ren!«, be­fahl Ru­ko am Abend. Die Frösche zo­gen sin­gend zu­rück ins La­ger, um Storch Otis die Beu­te zu über­ge­ben.

«Frösche sind wir, grün und rund,

füh­len uns stets kern­ge­sund,

ha­ben Macht und ha­ben Kraft,

ste­hen voll in un­serm Saft.

Frösche sind wir, klein und groß.

Un­ser Le­ben ist fa­mos.

Herr­scher Otis sei ge­prie­sen,

für die Sümp­fe, Wei­her, Wie­sen.

Frösche sind wir, grün und rund,

füh­len uns stets kern­ge­sund,

Herr­scher Otis seìs ge­dankt,

uns ge­hört das gan­ze Land.»

Schon von wei­tem hör­te der schwa­r­ze Storch den Ge­sang sei­ner Frosch­ko­lon­ne und ließ sie im La­ger Auf­stel­lung neh­men.

»Al­ler­wei­ses­ter Herr­scher von Ka­la­mea. Ich möch­te euch heu­te ein­und­zwan­zig un­wür­di­ge Krea­tu­ren über­ge­ben.

Al­le ha­ben bei ih­rem er­bärm­li­chen Le­ben ge­schwo­ren, in Zu­kunft flei­ßig am Bau der neu­en Heim­stät­ten für eu­re Herr­lich­keit mit­zu­a­r­bei­ten«, be­rich­te­te Haupt­sturm­frosch Ru­ko und ver­beug­te sich tief.

Storch Otis klap­per­te wohl­wol­lend mit sei­nem ro­ten lan­gen Schna­bel und ant­wor­te­te: »Die Ko­lon­ne hat sich heu­te ein ex­tra gu­tes Abend­brot ver­dient. Und als Be­loh­nung dürft ihr bald einen Pa­last eu­er Ei­gen nen­nen. Al­ler­dings gilt es zu­vor, die Sipp­schaft der Erd­männ­chen auf­zu­spü­ren. Denn von den nichts­wür­di­gen Be­woh­nern hier­zu­lan­de ver­ste­hen sie von Bau­kunst noch am meis­ten. Lasst uns mor­gen ge­zielt nach ih­nen su­chen. Sie le­ben im Os­ten und hal­ten sich dort ver­steckt.«

»Sehr wohl, mein all­er­gnä­digs­ter Wohl­tä­ter. Mor­gen früh bre­chen wir auf.« Ru­ko ver­neig­te sich noch­mals. Dann hüpf­te er schnell da­von, um das ver­spro­che­ne Abend­brot mit sei­ner Ko­lon­ne ein­zu­neh­men.

Im Mo­rast der Irr­lich­ter

Am Him­mel türm­ten sich mäch­ti­ge Wol­ken­ber­ge. Sie hat­ten ei­ne be­un­ru­hi­gen­de dunk­le Fa­r­be an­ge­nom­men. Wach­sam konn­te ge­ra­de noch ru­fen: »Ver­steckt euch, sucht Schutz in der Höh­le!« Schon pras­sel­te der Star­k­re­gen hin­ab. Völ­lig durch­nässt er­reich­ten die Ge­fähr­ten die ret­ten­de Höh­le im Fels­ge­stein. Drau­ßen tob­te das Un­wet­ter und riss gan­ze Baum­stäm­me aus der Er­de. Wie Streich­höl­zer knick­ten mäch­ti­ge Bäu­me um und fie­len kra­chend zu Bo­den. Der Sturm heul­te so laut, dass man sein ei­ge­nes Wort nicht mehr ver­ste­hen konn­te.

»Das En­de naht! Wir sind ver­lo­ren!«, rief Grim­pe­li­ne und klam­mer­te sich ängst­lich an ih­ren Mann.

»Das sind nur die Vor­bo­ten des na­hen­den Un­heils. Ar­vin soll­te uns end­lich fin­den«, mur­mel­te Wach­sam.

Bis­her gab es kei­ne ein­zi­ge Spur vom Kö­nigs­ad­ler.

»Hof­fent­lich hat Storch Otis nicht wirk­lich un­se­ren Ar­vin in sei­ner Ge­walt«, flüs­ter­te Grim­pe­li­ne und ern­te­te da­für einen vor­wurfs­vol­len Blick ih­res Man­nes.

---ENDE DER LESEPROBE---