Schade, tot - AeNNiE Rupp - E-Book

Schade, tot E-Book

Aennie Rupp

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Beschreibung

Es gibt Dates, die sind zum Davonlaufen und dann gibt es da noch die Treffen mit Rolf, einem typischen Durchschnittskerl und Bürohengst. Bei ihm ergreifen die Damen nicht die Flucht, sie sterben. Warum? Das gilt es für ihn herauszufinden. Per Zufall trifft er dabei auf Amanda Meier, eine ambitionierte Polizistin, die nur darauf wartet, endlich als die gute Ermittlerin anerkannt zu werden, die sie ist. Gemeinsam recherchieren sie auf eigene Faust, was es mit den Morden auf sich hat und wer die Frauen auf dem Gewissen hat, denn Rolf ist sich sicher: Er ist unschuldig. Allerdings sprechen alle Beweise eindeutig gegen ihn.

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Seitenzahl: 392

Veröffentlichungsjahr: 2014

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AeNNiE Rupp

Schade, tot

Eifelkrimi

 

 

 

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Inhaltsverzeichnis

Titel

Text: © Copyright by Anna M. Rupp.2015.

Widmung

Vorwort

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Kapitel 14

Kapitel 15

Kapitel 16

Kapitel 17

Kapitel 18

Kapitel 19

Kapitel 20

Kapitel 21

Kapitel 22

Kapitel 23

Kapitel 24

Kapitel 25

Kapitel 26

Kapitel 27

Kapitel 28

Kapitel 29

Kapitel 30

Kapitel 31

Kapitel 32

Kapitel 33

Kapitel 34

Kapitel 35

Impressum neobooks

Text: © Copyright by Anna M. Rupp.2015.

[email protected]

Alle Rechte vorbehalten.

Tag der Veröffentlichung: 01.10.2014

2. Auflage

Lektorat: Peter Rupp, Andrea Koch

ISBN 978-1-291-78467-1

„Wer als Kind Liebe erfahren hat,

der wird sie ewig spüren.

Wem die Liebe verwehrt geblieben war,

der wird sie niemals finden.“

17. März 2014

Widmung

Auch dieses Buch möchte ich in erster Linie meiner Familie widmen. Wie haltet ihr es nur aus, wenn ich während der Überarbeitung so unausstehlich bin! Ihr seid einfach toll!

Ebenfalls meinen Dank aussprechen möchte ich meinen Freunden für die viele Hilfe und den Zuspruch!

Großes Dankeschön auch an die Leute aus dem Chat, die mich mit ihren Stories unterhalten und inspirieren, allen voran „Momo“!

Danke!!!

Vorwort

Na, kennen Sie das Gefühl, wenn Sie sich lange auf ein Date gefreut haben, Sie in zahlreichen Gesprächen lange darauf hin gearbeitet haben, dass es zu einem Treffen kommt und Sie die Tage bis dahin damit verbringen sich Gedanken darüber zu machen, wo es hingehen soll, was Sie anziehen könnten, wie Sie sich am besten benehmen, ob Sie die Rechnung beim ersten Date übernehmen sollen, wann der beste Zeitpunkt zum Anrufen ist und und und. Dann endlich kommt der große Tag des ersten Dates und Ihre Verabredung läuft Ihnen davon? Nein? Aber Sie haben eine grobe Vorstellung davon, wie man sich in einer derartigen Situation als sitzen Gelassener fühlt? Dann können Sie sich wohl auch vorstellen wie es für mich sein muss nach meinen ersten Treffen, denn mir laufen die Frauen nicht davon, sie sterben. Einfach so. Aus scheinbar heiterem Himmel. Bumm – tot. Warum? Gute Frage, aber ich kann sie leider nicht beantworten, denn ich weiß es selbst nicht. Ich kann jedenfalls versichern, dass ich da nicht meine Finger im Spiel hatte, ich bin kein Mörder. Und ich bin auch nicht so hässlich, dass man lieber sofort tot umfällt, als mich noch einmal ansehen zu müssen. Auch die Treffen mit mir waren niemals sterbenslangweilig. Zumindest machte es bei den vielen anregenden Gesprächen nie den Eindruck, als würde ich die Frauen zu Tode langweilen.

Woher ich weiß, dass das Sterben der Frauen nicht durch mich oder meine Art verschuldet ist? Ich bin einfach nicht der Typ dafür. Mir macht Gewalt keinen Spaß, auch nicht die bloße Vorstellung davon oder all die Ballerspiele, die als Grund für die Amokläufe herhalten müssen. Ich lehne jede Form von Gewalt ab, ja selbst Fliegen haue ich nicht an den Scheiben platt und kratze ihre blutigen Überreste vom Fenster. Dann fange ich sie lieber in einem Glas ein und lasse sie draußen wieder frei. Oder ich überlasse sie ihrem Schicksal und gewähre ihnen, in meiner Behausung umher zu schwirren, bis sie die Freiheit von selbst finden oder dahin scheiden. So einer bin ich. Ein friedfertiger Mensch, der auch noch nie Gewalt zu spüren bekommen hat, weil ich einfach zu unscheinbar bin für die meisten Menschen. Nicht einmal wichtig genug, um gedemütigt und gepeinigt zu werden. Stattdessen werde ich einfach kurz angelächelt und dann ignoriert. Als sei ich gar nicht existent. Aber das macht mir nichts aus. Solange man mir nichts tut, habe ich meine Ruhe und ich liebe Ruhe. Braucht man aber einmal meine Hilfe, bin ich sofort da. Eben der nette Kerl von nebenan, wenn man so will. Einer, der gern die Pakete der Nachbarn annimmt, wenn sie nicht da sind, der die Blumen gießt, wenn jemand in den Urlaub gefahren ist. Dabei kann man sich sicher sein, dass ich nicht einfach irgendwelche Schubladen öffne, in privaten Dingen herum schnüffle oder sonst in irgendeiner Weise die Situation ausnutzen würde.

Jetzt wissen Sie, wie ich bin und können mir glauben, ich bin bestimmt kein brutaler Killer. Wer ich bin? Habe ich mich noch nicht vorgestellt? Mein Name ist Rolf. Rolf Mein. Mein wie Dein. M – E - I – N.

Wenn Sie es ganz genau wissen wollen, ich heiße mit vollem Namen Rolf Rodrigez Gerd Mein und bin 32 Jahre jung. Kein wirklich origineller Name, ich weiß, aber ich hatte damals leider nicht so viel Mitspracherecht. Den Zweitnamen habe ich übrigens meiner Mutter zu verdanken, die ein großer Spanien - Fan war, Land und Leute liebte und ich vermute, sie hatte eine Affäre mit einem Kerl, der diesen Namen trug - Rodrigez. Genau gewusst habe ich es allerdings nie. Sie hat das Geheimnis um meinen Zweitnamen mit ins Grab genommen und mich im Glauben lassen wollen, aus mir solle eines Tages ein heißer Latino werden, ein Frauenheld, was sich mit meinen beiden übrigen Vornamen aber dann doch eher schwierig gestaltet.

