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**Tauch ein in das Reich aus Schatten und Dunkelheit** Rachel Murasaki hat sich das Leben nach dem Tod ganz anders vorgestellt. Statt wie erhofft im Himmel, landet die Halbjapanerin in der Unterwelt, wo sie ihr Dasein als Totengeist fristet, der zu keinerlei Gefühlsregung fähig ist. Fortan muss sie die Seelen jener holen, deren Zeit gekommen ist, und ihnen sicheres Geleit ins Jenseits geben. Von ihren Emotionen entbunden, belastet Rachel weder ihre Aufgabe noch die Tatsache, dass sie dabei ganz allein ist. Bis sie auf den mysteriösen Ryu trifft, der plötzlich Gefühle in ihr hervorruft. Um das Rätsel zu lösen, begeben sich die beiden tief ins Reich der japanischen Götter… Lass dich entführen in eine Welt der japanischen Götter und Mythen! Diese einzigartige, bildgewaltige Fantasy liest sich wie ein romangewordener Anime, der dich nicht mehr loslässt. //»Sammlerin der Seelen« ist ein in sich abgeschlossener Einzelband.//
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Veröffentlichungsjahr: 2019
Cornelia Zogg
Sammlerin der Seelen
**Tauch ein in das Reich aus Schatten und Dunkelheit**Rachel Murasaki hat sich das Leben nach dem Tod ganz anders vorgestellt. Statt wie erhofft im Himmel, landet die Halbjapanerin in der Unterwelt, wo sie ihr Dasein als Totengeist fristet, der zu keinerlei Gefühlsregung fähig ist. Fortan muss sie die Seelen jener holen, deren Zeit gekommen ist, und ihnen sicheres Geleit ins Jenseits geben. Von ihren Emotionen entbunden, belastet Rachel weder ihre Aufgabe noch die Tatsache, dass sie dabei ganz allein ist. Bis sie auf den mysteriösen Ryu trifft, der plötzlich Gefühle in ihr hervorruft. Um das Rätsel zu lösen, begeben sich die beiden tief ins Reich der japanischen Götter …
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Vita
Glossar
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© Sandra Stamm
Cornelia Zogg wurde 1985 geboren und lebt in der Nähe von Zürich. Nach ihrem Studiumsabschluss in Journalismus und Kommunikation ist sie als Wissenschaftsredakteurin tätig. Das Schreiben entdeckte sie früh, nachdem sie in der Bibliothek ihrer Heimatstadt den Inhalt der Fantasyecke komplett durchgelesen hatte und dann eigene Geschichten erfand. Wenn sie nicht im Büro sitzt, vertreibt sie sich die Zeit entweder mit Schreiben, Lesen, Videospielen oder kuschelt gerade irgendwo Tiere.
Für
Sabine & Puma
Danke
Das Blut floss langsam über den Boden. Zähflüssig zwängte es sich zwischen den Pflastersteinen hindurch in Richtung meiner Schuhe. Meine schwarzen Lederstiefel vertrugen sich nur schlecht mit der ätzenden Flüssigkeit der Seelenfresser und ich machte einen Satz über die Blutlache.
Andächtig wischte ich die Klinge meiner Sense am Mantel ab.
»Schweinerei«, murmelte ich angewidert und drückte den Knopf am Griff meiner Waffe, worauf sie auf die Größe eines Kugelschreibers einklappte und ich sie in die Brusttasche meines schwarzen Umhanges gleiten ließ.
Bald müssten die Shinigami eintreffen, um die Seele des Menschen zu holen, dessen lebloser Körper neben dem zersäbelten Haufen des Seelenfressers lag. Ich lehnte mich an die Backsteinwand, verschränkte die Arme und blickte auf das Display vor meinem linken Auge. Die Karte von Tokio war darauf abgebildet, doch kein neuer Auftrag war angezeigt.
Gedankenverloren klickte ich mich durch die Statistik mit Hilfe der kleinen Knöpfe am oberen Rand des Displays.
Zurückgelegte Km seit Ankunft 4.757
Getötete Seelenfresser 527
Geschützte Seelen 145
Highscore pro Auftrag 14
In bunten Lichtern blinkte daneben ein
Good Job!
Ich nahm das Lob meines Displays nüchtern zur Kenntnis und wandte den Blick dann zum Verstorbenen. Kein schöner Ort, um das Zeitliche zu segnen, hier, in dieser trostlosen Hintergasse. Die Seele dieses älteren Herrn, der hier seinen letzten Atemzug getan hatte, ehe ich in sein Leben – oder besser Ableben – getreten war, sollte nun bald seinen Frieden finden.
Ganz anders der Seelenfresser, den ich eben mit meiner Sense in zwei Teile gesäbelt hatte. Sein unförmiger Körper zuckte und die lange, schwarz glänzende Zunge hing aus seinem mit messerscharfen Zähnen besetzten Maul. Ich musterte beide ausdruckslos. Hier in der Zwischenwelt gab es keine Farben. Die Welt der Lebenden nahm ich durch einen wirren Nebel aus Schatten und Licht wahr. Die Menschen konnten mich nicht sehen, doch ich sah sie sehr gut.
Tag für Tag.
Endlich erreichten die Shinigami den Ort dieser Sauerei und ich trat zur Seite, um ihnen den Platz zu gewähren, den sie benötigten, um ihre Pflicht zu erfüllen, so wie ich Minuten zuvor die meine erfüllt hatte. Die Shinigami, diese edlen Totengeister, waren mit der großen Aufgabe bedacht, die Seelen der Toten ins Reich der Kami zu bringen, dem Paradies.
Diese Ehre wurde aber niemandem zuteil, der aus freien Stücken aus dem Leben geschieden war.
Das hätte mir mal jemand erzählen sollen …
Ihre geisterhaften Konturen hoben sich deutlich von den wabernden Schatten der Zwischenwelt ab. Die feinen Glieder, die langen Arme und Beine wirkten gespenstisch und furchteinflößend, die Augenhöhlen waren hohl und tiefschwarz. Mittlerweile hatte ich mich an so manchen Anblick gewöhnt und selbst wenn ich zu einer Reaktion wie Angst oder Ekel fähig gewesen wäre, hätte ich nichts dabei empfunden.
Ihre Bewegungen waren langsam und bedächtig und niemals reagierten sie impulsiv oder wütend. Mit leisen Stimmen wandten sie sich an mich. »Wir danken Euch für den ehrenvollen Schutz dieser würdigen Seele«, wisperten die Totengeister im Chor und ihr Flüstern hallte durch die drückende Stille.
»Jaja schon gut«, wehrte ich ihren Dank ab.
Ihre Worte waren Floskeln. Von keinerlei Bedeutung für mich. Ich hörte diesen Spruch jedes Mal, wenn ich eine Seele vor den Fängen der Seelenfresser bewahrt hatte – unter Einsatz meines Daseins als Reaper.
Sie nickten, lösten die pulsierende Kugel namens Seele vom Körper des Toten und verstauten ihr Licht in der Laterne, die einer der Geister bei sich trug.
Als die Geister verschwunden waren, trat ich aus der Gasse hinaus in den belebten Teil der Stadt. Die Lichter der riesigen Werbetafeln drangen bis in die Zwischenwelt hindurch und vermischten sich mit dem Schwarz und Weiß, so dass sich meine Umgebung zu einer unförmigen Masse aus Licht und Schatten verwandelte.
Tokio war eine riesige Stadt. Voller Menschen. Voller Toten. Die Arbeit ging mir nie aus und es schien, als würden sich meine Aufträge stetig häufen und der Strom an Seelen niemals enden.
Das Display über meinem linken Auge blinkte endlich wieder und verkündete mir ein neues Opfer, das es in Empfang zu nehmen galt. Die Karte auf dem Display zeigte mir den genauen Ort: Der Totenkopf blinkte auf einem Gebäude zwei Straßen weiter. Ein Krankenhaus.
Rasch eilte ich los.
Während ich meinen Schritt beschleunigte, zog ich den Stift aus meiner Brusttasche und aktivierte den Knopf. Mit rasch aufeinanderfolgenden Klickgeräuschen klappte die Sense auf.
Der kühle Griff der Waffe in meiner Hand gab mir Sicherheit in dieser Welt aus Düsternis, Schatten und wohliger Einsamkeit.
Die Seelenfresser hatten bereits die Witterung aufgenommen und musterten jeden meiner Schritte. Sie waren überall. Sie saßen auf den Straßenlaternen, kauerten auf Werbetafeln und in Fensternischen, beobachteten das Treiben der Menschen mit ihren glasigen schwarzen Augen und lechzten mit offenem Maul nach ihrer Seele. Sobald jemand in der Nähe sterben sollte und ich mich auf den Weg machte, meine Aufgabe auszuführen, folgten mir die Seelenfresser wie die Fliegen.
Ich erreichte das Hochhaus, eilte hinein und nahm den Aufzug bis in den vierundzwanzigsten Stock. Dort angekommen, betrat ich ein Mehrbettzimmer. Im Bett direkt neben dem Fenster lag ein älterer Mann, dessen Körper von Schläuchen und piepsenden Gerätschaften umgeben war. Er wirkte bleich, sein Atem ging flach.
Ich kontrollierte mein Display und über dem Kopf des Mannes blinkte der Totenkopf in pink-blauer Neonfarbe. Bingo.
Langsam und ohne Zeit zu verschwenden trat ich an seine Seite, hob die Hand und wie durch Zauberei löste sich eine Schnur aus seinem Nacken, die sein Rückgrat mit dem Kopf verband und sanft leuchtete.
