Ruhrpottsünden - Ole von Rahm - E-Book

Ruhrpottsünden E-Book

Ole von Rahm

0,0
6,99 €

-100%
Sammeln Sie Punkte in unserem Gutscheinprogramm und kaufen Sie E-Books und Hörbücher mit bis zu 100% Rabatt.
Mehr erfahren.
Beschreibung

Clemens-Maximilian Advocatus hat soeben seinen Juraabschluss in der Tasche. Etwas naiv und weltfremd gerät er während seiner Abschlussfeier an die falschen Leute und wird von der Polizei mit Drogen erwischt. Der Vorfall hat zum Glück keine schwerwiegenden Folgen. Allerdings wird er für ein halbes Jahr nach Duisburg strafversetzt, um dort ein Referendariat bei der Kriminalpolizei zu machen. C.M., wie ihn seine Freunde nennen, muss Bekanntschaft mit der harten Hand seiner Vermieterin, einer Domina, machen, die ihn versehentlich für einen zahlenden Nachhilfeschüler hält. Und ausgerechnet Annika, deren Nichte, wird ihm die kleinen Freuden der Liebe beibringen. Ole von Rahm erzählt auf humorvolle Art, wie ein alter ungelöster Fall das Interesse des unbedarften Jungjuristen weckt. Offenbar wurde die Tote vor ihrem Ableben gefoltert. Eigenmächtig nimmt C.M. die Ermittlungen wieder auf, was auf wenig Begeisterung bei seinen neuen Kollegen vom Morddezernat M II stößt. Doch er beweist kriminalistischen Spürsinn. Dabei lernt er nicht nur den Ruhrpott rund um Duisburg kennen, sondern macht auch Bekanntschaft mit dem Verbrechen. Das Leben des unbekümmerten Münsteraners gerät mehr als einmal ganz schön durcheinander.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB

Seitenzahl: 345

Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.


Ähnliche


Wie die Katastrophe begann
Beim Staatsanwalt
Aufbruch zum neuen Job
Merkwürdiges in der Nachbarschaft
Ein interessanter Fall
Die Vermieterin
Ermittlungen auf eigene Faust
Leonies Dominastudio
In der Pathologie
Noch ein kurioser Fall
Unerwarteter Besuch
Das erste Mal
Der Morgen danach
Auswärtige Ermittlungen
Die Chefin kriegt den Arsch versohlt
Schwätzchen auf dem Klo
Angriff auf Leib und Leben
Im Krankenhaus
Sex mit Gips
In die falsche Richtung ermittelt
Befragung der WRCL-Damen
Country und Western Club
Organisierte Kriminalität
Andere Verhältnisse
Zwischen den Jahren
Man muss die Feste feiern, wie man kann
Das Atelier
Am schönsten Arsch der Welt
Aufschlussreicher Besuch
Völlig neue Gedanken
Von der Vermutung zur Gewissheit
Erdrückende Beweise
Endlich ein Geständnis
Ende gut - alles gut
Über den Autor
Weitere Bücher:
Impressum

Ole von Rahm

Ruhrpottsünden

Ein Jurist auf Abwegen – Regionalkrimi aus dem Ruhrpott

ISBN 978-3-96615-010-1

(c) 2022 Schwarze-Zeilen Verlag

1. Auflage 2022

www.schwarze-zeilen.de

Alle Rechte vorbehalten.

Die auf dem Cover abgebildeten Personen stehen in keinem Zusammenhang mit dem Inhalt dieses Buchs!

Wie die Katastrophe begann

Da war Clemens-Maximilian Advocatus, oder C.M., wie ihn seine Mitstudierenden nannten, doch tatsächlich im Knast gelandet. Er, bisher das Synonym für Sitte, Anstand und Ehrbarkeit in dieser Welt, hatte in der letzten Nacht einfach alles über den Haufen geworfen, was ihm bisher hoch und heilig war. Mit einem Schlag hatte er sein junges, aufstrebendes Leben verpfuscht, das war im inzwischen klar geworden.

In nicht einmal vierundzwanzig Stunden war er vom Jahrgangsbesten seiner Zunft zur Schande für die ganze Juristerei mutiert. Und das alles nur, weil er einmal so sein wollte, wie all die anderen, ganz normalen Menschen um ihn herum.

C.M. schaute sich in seinem kargen Verlies um. Dieser trostlose Ort war wahrlich der krasseste Gegensatz zu dem, was man gemeinhin als gemütlich empfand. Die Wände von oben bis unten mit schlichten weißen Kacheln zugekleistert. Auch die mausgrauen Fliesen am Fußboden brachten nicht sonderlich viel Farbe in dieses sterile Etablissement. Für die Notdurft stand ein Loch aus Edelstahl neben der Zellentür zur Verfügung und schlafen konnten die Gäste auf zwei schmalen, abwaschbaren Plastikmatratzen. Die vergilbte Neonleuchte an der Decke gab der morbiden Ausstattung mit ihrem diffusen Licht eine wahrhaft skurrile Atmosphäre und erinnerte an alte Schwarzweißfilme.

Da hat das Männerklo an der Uni ja noch tausend Mal mehr Charme, musste C.M. resigniert feststellen. Doch egal wie es hier aussah, das spielte in seiner Situation jetzt auch keine Rolle mehr.

Zu all dem optischen Übel gesellte sich auch noch dieser abgestandene Mief von billigem Fusel und Urin. Kaum auszuhalten für eine feine Nase des gehobenen Mittelstandes, wie C.M.s eine war. Es würde vermutlich Tage dauern, bis er diesen Gestank wieder aus seinem Geruchserker kriegte.

Diesen betörend markanten Duft verbreitete der Herr von der Schlafstelle gegenüber. Dieser hagere Kerl in seinen abgewetzten und dreckigen Klamotten, die vermutlich aus der Altkleidersammlung stammten, machte einen ziemlich heruntergekommenen Eindruck. Wäre C.M. ihm auf der Straße begegnet, hätte er bestimmt einen großen Bogen um ihn gemacht.

Vorsichtig blinzelte C.M. immer wieder zu ihm hinüber. Sein Alter war kaum einzuschätzen. Dieser Stadtstreicher hatte sicherlich schon ein langjähriges, eher unstetes Leben draußen auf der Straße hinter sich.

Die Haut gegerbt von Wind und Wetter. Eine aufgedunsene Knollennase und dicke Ringe um die Augen, stumme Zeugen des tagtäglichen Alkoholmissbrauchs. Sein Kinn eingehüllt von einem völlig zerlumpten Bart. Seine schulterlangen, aschgrauen Haare hatte er zu einem strähnigen Pferdeschwanz zusammengebunden und eine Strickmütze überdeckte weitgehend das schüttere Haupthaar. So etwas wie Shampoo kannten diese Flusen sicher nur von der Plakatwerbung.

Würde dieser Typ nicht so vehement mit intensiven Schnarchgeräuschen auf sich aufmerksam machen, konnte man denken, sein abgewrackter Körper würde hier auf den Abtransport in die Pathologie warten. Stattdessen schlief er auf Staatskosten einfach nur in aller Ruhe seinen Rausch aus. Könnte man seine Alkoholausdünstungen in Flaschen abfüllen, so würden diese bestimmt für die nächste Weihnachtsfeier der gesamten Polizeiinspektion reichen.