Gerd heiße ich, weil dieser Name in der Familie meines Vaters Tradition hat. Auch er heißt so, ebenso sein Vater und dessen Vater. Wie weit dieser scheußliche Name nun im Stammbaum zurück reicht, weiß ich nicht. Und Rolf? Naja, ein Allerweltsname und er passt zu mir. Nicht sonderlich spektakulär, nicht außergewöhnlich attraktiv und ebenso schnell wieder aus dem Gedächtnis zu löschen wie sich ihn einzuprägen. Aber wie gesagt, es sind nur Namen.

Meine Hobbys sind Spaziergänge im Park, Kino – ich mag Liebeskomödien -, ab und an gehe ich auch mal angeln und regelmäßig ins Fitnessstudio. Ich habe eine große Schwäche für Pralinen, weshalb man mir nicht ansieht, dass ich viel trainiere, und liebe gutes Essen. Meine Lieblingsfarbe ist braun. Ein helles unauffälliges braun oder beige. Ich bin nicht kleinkariert mit Seitenscheitel und Bundfaltenhose. Nein, ich bin der Jeanstyp und trage seit Jahr und Tag meine alte braune Lederjacke. Mein Markenzeichen -könnte man sagen- ist mein Hut. Ohne Kopfbedeckung gehe ich nicht aus dem Haus – niemals!

Sie wollen mehr wissen? Was könnte ich Ihnen noch erzählen, ohne Sie gleich zu langweilen? Ich bin nicht sonderlich groß, auch nicht übermäßig gebildet mit Doktortitel oder Professur, aber habe das Herz am rechten Fleck, wie man so schön sagt, stehe mit beiden Beinen fest im Leben und pflege einen geordneten Tagesablauf. So. Jetzt kennen Sie meinen Standardtext, den ich in Chatportalen und beim Speed - Dating benutze. Die einzige Möglichkeit für mich, überhaupt mit Frauen ins Gespräch zu kommen ohne gleich auf die Ignorierliste gesetzt zu werden.

Wenn ich mich beschreiben müsste, würde ich wohl sagen, ich bin der klassische Bürotyp, nicht der Hengst, eher der Maulesel. Groß, kräftig und belastbar, aber weder äußerlich noch charakterlich erwähnenswert attraktiv. Eben kein Charmeur, der Frauen mit einem umwerfenden Erscheinungsbild und Gesäusel in die Federn bekommt. Eher der, den sich alle Frauen sehnlichst wünschen und mich dann doch lieber gegen den Chauvi eintauschen, nur um dann jammern zu können, dass sie lieber einen Mann mit Herz statt mit Muskeln hätten. Ja, Frauen wollen keine netten Kerle, zumindest nicht als festen Freund, nur als besten. Dabei bin ich mit Sicherheit einer der Männer, der zwar nicht der Traum aller Schwiegermütter ist, aber – und jetzt folgt ein großes ABER – mit mir macht man auch nichts falsch, würde wohl jede Mutter über mich sagen. Wenn dieser Missstand mit dem Sterben wäre...

Kapitel 1

Es war mein achtundzwanzigster Geburtstag, als die ganze Misere ihren Lauf nahm. Ich hatte ein paar Freunde und meinen Vater in ein hübsches Café zu Kuchen eingeladen, um ein bisschen den Tag meiner Geburt in kleiner Runde zu feiern. Da mein Geburtstag auf den 29. Februar fällt, können Sie sich sicherlich denken, dass Grillabende und Gartenpartys unvorstellbar für meine Feier sind. Was ich angesichts der Tatsache, wie solche Abende meistens verlaufen, auch nicht weiter tragisch fand. Ich kann mir Besseres vorstellen, als irgendwann umgeben von Besoffenen zu sein, die den besonderen Tag, meinen Geburtstag, nur noch mit lautem Gegröle und Herumgemache zu würdigen wissen. So habe ich mich eben für ein hübsches kleines Café entschieden.

Mein Vater erschien an jenem Tag mit seiner neuen Lebensgefährtin, der fünften, seitdem meine Mutter vor zwei Jahren verstorben war. Und auch mein bester Freund und Arbeitskollege Eddy – der eigentlich Edgar hieß – kam in Begleitung einer hübschen, vollbusigen Brünetten. Frauen wie sie waren allem Anschein nach der Lohn für stahlharte Muskeln und makellose, weiße Zähne, denn Eddy war nie mit einer weiblichen Begleitung erschienen, die nicht die perfekten Maße hatte.

Zu guter Letzt kam noch Maria zur großen Sause. Sie kam allein, was niemanden verwunderte, denn ihr Äußeres gepaart mit ihrer ehrlichen, groben und direkten Art machte vielen Männern (und Frauen) mächtig Angst. Aber genau deshalb mochte ich sie. Sie war der Kerl, der ich immer sein wollte. Sie war so etwas wie mein eigenes Ich in einem Paralleluniversum, wenn es denn eins gab.

Der Nachmittag im engen Kreis war ... nett. Die Frauen verschlangen ein Tortenstück nach dem anderen und schwärmten mit sahneverschmierten Mündern davon, wie traumhaft doch das Gebäck schmecke und wie viel Sport sie die nächsten Tage machen müssten, um die Kalorien wieder loszuwerden. Dann kicherten sie und schoben sich die nächste volle Gabel in den Mund. Maria hingegen blieb bei Kaffee und Kalorien zählte sie auch nicht, was sie in meinen Augen noch sympathischer machte, obwohl das eine oder andere Gramm mehr an ihrem Körper sicherlich nicht schlecht ausgesehen hätte.

Die Geschenke in jenem Jahr waren die Gleichen wie immer, allesamt bezogen auf mein Singledasein. Es mutierte mit der Zeit zum Running Gag, dass ich noch nie eine wirkliche Freundin hatte, noch nie zum “Schuss” gekommen war. Aber um ganz ehrlich zu sein, mir stand auch nie der Sinn danach. Ich mochte Frauen und ich hätte gern eine Freundin gehabt, aber ich war dem weiblichen Geschlecht einfach nicht attraktiv genug und ich konnte es ihnen auch wahrlich nicht verübeln, dass keine von ihnen mehr wollte als bloße Freundschaft. Darum habe ich mich nicht nur mit der Rolle des Kumpels abgefunden, ich habe mich mit ihr angefreundet und muss sagen, dass es Vieles leichter macht zwischen Männern und Frauen, wenn keine Gefühle mit im Spiel sind, zumindest trifft diese Erkenntnis auf mich zu.

Ich war immer überzeugt davon, eines Tages würde ich der Richtigen schon begegnen und sie wäre dankbar dafür, dass ich vor ihr nicht schon mit 30 anderen im Bett war. Meine Gäste allerdings sahen das ganz anders. Sie, vor allem Eddy und mein Vater, zogen mich vor allen Leuten damit auf, dass ich mit meiner Ideologie klingen würde wie ein kleines Mädchen. Man müsse endlich mal einen richtigen Kerl aus mir machen, Maria wäre dafür doch die perfekte Braut! Immerhin hatte sie allem Anschein nach die dicken Eier in der Hose, die mir ohne Zweifel fehlten. Haha.

Ich ließ alle noch ein wenig witzeln, bis ich die Rechnung schließlich bezahlte, die Gummipuppe und den Sexratgeber für Selbstanleger unter den Arm klemmte (wirklich sehr originelle Geschenke), mich verabschiedete und den Heimweg antrat. Die anderen blieben noch an ihren Tischen sitzen und man konnte ihr Gelächter bis nach draußen hören, was mich nicht weiter kümmerte, ich war für den Tag mehr als bedient.

