Rumpelzwergis Abenteuer - Michael Fassbender - E-Book

Rumpelzwergis Abenteuer E-Book

Michael Fassbender

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Beschreibung

Der kleine Wurzelgnom Rumpelzwergi lebt im Hausruckwald in seiner Wurzelhöhle und hat nur ein Hobby, ein Ziel und eine Berufung: Gold finden, nehmen und behalten. Auf der Suche nach seinem Gold erlebt er so manches Abenteuer und macht vor allem Bekanntschaft mit den unterschiedlichsten Wesen seines Waldes und darüber hinaus. Ob bei der Hexe Klickklack, den Wichteln Armacan und Barmacan, dem reichen Onkel aus Schottland, den Wald- oder den Grünelfen oder wen auch immer er trifft, so richtig freundlich kann Rumpelzwergi nicht sein und schafft sich somit kaum Freunde. Obwohl er genau diese doch immer wieder dringend nötig hätte, um ihn aus so mancher schwierigen Lage zu befreien. Und ehrlich gesagt, ist er auch gar nicht wirklich böse, auch wenn er dies niemals zugeben würde. Und ob er wirklich zu Gold und Reichtum gelangt. Das erzählen diese 12 Einschlafgeschichten für Kids (6 bis 12 Jahre), die natürlich auch Erwachsene gerne lesen dürfen.

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Seitenzahl: 166

Veröffentlichungsjahr: 2022

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INHALTSVERZEICHNIS

Vorwort: Wieso Rumpelzwergi?

Folge 1: Wer um Gottes willen ist Rumpelzwergi?

Folge 2: Rumpelzwergi und die Hexe Klickklack

Folge 3: Rumpelzwergi und die Schrumpfpilze

Folge 4: Rumpelzwergi und die Kuckucksuhr

Folge 5: Rumpelzwergi und die goldene Margerite

Folge 6: Rumpelzwergi und die goldenen Schuhe

Folge 7: Rumpelzwergi und das goldene Drachenei

Folge 8: Rumpelzwergi und der Goldlöffel des Riesen Bergmann

Folge 9: Rumpelzwergi und das goldene Räuberhaar

Folge 10: Rumpelzwergi und die goldenen Äpfel von Numms

Folge 11: Rumpelzwergi und der goldene Ring

Folge 12: Rumpelzwergi und das goldene Schwert von Schrott

VORWORT

Wieso Rumpelzwergi?

Kinder am Abend zum Einschlafen zu bringen, ist manchmal gar nicht so einfach. Da ich als Papa mit Job im Hotel nur wenig Zeit für unsere Burschen hatte, war es schnell ein kleines Ritual, dass ich sie zumindest öfters einmal mit einer Gutenachtgeschichte ins Bett brachte, um dann wieder runter ins Hotel zu gehen. Die Geschichten waren erst bunt gemischt, aus reiner Fantasie geboren, und Sylvie und ich wechselten uns damit ab. Sie dauerten auch selten länger als fünfzehn Minuten und unsere Jungs schliefen beim Zuhören und dabei Gekrabbelt-Werden ein.

An einem dieser Abende im Jahr 2004 muss Rumpelzwergi geboren worden sein. Er erschien in einer meiner Geschichten und unsere Kinder wollten mehr über ihn erfahren. Also überlegte ich mir immer wieder neue Storys von Rumpelzwergi, die stets eine ähnliche Struktur hatten. Es dauerte auch gar nicht lange, da nannten wir Rumpelzwergi oft nur noch liebevoll Rumpel.

Jedes Mal ging es darum, dass Rumpel, der eigentlich böse wie sein Bruder Rumpelstilzchen sein wollte, versuchte, an Gold zu kommen. Es gelang ihm aber nie oder hatte stets schlimme Konsequenzen.

Die Geschichten mehrten sich und Leon und Noah achteten immer darauf, dass ich keine Geschichte zweimal erzählte, was zum Beginn regelmäßig mit der Bemerkung „hatten wir schon“ den Abend einleitete, bis ich eine neue Idee hervorzauberte. Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie gut das Gedächtnis von Kindern bei erzählten Geschichten ist.

Die Geschichten sind jeweils so lang, dass man auch zum Vorlesen nur ca. zehn bis fünfzehn Minuten benötigt. Irgendwann kam meine Familie auf die Idee: „Papa, warum schreibst du uns die Rumpelzwergi-Abenteuer nicht mal auf?“ Daraus entstand das Vorhaben, nun 52 Geschichten, von den in neun Jahren bereits erzählten 554 Geschichten, aufzuschreiben. Diese werden in mehreren Bänden mit zwölf bis vierzehn Storys erscheinen.