In C.M.s Schädel dröhnte und klopfte es wie in einem schlecht gewarteten Traktormotor. Das lag sicher nicht allein am gewöhnungsbedürftigen Duft und der außergewöhnlichen Geräuschkulisse. Auch er hatte am Vorabend reichlich dem berauschenden Extrakt zugesprochen, wenn auch nicht ganz freiwillig.

Was würde er dafür geben endlich nach Hause zu dürfen. Raus aus dem verschwitzten Hemd, sich eine Stunde lang duschen und dann in Ruhe in einem weichen Bett drei Tage lang ausschlafen.

Völlig unerwartet öffnete sich knarrend die Zellentür. Ein älterer Beamter in blauer Uniform trat herein und ging zielstrebig auf das lebende Sägewerk zu.

„Aufwachen Karl. Et is’ acht Uhr. Die Nacht ist vorbei.“

Mit einem leichten Tritt gegen die Schulter versuchte der Amtsträger, die Schnapsleiche aus seinem Schlafkoma zu reißen. Der schien hier offenbar Stammkunde zu sein. Schwerfällig wie ein alter Bär der gerade aus dem Winterschlaf erwachte, erhob der sich von seinem kargen Schlaflager.

„Gibts kein Frühstück?“, blökte er muffelig, während er versuchte, sich die Nacht aus den Augen zu reiben.

„Ne, hat der Chef für dich ersatzlos gestrichen. Du weißt warum.“

„Der is’ und bleibt ein blödes Arschloch. Nicht mal was zu beißen gönnt der einem armen, mittellosen Menschen wie mir. Aber Hunger war zu allen Zeiten das schnöde Druckmittel der Bourgeoisie gegen das unterdrückte Proletariat.“

„Fang jetzt bloß nicht wieder damit an.“ Der Ordnungshüter schaute grimmig zu ihm rüber, hatte offenbar wenig Lust auf derartige Diskussionen.

„Der Kommunismus ist tot. Lang lebe der Kapitalismus“, skandierte die Schnapsdrossel kämpferisch als Antwort.

„Los raus hier. Vorn am Tresen musst du noch das Protokoll unterschreiben, dann kannste gehen. Du kennst dat Prozedere.“

„Ja, ja, komm ja schon. Nur nicht so hetzen. Alter Mann ist schließlich kein D-Zug.“

Während er langsam vor sich hin schlich, drückte der Beamte dem muffeligen Typ im Türrahmen eine Münze in die vom vielen Rauchen grau-gelb gefärbte Hand.

„Hier haste zwei Euro. Kauf dir am Bahnhof ’n Brötchen und nen Kaffee dazu.“

„Horst, du bist ’ne Seele von Mensch. Dat hab ich immer schon gewusst.“

Lächelnd schaute er den Beamten an und entblößte dabei seine ziemlich unvollständigen, dunklen Zahnreihen.

„Noch meine Enkel werden es dir danken. Wenn du jetzt noch nen Fünfer drauflegst, dann reichts auch noch für ’nen Braunen in den Kaffee und zwei Dosen Bier zum Nachspülen. Vom Kaffee allein bekomme ich immer so’n trockenes Gefühl hinten im Hals, weißte.“

Wie ein aufstrebender Leuchtturm blieb der alte Tippelbruder einen Augenblick neben dem spendablen Polizisten stehen und wartete auf weitere milde Gaben aus dem Beamtenportemonnaie.

„Seit wann hast du denn Kinder, das wäre mir neu. Los, raus jetzt. Und such dir bloß einen anderen Schlafplatz. Ich will dich hier vorerst nicht wieder sehen, ist das klar.“

„Ja, werd sehen, was sich machen lässt.“

Der freundliche Beamte schob diesen ziemlich abgehalfterten Typen mit Nachdruck zur Tür hinaus. Eine Zeit lang starrte C.M. den beiden hinterher. Ob die dieses Drama wohl jeden Morgen zelebrierten?

„Äh, entschuldigen Sie bitte Herr Polizist. Was ist bitte mit mir?“, konnte C.M. gerade noch loswerden, bevor sich die Tür hinter den beiden wieder zu schließen drohte.

„Sie bleiben noch ein bisschen bei uns. Machen Sie es sich gemütlich, Sie haben ja jetzt ein Einzelzimmer. Der Staatsanwalt wurde informiert, kommt aber erst gegen neun ins Büro. Der wird sich dann ausführlich mit Ihnen befassen. Entspannen Sie sich und wenn Sie schön brav hier bleiben, versuch ich mal irgendwo ein Frühstück für Sie aufzutreiben.“

„Eigentlich wollte ich ja auf den Sektempfang beim Bürgermeister“, murmelte sich C.M. in den Bart, den er nicht hatte. „Aber auf so ein sensationelles Angebot kann ich natürlich nicht verzichten.“

Immerhin war das doch schon bedeutend mehr, als man dem Kollegen von gegenüber angeboten hatte. Fast schon eine first class Behandlung. Im Grunde sah er ja nicht viel besser aus wie dieser Stadtstreicher. Schuhe und Krawatte hatte man ihm bei der Einlieferung abgenommen. Sein Jackett war völlig verdreckt, die Hose am rechten Knie zerrissen. Das Hemd stank unter den Achseln, als wäre er die ganze Nacht über Marathon gelaufen.

Doch wie sollte man in diesem Milieu Endspannung finden. Stundenlang lag er auf der unbequemen Matratze herum und starrte einfach nur die Decke an. Versuchte sich dabei an Einzelheiten der vergangenen Nacht zu erinnern. Aber die krochen nur ganz, ganz langsam aus dem Nebel hervor. So als hätten sie Angst davor, entdeckt zu werden. Keine klaren Gedanken, stattdessen nur verschwommene, geisterhafte Bilder und fremdartige Geräusche, die kamen und gingen, wie sie wollten. Begleitet von zitternden Händen, Schwindel und Übelkeit.

„Konzentrier dich Clemens-Maximilian. Wo ist dein analytischer Verstand hin, auf den du dich bisher immer so gut verlassen konntest?“, versuchte er, sich immer wieder selbst zu motivieren.

Die vergangene Nacht war total aus dem Ruder gelaufen, das stand schon mal fest. Absoluter Kontrollverlust auf allen Ebenen. So etwas war ihm bisher noch nie passiert. Schon in seiner normalen Schulzeit war er eher der menschenscheue, ruhige und besonnene Typ gewesen, der lieber über seinen Büchern saß, als auf wilden Partys die Sau raus zu lassen. Dabei war er nicht etwa der typische Streber, eher der vom Wissensdurst getriebene. Das änderte sich auch während seines Studiums an der Wilhelms-Universität in Münster nicht. Dort hatte er gerade das zweite Jurastaatsexamen als Jahrgangsbester abgeschlossen.