Wie ich mich an jenem Tag fühlte, brauche ich hier wohl nicht weiter erläutern. Ich freute mich einfach nur noch auf meine kleine Kellerwohnung und einen gemütlichen Fernsehabend – allein. Doch daraus wurde nichts, denn Maria kam rufend und keuchend hinter mir her gerannt. „Warte! Bleib doch mal stehen!”, rief sie und holte mich schließlich völlig außer Atem ein. „Warte, du hast doch MEIN Geschenk noch gar nicht bekommen!” Ich sah sie an und wusste nicht, was genau ich jetzt erwarten sollte. Einen Ratgeber, wie man am effektivsten gegen Regelschmerzen vorgeht? Einen BH? Nein, den bekam ich im vorigen Jahr schon von Eddy. Er wusste damals nicht mehr, welcher Frau er gehörte, da hat er ihn einfach mir mitgebracht, um zu zeigen “Hier, ich habe auch eine aufgerissen” oder zum selbst anziehen. Die Optionen hat er mir gnädigerweise frei überlassen.

Ich stand also da und wartete auf Marias Präsent. Aber sie zog nichts aus ihrer Tasche, sondern lächelte. „Ich will dir helfen”, sagte sie. „Ich will dich dabei unterstützen, dein erstes Date zu bekommen. Was hältst du davon?” Ich zuckte mit den Schultern, denn ich wusste nicht genau, was ich dazu sagen sollte. Dass es vergebene Müh war? Dass sie ihre Zeit sicher besser nutzen könnte? Dass sie selbst keine Beziehung hat und ich ihre Ratschläge deshalb nur bedingt ernst nehmen können würde? Ich sagte einfach nur „Okay” und fragte, wann wir mit dem großen Projekt beginnen sollten. Sie grinste freudig und ihre Antwort war mir irgendwie schon im Vorfeld klar: „Jetzt!”

Es würde also nichts werden aus meinem Vorhaben, einen ruhigen Abend in aller Einsamkeit zu verbringen. Stattdessen begann Maria sofort nach Betreten meiner Wohnung alles umzuräumen, die Lampen neu auszurichten und zu dekorieren. Sie hatte sogar Pflanzen mitgebracht, keine echten, aber sie sagte, auf Fotos würde das keiner sehen. Sie wühlte in meinem Kleiderschrank herum, fand aber wohl nichts Ansprechendes, denn sie ging zurück zu ihrer monströsen Handtasche und warf mir ein paar Pullover hin. „Hier, zieh mal einen von denen an!”, befahl sie und winkte mich ab zum Bad. Als ich die Tür hinter mir schloss, rief sie noch: „Und mach dir die Haare!”

Ich stand vorm Spiegel und betrachtete mich. Strubbelige blonde Haare und ein leichter Bartansatz. Mit einem Kleks Gel versuchte ich alle Schönheit aus mir heraus zu holen, die möglich war, aber das Ergebnis machte kaum einen Unterschied zu vorher. Es sah jetzt nur etwas nasser aus als sonst.

Als ich das Wohnzimmer wieder betrat, erkannte ich es kaum wieder. Es sah alles ganz anders aus. Aufgeräumter, wohnlicher. Mir gefiel es sogar, obwohl ich es eigentlich nicht mochte, wenn sich jemand an meinen Sachen zu schaffen machte, aber Maria war da die große Ausnahme.

Sie hielt eine Kamera in der Hand und kam auf mich zu. Sie zubbelte an einigen Strähnen, zog den Pullover zurecht und betrachtete mich eingehend. „Nichts, das man mit Photoshop nicht hinbekäme.”, nuschelte sie und wich einen Schritt zurück. „Okay, setz dich auf den Sessel und sieh zum Fernseher.”, forderte sie mich auf. Ehrlich gesagt wusste ich nicht so recht, was das sollte, der Fernseher war aus, aber ich tat wie mir geheißen. Vor dem Sessel stand ein kleiner Tisch, auf dem ein aufgeschlagenes Buch lag und heißes Wasser dampfte aus einer Tasse. Ich nahm Platz. „Die Brille muss noch ab!”, dirigierte Maria hinter ihrer Kamera. „Leg sie am besten neben das Buch und lehn dich nach vorn, als würdest du gleich nach einer der Sachen auf dem Tisch greifen wollen.“ Eigentlich war mir dieses ganze Getue zu blöd, aber ich machte es einfach – Maria zuliebe. Sie würde schon wissen, was sie da tat, hoffte ich zumindest.

Mein Blick war auf die Uhr gerichtet. Die Sendung, die ich unbedingt sehen wollte, hatte vor sechs Minuten und 23 Sekunden begonnen. Noch weitere vier Minuten und 16 Sekunden bis zur ersten Werbeunterbrechung. Und ich saß hier und musste den Genuss eines leckeren Heißgetränks simulieren.

Schließlich war Maria fertig. „Perfekt!”, sagte sie und legte die Kamera auf meinen Schreibtisch. „Kann ich jetzt aufstehen?”, fragte ich vorsichtig und sie nickte bloß eifrig, während sie die Speicherkarte in meinen Laptop steckte. Dann zog sie einen Zettel aus ihrer Hosentasche und begann zu tippen. Ich stellte mich neugierig neben sie. Was hatte Maria nur wieder vor? Allmählich dämmerte es mir und ich war mir nicht sicher, was ich davon halten sollte. Insgeheim hatte ich gehofft, ihr Geschenk würde nichts mit meiner Lebenssituation zu tun haben, aber da lag ich falsch. Sie wollte mich auf diversen Singleportalen im Internet anmelden und offenbarte mir, dass sie mich bereits für das nächste Speed- Dating in ihrer Lieblingsbar angemeldet hätte. Da wären überwiegend Leute anzutreffen, die keine Tabus kennen und ich mit meiner männlichen Unschuld wäre sicher ein gefundenes Fressen für die dort anwesenden Frauen, davon war Maria überzeugt. Naja, gut. Bis zur nächsten Woche konnte ich es mir ja noch überlegen, ob ich wirklich als Frischfleisch von gierigen Nymphomaninnen verzehrt werden wollte. Aber meine Sendung lief und die wollte ich mir ansehen. Die Datingseiten waren morgen sicherlich auch noch da. Also vertröstete ich Maria auf ein anderes Mal, sagte, ich sei müde und müsse morgen wieder früh raus. Sie nickte, wusste genau, dass ich mich völlig überrumpelt fühlte von ihrer Aktion und sagte, sie würde die Speicherkarte und die Liste einfach hier lassen. Ich könne ihr die Karte am Montag einfach wieder mit zur Arbeit bringen. Der Pulli, meinte sie noch im Rausgehen, sei ebenfalls ihr Geschenk an mich. „Ich wusste, er würde dir gefallen!” Dann stieg sie die Kellertreppe hinauf und verschwand nach draußen.

