Beschreibung

Tobbi und sein Roboterfreund Robbi sind furchtbar aufgeregt. Stolz sitzen sie am Steuer ihres selbst gebauten Flugzeugs. Ob es auch wirklich fliegen kann? Immer schneller drehen sich die Propeller - und endlich hebt das Fliewatüüt ab! Große Aufgaben liegen vor Robbi und Tobbi. Denn die Roboter-Prüfung zu bestehen, ist gar nicht so einfach. Wird es ihnen gelingen, das Geheimnis der dreieckigen Burg zu lüften? Und können sie gegen Gespenster, Polizisten, eine Riesenkrake und ein Ungeheuer bestehen?

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Buchinfo

Tobbi und sein Roboterfreund Robbi sind furchtbar aufgeregt. Stolz sitzen sie am Steuer ihres selbst gebauten Fliewatüüts. Ob es auch wirklich fliegen kann? Immer schneller drehen sich die Propeller - und endlich heben sie ab! Große Aufgaben liegen vor Robbi und Tobbi. Denn die Roboter-Prüfung zu bestehen, ist gar nicht so einfach. Wird es ihnen gelingen, das Geheimnis der dreieckigen Burg zu lüften? Und können sie gegen Gespenster, Polizisten, eine Riesenkrake und ein Ungeheuer bestehen?

Der beliebte Kinderbuch-Klassiker jetzt als Kinofilm! Mit bekannten Filmstars wie Alexandra Maria Lara, Sam Riley, Jördis Triebel, Bjarne Mädel, »Wissen-macht-Ah«-Moderator Ralph Caspers und vielen mehr.

Das Original – mit zahlreichen Filmfotos!

Autorenvita

© privat

Boy Lornsen, 1922 als Sohn eines Kapitäns auf Sylt geboren, war einer der bekanntesten deutschen Kinderbuchautoren. Nach Abitur, Kriegsdienst und Kunststudium war er als Steinbildhauermeister, seit 1967 als freier Schriftsteller tätig. Er schrieb Kinder- und Jugendbücher, Gedichte, Erzählungen, einen Roman und Beiträge für Rundfunk und Fernsehen. Für seine Kinderbücher wurde er mit dem Friedrich-Bödecker-Preis und der Silbernen Akademieze ausgezeichnet. Boy Lornsen starb 1995.

VORWORT

Die Geschichte wird technisch. Ich kann’s nicht ändern. Aber so technisch, dass keiner sie verstehen kann, wird die Geschichte nun auch wieder nicht.

Wenn ihr etwas von Technik versteht – gut! Falls ihr aber nichts von Technik versteht – auch gut! Ihr werdet das im Verlauf der Geschichte schon lernen.

Damit wir keine Zeit verlieren, will ich euch die Hauptpersonen gleich jetzt vorstellen:

Zuerst Tobias Findteisen. Er ist der Kopilot. Ich weiß, normalerweise beginnt man mit dem Chefpiloten. Aber ich mache das absichtlich nicht, weil Tobias der Erfinder des Fliewatüüts ist. Und Erfinder stellt man immer zuerst vor. Übrigens – alle Leute nennen ihn nur »Tobbi«. Weil’s so gut klingt.

Tobbi besucht die dritte Klasse der Volksschule und macht seine Sache dort sehr ordentlich. Bloß beim Gedichteaufsagen ist er keine Leuchte. Doch das wirft einen Erfinder nicht gleich um. Da ist anderes wichtiger: Ein Erfinder braucht gute Ideen. Und die fallen Tobbi massenweise ein.

Außerdem ist er sehr höflich, eine Angewohnheit, die ihm später gute Dienste leistet.

Der Chefpilot heißt »Robbi«. Robbi ist ein Roboter – allerdings nur ein kleiner. Er besucht zurzeit die dritte Klasse der Robotschule. Natürlich möchte er in die vierte Klasse versetzt werden, aber vorher muss er die knifflige Roboter-Prüfungsaufgabe lösen, die seine Lehrer ihm aufgegeben haben. Robbi trägt keinen Familiennamen, das ist bei den Robotern nicht üblich. Dafür hat er eine »Familien-Nummer«: Rob 344-66/IIIa. Die römische »drei« gleich hinter dem schrägen Strich bedeutet: Robbi ist ein Schüler der dritten Robotklasse. Mit klein »a« bezeichnet man dort nur die besonders guten Schüler. Er kann fliegen wie ein Kunstflieger; er rechnet die schwersten Rechenaufgaben aus, noch ehe man bis drei zählen kann, und außerdem kennt er noch einige tolle Robotertricks.