„Münster - das ist doch tiefste Provinz“, wurde in vielen studentischen Foren gelästert. Doch die WWU gehörte immerhin zu den weltweit hundert besten Hochschulen. Gut, die Stadt war jetzt keine Mega-Metropole wie Berlin, München oder Hamburg, aber neben den knapp 315.000 Einwohnern, die in dem beschaulichen Städtchen gemeldet waren, büffelten hier an den Hochschulen immerhin annähernd fünfzigtausend Studenten. Damit gehörte Münster zu den zehn größten Universitätsstädten in Deutschland. Dazu kamen noch Lehrinstitute von Feuerwehr und Polizei.

Für jemanden wie C.M., der in einem beschaulichen Örtchen im ländlichen Umland aufgewachsen war, in der die Highlights aus der wöchentlichen Schweinepreisentwicklung und der alljährlich stattfindenden Hengstparade bestanden, war eine Stadt wie Münster so was wie der Mittelpunkt der Welt.

Für ihn war es dort eindeutig viel zu laut und hektisch. Dabei brachte das Studium an der WWU für ihn viele Vorteile mit sich. Nicht weit von seinem Heimatort entfernt, schlief er nicht wie die meisten anderen in einer Studenten-WG in der Stadt, sondern fuhr allmorgendlich von daheim auf den Campus und war froh, wenn er nach Feierabend wieder die idyllische Ruhe des gewohnten Landlebens genießen konnte.

Als Heimschläfer hatte er außerdem stets eine gute Ausrede parat, wenn ihn die Studienkollegen mal wieder zu einer ausgedehnten Sauftour durch die Altstadt überreden wollten.

„Geht nicht, ich muss ja noch fahren“, war sein Standardspruch.

Doch einmal, wenn die Prüfungen endlich alle überstanden wären, so hatte er seinen Mitkommilitonen versprochen, ja dann würde er mitkommen und es mit ihnen mal so richtig krachen lassen.

Gestern Abend war es dann so weit. Alle Prüfungen waren erfolgreich bestanden und es gab keine Ausreden mehr für ihn. Ein straffes Vergnügungsprogramm erwartete ihn, das hatten sie ihm in die Hand versprochen. Marcel hatte sogar eine Schlafgelegenheit in einer kleinen Pension in Altstadtnähe für ihn organisiert, so brauchte er sich keinerlei Sorgen darüber zu machen, wie er nach Hause kam.

Zunächst hatte der Abend für die feierwütige Truppe ganz gesittet begonnen.

„Erst einmal eine gesunde Grundlage schaffen“, bestimmte Jörg. Nicht gerade ein Riese vom Körperbau, aber mit der Klappe immer der Größte. „Wir schieben uns als Aperitif erst mal ’ne XXL Pizza im Bunten Teller rein.“

Alkoholfreies italienisches Fastfood fand C.M. in Ordnung.

Nach dem Essen zerrten ihn die Kollegen dann in den Schwarzen Hund. In dem Schuppen ging es allerdings nicht ganz so abstinent zu.

„Wir gehen erst mal ein bisschen abzappeln, sonst setzt das Abendessen noch an“, hatte Ralf vorgeschlagen. In Gesetzestexten nicht unbedingt die Koryphäe, ansonsten ein recht umgänglicher Typ.

Vor der Tanzveranstaltung hatte Marcel C.M. noch schnell einen braunen Schein aus dem Kreuz geleiert und an der Theke in hochprozentige Kaltgetränke eingetauscht. Als Klassenprimus ging die erste Runde selbstverständlich auf C.M.s Rechnung.

Die Jungs zögerten nicht lang. Kaum waren ihre Drinks runtergespült, ging es rauf auf den Dancefloor, die müden Knochen mal ordentlich durchschütteln. Wie ein nasser Sack stand C.M. am Tanzflächenrand. Als Einziger war er an diesem Abend mit Anzug und Krawatte aufgelaufen, alle anderen waren leger in Jeans und T-Shirt unterwegs. Nicht gerade das optimale Outfit fürs Partymachen. Mit den Klamotten, seiner baumlangen Figur von knappen zwei Metern und der Nickelbrille auf der Nase, wirkte er ein bisschen wie der ältere Bruder von Harry Potter, der gerade Urlaub von Hogwarts machte. Diesen Vergleich bekam er öfters zu hören. Allerdings unterschieden sich die beiden in einem Punkt deutlich voneinander. Anders als die fantastische Welt des Zauberlehrlings war C.M.s Passion die der realen Zahlen, Bilanzen, Handelsvorschriften und des Bürgerlichen Gesetzbuches.

Die von überallher laut dröhnende Mukke, das flackernde Licht zwischen den Retrokronleuchtern und dieses ausgelassene Herumgezappel, das alles wirkte schon sehr fremdartig auf ihn. Auch der Musikstil entsprach nicht gerade seinem Geschmack. Als Bewunderer der klassischen Musik von Mozart bis Beethoven hatte er in seiner Jugend oft mit den Eltern klassische Konzerte besucht. Dort ging es allerdings deutlich gesitteter zu als in diesem Zappelbunker.

Vorsichtig nippte C.M. immer noch an seinem Glas herum. Alkohol war bisher nicht so sein Ding gewesen und angesichts des Geschmacks dieser Brühe wusste er auch warum. Er fühlte sich einfach nicht wohl, wäre am liebsten sofort heimgegangen.

„Hier, nimm mal etwas C2H6O zu dir. Das macht gleich viel lockerer.“

Ein junger Mann mit weißem Kittel und Stethoskop um den Hals stand plötzlich neben ihm und reichte aus einem länglichen hölzernen Ständer großzügig gefüllte Reagenzgläser herum. Eine junge Dame, gekleidet wie eine Krankenschwester, hielt ihm den Getränkehalter.

„Vom Onkel Doktor wärmstens empfohlen. Über Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie ihren Wirt oder kotzen ihm am besten gleich in den Ausguss“, skandierte er lautstark vor sich hin. „Prost liebe Patienten und vor allem Patientinnen. Das Zeug muss ja irgendwie wech.“ Nach seiner Ansprache griff er selbst zu einem Glasröhrchen und kippte sich die braune Flüssigkeit in einem Zug in den Hals. „Uhh, Scheiße. Und gleich noch einen zur Prophylaxe hinterher. Sonst wird ich die nächsten Stunden womöglich wieder nüchtern.“

Ihm schmeckte das Zeug offensichtlich. Die von Herrn Doktor Behandelten bedankten sich artig für die gespendete Medikation und prosteten sich ausgelassen zu. Der edle Spender gehörte offensichtlich nicht zur Juristerei, aber das spielte heute Abend eh keine Rolle. Hauptsache irgendeiner gab einen aus.

C.M. hielt kurz seine Nase über das Röhrchen, um zu testen, welches Gift man ihm da verabreichen wollte. Der Inhalt roch tatsächlich wie Medizin und erinnerte ihn stark an den Hustensaft, den er als Kind bei Erkältungen immer von seiner Oma verabreicht bekommen hatte.

„Ist alles rein homöopathisch mein Junge“, hatte sie immer betont.

Vorsichtig nahm C.M. einen kleinen Schluck aus dem Glasröhrchen. Das Gebräu schmeckte tatsächlich genau so scheußlich, wie er es in Erinnerung hatte.

Doch keine Chance, sich davor zu drücken. Herr Doktor in spe bestand auf die komplette Einnahme des von ihm verordneten Medikaments.