Band 1, mit zwölf Folgen, ist geschrieben und liegt nun in Ihrer Hand.

Die Anzahl 52 dient dazu, berufstätigen Papis oder Mamis, die ihre Kinder nur am Wochenende einmal in Ruhe sehen, für jede Woche des Jahres eine Einschlafgeschichte an die Hand zu geben. Damit erhoffe ich mir, dass auch in anderen Familien das kleine Ritual der Einschlafgeschichten und des Kuschelns wieder mehr Einzug in unsere hektische Welt hält. An der gespiegelten Liebe unserer Kinder erfahren wir täglich, wie wertvoll diese Zeit ist. Selbst heute (Leon ist nun dreizehn und etwas pubertär, und Noah elf Jahre) schafft es Rumpelzwergi immer, vor iPad und CD-Spieler als Einschlaferlebnis gewählt zu werden. Darauf bin ich als Papa mächtig stolz. Vielleicht geht es irgendwann dann anderen Eltern genauso – das wäre mehr als GOLD wert!

FOLGE 1

Wer um Gottes willen ist Rumpelzwergi?

Eigentlich war er ja gar nicht böse. Das sollte jedoch keiner wissen, denn es würde seinem Image, seinem Ruf, schaden. Und darauf legte Rumpelzwergi sehr viel Wert. Also vergesst diesen ersten Satz für die nächsten 52 Geschichten erst einmal.

Nachdem sein Bruder Rumpelstilzchen geplatzt war – ihr wisst schon, die Geschichte „Ach, wie gut ...“ und so weiter und so weiter –, war Rumpelzwergi so ziemlich der letzte verbliebene Wurzelgnom auf der Welt. Und alle hatten eines gemeinsam: ihre Gier nach Gold und ihre Hemmungslosigkeit, um da heranzukommen.

Sein Name schien nicht ganz unbegründet. War sein Bruder noch fast so groß wie ein Kind von sieben bis acht Jahren, so hätte man Rumpelzwergi von der Größe her höchstens auf vier bis fünf Jahre geschätzt. Ein ausgewachsener Schäferhund ging ihm bis an die Schulter.

Dennoch konnte man sofort sehen, dass er kein Kind mehr war. Na ja, mit über 158,23 Jahren wäre das ja auch etwas zu viel verlangt. Nun müsst ihr aber wissen, dass Wurzelgnome bis zu 275,54 Jahre alt werden können. Übrigens nehmen es Wurzelgnome mit Zahlen sehr genau, was wir noch des Öfteren sehen werden.

Kurzum: Rumpel befand sich im besten Gnomalter ... und man sah es ihm an.

Eine dicke Knollennase, eng stehende große Augen, buschige Augenbrauen und ein viel zu langes Gesicht ließen den Kopf von Rumpelzwergi größer erscheinen, als er war. Eine braune Ledermütze bedeckte immer seine knallroten strohigen Haare. Das lag daran, weil schon seit fast 56,46 Jahren eine handgroße leere Stelle die Mitte seines Schädels zierte, und das war Rumpelzwergi sehr peinlich. Na ja, eine Schönheit stellte er noch nie dar. Selbst für einen Wurzelgnom war er recht runzelig und hatte ziemliche O-Beine und viel zu lange Arme. Aber dennoch war er recht flink unterwegs und konnte ohne Anstrengung eine Fliege im Flug fangen, was bei seinem Volk als recht stattliche Leistung angesehen wurde.

In seinem grünen Wams und der braunen Pluderhose, die er immer und zu jeder Zeit trug, Gott sei Dank besaß er drei von jeder Sorte, war er im Laubwerk des Waldes und dem Schutz der Bäume kaum auszumachen, was Wurzelgnomen auch sehr entgegenkam. Am liebsten blieben sie unbemerkt, um so ihrem Hobby „Gold suchen und mitnehmen“ am besten nachzukommen.

Auch Rumpels Behausung war eher klein. Unter der Wurzel einer alten Eiche, die mitten im großen Hausruckwald im schönen Österreich stand, hatte er mit 75,45 Jahren, dem Alter, mit dem die Wurzelgnomeltern ihre Kinder aus dem Haus warfen, seine Höhle gebuddelt.