»Deine Aufführung ist zu Ende, mein Freund«, murmelte ich, holte aus und durchtrennte den schimmernden Faden mit der scharfen Klinge meiner Sense. Der Patient schien ein letztes Mal tief Luft zu holen, ehe er langsam ausatmete. Das konstante Piepen der Gerätschaft ging in einen stetigen Ton über.
Der Alarm ging los und es dauerte nur Sekunden, ehe die Krankenschwester im Zimmer stand und den Notarzt rief. Ich musterte regungslos, wie zwei Pfleger den Defibrillator in das Zimmer schoben und die leitende Ärztin hinterher hastete.
Ich griff die Sense in meiner Hand fester und nahm meine Position ein, während ich noch einige Sekunden beobachtete, wie die Anwesenden verzweifelt versuchten, diesen Mann zurückzuholen. Doch das würde nicht funktionieren. Seine Seele würde eingesammelt, gereinigt und anschließend als Kami auferstehen. Als ein Wesen der anderen Seite und Beschützer der Welt.
Oder sowas in der Art. Ich hatte nie viel von der japanischen Mythologie und Religion verstanden. Als Halbjapanerin verbrachte ich zwar die ersten Jahre meines Lebens hier, den Großteil meiner Jugend allerdings lebte ich in den USA und bei meiner Rückkehr nach Japan standen andere Dinge im Vordergrund, als dass ich mich mit der Frage hätte befassen können, was mit mir passierte, wenn mich das Zeitliche segnete.
Seit ich gestorben war und anstelle des weißen Lichts dieser undankbare Job auf mich gewartet hatte, musste ich mich zwangsläufig mit gewissen Abläufen vertraut machen, auch wenn sie mich im Grunde genommen nicht interessierten. Wozu auch? Es gab Regeln, die ich einzuhalten hatte und links und rechts führte kein Weg vorbei. Dazu gehörte es, die Shinigami zu ehren, die Seelen der Menschen zu ehren, die höheren Kami zu ehren und – leider – zu arbeiten. Und in meinem Fall: zu töten.
Das war meine Pflicht.
Es dauerte nur wenige Sekunden, ehe der mühsame Teil meiner Arbeit begann. Durch die Zimmertür quetschten sich die ersten Seelenfresser und stürzten sich keifend und fauchend auf den toten Körper.
Ich kniff die Augen zusammen und schwang die Sense. Die erste dieser vierbeinigen, widerwärtigen Kreaturen aus schwarzem Pech sprang direkt hinein. Das sirrende Geräusch meiner Klinge vermischte sich mit dem Knacken von Knochen. Das tiefrote Blut spritzte in alle Richtungen und die zwei Teile des einstigen Körpers krachten auf die übrigen Krankenbetten, von dem allerdings deren Insassen nichts mitbekamen. Hier in Yomi-no-kuni konnte die Welt untergehen und die Menschen wüssten dennoch von nichts.
Ich drehte mich um die Achse und schwang die Sense von unten nach oben, direkt durch den Kopf eines Seelenfressers. Sein Keifen erstarb augenblicklich und ich schwang die Sense erneut, um den schlaffen Körper, der daran hing, weit von mir auf einen weiteren Angreifer zu schleudern.
Meine bleiche Haut war bald schon besprenkelt mit Blut. Es verklebte meine langen schwarz-violetten Haare und sog sich in meinen Umhang. Der penetrante Gestank von toten Körpern erfüllte die Luft, Teile von Seelenfressern lagen verstreut auf dem Zimmerboden. Die langen Klauen der noch lebenden Wesen kratzten über den Linoleumboden und rissen tiefe Furchen hinein. Mit wenigen Schwüngen meiner Sense waren auch sie nur noch Einzelteile. Ich atmete durch.
Wo zur Hölle blieben die Shinigami?
Aus dem Augenwinkel erkannte ich einen Schatten. Im Türrahmen, direkt neben dem Wasserspender, stand eine Gestalt und ich wandte den Blick zu ihr um. Es war ein Seelenfresser, aber größer als diejenigen, die ich kannte. Das Gerippe von Flügeln prangte auf seinem Rücken und schwarzes Pech tropfte auf den Krankenhausflur. Er ging auf zwei Beinen und stand aufrecht. So etwas hatte ich noch nie gesehen.
Augenblicklich ging ich in die Knie, um für einen Angriff dieser Monstrosität gewappnet zu sein, doch der kam nicht.
Er nickte mir andächtig zu, wandte sich um und verließ den Raum. Im nächsten Moment tauchten die Shinigami neben mir auf und nahmen die Seele an sich.
»Wir danken euch für den ehrenvollen Schutz dieser würdigen Seele«, wisperten sie.
Ich würdigte sie keines Blickes, sondern nickte nur teilnahmslos, den Blick immer noch auf den Türrahmen gerichtet, bis die Shinigami mit der Seele verschwunden und nach einigen Sekunden mein Display zu piepsen begann, was ich ebenfalls ignorierte.
Was war das gewesen? Einen Seelenfresser wie ihn hatte ich noch nie gesehen und obwohl ich nicht behaupten konnte, bereits über jahrelange Erfahrung in meinem Berufsfeld zu verfügen, war ich dennoch überzeugt, dass mir einer wie er aufgefallen wäre.
Mein Display blinkte energischer und ich fügte mich wohl oder übel meinem Schicksal. Zeit, um zu grübeln, blieb mir nicht. Meine Schicht dauerte noch eine Weile und ich musste mich konzentrieren, denn im Kampf gegen die allgegenwärtigen Seelenfresser konnte ich keine Ablenkung gebrauchen.
Was passierte, wenn man hier starb, wusste ich genau, und da ich keine Lust hatte, zukünftig als Seelenfresser von Sensen halbiert zu werden, nahm ich mir fest vor, meine jetzige Gestalt möglichst lange zu behalten.
***
Ich saß zuoberst auf dem Tokio SkyTree und genoss den Ausblick über die Stadt, deren Ausläufe sich bis zum Horizont zogen. Zu meiner Linken, auf der anderen Seite des Flusses, befand sich der Stadtteil Asakusa mit dem beeindruckenden Schrein, dessen rot getünchte Säulen und Balken selbst durch die wabernde Dunkelheit der Unterwelt von Yomi-no-kuni hervorstachen. Unter mir auf der Plattform tummelten sich die Touristen, während die Seelenfresser ungesehen durch ihre Reihen krochen. Schweigend blickte ich zum Horizont über die Stadt. Meine Pausen waren nur kurz, aber selbst diese Zwangsunterbrechungen erschienen mir wie eine Ewigkeit. Gegen Langeweile gab es in Yomi-no-kuni kein Mittel, aber abgesehen von einer unangenehmen Mühseligkeit konnte dieser Zustand keine Emotionen in mir hervorlocken.
Es gab nur mich und die Seelenfresser. Nie hatte jemand anderes als die Shinigami zu mir gesprochen. Nie hatte es Interaktionen gegeben, die über deren Floskeln hinausgingen. Und obwohl ich wusste, dass es in Tokio mehr Reaper geben musste, war mir nie ein anderer meiner Art begegnet. Hier in Yomi-no-kuni passierte nie Außergewöhnliches.
Bis heute.
Bis mir dieser zweibeinige Seelenfresser zugenickt hatte.
Vielleicht war es Einbildung gewesen? Nein. Ich hatte es deutlich gesehen. Sein Nicken galt mir allein. Was es bedeutete, wusste ich nicht und ich versuchte die Gedanken darüber abzuschütteln.
Wenigstens konnte ich mir keine Sorgen machen. Sorgen und Gefühle waren tot in dieser Welt, in der ich gelandet war.
Zwar erinnerte ich mich noch genau an mein Leben, doch nicht an die Gefühle oder Emotionen, die ich damals empfunden hatte. Das war gut so.
Mit meiner Ankunft in dieser Welt, die nun zu meinem zu Hause geworden war, hatte etwas Neues begonnen. Mit derselben Nüchternheit hatte ich diese neue Existenz angenommen, als mir bewusst geworden war, dass mein Tod anders war, als erwartet. Das Licht am Ende des Tunnels war ausgeblieben. Stattdessen erwachte ich in Yomi-no-kuni. Am selben Ort, an dem ich meinen letzten Atemzug getan hatte, aber unsichtbar für die Menschen und inmitten dieser Welt aus Schatten und Nebel, der alle Geräusche der irdischen Welt verschluckte.
Neben mir hatte eine schwarze Box gelegen, sorgsam mit Schleife und einem Zettel versehen. Darauf hatte gestanden:
Halte dich an die Liste Sprich mit niemandem
In der Box waren neue Kleidung und die Sense gewesen. Das Display für mein linkes Auge hatte gleich darunter gelegen. Kaum hatte ich es aufgesetzt, blinkte das erste Ziel auf.
Ich erinnerte mich daran, wie verwirrt ich in diesem Moment gewesen war. Auf eine seltsam ruhige und gefasste Weise. Eine innere Taubheit hatte mich erfüllt. Eine tröstende Taubheit, die mir dabei half, meine Aufgabe anzunehmen.
Ich fragte nie nach – wen hätte ich fragen sollen?
