Schachnovelle - Stefan Zweig - E-Book + Hörbuch

Schachnovelle E-Book und Hörbuch

Stefan Zweig

4,9

Beschreibung

Auf einer Schiffsreise fordert der Ölmagnat McConnor den fast roboterhaft unfehlbar spielenden Schwachweltmeister Mirko Czentovic zu einer Partie heraus. Nachdem das erste Spiel wie erwartet verloren gegeben werden muss, tritt ein mysteriöser Fremder aus der Menge der Zuschauer und bietet seine Hilfe an. Gegen alle Erwartungen gelingt es dem geheimnisvollen Dr. B. das Blatt zu wenden und Czentovic ein Remis abzutrotzen. Soweit die Handlung. Doch die Novelle erzählt mehr, als nur die Geschichte einer unwahrscheinlichen und spannenden Schachpartie. Stefan Zweig schuf einen bewegenden und allegorischen Versuch über zwei konkurrierende Weltanschauungen, über Faschismus und Individualismus, eine Charakterstudie über den schmalen Grad zwischen Wahnsinn und intellektueller Selbstermächtigung. Heute gilt die Schachnovelle als eines der meistgelesenen Bücher der deutschen Literatur, und darüber hinaus als Stefan Zweigs literarischer Abschiedsbrief. Außerdem enthalten: die Novelle in Briefform Brief einer Unbekannten über eine anonyme und unerwiderte Liebe und Der Amokläufer.

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Seitenzahl: 263

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Zeit:2 Std. 25 min

Sprecher:Sven Görtz

Beliebtheit




Stefan Zweig

SchachnovelleBrief einer UnbekanntenDer Amokläufer

STEFAN ZWEIG

wurde 1881 in Wien geboren und studierte ebenda Philosophie. In dieser Zeit begann er mit ersten literarischen Arbeiten. Es folgten zahlreiche Reisen um die Welt. Während er nach dem Ersten Weltkrieg im Kriegsarchiv tätig war, wurde er Pazifist. 1933 wurden seine Bücher verbrannt, 1934 emigrierte er nach London, um 1941 mit seiner zweiten Frau Lotte Altmann über New York nach Südamerika auszuwandern. 1942 beging er in Petrópolis, Brasilien, gemeinsam mit seiner Ehefrau Selbstmord.

Zum Buch

Schachweltmeister Czentovic wird während einer Schiffsreise von einem ehrgeizigen Ölmagnat zu einer Partie Schach herausgefordert. Czentovic gewinnt überlegen. Während der Revanche tritt ein geheimnisvoller Unbekannter auf und gibt der Partie eine ungewöhnliche Wendung. Dabei bleibt es nicht: Herausgefordert zu einer weiteren Partie gegen das Schachgenie treten nach und nach die charakterlichen Abgründe des fremden Dr. B. zu Tage …

Ein Passagierdampfer fährt von New York nach Buenos Aires. An Bord befindet sich der amtierende Schachweltmeister Mirko Czentovic. Ein österreichischer Emigrant möchte unbedingt Kontakt zu ihm aufnehmen. Damit ist er nicht allein: Der Ölmagnat McConnor fordert das Schachgenie zu einer Partie heraus. McConnor verliert. Doch die Revanche entwickelt sich anders als gedacht: Der mysteriöse Dr. B. greift in die Partie ein, sie endet im Remis. Czentovic fordert nun seinerseits den Unbekannten heraus. Es entwickelt sich eine spannende Partie, in der sich nicht nur zwei unterschiedliche Spielphilosophien offenbaren. Dr. B. verhält sich immer merkwürdiger. Schuld sei eine »Schachvergiftung«, unter der er einst gelitten habe. Flammt die Krankheit auf dem Schiff erneut auf?