Sie bestand nur aus einem Raum, aber einer viel zu großen Schatzkammer, die gleich neben einem kleinen Kamin ihren Zugang hatte. Wenn man sich in der kleinen Höhle umsah, entdeckte man ein Bett, ein paar Stühle, einen Tisch und eine kleine Küche, also eine recht spärliche Einrichtung. Alles schnitzte Rumpelzwergi aus Wurzelholz, so wie es üblich war, wenn auch nicht sehr liebevoll. Dies würde seinem Naturell ja nicht entsprechen, wie wir gelernt haben.

Das Wertvollste an der „Wohnung“ waren die Eingangstür und die Tür zur Schatzkammer, die aus massivstem Eichenholz und jeder Menge Riegel und Schlösser bestand. Denn Wurzelgnome haben immer Angst, dass man ihnen ihre Reichtümer wieder abjagt. Insbesondere andere Wurzelgnome, Bergtrolle, Wichtel, Zauberer und ganz selten auch Menschen, die die Gier der Wurzelgnome nach Gold kannten, wollten ihrer Reichtümer sehr gerne habhaft werden.

Daher lagen die Höhlen gut versteckt und bestens gesichert, so weit es das handwerkliche Geschick der Wurzelgnome zuließ.

Da die Höhle nur kleine Fenster besaß, brannte immer eine Kerze aus Schweinefett oder Bienenwachs auf dem Tisch, und weil Rumpelzwergi natürlich kein großer Fan von Wasser war, roch es in seiner Behausung sehr muffig, um es einmal nett auszudrücken.

Aber Rumpel hatte eigentlich nie Besuch und so war es ihm recht egal, wie es bei ihm roch oder aussah.

Sein Problem lag in der Schatzkammer, denn sie war bis auf ein paar Goldmünzen, die er aus einem Glücksbrunnen gestohlen hatte, LEER, die größte Schande für einen Wurzelgnom in diesem Alter.

Dies musste sich ändern!

Welche Anstrengungen unser nicht wirklich boshafter Freund unternahm, um diesen Zustand zu beseitigen, und was er dabei alles erlebte und wie es ihn prägte, das erzählen euch die folgenden Geschichten.

Übrigens! Ähnlichkeiten mit real existierenden Wurzelgnomen oder anderen Lebewesen sind dabei rein zufällig und absolut ungewollt.

Also kommt mit, denn Rumpelzwergi ist schon fast auf dem Weg zu seinem ersten Abenteuer.

FOLGE 2

Rumpelzwergi und die Hexe Klickklack

Rumpelzwergi hatte mal wieder Langweile. In seiner Schatzkammer lagen nur die paar Goldmünzen aus dem Brunnen, es regnete draußen und hungrig war er auch ..., also eigentlich war alles so wie immer.

Er saß breitbeinig vor seinem Kamin, der nur auf Sparflamme brannte, und starrte wortlos in die Flammen. Na ja, mit wem hätte er auch reden sollen. Viel zu viele Freunde hatte er durch seine Goldgier schon verärgert, aber es war, wie es war, und wenn es nach Rumpelzwergi ging, konnte es auch so weitergehen. Er war, wie er war, und würde sich auch nicht ändern.

Als er nun so in die Glut schaute, nahm er neben sich plötzlich eine Bewegung wahr, und als er genau hinsah, bemerkte er, wie sich eine kleine Maus immer wieder zum Kamin hin und wieder weg bewegte. Anscheinend fror sie, aber sie traute sich nicht, zu lange in seiner Nähe zu bleiben. Als sie gerade wieder hervorlugte, sprang Rumpel auf und mit zwei Sprüngen landete er genau an der Stelle, wo die Maus eben noch saß. Aber sie war natürlich längst weg. Aus den Augenwinkeln sah er sie noch um die Ecke huschen. Aber nun war Rumpelzwergi wach, und so schnell er konnte, lief er hinter der Maus her, die schon einen gewichtigen Vorsprung gewonnen hatte. Gerade als er sie in einer Ecke seiner kleinen Höhle gestellt hatte und er nach ihr greifen wollte, piepste sie laut und hüpfte ihm geradewegs über seine viel zu dicke Nase, an den buschigen Augenbrauen vorbei, ab um die Ecke, und war in ihrem Loch in der Höhlenwand, und davon gab es nun wirklich einige, verschwunden. Rumpel fluchte, wollte aber noch nicht aufgeben.