»Trink schnell aus. Sonst verschreib ich dir noch so einen«, bestimmte er energisch.

Mühselig würgte C.M. sich das Zeug schlückchenweise herunter. Danach brauchte er dringend eine Cola, um den ekeligen Kräutergeschmack wieder loszuwerden. Von irgendwoher bekam er ein Glas mit einer dunklen Flüssigkeit in die Hand gedrückt. Diebels Alt stand auf dem Etikett. Na ja, wenigstens die Farbe des Getränks stimmte in etwa. Geschmack konnte er auch an diesem Getränk nicht finden.

Die Stimmung im Lokal wurde immer ausgelassener. Julia, eine etwas fülligere Mitstudierende, wollte unbedingt mit ihm tanzen. Ausgelassen hampelte sie immer wieder vor ihm herum, packte seinen Schlips und zog solange dran, bis er schließlich auf dem Zappelparkett landete. C.M. startete einen kurzen Fluchtversuch, doch der Rest der Gruppe hatte ihn längst umzingelt. So blieb ihm nichts anderes übrig, als einfach mit der Menge mitzuhüpfen.

Völlig durchgeschwitzt entkam C.M. nach zwanzig Minuten endlich dem tobenden Gedränge. Inzwischen hatte der DJ die Boxen so weit aufgedreht, dass man kaum noch sein eigens Wort verstand.

»Gehen wir doch noch ein bisschen rüber in den Kuhkopf. Da ist es nicht so laut«, warf Jörg in die Runde. „Keine Angst C.M., da musst du auch nicht mehr tanzen.“

Dieses Etablissement war zu dieser Tageszeit noch voller als die meisten seiner Gäste. Wer hier verkehrte stand sicherlich auf feuchten Körperkontakt.

C.M. kam das kalte Grauen. Wenn hier mal der Brandschutz kontrolliert würde, wäre aber ganz schnell Feierabend.

Doch auf solche Gedanken konnte nur einer wie er kommen. Die anderen hatten einfach nur ihren Spaß.

Trotz der überfüllten Kneipe dauerte es nicht lange, bis sie mit Getränken versorgt waren. Ein kurzer Wink von Jörg hatte genügt.

Er musste öfters hier verkehren.

Wirklich leiser war es auch hier nicht. Aus den Boxen dröhnte ein Mix aus Schlagerpop, 90er, und Evergreens. Jeder grölte mit, so gut er – noch – konnte.

Hinter der Theke bemühte man sich, damit keiner dabei eine trockene Kehle bekam - oftmals sogar mit einem Lächeln. Hier im Lokal war eindeutig Spaß angesagt. Besinnlichkeit gab es in der Lambertikirche gleich ums Eck.

Clemens-Maximilian bekam ungefragt eine Pilsette nach der anderen in die Hand gedrückt. Zwischendurch wurde noch so manch anderer flotte Blaumacher rübergereicht. Die schmeckten meist extrem süß. Immer noch nicht ganz das wahre, doch so langsam gewöhnte er sich dran.

Die Stimmung war locker und ausgelassen, man bekam hier schnell Kontakt zu seinen trinkfreudigen Nachbarn. Viel Platz zwischen den Gästen gab es eh nicht.

Die Mädels um C.M. herum standen offenbar auf Schlipsträger, wie ihn. Gerade die auf seiner Nase thronende Nickelbrille gab seinem Aussehen einen intellektuellen Touch. In einer Akademikerstadt wie Münster kam der gebildete Typ bei den Frauen gut an.

So schaffte es C.M., hin und wieder einen lockeren Smalltalk zu führen. Besonders die kleine Schwester von Wolle und Jonas fand ihn supersexy. Nina hieß die Süße und wich nicht mehr von seiner Seite. Sie hatten sich beim Warten vor dem Klo zufällig kennengelernt. Ständig fummelte sie an seinem Binder herum und war auch sonst nicht allzu zurückhaltend mit ihren flinken Fingern.

Inzwischen hatte es draußen vom Paulusdom her schon lange zwölf geschlagen. Eine Zeit, wo brave Menschen längst in ihrem Bettchen lagen. Aber keinesfalls Studenten, die ihr Examen bestanden hatten.

„Los lasst uns noch einen Absacker in der Destillerie nehmen“, kam der Marschbefehl von Jörg. „Alle vorher noch mal schnell Pipi machen und dann los. Wir treffen uns draußen vor der Tür.“

So langsam verlor Clemens-Maximilian die Übersicht. Der Boden schwankte unter seinen Füßen vom vielen Alkohol und seine Blase drückte von der vielen Flüssigkeit.

Die Idee Toilettengang ist gut, dachte C.M. Allerdings für diese Art von Klo, das es hier gab, brauchte man doch schon einen gewissen Pegel, um es einigermaßen ertragen zu können. Das war ihm schon beim vorherigen Besuch unangenehm aufgefallen. Siff in jeder Ritze. War halt nicht so einfach jenseits von 2,5 Promille noch sauber die Rinne zu treffen. Aber wie heißt es so schön, Augen zu und durch. Immer noch besser, bevor’s in die Hose geht.

Bloß nicht genauer auf den Boden oder die Wände schauen, redete sich C.M. immer wieder gut zu, als er vorsichtig auf Zehenspitzen ans Urinal herantrat.

Endlich von allem drückenden Ballast befreit, stapfte er breitbeinig wie ein Seemann vor die Tür. Aber wo waren die anderen geblieben? Am verabredeten Treffpunkt stand keiner der Jungs und auch in der Kneipe war keine bekannte Menschenseele mehr zu finden.

Vielleicht sind die ja auch noch mal kurz für kleine Mädchen gegangen. Aber da wollte er nicht noch mal hin. Also wartete er geduldig am Eingang auf sie. Aber Fehlanzeige. Völlig verwirrt und ziemlich angeschickert stand Clemens-Maximilian eine ganze Zeit lang dumm vor der Eingangstür herum.

„Hey Alder. Was geht.“ Wie aufs Stichwort kamen Wolle, Jonas und Nina aus der Kneipe getippelt. „Was stehst du hier blöde herum? Hat dich der Durst verlassen?“

„Wir wollten eigentlich noch in die Destillerie. Aber irgendwie waren alle plötzlich weg“, berichtete C.M. in einer leicht verwaschenen Sprache.

„Dann komm doch einfach mit uns mit“, schlug Nina mit einem betörenden Lächeln vor. Sie hatte ihm vorhin schon schöne Augen gemacht und sah schon echt heiß aus in ihrem engen weißen Shirt, dem kurzen Karoröckchen und den hohen schwarzen Lederstiefeln.

„Klar“, stimmte Wolle ihr zu. »Wir haben um die Ecke unsere Karre stehn. Mit was zu rauchen drin …«, flüsterte er geheimnisvoll. „Lass uns doch zusammen noch was durch die Gegend cruisen. Die Nacht ist noch jung, genau wie wir. Wer will da schon vorm Hellwerden heim.“

Nina sah immer wieder schmachtend zu ihm herüber, während er drüber nachdachte. Einfach spontan mit fremden Menschen mitgehen, so etwas hatte C.M. bisher noch nie gemacht.