Nachdenklich betrachtete ich mein Spiegelbild in der Sense. Mein Gesicht war fahl, wie das einer Porzellanpuppe. Ausdruckslose Augen blickten mir entgegen, farblos, wie alles, was mich hier umgab – das einstige klare Blau und der Hinweis darauf, dass ich keine echte Japanerin war, verblasste in der Düsternis dieser Welt. Meine schwarzen Haare waren zusammengebunden und nur einige Strähnen fielen seitlich an meinem Gesicht bis knapp an meine Schultern. Der Pony war noch immer sorgsam geschnitten. Meine Haare hatten aufgehört zu wachsen, die vereinzelten violetten Strähnen waren geblieben und waren die einzige Farbe neben dem Schwarz meiner Haare und Kleidung und dem Weiß meiner Haut.
Die schmalen Lippen und die markante Nase – Überbleibsel meiner westlichen Gene – waren von einem Tuch verdeckt, das verhinderte, dass ich im Kampf zu viel Seelenfresser-Blut schluckte.
Es begann zu regnen. Auch die Zwischenwelt war vor diesen irdischen Dingen nicht gefeit und innerhalb kürzester Zeit war ich durchnässt, doch auch Kälte spürte ich nicht.
Die Skyline der Stadt formte ein sich stets veränderndes Gemälde gemalt von den dumpf blinkenden Lichtern der belebten Viertel und den Menschen, die unter mir dem Feierabend entgegen strömten und sich auf der Suche nach Schutz vor dem Regen in die kleinen Straßen-Restaurants drängten.
Bald würde mein Display wieder aufleuchten und einige dieser kleinen Ameisen unter mir würden die Nacht nicht überleben.
***
Das Mädchen war kaum älter als ich. Vielleicht knapp achtzehn Jahre alt. Als ich ihren Lebensfaden auseinander schnitt, brach sie am Esstisch zusammen.
Ihre Eltern schrien auf. Der Bruder griff zum Handy und rief den Notarzt. Ich stand daneben und blickte auf den leblosen Körper des Mädchens. Weit und breit waren keine Seelenfresser zu sehen. Das passierte selten. Vielleicht war ein anderer Reaper unweit von hier mit ihnen beschäftigt?
Mir blieb nichts anderes übrig, als über den toten Körper des Mädchens zu wachen, bis die Shinigami ihre Seele holen würden, was mir nicht behagte.
Der Kampf gegen die Seelenfresser war stets eine gelungene Ablenkung von den Geschehnissen in der Welt der Menschen. Aber ohne Seelenfresser war ich den Emotionen dieser Familie ausgeliefert. Es gab niemanden, den ich aufschlitzen konnte, um diesem Augenblick zu entgehen. Ich musterte das Geschehen.
Die Angst im Raum schien selbst durch den Schleier des Jenseits greifbar und der Schmerz, der von der Mutter ausging, während sie versuchte ihre Tochter aus dem plötzlichen Schlaf zu wecken, griffen auf mich über. Der Vater kniete daneben, hielt das Mädchen im Arm und drückte mit dem anderen den jüngeren Bruder an sich, der nicht verstand, was hier vor sich ging.
Ein Stich durchfuhr meine Brust bei diesem Anblick und ich wich erschrocken zurück.
Erstarrt griff ich meine Brust und versuchte meinen Atem in ruhigere Bahnen zu lenken.
Mitleid?
Geschockt blickte ich auf die Szene vor mir. Die Mutter, am Ende ihrer Kräfte und der Vater, der den Sohn umklammert hielt, während sie auf den Rettungswagen warteten.
Der Schmerz, den ich beim Anblick dieser verzweifelten Familie empfand, war so betäubend, dass ich taumelte. Mein Geist und mein Körper waren darauf nicht vorbereitet. Ich rang nach Luft und stützte mich auf meine Sense, deren Griff glatt und kalt in meiner Hand lag. Das kühle Metall, welches mir sonst Halt in dieser ewigen Düsternis gab, vermochte nicht mehr zu helfen. Mein Herz raste und der Schock grub sich durch meine Knochen und spiegelte den Schmerz, von dem ich geglaubt hatte, ihn nie wieder empfinden zu müssen. Plötzlich schienen all die Gefühle zurückzukehren, von denen ich in meinem irdischen Dasein geflohen war und nagten an jeder Faser meines Körpers. Hatte ich soeben diese Familie zerstört? Ich presste die Hand auf meine vom Tuch verdeckten Lippen und versuchte, den Kloß im Hals hinunterzuschlucken, während ich den Blick abwandte von dem, was sich vor mir abspielte.
»Fang an, Fragen zu stellen«, wisperte es plötzlich hinter mir.
Ich riss die Sense hoch und drehte mich um. Am Treppenabsatz des Familienhauses stand der Seelenfresser.
Das Flügelgerippe hob und senkte sich langsam und ruhig im Takt seiner Atemzüge. Er grinste und entblößte seine haifischartigen Zähne. Ein Schauer jagte über meinen Rücken. Noch nie hatte ich einen Seelenfresser grinsen sehen. Es war grauenhaft.
Ein weiteres Gefühl erfüllte mich. Furcht!
Während mir der Anblick allein das Blut in den Adern gefrieren ließ, versuchten meine restlichen Gehirnzellen zu erfassen, was gerade vorging. Der Seelenfresser sprach!
»Was für Fragen«, presste ich hervor und bemühte mich um Contenance in dieser Situation, die mich maßlos überforderte.
Vor einem Seelenfresser seiner Statur Schwäche zu zeigen erschien mir nicht klug.
Die Kreatur antwortete. »Die eine Frage, die wichtig ist.«
»Was bist du?« wisperte ich ungläubig.
Der Seelenfresser verzog das Gesicht zu einem noch breiteren Grinsen und legte den Kopf schräg. Panik machte sich in mir breit.
Was wiederum weitere Panik auslöste.
Warum fühlte ich?
»Falsche Frage«, sagte das Vieh.
Nervös kniff ich die Augen zusammen und umklammerte die Sense fester.
Der Seelenfresser hob die schwarze, triefende Klaue und wies mit einem Finger auf mich.
Dann zog er ihn zurück und tippte damit an seine Schläfe.
Noch ehe ich ihm weitere Fragen stellen konnte – die vermutlich die falschen gewesen wären – gab er ein markerschütterndes Fauchen von sich und eilte zur Haustür hinaus.
Die Shinigami waren hinter mir aufgetaucht und sogen das Licht des Mädchens in ihre Laterne.
»Wir danken euch für den ehrenvollen Schutz dieser würdigen Seele«.
Ja. Bla bla. Spart euch das Gesülze, wollte ich sagen, schwieg aber stattdessen und wandte mich zur Tür. Das Display zeigte bereits den nächsten blinkenden Punkt. Ich ignorierte ihn.
Stattdessen lehnte ich mich an die Hauswand neben der Stufe zum Eingang und blickte über den Garten. In der irdischen Welt musste er sehr schön sein. Bunte Blumen, grüne Wiese, ein plätschernder Bach mit einer kleinen Steinbrücke darüber. Ein traditioneller japanischer Garten. Ich sah nur verschwommene Konturen durch die Dunkelheit der Zwischenwelt. Schatten und Licht, keine Gefühle. Bis heute.
Meine heftige Reaktion auf den Tod des Mädchens irritierte mich. Mein Geist wollte verhindern, dass ich darüber nachdachte, doch er war zu schwach.
Als ich gestorben war, war ich etwa in ihrem Alter gewesen. Hatte mein Vater auch so um mich getrauert? Oder war es ihm womöglich gleichgültig gewesen? Wie lange hatte es gedauert, bis ihm bewusst wurde, dass ich nicht mehr da war?
Der Gedanke an meinen Vater schnürte mir die Brust zu. Der Gedanke jedoch, dass meine Mutter nicht hatte miterleben müssen, wie ich gestorben war, spendete mir Trost.
Ich versuchte zu atmen und jegliche Emotionen aus meinem Geist zu verbannen. Wütend griff ich die Sense und stieß mich von der Wand ab. Dass nun nach all der Zeit diese Emotionen zurückkehrten, versetzte mich in Alarmbereitschaft.
Das war alles Mums Schuld. Wäre sie nicht gestorben, hätte ich die USA nie verlassen müssen. Ich wäre da geblieben: allein, aber zumindest in meiner vertrauten Umgebung. Stattdessen verfrachtete man mich zurück nach Japan. Zu meinem Workaholic von Vater.
Ich hielt inne.
Wut?
Ich zwängte die Übelkeit zurück, die in mir aufkeimte. Panik ergriff mich, als ich daran dachte, dass die Gefühle und Emotionen meiner Lebzeiten zurückgekehrt waren.
Nein, noch war nicht der Moment, um in Panik zu verfallen, obwohl die Aussicht auf widerkehrende Gefühle jeglichen Muskel in meinem Körper zu lähmen vermochten.
Ich wollte diese Gefühle nicht mehr.
Ich wollte nicht mehr fühlen, was ich damals gefühlt hatte … nie wieder.
»Schluss damit«, murmelte ich zu mir selbst und verdrängte die Gedanken in die hinterste Ecke meiner Seele.
Hatte mich die Begegnung mit diesem seltsamen Seelenfresser so aus der Bahn geworfen?
Ich lachte über mich selbst. Das war unmöglich. Wie viele Monate hatte ich nun ohne jegliche Emotion hier in Yomi vor mich hin vegetiert? Vermutlich war es eine Erinnerung an ein Gefühl von damals, ausgelöst von mangelnder Ablenkung durch das gewohnte Blutbad der Seelenfresser und meiner Sense.
Trotzdem gingen mir die Worte dieses geflügelten Monsters nicht aus dem Kopf. Lerne, die richtige Frage zu stellen. Was war die richtige Frage? Gab es überhaupt falsche Fragen?