Er langte mit seinem langen Zeigefinger in die kleine Maushöhle hinein und versuchte, sie damit zu erforschen. Natürlich war das Mäuschen schon längst über alle Berge. Enttäuscht wollte Rumpelzwergi gerade den Finger aus der Höhle ziehen, da blieb er an etwas Eckigem hängen. Er fasste nun doch noch einmal tiefer in die Höhle und tastete mit seinem Finger umher, und wirklich, da lag noch etwas im Mauseloch. Wahrscheinlich nur ein altes Stück Käse, dachte Rumpel, doch als er genauer fühlte und schließlich mit seinem Finger den Gegenstand umfassen konnte, zog er zu seiner Verwunderung ein kleines Kästchen aus dem Mauseloch hervor.

Es war nicht größer als eine Streichholzschachtel, aber aus ganz feinem Holz geschnitzt. Es hatte einen Deckel, den er ganz vorsichtig öffnete, und drinnen stand im Boden des Kästchens nur ein kleiner Satz eingebrannt: „Ich gehöre Klickklack.“

Nun war Rumpelzwergis Neugierde natürlich geweckt. Wie kam dieses hübsche kleine Kästchen in seine Höhle und in dieses Mauseloch? Wer hatte es so schön geschnitzt und vor allem, wer oder was war „Klickklack“?

Nachdenklich betrachtete Rumpel seinen Fund und so, wie er nun mal war, stellten sich schon bald fantasievolle Ideen bei ihm ein: Solch ein Kästchen kann nur jemand Vornehmes gemacht oder erworben haben, jemand, der sicherlich wohlhabend ist und bestimmt auch ein wenig GOLD besitzt. Aber wieso sollte dieser Jemand dieses Kästchen gerade bei mir abgelegt haben?

Da fiel Rumpelzwergi ein, dass er die Höhle ja nicht ganz allein gebuddelt hatte. Vorher hatte schon einmal ein Bewohner in dem ursprünglichen Erdloch gewohnt, aus dem Rumpelzwergi dann die Höhle formte. Damals, als er dieses Erdloch gefunden hatte, hatte er auch eine sehr alte Feuerstelle entdeckt, die schon lange nicht mehr genutzt worden war. Ach ja ..., nun dämmerte es ihm ... Dieser Jemand war sicherlich dieselbe Person, die hier im Erdloch einmal Feuer angemacht hatte, und ganz bestimmt auch dieser KLICKKLACK.

Aufgeregt ging Rumpelzwergi in seiner Höhle nun auf und ab und konnte die Finger nicht von dem Kästchen lassen, welches er immer wieder hin und her wendete, es betrachtete und dabei weiter seinen Gedanken freien Raum ließ.

Plötzlich blieb er wie angewurzelt stehen und fasste einen Entschluss. Er musste KLICKKLACK finden, nicht etwa, um das Kästchen zurückzugeben, nein, der vornehme Besitzer des Kästchens hatte sicherlich irgendwo GOLD versteckt und das wollte sich Rumpel unbedingt einmal „anschauen“.

Er machte sich sofort auf den Weg. Doch wohin? Kaum war er vor die Höhle getreten, fiel ihm ein, dass er außer dem Namen keine Idee hatte, wer oder was und wo ein gewisser KLICKKLACK zu finden war. Dennoch lief er erst einmal tiefer in den Wald hinein. Irgendjemanden würde er schon finden, der Klickklack kannte, und dann ... man würde sehen.

Nach ein paar Minuten des sinnlosen Marschierens setzte sich Rumpelzwergi auf einen Baumstumpf und seufzte tief ... So würde er Klickklack nie finden.

Doch als er so grübelnd dasaß, hörte er plötzlich leise Stimmen, gar nicht weit von ihm. Sie waren sehr fein und sehr hochtönend, sodass sie nur von den großen Ohren eines Wurzelgnoms wahrgenommen werden konnten. Sie kamen von zwei kleinen Wichteln, die unter einem großen Fliegenpilz Zuflucht vor dem Regen gefunden und Rumpelzwergi noch gar nicht bemerkt hatten, so vertieft waren sie in ihr Gespräch. Und natürlich lag es in der Natur der Wurzelgnome, nun zu lauschen, und was er hörte, ließ Rumpel fast erstarren.