Endlich konnte ich den Abend genießen und schaltete den Fernseher an. Aber immer wieder schielte ich herüber zum Schreibtisch. Wie die Bilder wohl aussahen, die sie von mir gemacht hatte? Und was das genau für Seiten waren, von denen Maria glaubte, sie könnten mir gefallen? Ich war einfach zu neugierig! Den Anfang meiner Sendung hatte ich ohnehin verpasst und so würde es nur wenig Sinn machen zu versuchen, jetzt noch in den Handlungsablauf reinzukommen. Also ging ich an meinen Laptop und öffnete den Ordner mit den Bildern. Maria hatte Talent, das musste man sagen. Auf den meisten Fotos sah ich überraschenderweise ganz akzeptabel aus und das sogar ohne digitale Nachbearbeitung. Genauso wie der nette Kerl, der ich war, nur attraktiver als im realen Leben.

Fotos sind weniger unscheinbar, als würde man mir auf der Straße begegnen, man betrachtete sie genauer, bevor man sich entschloss, dass es keinen weiteren Blick wert war. Das ist im wirklichen Leben anders, man sieht jemanden an, beschließt, er sieht scheiße aus und geht. Beim Betrachten von Bildern macht man sich wenigstens die Mühe, genauer hinzusehen, etwas hineinzuinterpretieren und sich zu fragen, welche Geschichte wohl hinter dem interessanten Gesicht steckt.

Genau das ist wohl auch der Knackpunkt. Begegnet man jemandem auf der Straße, ist es die Optik, die zählt. Sieht man hingegen eine Person auf Fotos, kommt es einzig und allein auf die Wirkung an. Ich könnte also online durchaus Erfolg bei Frauen haben, vorausgesetzt, ich würde auf eine Frau treffen, die ganz offensichtlich Interesse daran hat, auf eine Art Forschungstour zu gehen!

Ich suchte im Internet nach den Datingportalen, die auf Marias Liste standen. Zuerst die kostenlosen, denn so verzweifelt war ich nicht, für die Suche nach der passenden Frau Unmengen an Geld auszugeben, zumindest noch nicht. Gleich bei der ersten Seite meldete ich mich an, denn sie schien seriös zu sein und ja, ich war sogar ein wenig aufgeregt, was mich dort erwarten würde. Anstürme interessierter Damen, die mich treffen wollen, viele anregende Gespräche und prickelnde Treffen. Die Seite versprach wirklich viel! Aber der Anfang war alles andere als leicht. „Geben Sie einen Namen ein” Gut, dachte ich und tippte „Rolf”. Sofort erschien mit lautem ´Pling´ die Fehlermeldung „Der von Ihnen gewählte Name ist zu kurz”. Ich setzte mich. Das würde wohl doch etwas länger dauern.

Nach kurzer Überlegung tippte ich erneut. „Rolf der Wolf”. Das passte. Und es reimte sich. Darüber hinaus klang mein Name mit diesem Anhängsel nur noch halb so dämlich. Weiter ging es. Die Eintragung der persönlichen Daten ging fix. Alter, Nichtraucher, Büroangestellter, auf der Suche nach fester Beziehung. „Geben Sie einen Profiltext ein” war das vorerst letzte Feld. Die Finger glitten von der Tastatur. Ich überlegte. Eigenwerbung war nie meine Stärke, aber ich brauchte einen guten Text, um überhaupt wahrgenommen zu werden, schließlich warb die Seite mit über 300.000 zufriedenen Singles. Na, so zufrieden konnten sie scheinbar nicht sein, sonst wären sie längst unter der Haube. Aber was sollte es. Ich brauchte einen Text und entschied mich schließlich für die unkonventionellste Form:

„Hallo und willkommen auf meinem Profil! Schön, dich hier begrüßen zu dürfen. Ich finde es immer sehr schwer, sich selbst zu beschreiben, aber ich will es gern einmal versuchen. Ich bin neu hier und auf der Suche nach netten Kontakten. Alles kann, nichts muss, sage ich immer. Wenn du also auf der Suche nach einem netten und bodenständigen Mann bist, der tiefgehende Gespräche pflegt und lange Spaziergänge in der Natur liebt, würde ich mich über eine Nachricht von dir sehr freuen!”

Natürlich prüfte ich noch einmal alles auf Grammatik und Rechtschreibung, bevor ich den Text zur Überprüfung einreichte, denn nichts ist peinlicher als ein Profil, das mit nichts als Fehlern glänzt. Und es sollte doch niemand denken, ich als Bürotyp sei zu dämlich, ein paar einfache Worte korrekt einzutippen.

Geschafft. Zu guter Letzt fehlte noch das passende Profilfoto, aber das war ein Leichtes, denn die Bilder von Maria waren allesamt super! Professionell und dennoch wirkten sie privat genug um nicht auszusehen, als habe ich extra einen Fotografen anheuern müssen, um mich in ein halbwegs annehmbares Licht rücken zu lassen.

Nun wurde mein Profil im letzten Schritt geprüft und endlich freigegeben. Ich konnte sofort loslegen und schreiben! Aber ich traute mich nicht. Lieber wartete ich erst einmal ab, ob sich von selbst etwas tun würde. Abgesehen davon hatte ich keine Ahnung, was ich hätte schreiben können. Ich war ja schon immer überfordert damit gewesen, die richtigen Worte zu finden, um jemanden anzusprechen. Beim Schreiben schien ich die gleichen Probleme zu haben.

Ich hoffte insgeheim, jemand würde sich auf mein Profil verirren, aber ich blieb skeptisch. Doch dann … Tatsächlich! Die erste Besucherin! Aber leider hinterließ sie keine Nachricht. Also beschloss ich, die Initiative zu ergreifen und schrieb nervös: „Hallo, wie geht es dir?” Nachdem ich auf „senden“ gedrückt hatte, atmete ich einmal kräftig aus. Mein Mut hatte mich gerade selbst überrascht. Aber dieses aufgeregte Gefühl, das sich in mir ausbreitete, war überwältigend. So konnte das Ganze hier gern weiter gehen!

Dann wartete ich ab. Nichts. Ich schrieb jede Frau an, die sich mein Profil ansah, aber keine von ihnen machte sich die Mühe, mir zu antworten. Dementsprechend schnell sank natürlich auch meine anfängliche Euphorie. Ich war wohl im Netz wie im realen Leben – nicht weiter der Rede wert. Schade, aber hatte ich ernsthaft etwas anderes erwartet?

Auch nach meinem zehnten Versuch einer Konversation ergab sich rein gar nichts und so saß ich am Schreibtisch, den Kopf auf die linke Hand gestützt und betrachtete ein wenig frustriert den Bildschirm. Hin und wieder klickte ich auf einige Frauenprofile, schrieb aber nichts. Dann plötzlich riss mich ein ´Pling´ aus dem Loch, in das ich allmählich sank. Sofort schreckte ich hoch und sah nach, was das Geräusch zu bedeuten hatte. Haha, man mag es nicht glauben, aber ich hatte soeben meine erste Nachricht erhalten. Von ´Dreamgirl´.

Sie schrieb: „Hallo einsamer Wolf, schönes Foto :)” Ich klickte sofort auf „Antwort schreiben“ und legte los: „Vielen Dank, Dreamgirl, du scheinst auch eine sehr hübsche Frau zu sein. Wie geht es dir?”