Ich schlenderte den Bürgersteig entlang und sah mich um. Die Straßen waren wie leergefegt. Hier, etwas abseits in einem der kleinen Wohngebiete am Stadtrand, schien die Zeit stillzustehen. Der Regen prasselte auf die asphaltierte Straße, hie und da wechselte eine Ampel auf Grün oder Rot. Manchmal flackerte eine Laterne. Die Stadt schlief. Zumindest hier.
Der Totenkopf vor meinem linken Auge blinkte immer hysterischer. Mittlerweile hatte er eine rote Farbe angenommen und die Seelenfresser sammelten sich weiter um mich. Je länger ich darauf wartete, meinen nächsten Auftrag auszuführen, umso mehr Zeit hatten diese grauenhaften Wesen, sich um mich zu scharen. Wenn ich zu lange wartete oder zu langsam war, würde ich sie nicht mehr zurückhalten können und den Kampf verlieren. Bereits jetzt sammelte sich eine Anzahl Seelenfresser um mich, die ich kaum allein bewältigen konnte. Die Erkenntnis sickerte nur langsam ein und als ich die daraus resultierende Konsequenz erkannte, verfluchte ich mich selbst. Rational. Ohne eine emotionale Reaktion wie Wut, sondern einzig und allein aufgrund der Tatsache, dass wohl durch diese kleine Unachtsamkeit meine Tage als Reaper gezählt waren.
Ich hatte mich ablenken lassen.
Genau darum fühlten Reaper nicht. Sie funktionierten! Und ich hatte soeben nicht funktioniert und mich von einem grinsenden Seelenfresser so aus dem Konzept bringen lassen, dass ich nun mein Dasein aufs Spiel setzte.
Ich hatte keine Wahl und musste den nächsten Auftrag schnellstmöglich erledigen.
Ich folgte der Karte vor meinem Auge durch den sintflutartigen Regen und erreichte bald eine kleine Wohnung in einem riesigen Wohnkomplex. Der Zug vom Flughafen Narita ins Zentrum von Tokio schepperte soeben vor dem Fenster vorbei, als ich die schlauchförmige Einzimmer-Wohnung betrat. Vor mir war ein kleiner Vorplatz, um die Schuhe auszuziehen, dann eine schmale Tür zum Bad, eine weitere Tür zur Toilette, eine Küchennische und ein Wohnzimmer, in dem das Bett stand. Davor saß ein Mann vor dem TV und aß einen Becher Nudeln. Eine Quizshow lief und er lachte über einen Witz.
Ich trat ein und schlenderte zu ihm. Die Seelenfresser drängten sich hinter mir in den Raum, der bereits nach wenigen Sekunden zum Bersten voll war.
»Super«, murmelte ich, eingequetscht zwischen den Körpern und Klauen der Seelenfresser.
Dichtestress, nannte man das wohl.
Davon bekam der Mitfünfziger vor dem Fernseher allerdings nichts mit.
Noch rührten mich die Seelenfresser nicht an, doch sobald die Seele dieses armen Menschen brach vor ihnen liegen würde, bräche hier das pure Chaos aus. Und ein Gemetzel, wenn ich gut genug war, um ihnen Stand zu halten.
Der Mann amüsierte sich weiter vor dem TV und tippte mit der einen Hand in sein Handy, während er mit der anderen bereits wieder Nudeln aus dem Becher fischte.
Bei einem Blick durch das Display sah ich den Totenkopf über seinem Kopf blinken. Er leuchtete nun in allen Regenbogenfarben.
»Ich mach ja schon«, sagte ich und wunderte mich im nächsten Augenblick über die Tatsache, dass ich mittlerweile schon mit meinem Computer sprach.
Ich ließ den dünnen Faden aufleuchten und durchtrennte ihn.
Augenblicklich zog ich die Sense hoch und traf den ersten Seelenfresser, der sich auf mich stürzte, schleuderte seine Überreste durch den Raum und begrub zwei weitere darunter.
Was dann folgte, war ein Gemetzel, wie ich es in meiner Karriere als Reaper noch nie erlebt hatte. Das Blut der Seelenfresser zauberte Gemälde an die dünnen Wände des Appartements, als ich einen nach dem anderen schlachtete. Ich wusste, dass es meine Schuld war, dass ich nun wie ein Berserker einen nach dem anderen morden musste. Ich hatte mich ablenken lassen von meiner Aufgabe und nun war mein Überlebenskampf dementsprechend dramatischer.
Der Strom an Gegnern versiegte nicht und immer mehr drangen durch das einzige Fenster und die schmale Eingangstür zu mir herein. Der Tote war bereits begraben unter den Leichen der Seelenfresser, die auf meine geschliffene Klinge getroffen waren.
Ich spürte zum ersten Mal, wie meine Muskeln schwächer wurden. Mein Atem ging stoßweise und mein Herz raste. Ein fremdartiges Gefühl stieg in mir auf, das mir die Brust zuschnürte und meine Glieder zum Zittern brachten.
Angst?
Dieser Gedanke versetzte mich in Panik und mein Herzschlag beschleunigte sich weiter. Ich merkte, wie ich die Kontrolle über meinen Körper verlor und meine Bewegungen unkoordinierter wurden. Schwerfälliger! Die Angst begann mich zu lähmen.
Die Shinigami waren noch nicht hier und die Seelenfresser zogen sich längst nicht zurück.
Das würde nicht gut enden. Nicht für mich. Wie hatte ich so leichtsinnig sein können, mich auf den Dialog mit einem Seelenfresser einzulassen? Wie hatte ich mich von ihm so weit manipulieren lassen können, dass ich meine Aufgabe hier vernachlässigte und mein Leben riskierte?
Wütend über mich selbst schwang ich die Sense wieder energischer und spaltete einem Angreifer den Schädel. Mit einem grauenhaften Zischen und dem letzten Zucken seiner langen Zunge, krachte er vor mir auf den Boden, als mich die Krallen eines zweiten Seelenfressers an der Schulter trafen.
Tief kratzten sie durch meinen Mantel und in mein Fleisch. Ich keuchte und brach in die Knie und mit diesem Moment wusste ich, dass meine Existenz nun enden würde.
Zumindest die als Reaper. Ob ich einen hübschen Seelenfresser hergeben würde …? Ich schloss die Augen, doch der tödliche Hieb blieb aus.
Um mich herum keiften die Seelenfresser, doch ihre Stimmen wurden leiser. Zogen sie sich zurück?
Ich öffnete die Augen und sah mich um. Ich kniete auf einem Berg von Kadavern. Darunter konnte ich noch den Arm des Toten erkennen, dessen Seele die Shinigami abholen sollten. Mein Blick fiel auf die Angreifer, die sich eigentlich um mich hätten scharen sollen, doch die überlebenden Seelenfresser zogen sich zurück. Der Letzte von ihnen kroch gerade aus dem Fenster hinaus ins Freie und ließ mich allein in dem kleinen Appartement zurück.
Verwirrt richtete ich mich auf und stütze mich erschöpft auf den Griff meiner Sense. Auch ein Gefühl, dass mir fremd geworden war.
Erschöpfung.
Gefühle.
Das, was mich verletzlich machte, hätte mit mir und meinem irdischen Dasein sterben müssen.
Wut kroch in mir hoch in Anbetracht meines früheren Daseins. Das schwache, elende Häufchen war Vergangenheit. Hier in Yomi war ich stark und unbesiegt – Angst machte mich schwach und das galt es zu verhindern. Doch wie?
Was in aller Welt war ich?
»Du hast mehr Glück als Verstand.«
Erschrocken wandte ich mich um.
Der Reaper wischte seine beiden Sensen mit einem kleinen Tuch ab. Sie waren mit je einer Kette an silberschwarzen Armbändern um seine Handgelenke befestigt, und als er sie einklappte, verschwanden sie darin. Gemächlich steckte er das Tuch dann zurück in die Brusttasche seiner Anzugjacke.
»Ein Danke wäre angebracht.«
Fassungslos ballte ich die Hände zu Fäusten, um mein Zittern zu verbergen. Einer wie ich! Ein Reaper!
»Früher war nicht möglich?«, fauchte ich ihn an.
Der Reaper grinste und kam näher. Erst erwartete ich, dass er mir die Hand zur Begrüßung reichen würde, aber er verneigte sich höflich aus angemessener Entfernung.
Ein Lächeln umspielte meine Lippen. Manchmal vergaß ich, dass ich mich in Japan befand und vermutlich die einzige Reaper mit ausländischem Einschlag war.
Ich musterte ihn neugierig. Der erste Reaper, dem ich begegnete, war also dieser komische Kauz.
Seine schwarzen Haare waren zerzaust, aber wirkten mit Absicht so frisiert, dass einige Strähnen sein bleiches Gesicht umspielten. Seine dunklen Augen glänzten verschmitzt, während er seine Hände in die Anzughose steckte. Genau wie meine bestand seine Kleidung ausschließlich aus schwarzem Stoff, doch sein Anblick raubte mir für einige Sekunden den Atem. Er trug einen Anzug, komplett mit Hose, Hemd und Sakko, in dessen Brusttasche ein seidenes Tuch steckte. Die Frisur und das silberne Piercing in seiner Unterlippe zusammen mit seiner Kleidung bot eine Mischung aus 30er-Jahre Gentleman und japanischem Pop-Star. Vor allem das Piercing überraschte mich. In Japan war das ein absolutes No-Go und offenbar genoss hier jemand seine neu gewonnene jenseitige Freiheit. Das war mir sympathisch.