„Bitte, Bitte, komm doch mit.“

Ihr geiler Knackarsch und die Unmengen Alkohol des Abends verliehen ihr einfach eine unwiderstehliche Anziehungskraft, der sich selbst so ein prüder Jurist wie C.M. nicht entziehen konnte. So schloss er sich dem Trio an.

Die Karre von der Wolle gesprochen hatte, entpuppte sich als eine Corvette C7. Schwarz wie die Nacht, mit ebenso getönten Scheiben, roter Lederausstattung und Bose-Soundsystem vom Feinsten.

Voller Bewunderung musterte C.M. den amerikanischen Straßenflitzer.

»Das is’n Auto, was Alder? V8 - 6,2 Liter Maschine, 455 PS - 610 Nm. In 4,3 Sekunden ist der auf hundert und fährt 290 Spitze.«

Wolle ließ diesen technischen Schnickschnack einen Augenblick bei C.M. wirken.

»Willste mal fahren?«

„Würde ich schon mal gern, aber ich hab Alkohol getrunken.“

„Ach das bisschen. Und das meiste davon haste doch eh längst wieder ausgepinkelt. Kriegst von mir gleich ’ne Stuka-Pille, die verleiht Flügel. Mit der haben sich die Flieger im letzten Weltkrieg zwei Tage in der Luft gehalten. Das Zeug macht dich hellwach und obendrein auch noch so richtig schön geil. Kommt, mir wird kalt. Lass uns einsteigen.“ Wolle drückte auf den Schlüssel in seiner Hand und an den Türen machte es Klick. „Setz dich einfach mal hinters Steuer und genieß das Feeling. Das Teil hier ist kein Auto, das is’ so was wie ein Kunstwerk auf Rädern.“

Kaum eingestiegen fingerte Wolle erst einmal eine Tüte aus dem Handschuhfach. Genüsslich zündete er den Glimmstängel an, nahm einen tiefen Zug und reichte ihn dann weiter zu Jonas und Nina. Dann war Clemens-Maximilian am Zug, aber der lehnte dankend ab. Allein schon dieser süßliche Geruch stieg ihm zu Kopf.

„Ist wohl dein erster Joint. Traust dich nicht, an dem Spaßmacher zu ziehen“, stichelte Wolle herum und blies ihm dabei den Rauch seines letzten Zuges ins Gesicht.

„Och komm schon Süßer. Nicht mal mich schwaches Girly haut das Zeugs um. Aber es macht richtig geil, wirst sehen,“ machte Nina ihn an.

Ihr verführerischer Blick und die sanfte Stimme zeigten Wirkung. Schließlich versuchte C.M. doch einen kleinen Zug. Sofort bekam er davon einen heftigen Hustenanfall. Wolle klopfte ihm brüderlich auf den Rücken, so als wolle er ihm damit das Atmen erleichtern.

„Hier, nimm etwas Panzerschokolade dazu. Wirst sehen, dann hört das mit dem Husten gleich auf.“ Jonas drückte C.M. ein fast transparentes kleines Bröckchen in die Hand, das an Kandiszucker erinnerte und auch so ähnlich schmeckte. Und wirklich, so langsam verschwand der Hustenreiz.

„Ich seh schon, allzu viel Spaß im Leben hattest du bisher noch nicht. Glücklicherweise hast du ja uns getroffen. Wir zeigen dir schon, wie’s geht.“

„Hier, so musst du das mit der Tüte machen.“ Nina hielt die brennende Spitze etwas nach oben, nahm dann einen tiefen Lungenzug und ließ den Rauch langsam wieder zwischen ihren spitzen Lippen entweichen.

C.M. versuchte es, ihr nachzumachen, und dieses Mal klappte es tatsächlich besser. Ein wohliges Gefühl machte es sich in seinem Körper bequem. Fast so, als würde er eine Handbreit über den Dingen schweben. Plötzlich war auch all seine Müdigkeit verflogen. Lag es womöglich daran, dass sich Nina inzwischen so nah an ihn angeschmiegt hatte?

„Wir wollen noch auf ’ne Party nach Dortmund. Haste Lust, mitzukommen. Darfst auch fahren.“

Ohne auf eine Antwort zu warten, warf Wolle den Zündschlüssel zu C.M. rüber. Der überlegte immer noch. So eine Gelegenheit würde er vermutlich nie wieder bekommen. Wenn er erst einmal als erfolgreicher Wirtschaftsanwalt arbeitete, müsste er eine langweilige Oberklasselimousine fahren wie sein Vater, schon der Kunden wegen. Also vielleicht war das die letzte Gelegenheit für ihn, das Fahrgefühl in so einem Rennflitzer kennenzulernen. Und das war sicher ein anderes als im konservativen Stuttgarter Wohnzimmersessel seines Vaters. Außerdem könnte er Nina mit seinen Fahrkünsten imponieren. PS-Boliden war er schließlich gewohnt, hatte schon oft den S-Klasse Benz von seinem alten Herrn gefahren.

„Ich fänd’s auch cool, wenn du fahren würdest“, säuselte Nina C.M. zuckersüß ins Ohr. „Ich hatte noch nie so’n feschen Chauffeur in Anzug und Krawatte wie dich.“

Dieser Satz vertrieb endgültig jegliche Zweifel. Lässig steckte C.M. den Schlüssel ins Zündschloss und ließ die 455 Pferdchen aufheulen.

„Fahr mal eben kurz zur Wollbecker Straße. Da holen wir Jonas’ Flitzer, einen weißes Ford Mustang Cabriolet und dann fahren wir ein kleines Rennen auf der A1. Mal sehn, wer schneller ist, Black oder White.“

Kurz darauf rauschten die vier vom Parkplatz hinaus in die dunkle Nacht. Auf dem Weg zur B51 versuchte C.M., das harte Fahrwerk und die ungestüme Kraft des PS-Monsters zu bändigen. Doch so schwierig fand er das gar nicht. Ein kurzer Kick aufs Gas und die Tachonadel schnellte nach oben, 80 - 100 - 120 - 130. Mit Nina auf dem Beifahrersitz fühlte er sich stark. Oder war es doch dieser Mix aus Endorphinen, Adrenalin und Drogen?

Auf einem Hinterhof in der Nähe des Hafens stiegen Jonas und Wolle dann um in den weißen Mustang.

C.M. gab Gas, steuerte die Corvette souverän über die B51 in Richtung Autobahn. Jonas hielt sich derweil hinter ihm etwas zurück. Überließ ihm offensichtlich die Tempowahl. Doch kurz hinter der Kreuzung zur B219 war der Mustang plötzlich aus dem Rückspiegel verschwunden. Stattdessen war wie aus dem Nichts ein VW-Passat Kombi hinter ihm aufgetaucht, der versuchte an ihm vorbeizukommen.

Bitte folgen blinkte in fetten, roten Lettern im Signalbalken auf dem Dach des Fahrzeugs. C.M. hatte erst jetzt bemerkt, dass es ein Streifenwagen war. Hier waren 80 erlaubt, sie hingegen fuhren locker mit 150 Sachen über die Bahn.

„Scheiße, Bullen!“ Nina wurde nervös.

Ihre Brüder hatten die Streife wohl rechtzeitig bemerkt und sich verpisst, ohne sie zu warnen.