Die dritte Hauptperson ist das Fliewatüüt, obgleich es eigentlich keine Person ist. Ein Fliewatüüt ist eine erstklassige Erfindung. Und eine erstklassige Erfindung verdient auch einen besonderen Namen:

Ein Fliewatüüt kann fliegen wie ein Hubschrauber, deshalb »Flie«.

Es kann wie eine Ente auf dem Wasser schwimmen, deshalb »wa«.

Es kann aber auch auf der Straße fahren, genau wie ein Auto, nur sehr viel langsamer. Autos »tüüten« sehr häufig, deshalb »tüüt«.

Nimmt man diese drei Eigenschaften zusammen, bekommt man eben ein Flie-wa-tüüt. Und aus »Flie-wa-tüüt« wird einfach »Fliewatüüt«. Das war’s.

Halt! Noch ein paar Worte über Erfinder, aber nur ein paar Worte.

Man unterscheidet große, kleine, gute und schlechte Erfinder. Für schlechte Erfinder interessiert sich niemand. Daher müssen sich solche Leute schleunigst nach einem anderen Beruf umsehen. Also bleiben noch die guten großen und die guten kleinen Erfinder übrig. Und mit denen ist es ganz einfach.

Die großen Erfinder sind schon erwachsen. Daher erfinden sie auch meistens nur große Dinge: große Fernsehtürme, große Überseedampfer, Brücken und Düsenflugzeuge und viele andere große Dinge mehr, die ich hier nicht alle aufzählen will.

Die kleinen Erfinder sind noch nicht erwachsen. Deshalb erfinden sie trotzdem: kleine Fernsehtürme, kleine Überseedampfer, Brücken und Düsenflugzeuge und – kleine Fliewatüüts.

Erfinder bleibt eben Erfinder – ganz egal, ob er groß oder klein ist. Hauptsache: Seine Erfindungen taugen etwas!

Und nun kann die Geschichte losgehen.

ERSTES KAPITEL

Man hört technische Einzelheiten über das Fliewatüüt und nimmt Einsicht in die Konstruktionszeichnung. Außerdem erfährt man, dass Tütermoor keine besonders günstige Gegend für Erfinder ist, dass Tante Paula technisch nicht mehr so ganz auf der Höhe ist, und warum Tobbi Himbeersaft als Treibstoff wählt.

Tütermoor war keine besonders günstige Gegend für Erfinder. So viel stand fest!

Tobbi wohnte aber nur vorübergehend dort. Seine Eltern waren vor fünf Tagen ganz überraschend nach Kanada gereist – wegen einer Erbschaft oder so. Und da Sommerferien waren, hatte Tante Paula ihn kurzerhand zu sich nach Tütermoor geholt. Erstens war Tobbi ihr einziger Neffe und zweitens konnte sie ihn gut leiden.

Tobbis richtiges Zuhause war in einer Großstadt. Dort befand sich die Wohnung seiner Eltern und in der Stadt wimmelte es nur so von technischen Dingen: Straßenbahnen, Autos, U-Bahnen und Fabriken. Kein Wunder, dass ein kleiner Erfinder sich in einer großen Stadt wohlfühlte.

Aber in Tütermoor gefiel es Tobbi gar nicht schlecht. Natürlich war Tütermoor nicht mit einer Großstadt zu vergleichen. Nicht einmal mit einer Kleinstadt. Tütermoor war ein Dorf, und zwar ein ungewöhnlich kleines. Es lag ganz in der Nähe von …

Ach, es ist völlig unwichtig, wo Tütermoor genau lag. Wichtig ist nur, dass es dort saftige Wiesen, herrliche Obstgärten und einen vergoldeten Wetterhahn gab. Außerdem: eine Schule mit achtzehn Schulkindern, Enten, Gänse, Hühner, Kühe, Schweine, Hunde und Katzen, einige Pferde, sieben fette und zwei magere Ochsen und drei Mäusefamilien mit Kindern, Enkeln und Urenkeln.

Die Milch in Tütermoor kam direkt von den Kühen und nicht etwa aus dem Milchgeschäft. Jeden Morgen stand eine dicke Sahneschicht obenauf, eine Sahneschicht – so dick wie ein Männerdaumen! Die Kuchen rochen dort nach reiner Butter; die Frauen wussten noch genau, wie ein Bratapfel geschmort werden musste und es gab vor allen Dingen viel häufiger hitzefrei als anderswo.