Er schien zu bemerken, dass ich ihn zu eingehend musterte.
»Starren ist unhöflich«, sagte er und grinste dann breit. »Gut, dass du noch lebst. Ich bin hier, um die Seele zu schützen, bis die Sammler sie holen. Anscheinend dachten sie, du überlebst das nicht«, erklärte er und tippte an sein Display vor dem Auge.
»Die Shinigami? Sie waren noch nicht hier«, antwortete ich kühl.
Er musterte mich irritiert. »Du meinst die Sammler?«
»Die heißen Shinigami. Das sind doch Totengeister«, antwortete ich stolz. »Ich bin nur zur Hälfte Japanerin und muss dir das beibringen?«
Der Fremde lachte laut und es schien den ganzen Raum zu erhellen. »Dein Enthusiasmus in Ehren aber du liegst falsch. Shinigami sind Kami des Todes. Totengötter.«
Ich funkelte ihn wütend an. »Sag ich doch.«
Er zuckte mit den Schultern und lächelte dann verheißungsvoll. »Shinigami – Götter des Todes, das sind wir.«
Rachel Yukiko Murasaki. Göttin des Todes.
Der Titel gefiel mir.
Schweigend musterte ich den anderen Shinigami und gönnte mir einige Augenblicke Stolz. Eine Empfindung, die ich ebenfalls verloren geglaubt hatte, aber eine, die sich im Vergleich zum Rest meiner Gefühlspalette nicht so dermaßen beschissen anfühlte.
»Und jetzt?« fragte ich und überspielte so galant meinen Fauxpas.
Er fuhr sich durch die Haare und setzte sich auf den Berg aus toten Seelenfressern.
»Wir warten«, antwortete er ruhig.
»Es kommen sicher neue Seelenfresser«, murmelte ich gefasst und hielt meine Sense heroisch im Anschlag.
»Dann lass sie doch«, antwortete er und übertrumpfte meinen Heldenmut. »Sie werden wohl nicht den Mut aufbringen, es mit zwei Shinigami aufzunehmen.«
Er klopfte neben sich auf den Leichnam. »Setz dich doch. Ich treffe nie auf andere Shinigami, das müssen wir ausnutzen.«
Meine Rede.
Sein Grinsen war ansteckend und ich verwirrt. Mir war nicht nach Lachen zu Mute.
Mir war nach keinerlei Gefühlsregung zu Mute, aber dieser Typ schien sich davon nicht beeindrucken zu lassen. Er wirkte fröhlich.
Fröhlich gab es meiner Meinung nach in Yomi nicht.
Ich streckte ihm die Hand hin. »Rachel. Rachel Yukiko Murasaki.
Er schüttelte sie. »Kobayashi Ryu.«
»Bist du schon lange tot?« fragte ich, worauf er mich schockiert anblickte.
»Man fragt die Leute nicht, wie lange sie schon tot sind!«
Ich zuckte mit den Schultern. Meine Lust auf eine Lektion in japanischer Benimmkunst war eher gering.
Sein Todesdatum schätzte ich auf einige Dekaden vor meinem – seiner Kleidung nach zu urteilen vielleicht so um die 20er oder 30er Jahre.
Ich setzte mich neben ihn und schweigend warteten wir auf die Sammler. Es war seltsam. Seit einer gefühlten Ewigkeit wartete ich darauf, mit jemandem sprechen zu können und nun, da ich es konnte, war ich einfach damit zufrieden, schweigend neben jemand anderem sitzen zu können. Worte waren überflüssig. Ich war nicht allein. Es gab andere wie mich und vielleicht würde ich ab und an auf einen von ihnen treffen. Dieser Gedanke tröstete mich ungemein.
Was mich einen Gedanken weiter brachte: Trost.
Schon wieder so ein Gefühl, das ich nicht wollte, denn wo Trost nötig war, gab es immer auch ein Gefühl, das diesen Wunsch nach Trost ausgelöst hatte.
Und das war meistens schlecht.
Außerdem: Wer sagte mir, dass ich ihm trauen konnte? Vielleicht war es gar nicht schlecht gewesen, bislang auf niemanden zu treffen, so musste ich mich auch mit niemandem abgeben, der potenziell dafür sorgen konnte, dass mein ruhiges Ableben hier in Yomi zu Ende war.
»Da sind sie«, flüsterte Ryu und erhob sich.
Ich blieb sitzen. Sollten die Sammler ihre Arbeit machen und wieder verschwinden.
Ryu allerdings sah das anders. Er verneigte sich tief und verharrte in dieser Position, als die Sammler die Seele des Toten in ihre Laterne zogen.
»Wir danken euch für den Schutz dieser wertvollen Seele«, sagten sie und verneigten sich ebenfalls.
»Es war mir eine Ehre. Verzeiht, dass es lange gedauert hat«, antwortete Ryu mit gedämpfter Stimme.
Die Sammler zogen davon und erst, als sie verschwunden waren, richtete Ryu sich wieder auf.
»Du bist respektlos«, sagte er und tippte mir beim Vorbeigehen mit dem Finger an die Stirn.
Ich zuckte zusammen.
Eine Berührung!
Es jagte einen Schauer durch meinen Körper und mein Brustkorb schien zu bersten für diese eine Millisekunde.
Ryu lächelte, als wüsste er, wie ich mich fühlte und ich wusste nicht recht, ob ich ihn mochte oder nicht, aber das spielte im Moment keine Rolle.
Mögen war auch so eine Emotion, die mir fremd war und die mich im Moment heillos überforderte.
Eine, die es tunlichst zu vermeiden galt, wenn ich denn etwas aus meiner Vergangenheit gelernt hatte.
Wir verließen das Gebäude und beim Ausgang blieb er stehen und verneigte sich.
»Mein nächster Kunde wartet. Ich verabschiede mich.«
Für einen Moment spielte ich mit dem Gedanken, ihn zum Bleiben zu bewegen. Ich hätte gern noch weiter mit ihm gesprochen. Vielleicht war er schon länger im Geschäft und konnte mir einige Tipps mitgeben, doch ich verwarf den Gedanken. Ich brauchte keine Tipps. Ich war durchaus in der Lage, für mich selbst zu sorgen.
»Vielleicht bis bald.«
Er zwinkerte mir zu und machte sich auf zu seinem nächsten Opfer. Oder Kunde, wie er das höflich nannte.
Ich blickte ihm nach, während er die Straße hinunter schlenderte.
Mist.
Ich ertappte mich dabei, dass ich ihm hinterherstarrte und wurde zum Glück gerade von einem blinkenden Licht auf meinem Display abgelenkt.
Pixel in allen Farben sprühten über den Bildschirm.
Ein Feuerwerk.
Anschließend kam eine Meldung, die mich für einen Augenblick an meiner Zurechnungsfähigkeit zweifeln ließ.
Eintausend Seelenfresser getötet!
Neues Level freigeschaltet.
Ich las den Satz mehrmals durch, aber er schien tatsächlich echt zu sein. Ich setzte sogar das Display ab, um sicher zu gehen, dass ich nicht einfach die verschwommenen Zeichen eines Straßenschildes sah.
Nein.
Die Worte waren klar und deutlich.
Die Meldung verschwand und neue Zeichen formten sich darauf.
Neues Level: 2
Shop freigeschaltet. Stand Punktekonto: 100.
»What the f…«, murmelte ich und musste mich setzen.
Ich war aufgelevelt.
Shop klang vielversprechend.
Ich drückte den Button auf dem Display mit dem Einkaufswagen und es blinkten Kategorien auf. Erst eine davon konnte ich anwählen. Alle anderen waren grau hinterlegt und nur mit Fragezeichen versehen.
Das einzig verfügbare war: Shinjū
»Das wird ja immer schräger«, flüsterte ich und tippte darauf.
Eine Auswahl an Tieren erschien. Mit Bild, Angabe von Größe und Farbe sowie Blutgruppe.
Ich lachte. Ein Schutztier.
Sie gaben mir tatsächlich einen Begleiter?
Ich klickte mich durch die verfügbaren Tiere. Katze, Fuchs, Hirsch, Hasen …
Mein Blick blieb auf einem bestimmten Tier hängen. Es kostete mich einhundert Punkte. Das traf sich hervorragend.
Ich klickte auf das Bild, um weitere Informationen zu bekommen, doch stattdessen leuchtete ein Pop-up auf.
Möchten Sie dieses Item erwerben? Ja / Nein
Ich überlegte nicht lange. Mein Herz raste. Ich würde einen Begleiter erhalten!
Wie geil war denn das bitte?
Schluss mit Selbstgesprächen. Nun konnte ich ein tatsächliches lebendes Wesen zutexten.
Ich klickte auf Ja ohne mich selbst über die Frage zu zermartern, warum ich in der Lage war, mich zu freuen.
Angestrengt blickte ich mich um. Verschwommen nahm ich die Welt der Menschen wahr, die um mich herum weiter funktionierte. Kein Geräusch war zu hören.
Bis ich aufhorchte.
Ein langgezogener, heller Ruf erklang.
Ich wandte meinen Blick nach links und tatsächlich. Aus dem Gewirr aus Schwarz und Weiß der Seelenwelt glitt eine Eule auf mich zu.
Ich hob den Arm und die Eule landete elegant darauf und schloss ihre Krallen darum. Ihr Gefieder war grau und wuschelig, die großen, orangen Augen fixierten mich.
»Du bist ein bisschen mopsig«, stellte ich fest.
Das lag wohl eher an seinem aufgeplusterten Gefieder. Als wolle er mich begrüßen.