Der Anfang war damit getan und es lief. Zumindest mit ihr. Zugegeben, sie war nicht wirklich hübsch und aus eigener Erfahrung wusste ich ja, wenn das Bild schon nicht viel her gab, würde einen die Realität nur noch weniger vom Hocker hauen. Aber wir schrieben uns und dass ich das eine oder andere Mal etwas flunkerte, brauchte sie ja nicht zu wissen.

Wir texteten noch bis spät in die Nacht, dann verabschiedete sie sich mit den Worten, wir sollten in den nächsten Tagen unbedingt noch einmal miteinander schreiben. Gehört habe ich von ihr seitdem nichts mehr.

Am nächsten Morgen rief ich gleich Maria an. Ich entschuldigte mich bei ihr, sie so unsanft hinaus geworfen zu haben und bedankte mich für die tollen Geschenke. Ganz aufgeregt erzählte ich ihr von ´Dreamgirl´ und welche intimen Details sie im Chat mit mir teilte.

„War bestimmt ein Kerl”, entgegnete Maria schroff. „Spinner gibts da Haufenweise! Also pass gerade bei so Namen wie ´Dreamgirl´ auf, dahinter verbergen sich meist irgendwelche fetten Perversen, die nur darauf warten, dass du dich nackt vor der Kamera zeigst.” Ich stutzte. „Aber ich bin doch ein Mann!”, sagte ich und hörte Maria lauthals lachen. „Homos und Transen gibt es in deiner Welt wohl nicht!“ Sie bekam sich überhaupt nicht mehr ein vor Lachen, was mich gleichermaßen verärgerte und zur Scham trieb. Gut, dann bin ich wohl auf einen Mann herein gefallen. Na und? Das Gespräch war trotzdem aufschlussreich – sehr sogar.

Maria bot mir an, im Laufe des Tages vorbei zu kommen, damit wir noch ein wenig an meinem Profil herum feilen konnten. Sie wollte unbedingt, dass sich mehr Frauen auf meine Seite verirren. Ich willigte leider ein, denn kaum war sie bei mir und ich präsentierte stolz meinen Account, hagelte es Kritik. Der Name sei langweilig, der Profiltext gleiche denen aller anderen. Überhaupt nichts gefiel ihr. Außer das Bild natürlich, aber auch nur, weil sie es gemacht hatte. Sie kam mit tausenden Verbesserungsvorschlägen daher, ich lehnte sie allesamt ab. Dann war mein Profil eben langweilig. Aber unter diesen Umständen passte es wenigstens zu mir. Es blieb also alles so wie es war.

„Ändere wenigstens deine Mailtexte. Kein ödes ´Hallo, wie geht’s? ` Das schreiben sie alle und es ist so ätzend. Ich meine WIRKLICH langweilig! Mach jeder Frau lieber ein Kompliment zu ihrem Profil, zu ihrem Bild oder zeig Interesse an ihrem Beruf oder zu was auch immer sie eingegeben hat. Schreib was Originelleres, irgendwas, bei dem sie neugierig wird.” Das war endlich mal ein vernünftiger Vorschlag, mit dem ich arbeiten konnte. Doch so sehr ich auf Marias Unterstützung gebaut hatte und glaubte, sie könne mir bei den ersten Flirtversuchen mit Rat und Tat zur Seite stehen, sie musste schon wieder weg und ließ mich im virtuellen Single – Dschungel allein.

Es war Sonntag. Ein trüber und grauer obendrein. Dementsprechend viele Frauen waren online und sie alle beschwerten sich über das Wetter. Jede von ihnen schrieb, wie gern sie jetzt am Strand läge bei angenehmen Temperaturen. Und ich dachte immer, nur ich sei einfältig.

Ehrlich gesagt mochte ich dieses Wetter. Ich fand es schön, wenn kaum jemand draußen unterwegs war, wenn die bunten Regenschirme in den Straßen leuchteten. Das war schön, wenn auch nur für mich und scheinbar stand ich mit dieser Auffassung ganz allein – im Regen. So klickte ich allmählich etwas genervt auf den Profilen herum, las mit Desinteresse die immer gleichen Nachrichten, wo sich nur die Bilder voneinander unterschieden. Klar, ich hätte auch einfach den Laptop ausmachen können. Und dann? An solchen Tagen gab es kaum Alternativen zum öden Chat, wenn man allein war. Doch dann wurde mein dunkles Gemüt endlich erhellt!

´Pling´

„Ist das nicht ein herrlicher Tag heute? :)”

Ich war gerade in der Küche, als ich die Nachricht erhielt und kaum hatte ich die Zeilen gelesen, war ich hin und weg. Ja, endlich jemand, der einen tristen Tag zu schätzen wusste!

„Ja, ich finde ihn ganz wunderbar! Das perfekte Wetter, um einfach mal die Füße hoch zu legen, einen Tee zu trinken und wieder ein gutes Buch zu lesen.”, schrieb ich zurück.

´Pling´

„Das mache ich gleich auch. War auch schon draußen spazieren. Es ist schön, wenn man die Stadt einmal ganz für sich allein hat. Wie heißt du? Ist Rolf dein richtiger Name?”

Ich zögerte. Wenn sie meinen Namen nicht mögen würde, würde sie sicher auch nicht mehr weiter mit mir schreiben wollen. So dachte ich zumindest, aber andererseits, warum ihr etwas vormachen? Früher oder später würde sie es vielleicht ohnehin heraus bekommen und dann stünde ich reichlich dämlich da mit meiner Lüge. Also tippte ich:

„Ja, ich heiße wirklich Rolf. Kein toller Name, dafür aber ein toller Kerl.”

Noch ehe ich handeln konnte, drückte mein Unterbewusstsein auf absenden. NEIN! Das konnte ich so doch nicht abschicken! Jetzt war es auch zu spät. Entgegen meiner Vorstellung ertönte das Nachrichtensignal kurze Zeit später wieder.

´Pling´

„Ich finde deinen Namen schön. Endlich mal etwas anderes als immer diese typischen Namen. Deine Eltern haben wohl geahnt, dass aus dir später mal kein gewöhnlicher Mann werden würde! Dein Bild finde ich übrigens sehr hübsch. Du scheinst ein attraktiver Typ zu sein.”

Ohne länger zu zögern, rief ich Maria an. „Wenn mir jemand schreibt, mein Name sei toll und ich sei attraktiv und diese Person nennt sich Ava1511, ist das dann auch ein Kerl?”, fragte ich wohl leicht hysterisch, denn ich wollte nicht wieder auf ein Fake hereinfallen.

Maria kicherte in den Hörer. „Hat sie ein Bild von sich drin?”, erkundigte sie sich. Ich klickte auf Avas Profil.

„Ja, ein sehr hübsches sogar!”, entgegnete ich.

„Sieht es aus wie ein Modelbild aus dem Internet gezogen?”

Ich legte den Kopf schief und betrachtete das Foto. „Nein, eigentlich nicht.”, stellte ich fest.

„Klingt ihr Profiltext wie der Dialog eines dummen Blondchens in einem Porno?”