Auch die Sache mit dem Wetter war in der Gegend von Tütermoor sehr praktisch und vernünftig geregelt: Im Sommer schien die Sonne jeden Tag, im Winter fror oder schneite es und es regnete immer nur dann, wenn der Regen auch dringend gebraucht wurde. Also genau, wie sich das gehörte!

Deshalb wurden die Tütermoorer Mohrrüben doppelt so lang und die Kohlköpfe sogar dreimal so dick wie in jeder anderen Gegend. Spatzen gab es fast viermal so viele wie es Einwohner gab und mindestens die Hälfte aller Spatzen wohnte in Tante Paulas altem Efeu.

Nur Technik gab es nicht in Tütermoor. Man kam ohne Technik aus. Merkwürdig! So was ist außergewöhnlich selten.

Ach so! Etwas gab es allerdings in Tütermoor, das mit Technik zu tun hatte: das elektrische Licht und die Motorspritze der Freiwilligen Feuerwehr. Darauf konnten selbst die Tütermoorer nicht verzichten. Das heißt, die Feuerwehrspritze bekam nur die Feuerwehr zu sehen. Sie stand sauber eingefettet im Feuerwehrgeräteschuppen. Und dort blieb sie auch. Weil’s in Tütermoor eben nie brannte!

An Tante Paula war nichts auszusetzen – jedenfalls nicht viel. Sie war eine prima Tante. Eine bessere hätte Tobbi sich nicht wünschen können. Ihr Apfelkuchen zerging auf der Zunge, mit ihrem fabelhaften Himbeersaft war sie durchaus nicht geizig. Vertraute man ihr ein Geheimnis an, dann posaunte sie es nicht gleich in der ganzen Gegend herum. Sie konnte schweigen, und das können die wenigsten Tanten.

Nur vor einem Schnupfen hatte Tante Paula einen gewaltigen Respekt. Selbst dann, wenn es nur ein kleiner Schnupfen war.

Das war auch der Grund, weshalb Tobbi jetzt in seinem Bett lag.

Vor vier Tagen, als sie aus der Stadt abreisten, hatte Tante Paula gesagt: »Du wirst sehen, mein Junge, bei uns in Tütermoor ist die Luft besser. Und einen Schnupfen bekommst du dort nie.«

Das mit der guten Luft stimmte. Das mit dem Schnupfen stimmte aber nicht! Da musste Tante Paula wohl irgendein Fehler unterlaufen sein: Das Erste, was Tobbi in Tütermoor bekam, war ein – Schnupfen. Nach genau vier Tagen, nämlich heute!

»Nun schlägt’s dreizehn! Wie kann’s bloß angehen?«, brummte Tante Paula und stopfte Tobbi ins Bett.

Und weil Tobbi daran nichts ändern konnte, tat er das, was alle Erfinder tun, wenn sie mit einem Schnupfen im Bett liegen: Er beschäftigte sich mit seiner Erfindung.

Die Pläne für das Fliewatüüt waren fix und fertig, schon seit vierzehn Tagen. Aber sie mussten noch einmal überprüft werden. Das tut jeder gute Erfinder, bevor er mit dem Bau beginnt.

Tobbi holte also die Konstruktionspläne aus der Nachttischschublade, denn er hatte sie selbstverständlich mit nach Tütermoor genommen. Eine Überprüfung konnte er auch im Bett erledigen. Er stopfte sich ein Kissen in den Rücken, stellte die Knie hoch und lehnte den Zeichenblock dagegen. Bleistift, Buntstifte und Radiergummi legte er griffbereit auf die Nachttischplatte – falls irgendeine Änderung nötig werden sollte.

Als Nächstes bildeten sich die berühmten »Erfinderdenkfalten« auf seiner Stirn. Das sind besondere Falten, die nur auf Erfinderstirnen vorkommen. Und auch da nur bei den guten Erfindern. Sie verlaufen waagerecht – nicht senkrecht! Außerdem sehen sie noch besonders pfiffig aus und sind besonders schön geschwungen. Etwa wie ein ausgebreiteter Möwenflügel.

Und dann machte sich Tobbi an die Arbeit.