»Hallo. Ich bin Rachel. Schön, dich kennenzulernen«, sagte ich, worauf der Kauz nur ein rasches Schuhu von sich gab.
Ich strich ihm über die Federn am Kopf und er schloss genüsslich die Augen.
»Und jetzt? Fliegst du mir überall hin nach?« fragte ich und erhielt erneut seinen Ruf als Antwort.
Noch blinkte kein neuer Auftrag auf dem Display auf und so setzte ich mich auf eine Gartenmauer und musterte meinen neuen Begleiter.
Nach meiner Begegnung mit Ryu und der mittlerweile deutlichen, wenn auch noch schwachen, Rückkehr meiner Gefühle war die Einsamkeit eine erdrückende Vorstellung geworden und so war ich mehr als dankbar für dieses kleine Upgrade.
Im Shop war mein Konto auf null heruntergesetzt und keine weitere Kategorie einsehbar. Was konnte ich wohl als nächstes kaufen? Die Möglichkeiten schienen aufgrund der ausgeblendeten Kategorien groß.
Noch immer blinkte kein neuer Todeskandidat auf meinem Display und ich fragte mich, ob sie mir eine Gnadenfrist gönnten? Eine Zeit, um mich mit den neuen Funktionen meiner Existenz vertraut zu machen? Das wäre ja mal ein netter Zug von der Obrigkeit.
Die ich im Übrigen nicht kannte.
»Ich sollte dir einen Namen geben«, überlegte ich laut und musterte die Eule.
Sein Gefieder war silbergrau und fein. Die Augen glühten wie Lava.
»Ich weiß schon«, sagte ich. »Ich nenne dich einfach Fukurō.« Eule.
Fukurō legte den Kopf schräg und musterte mich aufmerksam, ohne zu blinzeln. Ich lachte und strich ihm erneut durchs Gefieder. Anschließend setzte ich ihn auf meine Schulter.
»Das ist ein guter Platz für dich«, sagte ich und stand auf.
Noch immer blinkte auf meinem Display kein neuer Auftrag und ich fragte mich, ob ich vielleicht entlassen worden war?
Ein paar Informationen dazu wären hilfreich gewesen, aber mit Informationen hatte man es hier allgemein nicht so.
Fukurō schuhte leise neben meinem Ohr und ich wandte mich zu ihm um.
»Weißt du, warum ich keine Arbeit bekomme?«
Ich mochte das nicht. Ich wollte was tun. Es gab einfach zu viele Gedanken, die ich mir machen konnte. Vor allem in Anbetracht all der Dinge, die in den vergangenen Stunden geschehen waren. Der Seelenfresser, das plötzliche Aufkeimen von Gefühlen in meinem sonst emotionslosen schwarzen Herzchen, Ryu, der – und ich musste es mir eingestehen – eine ebenfalls neue Wirkung auf mein schwarzes Herzchen gehabt hatte und nun noch ein Shinjū, der mich ab sofort auf meiner Todestour begleiten würde.
Ganz zu schweigen vom Arbeitssystem und meinem Level-up als Shinigami.
Außerdem kamen die Gefühle zurück, um mein ruhiges Leben zu vergiften.
Ich wollte nicht zurück in dieses Chaos.
»Was ist los mit mir«, fragte ich meinen neuen Begleiter.
Er legte nur den Kopf schräg und blinzelte langsam.
»Allein schon die Tatsache, dass ich dich süß finde und mag, dürfte gar nicht sein.«
Ich begann auf meinem Display herum zu drücken. Vielleicht gab es irgendwo ein Tutorial.
Ein Handbuch.
Ein paar FAQ.
Nichts.
Resigniert setzte ich mich wieder auf die Mauer und faltete die Hände im Schoß.
Aber der nächste Auftrag kam einfach nicht.
Ich musterte die Umgebung. Die Straße war kaum belebt und nur einige wenige Geschäftsleute waren unterwegs und einige Schulkinder auf dem Weg nach Hause.
All das konnte ich nur durch den Wirrwarr aus schwarzen und weißen Schattenfetzen wahrnehmen. Sie schwebten auf der Wand, die mich von den Lebenden trennte.
Ich zuckte zusammen.
Mein Herz raste und ich geriet in Panik.
Nein.
Das durfte nicht sein.
Noch nie hatte ich meine Entscheidung bereut! Nie hatte ich einen Gedanken daran verschwendet, dass meine Entscheidung, freiwillig zu sterben, ein Fehler gewesen sein könnte.
Reue war das absolut Letzte, das ich fühlen wollte.
Ich sprang auf mit der festen Absicht, diesen Funken Emotion sofort im Keim zu ersticken.
»Ich muss irgendwas tun«, flüsterte ich verzweifelt. »Irgendetwas stimmt hier überhaupt nicht.«
Plötzlich blinkte mein Display.
Der Totenkopf.
Ganz in der Nähe.
Gott sei Dank!
Die Seelenfresser näherten sich mir bereits, wie Spürhunde, die wussten, wie sie am schnellsten zu ihrem Opfer gelangen konnten.
Ich atmete auf und schob meine Gedanken und Gefühle beiseite.
Zeit für Alltag!
***
Meine Sense schnitt durch den Seelenfresser wie ein heißes Messer durch Butter.
Es gab mir ein Gefühl von Sicherheit und Normalität.
Und vor allem Ablenkung.
Die Waffe in meiner Hand gab mir die Fähigkeit, alles andere hinter mir zu lassen. Zumindest vorerst.
Das tiefrote Blut der Seelenfresser, die einzige Farbe in diesem Gemisch aus Schwarz und Weiß meiner Welt, bedeckte den Boden und klebte an meinen Stiefeln. Das alles fühlte sich besser an als die Sorgen in meinem Hinterkopf.
Zu viele Fragen zu stellen war nie eine gute Sache. Zu schnell verstrickte man sich in Wirrungen und das endete niemals gut.
Also tat ich das, was ich am besten konnte. Ich tötete Seelenfresser.
Ich war noch nicht lange in diesem Business und offenbar hatte ich noch einiges zu lernen. Dennoch erschienen mir die Ereignisse der letzten Tage mehr als fragwürdig.
So konnte das nicht vorgesehen gewesen sein. Vor allem der Seelenfresser mit den verkümmerten Flügeln fiel definitiv aus dem, was für mich hier normal erschien.
Die Klinge zerteilte einen Seelenfresser in zwei Teile und der Sturm auf mich verebbte. Es dauerte nicht lange und die Geister erschienen, um sich bei mir für die Seele zu bedanken. Ich winkte ab und verließ den Raum, noch ehe sie verschwunden waren.
Der nächste Totenkopf blinkte bereits auf meinem Bildschirm und Fukurō trippelte aufgeregt auf meiner Schulter hin und her.
»Jaja, ich beeile mich ja«, beschwichtigte ich meinen neuen, gefiederten Freund und machte mich auf zu meinem nächsten Opfer.
Die Stimmen in meinem Kopf verstummten nicht. Dieses nagende Gefühl, dass etwas hier nicht mit rechten Dingen zuging. Aber ich konnte nicht erfassen, was es war. Wie nach einem langen Schlaf, wenn man verzweifelt versucht, sich an einen Traum zu erinnern, der sich aber immer jeglichem klaren Gedanken entzieht.
Das machte mich wütend. Und ich ließ es an den Seelenfressern aus. Was ich normalerweise in einem Tag erledigt hatte, erledigte ich in wenigen Stunden. Glücklicherweise war meine Opferliste nie zu Ende und so wurde ich auch nicht mit einer längeren Pause bestraft. Ich konnte einfach weitermachen.
Scheiß auf den Mist! Scheiß auf den Flügel-Seelenfresser, Scheiß auf Ryu, scheiß auf meine Gefühle! Ich wollte sie nicht. Ich hatte sie schon zu Lebzeiten nicht gewollt.
Sie waren unnötig und ich wollte wieder in der Ruhe und der Abgeschiedenheit meiner Apathie verschwinden.
Stattdessen krochen die Gefühle und Emotionen und Fragen wie dunkle Schatten aus den Ecken meines Unterbewusstseins.
Sie kamen so zahlreich wie die Seelenfresser. Und sie machten mir weitaus mehr Angst!
Sie lenkten mich ab und sorgten dafür, dass ich Fehler beging. Ich verfehlte und meine Sense wurde mit jedem neuen Gedanken und jedem neuen Gefühl in meiner Brust immer weniger präzise.
Ich verließ gerade ein Krankenhaus im Zentrum von Tokio und trat hinaus in den Regen, als mich die Abnormität dieses Reiches wieder einholte.
Vor mir stand der Seelenfresser und grinste sein breites, zähnefletschendes Grinsen.
Die langen Glieder verschmolzen mit der urbanen Landschaft aus Beton und Glas, vermischt mit den Fetzen aus Schatten, welche diese Welt von der Welt der Menschen trennte.
Reglos stand das Wesen da und starrte mich an.
Ich blieb stehen und wartete.
»Nun? Stellst du die richtigen Fragen?«
»Ich stelle zu viele Fragen«, antwortete ich kühl.
Das Grinsen des Seelenfressers weitete sich und er spannte die Überreste seiner Flügel.
»Gut. Dann hinterfrage deine Existenz hier. Hinterfrage, was du tust und wozu du hier bist.«
Der Seelenfresser wandte sich abrupt um und starrte in die verzerrte Dunkelheit der Straßenschluchten.
Er duckte sich und warf einen letzten Blick auf mich.