Einer der Wichtel, die übrigens nicht größer als ein Fingerhut waren, sagte:

„Stell dir vor, sie konnte Reiberwatschi tatsächlich helfen.“

„Tja, so ist sie nun mal ...“, antwortete der andere kleine Mann. „Unsere Hexe Klickklack hat noch keinen Waldbewohner im Stich gelassen, wenn man sie respektiert und gut behandelt.“

„Jaja. Wir sollten uns bei ihr persönlich bedanken und ...“, stimmte der andere Wichtelmann wieder zu, und mehr musste Rumpelzwergi gar nicht hören. Ihm wurde fast schwindelig vor Glück. Diese kleinen Wichtel wussten, wer Klickklack war, eine Hexe also, und würden ihm sicher auch sagen können, wo sie lebte. Na ja, nun waren Wurzelgnome bei den Wichteln aber nicht sehr beliebt, was wieder eine andere Geschichte wäre, und sicher würden sie ihm aus Prinzip nichts verraten, aber das mussten sie auch gar nicht. Rumpel würde sich einfach ganz ruhig verhalten und dann den beiden folgen, denn sie hatten ja gesagt, dass sie sich bei Klickklack für die Rettung ihres Kollegen bedanken wollten.

Fast hätte er sie aus den Augen verloren, denn während Rumpelzwergi noch seinen Gedanken nachhing, hatten die beiden Wichtel ihr Gespräch beendet und waren unter die nächsten Farne gehuscht. Er konnte ihre orangefarbenen Kapuzen gerade noch sehen und machte sich sofort auf, sie zu verfolgen. Nie hätte Rumpelzwergi gedacht, dass Wichtel so schnell sein könnten mit ihren kleinen Beinchen, aber er musste sich schon richtig beeilen, um in dem Dickicht des Waldes nicht abgehängt zu werden. Rumpel musste höllisch aufpassen, dass sie ihn nicht entdeckten, da er schon nach kurzer Zeit furchtbar schnaufte und ziemlich erschöpft nach Luft rang. Na ja, der Sportlichste war er noch nie gewesen. Fast hätte er die Verfolgung, trotz GOLDgier aufgegeben, als die beiden Wichtel plötzlich stehen blieben und gegen ein dunkelgrünes Farnblatt klopften, welches ungefähr zehnmal so groß war wie sie selbst. Rumpelzwergi schüttelte wegen des merkwürdigen Verhaltens den Kopf, musste aber sogleich staunen. Nachdem die Wichtel noch mal geklopft hatten (dreimal lang, einmal kurz, zweimal lang) verwandelte sich das Farnblatt in eine braune runde Tür, die etwa die Größe von Rumpel aufwies.

Und es dauerte auch nicht viel länger, bis diese Tür ganz langsam aufging und ein altes Mütterchen mit ihrem kleinen Gesicht aus dem Türspalt spähte. Kaum hatte sie die Wichtel erblickt, umspielte ein mildes Lächeln ihren Mund und Rumpelzwergi konnte ihre sehr junge warme Stimme hören, die so gar nicht zu ihrem alten Äußeren passte:

„Ach, die Herren Wichtel, auch mal wieder in der Nähe. Kommt ruhig rein.“ Mit einem listigen Blick in Rumpelzwergis Richtung sagte sie: „Und bringt den Herren Wurzelgnom gleich mit, man kann seine GOLDgier zwar bis hierher riechen, aber einen Tee möchte ich ihm nicht verwehren.“

Nun sahen drei Herren die Hexe Klickklack verdattert an: Zwei Wichtel, die sich ängstlich auch nach hinten umschauten, und ein recht verschwitzter und unsicherer Wurzelgnom, dem nichts anderes einfiel, als das kleine Kästchen vorzuhalten, als Entschuldigung quasi ...

„Ooh, meine kleine Schachteline hast du auch noch gefunden, wie nett von dir“, fügte Klickklack hinzu, als sie sah, was Rumpelzwergi da in der Hand hielt. „Also, komm dann mal rein.“ Sie verschwand in der Tür und die Wichtel mit ihr.

Rumpel war nun nicht nur verdattert, sondern auch wütend. Was hatte sie zu ihm gesagt: „Wie nett“? Wurzelgnome waren niemals nett, und ein Rumpelzwergi schon gar nicht. Was sollte bloß aus seinem Image werden? Aber wenn er nun doch etwas GOLD klauen könnte? Nach nur wenigen weiteren Sekunden huschte auch er durch die Tür, die sich hinter ihm wie von Geisterhand schloss und wieder in ein Farnblatt verwandelte.