Der Rumpf des Fliewatüüts sah aus wie ein Hühnerei, das hinten ein wenig zugespitzt war. Das war sehr windschnittig und windschnittige Rümpfe sind besonders günstig. Man nennt es auch »stromlinienförmig«. Das Fliewatüüt war zweisitzig. Die beiden Piloten saßen in einer Öffnung im vorderen Drittel des Rumpfes. Die Öffnung hatte vorn eine gebogene Windschutzscheibe und hinten ein Klappverdeck, genau wie bei einem Kabriolett, falls es unterwegs einmal regnen sollte. Rechts und links von den Sitzen waren die wasserdichten Türen zum Ein- und Aussteigen.

Wasserdicht mussten sie sein, weil das Fliewatüüt ja auch ein Schwimmfahrzeug war. Der Rumpf sollte blau, vielleicht aber auch feuerrot angemalt werden. Die Farbe stand noch nicht so genau fest.

»Der Rumpf ist in Ordnung. Daran brauche ich nichts zu ändern«, murmelte Tobbi vor sich hin.

Er wollte gerade mit der Inneneinrichtung beginnen – da kam Tante Paula durch die Tür. Mit einem Tablett, auf dem eine Tasse Kamillentee stand. Er dampfte noch.

»Wie steht’s mit einer Tasse Kamillentee?«, erkundigte sich Tante Paula und fügte noch hinzu: »Soll gut sein gegen Schnupfen.«

»Schlecht steht’s«, antwortete Tobbi. Er mochte keinen Kamillentee.

»Du magst ihn also nicht?«

»Ganz und gar nicht!«, bestätigte Tobbi wahrheitsgemäß.

Er schwindelte nur in dringenden Notfällen und dies war noch kein dringender Notfall. Außerdem wusste er, dass man Leute, die Kamillentee mögen, leicht an den Fingern beider Hände aufzählen kann.

»Hab ich mir fast gedacht – ich mag ihn nämlich auch nicht!«, gab Tante Paula offen zu. »Aber tu mir den Gefallen und trink wenigstens diese eine Tasse aus«, bat sie. »Zukünftig werden wir es mit heißem Himbeersaft versuchen. Ich glaube, der eignet sich auch ganz gut.«

Tobbi tat ihr den Gefallen und trank seinen Kamillentee ohne Mucks aus. Das war eine Leistung.

»Was malst du da?« Tante Paula schielte auf Tobbis Zeichenblock.

»Ich male nicht – ich erfinde!«, stellte Tobbi sofort richtig. Diese Dinge durfte man nicht durcheinanderbringen.

»Und was erfindest du? Ich will natürlich nicht neugierig sein …«

»Ein Fliewatüüt.«

»Was für ’n Tüüt …?«, fragte Tante Paula verblüfft. Sie wusste noch nichts von Tobbis Erfindung.

»Ein Flie! – wa! – tüüt!«, buchstabierte Tobbi langsam.

Tante Paula rieb sich nachdenklich ihre große Nase und machte ein Gesicht, als hätte Tobbi ihr erzählt, Bäcker Paulsens alter, lahmer Kater würde seit Neuestem Rollschuh laufen.

»Ein Fliewatüüt …«, murmelte sie. »Nun wird der Pfannkuchen aber in der Pfanne verrückt!« Das sagt man in Tütermoor immer, wenn man besonders verwundert ist. Und Tante Paula war sogar ganz besonders verwundert!

»Ja, gibt’s denn so was überhaupt?«, wollte sie wissen.

»Eben nicht! Deshalb habe ich es ja gerade erfunden!«, erklärte Tobbi.

»Soso … hm, hm …«, brummte Tante Paula. Sie konnte sich immer noch nichts unter einem Fliewatüüt vorstellen.

Tobbi sah ein, dass er die Sache genauer erklären musste.

»Also – pass mal gut auf, Tante Paula«, sagte er nun. »Das mit dem Fliewatüüt ist nämlich so: Ein Fliewatüüt kann fliegen wie ein Hubschrauber, auf dem Wasser schwimmen wie eine Ente und … kommst du da mit, ich meine, verstehst du das, Tante Paula? Es ist natürlich sehr technisch.«

»Nee! Nee – da komme ich nicht ganz mit. Du musst wissen, ich bin technisch nicht mehr so ganz auf der Höhe!«, gab Tante Paula ehrlich zu.

»Na ja, schließlich kann nicht jeder ein Erfinder sein!«, tröstete Tobbi sie.