Ich stutzte. Was ging Maria bloß durch den Kopf? „Nein”, sagte ich erneut. „Sie schreibt, dass sie einen echten Kerl sucht, der mit Verstand und Herz punkten kann. Sie sagt, sie hätte lieber ´einen Klugscheißer als einen Dummschwätzer´. Ist das ein Pornodialog?“

Maria lachte laut los. „Nein, definitiv nicht! Worauf wartest du? Schreib weiter mit ihr, mach ihr Komplimente, lass nicht locker. Die scheint dich wirklich toll zu finden!” Dann legte Maria wieder auf und überließ mich wieder selbst meinem Schicksal.

Kapitel 2

Mein Name ist Amanda. Amanda Meier. Meier mit „i“, nicht mit „y“. Eine Tatsache, die viele gern vertauschen. Aber das nur nebenbei bemerkt. Ich bin 39 Jahre alt und von Beruf Polizistin. Ich weiß, was Ihnen jetzt durch den Kopf geht ´nicht wieder eine dieser Ordnungshüterinnen, die auf wichtig macht` und ich kann versichern, so eine bin ich nicht. Nicht mehr.

Am Anfang meiner Laufbahn war natürlich die große Euphorie an erster Stelle. Den Zettel in der Hand zu halten, der schwarz auf weiß belegte, dass ich wirklich an der Polizeischule angenommen wurde, war MEIN großes Ziel. Ich war damals so motiviert, wie man es frisch mit Abi in der Tasche nur sein konnte, wenn es darum ging, seinen Traumberuf bald endlich erlernen zu können. Ja, ich wollte schon immer zur Polizei, Mordfälle lösen, Verbrecher jagen, Drogenkartelle hochnehmen, Überfälle verhindern. Für mich war das einer der Berufe, die wenig mit mädchenhaftem Getue zu tun hatten, denn wirklich tussig war ich wohl nie. Zumindest gehörte ich nicht zu der Sorte Frauen, die weinten, wenn ihnen einer ihrer Plastiknägel abbrach, stets geschminkt aus dem Haus ging oder für Schuhe sterben würde.

Ich ging lieber logisch an Probleme heran und versuchte eine Lösung zu finden, anstatt sie wegzuschminken, als sei nichts gewesen. Fortan würde ich also in einer Liga spielen, in der das Aussehen wirklich keine Rolle zugeteilt bekam, sondern es auf taktisches Kalkül und beherrschte Vorangehensweisen ankam. So glaubte ich zumindest. Doch der erste Tag an der Polizeischule belehrte mich eindeutig eines Besseren.

Alles, was ich bis dahin über den Beruf glaubte zu wissen, war falsch, wie ich schnell feststellen musste. Um mit den anderen mithalten, ja überhaupt wahrgenommen werden zu können, zählten keine Erfolge. Es kam auch nicht darauf an, wie geschickt, klug oder beherrscht man war. Aussehen, es war einzig und allein das Äußere, auf das jeder achtete. Meine Niederlage stand also fest lange bevor ich überhaupt eine Chance hatte zu beweisen, was ich an wirklichen Qualitäten vorweisen konnte, die mehr mit dem Job zu tun hatten als eine tödliche Schusswaffe in besonders gepflegten Händen zu halten. Doch das interessierte hier niemanden. Stattdessen spalteten sich alle angehenden Polizisten meines Jahrgangs in zwei Lager.

Auf der einen Seite gab es die Jungs, allesamt schlank und mehr oder weniger durchtrainiert, aber dafür fit und auf ihre eigene Weise durchaus attraktiv. Auf der anderen Seite waren die Mädels, ihre perfekten Haare zum lockeren Pferdeschwanz gebunden, Sonnenstudio gebräunt mit glänzend weiß gebleechten Zähnen, dem richtigen Make – up und dem, was sie wohl alle auszeichnete, als sei es eine geheime Frauenuniform – Perlenohrringe. Keine echten natürlich, sondern diese Billigdinger aus dem Billigladen für Accessoires, wo sie sicherlich auch ihre schmucken Halstücher her hatten, die sie sich nach getaner Arbeit umlegten als seien sie das Erkennungszeichen „Ich gehöre zur Polizei“.

Ich stand irgendwo dazwischen mit meiner damaligen Kurzhaarfrisur, meinem nach Geschlecht nicht definierbaren, einfach nur dünnen Körper und der unsicheren Art, die mir schon immer im Weg stand. Ich glaube, mir war bereits am ersten Tag mehr als bewusst, dass die Polizeischule für mich alles andere als ein Spaziergang werden würde. Und genau diese Befürchtung wurde mir dann auch rasch bestätigt, als es darum ging zu beweisen, was man auf dem Kasten hatte. Ich stöhnte nicht vor Anstrengung, wenn es hieß, die eigene Fitness unter Beweis zu stellen. Nein, ich biss meine Zähne zusammen und powerte mich aus. Ich rannte, als hinge mein Leben davon ab, ich kletterte, als wäre der Teufel persönlich hinter mir her und schwitzte wie ein Schwein.

Gut, mein Ehrgeiz wurde von den richtigen Leuten belohnt, ich bestand diese Schule mit Bravour und konnte direkt loslegen mit den Kriminalfällen. Aber bis dahin musste ich die Häme der anderen irgendwie überstehen. Es ist nicht schön, wenn man von allen Seiten gedemütigt und schikaniert wird. Wenn man in Duschen gezogen wird, sie einem die Klamotten vom Leib reißen, um zu sehen, ob man wirklich zu den Frauen gehörte und nicht einfach nur ein Spanner war. Ebenso wenig toll fand ich es, von allen Kerlen begrapscht zu werden mit den Worten wie geil es doch sei, eine Frau anzupacken, die wie ein Kerl aussähe und sich auch so anfühle, auf diese Weise kämen sie sich wenigstens nicht schwul vor. Schön, dass immerhin IHR Gewissen damit beruhigt gewesen ist, nicht wahr?

Ich hasste sie alle, träumte immer wieder davon, sie „versehentlich“ bei einem Einsatz abzuknallen, aber ich verdrängte es so gut ich konnte. Es war mein Ziel vor Augen, das mich davor bewahrte, in Selbstmitleid zu zerfließen und mich für sie und mich gleichermaßen zu schämen oder eine Dummheit zu begehen. Ich wollte die beste Ermittlerin sein, die es gab. Ich wollte zu denen gehören, die über Leipzig hinaus bekannt dafür war, eine wirklich gute Polizistin zu sein, deren Ratschlag überall auf der Welt gefragt war. Davon konnte mich niemand abhalten, auch nicht diese dämlichen Affen, die sich später meine Kollegen schimpften.

Deutschland war dabei ehrlich gesagt nie das Land meiner Wahl gewesen, denn hier passierte so gut wie nie etwas Spannendes, zumindest nichts, das mein Interesse geweckt hätte. Und falls es mal zu einem wirklich interessanten Fall kam, wurde ich nicht dazu geholt, ich war ja „Die Neue“ und noch zu unerfahren. Der Papierkram sei aber eine gute Vorbereitung auf die bald folgende reale Polizeiarbeit auf der Straße, hieß es. So musste ich mich damit auseinander setzten, wie viele und welche Gartenzwerge in Nachbars Garten stehen durften, welche Brunnen und Häuschen den Rasen zieren konnten, ohne dabei als belästigend oder störend empfunden zu werden.

