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Nach der Kuscheltier-Ausbildung wünscht sich Schäfchen Schnüffler nichts lieber, als endlich ein Kind zu finden, das er zum Lachen bringen, trösten und knuddeln kann. Doch auf seiner Reise läuft nichts wie geplant. Und was hat es mit dieser roten 7 auf sich? Er ahnt nicht, dass gerade die ihm am Ende Glück bringt! Die liebevolle Geschichte motiviert kleine Leser, von ihren eigenen Kuscheltieren zu erzählen. Sie können ihre Geschichte per E-Mail an Schäfchen Schnüffler schicken. Er antwortet garantiert!
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Seitenzahl: 41
Veröffentlichungsjahr: 2019
Diese Geschichte ist meinen lieben Kindern gewidmet.
- Manu Lundgren -
Geheimnisvolle Zahlen
Achterbahnfahrt und Wirbelwind
Ein Großvater im Spielzeugladen
Kuscheltierregel Nummer 8
Die kleine Leseratte
Wer ist Malin?
Großvaters Idee
„Sei so gut und kratz mich nochmal!“ Schäfchen Schnüffler kennt das schon: „Aber klar doch.“ Sogleich fährt er seinem Freund Amigo mit der Hand kräftig durch das weiche Kuscheltierfell.
Die beiden Schafkinder Schnüffler und Amigo sind mit der letzten Kuscheltierlieferung eingetroffen. Das war vor vier Tagen. Und seitdem geht das so, tagaus, tagein. Ihr derzeitiges Zuhause ist das Regal eines kleinen Spielzeugladens. Amigo hat einen Platz in der ersten Reihe gefunden, Schäfchen Schnüffler versteckt sich hinter ihm. Nur seine Äuglein blinzeln über die Schulter des Vordermannes. Von diesem Beobachtungsposten aus kann Schnüffler den ganzen Laden überblicken.
Schon auf der Fahrt hierher haben die beiden sich kennengelernt und sich sofort gut verstanden.
Dieses ständige „Kratz mich mal!“ nervt zwar ein wenig, aber Schnüffler empfindet Mitleid mit seinem Freund, denn es ist in der Tat seltsam: Normalerweise schaukeln die mit einer Plastikschnur befestigten Papierschilder wie Ohrringe an den Kuscheltierohren. Bei Amigo aber hängen sie von der Schulter herab, verfangen sich im dichten Fell und kitzeln ihn mit ihren Ecken am Rücken.
„Du tust mir echt leid“, flüstert Schnüffler. „Wie lange müssen wir diese Schilder eigentlich tragen?“
„Ich weiß nicht“, flüstert Amigo zurück, „ich habe gehört, dass darauf wichtige Informationen stehen. Am liebsten würde ich mir diese lästigen Teile auf der Stelle abreißen.“
Schnüffler greift das Papierschild seines Vordermannes: „Schaf. Braun. Waschen bei 30 Grad. ‚Made in Germany‘. 9 Euro 99. Darüber ist eine rote 12 geschrieben.“
„Wie interessant! Ich bin also ein braunes Schaf. Soll das etwa die wichtige Information sein?“, fragt Amigo. „Als ob man das nicht sehen würde. Von Waschen hat mir übrigens bisher niemand etwas gesagt“, wundert er sich. „Und was heißt ‚Made in Germany‘? Steht das bei dir auch?“ Schnüffler greift nach seinem Papierohrring und zieht vorsichtig daran, bis sein Ohr abgeknickt ist. Die Plastikschnur ist jetzt völlig gespannt und droht durchzureißen. Um überhaupt etwas sehen zu können, muss er auch noch die Augen verdrehen. Er sieht wohl gerade sehr komisch aus, denn die Kuscheltiere in seiner näheren Umgebung fangen prompt an zu kichern. „Bei mir steht Folgendes: Schaf. Weiß. Dann dasselbe Zeug wie bei dir, und eine rote 7“, brummelt Schnüffler angestrengt. Er biegt sein Ohr zurück in die Ausgangsposition, schaut Amigo mit hochgezogenen Augenbrauen an und schüttelt den Kopf, um zu signalisieren, dass er es besser fände, nicht länger Aufsehen zu erregen.
„Rote Zahlen sind kein gutes Zeichen.“ Wer spricht da aus dem Hintergrund? Schnüffler dreht sich um. Er kann nichts und niemanden erkennen. Seine Augen müssen sich erst an die Dunkelheit im hinteren Teil des Regals gewöhnen. Wer oder was ist das? Ein Farbfleck? Ein Farbfleck, der sprechen kann? Da sitzt ein mit einem kunterbunt gesprenkelten Anzug bekleideter Hase. „Wie viele Eier hast du denn bemalt? Du siehst ja aus wie der Osterhase. Dem wollte ich immer schon einmal über den Weg laufen“, staunt Schnüffler. „Ich bin ein Hase. Korrekt. Man hat mich vor Ostern in diese Klamotten gesteckt, um mich als Osterhasen zu verkaufen. Korrekt. Leider hat man vergessen, mir diese Klamotten nach Ostern wieder auszuziehen. Und weil Ostern lange vorbei ist und bald die Weihnachtsglocken läuten, habe ich im Gegensatz zu euch so gut wie keine Chance, hier rauszukommen. In diesen lächerlichen Klamotten werde ich noch mindestens bis nächste Ostern hier zubringen müssen. Ich stand auch mal ganz vorn im Regal, genau so wie ihr jetzt. Aber dann verpasste man mir den ersten knallroten Aufkleber, dann den zweiten und so weiter. Preissenkung. Sonderpreis. Ihr versteht? Aktuell bin ich für fünf Euro zu haben und trotzdem will mich niemand, denn wer nimmt einen Osterhasen, wenn Weihnachten vor der Tür steht?“ Nach einer kurzen Pause fügt er hinzu: „Ihr seid für 9 Euro 99 ziemlich günstig zu haben. ‚Made in Germany‘ ist übrigens Englisch und heißt übersetzt ‚Hergestellt in Deutschland‘.“
Amigo fällt dem Hasen ins Wort: „Bist du hier der Lehrer oder was?“
„Ganz ruhig, Brauner! Ich bin schon etwas länger im Geschäft als ihr zwei. Ich will euch nicht beunruhigen, Schafe. Euer Preis ist in Ordnung. Eigentlich stehen eure Chancen nicht schlecht, hier bald rauszukommen. Es sind ja auch noch fast drei Wochen bis Weihnachten. Aber Zahlen in schrillen Farben … kein gutes Zeichen“, endet der Hase und winkt ab.
Unruhe macht sich breit, denn nun inspizieren alle Kuscheltiere ihre Papieranhänger. Schnüffler fährt der Schrecken in die Glieder: „Diese roten Zahlen bedeuten also nichts Gutes. Was nun? Kein Wunder, dass uns noch niemand gekauft hat.“
„Nun bitte keine Panik!“, erwidert Amigo und verdreht dabei die Augen. „Pass auf: Dieser Hase ist frustriert. Und wer weiß, was er da durcheinanderbringt“, versucht Amigo seinen Freund zu beruhigen.