»Eben!«, sagte Tante Paula. »Deshalb halte ich mich auch lieber an Kartoffelpuffer, rote Grütze, Frikadellen und solche einfachen Sachen. Davon versteh ich etwas. Bis nachher also!«

Tante Paula machte, dass sie in ihre Küche kam, und Tobbi steckte die Nase wieder in seinen Konstruktionsplan.

Innen war das Fliewatüüt sehr praktisch eingerichtet. Darauf hatte Tobbi ganz besonders geachtet. Für den Pilotenstand waren zwei Steuersessel und auch zwei Steuerungen vorgesehen. Dann brauchte man nicht erst die Plätze zu wechseln, wenn man sich mal beim Steuern abwechseln wollte. Gleich hinter den Sitzen blieb noch ein kleiner Platz frei für die Ausrüstung. Dann kam der Motor; er saß ganz hinten in der Schwanzspitze. Und mehr ging auch nicht in das Fliewatüüt hinein.

Der Motor war nur sehr, sehr klein. Was sollte ein kleines Fliewatüüt auch mit einem großen Motor anfangen? Der wäre viel zu schwer gewesen, denn ein Flugzeug, das fliegen sollte, musste leicht sein. Der Motor konnte umgekuppelt werden: auf den vierflügeligen Propeller, auf die winzige Dampferschraube, damit sich das Fliewatüüt auch im Wasser vorwärtsbewegen konnte, und auf die beiden vorderen Räder. Der Propeller war oben – genau wie bei einem Hubschrauber. Die Propellerwelle steckte in einem kräftigen Rohr, das immer gut geölt werden musste. Die Dampferschraube ging hinter dem Spornrad schräg nach unten. Das Fliewatüüt hatte drei Räder: zwei vorne, etwa unter den Türen, und ein etwas kleineres hinten, das Spornrad.

Es gab drei Bedienungshebel. Und damit man sie nicht miteinander verwechseln konnte, hatte jeder von ihnen einen andersfarbigen Knopf: einen roten, einen blauen und einen gelben. Der rotknöpfige war der Gashebel. Man brauchte ihn am häufigsten, deshalb hatte er den auffälligen, feuerroten Knopf. Mit dem blauen Hebel konnte man den Fliewatüüt-Motor umkuppeln auf: Luftantrieb – Wasserantrieb – Landantrieb. Und der Hebel mit dem gelben Knopf hatte einen ganz besonderen Zweck: Mit ihm ließen sich die vier Flügel der Luftschraube V-förmig nach hinten zusammen- und wieder auseinanderfalten. Das hatte Tobbi sich extra so ausgedacht, weil man sich auf der Landstraße gar zu leicht den Propeller an den Bäumen verbiegen konnte.

Es war eben alles, wie es sein sollte. Tobbi hatte jede Einzelheit ganz genau nachgeprüft und ihm war nichts aufgefallen, was geändert werden musste.

Nun nahm er sich die Liste mit den Ausrüstungsgegenständen vor. Sie sah so aus:

Eine hölzerne Kiste (für Proviant und Werkzeug).

Ein Rettungsring (gelb angemalt).

Ein Anker (möglichst aus Eisen).

Taue und Leinen (Wäscheleinen und so was).

Eine Luftpumpe (vom Fahrrad).

Flickzeug (aus der Fahrradtasche).

Werkzeug.

Verschiedene Sachen.

Was er unter »verschiedene Sachen« hinschreiben sollte, wusste Tobbi noch nicht. Aber manches fiel einem ja erst im letzten Augenblick ein.

Doch nun gab es noch etwas ungeheuer Wichtiges: die Sache mit dem Treibstoff! Daran hatte Tobbi lange herumgeknobelt. Benzin und Dieselöl konnte man zwar kaufen, aber dazu gehörte Geld und Geld war bei Tobbi besonders knapp. In seiner Sparbüchse war kaum der Boden bedeckt. Dazu kam, dass er sie nicht allein öffnen durfte. Aus diesen Gründen hatte Tobbi sich für Himbeersaft entschieden. Himbeersaft konnte er notfalls auch ohne Geld beschaffen. Tante Paula ließ bestimmt mit sich reden. Sie hatte den ganzen Keller voll Himbeersaft und sie war eine erstklassige Tante, auch wenn sie nichts von Technik verstand.