„Gib ihnen einen kleinen Vorsprung und tu so, als wolltest du ihnen in die Ausfahrt folgen. In letzter Sekunde ziehst du dann rüber und fährst mit richtig Gas weiter geradeaus. So kannst du sie vielleicht abhängen.“

C.M. saß völlig locker mit großem Selbstvertrauen hinterm Steuer und tat das, was Nina ihm vorgeschlagen hatte, ohne auch nur mit der Wimper zu zucken. Die lustigen Pillen hatten inzwischen bei ihm ihre volle Wirkung entfaltet. Er verspürte keinerlei Hemmungen mehr oder etwa Angst. Messerscharf schaffte er es gerade noch, die Corvette wieder zurück auf die Autobahn zu steuern, bevor sie in der Ausfahrt vor die Warnbake schlitterten.

Mit Ninas Taktik und seinen waghalsigen Fahrkünsten hatte er tatsächlich die Streife abgehängt und versuchte mit einem schnellen Sprint aus der Stadt zu kommen. Doch keine Chance. Offenbar kannte die Polizei diese Taktik schon. Nur wenige Kilometer weiter hatte sie am Kreuz Münster-Süd die Fahrbahn komplett dichtgemacht. Jeder Fahrzeugführer wurde in dieser Nacht von den Ordnungshütern auf Alkohol und Drogen kontrolliert.

Die Atemalkoholkontrolle bei C.M. erbrachte 1,5 Promille. Dazu schlug auch der Drogentester Alarm. Bei der Abfrage des Kennzeichens stellte sich heraus, dass die Corvette letzte Nacht vom Parkplatz eines Autoverleihs gestohlen wurde. Außerdem fand man im Kofferraum säckeweise lustig bunte Partymuntermacher. Die Beamten vom Einsatzteam waren begeistert. Allein die Schreiberei für diesen Zugriff würde die halbe Nacht beanspruchen. Da kam einiges zusammen. Alkohol am Steuer, Drogenmissbrauch, Drogenbesitz und vermutlich bei der Menge auch gewerbsmäßiger Handel. Dazu noch Autodiebstahl, Widerstand gegen die Staatsgewalt und Beamtenbeleidigung.

Clemens-Maximilian fand das Spektakel, das die Trachtentruppe extra für ihn veranstaltete, jedenfalls total amüsant. Immer noch zugeballert bis zur Halskrause, spielte er Kappenrennen mit den Mützen der Uniformierten und veranstaltete noch so einige andere lustige Späßchen, was die allerdings gar nicht lustig fanden. Der Einsatzleiter schien ganz besonders genervt von diesem urkomischen Spaßvogel. Ohne lang zu fackeln, ließ er C.M. mit Handschellen fixiert in einem Mannschaftstransporter verstauen.

»Fahrt den Komiker zur Wache und steckt ihn über Nacht in die Ausnüchterungszelle. Heute Abend ist der eh nicht mehr vernehmungsfähig. Wenn der wieder einigermaßen klar ist, soll sich der Staatsanwalt um ihn kümmern.«

Draußen dämmerte inzwischen schon der Morgen, als die Beamten ihn endlich in die Zelle hatten. Götterdämmerung – bei C.M. im wahrsten Sinn des Wortes. So langsam ließ die Wirkung des intensiven Drogenkonsums nach. Statt lustiger Späßchen machte sich fiese Katerstimmung in seinem Schädel breit.

Tja und seitdem saß er in dieser schäbigen Zelle. Sein Zimmergenosse war inzwischen schon eine Ewigkeit verschwunden. Wie spät mochte es sein? Er wollte nachschauen, doch da war keine Uhr an seinem Handgelenk. Richtig. Alle Dinge womit er sich verletzen konnte, hatte man ihm ja abgenommen. C.M. erinnerte sich vage an derartige Dienstvorschriften bei der Polizei.

Lautes Gepolter an der Zellentür riss C.M. aus seinen Gedanken. Doch keiner kam herein. Nur eine Klappe öffnete sich. Jemand stellte ohne ein Wort einen Pappbecher mit Kaffee und ein paar belegte Brote auf die Durchreiche. Klappe wieder zu - dann war wieder absolute Stille.

Na wenigstens ließ man ihn hier nicht verhungern. Doch schon der Geruch von frischem Kaffee, normalerweise morgendlicher Startschuss zur Erweckung jeglicher Lebensgeister, brachte ihn an den Rand eines Brechanfalls. Er konnte jetzt einfach nichts zu sich nehmen.

»Leg dich besser wieder hin und versuch, noch etwas zu schlafen. Du brauchst einen klaren Kopf, wenn man dich später befragt«, maßregelte er sich selbst, nachdem er sich den Kaffee und die Brote doch runtergewürgt hatte.

Die Stunden vergingen, sie kamen ihm endlos vor. Inzwischen mochte es schon Mittag sein, womöglich noch später. Hier drin, in diesem fensterlosen Raum, hatte er jegliches Zeitgefühl verloren.

Gelangweilt lag Clemens-Maximilian auf der harten Pritsche herum, starrte an die Decke.

Um den letzten Penner kümmert man sich. Nur ihn ließ man hier in diesem Drecksloch elendig verrecken. Die immer gleichen Gedanken kreisten durch seine Brummschädel, wie eine Endlosschleife. Anfänglich fürchtete sich C.M. vor einer strengen Befragung. Solch eine verrückte Geschichte würde ihm doch eh keiner glauben. Doch mittlerweile sehnte er sich sogar danach, endlich jemandem seinen Leidensweg erzählen zu können. Aber keiner kam und machte sich die Mühe, ihn in die Mangel zu nehmen. Vermutlich eine psychologische Verhörmethode, um ihn vorab schon weichzuklopfen.

Sollte er womöglich dagegen protestieren und nach einem Anwalt verlangen? Schließlich lebte man hier in einem Rechtsstaat, da hatte auch der Täter Rechte. Aber wozu brauchte er einen? Er war ja jetzt selbst Jurist und sogar mit Auszeichnung. Wenn man ihn nicht wegen der Vorfälle inzwischen exmatrikuliert hatte.

Womöglich brauchte er für die Vorkommnisse letzte Nacht einen Spezialisten. Beim Strafrecht verfügte er nur über das Wissen der Pflichtsemester. In seinem Hauptstudium hatte er sich voll auf Wirtschaftsrecht spezialisiert. Dazu noch BWL und Wirtschaftsenglisch gebüffelt. Da kamen Drogendelikte nicht vor. Als Sprössling einer seit Generationen bestehenden Wirtschaftsanwalts- und Notardynastie war ihm sein Werdegang fast schon von der Wiege an vorgezeichnet. Schon als Kind hatte er seinem Vater und Großvater über die Schulter geschaut. Kannte schon jetzt viele Stammkunden der Kanzlei persönlich. Hatte auch sein Referendariat in der Familienkanzlei verbracht und an so manchem Treffen mit wichtigen Klienten teilgenommen.

Vermutlich war das genau sein Problem, wenn er so richtig drüber nachdachte. Eigentlich kannte er bisher nichts anderes als diese kleine, familiäre Welt. Nur so konnte er es sich erklären, so leichtgläubig auf derartige Betrüger hereingefallen zu sein.