Es war lästig, öde, eintönig und langweilig. Kurz gesagt, ich hasste meine Arbeit. All die Jahre, die ich mich in der Schule angestrengt hatte, um Polizistin werden zu können, mir die Nächte um die Ohren schlug, um in der nächsten Mathearbeit eine Eins zu schreiben, all das, damit ich hin und wieder Streife fahren und einschreiten durfte, wenn einer nach 22 Uhr seine Musik einen Tacken zu laut gedreht hatte und sich die Alte aus dem Erdgeschoss wieder beschwerte. Weniger wegen des Lärms, die Dame war ohne ihr Hörgerät nahezu taub, sondern einfach nur, um sich beschweren zu können. Sie hasste den Nachbarn aus der zweiten Etage, diesen jungen Kerl mit den bunten Haaren, diesen Studenten, der sich die Wohnung sicher nur mit dem Verkauf von Drogen leisten konnte. So zumindest lauteten ihre Anschuldigungen. Und ich vermutete, sie war einsam, da ist es natürlich schnell überlegt, die 110 zu wählen, denn da kann man sich sicher sein, dass einer ans Telefon geht, sich ihre Sorgen anhört und im Ernstfall sogar einen Besuch abstattet. Trauriges Leben. Ich habe mir geschworen, niemals so zu enden, aber dann musste ich mir doch eines Tages eingestehen, dass ich längst ein ebenso tristes Leben mein eigen nannte.

An den Wochenenden übernahm ich immer wieder die Schichten der anderen, denn im Gegensatz zu ihnen hatte ich weder eine Beziehung, geschweige denn eine Familie oder irgendwelche nennenswerten Hobbys, die mich samstags oder sonntags vereinnahmten. Dass ich kein wirkliches Partytier bin, brauche ich wohl nicht zu erwähnen.

Trotz alledem hoffte ich, in Leipzig, meiner Heimat, die ersten schweren Verbrechen meiner Karriere knacken zu können. Ja, ich wollte mehr Action. Aber man gab sie mir nicht. Nur noch mehr Blankopapier zum Ausfüllen der Polizeiberichte. So fasste ich einen Entschluss und bewarb mich beim örtlichen Gefängnis. Vielleicht würden mich die Inhaftierten auf die richtige Fährte bringen, endlich einen wirklich interessanten und vor allem WICHTIGEN Fall zu lösen.

Gleich am ersten Arbeitstag im Knast begegnete ich Joe. Wie er wirklich hieß, wusste ich nicht. Ich glaube, niemand wusste seinen richtigen Namen. Er saß wegen allen möglichen Sachen, ich vermute, das Harmloseste waren Zwangsprostitution und Drogenhandel und natürlich schwere Körperverletzung. Oder war es sogar ein Mord? Ich weiß es nicht mehr und es ist auch nicht so wichtig. Er war natürlich ein unheimlich angsteinflößender Kerl, der gern Respekt ihm gegenüber mit blanker Angst vor ihm verwechselte. Sein durchtrainiertes Kreuz war beinahe so groß wie ich lang war, er hatte perfekte weiße Zähne, eine Glatze und eine wunderschöne hellbraune Haut. Er sah in diesem kargen Gefängnis immer aus, als habe er als Einziger den Sonnenplatz erhalten und könne sich tagein tagaus bräunen.

Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie alle Wärter sich vor ihm fürchteten. Die einen ganz offensichtlich, die anderen still in aller Heimlichkeit. Und sicherlich gab es auch allein beim Blick in seine Polizeiakte genug Grund, um sich in seiner Gegenwart in die Hose zu machen, aber, warum auch immer, ich gehörte nicht zu den Angsthasen. Vielmehr erinnerte er mich an meinen Lieblingsteddy, den ich als kleines Mädchen besaß. Er hatte die gleiche Fellfarbe wie Joes´ Haut und einen ebenso grimmigen Blick. Aber er war lieb und kuschelig und brachte mich durch so manche unheimliche und unruhige Nacht, wenn ich von Albträumen geplagt ängstlich erwachte.

Wann immer ich Joe ansah, musste ich an meinen Teddy denken und war automatisch beruhigt. Ja, ich musste manchmal sogar lächeln, wenn Joe in Handschellen an mir vorbei geführt wurde. Ich dachte dann immer, wenn er da war, würden mich alle anderen auf jeden Fall in Ruhe lassen und wenn mir etwas passierte, dann auch nur, weil Joe es getan hatte und ich war überzeugt davon, das würde ich in dem Fall gewiss nicht überleben.

Natürlich blieb meine Sympathie für diesen Schwerverbrecher nicht unbemerkt. Es kam häufiger vor, dass Joe mich anlächelte, wenn er an mir vorbei ging oder mich mit einem leichten Kopfnicken grüßte.

Eines Abends machte ich meine Runde, um zu sehen, dass in den einzelnen Zellen alles in Ordnung war. Zugegeben, als ich mich seiner Zelle näherte, wurde ich mit jedem Schritt nervöser. Aber es war nicht eine von Angst erfüllte Nervosität, die sich in mir aufbäumte wie eine undurchdringliche Mauer, ich war gespannt, was mich erwarten würde, war neugierig und konnte es eigentlich kaum erwarten, endlich bei ihm angelangt zu sein. So machte ich zügig meine Runde und wurde erst wieder langsamer, als ich vor seiner Tür stand. Mein Herz raste wie wild. Wie ein kleines Mädchen fühlte ich mich, das vor ihrem großen Schwarm stand und nun etwas sagen musste, damit die Situation nicht peinlich wurde. So klopfte ich gegen die harte Tür. „Alles in Ordnung da drinnen?“, fragte ich und war wirklich bemüht, weniger nervös, dafür aber umso bestimmter zu klingen. Dann lauschte ich, was als nächstes passierte. Ich hörte Schritte in der Zelle. Sie kamen näher. Dann blieb er stehen. Für den Bruchteil einer Sekunde passierte nichts, bis ich schließlich ein leichtes Klopfen von der anderen Seite der Tür vernahm. „Alles Bestens, Amanda!“, erklang Joes´ Stimme. Sie war unheimlich beruhigend und trotzdem stark. Bis zu jenem Abend hatte ich ihn kein einziges Wort reden hören, was mich in diesem Moment nur noch mehr ins Schwärmen brachte. Und er wusste meinen Namen! Er gehörte wohl zu einem der wenigen Männer, die mich nicht als kleinen Kumpel ansahen, sondern als eine Frau. Eine richtige Frau. Und er wusste, wie ich heiße, was bedeutete, dass ich ihm gewiss nicht gleichgültig war.

Ich kann kaum abstreiten, dass mich dieser Joe, dieser Verbrecher, auf eine Wolke gehoben hatte, die mich höher schweben ließ als irgendjemanden sonst. Ich fühlte mich, als stünde ich über allen anderen. Ein verdammt gutes Gefühl! Dieser eine Satz aus seinem Mund bewegte mich sogar dazu, mich weiblicher zu fühlen und dementsprechend auch weiblicher zu geben. Meine Haare waren ohnehin länger geworden seit Beginn der Polizeischule, aber zum ersten Mal nach Jahren besuchte ich wieder einen Friseur, ließ mich auf waghalsige Farbexperimente und Frisuren ein, ganz zu schweigen von einer ausgiebigen Make – up Beratung, in der man mir klar machen wollte, ich hätte ein unheimlich schönes und zartes Frauengesicht, aus dem man viel machen könne. Sogar meine Kleidung wechselte ich. Die schlabberigen Hosen tauschte ich gegen eng anliegende Jeans in meiner Freizeit und für die Arbeit griff ich zu Wonderbras und Tangas, damit meine Figur auch in dem damals noch unansehnlichen Grün und Ocker etwas her machte. Es zeigte sogar Wirkung, zumindest hinter den Knastmauern.