Tobbi legte den Zeichenblock an die Seite und streckte seine Beine lang aus. Sie drohten langsam einzuschlafen. Er war sehr mit sich zufrieden, das war ein angenehmes Gefühl für einen Erfinder.

»Naa, wie geht’s dem Fliewatüüt?«, erkundigte sich Tante Paula und balancierte mit einem vollen Tablett durch die Tür. Dieses Mal war es das Abendbrot und ein Glas Himbeersaft. Heiß! Sie hatte ihr Versprechen nicht vergessen. Das tat sie nie.

»Bestens! Es ist so gut wie fertig!«, antwortete Tobbi und machte sich über die Mettwurstbrote her, denn er hatte Hunger. Die Sache mit dem Himbeersafttreibstoff hatte bis nach dem Essen Zeit.

Tante Paula saß auf der Bettkante und freute sich, dass es Tobbi so gut schmeckte.

Tobbi spülte den letzten Bissen mit dem letzten Schluck Himbeersaft hinunter und dann sagte er: »Du, Tante Paula, ich muss dich jetzt etwas ganz Wichtiges fragen – es ist wegen des Himbeersafts …«

»Möchtest du noch ein Glas?«

»Nein, lieber nicht. Du verstehst mich falsch. Es ist wegen des Treibstoffs. Ich meine … ich wollte sagen, das Fliewatüüt – es muss mit Himbeersaft angetrieben werden. Der Motor natürlich!«

Nun war es heraus!

»Himbeersaft …?« Tante Paula verzog keine Miene. »Ist das nicht ein wenig ungewöhnlich?«

»Ja, das schon. Aber es geht nicht anders.«

Tobbi erklärte ihr nun ganz genau, warum es ausgerechnet Himbeersaft sein musste. Und ganz zum Schluss rückte er dann mit seiner wichtigen Frage heraus: »Tante Paula! Du gibst mir doch den Himbeersaft? Bitte, bitte! Es ist so ungeheuer wichtig. Ich brauche ihn auch noch nicht gleich. Aber bald, wenn das Fliewatüüt gebaut ist. Bitte!«

»Hm – es ist wichtig … Ich seh’s ein. Gut! Du sollst deinen Himbeersaft bekommen. Aber unter einer Bedingung …« Hier machte Tante Paula eine Pause und schaute Tobbi bedeutungsvoll an.

»Und welche Bedingung ist das?«, fragte Tobbi gespannt.

»Dass ich nicht mitzufliegen brauche! Nicht dass ich Angst hätte! Na ja, vielleicht ein ganz klein wenig, aber ich glaube – ich bin nicht mehr flugtauglich. Weißt du, man wird eben alt.«

»Da mach dir keine Sorgen! Du kannst sowieso nicht mitfliegen.« Tobbi kicherte. »Du passt nämlich gar nicht durch die wasserdichte Tür! Sie ist zu klein.«

»So …? Das beruhigt mich aber sehr!«, murmelte Tante Paula, nahm das Tablett in die Hand, gab Tobbi einen Tantenkuss auf die Wange und zog die Vorhänge zu.

»Gute Nacht! Und schlaf gut!«

»Gute Nacht, Tante Paula!«

Tobbi konnte sich beruhigt schlafen legen. Er hatte alles erledigt, was er erledigen wollte. Aber eben vor dem Einschlafen fiel ihm doch noch etwas ein: Wen sollte er später in seinem Fliewatüüt mitnehmen? Und wer würde ihm das Fliegen beibringen? Wer bloß?

Aber noch war es ja nicht so weit …

ZWEITES KAPITEL

Um Mitternacht oder kurz danach geschehen merkwürdige Dinge: Eine Stubenuhr macht Mätzchen. Tobbi bekommt Besuch, von dem selbst Tante Paula nicht unbedingt etwas zu wissen braucht. Von einer »Robotschule« hört man nicht alle Tage, von einer kniffligen Roboter-Prüfungsaufgabe noch viel seltener…

Mitternacht in Tütermoor!

Elfmal sagte die Standuhr in Tante Paulas guter Stube: »Ping!« Dann holte sie tief Luft und schrie ganz laut: »Päng!« Und dann war es genau Mitternacht! Auf ihre Zeitangaben konnte man sich verlassen. Aber es hörte sich total verrückt an.

Ja, solche Mätzchen leistete sich Tante Paulas alte Standuhr häufig, doch nur dann, wenn sie auch ganz sicher war, dass ihr niemand dabei zuhörte.

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