Endlich, nach einer gefühlten Ewigkeit, öffnete sich knarrend die Zellentüre. Ein junger Beamter, noch ein Tick größer als C.M., trat herein. Aus den kurzen Ärmeln des hellblauen Uniformhemdes schauten extrem muskulöse Arme heraus. Ein Typ, mit dem man sich lieber nicht anlegte.

„Mitkommen, der Staatsanwalt will Sie sehen.“

Zur kurzen Ansprache bekam er eine Tüte in die Hand gedrückt.

C.M. schaute kurz hinein. Darin befanden sich seine Schuhe, Uhr, Krawatte und noch ein paar Kleinigkeiten aus seinen Hosentaschen. Dinge, die man ihm gestern Abend bei seiner Verhaftung abgenommen hatte. Doch was sollte er mit dem Plunder? Höchstens die Schuhe waren noch zu was nütze. Zeit war für ihn plötzlich bedeutungslos geworden und wozu noch eine Krawatte tragen, so zerlumpt wie er nach dieser Nacht aussah, ergab das für ihn keinerlei Sinn.

Währenddessen wartete der muskelbepackte Staatsdiener ungeduldig im Türrahmen. Deutete dem Zelleninsassen mit einer Handbewegung an, dass er ihm endlich folgen sollte.

C.M. fand diesen Muskelprotz einfach unsympathisch. Da war dieser angejahrte Kollege vom Vormittag ein weitaus angenehmerer Zeitgenosse.

Beim Staatsanwalt

Wortlos, mit zügigen Schritten, brachte der stocksteife Polizist C.M. zum Büro des Staatsanwalts. Wich auf dem ganzen Weg nicht von seiner Seite. Glücklicherweise hatte er auf Handschellen verzichtet. Flucht wäre bei diesem Typ eh aussichtslos gewesen. Spaß gehörte bestimmt nicht zu seinen bevorzugten Tugenden. Eher bedingungslose Pflichterfüllung, koste es, was es wolle. Als die beiden das Büro des Staatsanwalts betraten, nahm er sogar Haltung an. Am Tonfall seiner Stimme merkte man ebenfalls, dass er innerlich vor dem Vertreter der höheren Staatsgewalt strammstand. Sicherlich hatte dieser pflichtbewusste Herr vor seiner Polizeikarriere eine elitäre militärische Ausbildung genossen.

„Entschuldigung Sie bitte Herr Doktor Frühauf. Ich bringe Ihnen hier wie bestellt Herrn äh … Avocado.“ Etwas unbeholfen kramte der Beamte einen Zettel aus seinen Unterlagen, um die mitgebrachte Person korrekt vorstellen zu können.

„Sie meinen sicher Advocatus, junger Mann“, antwortete ihm ein älterer Herr mit einem freundlichen Lächeln. „Der Name stammt nicht etwa aus der Pflanzenwelt. Vielmehr aus dem lateinischen und bedeutet so viel wie Anwalt.“

Schlagartig verkrampfte sich der Polizist. Man merkte ihm förmlich an, wie peinlich ihm diese Namensverwechslung war.

„Kann bei einem solch komplizierten Namen mal passieren. Herr Advokatus ist mir seit Jahren persönlich bekannt, daher weiß ich das so genau.“

C.M. stockte der Atem. Der Mann, der da gerade fleißig über seinen Familiennamen plauderte, war kein geringerer als der Leiter der Staatsanwaltschaft Münster höchstpersönlich. Nebenbei auch noch Golfpartner und alter Duzfreund seines Vaters. Die kannten sich schon seit ihrem gemeinsamen Studium.

Wenn der davon weiß, dann sicher längst auch mein Vater und alle anderen in der Kanzlei, schoss es C.M. durch den Kopf. Am liebsten wäre er im Boden versunken.

Sein Leben war endgültig verpfuscht. Mit diesem Makel konnte er höchstens noch bei der Müllabfuhr die Tonnen zählen gehen. Vermutlich würde er genauso enden wie sein schnarchender Zellengenosse von letzter Nacht.

„Clemens-Maximilian. Also wirklich, was machen Sie nur für Sachen.“

Der nicht sehr groß geratene, rundliche Mittfünfziger kam hinter seinem wuchtigen Schreibtisch hervor und begrüßte C.M. mit einem festen, fast schon freundschaftlichen Handschlag. Sein Gesicht war braun gebrannt und seine inzwischen schütteren grau melierten Haare hatte er mit Gel leicht zum Glänzen gebracht. Seine Augen standen eng beieinander und in Verbindung mit der leicht überdimensionierten Brille auf der eckigen Nase verliehen sie seinem Gesicht ein bisschen das Aussehen einer freundlich dreinschauenden Eule.

„Besten Dank Herr …“

„Baumhauer, Kommissaranwärter Jens Baumhauer.“

Der junge Mann nahm bei seiner Vorstellung wieder Haltung an, fast hätte er sogar salutiert.

„Sie können uns jetzt allein lassen. Ich kenne Herrn Advocatus persönlich, von ihm geht keinerlei Gefahr aus.“

„Wie Sie meinen. Allerdings brauche ich noch eine Unterschrift im Protokoll.“

Nach den Formalitäten verabschiedete sich der Beamte, drehte sich zackig um und verließ zügig das Büro. An der Tür zog er routiniert den Kopf ein, um sich den nicht am Türrahmen anzustoßen.

Währenddessen schaute sich C.M. etwas gedankenverloren in den Räumlichkeiten des Behördenvorstehers um. Alles darin versprühte einen recht altbackenen Charme, war vermutlich schon seit Jahrzehnten nicht mehr erneuert worden. Ein mahagonifarbener, klobiger Schreibtisch dominierte den Raum. In die Front des massiven Möbelstücks waren kunstvoll an den Enden je ein Löwe und in der Mitte die Silhouette von Justitia geschnitzt. Vor den dunkel vertäfelten Wänden wuchs ein Wald aus Regalen, die mit zahllosen Büchern vollgestopft waren. C.M. versuchte, in den endlosen Buchreihen einige Titel zu erkennen, es war ausschließlich Juristenkram.

Die Zeit in diesem Raum schien stillzustehen. Im hellen Sonnenlicht vor den Fenstern tanzten kleine Staubwölkchen auf und ab, ohne je den Boden zu berühren. Obwohl die Sonne durch die hohen Fenster schien, wirkte der Raum trotzdem schummrig. Das dunkle Interieur schien das meiste Licht einfach wie ein Schwamm in sich aufzusaugen.

„Ich wollte es erst gar nicht glauben, dass Sie es sind, als ich den Namen im Protokoll gelesen habe. Clemens-Maximilian, ich kenne Sie ja noch aus dem Kinderwagen. Sie waren immer so ein zuverlässiger, gut erzogener junger Mann. Zu solch schlimmen Straftaten wären Sie doch gar nicht fähig. Da konnte etwas nicht stimmen, das wusste ich gleich. Und spätestens als ich las, dass diese Nina vom Clan der Unholds bei Ihnen im Auto gesessen hat, war mir völlig klar, dass diese Familie der Urheber allen Übels sein musste. Besonders ihre Brüder haben ein Vorstrafenregister, das reicht von hier bis Oberammergau.“

Na wenigstens einer der Offiziellen, der von seiner Unschuld überzeugt war, dachte C.M. wehmütig. Ob es auch was nützen wird, blieb zu hoffen.