Rumpelzwergi war noch ein weiteres Mal erstaunt, und zwar über diese gemütliche kleine Wohnung der Hexe Klickklack. In der Mitte des Raumes, von dem noch zwei weitere kleine Kammern abgingen, und der ungefähr so groß wie Rumpels Wohnzimmer war, brannte ein ruhiges Feuer. Über dem Feuer dampfte ein großer Kupferkessel und man konnte den starken Tee darin schon riechen. Es duftete nach Minze und Anis, viel zu gesund für einen Wurzelgnom, aber was nahm man für die richtige Belohnung nicht alles in Kauf.

Schnell ließ Rumpelzwergi seinen Blick umherschweifen und sah, wie gemütlich es hier eigentlich war. Von der Decke hingen vielerlei Kräuter und schöne Stoffe aus Samt verhüllten die Wände, sodass alles sehr weich und gemütlich wirkte. Die muss ja mächtig reich sein. Schafwollteppiche bedeckten komplett den Boden, so konnte man auch barfuß, wie es bei Hexen und Gnomen üblich war, ohne kalte Füße zu bekommen, umherlaufen.

Und das Beeindruckendste war die kleine Küche, welche eine der anschließenden Kammern einnahm. Hunderte kleiner Töpfe und Gläschen, Dutzende kleiner verschlossener Vasen, viele Tonkrüge standen in kleinen Regalen um den Herd, und alles war sorgsam beschriftet. Die Kräuterküche der Hexe Klickklack war im Wald, außer bei Rumpelzwergi, sehr berühmt und hatte schon viel Gutes, aber ehrlich gesagt auch schon manch Verwerfliches angerichtet.

Die Hexe sah wirklich wie eine kleine, gut genährte Großmutter aus, mit ihrer roten Schürze, der karierten Bluse mit Spitzenärmeln, ihren grünen Socken und Pantoffeln und nicht zuletzt wegen ihres grauen Lockenkopfes und der kleinen runden Nickelbrille. Sie war vorausgegangen und hatte bereits zwei Fingerhüte und einen Becher dampfenden Tee auf den Tisch gestellt. Die Wichtelmänner saßen bereits und hatten es sich gemütlich gemacht. Rumpelzwergi stand irgendwie unentschlossen herum. Das entsprach so gar nicht seiner Vorstellung. Er war ja schließlich nicht zum Teekränzchen hier. Wo lagerte das GOLD?

Als hätte sie seine Gedanken gelesen, lächelte die Hexe Klickklack ihn milde an:

„Nun ja, ich kann zwar schöne Schächtelchen machen, aber das, was du suchst, wirst du bei mir nicht finden, aber ...“ Ihr Lächeln wurde etwas unheimlicher. „... aber, wenn du mir aus dem Wald drei große Schrumpfpilze besorgen könntest, dann hätte ich da vielleicht eine Idee.“

Rumpelzwergi war stocksauer, nicht nur, dass er den ganzen Weg umsonst gemacht hatte, nicht nur, dass diese alte Hexe ihn gleich entdeckt und sogar zum Tee eingeladen hatte, nein, sie durchschaute ihn sofort, ohne dass er auch nur einen Ton sagen musste, und nun wollte sie auch noch einen Deal mit ihm machen. Mit ihm, einem bösen, goldgierigen Wurzelgnom?

Das erschien unserem Rumpel nun doch zu viel des Guten. Er haute, Gott sei Dank ohne Schaden anzurichten, die kleine Schachtel auf den Tisch, wobei der meiste Tee aus den Fingerhüten der Wichtel schwappte, und mit einem „Da, hier ist deine doofe Schachtel“ sprang er auf und rannte, so schnell er konnte, aus dem Hexenhaus, wobei er dabei fast die Farntür übersehen hätte. Fast wäre er „nett“ geworden und GOLD gab es ja auch keines.

Ziemlich enttäuscht lief er bis in seine Höhle zurück und wollte nur noch zurück auf seinen Schaukelstuhl und seine Ruhe!

Die Hexe aber lächelte immer noch, denn vor ihr stand nicht der erste Wurzelgnom, und sie wusste genau, sie würde Rumpelzwergi wiedersehen. Genau wie sein Vater, dachte sie nur und drehte sich um, um mit den Wichteln beim Tee zu schwatzen.

Rumpelzwergi aber saß noch lange an seinem Kamin und hatte nur zwei Gedanken im Kopf: Schrumpfpilze, Gold, Schrumpfpilze, Gold ...

Und so schlief er auch ein.

FOLGE 3

Rumpelzwergi und die Schrumpfpilze

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