»Hinterfrage, Rachel.«
Dann hastete er davon und seine langen Beine trugen ihn schneller aus meinem Blickfeld als ich mir eine Antwort hätte zurechtlegen können.
Hatte mir dieser Seelenfresser gerade einen Hinweis gegeben? Wollte er mir helfen? Und wenn ja, bei was?
Ich schrie wütend auf und schlug die Hände vors Gesicht. Fukurō fand das weniger amüsant und stob auf, schuhte laut und landete auf dem nassen Boden. Das widerstrebte ihm noch mehr und er tapste unter meinen Mantel.
Ich musste unwillkürlich lachen und hob ihn hoch.
»Du armes Ding. Entschuldige«, sagte ich und hob meinen Mantel, um ihn darunter in meine Armbeuge zu betten.
Mein Display blinkte aufgeregt und ich erkannte, dass ich ein neues Level Up erreicht hatte. Offenbar hatte sich meine Langeweile und Perspektivenlosigkeit in einem regelrechten Mordrausch niedergeschlagen. Meine Quote der vergangenen Tage war Anlass für eine Auszeichnung zum Mitarbeiter des Monats.
Neue Symbole im Shop blinkten auf. Accessoires und Kleidung und neue Waffen standen zur Verfügung. Ich konnte meine Sense mit genügend Punkten zu einem Schwert umfunktionieren – oder wie Ryu es getan hatte, in zwei kleinere Sensen mit Armbändern. Allerdings waren die Armbänder, die ich zur Verfügung hatte, bei weitem nicht so edel wie seine. Er musste also mindestens zehn Level über mir sein, um sich die Luxusvariante in Silber zu leisten.
Ich blickte an mir hinunter. Meine schwarzen Stiefel waren ziemlich cool, meine schwarze Hose auch und mein Mantel strotzte sowieso vor purer Großartigkeit.
Außerdem hielt er den Regen fern und meine Eule trocken.
Ich beschloss, meine neu erworbenen Punkte zu sparen und vorerst auf größere Shoppingtouren zu verzichten.
Bei meiner momentanen Quote an Seelenfresser-Kills würde ich bald einige Level mehr und somit auch mehr Punkte auf dem Konto haben und wer weiß: Vielleicht wurde mit neuem Level auch neuer Kram freigeschaltet!
»Ich sehe, du bist fleißig. Ich muss mich ranhalten, damit du mich nicht einholst!«
Ryu grinste mich aus einer Seitengasse an und trat hinaus auf den Gehweg. In den Händen hielt er einen Schirm, um den Regen fernzuhalten, von dem wir hier in Yomi nicht verschont blieben.
»Du hast einen Schirm?« war alles, was mir dazu einfiel.
»Level acht!« antwortete er und stellte sich so nah neben mich, dass ich ebenfalls unter den schützenden Stoff passte.
Mein Herzschlag setzte aus, als ein unerwarteter Geruch in meine Nase stieg.
Warum zur Hölle roch dieser Typ so gut? Hier in dieser Welt aus Nichts und Dunkelheit gab es sonst nur den Geschmack von Seelenfresser-Blut und sonst nichts!
Ich strich mir eine nasse, klebrige Strähne meiner schwarzen Haare aus der Stirn, um den kurzen Moment der Sprachlosigkeit zu überdecken, während ich auf den Asphalt starrte.
Mein Blick fiel auf etwas, das neben ihm stand.
»Ein Shinjū!« rief ich entzückt und ging – dankbar über die Ablenkung von Ryus Anwesenheit – in die Knie, während Fukurō aus meiner Armbeuge neugierig hervorlugte.
Ich streckte die Hand nach der schwarz-weißen Katze aus.
»Na komm, bsst bsst«, sagte ich und rieb meine Finger aneinander, um das Tier näher zu locken.
Die Katze musterte die Hand und dann mich. »Hand weg oder sie ist ab.«
Ich strauchelte zurück und fiel mit dem Hintern auf den nassen Asphalt. »Er spricht!«
»Was sollte ich sonst tun«, antwortete der Kater. »Singen? Morsen? Willst du ein Telegramm?« knurrte er, setzte sich und begann desinteressiert seine Pfote zu putzen.
Ryu lachte und wies auf meinen gefiederten Freund im Mantel. »Natürlich kann er sprechen. Deine Eule doch auch.«
Ich musterte Fukurō und bugsierte ihn auf meine Schulter. »Nein. Er spricht kein Wo…. Moment. Du könntest sprechen?« rief ich und musterte ihn eindringlich.
Er schuhte nur und zwinkerte mir einmal gemächlich zu.
»Du könntest mit mir sprechen, aber tust es nicht?«
»Verständlich«, murmelte der Kater vom Boden.
»Puma, sei nicht unhöflich«, tadelte Ryu.
»Ich bin nicht unhöflich. Nur ehrlich.«
»Er heißt Puma?«
Ryu nickte und kniete zum Kater, um ihm den Kopf zu tätscheln.
»Ja«, sagte er und wechselte in den Tonfall theatralischer Babysprache. »Das ist mein kleiner, süßer, schnuckeliger Pumapuma.«
»Fresse«, fauchte der Kater.
Ryu lachte und erhob sich wieder.
»Deiner kann sicher auch sprechen. Aber offenbar ist das kein Muss.«
»Ich bin beleidigt«, murmelte ich und musterte Fukurō hoffnungsvoll.
Er sagte kein Wort. Sein Schuhu klang allerdings mittlerweile amüsiert.
Meine Eule verarschte mich nach Strich und Faden.
Das hatte mir gerade noch gefehlt.
»Geht’s dir gut?«
Überrascht wandte ich mich zu Ryu. Es war eine Weile her, seit mir diese Frage zum letzten Mal gestellt worden war. Und noch länger, seit ich mich das selbst gefragt hatte.
Ich zuckte mit den Schultern.
»Irgendwas stimmt hier nicht«, antwortete ich. »Aber ich kann dir nicht sagen, was.«
»Dass du tot bist?« Puma musterte mich und ich verzog das Gesicht.
»Das ist mir klar.«
Ryu hob seinen Kater auf den Arm und widerwillig ließ er es über sich ergehen.
Ich wollte Ryu nicht sagen, was los war. Dazu war mir alles hier im Moment zu suspekt. Die aufkeimenden Gefühle, die ich glaubte losgeworden zu sein, der sprechende Seelenfresser, die nagende Gewissheit, dass hier etwas faul war … alles schien mir kein Thema zu sein, das ich mit einem fremden Shinigami diskutieren sollte. Besser ich hielt mich bedeckt.
»Nicht so wichtig«, winkte ich ab. »Vermutlich steigt mir nur die Einsamkeit in den Kopf. Da ich keinen Gesprächspartner habe«, meinte ich vorwurfsvoll an Fukurō gewandt.
Er blinzelte zufrieden und ich konnte ihm nicht einmal böse sein.
»Du empfindest Einsamkeit?« fragte Ryu.
Mist. Verplappert.
Ich zuckte gespielt gleichgültig mit den Schultern. »Nein. Aber dir geht es doch ähnlich. Wir haben hier nicht viel Unterhaltung.«
Ryu gab sich mit der Antwort zufrieden und um weitere Fragen zu vermeiden, stellte ich eine. »Was wolltest du hier?«
Er winkte ab. »Nichts Besonderes. Ich war eine Straße weiter an einem Auftrag und hab dich aus dem Gebäude kommen sehen. Da dachte ich, ich sag hallo.«
Ich runzelte die Stirn. »Und hast du sonst noch etwas gesehen?«
Er musterte mich ruhig und schüttelte den Kopf. »Nein. Was hätte ich sehen sollen?«
Schnell schüttelte ich den Kopf. »Nichts.«
Innerlich atmete ich auf. Also hatte er mein Gespräch mit dem Seelenfresser nicht mitbekommen. Keine Ahnung, in welche Schwierigkeiten mich das gebracht hätte. Noch wusste ich nicht, ob ich ihm trauen konnte. Vielleicht sollte er mich auch einfach im Auge behalten wegen meiner abnormalen Gefühlsausbrüche.
So war das hier in der Totenwelt sicher nicht geplant.
Meine Gefühle sollten nicht mehr existieren.
»Mein nächster Auftrag blinkt«, meinte Ryu schließlich und verneigte sich zum Abschied. »Wir sehen uns!«
Der Regen hatte noch nicht aufgehört und während ich ihm hinterherblickte, verfrachtete ich Fukurō wieder unter meinen Mantel.
Ryu war mir in dieser kurzen Zeit bereits zweimal über den Weg gelaufen, während ich zuvor für Wochen niemandem außer den Sammlern begegnet war.
Entweder handelte es sich um Zufall oder es steckte mehr dahinter.
Und ich glaubte nicht an Zufälle.
Das unangenehme Gefühl ließ nicht nach. Mein Überlebenstrieb als Shinigami sorgte dafür, dass ich meine Aufträge gewissenhaft erledigte, um nicht von den Seelenfressern überwältigt und zu einem der ihren gemacht zu werden. Dennoch ließen mir die vielen Fragen keine Ruhe.
Ich sollte hinterfragen, was ich hier tat, hatte mir der geflügelte Seelenfresser nahegelegt. Ich sammelte Seelen. Mehr nicht. Was gab es da zu hinterfragen?
Je mehr ich grübelte, umso weiter schien ich mich von einer Antwort zu entfernen.
Dem Grübeln wich Verzweiflung und der Verzweiflung wich Wut.