„Die haben mich unter Drogen gesetzt“, versuchte sich C.M. vor dem Staatsanwalt zu rechtfertigen.

„Das Ergebnis vom Drogenscreening stand im Polizeibericht. Es war eindeutig, dazu noch jede Menge Alkohol. Der Einsatzleiter hat mir wahre Horrorgeschichten über Ihr nächtliches Auftreten berichtet. Wissen Sie denn, was Sie zu sich genommen haben?“

„Genau weiß ich das auch nicht. Am Anfang haben wir alle zusammen einen Joint geraucht und dann hat mir dieser Jonas einen Muntermacher gegeben. Irgendwas mit Schokolade, die er wohl von der Armee hat.“

„Hat er sie vielleicht Panzerschokolade genannt?“

„Ja, kann sein.“

„Genau, Crystal Meth, die Droge des Wahnsinns. Davon haben wir jede Menge im Kofferraum gefunden.“

„Ne, nicht so ’ne neumodische Partydroge. Das muss schon was Älteres gewesen sein. Die haben was vom Krieg erzählt.“

Die Augen des Staatsanwaltes bekamen plötzlich etwas Stechendes, was ihn unheimlich aussehen ließ. „Heutzutage kennen Konsumenten den Muntermacher meist unter dem Namen Meth oder Ice. Wirkt euphorisierend und stimulierend, gibt kurzzeitig großes Selbstvertrauen und ein Gefühl der Stärke, steigert dabei den sexuellen Trieb, zügelt den Appetit und hält wach.“

„Oh ja. All das habe ich heute Nacht selbst erlebt“, bestätigte C.M.

„Allerdings ist diese Partydroge keinesfalls eine neue Erfindung. Sie kam schon in den 1930er Jahren unter dem Namen Pervitin als Muntermacher auf den Markt. Es gab sogar Pralinen, die damit angereichert waren, die unter dem Begriff Hausfrauenschokolade verkauft wurden.

Der Bereich illegale Rauschmittel war früher mal mein Spezialgebiet, bevor ich leitender Staatsanwalt wurde. Da habe ich mich auch ein wenig mit deren Geschichte beschäftigt.

Schon früh war bekannt, Methamphetamin macht extrem schnell abhängig und zerstört den Menschen. Nach dem höchsten Flug kommt der tiefste Fall, mit Halluzinationen, paranoiden Bewusstseinsstörungen, schweren Depressionen, Angst- und Aggressivitätszuständen, Halluzinationen bis hin zu Kreislaufproblemen, die sogar zum Tod führen können.“

„Etliche dieser Symptome habe ich heute Vormittag in der Zelle erlebt.“

„Die Nazis haben die Droge trotzdem während der Blitzkriege zur Dämpfung des Angstgefühls und zur Steigerung der Leistungs- und Konzentrationsfähigkeit missbraucht und ohne Rücksicht auf Verluste millionenfach an die kämpfende Truppe verteilt. Später dann auch in der Schlacht um Stalingrad, um dort das extreme Kältegefühl, den Hunger und die Erschöpfungszustände zu kompensieren.“

„Gut, da war ja eh schon alles verloren.“

„Die Soldaten kannten das Zeug unter den Spitznamen Panzerschokolade, Stukapille oder Fliegermarzipan. Auch der Führer soll es mehrfach täglich geschluckt haben.“

„Daher kamen also seine Wahnvorstellungen. Das Zeugs ist schon echt krass. Daher hat man es dann nach dem großen Krieg auch sofort verboten?“

„Nicht ganz. Offiziell durfte Pervitin zwar nicht mehr verkauft werden, aber trotzdem hat die Droge weiter eine beachtliche Karriere beim Militär hingelegt. Das US-Militär zum Beispiel gab ihren Soldaten den Wirkstoff während des Vietnamkrieges zur Leistungssteigerung im Dschungelkrieg. Ja selbst die Bundeswehr hatte das Mittel für den Ernstfall bis in die 1970er Jahre in ihren Depots. Es war Bestandteil der Verpflegungspakete für Fallschirmjäger. Bei Piloten der NVA war Pervitin für den Ernstfall sogar bis zum Mauerfall mit an Bord.“

„Und wie kam das Teufelszeug dann in die Partyszene?“

„Nach Ende des kalten Krieges flaute die Karriere von Pervitin dann eine Zeit lang ab, bis es Ende der 1990er in der Drogenszene unter dem Namen Crystal Meth wieder zu neuem Leben erwachte. Erst nur ganz vereinzelt aus Tschechien eingeschmuggelt, aber inzwischen wird sie in allen Schichten der Gesellschaft konsumiert, vor allem weil sie billig ist. Die von der Drogenfahndung sichergestellte Menge hat sich in den letzten fünf Jahren verzehnfacht.“

„Steile Karriere.“

„Das Schlimme daran ist, keiner weiß genau, was drin ist. Heutzutage in einfachen Hinterhofküchen aus Schnupfenmitteln und ein paar Chemikalien extrahiert und mit allem möglichen gestreckt.“

„Aber bestimmt ist es ein lukratives Geschäft.“

„Mit Sicherheit. Bei dem auch die Geschwister Unhold kräftig mitmischen wollten. Aber damit ist jetzt endgültig Schluss. Ich habe sofort meine besten Ermittler auf den Fall angesetzt. Diese Nina war wirklich stinkig auf ihre Brüder. Die beiden hatten das Mädchen als Lockvogel auf Sie angesetzt, sie dann aber bei der Verhaftung einfach im Stich gelassen. Daher hat sie eine umfangreiche Aussage zu Ihren Gunsten gemacht und Wolfgang und Jonas dabei schwer belastet. Von Ihnen hat sie übrigens nur in den höchsten Tönen geschwärmt.“

C.M. fühlte sich ein bisschen geschmeichelt. Offenbar mochte Nina ihn ja tatsächlich ein wenig.

„Die Polizei hat inzwischen auch die beiden Herren Unhold verhaften können und sie ausgiebig in die Mangel genommen. Zuerst haben die natürlich alles abgestritten. So getan als ob sie von nichts wüssten. Wir haben jedoch ihre Fingerabdrücke an den Drogenverpackungen gefunden und so konnten sie nicht anderes als alles zuzugeben. Auch dass sie Sie am Abend mit Drogen vollgestopft haben, um einen willigen Helfer für ihren Drogentransport aus Ihnen zu machen. Die beiden Fahrzeuge dafür waren übrigens gestohlen.“

„Die Corvette gehörte denen gar nicht?“

„Nein, offiziell sind alle Harz-IV Bezieher. Wie sollen sie sich damit solche Autos leisten? Seien Sie bloß froh Clemens-Maximilian, dass man Sie bei der Razzia letzte Nacht erwischt hat. Womöglich hätte man Sie drogenabhängig gemacht und weiter als Drogenkurier missbraucht. Unbescholtene Bürger sind die idealen Opfer für solche Typen.“