Ich erinnere mich noch sehr gut daran, wie wir uns tief in die Augen sahen, wenn wir uns begegneten und wie aus einem anfänglichen „Alles Bestens, Amanda!“ immer längere Gespräche wurden, vorausgesetzt, die Zeit ließ es zu.

Eines Tages stand eine routinemäßige Zellendurchsuchung an und man fand bei Joe einen zugeklebten Briefumschlag ohne die Angabe eines Empfängers. Man öffnete den Umschlag kurzerhand und überreichte ihn mir mit errötetem Gesicht und einem breiten Grinsen. „Der ist wohl für dich, kleine Süße!“, lachte Marko hämisch. Ich begriff nicht, was das sollte und nahm das Papier wütend an mich. Erst im Kaffeeraum faltete ich es auseinander und las die ersten Zeilen. Dieser Brief richtete sich tatsächlich an mich, an „die kleine süße Amanda!“. Welche Emotionen ein paar geschriebene Zeilen auslösen konnten, es war faszinierend. Bis zu jenem Abend hatte ich außer Rechnungen und Grußkarten meiner Oma nie schöne Briefe erhalten. Erst Recht keine Liebesbriefe. Aber dieser war einer. Ganz sicher.

Zu Hause las ich ihn immer und immer wieder. Ich konnte ihn bald auswendig und vermochte es nicht, ihn auch nur einen Augenblick aus den Händen zu legen. Ich war überzeugt, Joe hatte ihn extra im Zimmer gelassen, damit ich ihn bei der nächsten Zellendurchsuchung erhalten würde und es aussah, als solle er nie in meine Finger gelangen. Ein Insasse heimlich verliebt in eine Wärterin. DAS war doch mal ein Krimi!

Es folgten weitere Briefe von ihm, einer liebvoller und schöner als der andere und auch ich bemühte mich im Schreiben. Aber es war mir zu peinlich, meine Gefühle für ihn in Worte zu fassen. So fasste ich mir zumindest bei jedem meiner Rundgänge ein Herz und stellte mich ganz nah an seine Zellentür. „Danke für den Brief!“, sagte ich jedes Mal, wenn ich mir sicher war, dass er direkt an der Tür stand und außer uns niemand meine Worte hörte. Dann erzählte ich ihm, wie schön ich seine Schreiben fand und welche Empfindungen sie in mir weckten. Ich erzählte ihm schließlich sogar von meinen Sehnsüchten.

Ich glaube, er wusste wie leicht ich zu manipulieren war, warum sonst sollte er ausgerechnet mich auserwählt haben, mir eine Liebelei vorzuheucheln? Aber ich war dumm und naiv genug, ihm alles zu glauben. Im Nachhinein frage ich mich auch, ob es wirklich so offensichtlich gewesen ist, wie sexuell frustriert ich war. Ich meine, ich war Mitte zwanzig und mein bis dahin erotischstes und intimstes Abenteuer waren vermeintliche Liebesbriefe eines Knackis. Eines gefährlichen Knackis. Aber damals pfiff ich drauf und ging sogar noch weiter.

Es war kurz vor Weihnachten, als er mir offenbarte, dass er einen großen Wunsch hatte. Ich bohrte ordentlich nach, was es denn sein könnte und hoffte inständig, dass es etwas mit mir oder zumindest meinem Körper zu tun haben würde und ich sollte Recht behalten. Aber anstatt ganz plump daher zu kommen mit den Worten „Ich will dich ficken“ umschrieb er es auf so bezaubernde und romantische Art und Weise, dass ich gar keine andere Wahl hatte als das Wagnis einzugehen, mich eines Abends in einem unbeobachteten Moment in seine Zelle zu schleichen. Ich war bereits Tage zuvor nervös deswegen gewesen, habe mir immer wieder den Kopf darüber zerbrochen, welches Make – up ich auflegen sollte und vor allem, welche Unterwäsche die Passendste wäre. Keine Frage, ich wollte nicht nur ihm gefallen, sondern vor allem auch mir selbst, denn wir reden hier nicht von irgendeiner sexuellen Erfahrung, sondern von meiner ersten.

In seiner Zelle schloss ich die Tür hinter uns und umklammerte den Schlüsselbund ganz fest. Joe stand mir gegenüber und lächelte. Er sah fast schon etwas verschämt aus und ehrlich gesagt war ich alles andere als selbstsicher in diesem Augenblick. Glücklicherweise machte er den ersten Schritt, ging auf mich zu, umarmte mich mit seinen großen Muskeln ganz leicht und sah mir dann tief in die Augen. Er erzählte mir, wie schön ich sei und wie lange er auf diesen Moment gewartet habe, dann küsste er mich mit seinen weichen Lippen! Ich schmolz dahin wie Butter und ließ ihn einfach machen, unfähig, auch nur noch einen klaren Gedanken fassen zu können. Er öffnete meine Bluse, küsste meine gesamte Haut, es war so toll …

Ja, ich gerate auch heute noch ins Schwärmen…

Und dann wendete sich das Blatt – natürlich, wie sollte man es auch anders erwarten. Während ich mich völlig unbeherrscht darauf einstellte, mich ihm willenlos hinzugeben, nutzte er die Gunst der Stunde um sich meinen Schlüsselbund zu greifen und so schnell er konnte Reißaus zu nehmen. So lag ich da. Halbnackt. Noch nicht wirklich ganz bei der Sache, als er im Flur auch schon wieder geschnappt wurde. Gedemütigt wie es keiner jemals zuvor geschafft hatte. Benutzt. Ich ekelte mich so entsetzlich vor mir selbst und das Lachen meiner Kollegen machte es keinesfalls besser. Eiligst griff ich nach meinen Habseligkeiten, zog mich so schnell ich konnte wieder an und beendete ordnungsgemäß die Schicht, als sei nichts gewesen. Natürlich wurde ich tags drauf zum Chef gerufen, der mich prompt beurlaubte, bis man eine neue Stelle für mich gefunden hatte, denn immerhin stellte man trotz diesen Mallörs außer Frage, dass ich eine gute Polizistin war.

So hieß es dann bei meiner Versetzung, der Inhaftierte habe mich unter noch ungeklärten Umständen in seine Zelle bekommen und versucht zu vergewaltigen, weshalb es mir nicht möglich sei, weiterhin dort zu arbeiten. Man suchte mir eine Dienststelle, die weniger gefährlich war. Und so musste ich mich schon mal mit dem Gedanken anfreunden, wohl nicht in Zukunft auf den Straßen New Yorks auf Verbrecherjagd zu gehen, sondern mich wieder zornigen Gartenzwergbesitzern zu widmen.