Je länger ich meiner Arbeit nachging, umso stärker kamen Emotionen zurück, die ich nicht haben wollte. Ich begann, mir Fragen zu stellen und über Dinge nachzudenken, die ich geglaubt hatte, hinter mir lassen zu können. Und mit jedem neuen Gedanken, der aufkam und dem ich in dieser Einsamkeit nicht entfliehen konnte, wuchs die Wut auf meinen Zustand und mein Dasein als Shinigami.
Wut auf die Leere und darauf, dass ich nicht wie erwartet meinen Frieden gefunden hatte, nachdem ich freiwillig aus dem Leben geschieden war.
»Wir danken euch für den Schutz dieser wertvollen Seele«, sagten die Geister, als sie am Unfallort erschienen und die Seele des Motorradfahrers zu sich nahmen. Sie verneigten sich und wollten wie eh und je verschwinden, doch ich hielt sie zurück.
»Wartet!« befahl ich. »Wo bringt ihr die Seele hin?«
Die Geister antworteten nicht, sondern hielten die leeren Augenhöhlen auf mich gerichtet ohne zu reagieren.
»Was seid ihr?«
Keine Antwort.
Keine Reaktion, die angedeutet hätte, dass sie überhaupt verstanden, was ich von ihnen wollte. Sie wirkten wie leere, mechanische Hüllen ohne Regung und unfähig, auf diese unerwartete Frage meinerseits zu reagieren.
»Was geht hier vor?« murmelte ich zu mir selbst, als die Geister noch immer regungslos vor mir standen, als wäre gerade ihre Software abgestürzt.
»Antwortet!« schrie ich.
Wut kochte in mir hoch. Unbändige Wut, die mich erschreckt hätte, wäre ich nicht so in Rage. Warum wollte mir hier niemand Antworten geben auf die Fragen, die sie mir in den Kopf pflanzten?
Ich ballte die Hände zu Fäusten und schrie die Wesen erneut an. Noch immer zeigten sie keine Reaktion und schürten damit meine Verzweiflung.
Wütend hob ich meine Sichel und ehe ich realisieren konnte, was ich tat, schnitt ich durch den Körper eines der Geister.
Sofort verschwanden die restlichen und ich blieb erstarrt stehen. Mit Entsetzen blickte ich auf die schwarze, zähflüssige Masse, die sich auf dem Boden ausbreitete. Nichts war von dem Gespenst mit der Laterne übrig und vor mir offenbarte sich dessen wahre Gestalt. Der Seelenfresser verendete vor meinen Füßen.
Lange starrte ich auf den toten Körper. Unfähig zu realisieren, was ich sah und unfähig mir darüber Gedanken zu machen, was ich getan hatte.
Ein Seelenfresser. Die Monster dieser Welt.
Verkleidet als Geister und als freundliche Helfer beim Abtransport der Seelen.
Ich spürte, wie meine Hände zitternd um die Sense griffen, um etwas Halt in dieser Welt zu finden, die um mich herum zusammenzubrechen schien.
Was ging hier vor? Welches Spiel wurde hier mit mir gespielt? Mit meiner Seele?
Hatte ich zu Lebzeiten nicht genug gelitten? War ich nicht genug betrogen und verraten worden?
Das Atmen fiel mir schwer und ich versuchte stoßweise genügend Luft in meine toten Lungen zu pressen, obwohl auch das vermutlich nur eine Illusion dieser dunklen Welt war.
Ich wurde aus meiner Erstarrung geschreckt, als das Display vor meinem Auge verdunkelte. Es schaltete sich ab!
Erschrocken drückte ich den On-Button. Vergeblich. Das Display blieb dunkel.
Langsam ließ ich mich auf den Straßenrand sinken und starrte auf das Chaos um mich, die Rettungssanitäter, die versuchten, die geholte Seele zu retten und die Schaulustigen, die sich darum scharten. Der dunkle Schleier bedeckte die Farbe ihrer Kleidung und ihrer bunten Regenschirme, während sich mein schwarzer Mantel langsam mit Wasser vollsog.
***
Betrug. Das war alles, was ich denken konnte. Eine Farce. Ein Spiel! Betrug!
Was war ich?
Wer war ich?
Was tat ich hier?
Tief atmete ich durch und strich mir den Regen aus dem Gesicht, während ich mich zur Ruhe ermahnte. Eines nach dem anderen, Rachel, sagte ich zu mir selbst. Es war vielleicht nicht die klügste Idee gewesen, einen dieser Geister mit der Sense anzutippen, aber offenbar notwendig, um mich aus diesem falschen Spiel aufzuwecken.
Die Geister waren nichts anderes als Seelenfresser. Aber was sollte dann das Theater?
Ratlos saß ich inmitten der belebten Straße, während die Zeit still zu stehen schien.
Mein Display blieb dunkel und meine Gedanken wirr.
Nichts ergab einen Sinn in diesem Chaos. Und nichts geschah.
Meine Handlung mochte durchaus ein wenig übertrieben gewesen sein, aber ich konnte meine neu aufkeimenden Emotionen dafür verantwortlich machen. Es war nicht meine Schuld, dass diese Wut plötzlich da war. Es war auch nicht meine Schuld, dass hier alles aus den Fugen geriet – irgendwer hatte geschlampt und ich musste das nun ausbaden.
Irgendwann tat mir der Körper vom Sitzen weh und ich erhob mich. Langsam schlenderte ich durch die Straßen der Stadt.
Ohne mein Display und ohne einen nächsten Auftrag war ich völlig auf mich gestellt. Was sollte ich tun?
Man hatte mir meine Aufgabe entzogen.
Panik machte sich in mir breit.
Was, wenn ich nun für immer hier festsaß? Ohne Aufgabe und ohne Ziel?
Bis in alle Ewigkeit in diesem Gewirr aus Schatten und Licht mit der großen Frage, was hier los war. Ohne jemals eine Antwort zu finden.
Der Gedanke war schrecklich und brachte mich an den Rand eines Zusammenbruchs.
Ein seltsames Gefühl.
Angst.
Aber die Angst hielt sich hartnäckig und in mir wuchs die Panik nach dem, was ich hatte vergessen wollen und dem Gefühl, das ich geglaubt hatte, hinter mir zu lassen.
Allein in der Dunkelheit mit nichts weiter als meinen düsteren Gedanken – gefangen in einem endlosen Strudel aus Emotionen und Einsamkeit.
Alles wiederholte sich.
Nur diesmal gab es keinen Ausweg.
Fukurō schuhte leise und drückte sich an meine Wange. Ich schloss für einen Moment die Augen und genoss die Zuwendung. Es erfüllte mich mit Wärme, die ich nun mehr als gebrauchen konnte.
Ziellos wanderte ich durch die dunklen Straßen dieser Schattenwelt mit einem klaren Blick auf die Menschen, die auf der anderen Seite des Schleiers ihr Leben lebten.
Ich sah Pärchen, die sich unter den blühenden Kirschbäumen Reisbällchen teilten und Familien beim Picknick.
Ich empfand Wut.
Wut auf das Leben.
Sie alle würden lernen, was es ihnen brachte. Einsamkeit.
Ich musterte Fukurō. »Am Ende sind wir doch allein«, murmelte ich verbittert.
Das war nach dem Tod nicht anders.
Ich ertappte mich dabei, mich zu fragen, wo Ryu wohl gerade war.
Die Sehnsucht nach Kontakt war umso größer, jetzt da diese trostlose Tatenlosigkeit überhand nahm.
Ich hatte nichts zu tun und viel zu viel Zeit, mich zu sorgen.
Schlimmer noch, ich hatte Zeit, mir über mein Leben Gedanken zu machen.
Die Zeit, als ich noch unter diesen Menschen auf der anderen Seite weilte.
Ich verlor mich in Gedanken und schreckte erst auf, als ich in einer kleinen Gasse in einem Wohnviertel etwas außerhalb von Tokio stand.
Das Tor in der niedrigen Mauer war geschlossen, dahinter blühten einige Blumen im Garten und zwei Stufen führten zur Eingangstür mit der Holzterrasse davor.
Zitternd öffnete ich das Tor und es quietschte leise. Das Geräusch hallte durch die drückende Stille meiner Welt und schmerzte fast in den Ohren.
Langsam ging ich die Stufen zur Tür hinauf und öffnete sie. Eine einfache Schiebetür, zwar verschlossen für sterbliche Eindringlinge, aber für die Shinigami stets geöffnet.
Der Gang dahinter war leer bis auf die kleine Kommode mit dem Fach für die Schlüssel. Die Tür direkt neben dem Eingang führte ins Wohnzimmer. Dieses Haus war mir so vertraut und es schmerzte und dieser Schmerz schien alles Irdische bei Weitem zu übersteigen, als würden die dunklen Schleier von Yomi alles Leid noch vervielfachen.
Langsam trat ich ins Wohnzimmer und blickte auf die gebückte Gestalt, die vor einem kleinen Altar kniete. Räucherstäbchen waren angezündet worden und erfüllten den Raum mit ihrem wohligen Geruch – ich konnte ihn hier nicht riechen, doch die Erinnerung daran war so klar, als könnte ich sie erneut erleben.
Daneben standen zwei Bilderrahmen mit einem schwarzen Band über der rechten Ecke. Auf dem einen Bild war meine Mutter zu sehen. Auf dem anderen ich selbst.
Ich trug einen blauen Kimono mit rosafarbenen Blütenblättern und grinste breit. Meine Augen wirkten trotz allem leer auf dem Bild.
Selbst für dieses Foto hatte ich nicht die Kraft aufbringen können, ehrlich zu lächeln.