»Was ich am meisten an ihm bewunderte, war die Gabe, historische Epochen und Gestalten psychologisch und künstlerisch lebendig zu machen.« Thomas Mann

Stefan Zweig

SchachnovelleBrief einer UnbekanntenDer Amokläufer

Bibliografische Information der Deutschen NationalbibliothekDie Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in derDeutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sindim Internet überhttps://dnb.d-nb.de abrufbar.

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Alle Rechte vorbehalten

Copyright © by marixverlag GmbH, Wiesbaden 2014Der Text basiert auf der Ausgabe marixverlag, Wiesbaden 2014Der Text folgt dem Originaltyposkript.Covergestaltung: Nicole Ehlers, marixverlag GmbHBildnachweis: 123 RF, NidderaueBook-Bearbeitung: Bookwire GmbH, Frankfurt am Main

ISBN: 978-3-8438-0429-5

www.marixverlag.de

INHALT

Schachnovelle

Brief einer Unbekannten

Der Amokläufer

SCHACHNOVELLE

Auf dem großen Passagierdampfer, der um Mitternacht von New York nach Buenos Aires abgehen sollte, herrschte die übliche Geschäftigkeit und Bewegung der letzten Stunde. Gäste vom Land drängten durcheinander, um ihren Freunden das Geleit zu geben, Telegraphenboys mit schiefen Mützen schossen Namen ausrufend durch die Gesellschaftsräume, Koffer und Blumen wurden geschleppt, Kinder liefen neugierig treppauf und treppab, während das Orchester unerschütterlich zur Deck-show spielte. Ich stand im Gespräch mit einem Bekannten etwas abseits von diesem Getümmel auf dem Promenadendeck, als neben uns zwei- oder dreimal Blitzlicht scharf aufsprühte – anscheinend war irgendein Prominenter knapp vor der Abfahrt noch rasch von Reportern interviewt und photographiert worden. Mein Freund blickte hin und lächelte. »Sie haben da einen raren Vogel an Bord, den Czentovic.« Und da ich offenbar ein ziemlich verständnisloses Gesicht zu dieser Mitteilung machte, fügte er erklärend bei: »Mirko Czentovic, der Weltschachmeister. Er hat ganz Amerika von Ost nach West mit Turnierspielen abgeklappert und fährt jetzt zu neuen Triumphen nach Argentinien.«

In der Tat erinnerte ich mich nun dieses jungen Weltmeisters und sogar einiger Einzelheiten im Zusammenhang mit seiner raketenhaften Karriere; mein Freund, ein aufmerksamerer Zeitungsleser als ich, konnte sie mit einer ganzen Reihe von Anekdoten ergänzen. Czentovic hatte sich vor etwa einem Jahr mit einem Schlage neben die bewährtesten Altmeister der Schachkunst, wie Aljechin, Capablanca, Tartakower, Lasker, Bogoljubow, gestellt; seit dem Auftreten des siebenjährigen Wunderkindes Rzecewski bei dem Schachturnier 1922 in New York hatte noch nie der Einbruch eines völlig Unbekannten in die ruhmreiche Gilde derart allgemeines Aufsehen erregt. Denn Czentovics intellektuelle Eigenschaften schienen ihm keineswegs solch eine blendende Karriere von vornherein zu weissagen. Bald sickerte das Geheimnis durch, daß dieser Schachmeister in seinem Privatleben außerstande war, in irgendeiner Sprache einen Satz ohne orthographischen Fehler zu schreiben, und wie einer seiner verärgerten Kollegen ingrimmig spottete, »seine Unbildung war auf allen Gebieten gleich universell«. Sohn eines blutarmen südslawischen Donauschiffers, dessen winzige Barke eines Nachts von einem Getreidedampfer überrannt wurde, war der damals Zwölfjährige nach dem Tode seines Vaters vom Pfarrer des abgelegenen Ortes aus Mitleid aufgenommen worden, und der gute Pater bemühte sich redlich, durch häusliche Nachhilfe wettzumachen, was das maulfaule, dumpfe, breitstirnige Kind in der Dorfschule nicht zu erlernen vermochte.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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